Haftel, des 15. Zmi 1926.
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Religiöses Wochenblatt
für die kakholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und tostet monatlich Ausgabe A 35 Gsidofennig B 40 Doldpfennig (freibt.) Redakttonschluß Montag. Anzsigen-Preife: Tolonelzeile im Anzeigenteil 0,t5 Goldmark, Tolonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei^Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendrucksrei in Fulda jein.
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Ausgabe B.
Mochenkaleuder.
Sonntag, 13. Juni. 3. Sonntag nach Pfingsten. An- toniuS v. Padua, Bek., f 1231. Felikula, Mart., Jgsr. ö. Aloysius sonnta g.
Montag, 14. Juni. BasiliuS d. Gr., Kirchen!., f 379. Dienstag, 15. Juni. Bitus, Modestus, Kreszentia, Mart., t 303.
Mittwoch, 16. Juni. Vom Tage. Benno, Bischof von Meißen, f 1106.
Donnerstag, 17. Juni. Vom Tage. Adolf, Bek.
Freitag, 18. Juni. Ephrem, Diakon, Kirchen!. Markus und Marzellianus, Brüder, Mart.
Samstag, 19. Juni. Juliana, Jgfr., f 1341. Gervasius und Protasius, Mart, um 80.
Dritter Sonntag nach Pfingsten.
(Ev. Luk. 15, 1-10 )
In jener Zert nahten Jesus Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Da murrten die Pharisäer und Schriftgelehrten und sprachen: Dieser nimmt sich der Sünder an und ißt mit ihnen. Ec sagte zu ihnen dieses Gleichnis und sprach: Wer von euch, dec Hun- dert Schafe hat und eines davon verliert, läßt nicht die neun und neunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach bis er es findet? Und hat er es gefunden, so legt er es mit Freuden auf seine Schultern, und wenn er nach Hause kommt, so ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Eben so wwd auch im Himmel Freude sein über einen Sünder, dec Buße tut, mehr als über neun und neunzig Gerechte, welche der Buße nicht bedürfen. O er welches Weib, die zehn Drachmen hat, wenn sie eine Drachme verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus aus und sucht genau nach, bis sie dieselbe findet? Und wenn sie dieselbe gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zuiammen und spricht: Freuet euch mit mir: denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte. Ebenso, sage ich euch wird Freude bei den Engeln Gottes sein über einen einzigen Sünder, weicher Buße tut.
Mit vollen Zügen.
TZuf den strahlenden Mosaiken der altchristlichen Basiliken sieht man
öfter Lämmer und Hiriche bar»
M gestellt, die mit vollen Zügen aus fW einem Bache trinken. Das find
d die Seelen, die sich laben am
Brunnen des lebendigen Wassers, das da fließt aus dem Herzen des göttlichen Erlösers. „Wen es dürstet", ruft der Heiland, „der komme zu mir und trinke". Und er ruft es nicht bloß im Tempel zu Jerusalem. er ruft es auch in jeder katho- lsschen Kirche, bei jeder heiligen Messe, wenn er
nach der Wandlung auf dem Altar Platz genommen hat.
Aus dem Jenseits und aus dem Diesseits sehe ich die Seelen, die Durst haben nach Jesus, nach seiner Gnade, nach seiner Anschauung, nach feiner Seligkeit. Aus dem Jenseits sind es die armen Seelen des Fegfeuers, und aus dem Diesseits sind es die Priester und Gläubigen. Sius dem Jenseits ist es die „leidende Kirche", die übergehen möchte zum Triumph des Heilandes, aus dem Diesseits die „streitende Kirche", die den Sieg an ihrs Fahne heften möchte.
Diesem doppelten geistlichen Durste trägt unsere Kirche Rechnung in der Meßliturgie. Sobald nach der hl. Wandlung die mystische Uebertragung des Opfers, die Annahme desselben durch die göttliche Majestät stattgefunden hat, sehen wir den Prie-! ster an den gegenwärtigen Heiland sich wenden! mit zwei flehentlichen Bitten. An den Früchten des Opfers sollen nämlich teilnehmen erstens die Seelen des Reinigungsortes und zweitens die Seelen der Erdenpilger. Darum zuerst das „Memento" der Verstorbenen und dann die Fürbitte für die Lebenden.
Das Memento der Verstorbenen hat folgenden Wortlaut:
„Memento etiam Dom ine: Gedenke auch, o Herr, deiner Diener und Dienerinnen N. N., die uns vorangegangen sind mit dem Zeichen des Heiles und schlafen im Schlummer des Todes".
Bleiben wir einen Augenblick bei diesem Gebets stehen. Das Gesetz des Gebetes — fo sagt ein alter Spruch — ist das Gesetz des Glaubens. Aus dem Gebet der Kirche kam der Glaube der Kirche erschlossen werden. Nun betet der Priester in diesem „Memento" für die Verstorbenen, sie möchten „zum Ort der Erquickung" eingehen. Das hat zur Voraussetzung, daß es einen Ort der Trauer und des Schmerzes, einen Ort der Prüfung und Läuterung in der anderen Welt gibt, aus dem eine Erlösung möglich ist, die durch Gebet und Opfer der Kirche beschleunigt werden kann. Erkenne also, mein Ehrist, den Glauben der Kirche an die Existenz des Fegfeuers.
„Gedenke deiner Diener und Dienerinnen N. N." Was soll das heißen mit den zwei N.? Die beiden N. bedeuten die Namen der Verstorbenen, die der Priester hier einfügt und ausspricht. Zu diesem Zweck diente in der alten Kirche das „Dyp- tichon." Das war, wenn ich mich modern ausdrücken darf, ein liturgisches „Notizbuch", aus zwei Täfelchen gebildet, die durch ein Scharnier verbunden waren. Auf der Innenseite war Wachs oder Pergament oder ein anderer Stoff, auf den die Namen berar geschrieben wurden, für die ein öffentliches Gebet in der Kirche gesprochen wurde. Vom Diakon wurde dieses „Dyptichon" während des Gottesdienstes zur Hand genommen und die Namen feierlich dem Volke verkündigt. Ihr könnt »euch denken, welchen Eindruck eine solche Verkün
digung gemacht haben muß auf die anwesenden Christen. Jetzt ist diese Einrichtung vorschrmin- den. Ein Rest davon ist ivvhl die Gepflogenheit, daß in Pfarrkirchen die Namen derjenigen, für welche die hl. Messe während der Woche ausgeopfert werden, am Sonntag zuvor feierlich von der Kanzel dem versammelten Volke bekannt gegeben, verkündigt werden. Bei den Buchstaben N. N. fügt also der Priester die Namen derjenigen ein, für die eine Messe bestellt und verkündigt wurde. Außerdem kann der Priester nach Belieben noch andere Namen einfügen, für welche er eine besondere Verpflichtung oder ein besonderes Anliegen hat.
An dieses ausdrückliche und namentliche Gedächtnis schließt sich noch ein allgemeines: „Ihnen und allen ..." Welcher Trost für dich, daß auch deiner einmal gedacht werden wird in der hl. Messe. Solltest du auch ein armer Arbeiter sein, für den niemand eine Messe bestellt, solltest du irgendwo umfommen, wo niemand etwas davon erfährt, so wirst du dennoch bei der kath. Kirche nicht leer ausgehen. Und sollte dein Name auf dem Friedhofskreuz schon längst verlöscht und sollten deine Gebeine alle vermodert fein und sollte unter deinen Kindern, Enkeln, Verwandten und Bekannten keine einzige Seele mehr sein, die an dich denkt: die Kirche, der du angehört hast, wird dich nicht vergessen. Sie bewahrt dir Liebe und Sorge über das Grab hinaus.--
Das zweite Gedächtnis ist für den Priester und die Gläubigen und hat folgenden Wortlaut:
„Nobis quoque peccatotibus . . . Auch uns armen Sündern, deinen Dienern, die wir auf die Tülle deiner Barmherzigkeit hoffen, gewähre gütigst Anteil und Gemeinschaft mit deinen hl. Aposteln und Märtyrern, mit Johannes und Stephanus, Mathias und Barnabas. Ignalius, Alexander, Mar- ceMnu.s, Petrus; mit Felizitas, Perpetua, Agatha, Luzia, Agnes, Cäcilia, Anastasia und allen deinen Heiligen. In ihre Gemeinschaft wollest du uns huldvoll zulassen. Nicht mit Rücksicht auf unsere Verdienste, sondern im Ansehen deiner Barmherzigkeit. Durch Christum, unseren Herrn." f
Trotz aller demütigen Gesinnung ein kräftiges, salbungsvolles Gebet. Zu Beginn desselben klopft der Priester auf die Brust und außerdem spricht er den Anfang mit erhöhter Stimme, so daß es plötzlich mitten in die Stille geheimnisvoll hineintönt: Nobis quoque peccatoribus! Damit will der Priester seiner Unwürdigkeit Ausdruck verleihen. Die Demut macht ja ein Gebet besonders wirklam.- Es handelt sich ja um eine große Gnade: um das: Bürgerrecht im himmlischen Jerusalem. D
Machen wir uns diese Bitten jeweils nach des hl. Wandlung zu eigen. Mit dem Priester wollen wir flehen für die armen Seelen und für uns selber, damit wir alle einmal" im gemeinsamen Vaterhaus« den großen Gott anbeten, loben unkt lieben Der Burgpfarrer. |