Ausgabe B
Nr. ,6.
Kassel, den 18. April 1926.
36. Zahrg. / H
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Wochenkalenser.
Sonntag, 18. April. 2. Sonntag nach Ostern. Montag, 19. April. Vom Tage.
Dienstag, 20. April. Vom Tage.
Mittwoch 21. April. Festfeier des hl. Joseph, »^Schutzpatrons der Kirchs. Anselmus, Kirchenlehrer, f 1109.
®onnerëtafl, 22. April. Soter und Casus, Mart., f 176 und 296. greitag, 23. April. Georg, Kriegsmann, Mart., f 303. Samstag, 24. April. Fidelis von Sigmaringen, Mart., t 1622.
Zweiter Sonntag nach Ostern.
(Ev. Joh. 10, 11—16.)
In jener Zeit sprach Jesus zu den Pharisäern:
Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben für jetne Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirt rst, und dem die Schafe nicht zugehören, sieht den Wo f kommen, verläßt die Schafe und flieht: und der Wolf raubt und zerstreuet die Schafe. Der Mietling flieht, eben weil er Mietling ist, und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt und kenne Lie Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt, und ich den Vater kenne: und ich gebe for meine Schafe. Und ich habe noch an- dere «chafe, welche nicht aus diesem Schafstalle sind: auch di-ie mutz ich herbeiführen, und sie werden meine Hirt^werd^n^' “"& eâ to^ ein Schafstall und ein
Der himmelragende Turm.
er Hochmut der ersten Menschen wollte einst einen Turm bauen, dessen Spitze bis zum Himmel reichen sollte. Gottes Allmacht warf ihn nieder wie ein Karten- haus. Im Neuen Bund hat nun unser Heiland einen neuen Turm gebaut, der Himmel und Erde verbindet, den kein Sturm nieder- reißeu kann: es sind die Wahrheiten unseres heiligen Glaubens. Denn „Himmel und Erde werden vergehen", spricht der Herr, „meine Worte aber werden nicht vergehen." Und was sind denn die Glaubenswahrheiten anderes als der Niederschlag und die systematische Zusammenfassung der Lehren nbarungen unseres göttlichen Heilandes? Dieser prachtvolle Turm mit seinen prächtigen Quadern erhebt sich in der hl. Messe, wenn der & "^°" betet. Es ist nicht das Apo- ändern eine Erweite- und^KonU^"' ^'e sie die Konzilien von Nicäa da- hoffen haben und wird darum bol'u^ ^Konstantinische" Credo oder Sym-
' ®5 siat folgenden Wortlaut:
Gott iL Deum". - Ich glaube an einen
4 ber Erde nk" Ä' ^Mr des Himmels Wesen Und sichtbaren und unsichtbaren den ein^N" an den einen Herrn Jesus Christus, oirmem5eb0renen Sohn Gottes. Es ist vorn Vater --gegangen vor allen Zeiten. Gott von Gott, Licht
Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35 tSoldpfeunig 8 40 Goldpfennig (fretöf.) Redaktion-- Schluß Montag. Anzelgen-Preife: Colonelzeil« im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Tolonelzeile im Reklameteil
vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott. Gezeugt nicht erschaffen, ein und derselben Wesenheit wie der Vater, durch den alles hervorgebracht ist. Der für uns Menschen und um unseres Heiles willen herabgestiegen ist vom Himmel. Und er hat Fleisch angenommen durch die Kraft des hl. Geistes und ist Mensch geworden. Er ist auch gekreuzigt worden unter Pontius Pilatus, hat gelitten und wurde begraben. Und er ist wieder auferstanden am dritten Tage nach der Schrift. Und er ist aufgestiegen in den Himmel; sitzet zur Rechten des Vaters. Und wiederum wird er kommen in Herrlichkeit, zu richten die LebendigM und die Toten. Und an den hl. Geist, den Herrn und Lebensspender, der vom Vater und vom Sohne ausgeht; der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebstet und mitverherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten. Und an eine heilige, katholische und apostolische Kirche. Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden und erwarte die Auferstehung der Toten und ein Leben der Seligkeit in der Zukunft. Amen. —
Achte auf die Zeremonien beim Credo. Gleich nach dem Evangelium geht der Priester in die Mitte, breitet die Hände himmelwärts, um anzudeuten, daß der Glaube aufsteigt zur Höhe des Himmels, faltet dann die Hände wieder vor der Brust, um all diese Wahrheiten fromm zu bekennen und führt in dieser Stellung das Credo zu Ende. Beim Aussprechen der drei göttlichen Personen macht er jeweils eine Verneigung der Ehrfurcht und Anbetung. Bei den Worten „Et incarnatus est — „Und das Wort ist Fleisch geworden" beugt der Priester das Knie bis auf den Boden. Am Schluß aber bei den Worten „Et vitam venturi saeculi" und „an ein Leben der Seligkeit in der Zukunft", bezeichnet er sich mit dem Kreuz, weil durch das Kreuz der Himmel aufgeschlossen wurde und weil im Kreuz alle Glaubenswahrheiten wie die Kerne in der Ruß eingeschlossen sind.
Bei einem Amt stimmt der Priester das Credo mit lauter Stimme an, welches dann der Chor auf- nimmt und vollendet, während es der Priester mit gedämpfter Stimme am Altare spricht. Die Choral- Melodie des „Credo" ist einfach flüssig, während bei öen polyphonen Stücken die Komponisten alle Re- gister ihrer Kunst spielen lassen, um die verschiedensten Stimmungen im Herzen durch Tonmalerei hervorzubringen.
Nicht an allen Tagen wird das Credo gesprochen, sondern nur an Sonn- und Feiertagen, an den Festen des Herrn und seiner Mutter, an den Festen der Engel, der Apostel und Evangelisten, an den Festen der Kirchenlehrer, der hl. Magdalena und des Kirchenpatrons. In gewissen Votivmessen wird das Credo zur Erhöhung der Feierlichkeit eingeschaltet.
Schließe dich dem Credo jeweils von ganzem Herzen an. Das Credo ist gleichsam das Echo des vorhergegangenen Evangeliums und zugleich das
Fundament zur nachfolgenden Opferung und Wandlung. Bete entweder das gleiche Credo wie der Priester, indem du dich deines Meßbuches bedienst, oder verrichte das Apostolische (Staubens, betenntnis oder erwecke die göttlichen Tugenden. Bist du Kirchensänger oder Sängerin, so stimme freudig in seine Melodien ein und singe sie nicht bloß mit den Lippen, sondern aus dem innern Drang des Herzens.
Und welche Glaubenswahrheit steht heute im Vordergrund des Tages? Die Wahrheit von der ewigen Liebe eines Gottes, der das verirrte und verlorene Menschengeschlecht gesucht und wieder ge. funden hat. Diesen Sinn hat die Parabel vom guten Hirten. Sie ist eine wunderschöne Einkleidung für die Worte d« Credo: Qui propter nos homines — der für uns Menschen und um unseres Heiles willen herabgestiegen ist". Als ich in den Gängen der Katakomben wandelte, sah ich zwar kein Kreuz. dagegen öfter die Darstellung des guten Hirten, welche in den ersten Jahrhunderten die Stelle 'des Kreuzes vertrat. Der gute Hirt war un« fern Vorfahren das passendste Symbol des Christentums, das Symbol der Liebe. Auch heute ist diese Liebe nicht ausgestorben, und die Menschheit braucht sie täglich nötiger. Die moralischen Schäden unserer Zeit, die Verwüstungen besonders der Jugend werden nur geheilt durch die Liebe des guten Hirten und seiner Organe. Drum wollen wir uns inbrünstig an den guten Hirten wenden um Erbarmen für uns und für die Verirrten, wollen das Herz wieder erwärmen zur Rettung der Seelen und die Hände öffnen zum nimmermüden Wohltun.
„Guter Hirt, Du Brot der Seelen,
Hab Erbarmen, wenn wir fehlen, Führ uns in des Vaters Reich.
Nähr uns hier im Jammertale, Ruf uns dort zum Hochzeitssaale Mach uns Deinen Heilgen gleich."
Der Burgpfarrer.
Die Bedeutung der Moysius- verehrung für unsere Zeit.
Die Verehrung des hl. Aloysius, welche gleich nach feinem Tode sich mit fast elementarer Gewalt in den Vordergund drängte, ist bis zu dem heutigen Tage nicht geschwunden. In der Tat, solange es noch Menschen gibt, welche ein Verständnis für wahre Charaktergröße haben, wird das Andenken des jugendlichen Bekenners stets gefeiert fein. Gewöhnlich stellt man ihn als Muster auf für die Jugend, und besonders für die studierende. Das mit Recht. Die Tugenden, welche vorzüglich den Knaben und Jüngling zieren, Reinheit, Frömmigkeit, Arbeitsamkeit, diese besitzt Aloysius schon vom zartesten Kindesalter an in hohem Maße. Und gerade in unserer Zeit, da der Jugend schon in den frühesten Jahren so zahlreiche Gefahren drohen, da