Nr. 303
Samstag den 28. Dezember 19*
Der Rundfunk
Selbstanschluß im Funkverkehr
Wichtige Erweiterung des Funkbetriebes.
Ein großer Vorteil, aber auch ein großer Nachteil des drahtlosen Tele-graphieverkshrs ist, daß er praktisch „An Alle gerietet ist. Beim Fernsprecher bat man die Möglichkeit, sich mit einem bestimmten Teilnehmer zu verbinden, mit dem man alten das Gespräch führt, das Dritte nicht hören können. Die Ausschaltung Dritter wird vorläufig im Funkbetrieb nicht möglich sein, da man nicht für jede mögliche Verbindung eine besondere Welle reservieren kann. Dagegen ist neuerdings ein Weckunruf durchgebildet worden, der eine bestimmte Empfangsstation alarmiert (z. B. durch Klingelzeichen) und sie darauf aufmerksam macht, daß sie vom Sender aus gewünscht wird, und daß sie sich einzu- schalten har.^Diese Anlage ist im Berliner Polizei- institut für Technik und Verkehr vom Polizeihauptmann Dr. Ristow entwickelt worden und wird jetzt zuerst für die preußische Polizei allgemein einge- rührr. Wenn eine derartige Weckeinrichtung vorhanden ist, ist es nicht mehr notwendig, daß zur Uebermiitelung von Nachrichten ein bestimmter ; Zeitpunkt vorher vereinbart wird, — was naturgemäß bei Behörden, wie der Polizei, oft praktisch unmöglich ist — oder daß ununterbrochen ein Funker Dienst tut, wobei die Beobachtungszeit, der Leerlauf, die eigentliche Uebermiitelungs,zeit, meist um ein Vielfaches übertrifft. Die neue Weckanlage ist eine Zusatzeinrichtung zum Funkempfänger, die keine tedjnifdje Komplizierung des Funkbetriebes verursacht. 'Selbsttätig meldet sich der mit der Weckeinrichtung versehene Empfänger, wenn eine für ihn und nur für ihn bestimmte Nachricht eintrifft.
Im Schiffsverkehr ist seit einiger Zeit etwas Aehnliches bekannt, eine drahtlose Weckeinrichtung, die laut internationaler Vereinbarung auf allen -schiffen vorhanden sein muß, auf denen die Funker keinen Dauerdienst haben. Diese^Weckeinrichtung reagiert allerdings nur auf die «Os-Gefahrruf«. -sie ist nur für diesen Sonderzweck gebaut, außerdem recht kompliziert und teuer und erlaubt eben nur einen -vammelanruf, der in Reichweite des Senders des sich in Gefahr befindenden Schiffes zu hören ist, aber keinen Einzelanruf eines bestimmm- ten Empfängers. — Wesentlich für den geordneten Betrieb ist, daß Fehlanrufe sowie Störungen soweit wie möglich ausgeschaltet werden. Während des langen Veriuchsbetriebes im Polizeiinstitut für Technik und Verkehr sind 98 Prozent aller Anrufe eines 200-Watt-Sendsrs aus 350 Kilometer Entfernung angekommen.
Die Anrufzeichen sind gewissermaßen Monse- zeichen. Jede- von ihnen besteht aus je einem längeren Anfangs- und Endftrich und dazwischen liegenden kürzeren Strichen. Die große Variationsmöglichkeit der Zeichen ^ergibt sich aus Anzahl unb Sänge dieser kürzeren Striche und der dazwischen liegenden Pausen. Der Empfänger ist auf die Welle, auf der der Anruf erfolgt, abgestimmt. Na- .turgemäë nimmt er auch alle anderen Anrufe und LiörMPulie. auf gleicher—Me auf . .«Site âeckâ- Achtung sprichr aber nur an, wenn das ganze An- rufzeichsn, auf das sie eingestellt ist — also der lange Anfangs- und Endstrich und die bestimmte Zahl kurzer Striche von bestimmter Länge und mit bestimmten Pausen nacheinander gegeben — eintrifft. Mir Hilfe vevschiedener Relais (Auslöser) wird ein Schrittwühler, ähnlich den in Selbstan- ichluß-Fernfprechämtern gebrauchten, bis zu dem Schritt vorggwieben, an dem sich die Alarmeinrichtung befindet, die nach Beendigung des langen Schlußstriches eingeschaltet wird. Der Anruf, also die Reihenfolge sämtlicher Zeichen, dauert etwa 10 bis 15 Sekunden, und während dieser Zeit be= steht durchaus die Möglichkeit, daß die, selbst in empfangsgünstigen Gegenden, auftretenden Störungen die Zeichen verwischen, daß etwa Störimpulse die Striche verlängern oder in den Pausen von sich aus den Schrittwühler vorwärts treiben. Die sichere Ausschaltung derartiger Störungen, abgesehen natürlid) von schweren Dauerstörungen, etwa bei atmosphärischen Entladungen, gegen die man vorläufig ja
sowieso machtlos ist, erfolgt durch die
eigenartige und uerf siebene Bauart und Anordnung der verschiedenen verwendeten Relais und die sogenannte Amplituden-Kontrolle hinter dem ersten Relais, die, eine Art dauernd wirkender Unterbrecher, alle kleinen Störimpulse aussiebt. Die Apparatur beginnt erst zu arbeiten, wenn der erste Impuls, der lange Anfangsstrich, jo lange gedauert hat, wie das nächste Relais, ein sogenanntes Zeitrelais, bei dem der Anzug des Ankers verzögert wird, zum Ankeranzug braucht. Dann erst wird das dritte Relais zum Anjprechen gebracht, ebenfalls ein Zeitrelais, bei dem der Abfall des Ankers verzögert wird. Jeder Ankeranzug dieses Relais treibt den Schrittwähler einen Schritt vorwärts. Die weitere Steuerung der Apparatur erfolgt
6.30: angabe.
Rundfunk- Vortragsfolge
Samstag, 28. Dezember 1929
Nach Stuttgart: Wetterbericht und Zeit- Anschließend: Morgengymnastik. 11—12:
Schallplattenkonzert. 13.15: Werbekonzert. 13.40 bis 14.40: Schallplattenkonzert: Unterhaltung und Tanz. 15.15—15.45: Stunde der Jugend. 16: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 17—17.45: Aus dem Pavillon Excelsior Stuttgart: Tanzmusik. 18.05: „Laienmusizieren", Vortrag. 18.35: Nach Stuttgart: Stunde des Arbeiters, Vortrag. 19.05: Nach Stuttgart: Spanischer Unterricht. 19.30: Nach Stuttgart: Stunde für Laienmusizieren. 20.15: Nach Stuttgart: Bunter Abend. 22.30—23: Nach Stuttgart: In einer Alstadktneipe. Kunden und Artisten vor dem Mikrophon. 23.15—0.30: Nach Stuttgart: Tanzmusik des Rundfunkorchesters.
Sonntag, den 29. Dezember 1929
7: Von Hamburg: Hafenkonzert auf been Dampfer,, Cleveland" der Hamburg-Amerika-Linie. 7: Die Glocken vom Großen Michel, dem Wahrzeichen der deutschen Seefahrer; 7.05: Hamburger Morgenruf. 9—10: Morgenfeier der freireligiösen Gemeinde Offenbach a, M. 10.30: Erziehung und Bildung: Psychologie des Lehrers. 11: Bon Leipzig: „Das musikalische Gedächtnis", 11.30: Erziehung und Bildung: Elternstun.de. 12: Von Kassel: Konzert. 13—13.10: Zehnminutendienst der Landwirtschaftskammer Wiesbaden. 13.15: Vortvagsstunüe. 13.45 bis 14.45: Stunde der Jugend. 14.45: Stunde des Landes. 16: Von Stuttgart: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 18: Stunbe des Rhein- Mai irischen Verbandes für Volksbildung. 18.30: Bernard Brentano, Vorlesung aus eigenen Werken. 19.30: Sportnachrichten. 20—22.30: „Die Herzogin von Chicago" Operette in zwei Abteilungen. 2245: Nach Stuttgart: Nachrichtendienst. 23—030: Aus dem Rumpelmayer (nach Stuttgart): Unterhaltungsmusik.
Montag, den 30. Dezember 1929
6.30: Nach Stuttgart: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 12.15: Schallplattenkonzert: Italienische und spanische Lieder. 13.15—13.30: Werbekonzert. 14.20—14.50: Stunde der Jugend. 15.30—16: „Dachsgraben", Jagdreportage. 16—16.50: Hausfrauen-Nachmittag. 16.50—17.45: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Von der baskischen Küste, Reiseerinnerungen. 18.35: Nach Stuttgart: Der fianzösische Stâat, die Bürokratie, Vortrag. 19.05: Nach Stuttgart: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Rach Stuttgart: Konzert. 20.45—22.15: Nach Köln und Stuttgart: „Der Schlachtenlenker" Komödie v. Bernhard Shaw. 22.30: Nach Stuttgart: Wiener Schrammeln. 22.45: Nach Stuttgart: Nachrichtendienst. 23—24: Von Kassel nach" Stuttgart: §an= Mafien... aus be*r#i1tar*ürftfi<bm» Stoantetfe^^
Dienstag, den 31. Dezember 1929
6.30: Nach Stuttgart: Wetterbevicht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 13.15: Werbekonzert. 13.30—14.30: Schallplatten konzert : Berlin—München. 15.15—15.45: Stunde der Jugend. 16—18: Aus dem Rumpelmayer (nach Stuttgart)- Unterhaltungskonzert. 18.15: Bücherstunde: Goethes Naturanschauung im Blickfeld un= ferer Zeit. 18.45: Von Stuttgart: „Franz Wilhelm Junghuhn: Ein Pionier deutscher Wissenschaft im Ausland". 19.15: Von Stuttgart: Silvester-Feier. 20: Bon Stuttgart: Heiterer Abend. 22: „Schier dreißig Jahre . . .", Silvester-Revue von Hilarius. 23: Bunter Abend. 23.55: Neujahrs-
durch dieses letzte Relais. Jedesmal bei Beendigung des Ankerabsalles wird es neu erregt, der Anker zieht erneut an, und der Wähler macht einen weiteren Schritt vorwärts. Die von der Sendestation eintrefsenden ^nrusimpulse dienen gewissermaßen nur zur. Kontrolle dieses ganzen Vorganges, und erst wenn das Anrufzeichen nicht mehr mit dem Zeichen übereinstimmt, auf das die Apparatur eingestellt ist, wenn also der „Synchronismus" gestört ist, wird ein Stromstoßpendel ausgelöst, das die Apparatur, die also in diesem Falle nicht angespro- chen hat, wieder in die Ausgangsstellung zurückge- fllhrt. Auch dieses Stromstoßpendel arbeitet aber mit einer kleinen Verzögerung, um kurze Störimpulse auszusieben. — Praktisch haben sich jedenfalls die vorhandenen Einrichtungen zur Stärbeseitigung als ausreichend erwiesen, so daß heute die Möglichkeit vorhanden ist. einen Anrufbetrieb durchzuführen, der, unter Ausschaltung von Bedie
ansprache. 24—3: Aus dem Cafe Sacher, Frankfurt: Tanzmusik.
Mittwoch, den 1. 3anuar 1930
9—10: Morgenfeier veranstaltet von der Ev. Landeskirche zu Frankfurt a. M. 11—11.30: Bon Leipzig: „Der Mensch als Gestalter der Zukunft". 12—13: Schallplattenkonzert: Die Mailänder Scala. 14: Von Stuttgart: Jugendstunde „Märchen im Winter". 15—16: Nach Stuttgart: Konzert. 16: Nach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18: Bon Stuttgart: „Ernst Barlach, der Gottsucher (zu seinem 60. Geburstag)". 18.30: Bon Stuttgart: Kleine Klavierstücke. 19.15: Sportnachrichten. 19.30: Nach Stuttgart: Orgel-Konzert. 20: Nach Stuttgart: „Spuk". Ein Schwank aus dem Familienleben, wo es am dunkelsten ist. 21.30—22.45: Von Stuttgart: Neujahrskonzert, Märsche und Tänze berühmter Meister. 22.45: Von Stuttgart : Nachrichtendienst. 23—1: Aus dem Konditorei-Cafè „Cafasö", Mannheim: Tanzmusik.
Donnerstag, den 2. Januar 1930
6.30: Nach Stuttgart: Wetterbericht und Zeit- angabe. Anschließend: Morgengymnastik. 12.15: Schallplatenkonzert: Unterhaltungsmusik. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 16—17.45: Von Stuttgart: Konzert b. Rundfunkorchesters. 18.05: „Presse und Rundfunk". 18.35: Nach Stuttgart: „Friedrich List", Bortrag. 19.05: Nach Stuttgart: Französischer Sprachunterricht. 19.30: Nach Stuttg.: Schallplattenkonzert: Aus älteren Operetten. 20: Aus dem großen Saal des Saalbaues: Chorkonzert. 21.30 bis 22.30: Nach Stuttgart: Unterhaltungskonzert eines Orchesters arbeitsloser Berufsmusiker, veranstaltet vom Arbeitsamt Frankfurt a. M. 22.30: Nach Stuttgart: Nachrichtendienst. 22.45—24: Aus dem Rumpelmayer (nach Stuttgart): Unterhaltungsmusik.
Freilag, den 3. Januar 1930
6.30: Nach Stuttgart: Wetterbevicht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 12.15: Schallplattenkonzert: Tschechische Musik. 13.15 bis 13.30: Werbekonzert. 1fr—17.45: Nach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Rückblick und Ausblick auf die Wirtschaftslage beim Jahreswechsel". 18.35: Bon Stuttgart: Berufskundlicher Bortrag: „Der deutsche Bordfunk-Offizier". 19.05: Von Mannheim: „Marie Curie-Slodowsja, die Radium-Entdeckerin", Vortrag. 19.30: Von Stuttgart: „Ein Abend in Paris". 21—22.15: Internationaler Programmaustausch. 22.15: Von Stuttgart: Nachrichtendienst. 22.30: Funkstille. 0.30—1.30: Nur für Kassel: Nachtkonzert.
Samstag, den 4. Januar 1930
6.30: Nach Stuttgart: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. . 13: Werbekonzert, 1.3,15j .Lckâla.itenkâZert: ..... Tanz
genüstunüe. 15.15—15.45: Bon Stuttgart: „Ber- schollene Vorläufer", Vortrag. 16—17.45: Von Wiesbaden (Nach Stuttgart): Konzert des Städt. Kurorchesters. 18.05: „Der Stern von Bethlehem", Vortrag. 18.35: Nach Stuttgart: Stunde des Arbeiters — „Wirtschaftspolitischer Rückblick auf das Jahr 1929", Bortrag. 19.05: Nach Stuttgart: Spanischer Unterricht. 19.30: Von Stuttgart: Violinkonzert Georg Beerwald. 20.15: Bon Stuttgart: Streif- zug durch den Aether. Fernempfangsversuche von Schloß Solitude. 21.15—22.15: Von Stuttgart: „Herr Biedermeier und Frau", Singspiel in einem Akt. 22.15: Bon Stuttgart: Nachrichtendienst. 22.30: Bon Stuttgart: Schlagerstunde. 23.30: Aus dem Pavillon Exzelsior, Stuttgart: Tanzmusik.
nungspersonal, ähnlich arbeitet, wie die Selbstanschlußämter des Draht-Fernsprechbetriebes.
Dipl.-Ing. A. Lion, Berlin.
Wann muß man neue Röhren kauten ?
Wenn die Güte der Wiedergabe nachläßt
Viele Leute haben sich vor langen Zeiten einen guten Empfänger angeschafft, und obwohl dieser schon einige Jahre in Gebrauch ist, hat man noch nicht daran gedacht, zu untersuchen, ob sich nicht inzwischen die Qualität der Röhre verschlechtert hat. Man hat zwar bemerkt, daß die Wiedergabe nicht mehr so gut ist wie zu der Zeit, da man den Apparat gerade gekauft hatte; die Lautstärke ist geringer geworden, die Musik wird verzerrt wiedergegeben. Vielleicht hat man angenommen, daß der Lautsprecher der Sündenbock ist, aber als man ihn an den Empfänger eines Freundes anschloß, ergab
sich, daß der Lautsprecher ausgezeichnet^ arbeitete, i Daß die Fehler wahrscheinlich auf die Röhren zu. rückzuführen sind, daran denkt man überhaupt nicht. Wenn eine Röhre lange Zent gebraucht ist, ist es sehr gut möglich, daß sie sich verschlechtert hat, daß die Wiedergabe hierunter leidet. Wem man bemerkt, daß die Qualität der Wiedergabe eines Empfängers nachläßt, so muß man seststellen, ' wie es mit den Röhren steht.
Die Erneuerung von Röhren, die ihre normale 1 Lebensdauer bereits hinter sich haben, kann Wuu- < der bewirken; der Empfänger ist sozusagen ren jüngt, die Lautstärke ist größer, die Musik besser, ' der Apparat selbst viel empfindlicher geworden.
Wie man’s macht, ist’s falsch ■
Der unvollkommene Nachrichtendienst des Rund- funks
Der regelmäßige Presse- und Nachrichtendiwi. [ im Rundfunk bildet ein Problem für sich. Es ist eine besonders schwierige Aufgabe, ihn 'c zu p s statten, daß möglichst keine der noch so uerjdjie^ s nen politischen Anschauungen der RunSsunkhor« s verletzt wird. In Deutschland war man von An- - fang' an so klug, zumindest für den politisch» Nachrichtendienst eine Zentrale, _ bie Drahtlose Dienst A.-G. zu schaffen, an deren Spitze Cheiredek- teur Dr. Rauscher steht, der angehalten ist, (einen Nachrichtendienst so objektiv und neutral wie möglich zu halten.
Trotzdem bleiben mitunter Angriffe auf diese« Nachrichtendienst nicht aus. Aber in der Persönlichkeit des Chefredakteurs haben wir in DeuiichlaK wenigstens eine verantwortliche Stelle, an die sich die Hörer wenden können, und ein Aussichisnt sorgt nötigenfalls dafür, daß Mißstände beseitigt werden. Ganz anders im Ausland. Hier liegt der politische Nachrichtendienst in privaten Händen, und je nach Stimmung oder politischer Einstellung werden die Dienste gefärbt. Mit solchen Nachrichten und Pressemitteilungen im Rundfunk wäre man gewiß in Deutschland überhaupt nich: zufrieden. In Frankreich ist es anläßlich der letzten Ministerkrise zu einem Proteststurm der Rundfunkhörer gekommen. Die Sender fühlten sich gemüßigt, ihren Hörern nur die knappen und ohne Zusammenhang unverständlichen Agenturmeldungen durchzugebön. Selbstverständlich waren die Hörer bamit nicht zufrieden. Der Sender Toulouse fühlte sich deswegen veranlaßt, seine Meldungen zu rebig eren und zu kommentieren mit dem Erfolg, daß sich nun wiederum die Hörer beschwerten, weil die Nachrichten tendenziös wären. Diese Beschwerden werden allerdings wenig Erfolg haben, denn es gibt in Frankreich keine Ueberwachungsstelle, die hier ordnend eingreifen kann, und wenn der Sender das nächste- mal seine Meldungen in irgendeinem anderen Sinne kommentiert und vielleicht hofft, nunmehr den politischen Geschmack seiner Hörer zu treffen, wird der Entrüstungssturm von der anderen. Sèit^
Leukscylan^chelnt die glücklichste..Löfittig gesundèNM zu haben. Ein Dienst für alle und eine verant- ■ wörtliche Persönlichkeit.
Vorbildlicher Schutz des Rundfunkempsanges
Der Gemeindevorstand Oberweißbach im Thü- rilliger Wald hat eine Bekanntmachung erlassen, nach der alle den Rundfunkbetrieb störenden Geräte und Instrumente der Behörde zu melben sind. ®ne vom Genieindevorstand beauftragte Person wird dann die Apparate prüfen und ihre Besitzer nötige"’ falls anzuhalten haben, die Störungen durch ent= sprechende Maßnahmen zu beseitigen. Ferner werden in dem Erlaß bestimmte Zeiten angegeben in denen derartige Geräte nicht benutzt werden bür= fen. In ähnlicher Weise geht auch die blachbar-' gemeinde Neuhaus am Rennweg vor, die Ber- stöße gegen diese Verordnungen mit einer Gcld- strafe bis zu 200 Mark ahnden will.
Rundfunk als Anstifter zum Word.
Ein englischer Berichterstatter in Wien erfährt aus Budapest, daß dort vor den Gerichten eine Klage wegen versuchten Mordes, herbeigefnho durch übermäßige Verwendung eines Loutsprechew verhandelt wird. Der Rundfunk als Anstifter M Mord! Das hat sich wohl keiner träuenen laistn- Gewiß, es ist zu verstehen, daß jemand über den unfreiwilligen Genuß dauernd laut und schlcw wiedergegebener Rundsunkdarbictungen eine Wut bekommen kann, aber deshalb braucht er mm gleich mit Revolver ober Beil auf den Rundfunt begeisterten Nachbarn loszugehen. Vielleicht aber ist auch gar nicht der so übermäßig betriebene Lautsprecher schuld, sondern die „Schâlldichügkcä moderner Wahnungsbauten und dann müßte Architekt verantwortlich bafür sein.
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