Kassel, toi 22. äugest 1926
56. Jaljrg. ;
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35 Goidpfeanig S 40 Gold-fennig (freibl.) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porta extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
— I - Druck und Verlag her Fulda» Aellendruckerel.
Wochenkalender.
Sonntag, 22. August. 13. Sonntag nach Pfingsten. Oktav des Festes Mariä Himmelfahrt. Timotheus, Mart., und Gen.
Montag, 23. August. Philippus Benitius, Bek, f 1285. Vigil des Apostels Bartholomäus.
Dienstag, 24. August. Bartholomäus, Av., Mart.
Mittwoch, 25. August. Ludwig IX., König von Frank» reich, Bek., f 1220.
Donnerstag, W.-August. Zephyrinus, Papst (202—219), Mart.
Freitag, 27. August. Joseph von Calasanza, Stifter der Piaristen, f 1648.
Samstag, 28 August. Augustinus, Bisch , Kirchenlehrer, f 430. Hermes, Mart., f 132.
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Dreizehnter Sonntag nach Pfingsten.
(Ev. Joh. 17, 11—19.)
In jener Zeit, als Jesus nach Jerusalem reiste, ging er mitten durch Samaria und Galiläa. Und als er zu einem Flecken kam, begegneten ihm zehn aus» fähige Männer^ die von ferne stehen blieben. Und sie erhoben ihre stimme und sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sah, sprach er; Gehet hin, zeiget euch den Priestern! Und es geschah, ândein sie hingingen, wurden sie rein. Als aber einer von ihnen sah, daß er rein sei, kehrte er um, lobte Gott mit lauter Stimme, fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm: und dieser war ein Sama» ritan. Da antwortete Jesus und sprach: Sind nicht zehn gereinigt worden? Wo sind denn die neun? Keiner findet sich, der zurückkäme und Gott die Ehre gäbe, als dieser Ausländer. Und er sprach zu ihm: Stehe auf und gehe hrn; dein Glaube hat dir geholfen
Eingereiht unter die Soldaten Christi oldaten Christi werden wir durch die Taufe. Wie nun die Männer, die unter die Soldaten des Reiches ausgenommen werden als Kämpfer für die Freiheit, Ordnung und für die Sicherheit des Volkes, eine Uniform bekommen und Waffen und Proviant, ähnlich die Soldaten Christi, die in sein Reich, die Kirche, ausgenommen werden.
Es ist nun interessant zu wissen, wie unsere Vorfahren unser die Fahne Christi eingereiht wurden. Man kann auch für heute manches daraus lernen.
Christ fein heißt Kämpfer sein. Da ist das erste, daß wir den Feind kennen. Der Feind ist der Teufel, sein Reich, seine Helfershelfer, der Irrtum, die Sünde, das Laster. Deshalb mußten unsere Worfahren Stellung nehmen gegen den Satan. Das wortwörtlich zu verstehen. Man dachte sich den Aufel in der Richtung gegen Westen, wo das Licht Ichwmdet und die Sonne untergeht. So mußten denn dre Taufkandidaten mit bem Gesicht nach Resten stehen und beide Hände nach Westen aus- die Hande ausstrecken wie zur Abwehr, su„. Stoß, zum Angriff gegen den Teufel. Dabei
mußten die Täuflinge die Worte sprechen: „Ich widersage dem Satan und all seinen Gesellen und all seinen Werken und all seiner Pracht."
Die Kämpfer salbten sich im Altertum fleißig mit Oel. Das Oel stärkt die ©fieber und macht sie geschmeidig. Auch die Propheten, Priester und Könige des alten Bundes wurden mit Oel gesalbt. Christus, unser Heiland besitzt alle diese Würden, Aemter und Titel mit vollstem Recht. Er ist Priester, Prophet und König. Er war Vorkämpfer gegen den Satan und Sieger über ihn. Darum wird unser Heiland „Christus" — „Gesalbter" genannt. Es ist darum recht und passend, daß auch seine Schüler und Anhänger, diè Christen, gesalbt werden. Teils geschah diese Salbung am ganzen Körper, teils nur aus Brust und Rücken. Die Salbung war mit einer Art Beschwörung verbunden. „Fahre aus, unreiner Geist", sprach der Priester, „und gib die Ehre Gott, dem lebendigen, dem wahren. Fliehe, unreiner Geist, und mache Platz Christo, seinem Sohne. Weiche, unreiner Geist, und mache Platz dem hl. Geiste, dem Tröster."
Dieser Absage an den Satan folgte ein förmlicher Eintritt und Ueberkritt in den Dienst Christi. Der Täufling wandte sich nach Osten und sprach das Apostolische Glaubensbekenntnis.
Darauf folgte der eigentliche laufaff. Viele Jahrhunderte lang bestand die Taufe in Untertauchen in Verbindung mit Begießen. Jede Kirche hatte einen Taufbrunnen. In den Hauptkirchen Roms sind solche heute noch zu sehen. Da war eine in den Boden eingelassene Wanne aus Marmor oder anderm kostbaren Gestein, gefüllt mit Wasser. Nackt stieg der Täufling die Stufen hinab bis zum Boden, vielleicht mit einer Art Badekleid bedeckt. Eine geringe Bekleidung nannten die Alten Nacktheit. Etwa bis zu den Knieen stand der Täufling im Brunnen, neigte das Haupt und wurde mit Taufwasser begossen. Diakone leisteten bei den Männern, Diakonissinnen bei den Frauen hilfreiche -Dienste. Der hl. Chrysostomus und der hl. Ambrosius nehmen auf diese Nacktheit ausdrücklich Bezug. Ist es nicht ungereimt und unsinnig, fragt der letztere, daß man nackt zur Welt kommt und nackt wiedergeboren wird, aber reich in den Himmel eingehen will?
Die Taufformel war die gleiche wie heute: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes".
Dem Taufakt folgte unmittelbar die Firmung oder — in Abwesenheit des Bischoss — eine zweite Salbung. _ Es reihte sich an die herrliche Zeremonie der Bekleidung mit den weißen Gewändern. Wie ergreifend, wie erhebend, wie stimmungsvoll muß es gewesen sein, wenn die Scharen der Neugetaus- ten in der Osternacht durch die Hallen der Basilika schritten, beim Schein der Fackeln, der Lampen und Kerzen. Das war eine Prozession der Engel. Acht Tage lang trugen die Neugetauften dieses Ehrenkleid, mahnten damit täglich dem hl. Meßopfer bei
und legten ihren Schmuck erst am Sonntag vor; dem „weißen Sonntag" ab.
Mit der Taufe haben wir das Anrecht auf den Himmel erworben, jenes Land, das von Milch und Honig fließt, dessen Freuden kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und keines Menschen Herz empfunden hat. Um diese Himmelsfreude zu versinnbil- den, wurde dem Täufling etwas Milch und Honig dargereicht.
Dazu paßt die Mahnung des Apostelfürsten: „Wie neugeborene Kinder verlanget nach der gei-^ tigen, unverfälschten Milch."
Die Krone der Taufe war die hl. Kommunion. Selbst die Kinder empfingen die hl. Eucharistie, gewöhnlich unter der Gestalt des Weines, von bem. der Priester ihnen einen Tropfen zu verkosten gab. Da verstehen wir die Worte des bekannten Osterhymnus: Ad regias agni dapes:
„Zum königlichen Lammesmahl
Kommt weißgekleidet allzumal;
Wir sind geführt durchs rote Meer.
Dem Führer Christus bringet Ehr."
Das rote Meer ist nämlich die Taufe. Wie damals die Israeliten durchs rote Meer gegangen und vor dem Untergang gerettet wurden, so gehen die Täuflinge durch die Fluten der Gnade, durch die Fluten des Erlöserblutes und werden dadurch bewahrt vor dem Abgrund der Hölle.---
Was die ersten Christen empfangen haben, das haben auch wir empfangen. Dem Wesen nach, der Hauptsache nach, dem Kerne nach, der Wirkung nach, das gleiche; in den Formen und im Zeremoniell verschieden gemäß der Entwicklung der Kirche im Laufe der Jahrhunderte.
Seien wir dafür dankbar. Wenn schon die Aussätzigen des heutigen Evangeliums, die von einer Krankheit des Leibes geheilt worden sind, Tadel verdienten wegen ihrer Undankbarkeit, wie viel mehr würden wir Tadel verdienen, die wir in der Taufe vor der Krankheit, dem Verderben und dem Tode der Seele bewahrt wurden, wenn wir auf der Undankbarkeit angetroffen würden. Der hl. König Ludwig — Fest am 25. August — schrieb sich gern Ludwig von Porsy. Gefragt, weshalb, er sich nicht lieber Ludwig von Reims schreibe, da er in Reims die Königskrone empfangen habe, gab er die schöne Antwort: In Reims habe ich nur die irdische Krone erhalten; in Poisy aber die himmlische, weil ich da gekauft wurde. Bete, mein Christ, nächsten Sonntag beim Gottesdienst ein Te Deum oder erwecke die göttlichen Tugenden zum Dank für die Taufgnade. Der Burgpfarrer.
Die Unduldsamkeit im ManZigsten Jahrhundert.
Die Nachrichten, die Woche für Woche über dis grausame Kirchenverfolgung in Mexiko eintreffen» und an die sich ähnliche Berichte über die Bedrän«