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Kassel, den 17. Oktober 1926

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für die katholischen Gemeinden Kassels

Lrscheint jeden Sonntag und tostet monatlich Ausgabe Ä35 Goldsfenaig B 40 Gsldpsennlz (fceibl.) Redaktions­schluß Montag. Anzelgen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark, Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müffe» spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fullm sein.

in hu Druck an» Ssstaj der Iuwa» SMeaBruSetel.

WscheMalender.

Sonntag, 17. Oktober. 21. Sonntag nach Pfingsten.

Hedwig, Herzogin, Ww., f 1243

Montag, 18. Oktbr. Lukas, Evangelist.

Dienstag, 19. Oktbr. Petrus von Alkantara, Bek., f 1562.

Mittwoch, 20. Oktbr. Johannes CantiuS, Bek., f 1473.

Wendelinus, Abt, f 617.

Donnerstag, 21. Oktbr. Hilarion, Abt, f 371. Ursula und Gefährtinnen, Mart., f 451.

Sreitag, 22. Oktbr. Vom Tage.

amstag, 23. Oktbr. Marien-Samstag.

2L Sonntag nach Pfingsten.

(Ev. Matth. 13, 2335.)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern dieses Gleichnis: Das Himmelreich ist einem Könige gleich, der mit seinen Knechten Rechenschaft halten wollte. AIs er zu rechnen anfing, brachte man ihm einen, der ihm zehntausend Talente schuldig war, Da er aber nichts hatte, wovon er bezahlen konnte, befahl sein Herr, ihn und sein Weib, und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und zu bezahlen. Da fiel der Knecht vor ihm nieder, bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Und es erbarmte sich der Herr über diesen Knecht, ließ ihn los und schenkte ihm die Schuld. Als aber dieser Knecht hinausgegangen war, fand er einen seiner Mit- knechte, der ihm hundert Denare schuldig war: und er packte ihn, würgte ihn und sprach: Bezahle, was du schuldig bist! Da fiel ihm sein Mitknecht zu Füßen, bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging hin und ließ ihn in's Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt hätte. Da nun seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt: und sie gingen hin und erzählten ihrem Herrn alles, was sich zugetragen halte. Da rief ihn sein Herr zu sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Die ganze schuld habe ich dir nachgelassen, weil du mich gebeten hast: solltest denn nicht an deines Mikknechtes dich erbarmen, wie auch ich einer erbarmte? Und sein Herr ward zornig l vergab ihn den Peinigern, bis er Die ganze Schuld vezahlt haben würde. So wird auch mein himmlischer Vater mit euch verfahren, wenn ihr nicht, ein Jeder seinem Bruder, von Herzen verzeihet.

Unier günstigen Bedingungen

ie ganze Schuld habe ich Dir nach­gelassen, sprach der Herr im heu­tigen Evangelium zu dem glück­lichen Knechte. In derselben glück­lichen Lage bist du, christliche Seele, . ^* wenn du den vollkommenen Ablaß, den Inbilämnsabiaß gewonnen hast.

Nicht bloß ein Teil der Schuld, nein, die ganze Schuld wird dir da erlassen, ohne den geringsten Rest ohne den geringsten Rückstand, ohne den ge- ringsten, Nachtrag. Durch die hl. Beichte werden w zunächst die Sünden, die Beleidigungen verzie­hen, deren du dich gegen deinen Herrgott schuldig Lemacht. darauf schenkt dir der Herr' in hochher-

ziger Weise die wohlverdiente ewige Strafe. Und als ob ihm das bei seiner Freigebigkeit zu wenig wäre, schenkt er dir außerdem die zeitlichen Strafen, die er in seiner unendlichen Gerechtigkeit eigentlich von dir heischen müßte als Gegengewicht gegen )ie zahllosen Sünden. Und diese letztere Nachlas- ung ist ein Werk des Ablasses, und zwar des voll­kommenen Ablasses, wie der Jubiläumsablaß einer ist.

Weißt du, wie mir die Seele vorkommt, dis einen solchen Ablaß gewonnen hat? Wie ein Bett­ler, der in einem gastlichen Hause ein erquickendes Bad genommen, der all seinen Schmutz mitsamt den lumpigen Kleidern zurückgelassen, der von Kopf bis zu Fuß neu gekleidet wurde, der überdies mit einem kräftigen Mahle sich gestärkt hat, und dem dazu eine große Geldsumme eingehändigt wurde. Ist ja die Seele nach guter Beicht voll­kommen frei von jedem Unrat und von allen Stäublein der Sünde, vollkommen ledig aller Stra- en, im Besitz der heiligmachenden Gnade, im Besitz des höchsten Gutes, in der Vereinigung mit Chri­stus, dem Sohne Gottes, dem Himmel und Erde gehören. Weißt du, wie mir eine solche Seele fer­ner vorkommt? Wie die Seele eines neugetauften Kindes, über das dis Engel sich neigen, auf das die Augen der heiligsten Dreifaltigkeit mit Wohlgefal­len blicken, dem die Türe des Himmels weit offen steht.

Wer sollte ein so großes Gut leichtsinniger Weise versäumen? Wer eine solche verlockende Möglich­keit unbenutzt verstreifen lassen? Nein, nein; den Jubelablaß wollen wir auf alle Fälle gewinnen. Aber die Bedingungen? Nun sieh, das ist gerade die Aufgabe der heutigen Lesung, über diese Be-

dingungen mit dir zu sprechen. Und glaube ja nicht, daß diese Bedingungen drückend, schwer und unerfüllbar seien; im Gegenteil: es sind leichte, es sind günstige Bedingungen.

Bedenke, was die Pilger früherer Jahrhunderte geleistet haben, um sich in den Besitz des Jubel- ablasses zu setzen. Auf Schusters Rappen, ohne Eisenbahn, ohne Fuhrwerk, ohne Auto, oft nicht einmal einen Pfennig in der Tasche, sind sie aus weiter Ferns herbeigekommen, haben Länder und Berge durchquert. haben in Hütten und auf freiem Felde geschlafen, haben ihren Hunger von erbettel­tem Brot gestillt und so sind sie nach Tagen und Monaten zum Vater der Christenheit, nach Rom gekommen. Und da es an Herbergen fehlte, so viele Tausend Menschen unterzubringen, so haben viele der Pilger auf den Kirchentreppen, im Schat­ten der Heiligtümer, in den Ruinen des Forum oder Kollosseum ihr Bett aufgeschlagen.

Vergleichst du damit die heutigen Bedingungen, so wirst du die Güte und Nachsicht der Kirche, ihre Anpassung an die modernen Verhältnisse und Kul­turfortschritts bewundern und umsomehr dich ange- trieben fühlen, die leichten Bedingungen zu er- süllen,

Erstlich also ist die Deicht vorgeschrieben. Merke aber, daß die Osterbeicht dazu nicht genügt. Es muß eine andere Beicht sein, gleichsam eine Extra- beicht, und zwar eine vollständige, eine reumütige, eine gute Beicht. Dabei kannst du mit allem Ver­trauen in den Beichtstuhl gehen. Solltest du auch m Drang der Versuchung, in der Hitze der Leiden- chaft eine so gemeine, eine so niederträchtige, eine o schwere Sünde begangen haben, über die der ge« vöhnliche Priester keine Absolutionsgewalt besitzt, deren Lossprechung vielmehr dem Bischof oder sapst reserviert ist, so dürftest du dennoch dem ge- ingen Kaplan dich anvertrauen, da die Priester ausgedehnte und außerordentliche Jubiläumsvoll- machten für den Beichtstuhl besitzen. Solltest du außerdem in irgend einer verzwickten Lage mit einem schweren Gelübde dich gebunden haben, des- en Schwierigkeiten in der Erfüllung du kaum ge­ahnt hast, das dir aber bei deinen heutigen Ver­hältnissen gar drückend und schwer vorkommt, so kann jeder Beichtvater dich von deinem Gelübde dispensieren oder dasselbe in ein anderes verwan­deln, das im Bereich deiner Kräfte steht.

Das zweite ist eine gute Kommunion. Auch da genügt die Osterkommunion nicht. Solltest du aus Leichtsinn oder aus schuldloser Verhinderung deine Osterbeicht und Osterkomnmnion noch nicht gemacht haben, so brauchst du deshalb den Jubelablaß nicht links liegen zu lassen. Du brauchst nur zuerst deins Osterpflicht nachholen und dann ein zweites Mal beichten und kommunizieren.

Die dritte Bedingung, das sind die Kirchen­besuche. Vier Kirchen soll man je fünfmal besuchen; also zwanzig Kirchenbesuche. Die Kirchen, die man zu besuchen hat, werden vom Bischof oder vom Pfarrer bestimmt. Es sind in der Regel die Pfarr­kirche und die andern Kirchen einer Stadt oder einer Gemeinde. Sind an einem Ort weniger als vier Kirchen, so werden diese besucht; nur muß dabei die eine oder andere mehr als vier Besuche bekommen, so daß es eben im ganzen 20 Besuche macht. Ist nur eine einzige Kirche vorhanden so müssen wir diese eine allein besuchen, und zwar an einem Tage gleich viermal und so fünf Tage lang. Besondere Vergünstigungen haben die Pfarr, kinder, wenn sie gemeinsam unter geistlicher Füh­rung die Kirchen besuchen. Bei diesen Besuchen sollst du nach der Meinung des Hl. Vaters 1 eien, wozu fünf Vater unser genügen. Sind die Ktrchèn- bèsuchs unmöglich oder erschwert wegen Krankheit, Alter oder beständiger Reisen, so kann jeder Beicht­vater wie auch der Pfarrer die Kirchenbesuchs ver­ringern oder andere Werke dafür auflegen. Reds also mit deinem Pfarrer oder Beichtvater und mache ihm einen Vorschlag, welch andere Werke statt der Kirchenbesuche dir möglich sind. Vielleicht , bist du in der Lage, ein Almosen geben zu können : für die Armen oder die Missionen oder Ar Diaspora oder sonst für einen guten Zweck,