Kassel, den 5. Dezember <926
Ltzrga. 5b.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint leben Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 35 Äoldpsennig 3 40 Soldpfennig (freibl.) Kedaktions- :chlutz Montag. Anzeigen-Preise: Tolonelzeile Im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Tolanelzeile im Reklameteit 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Aed. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
— I Om# ant Betrag Der Fuld« Keflen6ru#erei. —,
Wochenkalender.
Sonntag, 6. Dezbr. 2. Adventssonntag. Sola, Bek.
Labbas, Abt.
Montaa, 6 Dezbr. Nikolaus, Bischof, f 327.
Dienstag, 7. Dezbr. Vigil des Festes Mariä Empfang» niS. Ambrosius, Bisch., Kirchenlehrer, f 307.
Mittwoch, 8. Dezember. Fest der Unbefleckten
Empfängnis Mariä.
Donnerstag, 9. Dezbr. 2. Tag der Oktav der Unbefl. Empfängnis.
Freitag, 10. Dezbr. 3. Tag der Oktav der Unbefleckten
Empfängnis. Melchiades, Papst, Mart., f 314.
Samstag, 11. Dezbr. Damasus 1., Papst, Bek., f 384.
Gelder Oktav der Unbefl. Empfängnis,
Zweiter Röüents=Sonntag.
(Ev. Matth. 11, 2-10).
In jener Zeit, als Johannes die Werke Christi im Gefängnisse hörte, sandte er zwei aus seinen Jüngern und ließ ihm sagen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und verkündiget dem Johannes, was ihr gehört und gesehen habet. Blinde leben, Lahme geben, Aussätzige werden gereinigt, Taube hören, Tode stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt: und selig ist, wer sich an mir nicht ärgert I Als aber diese hinweggingen, fing Jesus an, zu dem Volke von Johannes zu reden: Was seid ihr in die Wüne hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, das vom Winde hin und her getrieben wird? Oder, was seid ihr Hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen mit weichlichen Kleidern angetan? Siehe, die da weichliche Kleider tragen, sind in den Häusern der Kömae. Oder, was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, ich sage euch, er ist noch mehr, als ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben iteht: Siehe, ich sende meinen Engel vor deinem Angesichte her, der deinen Weg vor dir be- reiten soll.
Huf dornigem Pfade.
Ingen sollen die Menschenkinder auf den Wegen des Herrn; hocherhaben ist der Herr und schaut gnädig auf das Niedrige; doch dos Hohe schaut _ _ er von fern. So lese ich im Psalm k'^ 137. Beachte, daß nicht bloß von einem Wege die Rede ist, sondern von mehreren Wegen, auf denen wir den Herrn loben und besingen sollen. Viele Wege fuhren nach Rom, und viele Wege führen auch zu Gott und nach dem humullschen Jerusalem. Der sicherste und beste ist vcr Weg ber Anschuld, der Beharrlichkeit im Glau-
*n d" Liebe. Selig alle, die unbefleckt ivanöein auf ihrem Lebensweg und ihre Seele rein Schöpfer zurückgeben.
nod) einen zweiten Weg, und auch & ^."kommen zum Ziele: es ist der Weg bei- - ^ Qu' Lesern Wege wandeln, schaut Trioden an; nur von jenen Unglück- ' o sendet er iich ab. die hartnäckia auf dem
Weg der Bosheit dahinziehen oder in vermessenem Hochmut sich selbst den Heiligenschein um die Stirne legen. Von diesem Weg der Buße wollen wir reden, und ich gebe zu, daß es ein dorniger Weg ist, aber immerhin ein Weg zur Freiheit, zum Frieden, zum Glück. —
In den ersten Jahrhunderten war die Buße für gewisse Sünden eine öffentliche. Hatte ein Christ irgend eine schwere Sünde begangen, durch die er der öffentlichen Moral einen Schlag versetzte, durch die er den Mitbürgern ein Aergernis gab, z. B. Mord, Totschlag, Unzucht, Ehebruch, Wucher, Be- trug, Zauberei, so verlangte die Kirche in jenen Zeiten lebendigen Glaubens eine öffentliche Buße. Als Glück und Gunst wurde es angesehen, nicht überhaupt verstoßen, sondern unter die Büßer ausgenommen zu werden, mit der Möglichkeit, in absehbarer Zeit wieder zur Gemeinschaft der Heiligen, zum Schafstall Christi zugelassen zu werden. Mit der Handhabung der Buße war der Bischof betraut. Seine Gehilfen waren die Priester. Am Aschermittwoch wurden diese öffentlichen Sünder in Bußgewändern. unter Gebeten und Zeremonien vom Bischcf aus der Kirche hinausgeführt. Denn das wesentliche der öffentlichen Buße war eine gewisse Beschränkung der Teilnahme des Gottesdienstes und das Wegbleiben von der hl. Eucharistie. Dabei gab es vier Klassen von Büßenden. Die unterste Klasse waren die Weinenden. Sie mußten vor der Kirchtüre stehen bleiben und die Vorübergehenden um ihr Gebet ansprechen. Die zweite Klasse waren die Hörenden. Sie durften dem Eingangsgottesdienst beiwohnen bis nach dem Evangelium. Die dritte Klaffe waren die Knieenden. Nach dem Weggang der Hörenden empfingen dieselben knieend den Segen des Bischofs. Die oberste Klasse waren die Stehenden. Sie durften dem ganzen Gottesdienst in stehender Haltung beiwohnen, mußten aber vom Tisch des Herrn wegbleiben.
Der strenge Tertullian fordert von den Büßern noch eil > gewisse Vernachlässigung des Körpers und
ein Tuch oder die Stola vor das Gesicht, so daß seine Gestalt dem Beichtkind mehr oder weniger entrückt und unsichtbar ist. Was hat das für eine Bedeutung? Es ist eine Erleichterung für das Beichtkind. Der Priester tritt damit möglichst in in den Hintergrund, und der Heiland, der Herzenskenner, der gute Hirt, dessen Stellvertreter Der Priester ist, ersteht vor dem Auge des gläubigen Beichtkindes.
Das Beichtkind kniet sich nieder zum Ausdruck der Selbstverdemütigung. Der Priester gibt ihm den Segen mit den Worten: „Der Herr sei in deinem Herzen und auf deinen Lippen ,auf daß du würdig und gehörig deine Sünden beichten mögest im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Amen." Bei den letzteren Worten bezeichnet er ein Kreuz über dich, und du sollst fromm das Kreuz machen, damit jeder Einfluß des böten Feindes abgeschnitten und die Gnade des gekreuzigten Heilandes geöffnet sei Darauf spricht das Beichtkind ein kurzes Gebet als Einleitung zum Bekenntnis. In einem verbreiteten Katechismus hat dieses Gebet folgenden Wortlaut: „In Demut und Reue bekenne ich vor Gott und Euer Hochwürden folgende Sünden." Es ist gut, auch den Termin der letzten Beicht sowie Alter und Stand beizufügen Darauf nennst du in kindlicher Einfachheit und Aufrichtigkeit deine Sünden im einzelnen mit Namen, Zahl und den notwendigen Umständen, ohne Umschweife, ohne Beschönigung. Beschließe dein Bekenntnis mit einem kräftigen Reue- gebetchen: „Diese und alle meine Sünden bereue ich von ganzem Herzen, aus Liebe zu Gott; ich will mich ernstlich bessern Gott, sei mir armen Sünder gnädig". Oder einfach: „Mein Jesus, Barmherzigkeit!" Etwaige Fragen des Beichtvaters beantworte nach bestem Wissen. Merke auf den Zuspruch und die Buße. Sollte sie für dich unerfüllbar sein, so sage es in aller Bescheidenheit dem Beichtvater und er wird die eine andere Buße geben, die deinen Kräften angepaßt ist. So ist jetzt deine Seele vorbereitet auf den großen, mächtigen Akk der Lossprechung. Zunächst spricht der Priester die Worte: „Mserealur" usw.; darauf erhebt er die Hand und spricht: „Indulgentiam" usw. Zuletzt fügt er die eigentlichen und wesentlichen Worts der Lossprechung hinzu: „ego ke abfoloo“ usw. Zu deutsch: „Es erbarme sich deiner der allmächtige Gott, verzeihe dir deine Sünden und geleite dich zum ewigen Leben; Versöhnung, Lossprechung und Vergebung deiner Sünden verleihe dir der allmächtige, barmherzige Gott. Ich spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Amen." Das ist der „dornige Pfad der Buße", der aber zu den Rolen der Freude und in den Garten des himmlischen Pas radieses führt. Mit dem hl. Petrus v Alkantara werden wir dort sprechen: „0 selige Buße, die mir. solche Herrlichkeit eingetragen hat.
Der BurgpfrsD-r.
der Gesundheit. Ohne Bad, schmutzig, fern von Vergnügen, in rauhem Bußgewande sollten sie für ihre Sünden Genugtuung leisten. Am Gründonnerstag war die feierliche Versöhnung und Wiederaufnahme in den Vollbesitz der kirchlichen Ehren und Rechte. Seit dem vierten Jahrhundert kommt das Institut der öffentlichen Buße immer mehr in Verfall, um seit dem 11. Jahrhundert gänzlich zu verschwinden.
Betrachten wir noch die heutige Duß- und Beichtpraxis nach der liturgischen Seite und mit dem dazu gehörigen Zeremoniell. Der Ort der Beichte ist das Gotteshaus, die Kirche. Nur in Ausnahme- fällen, z. B. bei Krankheiten dürfen die Beichten auch in Privaträumen vorgenommen werden. Zwischen Priester und Beichtkind wird eine künstlich Schranke gebildet: der Beichtstuhl. Inwendig i ein Sitz für den Priester; auswendig eine Knie bank und ein Gitter. Hinter dem Gitter ist bisweilen noch ein Vorhang. oder der Priester hält