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Kassel, den 5, September 1926
Nr. 5b
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35 Aoldpjeanig S 40 Goldpfennig (freibl.) Redakttons- ichluh Montag. Anzeigen-Preise: Lolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonrlzeile im Reklametell 0,60 Goldmark. Bet Wiederholung Rabatt. Auskunst und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda sein.
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Wochenkalender.
Sonntag, 5. September. 15. Sonntag nach Pfingsten.
S ch u tz e n g e l f e st. LaurentiusJustiniani, 23et., tl453.
Montag, 6. Septbr. Vom Tage.
Dienstag, 7. Septbr. Vom Tage.
Mittwoch, 8. Septbr. Fest Mariä Geburt. Ha- drianus, Mart., f 306.
Donnerstag, 9. Septbr. Gorgonius, Mart., f 303.
Freitag, 10. Septbr. Nikolaus von Tolentino. Bek., -j- 1308.
Samstag, 11. Septbr. Marien-Samstag. Pcotus und Hyazinthus, Mart., f 257.
Fünfzehnter Sonntag nach Pfingsten.
(Ev. Luk. 7, 11—17.)
In jener Zeit kam Jesus in eine Stadt, welche Naim hieß: und es gingen mit ihm seine Jünger und viel Volk. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, den einzigen Sohn seiner Mutter, die Witwe war; und viel Volk aus der Stadt ging mit ihr. Da nun der Herr sie sah, ward er von Mitleiden über sie gerührt und sprach zn ihr: Weine nicht! Und er trat hinzu und rührte die Bahre an (die Träger aber standen still). Und er sprach : Jüngling, ich sage dir, steh ans! Da richtete sich der Tote auf und fing zu reden an. Und er gab ihn seiner Mutter. Es ergriff sie aber alle eine Furcht, und sie lobten Gott und sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden, una Gott hat sein Volk heimgesucht.
Frontkämpfer.
Am Vorabend des Kulturkampfes in Mexiko, als viele Geistliche des Landes verwiesen werden sollten, als die Gefahr in die Nähe rückte, daß dis Abhaltung des Gottesdien- stes und die Spendung der hl. Sakramente eingestellt würde, drängten sich Tausende und Abertausende um die Gotteshäuser, um nochmals dem Gottesdienste beizuwohnen und die hl. Sakramente zu empfangen. Besonders bemühten sich diejenigen, die noch nicht gefirmt waren, um das Sakrament der Firmung. Wußten ja die Gläubigen, daß gerade die Firmung das Sakrament der Stärkung ist, welche aus dem einfachen Soldaten Christi einen Frontkämpfer macht, ihn mit Mut und Todesverachtung erfüllt in Sachen des Heiles.
Die Firmung ist in der Reihenfolge der Sakramente das zweite. Schon dieser Umstand läßt darauf schließen, daß die Firmung eine Ergänzung der ~aufe ist. Was in der Taufe begonnen und grundgelrgt wurde, das wird in der Firmung fort- gefftzt und gekrönt. Dem Christen werden neue âffen ausgehändigt, neuer Mut neue Lebens- krafte werden ihm mitgegeben, damit er in oor- derster Reihe den guten Kampf kämpfe. In der nen Kirche, als die Taufe den Erwachsenen ge- geschah die Firmung gleich nach der Spater, als die Kindertaufe zur Regel JÄ V Mr " ?b Firmung weiter hinaus. Da «anll-.ch die Glaubensschwierigkeiten erst im rei
feren Alter zu beginnen pflegen, so schien es passend, erst zu Beginn dieses Kampfes den Christen mit den entsprechenden geistlichen Waffen auszurüsten. Jetzt besteht die Uebung, die hl. Firmung etwa zwischen dem zehnten und vierzehnten Lebensjahre zu spenden, je nachdem die Bischöfe in ihren großen Sprengeln mit der Spendung der Firmung herumkommen.
Die Firmung gehört nämlich in den Amtsbereich der Bischöfe als Nachfolger der Apostel. Damit stehen wir aus dem Boden der Bibel. Als nämlich der Diakon Philippus viele Gläubige in Samaria getauft hatte, wagte er es nicht, ihnen auch die Firmung zu spenden; vielmehr benachrichtigte er die Apostel Petrus und Johannes. Diese kamen aus dem benachbarten Jerusalem, legten den Gläubigen die Hände auf und spendeten ihnen damit die Firmung, so daß der hl. Geist über alle herabkam.
Der Ritus der Firmung ist kurz folgender. Der Bischof streckt in vollem Ornat seine Hände über die anwesenden Firmlinge aus und spricht: Der hl. Geist komme über euch herab und die Kraft des Allerhöchsten bewahre euch vor Sünden. Lasset uns beten: Allmächtiger, ewiger Gott, der du diese Diener aus dem Wasser und dem hl. Geiste hast wiedergeboren werden lassen, und der du ihnen Nachlassung aller Sünden verliehen hast; sende ihnen vom Himmel deinen siebenfachen heiligen Geist, den Tröster. Den Geist der Weisheit und des Verstandes. Den Geist des Rates und der Stärke, den Geist der Wissenschaft und Frömmigkeit; erfülle sie mit dem Geist deiner hl. Furcht und siegle sie mit dem Zeichen des Kreuzes Christi gnädig zum ewigen Leben. Durch eben denselben Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir in der Einheit desselben heiligen Geistes lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen.
Dann tritt der Mschof zu jedem einzelnen nennt ihn bei seinem Taufnamen, salbt ihn unter Kreuzeszeichen auf der Stirne mit Chryfam und spricht gleichzeitig die Worte: „Ich bezeichne Dich mit dem Zeichen des Kreuzes und stärke Dich mit dem Chryfam des Heiles. 3m Namen des Baiers und des Sohnes und des h,b Geistes. Amen. Darnach gibt er dem Firmling den berühmten „gelinden Backenstreich" mit den Worten: Pax tecum — der Miede sei mit Dir". —
Nachdem jeder einzelne an der Reihe gewesen ist, spricht der Bischof noch folgendes Gebet:
„O Gott, der Du den Aposteln Deinen hl. Geist gegeben und durch sie und ihre Nachfolger ihn hast übergeben wollen, schau gnädig auf den Dienst un- lerer Demut und gewähre, daß eben dieser hl. Geist m die Herzen derjenigen, deren Stirne wir mit oem hl. Chryfam gesalbt haben, Herabkomms, in
ihnen wohnen bleibe und sie zum Tempel Deiner Herrlichkeit einweihe. Der Du mit dem Vater und demselben hl. Geiste lebst und regierst in alle Ewig- feit. Darauf gibt er den Schluß-Segen mit den
einfachen und sabungsvollen Worten: „Es segne Euch der Herr aus Sion, auf daß Ihr die Güter Jerusalems sehet alle Tage Eures Lebens und einst das ewige Leben habet. Amen."
Handauflegung, Salbung, Kreuzzeichen und Backenstreich bilden also das Zeremoniell der hl- Firmung. Die Handauflegung ist ein Sinnbild der Geistübertragung. Die Salbung ist ein Sinnbild der Kräftigung. Sie geschieht mit Chryfam, einer Mischung von Olivenöl und Balsam. Das Kreuz- ;eichen ist das Siegel der Erlösten. Der Backen« (reich ist ein Sinnbild der Schmach und der Leiden, üie der Christ von nun an auf sich nehmen soll. Denn jeder, der sich zum Dienste Gottes anschickt, der mit seinem Christentum Ernst macht, der gegen den Strom der Schlechtigkeit oder Gleichgültigkeit chwimmen will, muß nach der Meinung des Apo« tels „gefaßt fein auf Schwierigkeiten, auf Anfech- ungen und Kämpfe." Daraus darf sich nun ein Christ nichts machen. Ob eine Welt von Feinden oder Teufeln gegen ihn aufsteht, er bleibt treu und bekennt sich furchtlos durch Wort und Tat als Ka« tholiken. Wer nicht Hohn und Spott für seinen Glauben, für seine Ueberzeugung gelitten hat, ist noch kein waschechter Katholik.
Solltest du noch nicht gefirmt sein, so freue dich, dieses kraftmehrende Sakrament bei nächster Gen legenheit zu empfangen. Bist du aber bereits ge« firmt, so mache deiner Firmung Ehre, ziehe daraus die Konsequenzen, sei ein mutiger Frontkämpfer und kein Feigling. Als Petrus von Mailand noch ein Knabe war, hatte er von seinen Verwandten viel zu leiden wegen des Glaubens. Kam er vom katholischen Religionsunterricht nach Haufe, so stellten sie die höhnische Frage: Was hast du denn schon wieder gelernt? Petrus aber hatte keine Angst, sondern stellte sich auftecht hin und betete das Apo« stolische Glaubensbekenntnis und machte das Kreuz. Das ist das Hölz, aus dem die Märtyrer geschnitzt werden. Aus dem Knaben wurde ein Student, ein Theologe, ein Priester, ein Ordensmann, ein Mif« fionär, ein Vorkämpfer für die Reinheit des Glau- bens und der Sitten. Als er eines Tages von einen Predigt zu seiner Station zurückkehrte, wurde en von Häretikern niedergeschlagen. Schon blutend! aus vielen Wunden, sprach er immer noch das Apostolische Glaubensbekenntnis. Als er aber vos Schwäche nicht mehr sprechen konnte, tauchte er bett Finger in sein eigenes, warmes Blut und zeichnetet damit auf den Boden sein Credo. So flog er vomi Kampfplatz zur Siegeskrone. Mein Christ, sieh auch du auf deinem Posten. Verleugne nie deinen Glauben. Solltest du dafür Spießruten laufen/ Hohn und Spott, ja sogar geschäftliche Nachteile crC leiden müssen, beibe treu. So wirst du einst gleirH! dem hl. Paulus mit Zuversicht sprechen können: ief habe den guten Kampf gekämpft, den Glauben bei wahrt, den Lauf vollendet. Dafür ist mir auch bf Krone der Gerechtigkeit hinterlegt. ;
Der Burgpfarrer« j