Einzelbild herunterladen
 

Ems Kövmtsfraße.

Nun ist wieder die Zeit da, die Advent heißt! Nun hat wieder ein neues Kirchenjahr angefangen. Nun sollten wir uns wieder an die Ankunft des Mes­sias, an die Liebe des Vaters, der feinen Sohn zu uns für uns herabsandte, erinnern lassen.

Werde ich nach dem Advent auch Heuer wieder so ungebessert, so trag zum Guten, so ohne christ­liche Gesinnung sein wie die vorigen Jahre?

Werden diese vier Wochen auch Heuer in der Christnacht, in dieser unvergeßlichen Mitternachts­stunde, zu mir sagen müssen, was ich bisher sagen konnte: Sieh, vier Wochen hattest du Zeit und Ge­legenheit, dich auf diese Stunde vorzubereiten, und dein Herz ist noch ?o hart wie die Krippe, in die das Kind Jesus gelegt ward; noch so kalt, so fro­stig wie die Jahreszeit; so gleichgültig wie etwa ein vernunftloses Tier, das in dem nämlichen Stalle lag, wo Jesus geboren ward!

Werde ich das zu mir sagen müssen?

Noch dazu im großen Jahre des Heiles? Im Iubiläumsjahre?

Einige Bemerkungen über öen IubUäumsüblatz

seien in Kürze hier gemacht, weil die Frist mit dem Ende dieses Monats abläuft, innerhalb deren man sich dieser Gnade teilhaft machen kann.

Jeder Katholik kann den Jubiläumsablaß ge­winnen, und zwar zweimal, eininal für die armen Seelen oder beide Mal für die armen Seelen.

Bedingungen für die Gewinnung ist der wür­dige Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares; außerdem muß man für jeden Ablaß an fünf Tagen, die nicht aufeinander zu fol­gen brauchen, je vier Kirchen oder dieselbe Kirche viermal besuchen und dort in der Meinung des Heiligen Vaters beten. Bestimmte Gebete sind nicht vorgeschrieben. Man betet für die Ausbreitung des Glaubens, für den Frieden unter den Völkern, für das Heilige Land.

Wer verhindert ist, diese Kirchenbesuche zu ma- chen, kann vom Beichtvater die Umwandlung in andere gute Werke erbitten.

Die Kranken können den Jubiläumsablaß ge- winnen; sie gehören zu den behinderten; sie lassen sich also von ihrem Beichtvater ein gutes Werk zur Gewinnung des Ablasses auferlegen.

Dasselbe gilt kraft päpstlicher Bestimmung auch für alle Ordensfrauen und Schwestern, für die Frauen und Mädchen, die in religiösen Anstalten leben, für Gefangene und Inhaftierte, für alle, die Kranke zu pflegen haben, für die Arbeiter, die durch körperliche Arbeit ihr Brot verdienen und für alle, die über 70 Jahre alt sind.

Die Christgeschenke.

Alben Stolz hat darüber seine eigenen Gedanken. Er ist gewiß nicht gegen Geschenke zum Christtag schlechthin, sondern nur gegen solche, welche von Christus ablenken statt zu ihm hinzuführen. Es ist recht heilsam, dieses Kapitel zu lesen.

Er hat sich mir heute (1869) wieder recht ver­gegenwärtigt. wie die Christgeschenke heutigentags im Vergleich zu ihrer ursprünglichen Idee das ge- ivorden sind, was eine feste, mit Taffet und gol­denem Behäng aufgeputzte Stadtdame gegen das unschuldige, religiös gestimmte Kind, das sie in den ersten Lebensjahren war.

Das Christgeschenkwesen ist in der Art auf­geschwollen, daß gerade der Christtag in zahllos vielen Familien ganz aufgeht in Gedanken und Stimmungen, welche sich auf Geschenke werfen; sie sind die weltlichen Schmarotzerpflanzen, welche Geist und Gemüt für ihr Interesse aussaugen, so daß nur wenig und kümmerliche Herzensandacht für das arme Kind in den Windeln zu Bethlehem übrig bleibt

Ursprünglich gab man den Kindern Geschenke und sagte, das Christkindlein habe sie gebracht, da­mit die noch vorherrschend sinnlichen Geschöpfe möglichst früh eine Liebe zum Kinde Jesu fassen und es als einen Wohltäter verehren. Das Vor­geben hatte auch seine Wahrheit, indem die Rück­sicht auf den neugeborenen Heiland die christlichen Eltern bewog, die Kinder durch Geschenke zur Christusliebe zu locken. Jetzt aber sind die Christgeschenke Ablenkungsmittel von Christus hin­weg, wie ein Wirtshaus neben der Kirche. Daher

f maiss It auch die Christusleugner Christgeschenke 'und Meihnachtsbäume.

Ler Christtag und jeder hohe Feiertag sollte uns Fein wie ein Hochamt in der Kirche. Unsere Reden und Gedanken sollten sich gar nicht einlassen in ganz weltliche, gottfremde Angelegenheiten. Cs gibt auch im geistigen Gebiet, im Denken, Reden und Schreiben so manches, das eben doch nur für den Werktag zulässig ist, am wenigsten für hohe Feiertage.

Das weitläufige Geschenkemachsn an Weihnach­ten will mir fast vorkommen wie eine Erfindung des Fürsten dieser Welt: teils um die Gedanken der Leute, die Geschenke machen und bekommen, abzuziehen von der "Bedeutung des Festes, teils um die Armut des Kindleins in der Krippe zu verhöhnen. Selbst die Einbildungskraft der Kin-

Advent.

Von Martha Große.

Nun geht das große Wort vom Wegbereiten Hin durch der grauen Wintertage Dunkel, Und eines lichten Kindertraums Gefunkel Flammt über kahle Felder, öde Weiten.

Da geht ein Hoffnungszittern durch die Lande, Und auf dis Armut winterkalte Aeste

Sinkt hell ein Schmuck so wie für Märchenfeste Und hüllt sie ein in lichte Schneegewande.

Und Kinderstimmen jubeln und frohlocken, In dunkle Herzen kommt ein frohes Staunen Von ewiger Gnade geht ein leises Raunen. Und: Gnade, Gnade! singen alle Glocken.

Die Gnade deckt die Härte finstrer Herzen,

Und deckt wie Schnee der Purpursünden Menge. Nun singt die alten, frohen Friedenssänge, Nun zündet an der Liebe Weihekerzen.

Jetzt ist dein Weg bereit. Froh dir entgegen Gehn unsre Seelen nun zum Festgewande. Komm auf dem Silberteppich weißer Lande, Und hebe deine Kinderhand zum Segen.

der wird mit unwiderstehlicher Gewalt gehindert oder abgezogen von der Geburt in Bethlehem, in­dem man dem Feste durch die Weihnachtsgeschenke das Bleigewicht der Augenlust und Hoffart des Lebens anhängt.

Die Christgeschsttke sind ausgeartet wie der Totenkultus in größeren Städten. Ursprünglich sollten sie die Freuvö über die Geburt Christi aus­drücken in Freigebigkeit, insbesondere die Kinder zum Christkind aufschauen lehren, dessentwegen oder von dem die lieblichen Geschenke kommen. Jetzt helfen die Christge'chenke vielfältig dazu, die Idee des Christtages zu vergessen und die Andacht vom Heiligsten abzuziehen auf den Flimmer und Flitter der sogenannten Christgeschenke.

Selbst schon darin liegt Unrat und Staub, daß die Stadtleute so viel daran denken, in Gedanken knausern, einkramen, Herrichten, hin und her rennen, Schachteln packen, für die Post verschnüren, siegeln, adressieren usw. und hintennach phantasie­ren, wie es ausgenommen werden wird. Ja, wenn das arme Christkind nur auch etwas davon be­käme! Aber es bekommt nichts; ihm wird das wärmende Kleid christlicher Andacht dadurch weg­gezogen, so daß es friert und einsam, unbesehen daliegt.

Es weihnachtet.

Die Jugendschriftstellerin Helene P a g é 5 hat sich mit' ihren Nanni-Büchern die begeisterte Liebe der Jungmädchenwelt erobert. Wie innig­schlichten Herzens sie zu erzählen weiß, zeigt die folgende Probe, die aus ihrem BucheMutter Nanni und ihre Kinder" entnommen ist. (Her­der, Freiburg i. Br. 9. Taus. Geb. 3 M.)

Wenn die Haselnüsse prall und fonngebräuni am Strauch hingen und vor dem Herbstwind so

heftig erschraken, daß sie aus ihren Sommetmih, teln vom Strauche fielen, gingen Mutter Nannis Kinder mit dem Vater in den Wald.

Der Vater kannte alle Stellen, wo das Haiel- geftäube in Hecken wucherte und die Nüsse am schön­sten waren.

Haselmaus und Eichhorn zankten nie so viel wie an diesem Tag, da so arge Räuber in ihr verborgenes Revier drangen una von dem Ueber, fluß nahmen, soviel die nsttgebrachten SäKein fassen wollten.

Auf dem Heimweg, den sie gewöhnlich allein machen mußten, weil der Vater noch auf Has oder Reh lauerte, kam dann der erste Weihnachtseugel geflogen.

Die Kinder sahen ihn nicht, aber spürten feine Nähe, sie hörten das Rauschen seiner Flügel im Wehen, das durch den Herbstwald ging, und von dem himmlischen Glanz seines Angesichts kam ein

helleres Leuchten in ihre Augen. Das schönste aber war, daß er sie erinnerte, wie es am letzten Christfest gewesen, und am vorletzten.

Sie plauderten über den ganzen Weg davon, und wenn sie heimkamen, merkte Mutter Nanni gleich an den glühenden Backen und den frohen Herzen, daß es bei ihren Kindern schon weihnach- tete, und sie griff lachend in die Säcklern und

ließ die Nüsse prasseln und purzeln, als sei Christ­kind schon daran, alle Teller zu füllen.

Immer fand sich ein prachtvolles Versteck für diese selbstgepflückten Weihnachtsnüsse, das geheim- zuhalten einem jeden Ehrensache war.

Es gab ribbt nur Weihnachtsnüste, ^nbern auch Weihnachtsäpfel.

Wenn die Kinder dabei gewesen waren, die Bäume leerzupflücken und leerzuschütteln, und die liebe Gottesgabe in der Apfelkammer lag, wurden von den haltbarsten Sorten die atlerfchöniten aus­gewählt, die bekamen einen Ehrenplatz auf Stroh und schliefen sich goldeire Schalen zu den roten Backen, die ihnen Mutter Sonne beim Abschied geküßt hatte.

In der Kammer riecht es nach Weihnachten, Mutter."

Ei freilich das tun die Weihnachtsäpsel. Host du nicht den Engel gespürt, der sie hütet?"

Ach, sie sind so goldig. Mutter, so goldig, und da habe ich ein bißchen singen müssen:

,Jhr Kindlein fommet, 0 kommet doch all!'"

Ja, siehst du, es weihuachtet schon, wir wollen fromm und brav sein."

Ein lieber Weihnachtsengel war es auch, der den großen Himmelsbackofen so früh aufflammsn und alühsn ließ

Christkind bäckt", sagten die Kinder und schau­ten mit Glücksaugen in das Leuchten des Abend­rots: der Wind trug eine Dunstwells- über das Heidekraut, darin sie spielten, und jedes roch cs deutlich: genau wie die Honigkuchen an Weihnachten.

Endlich war Winter. Es schneite und fror.

Vaters Laui säge arbeitet sich durch das weize Ahornholz, und man wußte gar gar nicht, was werden würde. Etwas für Mutter? DiemuÄt wieder ein Käfig, ein so leichtes, luftiges Haus wie das, darin Hansemann sang? Min, es so kleinwinzig aus: Stühlchen, Schränke, umm in eine Puppenstube? Könnte das wirklich 1^. Ach. es war gar nicht auszudenken.

Wie Mutters Spinnrad 'urrte! , Tania und Fäustlinge fürs Schneeballen, ja, die v man brauchen. ,

Niemand konnte so fein und gut spinnen Mutter, und wenn sie nachher strickte, schnell unermüdlich, dann ließ sich allerlei erwarwi. vermuten, aber man sagte nichts. , .

Von fernher Schellengeläute. Ein Schlitten g tet lautlos über die Simmernsrstraße. Klmg-u » tönt es laut und nahe, dann schwacher ve ) lend. Christkind ists gewesen. Die Kinocr V teil den Atem an, unb zaghaft dann " g *

und zwingend:

Chrislkindchen, komm in unser Haus, Leer' bcine großen Ta'schen aus,

Bnna uns mit

Aepsel und Birn' und Haselnuß

Und die grosse Zuckerditz" , ,

Nun ist die ganze Stube voll WeihnachlseuI-

Und das heilige Flügelrauschen, das und Weben, das geheimnisvolle Ahnen und I Erwarten zieh! aus der Wohnstube mit de dern in ihre Schlafkammern, und Mutier a macht beim Gutenachtsagen ihre Segenstre 5