Kassel, den 4. Juli <926.
»6. Zahrg.
für öie katholischen Gemeinden Kassels
erscheint jeben Sonntag und tostet monatlich Ausgabe A 35 Soldpfeauig 3 43 Baldpfennig (sceibl.) Redaktlonr- chluß Montag. Anzeigen-Preije: Tolonelzrile im Anzeigenteil 0,15 I old mark, Lolonelzeile im Reklamstell 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.« Seb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda 'ein.
DroL und Berfas Der guwa, Ketienbruieret
wocheMalender.
Sonntag, 4. Juli. 6. Sonntag nach Pfingsten. Ged. der Oktav von Peter und Paul.
Montag, 5. Juli. Anton Maria Zaccaria, Bek., f 1539. Ged. der Oktav von Peter und Paul.
Dienstag, 6. Juli. Oktav des Festes der Apostel Peter und Paul.
Mittwoch, 7. Juli. Cyrillus und Mathodius, Slavenapostel im 9. Jhrh. Willibald, Bischof v. Eichstätt, f 781.
Donnerstag, 8. Juli. Kilian, Kolonai und Totnan, Apostel der Franken, | 639. Elisabeth v. Portugal, Witwe, f 1336.
LLLlrag, 9. Juli. Ueberrragung der Gebeine des hl. Bonifatius.
Samstai, 10. Juli. Sieben Brüder, Söhne der hl. Felizitas, f 150, Mart.
Sechster Sonntag nach Pfingsten.
(Evang. Mark. 8, 1—9.)
In jener Zeit, als viel Volk beisammen war und es liichts zu essen hatte, rief Jesus seine Jünger zu. sammen und sprach zu ihnen: Micherbarmet das Volk; denn sehet, schon drei Ta»e harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie unge- speiset nach Hause gehen lasse, so werden sie auf dèm Wege verschmachten; denn einige aus ihnen sind weit hergekommen. Da antworteten ihm seine Jünger: Woher wird jemand hier in der Wüste Brot bekommen können, um sie zu sättigen? Und er fragte sie: Wie viel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er befahl dem Volke, sich auf die Erde niederzulassen. Dann nahm er die sieben Brote, dankte, brach sie, und gab sie seinen Jüngern, daß sie borlegten: und sie legten dem Volke vor. Sie hatten auch einige Fischlein und er segnete auch diese und Uetz sie vorlegen. Und sie atzen und w.. ben satt; und von den Stucklein, die übrig geblieben waren, hob man noch sieben Körbe voll auf. Es waren aber deren, die gegessen hatten, bei viertausend; und er entlieft sie.
Himmelsbrot.
iS ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, erklärte der Hei- land in der Synagoge zu Karphav naum. Elaubensschwache Ohren konnten diese Worte nicht ertragen,
. und hart wie ein Stein kam aus tigrem SJhmbe das Wort: „Wie kann uns dieser '^'" Fleisch zu essen geben?" —
Dieses Himmelsbrok ist die hl. Kommunion, ist IM Sakrament des Altars. Frage den Propheten Malachias, und er wird dich darüber auf- aren, daß er für alle Zeiten ein Opfer verheißen oau?^ Zugleich eine Speise sein sollte. „Vom Aui- gang der Sonne bis zu ihrem Untergang wird mein ^came herrlich werden unter den Völkern", sprich:
an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Speiseopfer dargebracht wer-
Betrachte nun, wie der Priester bei der hl. Messe sich auf den Genuß dieses Himmelsbrotes vorbereitet und unter welchen Gebeten und Zeremonien er das paradiesische Mahl einnimmt.
Drei Gebote sind es, die der hl. Kommunion unmittelbar vorangehen. Das erste, das den Frieden erbittet, habe ich das letztemal schon mitgeteilt. Ich füge noch bei, daß nach diesem Gebet bei einem Levitenamt die Geistlichen sich gegenseitig „den Friedenskuß" geben.
Das zweite hat folgenden Wortlaut: „Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, der du nach dem Willen des Vaters unter Mitwirkung des hl. Geistes durch deinen Tod der Welt das Leben gegeben hast, erlöse mich durch diesen deinen hochheiligen Leib und dein hochheiliges Blut von allen meinen Sünden und von sämtlichen Uebeln und mache, daß ich allzeit deinen Geboten anhange und laß nicht zu, daß ich jemals von dir geschieden werde, der du mit demselben Gott dem Vater und dem hl. Geiste lebst und regierst als Gott in Ewigkeit. Amen. — Ich bemerke, daß unter diesen „Sünden" nur läßliche Sünden zu verstehen sind. Mit schweren Sünden zelebrieren, wäre für einen Priester entsetzliches Sakrilegium; und mit einer schweren Sünde kommunizieren wäre für Priester und Laien ein schrecklicher Gottesraub. In diesem Fall müßte eine würdige Beicht vorausgehen. Läßliche Sünden aber und tägliche Schwachheiten und Fehler, wenn solche vorhanden sind, werden durch die Kraft der hl. Kommunion und Messe ausgetilgt wie Rost und Feuer.
Das dritte Gebet weist gerade hin auf den Unterschied zwischen würdiger und unwürdiger Kommunion und erfleht herzinnig und kraftvoll eine würdige:
„Der Genuß Deines Leibes, Herr Jesus Christus, den ich Unwürdiger zu empfangen wage, gereiche mir nicht zum Gericht und zur Verdammnis, sondern diene mir nach Deiner Güte zum Schutz des ^eibes und der Seele und zu einer wirksamen Arznei. Der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des hl. Geistes in Ewigkeit. Amen."
Betrachte nun den einfachen und ergreifenden Ritus des eigentlichen Kommunionempsanges. Durchschauert vom Gefühl der Gottesnähe beugt der Priester das Knie bis zum Boden, erhebt sich wieder langsam und gemessen und spricht dabei wie zur Selbstermutigung:
„Das Himmelsbrot" will ich empfangen und den Namen des Herrn anrufen". — Sofort nimmt er die geteilte Hostie in die Linke, schlägt mit der Rechten dreimal an die Brust und wiederholt dreimal das ergreifende Gebet des biblischen Hauptmanns:
„Domine, non fum dignus": O Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach, sondern spricht nur ein Wort, so wird meine Se-le gesund" Jetzt nimmt der Priester die hl. Hostie in die Rechte, beschreibt mit derselben über der Pa»
tene ein Kreuz und spricht die Worte: „Der Leib unseres Herrn Jesus Christus bewahre meine Seele zum ewigen Leben". Darauf beugt er sich etwas nieder und legt sich selbst das Himmelsbrot auf die Zunge, steht dann einige Augenblicke gesenkten Hauptes, in sich gekehrt und mit gefalteten Händen da, betet den Leib des Herrn an, hält mit Jesus stille Zwiesprache und ruht selig aus am Herzen Jesu.
O welch gewaltiges Geheimnis, die hi. Kom- munion. Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Schöpfer der Welt, der Herr der Engel, der Richter der Lebendigen und Toten, geht mit Fleisch und Blut, mit Liebe und weele^ Mit Gottheit Aino Menschheit in den Menschen ein, vereinigt sich uw mittelbar mit unsrer Seele und macht sie gleichsam der göttlichen Natur teilhaftig. Doch auch auf den Leib strömt eine heilsame Einwirkung, eine geheime Kraft und Belebung, die manche Heilige deutlich gespürt haben. So konnte Katharina v. Siena öfter die ganze Fastenzeit nüchtern bleiben und wurde nur durch die hl. Gestalten am Leben erhalten. Und der hl. Nikolaus von der Flus führte ein solches eucharistisches Leben volle 20 Jahre lang. Den Heiligen ist die Himmelsspeise alles gewesen. Die hl. Kreszentia von Kaufbeuren nannte die hl. Kom« munion ihr „Himmelreich". Die hl. Margarets Alacoque erklärte, sie würde von der Kommunion» bank nicht zurückbleiben, auch wenn sie mitten durch Feuer mit nackten Füßen gehen müßte. Dem hl Aloisius war sie Kraft- und Freudenquelle. Uns allen aber wird sie — nach den Worten, die der Priester beim Empfang spricht — eine „Bewahrung zum ewigen Leben". Denn das ist die Versicherung des Herrn, die fester steht als ein Leuchtturm —s Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hm das ewige Leben". Diese guten Menschen im heutigen Evangelium wurden durch ein Wunderbrot gestärkt für ihren Wetermarsch in ihre Heimat; die hl. Kommunion aber stärkt uns zum Weg der Tugend und des Himmels.
O heilae Seelenfpeise Auf dieser Pilgerreise, O Manna, Himmelsbrot!
Du gibst uns Schwachen Stärke Leihst Mut zu Gottes Werke Und rüstest uns zum felgen Tod.
Der Burgpfarrer.
Die Reliquien des kostbaren Mutes unseres Herrn Iefu Christi.
Am ersten Sonntag im Juli feiert die heilig» Kirche das Fest des kostbaren Blutes unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, und schon seit langen Jahren wird dieser Monat von frommen Gläubigen der Verehrung dieses ehrwürdigen Gegenstandes gewidmet. Als Pius IX. sich in der Verbannung von Gaeta befand, bat ihn ein Diener Gottes, Kaspar