Raffel, den 3;. Januar zy26.
Nt. 5.
Ausgabe B.
Religiöses Wochenblatt
Druck und Serfag a« gußae Aciirndruckertl. Verlagsort Fulda.
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für die katholischen Gemeinden Kassels.
3 scheint jeben Sonntag und kostet monatlich Aurgaâe &35 ®olbö?zntiig 3 49 Aildpfea-tlgstceibl.) Redakttons- Schinz JJlontag Anzetgen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil ,9,15 Goldmack, Lolonelzeils im Reklameteil ),60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra, lnzetgen müssen Spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actisndruckerei in Fulda sein.
wschenkalender.
Sonntag, 31. Ian. Septuagefima. Petrus NolaskuS, Bek., f 1256.
Montag. 1. Febr. Ignatius von Antiochien, Bisch., Mart., t 107.
Dienstag, 2. Februar. Fest Mariä Reinigung Mittwoch, 3. Febr. Blasius, Bisch., Mart
Donne, stag, 4. Febr, Rhabanus Maurus, Abt von Fulda und Erzbisch. von Mainz, f 856- Andreas Corsini, Bek, f 1373.
Freitaa, 5. Febr. Agatha, Jgfr., Mart. Herz-Jesu- Freitag.
Samstag, 6. Febr. Titus, Apostelschüler, f 98, Doro» .tyea, Jgfr., Mart., | 304. 4. Jahrestag der
Wahl P a p st Pius Xt.
Sonntag Septuagefima.
In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern folgendes Gleichnis: Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der cm frühesten Morgen ausging, um Arbeiter in jeinen Weinberg zu dingen. Als er nun mit den Arbeitern um einen Zehner für den Tag übereingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg. Und um die dritte Stunde ging er (wieder aus), und sah andere müssig auf dem Markte stehen, und sprach zu ihnen: Gehet auch ihr in meinen Weinberg, so werde ich euch geben, was recht ist! Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und neunte Stunde, und machte es eben so. Und als er um die elfte Stunde ausging .fand er (wieder) andere dastehen, und sprach
'hnen: Warum stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie antworteten ihm: Es hat uns niemand gedungen! Da sprach er zu ihnen: So gehet auch ihr in meinen Wemberg! ^Als es nun Abend geworden, sprach der Herr des Weinbergs zu feinem Berwalter: Laß dis Arbeiter kommen, und gib ihnen den Lohn, von den letzten angefangen bis zu den ersten. Da nun die kamen, welche um die elfte Stunde eingetreten waren, empfing «n Jeder einen Zehner. Und da sie ihn empfingen murrten sie wider den Hausvater und sprachen: Diese' die Letzten, haben nur eine Stunde gearbeitet, und bu hatt sie uns gleich gehalten, die wir die Last und Hitze des amges getragen haben. Er aber antwortete Einem aus ihnen und sprach: Freund, ich tue dir nicht unrechtbist du nicht um einen Zehner mit mir übereingefommen^ v™’n ^ ^s" »ft und geh hin: ich will aber diesen Wen auch geben, rote dir. Oder ist es mir nicht er- SH“ tun was ich will? Ist dein Auge darum
Ä L $ aut bin? Also werden die Letzten f und die Ersten die Letzten fern, denn Mele sind berufen, aber Wenige sind auserwählt.
Beständiger Feiertag
Eer Sonntag Septuagefima, der heute mit seinem ernsten Violett heraufsteigt, der den düsteren Schatten des Kalvarienberges vor- auslendet, der die Klage des lei» frönt x \ - „senden Heilandes zu unfern Ohren der dn^?^ Eingang zur Borfastenzeit eröffnet,
der durch das' Sert’immL^ ^^fnât, ^" sollen wir es greifen, welcher Fluch, welches
die Seele mit Trcnu>r"-»w^i^ Alleluia und Gloria. Unheil m der aufgezwungenen Ruhe, im unfrei- fleltum ehe%fX^^ Müßiggang beschlossen ist, und welcher
Werktag zu einem Feiertag macht; und das ist die Pflicht der Arbeit.
Leidet etwa der „Hausvater", daß eines seiner Kinder müßig geht? Nein. Vom frühen Morgen an geht er aus und dingt Arbeiter in seinen Weinberg. Trifft er einen Arbeitslosen an, so über- rascht er ihn mit der Frage: „Warum stehst Du hier müßig?" Und er schickt ihn dann in seinen Weinberg. Da werden in sonniger Glut die Hände gerührt, unb der schwere Boden wird umgestochen, wobei die Schweißtropfen wie Regen von der Stirne tropfen und sich vermischen mit der Fettigkeit der Erde. Doch es kommt der Abend, es kommt die Feierstunde, und die Arbeiter erhalten ihren Lohn und freuen sich des Segens der Arbeit.
Das Brevier, das Gebetbuch der Priester, leistet diesem Gedanken der Arbeit Gesellschaft und gibt ihm ein sicheres Fundament. In der ersten Nok- turn liest der Priester den Anfang der Bibel und liest ihn mit Bewunderung, mit Staunen und Schrecken. Wohin führt uns denn der Anfang der Bibel? Zum gähnenden Nichts auf der einen Seite und die schöpferische Allmacht auf der andern Seite. „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde". Sechs Tage hat er in seiner Weisheit dazu gebraucht, um die Weltschöpfung zu beenden. Am siebenten Tage aber ruhte Gott und er segnete und heiligte diesen Tag, um für immer das Gesetz auszustellen, daß sechs Tage bestimmt sind für die Arbeit und nur einer für die Ruhe.
Der Schöpfung Krone ist der Mensch. Gleichsam mit Aufbietung seiner ganzen Weisheit bildete der Herrgott einen Leib und hauchte eine unsterbliche Seele ein. Und welche Aufgabe stellte Gott dem Menschen? Ins Paradies setzte er ihn, nicht um darin dem Müßiggang zu frönen, sondern um das Paradies zu bebauen und zu bewahren. Merke wohl, daß schon vor dem Sündeu- fall noch im Zustand der Reinheit und Unschuld, die Arbeit zum Gesetz erhoben wurde, eine Arbeit frei» lief), die zugleich Erholung war. Und als die Men- schen gesündigt, da wurde das Gesetz der Arbeit erneuert, verschärft und mit dem Stachel der Strafe versehen. Was sprach der Herr zu Adam?" Im Schweiße Deines Angesichtes sollst Du Dein Brot essen, bist Du zur Erde wiederkehrst; denn Staub bist Du unb Staub sollst Du wieder werden."
So ist also die Arbeit, sowohl die körperliche als auch die geistige, keine Erfindung Satans und keine Erfindung menschlicher Brutalität, sondern bei Ssifle Gottes und eine Erfindung der göttlichen Weisheit und Güte.
Wob welch andern Zweck hat wohl das Gespenst der Arbeitslosigkeit, das in unsern Tagen so unheimlich durch die Lande selbst schleicht? Mit Hän-
Drei Edelsteine müssen nun blitzen am Ring der Arbeit, wenn sie nicht bloß für die Zeit, sondern auch für die Ewigkeit, nicht bloß für den Leib, sondern auch für die Seele etwas nützen soll: der Stand der Gnade, die gute Meinung und die voll» kommene Ausführung.
Einmal der Stand der Gnade. Du weißt ja selber, daß keine Tugend, kein noch so gutes Werk Anspruch hat auf Verdienst und Himmelslohn vor. dem Richterstuhl der göttlichen Gerechtigkeit, die nicht verrichtet sind im Stand der Gnade, die geschehen sind in der Feindschaft gegen Gott, im Zustand einer schweren Sünde. Kein Fleiß, keine Aufmerksamkeit kann deshalb groß genug sein, den Stand der Gnade zu bewahren, die Leidenschaften zu bemeistern, die schwere Sünde zu meiben. All deine Arbeiten sind umsonst in einen durchlöcherten Sack gegossen.
Das zweite ist die gute Meinung. Der Be» iveggrund der Arbeit muß ein übernatürlicher fern. Jede Arbeit muß einen Stempel haben; und dieser Stempel ist Gott. Die Arbeit darf keine bloße Sklaverei sein, die geschieht aus Furcht vor der Peitsche, aus Furcht vor Nachteil und Strafe; feine Hungerarbeit, die geschieht nur um den Hunger fernzuhalten und einen standesgemäßen Lebensunterhalt zu erwerben; keine Zuchthausarbeit, dis nur das Zwang geschieht, wo aber der Wille widerstrebt und knirscht; nein; die Arbeit soll sein eine Pflichlarbeik, die geschieht mit Rücksicht auf Gort, weil sie unsere Pflicht ist;" die in letzter Hinsicht geschieht aus Liebe zu Gott, dem höchsten Herrn. Gesetzgeber und Richter. Von einem Jesuitenpater hatte ein protestantischer Bankdirektor noch in vorgerückter Stunde die Kunst der „guten Meinung" gelernt. Er wurde ein Abcschütze der guten Meinung, fing mit vieler Mühe an, sie täglich, stündlich zu üben in seinem Büro, in seiner Privatwohnung, vor seinen Angestellten, vor seiner Frau, vor seiner Familie. „Mein Gott und Herr", so dachte er in seinem Sinn, „ich bin nun schon über fünfzig Jahre alt und habe noch nicht viel Gutes für den Himmel getan; so will ich wenigstens diese Stunde, diese Arbeit für Dich aufopfern und aus Liebe zu Dir verrichten." Und bald merkten feine Angestellten und seine Freunde und seine Frau, daß der Direktor ein anderer Mensch geworden war, nicht mehr mürrisch, nicht mehr so launisch, nicht mehr so anspruchsvoll, nicht mehr so hochfahrend, sondern anständig, gefällig, duldsam, zuvorkommend, freundlich, liebenswürdig. Kurzum der Direktor wurde ein anderer Mensch; und er selber hatte die größte Freude daran. Und eines Tages erschien er im katholischen Pfarrhaus und sprach: „Die kath Kirche hat mir viel gegeben durch die gute Meinung; ich glaube, sie kann mir noch mehr geben; darum möchte ich katholisch werden.
Endlich die vollkommene Ausführung. Merr^ nochmals, daß deine Arbeit nicht für Menschm