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Ausgabe B,

6t. EWeth-MtI

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Lrscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 35 Solöpsennig 8 40 Goldpfennig (freibl.) Redaktions- lchlutz Montag. Anzeigen-Preise: Tolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Tolonelzeils im Reklametel! 0,60 GoldmarL Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.. Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda Sein.

Druck und Verlag der Fuldas Actiendruckerei...

Maffei, den 10. Oktober 1926.

Wochenkalender.

Sonntag, 10, Oktober. 20. Sonntag nach Pfingsten

Franz Borgia, General der Gesellschaft Jesu, +1572

Montag, 11. Okibr. Vom Tage.

Dienstag, 12. Oktbr. Vom Tage.

Mittwoch, 13. Oktbr. Eduard, König von England, Bek., f 1066.

Donnerstag, 14. Oktbr. Kallistus, Papst, Mart., + 223.

Burkhard, Bischof von Würzburg, f 752.

Freitag, 15. Oktbr. Theresia, Jgfr., + 1582.

Samstag, 16. Oktbr. Lullus, Bischof von Mainz, f 786.

Zwanzigster Sonntag nach Pfingsten.

(Evang. Jah. 4, 4654.)

In jener Zeit lebte ein Königlicher, dessen Sohn zu Kapharnaum krank lag. Da dieser gehört hatte, Jesus von Judäa nach Gaaläa gekommen sei, be- Er sich zu ihm, und bat ihn, daß er hinabkomme, und seinen Sohn heile; denn er war daran, zu sterben. Da iprach Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königliche 8U t^m: Herr, komm hinab, ehe mein Sohn sprach zu ihm: Geh' hin, dein Sohn lebt. Und der Mann glaubte dem Worte, welches ihm ^esuS gesagt hatte und ging hin. Und da er hinab- MMb begegneten ihm seine Knechte, verkündeten ihm und sagten, daß sein Sohn lebe. Da erforschte er von ihnen die Stunde, in welcher es mit ihm besser ge- w?r. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da er. rannte der Vater, daß es um dieselbe Stunde war, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause

Doppelte Ernte.

anchs Felder liefern in einem Jahr eine doppelte Ernte: im % Sommer Getreide, im Herbst Rüben. Auch viele Wiesen er- ' freuen den Landmann mit dop- , pelter Ernte, als ersten Schnitt das Heu, als zweiten das Grummet.

Unsere hl. kath. Kirchs ist ein großes, frucht­bares Ackerfeld. Als herrliche Frucht wächst darauf das Iumlaum. Die Ernte des Jubiläums ist aber eine doppelte, die sich auf zwei Jahre erstreckt. Vori­ges Jahr winkte eine reiche Ernte denjenigen, die das Gluck hatten, eine Wallfahrt in die ewige Stadt 3U machen. In diesem Jahr aber winkt dieselbe übrigen, welche durch den Zwang der Verhältnisse an die Heimat gebunden sind.

r selber hat in seiner Apostolischen Konstitution von Weihnachten vorigen Jahres -â" ^Küschastsbericht über die Ernte des Jubel- aeleat £ WW der Oeffentlichkeit ab- s erwähnt ereine unaus- ^^ ihm persönlich durch den Besuch fovieler Pilger zuteil geworden ist.

Jubel-Abmn-,- frucht bezeichnet er den Gewinn des i davon, daß bei e Bubel-Ablasses, den gegen 100 Tausend Gläubige! vergeben werden-

jeglichen Standes aus den entlegensten Gegenden durch die Wallfahrt nach Rom erzielt haben.

Als dritte Frucht bringt er das Schauspiel des Glaubens und der Frömmigkeit, das die Pilger­scharen in der ewigen Stadt in edlem Wettstreit mit den Römern gegeben haben.

Und die vierte Frucht erkennt er im Anschluß an den Apostolischen Stuhl in Rom, der durch die vielen Wallfahrten und Audienzen noch inniger geknüpft wurde.

Unb nun wünscht der Hl. Vater, diese Ernte zu verdoppeln. Angetrieben vom .Erfolg des Jubel- jahres iy2u dehnt er das Jubiläum auf das ganze Jahr 1926 aus. Der Hl. Vater hegt den dringenden Wunsch, es möchten die Gläubigen des ganzen ka­tholischen Erdkreises sich um den Jubelablaß be- muhen und es möchten die Bischöfe und Priester das Volk auf diese Gelegenheit des Heils aufmerk­sam machen und durch außerordentliche Veranstal­tungen unb geistliche Uebungen das Volk darauf vorberelten, damit wir nicht bloß äußerlich uns hrndrangen zum Jubiläumsablaß, sondern auch in­nerlich erfaßt und reformiert werden.

Was ist nun eigentlich das Jubiläum? Nichts n/lr «5 n die Gewinnung eines vollkommenen Ablasses. Nun weiß ich wohl, daß der Ablaß mit ? schmutzigen Verleumdungen beworfen wird, daß ihm sogar die unselige Spaltung unseres lieben deutschen Vaterlandes in zwei Konfessionen in die ^^^beschoben wird. Doch daran ist der Ablaß unschuldig. Schuld ist vielmehr jener hochbegabte, aber ebenso unbelehrbare, eigensinnige Augustiner-

Dr. Martin Luther. Hätte er die Mißbräuche des Ablasses und andere Mißbräuche, die sich durch menschliche Schwachheit in die Kirche eingeschlichen hatten, hatte er diese angegriffen, bekämpft und beseitigt, so wäre er ein großer Reformator, viel- M A^^^Eger geworden, ähnlich dem hl. Bischof Karl Borromäus. So aber hat er seine WFen Waffen gegen die Kirche selber, gegen den Ablaß als solchen, gegen die guten Werke, gegen die Heiligenverehrung, gegen die Beicht, gegen das Meßopfer aufgehoben und ist dadurch nicht ein Re,ormator, sondern ein Deformator, ein Sektator, etn Sektenstrfter und Sektenführer geworden.

Der Ablaß als solcher ist über jeden Angriff er- haben. Seinen Grund und seine Berechtigung hat dem Auftrag des Herrn an die Apostel und ihre Nac-)folger:Was Ihr lösen werdet auf Er­den, das wird auch im Himmel gelöst sein".

, . nicht herein auf jenes Märchen, als sei der Ablaß etn Freibrief zum Sündigen. Auf die '^as ^" Sie sich unter einem Ablaß von 40 Tagen? gab ein Protestant die Antwort: man könne 40 Tage ungestraft sündigen! Solche Ansichten basieren entweder auf krasser Unwissen­heit oder böswilliger Verleumdung. Keine Spur »°â'^ bei einem Ablaß zukünftige Sünden nicht einmal gegenwärtige ober

vergangene Sünden; überhaupt keine Sünden, we­der vergangene und noch viel weniger zukünftiges weder schwere noch läßliche Sünden. Bekanntlich handelt es sich beim Ablaß nur um Strafen der, Sünde, und zwar nicht um die ewigen, sondern nur um die zeitlichen Strafen, die der Sünder nach Gottes gerechtem Ratschluß entweder in diesem o8er im andern Leben, also im Fegfeuer abbüßen müßte. Sowohl mit Rücksicht auf Gebete als auch auf gute Werke und Bußübungen läßt Gott solche Strafen nach. Eine besonders günstige und leichte Art des Nachlasses ist aber eben unser Ablaß. Dabei kommt aber die göttliche Gerechtigkeit nicht zu kurz. Der Gerechtigkeit Gottes wird volle Genug­tuung aus dem Schatz der Genugtuungen Christi und der Heiligen, über den die Kirche das Vsr- fügungsrecht besitzt. Wenn die Kirche einen Ablaß verleiht, greift sie jedesmal in diesen Schatz und wägt daraus der Gerechtigkeit Gottes das gebüh­rende Maß der Genugtuung dar. Denke dir den Fall, ein armer Schlucker wäre einem Gläubiger 50 Mark schuldig. Nun würde ihm der Herr die Schuld erlassen unter der Bedingung, der Schuld­ner müsse einen Tag im Garten des Herrn arbeiten« Aehnlich ist es mit dem Ablaß. Für unsere Sünden sind wir Gott Strafe schuldig. Er aber läßt sie uns nach gegen eine geringere Leistung von unserer Seite. Diese Leistungen sind die Bedin­gungen, die zur Gewinnung des Ablasses erfüllt werden müssen, Bedingungen, welche die Kirche ausstellt, und welche zu dem großen Gut des Ab­lasses in keinem Verhältnis stehen. Die Bedingungen des Jubelablasses kann dir jeder Priester und Beichtvater angeben. Kurzgefaßt sind es folgende: 1. Beicht, 2. Kommunion und 3. Kirchenbesuchs^ Die Einzelheiten in der nächsten Lesung.

Der Burgpfarrer.

Der Krme von KM und der moderne Kapitalismus.

Etwa seit der Wende vom 12. zum 13. Jahr-, hundert tritt der neue Geist des Kapitalismus^ diese unersättliche Begierde nach Geld und Gewinn^ merklicher hervor. Auch die Menschen früheres Zeiten haben zwar nach Verdienst gestrebt, aber, ihr Ziel war nicht maßloser Gewinn, sondern stan­desgemäßer Unterhalt. War dieser gesichert, so gab man sich zufrieden. Das materielle Streben hatte also eine bescheidene Grenze, so daß ein warmes Gefühl für den Mitmenschen daneben bestehen konnte. Man schätzte und liebte freilich auch schon die Edelmetalle, aber nicht so sehr als Geld, son­dern als Schatz und Prunkgegenstand. Eben im 10. und 11. Jahrhundert füllten sich die Schatzkam­mern der Reichen mit goldenen und silbernen Ee-. faßen, die als tote Schätze aufbewahrt wurden und' den Stolz ihrer Besitzer bildeten.