Einzelbild herunterladen
 

merkwürdige Begebenheit erzählt. Die Bewohner von Galaad halten Krieg mit den Bewohnern von Ephraim. Die letzteren wurden geschlagen und wollten über den Jordan zurückfliehen. Doch die Männer von Galaad hatten die Furten und Ueber- gänge besetzt und nahmen jedem die Parole ab. Schiboleth" war das Kennwort. Nun hatten die Bewohner von Ephraim die Eigenart, daß sie kein Sch" sprechen konnten. Sie sagten daher Siboleth anstatt Schibobeth. So wurden sie als Feinde er­kannt und am Ufer des Jordan niedergemacht. Die Galaaditer aber konnten die Losung sprechen und

Freunde! Ist nicht

wurden hinübergelassen.

auch der NameMaria" eine solche Parole? Die Irrgläubigen und die schlechten Katholiken können diesen Namen nicht aussprechen, wenigstens nicht mit der gehörigen Wärme, Liebe und Ehrfurcht. Darum kommen sie nur schwer oder gar nicht über die Furt der Versuchungen und Schwierigkeiten und werden oft eine Beute des bösen Feindes. Die gu­ten Katholiken aber kennen dieses Wort und spre­chen es gern und rufen sie an in allen Nöten des Leibes und der Seele. Und wenn wir das beharr­lich und gewissenhaft üben, so kommen wir über alle Furten hinweg ins gelobte Land. Der Name Maria ist eine Quelle des Glückes für dieses neue Jahr und für die ganze Zukunft. DennWer mich findet", spricht Maria,der findet das Leben und wird Heil vom Herrn schöpfen".

Der Burgpfarrer.

Jahresende Zeitenende.

O Mensch, in allem, was du tust, bedenke das Ende!"

Wie treffend paßt die Mahnung der hl. Schrift auf den heutigen Tags Ist er doch, als der letzte eines Jahres, wie geschaffen zu stillem Nachdenken. Lassen wir einmal das Auge des Geistes zurück- schweifen über die vorausgegangenen 364 Tage und fragen wir uns, ob wir sie nutzlos verbracht haben. Gearbeitet haben wir wohl alle, vielfach sogar schwer und hart gearbeitet, aber haben wir mit unserer Arbeit nicht bloß irdischen Interessen ge» dient, sondern auch Ewigkeitswerte geschaffen? Denn unser Endziel ist und bleibt die Ewigkeit. Und die Zeit wird, so wie sie eiuewAnfang hatte, auch ein Ende haben. Alle Zeit! Doch wir brau­chen hier gar nicht an das allgemeine Zeitends zu denken; für jeden einzelnen von uns endigt die Zeit ...it unserem Tode, und wir treten durch dessen dunkle Pforte ein in die Ewigkeit.

Ach, wie nah' ist uns vielleicht schon dieses Ende! Und doch, wenn wir die Menschen unserer Zeit be­trachten, so könnte man vielfach denken, es sei ihnen jeder Gedanke daran verloren gegangen. Ja, wenn am Sylvesterabend sich diese Gedanken gewaltsam aufdrängen, dann schüttelt man sie Jo viel wie möglich ab und ertränkt sie in Punsch und Wein. Man durchtanzt die letzten Stunden des alten und die ersten des neuen Jahres, als ob das Leben ein ewiger Fasching wäre. Und wenn dann das Ende, das nie bedachte Ende kommt, dann wird man mit Schrecken gewahr, daß man umsonst gelebt hat und nun mit leeren Händen in die Ewigkeit eingeht.

Folgen wir darum der Mahnung der hl. Schrift, bedenken wir in allem, was wir tun, das Ende und die Ewigkeit, beschließen wir das Jahr in dem Namen, in dem wir morgen ein neues Jahr be­ginnen, im Namen Jesus, der uns begleiten soll durch's ganze Jahr und durch's ganze Leben! Voll­bringen wir in diesem heiligsten Namen alle unsere Handlungen, all unser Wirken, und es wird gesegnet sein und reiche Früchte bringen für die Zeit und für die Ewigkeit!

Lilvesèerabend.

Von Henriette Brey.

Es war ein bitterkalter Abend. Die Schnee- schaufler, welche in den Straßen den dichtfallenden Schnee wegfegten, hielten zuweilen inne und hauch­ten in die frosterstarrten Hände. Mancher stützte sich auch wohl eine Weile auf seinen Besen oder zog aus der Rocktasche eine Flasche hervor und führte sie zum Munde.

Die festlich geputzten Leute freilich, die jetzt aus dem Theater herausströmten und lachend und plau­dernd durch die Straßen schritten, spürten wenig von der Kälte.

Eine Dame am Arm eines Offiziers schritt vor­bei.

Aber sieh doch nur, Emil", sagte sie empört, diese Menschen können sogar bis in die Nacht hin­ein von ihrem Schnaps nicht lassen! Unbegreiflich! Und dann spricht man noch von Proletarierelend .

Laß doch", unterbrach ihr Begleiter, sie weiter­ziehend,bei dieser Hundekälte mag ein Schluck Branntwein sie wohl von innen erwärmen."

Der Arbeiter ballte die Faust hinter ihnen. Aber schweigend schaufelte er weiter, in düstere Gedanken vertieft. Als es vom Rathausturm elf Uhr schlug, warf er sein Arbeitsgerät auf den Karren, rtes seinen Genossen ein paar erklärende Worte zu und eilte hastig nach Hause. Nach elf Uhr, hatte der Arzt gesagt, wolle er noch einmal nach seinem Knaben sehen; denn heute abend war die Krisis!

Er öffnete die Stubentür und trat ein. Der Arzt war noch nicht da. In einer Ecke des kleinen Gemaches stand das Bettchen des Kranken, eines etwa fünfjährigen Knaben. Vor dem Lager faß fein Weib. Sie sah vergrämt und verbittert aus, vorzeitig gealtert. In ihren tiefliegenden Augen, die mit starrem Ausdruck vor sich hinschauten, schnd

S»»1M2hW»^

S 9

ei

SB â

Nm jein - NeWkSUM.

=1

BI

1 fl

4

il

;«

il

il

I

1

Jesu Name, uns geleite

Durch das Jahr und durch das Leben!

Ist uns ja zum Heil gegeben

Und zum Schild im Ehrenstreite.

Jesu Name, sei gepriesen

Mit dem Herzen, mit dem Munde.

Jeden Tag und jede Stunde Sei dir Lob und Dank erwiesen.

Jesu Name, vor dir neigen

Sich im Himmel und auf Erden Die da waren, sind und werden, Ehr und Lob dir zu erzeigen.

Jesu Name^ uns geleite "Stets auf deines Kreuzes Wegen, Sei uns Wehr und Schild und Segen, Hilf zum Sieg im Erdenstreit!

§ es L« il

IB

(i ö

i=

=i

i)

=6

ej fe »Z k« IB ss« el

ib

El ß

A

W^ffli'l^im'ÄTil'Ä^

eine ganze Geschichte von Leid und Elend geschrie­ben.

Die Frau rührte sich nicht, als der Mann ein­trat. Sein erster Blick galt dem Kinde. Bewegungs­los wie eine Leiche lag es in den Kissen. Ein plötzlicher Schrecken durchrieselte ihn. War er tot? Marie, was ist mit dem Kinde?"

Sie wandte den Kopf nicht.Den ganzen Abend lag es in fürchterlichen Krämpfen", sagte sie mit zuckenden Lippen;seit einer Stunde ist es ruhig, kaum noch atmend. Ich weiß nicht, ob das ein Zeichen ist, oder oder das Erlöschen."

Sie sprach mit monotoner Stimme; aber ein tiefer Schmerz lag darin, eine zitternde Angst, ihr Kind zu verlieren ihr geliebtes einziges Kind, ihren Trost in dem Elend ihrer Ehe.

Der Mann beugte sich ängstlich forschend über den Kleinen und warf sich dann seufzend auf die Holzdank Wie lange der Arzt doch blieb! Wenn es zu spät war?

Auch ihm war der Knabe alles! Er war ein wüster Mensch geworden, seit er in schlechte Ge­sellschaft geraten, streitsüchtig und jähzornig fein Weib wußte davon zu erzählen aber das Kind liebte er . Die Liebe zu seinem Kinde war die einzige weiche Stelle in fernem Gemüt

Er hörte den Schritt des Arztes und öffnete hastig die Tür. Mit flüchtigem Gruß trat der Arzt schnell zum Bettchen des Patienten, wäh-end der Mann mit vorgeneigtem Kopf mitten in der Stube stehen blieb. Auch das Weib war aufgestanden und hielt sich krampfhaft am Settpfoft».-!, Beider Augen hingen voll Angst an feinen Lippen. End­lich richtete sich dw Arzt auf.

Danken Sie Gott der Knabe ist gerettet!" sagte er bewegt, ^das Fieber ist gebrochen, er schläft ruhig."

Die Frau fiel kraftlos auf einen Süihl. Der Mann drückte stumm die Hand des Arztes, daß sie schmerzte: er suchte vergeblich, feiner Rührung Herr zu werden.

Der Arzt ging. Die beiden waren wieder allein. Das Kind schlief ruhig weiter. Niemand sprach ein Wort, um seinen Schlummer nicht zu stören. Die Frau war in ihre vorige Stellung zurückgesunken. Sie hatte die Hände gefaltet und ihre Lippen be­wegten sich leise,

Der Mann sah zu ihr herüber. In seiner glück­lichen Stimmung ob der Rettung des Kindes hatte er das Bedürfnis, mit jemand zu sprechen.

Marie", sagte er freundlicher, wie sonst. Aber sie hörte ihn nicht, sie schien seine' Gegenwart vergessen zu haben.

Da wallte sein leicht erregtes Blut zornig auf: aber um des Kranken willen mußte er sich still ver­halten. 1

Wie elend und abgehärmt sie aussah! Und sie war doch früher ein so hübsches, blühendes Weib gewesen! . . .

Früher! Ja, früher war auch er ein anderer Mensch gewesen, ein ganz anderer, und sie hatten glücklich und zufrieden zusammen gelebt! Aber dann war er auf Abwege gekommen.

Seine breite Brust hob sich schwer atmend. Ob es nie mehr werden konnte, wie früher? Konnte er nicht ein anderer Mensch werden?

Es gab doch etwas, das sie verband: Er sah nach dem Kinde und dann wieder forschend nach der Frau. Ueber ihre hageren Wangen rollten jetzt große Tränen, und mit einem Male legte sie den Kopf auf die Kissen und weinte krampfhaft.

Das griff ihm ans Herz und weckte längst er­stickte Gefühle wieder auf. Er trat zu ihr und sagte leise:Marie, weine doch nicht!" Sie schluchzte nur heftiger.

Marie, warum weinst Du?" fragte er ergriffen.

Stoßweise brach es aus ihr hervor:Weil . . - weil ich . . . mein Kind . . . behalten darf . . . o, Gott ist gut . . . so werde ich doch nicht . . , ganz elend sein . . ."

Da war er erschüttert. Armes Weib! Wie sehr mußte sie gelitten haben durch seine Schuld! s

Marie", sagte er unsicher und faßte scheu ihre Hand.Marie, kann es zwischen uns nicht mehr werden wie früher?"

Sie blickte erstaunt auf Einen Augenblick flog es wie heller Schein über ihr Gesicht, dann aber schüttelte sie hoffnungslos den Kopf. Sie hatte schon zu viel Leid erfahren, sie glaubte nicht mehr an ihn.

Aber er faßte ihre Hand fester.Marie, ich weiß es wohl, ich habe Dich schlecht behandelt, aber ... um unseres Kindes willen, das uns heute neu geschenkt ist, vergiß alles! Marie, ich will ein bes­serer Mensch werden laß uns das Vergangene begraben und mit dem neuen Jahr ein neues Leben anfangcn' Marie... ", der große starke Mann breitete die Arme aus da warf sich das Weib weinend an seinen Hals und barg den Kopf an feiner Brust.

In diesem Augenblick erwachte der kleine Kranke und blickte mit klaren Augen um sich.Vater, Mutter", flüsterte er matt und lächelte.

Mit einem Freudenruf beugten sich die Eltern über das Bettchen.

Da schlug es vom Turme Mitternacht! . . . Das alte Jahr versank, ein neues begann! Die Beiden reichten sich zum stummen Gelöbnis die Hände sie wußten, daß mit dem neuen Jahre für sie auch ein neues, besseres Leben seinen Anfang nahm.

-------- »M «P ^. ----------

Ein Neujahrsbrief von Kwan §tolz.

Das Pfarrdorf Thüringerberg in Vorarlberg, hoch in einer majestätischen Eebirgswelt gelegen, war viele Jahre der Herbstaufenthalt von Alban Stolz. Hier wurde er von Pfarrer und Gemeinde alljährlich mit Sehnsucht erwartet und mit großer Freude empfangen Alban Stolz liebte die Leute dieser Gemeinde so. daß er ihnen jeweils auf Neu­jahr einen Neujahrsbrief zukommen ließ, welchen dann der Pfarrer von der Kanzel vorlas. Auf Neujahr 1869 sandte er folgenden Brief:

Da jeder an Neujahr seinen Angehörigen und Bekannten Glück wünscht, so tue ich es auch euch gegenüber. Indem ich einige Zeit in eurer Ge­meinde mich aufgehalten und gesehen habe, daß