Einzelbild herunterladen
 

Ausgabe 8

§6. jaiKâ

Nr. 32 LW

6t. WMH-Mt

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels

Lrscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 35 Doldojeanig 3 40 Goldpfennig (freibl.) Redaktions­

schluß Montag. Anzsigen-Preife: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt, Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.

Druck und Bering 6« Fulda« Actiendruckerei.

Kassel, den 8. Kugust ^926

Wochenkalender.

Sonntag, 8. August. 11. Sonntag nach Pfingsten. Cyriakus, Largus und Smaragdus, Mart., f 303.

Montag, 9. August. Firmus und Rustikus, Mart. Romanus, Mart. Vigil des hl. Laurentius.

Dienstag, 10. August. Laurentius, Erzdiakon, Mart., t 258.

Mittwoch, 11. August. Von der Oktav des hl. Lauren­tius. Tiburtius und Susanna, Mart.

Donnerstag, 12. August. Klara, Jgfr., Stifterin der Klarissen, f 1253.

Freitag, 18. August. Hippolytos, Kriegsmann, f 258 und Kassianus, Lehrer, f 368. Johannes Berg- mays, Bek., f 1621.. Wigbert.

Samstag, 14. August. Fest der Weihe der Kathedral- kirche. Vigil von Maria Himmelfahrt. Eusebius, Bek.

Elfter Sonntag nach Pfingsten.

(Ev. Mark. 7, 3137.)

In jener Zeit ging Jesus weg von den Grenzen von Tyrus und kam durch Sidon an das galiläische Meer, mitten in's Gebiet der zehn Städte. Da brach­ten sie einen Taubstummen zu ihm und baten ihn, daß er ihm die Hand auflegen möchte. Und er nahm ihn von dem Volke abseits, legte seine Finger in seine Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel, sah gen Himmel auf, seufzte und sprach zu ihm: Ephphetha, das ist: Tu dich auf! Und sogleich öffneten sich seine Ohren und das Band seiner Zunge ward gelöset und er redete recht. Da gebot er ihnen, sie sollten es nie« mand sagen. Aber je mehr er es ihnen gebot, desto mehr breiteten sie es aus und desto mehr verwunderten sie sich und sprachen: Er macht alles wohl! die Tauben macht er hörend und die Stummen redend.

Huf dem Wege zum Taufstein

^^ uf dem Gipfel des Berges angelangt, schaut der Wanderer nochmals zu­rück auf die Wegs, die ihn empor­geführt. Durch die Taufe find wir aufgestiegen zuin Berge Gor­tes, in die Nachbarschaft der Enge', in die Berwandtschaft zum dreimal heiligen Gott. Da erfordert es die Dankbarkeit, rückwärts zu schauen, auf alle die Wege, die uns heraufgeführt haben, besinnlich zu betrachten die Vorbereitungen und Zeremonien, die als Stufen zum Taufstein em­porführten.

Da in einer christlichen Umgebung die Taufe zu ven selbstverständlichen, alltäglichen Dingen gehör», ° psflt sie im Privatleben und in der Oeffentlich- uchkeit keine große Rolle.

^"5 "uders gewesen zur Zeit, als un- » .7201°» unter vielen Kämpfen sich erst einer, mußte unter dieser Sonne. Da- me Taufe mit noch viel größerer Jeiei- 'i^b^udet als heutzutage die erste hl. Kom- war 'dio ^ch der Familie und Gemeinde ~au,e ein Ereignis von der größten Be­

deutung. Zwei bis drei Jahre eifrigster Vorberei­tung gingen voraus, das sogenannte Katechumenar, der Taufunterricht. Mit großer Sorgfalt wurden die Taufschüler während dieser Zeit in die Wahr­heiten und Forderungen des Glaubens eingeführt. Einige Lehren, die eine besonders hohe Anforderung an die Glaubenskraft und Demut stellen, wurden bis nach der Taufe zurückgestellt. Es wurde die dieArkandisziplin" strengstens durchgeführt. Es kam auch vor, daß manche ihre Taufe noch länger hinausschoben. Führende Geister, wie Hieronymus, Ambrosius, Augustinus, Chrysostomus ließen sich­erst im Mannesalter taufen. Der Kaiser Konstan­tin verschob seine Taufe sogar auf das Todesbetl. Das war freilich nicht der Sinn der Kirche. Diese Handlungsweise entsprang manchmal der mensch­lichen Bequemlichkeit. Man wollte sich die Mög­lichkeit offen lassen, noch ein bischen vom Becher der Welt zu nippen. Man wollte sich die Sicher­heit verschaffen, nach dem Tod sofort durch die Him­melstüre zu schlüpfen. Der Wunsch der Kirche war, die Taufe sofort nach abgelegter Prüfungszeit zu empfangen.

Besonders vier Stufen waren es, die während des Katechumenates zum Taufbrunnen führten: das Herrensiegel, die Beschwörungen, die Uebergabe des Symbolum und des Paternoster, die Oeffnung der Ohren.

1. Das Herrensiegel. Am Kreuz hat uns Jesus erlöst. Das Kreuz ist deshalb das Zeichen des Heils. Sinnbild und Inbegriff des Glaubens an Christus, den Erlöser und Sohn Gottes. Eine der ersten und feierlichen Zeremonien bestand deshalb darin, den Taufschülern das Kreuz wie Siegel auf die Stirne zu zeichnen. Sie sollten wissen, daß sie in Zukunft Eigentum Christi sind. Auch wir sind bet- der Taufe mit dem Kreuz bezeichnet worden. Das Kreuz soll aber auch eingetragen sein in unser Leben. Die bösen Begierden müssen wir täglich abtöten und kreuzigen.

2. Die Beschwörungen. Der Täufling wurde an. geblasen, und durch kräftige Gebete und Drohun­gen wurde der böse Geist vertrieben. Da wir mit der Erbsünde geboren wurden, hatte der Teu­fel eine gewisse Gewalt, eine gewisses Recht auch über uns. Auch über uns wurden deshalb bei der Taufe und seinem Pomp widersagt. Setzen wir" diese Absage fort im ganzen Leben, und gebe» dem Leben nicht einmal die Fingerspitze.

3. Die Uebergabe desGlaubens" und desBaier unser". Obwohl während der ganzen Vorberei­tungszeit das Apostolische Glaubensbekenntnis und das Gebet des Herrn ausführlich durchgenommen wurde, so blieb doch der Wortlaut Geheimlehre. Erst kurz vor der Taufe wurden diese beiden Perlen den Taufkandidaten feierlich ausgehändigt, die Terte ihnen feierlich verkündet. Dann gings ans Auswen- diglernen dieser Texte. Das war keine so leichte Sache. Abschriften und Kopien wurden wegen

der Arkandisziplin anfangs nicht hergestellt. Das Einprägen geschah durch Besinnen und wiederholtes Vorsagen vonseiten der Priester und Eltern. Es wäre wohl an der Zeit, daß auch wir moderne Christen dem Glaubensbekenntnis und dem Vater­unser wieder mehr Wert und Bedeutung beimessen würden. Was hört man in den Familien und in >en Kirchen oft für ein unwürdiges Geplapper und

Geleier!

4. Das Oeffnen der Ohren. Damit komme ich zu einer Zeremonie, die im heutigen Evangelium ihren Ursprung hat und die zur heutigen Lesung den Ausschlag gegeben hat. Ich hoffe, daß diese Lesung den Grundstein abgibt zu fortlaufenden Ar­tikeln über die hl. Sakramente, ihre Spendung, Ze­remonien und Wirkungen. Was tat also der Hei­land mit dem Taubstummen? Heilte er ihn ohne Förmlichkeit? Kraft seiner Allmacht hätte er das önnen. In seiner Weisheit aber hat er sich ver­schiedener Zeremonien bedient. Er hat ihn auf die Seite genommen und seine Finger in dessen Ohren gelegt. Darauf hat er mit seinem eigenen Speichel

dessen Zunge berührt und mit lauter Stimme ge­rufen:Exheta, öffne dich." Und sogleich wur« den seine Ohren geöffnet und das Band seiner Zunge ward gelöst. Dieser Vorgang diente der Kirche zum Vorbild. Der Bischof griff dem Täuf­ling in die Ohren und rief:Epheta, öffne dich." Wie gesagt, bildet diesesOeffnen der Ohren" in der Vorbereitung der Katechumen eine wichtige Zere­monie. Auch heute noch werden bei der Taufe die Ohren und die Rase vom Priester mit Speichel berührt mit den Worten:Epheta, öffne dich; zu einem süßen Wohlgeruch". Nach der Taufe soll diese Mahnung uns immer eine Gewissenserfor­schung sein, ob wir hören auf Christus und dis Kirche, und ob wir den Gläubigen, besonders den Kindern und Untergebenen ein gutes Beispiel geben. Wie habt ihr Frauen und Mädchen auf die Mahnungen der Bischöfe bezüglich der Kleider gehört? Geht manche von euch noch in die Kirche mit Ausschnitten und mit bloßen Armen? Dann wäre es ein Beweis, daß ihr nicht auf die Kirchs hört, nicht auf Christus hört, sondern auf die Welr, auf die Mode, auf den Teufel."Wer der Kirchfl nicht hört, ist kein Christ mehr, sondern ein Heidi nud öffentlicher Sünder."

Der Burgpfarrer.

Wann sind wir glücklich?

Alles hatte sie uns zu unserm Glück zu geben versucht, diese Welt der neuen Zeit: Fortschritte über Fortschritte, elektrische Ströme, lenkbare Luft» schiffe. Meere überwindende Schiffe von ungeahn» ter Schnelligkeit Eisenbahnen auf blitzenden Zügen, und doch war die Menschheit noch nicht glücklich ge­worden. Ihr Rennen und Jagen, ihr Drängen und Stürmen, ihr Suchen und Sehnen, vorwärts, tt<