an Frauenklöstern. Das letzte Kapitel ist jenen Brüdern gewidmet, die sich der Missionstätigkeit unter den Ungläubigen widmen wollen. Angefügt ist ein echt franziskanischer Schluß: „Außerdem
gebiete ich den Ministern im Gehorsam, daß sie vom Herrn Papst einen aus den Kardinälen der
hl. römischen Kirche begehren, der diese Bruderschaft leite, schütze und Zurechtweise, auf daß wir stets zu den Füßen derselben heiligen, römischen Kirche, untertänig und unterworfen, die Armut und De
mut und das heilige Evangelium unseres Herrn Jesus Christus, das wir standhaft gelobt haben, beobachten."
Franziskus hätte gar manches in der Regel, so ideal sie ist, noch idealer gewünscht, zumal er bei der Abfassung seiner Regel einer höheren Stimme folgte. Aber er fügte sich auch demütig, als ihm Kardinal Hugolinus als Vertreter der Kirche sagte, in dieser milderen Form sei die Regel der Gesamtheit der Seelen nützlicher. Er baute sein Leben und seine Regel auf die Grundlagen des Evangeliums. Aber neben dem Evangelium baute er auch auf die „Säule und Grundfeste der Wahrheit", die heilige Kirche. Er wußte: außerhalb der Kirche gibt es kein Heil und kein Leben, sondern nur Zersetzung und Verderben. Vielleicht kein Christ hat so mit ganzem Gemüt das fentire cum ecclesia, das Fühlen mit der Kirchs geübt als Franziskus; und vielleicht keinem tut man so unrecht, wenn man ihn als Aufrührer gegen die Kirche verdächtigt als ihn. Aus vielen Worten und Handlungen seines Lebens- ließe sich das nachweisen. Hier genüge eine Aeußerung. „Brüder", sagte er einst, „die Mutter aller Kirchen ist die römische und sie ist die Frau aller Orden. Ich werde gehen und meine Brüder der heiligen Kirche empfehlen, durch deren mächtige Ruten die Boshaften erschreckt werden und die Kinder Gottes zur Vermehrung des ewigen Heiles überall der vollkommenen Freiheit sich erfreuen. Die Söhne sollen daraus die milden Wohltaten der Mutter erfahren und mit besonderer Andacht allzeit in die ehrwürdgien Fußtapfen derselben treten. Unter ihrem Schutze wird sich im Orden nichts Böses begeben und der Bösewicht wird nicht ungestraft durch den Weinberg des Herrn gehen. Selbst die heilige Kirche wird auf ~J)ie Herrlichkeit unserer Armut eifersüchtig werden und nicht zulassen, daß der Ruhm unserer Erniedrigung durch Gewölk der Hoffart verdunkelt werde. Sie wird die Bande der Liebe und des Friedens unter uns unversehrt erhalten, indem sie die Uneinigen aufs schärfste bestraft. Die heilige Beobachtung der evangelischen Reinheit wird beständige vor ihrem Antlitze blühen und den Geruch des Lebens auch nicht einen Augenblick vorgehen lassen. Möchten also die Kinder dieser heiligen Kirche von Dankbarkeit erfüllt sein für bie süßen Gaben, die sie von ihrer Mutter empfangen; möchten sie ihre Füße mit kindlicher Ehrfurcht küssen und ihr auf ewig die treueste Liebe widmen.
In der Nacht, bevor Franziskus diese Worte sprach, hatte er im Traume eine kleine schwarze Hene mit Taubenfüßen gesehen; diese bemühte sich vergebens, ihre zahlreichen Küchlein unter ihre Flügel, zu sammeln, um sie gegen die Angriffe eines Geiers zu verteidigen; sie konnte sie nicht alle be- bedecken, und mehrere, die in der Nähe spielten, waren in großer Gefahr. Da geschah es, daß ein anderer großer Vogel sich über sie herabließ und mit seinen großen Flügeln die Henne und ihre ^uchlein beschützte. — Als er erwachte, betete er zum Herrn, daß er ihn den Sinn dieses Gesichtes be- begreifen lasse. Und begriff, daß die kleine schwarze Henne niemand anders sei als er selbst; die Küchlein seien seine Jünger und der Vogel mit den schützenden Fittichen sei der Schutzherr, den er vom Heiligen Vater für seinen Orden erbitten solle.
Er machte sich alsbald auf und ging zum Papst. Jedoch wagte er nicht, ihn um eine Audienz anzu- gehen; er setzte sich vielmehr auf die Türschwelle und wartete geduldig, bis der Papst einmal heraus- -am. Da begrüßte ihn Franziskus ehrerbietig und sprach: „Herr, da du groß bist und dich oft große "gelegLnheiten beschäftigen, so können die Armen nicht so oft, als sie es wünschen, zu dir kommen und .Du hast mir viele Päpste gegeben borntt rnoijl die Kardinäle der Kongre- g non der Regularen); gib mir einen, mit bim cm hS Ä n ^wendig habe, reden kann, der ?.emer Angelegenheiten und die "nhore und mit dir bespreche". Der
Horte üm wohlgefällig an und franse bann-u“ Ivonnen Werr«, Vie m der Großstadt ;cn willst du, mein Sohn, den ick dir nebenj»^ --^^ Auch zum Jubelfeste kam die Gemeinde
soll?" Md Franziskus erwiderte: „Den Herr von Ostia". Dies war Kardinal Hugolin, der Erzbischof von Ostia. Von dieser Stunde an ^ar Hugolin der Protektor des Ordens der Minderen Brüder. Sein Verdienst ist es, daß die Regel des hl. Franziskus nicht so sich gestaltete, daß sie nur für die jubelfrohen Gotteslerchen des ersten franziskanischen Kreises erfüllbar war; sein Verdienst ist es ferner, daß die Provinzialminister für den idealen Sinn ihres heiligen Vaters volles Verständnis zeigten und seinen Vorschlägen zustimmten, soweit sie für schwache Menschenkraft tragbar schienen. Es ist nicht an dem, daß Hugolin die Ideale des heiligen Franziskus bis zur Unkenntlichkeit verwässert habe, wie man bisweilen behaupten hört; vielmehr hat er den Orden der Minderen Brüder in entscheidender Srunde in die Bahn gelenkt, in der er seine so überaus segensreiche Wirksamkeit entfalten konnte. Franziskus wußte gar wohl, warum er seinen Orden, den er mehr liebte als seinen Augapfel, den mütterlichen Händen der Kirche anvertraute; da wußte er ihn wohlgeborgen.
Gottes Wort an Vater und Mutter.
„Du sollst die Gebote und Worte, die ich dir gegeben, zu Herzen nehmen, du sollst sie deinen Hindern erzählen und zu ihnen reden, wenn du in deinem Hause sitzest und wenn du auf der Reise bist, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst." (5. Buch Moses, 6. Kapt., 6. u. 7. Vers).
Gottes Hand und Gottes Finger.
Aus Myslowitz (Polnisch-Schlesien) wird dem „Paulinusblatt" folgender Bericht eingesandt: Hier hielt am Sonntag der Jungmännerverein eine Feier. Ein junger Mann, der Portier des Zentralviehbahnhofes, nahm Anstoß an einem Willkommtransparent mit der Inschrift „Grüß Gott" und wußte nichts Besseres zu tun, als mit dem Fuß das ärgerliche Wort „Gott" zu durchstoßen. Nach vollbrachter „Heldentat" hat er sich mit einem Kumpanen stark bezecht und in diesem Zustande seinen Dienst angetreten. Fünf Stunden nach seiner Heldentat wurde ihm von einer Lokomotive das Bein abgefahren. Der Vorfall wird viel besprochen; denn man sieht darin ein Strafgericht Gottes.
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Scharf die Sachen ins Auge fassen, wahr und gerecht urteilen und mit Kraft die Folgerungen ziehen! ____________________
Silbernes Jubiläum der Nosenkranzkirche zu Nassel-Wehlheiden.
Jubel, Festesstimmung herrschte am Sonntag in der Pfarrei St. Marien in Kassel. Flatternde Fahnen vom Turme, Festcsschmuck im Innern des Gotteshauses künden, daß ein besonderer Tag ist: 25 Jahre sind verflossen, daß die Gemeinde ein herrliches Gotteshaus sich errichtet hat. Der verstorbene Pfarrer Burchard war der Bauherr, der gleichfalls verstorbene Regierungsbaumeister Kegel hat die Pläne dazu geliefert, der Hochsel. Herr Bi- schof Adalbert Endert weihte es am 16. Juni 1901 feierlich ein. Nicht vergessen soll sein der sei. Dechant Stoff, der Erbauer der Familienkirche, der die ersten einleiten» den Schritte zur Errichtung der Pfarrei tat, die damals in dem Bezirke der heutigen Gemeinde gegen 600 Katho- liken zählte. Heute sind es etwa 3500. Dankbar ge- dacht sei auch der opferbereiten Gemeinde, die ihrem ersten Seelsorger, Herrn Pfarrer Burchard die Ausführung seiner Pläne ermöglichte.
Für den jetzigen Pfarrer war das Jubiläum ein willkommener Anlaß, diese Tage der Gnade und Freude seelsorglich auszunützen. Darum gab er der Gemeinde das Geschenk einer religiösen Woche, in der der Franziskanerpater Ephrem Sommer aus Freiburg ihr Heilswahrheiten kündete, als deren schönste Frucht wohl der starke Sakramentenempfang am Jubelsonntage zu verzeichnen ist, wohl der schönste Lohn für den Seelsorger und den Leiter der religiösen Woche. Das levi- tierte Hochamt war vonseiten der Gemeinde als auch An- gehöriger anderer Pfarreien sehr stark besucht. Herr Pfarrer H a s e n e i e r zelebrierte es unter Assistenz der beiden Kapläne Heidt und Brandstetter. Die Festpre- digt hielt Herr Pater Ephrem. Er feierte das Gotteshaus als Wohnung des Allerhöchsten, als Wegweiser zu Gott und als Burgfeste Gottes zur Verteidigung des wahren Glaubens. Der Kirchenchor, geleitet von Herrn Konrektor Kempf, trug durch den Vortrag der Maria- Zeller-Messs von Gruber und des von Wiltberger vertonten Psalms „Lobt Gott in seinem höchsten Thron" zur Verherrlichung des Festgottesdienstes bei. Wirksam unterstützt wurde der Gottesdienst durch die int Vorjahre unter großen Opfern der Pfarrangehörigen beschaffte Orgel, eines der schönsten Werke, die in der Großstadt
nickt mit leeren Händen:
Der Kathol. Münnerverein
schenkte als Angebinde ein prachtvolles, kostbares Meß- gewand mit der dazugehörigen Dalmatika und Tunika, die Frauen der Gemeinde stifteten einen sehr schönen Teppich.
Zu der am Montag stattgefundenen weltlichen Feier tm Theatersaal der Stadthalle hatten sich die Mitglieder der Gemeinde zahlreich eingefunden, auch viele Gäste waren erschienen. Herr Pfarrer Haseneier richtete Worte des Dankes an alle, die dazu beigetragen haben, daß das schöne Gotteshaus so dasteht, wie es ist. Daß er dabei ganz besonders des Erbauers, des seligen Pfarrer Burchard gedachte, war ein Akt der Pietät. Worte des Gedenkens richtete er auch an die noch lebenden 3 Herren Winter, Bode und A. Schmidt als an die noch Ueberlebenden, welche seinerzeit die Gründung der Pfarrei und den Kirchenbau mitanregten. Dankbar wurde dabei auch der Mitarbeit des damaligen alleinigen Lehrers, Herrn Rektors Bilz gedacht. Cs ist ein erfreuliches Zeichen, daß alle geistlichen Herren, welche irgendwie im Seelsorgsdienst der Rosenkranzpfarrei gestanden haben, zu der Feier erschienen waren. Des in hohem Andenken stehenden damaligen Kaplans, des späteren Herrn Regens Dr. Koch, der leider zu früh in die Ewigkeit abgerufen wurde, widmete der Pfarrer der feiernden Pfarrei herzliche Worte. Der Dank des Pfarrers galt auch dem Kirchenchor und seinem Leiter, Herrn Konrektor Kempf. Er wartete an dem Abend mit einem gemischten Chor auf: „Aus der Cantate „Maria" nach F. W. Webers „Marienblumen" für Soli und gemischten Chor, komponiert von Karl Thiel. Die Gesangsabteilung des kath. Männervereins sang: „Die Himmel rühmen, „Sanktus" von Schubert und das „Morgenlied" von Rieth, dem ein von Pfarrer L. Nüdling verfaßter Vorspruch folgte. Letzterer hielt auch die Festrede. Der Raum ist zu knapp, um sie recht würdigen zu können, sie war ein Meisterstück. In schönen ansprechenden Bildern wurde ein Vergleich gezogen zwischen dem hl. Lande, das durch den Heiland geheiligt wurde und der Kirche als Haus Gottes, in dem alle Segnungen, mit dem ehedem die Gläubigen des Heilandes an den Stätten seiner Wirksamkeit beglückt wurden, ebenso zu finden sind. Seine Worte klangen aus in die Mahnung, das von den Vätern übernommene Gotteshaus in Ehren zu halten und für dessen immer schönere Gestaltung Sorge zu tragen. Den Höhepunkt des Abends bildete die Aufführung des von Herrn Pfarrer Rasender verfaßten Legendenspiels: „D er R o- s e n k r a n z", zu dem Herr Studienrat Schnippe- ring, Köln, früher Lehrer in Schmalnau, die Musik schrieb. Es erübrigt sich, auf den Inhalt desselben einzugehen, da dies bereits in Nr. 202 der „Fuld. Ztg." geschehen ist. Das Stück fand den ihm gebührenden Beifall. Cs war ein schöner Abschluß der Feser und dachte seinem Verfasser alle Ebre.
Erwähnt sei noch, daß auch die Jungfrauen der Pfarrei nicht mit leeren Händen erschienen und zum Jubiläum drei zum Gebrauch bei einem levitierten Hochamt benötigten Stühle stifteten.
So sind nun die Tage der Gnade und Freude vorbei und mit stolzer Freude und mit Dank gegen Gott blickt die Pfarrei auf das Erreichte zurück, zugleich mit dem festen Vorsatze, ihrem lieben Seelsorger, Herrn Pfarrer Haseneier, der sich die innere Ausstattung der Kirche zum Ziel gesetzt hat, allezeit getreu zur Seite zu stehen, damit wahr werde, was der Psalmist 25, 8 schreibt: „Herr, ich liebe die Zierde deines Hauses und den Ort, wo deine Herrlichkeit wohnt." □
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Pfarre! St Joseph. Von jetzt an beginnen die beiden Gottesdienste an den Sonn- und Feiertagen eine halbe Stunde später, die Frühmesse also um ^8 Uhr und das Hochamt um 10 Uhr. — Am Sonntag, den 17. Oktober ist in der Pfarrkirche St. Joseph die Feier des ewigen Gebetes.
Oucher.
Joseph GeorgOberklosler. Sebastian und Seibtieb.Mj Roman (478 S.). Verlag Tyrolia, Innsbruck. (Zu haben in der Schmitt'schen Buchhandlung, Kassel). Dr. Ober- klafler ist uns kein Fremder. Seine Erzählungen und Gedichte sind in Zeitungen und Zeitschriften gut rezensiert und haben einen weiten Leserkreis gefunden. Hier aber in diesem neuen Roman übertrifft er alle seine früheren Dichtungen bei weitem. Beim Lesen dieser Werkes atmet man auf, endlich wieder einmal den Glockenklang eines unverkünstelten, wohllautenden, ehr-, lichen Deutsch zu vernehmen, das durch die Ruhe seines festen Hochganges wohltuend auffällt. Unser Erstaunen wächst, wenn wir im Lesen merken, daß wir von einer gewaltigen dramatischen Kraft unaufhaltsam fortgerissen werden, wenn wir gewahren, daß wir im Grunde eigentlich ein Drama hohen Stils vor uns haben, das uns bis zum letzten Blatts fesselt. Es gelingt Oberkloster, den Leser gleich mit den ersten Worten unmerklich in einen Zuschauer zu verwandeln: wir hören nicht etwas erzählen, wir leben es geschehen. Ganz hervorragend sind