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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 35 Goldojenntg 3 40 Noldpfennig (freibl.) Redaktions- jchluß Montag. Anzeigen-Preife: Tolanelzeile Im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda jein-
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Mochenkalender.
Sonntag, 19. Sept. 17. Sonntag nach Pfingsten. Januarius und Gen., Mart. Kollekte für das Priesterse minar. Quatemberand. um Priester nach dem Herzen Jesu.
Montag, 20. Sept. Eustachius und Gen., Mart., f 118. Vigil des Apostels Matthäus.
Dienstag, 21. Sept. Matthäus, Evangelist, Apostel
Mittwoch, 22. Sept. Thomas von Villanova, Bisch.' Bek., f 1553, Mauritius und Gef., Mart., um 300., Donnerstag, 23. Sept. Linus, Papst, Mart., erster Nachfolger des hl. Petrus. Thekla, Jgfr., Mar. tyrerin im 1. Jahrhundert.
Freitag, 24. Sept. Fest ver allersel. Jgfr. Maria von der Erlösung der Gefangenen.
Samstag, 25. Sept. Marien-Samstag.
Siebzehnter Sonntag nach Pfingsten.
(Evang. Matth. 22, 35—46.)
In jener Zeit kamen die Pharisäer zu Jesus 5 und einer von ihnen, ein Lehrer des Gesetzes, fragte ihn, um ihn zu versuchen: Meister, welches ist das größte Gebot im Gesetze? Jesus sprach zu ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Gemüte. Dies ist das größte und das erste Gebot. Das andere aber ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer versammelt waren, fragte sie Jesus, und sprach: Was glaubet ihr von Christo? Westen Sohn ist er? Sie sprachen zu ihm: Davids. Da sprach er zu ihnen: Wie nennt ihn aber David im Geiste einen Herrn, da er spricht: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße gelegt habe. Wenn nun^ David ihn einen Herrn nennt, wie ist er denn sein «ohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten: und niemand wagte es von diesem Tage an, ihn noch um etwas zu fragen.
Der gro^e Spielraum.
^ er Heiland vergleicht seine mit einem Fischernetz, das Fische aus dem Wasser hervorzieht, große und kleine, gute und schlechte. In der Tat, die katholische Kirche ^® hat Platz für die größten Verschie denheiten. In ihrem mütterlichen Schoß sind brüderlich vereint Erwachsene und Kinder, Gebildete und Ungebildete, Reiche und Arme, Gute und Böse, Eifrige und Laue. Da ist kein starres System, keine Fabrikware, keine Modelle, keine Uniformen. Alles ist Leben und Fluß, Vielgestaltigkeit und Freiheit. So ist auch das Verhältnis des Katholiken zum höchsten Geheimnis unserer heiligen Kirche heiligsten Eucharistie und besonders zur hl. - ommunwn kein gebundenes, kein uniformiertes, das einen großen Spielraum ae- S der lechen Lesung haben wir gehört, B k r Katholik, den einzigen Karfreitag ausge-
Kirche allerlei
nommen, Tag für Tag die hl. Kommunion empfangen darf. Mutz er aber auch die hl. Kommunion täglich empfangen? Nein. Da ist ein großer Spiel raum. Pflicht ist es für alle, sie wenigstens einmal im Jahre zu empfangen; dabei besteht aber das Recht und die Freiheit, sie im Jahre 364 mal zu empfangen. Diesen Spielraum und seine ge- schichtiche Entwicklung wollen wir heute etwas ins Auge fassen.
Es gilt als ausgemacht, daß die Katholiken der Apostolischen Zeit die hl. Kommunion so oft empfangen haben, als sie der hl. Mesie beiwohnten. Meßopfer und Kommunion waren ihnen unzertrennlich. In dieser Ueberzeugung haben unsere Vorfahren das Richtige getroffen. Zwischen Messe und Kommunion besteht ja ein inniger Zusammenhang. Die Kommunion ist gleichsam die Frucht aus dem Baum der hl. Messe. Schon im asten Bund waren die
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I Am Sonntag, den 19, September, ]
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Opfer mit einem Mahle verbunden. Der Heiland hat bei der Einsetzung der hl. Eucharistie auch die hl. Kommunion ausgeteilt, indem er sprach: „Nehmet hin und esset, das ist mein Leib". Auch jetzt noch wäre es das Ideal für den Katholiken, bei jeder hl. Messe M kommunizieren. Darum sollte auch die hl. Kommunion möglichst unter der hl. Messe ausgeteilt werden; das Austeilen vor oder nach oder außerhalb der hl. Messe sollte nur ein Notfall sein. Messe und Kommunion ist das Ideal. Indes die Kirche gewährt Freiheit, läßt Spielraum.
Klemens von Alexandrien berichtet vom täglichen Kommunionempfang: „Jesus ist der Erlöser, der sich selbst als Brot hinaibt und täglich den Trank der Unsterblichkeit reicht. Der hl. Cyprian, dessen Fest wir am 16. d. Mts. begehen, dieser feurige Afrikaner, der seine Liebe zu Christus mit seinem Blute besiegelte, schreibt in der Erklärung des Vater unser: „Christus ist das Brot des Lebens; wir bitten, daß dieses Brot uns täglich gegeben werde, auf daß wir täglich die Eucharistie als Speise der Seele empfangen". Mit Cyprian deuten auch
die übrigen Kirchenväter die Brotbitte im „Vater unser" auf die hl. Eucharistie. Von der Römerin Melania berichtet Gaudentius, sie habe niemals irdische Speise genossen, bevor sie nicht den Leib des Herrn empfangen, und er fügt hinzu, daß in Rom die Gewohnheit herrsche, täglich zu kommunizieren.
Doch schon aus den Schriften des hl. Chrysoflo- mus ist zu ersehen, daß bereits bei manchen Chri- ten die Gewohnheit eingerissen war, die hl. Kom» nunion aus Ostern zu beschränken. Hören wir feine eigenen Worte:
„Bei manchen gilt es als Zeichen der Ehrfurcht, daß sie nicht oft zum Tische des Herrn gehen. Dabei bedenken sie nicht, daß ein unwürdiges Hintreten, auch wenn es nur einmal geschieht, die Seele befleckt; nicht das oftmalige Hinzutreten ist eine gewagte Sachs, sondern das unwürdige, und wenn man auch im ganzen Jahre nur einmal kommt. Wir aber sind so unvernünftig und erbärmlich, daß wir, obwohl das ganze Jahr mit einer Unzahl von Sünden behaftet, gar nicht daran denken, uns von denselben zu reinigen; dagegen der Meinung sind, es sei genug, wenn man nur nicht fortwährend an den Tisch des Herrn hinläuft und sich nicht in übermütiger Weise hindrängt, ohne zu bedenken, daß auch die, welche Christum kreuzigten, ihn nur einmal gekreuzigt haben. War deshalb die Sund» geringer, weil sie nur einmal bstztt^Tt wurde? Auch Judas hat nur einmal den Verräter gespielt.
Wie nun? Hak ihn das von der Strafe errettet? Und warum nehmen wir bei dieser Sachs die Zeit zum Maßstab? Die richtige Zeit zrnn Hintreten an den Tisch des Herrn ist dann vorhanden, wenn wir ein reines Gewissen haben. Die hl. Kommunion zur Osterzeit hat nichts voraus vor der, die man jetzt empfängt. Es ist ein und dasselbe; es ist immer dieselbe Gnade des hl. Geistes; es ist immer Pascha; es ist immer Ostern. Am Freitag, am Samstag, am Sonntag, an den Festen der hl. Märtyrer — es ist immer dasselbe Opfer; ein und dieselbe Kraft und dasselbe Geheimnis, ein und derselbe Leib; das eine Mal nicht heiliger, das anderemal nicht geringer. An Ostern ist nur größere Feierlichkeit, außerordentliche Kirchenzier, festlich geschmückte Versammlung. Die Hauptsache aber ist immer und überall die gleiche: Jesu Fleisch «nb Blut". (5. Homilie über den 1. Brief an Timotheus.)'
Das Konzil von Agds i. J. 506 wollte fern Christen nicht mehr als Katholiken anerkennen, die nicht wenigstens an Weihnachten, Ostern und Pfingsten zum Tische des Herrn gehen. Doch der reißende Strom der Lauheit ließ sich dadurch nicht aufhalten. Um endlich aller Willkür ein Ende zu machen und den Rahmen der katholischen Kirche möglichst weit zu spannen, hat das 12. Laterankonzil vom Jahr 1215 zum Gesetz erhoben, daß alle Katholiken vom Jahre der Unterscheidung an, das heißt mit dem Eintritt des Vernunftgebrauches, wenigstens an