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Kassel, den 28, Februar z92b
Religiöses Wöchenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Lrscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35 Äoldpfenuig 3 43 Doldpfennig (fceibl.) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Lolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Noldmark, Colonelzrils im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Oss.-Neb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens 6b Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda sein.
." I — Dmi und Verlag der Fulda« AeNendruckerel. —
Wochenkalender.
Sonntag, 28. Febr. 2. Fastensonntaa. Quatemberandacht um Priester nach dem Herzen Jesu. Kollekte für das Priesterseminar.
Montag, 1, März. Vom Tage.
Dienstag, 2. März. Vom Tage.
Mittwoch, 3. März. Kunigunde, Kaiserin, f 1040.
Donnerstag, 4. März. Kasimir, Bek., f 1484. Freitag, 5. März. Vom Tage. Herz-Jes u-Freitag
Samstag, 6. März. Perpetua und Felizitas, Mart., f 203
vom 28. gebt, bis 7. März Larttaropserwoche.
Zweiter Fasten-Sonntag.
(Ev. Matth. 17, 1—9.)
In jener Zeit nahm Jesus den Petrus, Jakobus und Johannes, dessen Bruder, mit sich, und führte sie abseits auf einen hohen Berg. Da ward er vor ihnen verklärt: und fein Angesicht glänzte wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wieder Schnee. Und siehe, es erschienen ihnen Moses und Elias: die redeten mit ihm. Petrus aber nahm das Wort, und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein für uns: willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, dem Moses eine und dem Elias eine. Als er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus irr Wolke sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe: diesen sollt ihr hören! Da die Jünger dieses hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Und Jesus trat hinzu, berührte sie, und sprach zu ihnen: Stehet auf und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand, als Jesum allein. Und da sie von dem Berge herabstieren befahl ihnen Jesus, und sprach: Saget niemanden dieses Gesicht, bis der Sohn des Menschen von den Taten auferstanden sein wird.
Km Fuße des Tabor.
ie Weltkinder leihen sich ein Mas- kenkostüm, um andere Menschen W au scheinen. Ich aber möchte mir
^ geht die Sehnsucht der Seele- Weit fort über das Meer, in das hl. Land Palästina, das geheiligt ist durch unsers Herrn Tritte, Lehren, Wunder und Blutstropfen. Dort ist ein Berg, der einsam hinausragt in die Ebene, der vor feinen Brüdern bekannt und berühmt ist, auf dem sich das Schauspiel der Verklärung zugetragen hat, von dem das heutige Evangelium vermeldet. Tabor ist sein Name.
Und ich weiß noch einen andern Tabor, einen geistlichen Berg, der sich erhebt inmitten des Got- teshauses, einen Berg, auf dem der Heiland sich mederlaßt in der nämlichen und noch größerer Glorie und Herrlichkeit als auf dem Tabor, nur und unsichtbar, wo er die Menschen zu sich emporzreht und sie geistig umwandelt und verklärt.
Und dieser Berg — du hast es längst erraten — ist der Altar, auf dem die hl. Messe gefeiert wird, das Opfer des Neuen Bundes, der erhabenste Ausdruck unserer christkatholischen Liturgie.
Ich habe dir in den seitherigen Lesungen das katholische Gotteshaus gezeigt in seiner Bauart, seiner Ausstattung. Ich habe dir gezeigt und beschrieben die Gewänder des Priesters und Bischofs mit ihren Farben und Bedeutungen. Du hast nun das Recht zu fragen: wozu dieser herrliche Raum, wozu dieser Aufwand an kostbaren Ge- träniern? Antwort: wegen der Erhabenheit und Würde des hl. Meßopfers, vie rein.Verstand erfahren,keine ZungeBüssprcchen, keine Feöerbeschrei- ben kann. Denn nicht um ein menschliches, sondern um ein göttliches Werk handelt es sich bei der hl.
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Messe. Sie ist das Herzstück und Meisterwerk unserer Religion, das große Stauwerk der Gnaden, das nie ausgeschöft wird. Es ist nichts anderes als Christus selbst, die Erneuerung und Vergegenwärtigung seines Lebens und Leidens. In der Mozarabischen (Gotischen) Liturgie wird die Opfer- Hostie in neun Teile zerlegt, die folgende Namen haben:
1. corporation (Menschwerdung).
2. nativitas (Geburt,
3. circumcisio (Beschneidung),
4. apparitio (Erscheinung),
5. passiv (Leiden),
6. mors (Tod),
7. ressurectio (Auferstehung),
8. gloria (Verherrlichung),
9. regnum (Herrschaft).
In dieser Teilung ist sinnig die Vielgestaltigkeit dieses einen Opfers ausgedrückt. Wenn auch die Römische Liturgie, wie sie bei uns im Brauche ist, diese Neuneinteilung nicht kennt, so hat doch unsere Messe diesen reichen Inhalt. Um all diese Herrlichkeit zu schauen, dazu genügt der Glaube. Es muß uns bei der hl. Messe ergehen wie den Aposteln auf dem Tabor: denn sie sahen niemand „als Jesus allein".
Mit Gottes Hilfe will ich mich an das schwierige Werk machen, das Zentralgeheimnis unserer Religion. dis hl. Messe, nach Inhalt und Form,
mit Gebeten und Zeremonien zu erklären, damit wir diesen unvergleichlichen Edelstein immer mehr in seinem Wert erkennen und schätzen. Mit einer einzigen Lesung ist es damit freilich nicht getan. Ich muß diese Lehre einige Sonntage fortspinnen und darum wirst du gut daran tun, diese Nummern des „Boten" sorgfältig aufzubewahren, um später die Artikel im Zusammenhang zu lesen. —
Für heute wollen wir noch nicht den Gipfel des Tabor besteigen, sondern bescheiden am Fuße desselben stehen bleiben. Oder hast du nicht gesehen, wie der Priester den Beginn der hl. Messe an der untersten Stufe des Altars macht? Ist nämlich der Priester, im Schmuck der Paramente, in Begleitung der Ministranten den Altar hinaufgestiegen, hat er den Kelch in der Mitte abgellellt und das Buch auf der rechten Seite aufgeschiagen, dann bleibt er nicht oben. Als wollte er die Flucht ergreifen, steigt er wieder herab in die Ebene, um dort das S kasfelgebet zu verrichten. Das geschieht zum Ausdruck der Demut, als wollte der Priester mit Sankt Petrus sprechen: „Herr, geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch."
Die Hauptbestandteile des Staffelgebetes sind der Psalm Judica, der 42. des Psalmbuches, und dos Konfiteor. In freier Uebertragung hat der genannte Psalm folgenden Worllaut:
Verhilf mir H-rr zu meinem Rechts Und schlichte meine gute Sache.
O scheide m'ch von bösen Menschen, Bon Missetätern und von Heuchlern.
Mein Gott, nur du bist meine Stärke; Warum hast du mich jetzt verlassen?
Warum verzehrt mich stille Trauer, Warum bedrängen mich die Feinde?
Send aus dein Licht und deine Wahrheit Als Leuchten auf den Pfad des Lebens
Zu deinem Berge sie mich führen, Geleiten mich zu deinem Zelts.
Will treten zum Altare Gottes, Zu Gott, der froh macht meine Jugend.
Frohlocken will ich auf der Harfe, Ein Lied anstimmen meinem Kotte.
Warum, me n Herz, bist du so traurig? Verwirrest mich mit bangem Kummer?
Vertrau auf Gott und dank ihm allzeit:
E' ist dein Gott, ist dein Erretter.
Eingerahmt wird dieser Psalm durch die Antiphon, die ihm vorausgeht und nachfolgt, und die auch im Psalms selber vorkommt:
„Will freien zum Alkane Gottes, Zu Gott, der froh macht meine Jugend."
Diese Work- werden mithin dreimal gesprochen unb bilden das Leitmotiv. Die Grundstimmung des Psalmes, die auch die Stimmung des Priesters