Ausgabe B.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 35 Daldojenniz 3 40 Zoldpfennig (sreibl.) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Tolonelzelle im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Zolanelzeile im Reklam-teil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Boldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda iein.
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Raffel, den 24. ©Kober (926.
M 06. Zahrg.
Wochenkalender.
Sonntag, 24. Oktober. 22. Sonntag nach Pfingsten. Raphael, Erzengel.
Montan, 25. Oktbr. EhrhsanthuS und Daria, Mart., t 284
Dienstag, 26. Oktbr. Evaristus, Papst, Mart., f 112.
Mittwoch, 27. Oktbr. Vigil der Apostel Simon und Juda.
Donnerstag, 28. Oktbr. Simon und Judas Thaddäus, Apostel.
Freitag, 29. Oktbr. Vom Tage.
Samstag, 30. Oktbr. Vigil von Allerheiligen.
22. Sonntag nach Pfingsten.
(Ev. Matth. 22, 15—22.)
In jener Zeit gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, wie sie Jesu» in einer Rede fangen könnten. Und sie schickten ihre Schüler mit den Herodianern zu ihm und säten: Meiiter, wir wissen,, datz du wahrhaft bist und den Weg Gottes nach der Wahrheit lehrest und dich um niemand kümmerst; denn du siehst nicht auf die Person der Menschen: sag uns nun, was meinest du wohl: Ist es ertaubt, dein Kaiser Zins zu geben, oder nicht? Da aber Jesus ihre Schalkheit kannte, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Zeiget mir die Zinsinünze. Uno sie reichten ihm einen Denar hin. Da sprach Jesus zu ihnen: Westen ist dieses BUS und die Ueberschrrfl? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: Gebet also dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.
Das gro§e Spital.
ie Münzen tragen das Wappen des Staates oder den Namen des Königs oder der Regierung, die sie ausgegeben haben. Was steht aber mit unsichtbaren Buchstaben auf der Menschenstirne und in
jedem Menschenherzen geschrieben? Das nämliche, was einst auf dem goldenen Stirnband des Jüdischen Hohepriester zu lesen war: „Heilig dem Herrn".
Auch wir sind heilig dem Herrn, Gott geweiht, sein Gut und sein Eigentum; ob wir nun Priester sind ^üer Laien; ob wir reich sind oder arm; ob wir Sünder sind oder Gerechte: wir sind Eigentum Gottes. Als unser Schöpfer ist Gott auch un- 1er stänig und besitzt ein unbeschränktes Eigentumsund Verfügungsrecht über uns. Und König über uns ist auch unser Heiland Iesus Christus; König als Gott, der uns erschaffen: König als Erlöser, der uns mit seinem eigenen Blute erkauft und erworben hat.
. ®“5 'st ein großer Gedanke, der aber so oft aus M x^^and und noch öfter aus dem Tun der "^geschaltet wird, sei es mit oder ohne ewußtseln. Um uns wieder nachdrücklich daran To» ^at "user hl. Vater, der Papst, das des Königs eingesetzt, das heuer am
Pflichtvernachlässigung der häusliche Friede. Ins Wanken ist geraten die Gemeinschaft und Stetigkeit der Familie. Erschüttert und dem Untergang nahegebracht ist die menschliche Gesellschaft."
Wie aber am Krankenbett die Hoffnung steht, so steht auch im Spital der menschlichen Gesellschaft hell und strahlend die Hoffnung. Und welcher Hofs- nungsstern winkt uns nach der Meinung des hl. Vaters? Die Rückkehr zu Christus, dein allmächtigen, himmlischen Arzt. Und welches ist der Weg zur Rückkehr? Das Fest Christi, des Königs. Hören wir darüber die Worte unseres hl. Vaters.
„Gerne wollen wir hoffen, daß die Gesellschaft zum liebevollsten Erlöser zurückkehrt durch die all- ährliche Feier des Festes Christi, des Königs. Da- )ei wäre es Aufgabe und Pflicht der Katholiken, durch tätige Mithilfe die Rückkehr der Welt zu Christus zu beschleunigen. Leider aber haben all« zuviele nicht jene gesellschaftliche Stellung und jenes öffentliche Ansehen, wie es unbedingt nötig wäre für Katholiken, welche die Fackel der Wahrheit vorantragen. Oft dürfte dieser Uebelstand einer gewissen Lahmheit und einem gewissen Pessimismus der Guten zuzuschreiben sein, die auf Abwehr entweder ganz verzichten oder sie nur schwächlich leisten. Dadurch schwillt den Gegnern der Kamm, und es wächst ihr Mut. So ist es empörend, wie der süße Name unseres Erlösers auf Kongressen und in Parlamenten totgeschwiegen wird. Um so lauter müssen wir ihn in die Welt hinausrufen und um so kräftiger allerwärts die Känigsrechke und Königwürde Christi reklamieren und aufrichten." Mögen diese Worte des hl. Vaters und diese seine bittere Klage wie ein Posaunenstoß dich aufrütteln und für das bevorstehende königsfest dick in die richtige Stimmung versetzen.
Der Burgpsarrer.
Nuntius pacdlt über das Königtum Christi.
(Rede auf der Breslauer Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.)
Christus ist der Herr der Welt: einmal kraft seines Wesens, das durch die wunderbare Verbindung des Gottseins mit der Menschennatur in der göttlichen Person, die das Urbild aller Schöpfung ist, alle ungeschaffene und geschaffene Vollkommenheit in sich vereinigt und so den Eottmenschen zum geborenen König der Welt macht; dann auch traft seines Erlösunaswerkes. durch das er sich die Menschen zu Kindern seines Eottesreiches erkauft hat. Königtum bedeutet Macht; und zwar viel mehr als äußere geistige Macht, Macht über die Menschenherzen. Sie ist es, die Christus allgemein und bedingt beansprucht. Die Ideen, die die Menschheit bewegen, sollen ein Abglanz des Denkens und Wollens Christi fein; die ganze menschliche Kultur
letzten Sonntag des Oktober zum erstenmal auf dem kath. Erdenrund gefeiert werden soll.
Der hl. Vater hat dem Feste eine Visitenkarte und Empfehlung mit auf dem Weg gegeben in Gestalt einer umfangreichen, geistvollen, mit Liebe und Begeisterung geschriebenen Enzyklika. Im Verlauf dieses Rundschreibens läßt uns der hl. Vater einen Blick in ein großes Spital, in dem die Menschheit krank darniederliegt; krank darniederliegt aus Verblendung, krank darniederliegt aus eigener Verschuldung, krank darniederliegt, weil sie vom allmächtigen Arzt, von Christus. dem König, jon Seiner Lehre, von seinen Geboten, von zeiurr Kirche sich abkehrt. Ich hoffe, dir einen Gefallen zu erweisen, wenn ich dich im Geiste hineinführe in dieses Spital, um dir die brennenden Wunden zu zeigen an denen die Menschheit krankt, weil sie Christus, ihrem König, den Rücken kehrt. Dabei will ich mir die Worte des hl. Vaters zu eigen machen und versuchen, sie in volkstümlicher Fassung wiederzugeben.
„Wenn wir die Verehrung Christi, des Königs, der ganzen kath. Welt eindringlich nahelegen, io wollen wir dabei der Rot der menschlichen Gesellschaft Rechnung tragen und ihr eine Arznei an die Hand geben gegen eine heimtückische Krankheit, die wie eine Seuche um sich greift. Mit dieser Krankheit meinen wir den sogenannten „Laizismus", den Geist der Verweltlichung, der keine Priester, keine Kirche, keine Gnadenmittel braucht. Nicht an einem Tag ist dieses böse Geschwür herangereift. Schon lange steckte es den Staaten in Fleisch und Blut. Zuerst ging man daran, die Oberherrschaft Christi über alle Völker zu leugnen. Dann bestritt man die Rechte der Kirche. Sie habe fein Recht, die Menschheit zu lehren, Gesetze zu geben, die Völker zu regieren. Man erdreistete sich, Christi Religion mit den falschen Religionen auf ene Stufe zu stellen. Man unterwarf die Kirche Christi der weltlichen Gewalt und überlieferte sie der Willkür der Fürsten und der Regierungen. Man glaubte sogar, eine rein natürliche Religion oder bloß natürliche Gefühle an Stelle der göttlichen Religion setzen zu müssen. Es fehlte nicht einmal an solchen Staaten, die wähnten ohne einen Herrgott auszukommen. Ihre Religion besteht in der Gottlosigkeit und Gottesgleichgültigkeit
Gallenbittere Früchte haben die Bürger und Staaten aus diesem Abfall von Gott geerntet. Allerwärts sproßt empor die böse Saat der Zwietracht; Neid und Eifersucht zwischen den Nationen werden beständig geschürt. Versöhnung und Friede lassen lange auf sich warten; ungezügelt herrschen die Leidenschaften, die man gerne mit dem Mäntelchen des Gemeinwohles oder des Patriotismus bedeckt. Daraus entstehen bürgerliche Zerwürfnisse und jene blinde, ungebändigte Selbstliebe, welche einzig darnach alles bemißt. Zerstört von Grund aus ist infolge von Pflichtvergessenheit und