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Srettag den 27. Dezember 1929

Nr. 302

Landkreis Sana«.

Marköbel, 25. Dez. Gemeindevertreter- sitzung. Am Montag fand eine Sitzung der Ge­meindeoertreter statt, bei der Wahl des Beigeord­neten und Wahl der Schöffen auf der Tagesord­nung standen. Die neue Gemeindevertretung fetzt sich zusammen aus sechs Vertretern der bürger­lichen Arbeitsgemeinschaft (drei Bauern und drei Handwerkern), und sechs Vertreter der Arbeiter (5 Sozialdemokraten und 1 Kommunist). Zum Bei­geordneten wurde mit 6 gegen 5 Stimmen Iakob Möller, Landwirt, gewählt. Als Schöffen wurden gewählt Heinrich Dietzel, Kaufmann und Karl Krauch, Landwirt, von der Bürgerlichen Arbeits­gemeinschaft, und Iohannes Schwarzhaupt von den Sozialdemokraten. Vor der Wahl der Beigeordneten wurde zugleich dessen Dienstentschädigung pro Tag acht Mark festgesetzt.

Riederrodenbach, 25. Dez. Theaterabend. Kommenden Sonntag veranstaltet der hiesige Ge­sangvereinSängerlust" in der Turnhalle einen Theaterabend. Zur Aufführung gelangt das bereits mit grossem Erfolg ausgeführte Schauspiel mit Gesang in vier AktenAnita, das Findelkind". Da die Rollen, insbesondere die Gesangsduette, gut besetzt sind, ist mit einem genußreichen Abend zu rechnen.

tVeiievdevirht

Der südlich Irland gelegene Tiefdruckwirbel hat sich ostwärts in Bewegung gesetzt und ^abei die milde Westströmung an seiner Vorder- und Süd­seite weiter auf das Festland oorgetragen. Infolge­dessen sind heute früh in ganz Deutschland in den Niederungen die Frosttemperoturen verschwunden und vielerorts ist es auch schon zu Regenfällen ge­kommen. Zunächst folgt von Westen her stärkerer Lustdruckanstieg, der auch bei uns Nachlassen der Niederschlagstätigkeit und zeitweise auch der Be­wölkung Hervorrufen wird. Eine nennenswerte Abkühlung dürfte jedoch nicht eintreten. Auch ist bald mit neuer Verschlechterung und im ganzen für die nächste Zeit wieder mit unbeständiger und mil­der Witterung zu rechnen. Vorhersage bis Frei­tag abend: Zeitweise aufheiternd, nur noch ver­einzelte Niederschläge, etwas kühler, doch noch milde westliche Winde. Witterungsaussichten für Samstag: Wieder zunehmende Nièderfchlags- negung, mild, nach Südwesten drehende Winde.

KuS GLs!«hs!m mit «Umgebung

= Klein-Auheim, 23 Dez. Am Samstag, 21. Dezember fand die gmeite ordentliche Generalver­sammlung der hiesigen Spar- und Hilfskasse statt. Die aus dem Vorstand ausscheidenden Mitglieder,

die Herren Rektor Eller und Ferdinand Como wur­den wiedergewählt, ebenso die aus dem Aufsichts- Mt ausscheidenden Herren Georg Eckrich und Phi­lipp Schnell Es folgte die Bekanntgabe der Revi­sion-bemerkungen aus der im Oktober abgehaltenen Revision der Kasse sodann durch Herrn Kassen- reebnsr-Llunâr. der Berich» über Gang und Stand der Kaffe. Aus den angeführten Zahlener- gibi sich, daß die Kasse im Berichtsjahr weitere Fortschritte gemacht hat. Unter anderem haben sich die Spareinlagen trotz des für dis hiesige Gemeinde nicht gerade günstigen Geschäftsgangs um weitere 68 000 RM erhöht. Der Fond der Sterbekasse be-

trägt zurzeit 2500 RM. An die Hinterbliebenen zweier verstorbener Mitglieder wurden je 100 RM ausbezahlt. Unter Punkt Verschiedenes erstattete der Präsident Bericht über die Verband-tagung in Darmstadt. Er ging besonders ein auf die Ursachen die in Darmstadt der Genossenschaftsbank zum Ver­hängnis geworden sind. Die hiesige Sparkasse zählt zurzeit 123 Mitglieder. Im Vorstand sind 5, im Aussichtsrat 6 Herren, die Haftsumme beträgt 1000 RM, als Geschäftsguthaben sind 200 RM festgesetzt. Das Eintrittsgeld beträgt 50 RM. Die Sasse ist in der Lage, die alten Sparguthaben mit 12 Prozent aufzuwerten.

«rett Vüvttse«.

f Lckarkshausen, 23. Dez. Am zweiten Weih- ! nachtsfetertage hielt der hiesige Kleinkaliber- «vchützenoerein bei Gastwirt Heinrich Baumann, seinen diesjährigen Ball ab.

«rett Gelnbavke«.

)( Meerholz, 27. Dez. Der einheinzische Verein der Heimat- und Spessartfreunde hielt unter be­grüßenswerter Mitwirkung des Hanauer Vereins der Hochspessartfreunde Rothenbuch e. V. im Kauf- mannschen Saale sein diesjähriges Winterfest ab, das zu einem außerordentlichen Erfolg für die Ver­anstalter wurde. Nach der Eröffnung des Abends, der gleichzeitig im Zeichen des Christfestes stand, durch den Vorsitzenden des Meerholzer Vereins, W. Stumpf, führten Meerholzsr Schulkinder das Spiel Die Märchenkönigin" auf, das die Gestalten des deutschen Volksmärchens Rotkäppchen, Schnee­wittchen, Dornröschen, Aschenbrödel u. a. m. auf­leben ließ und gut gespielt wurde. Dann wurde in Gesang und lebendem Bild des Weihnachtsfestes gedacht. Im zweiten Teile boten die Hanauer Gäste, die mit ihrer vorzüglichen Kapelle erschienen waren, eine bunte Reihe wohlgelungener Vorträge Re­zitationen, Lied- und Coupletvorträgen und be­reicherten den Abend nach besten Kräften. Beson­ders war es die Namensvetterin des Fleckens Meer- holz, Frl. A. Meerholz-Hanau a. M. und Herr Re­zitator Bock, deren Leistungen allseits anerkannt wurden. Im Vormittagsgottesdienst des 2. Weih­nachtsfeiertages wurde das seither von dem im Mai d. J. verstorbenen Standesherrn der Gräsl. Psenburgischen Herrschaft, Graf Gustav, innegehabte Kirchenpatronat der Gemeinden Hailer-Meerholz und Niedermittlau-Neuenhaßlau-Gondsroth feierlich dem Erbprinzen Otto zu Psenburg und Büdingen auf Schloß Wächtersbach übertragen.

)( Reuenhaßlaa, 25. Dez. Am Montag abend fand eine Sitzung, der Gemeindevertretung und des Gemeindevorstandes statt. Der Landwirt August Stichel wurde in sein Amt als Gemeindevertreter eingsführt und durch Handschlag verpflichtet. Unter Punkt 2 wurde über die Weihnachtsbeihilfe der ausgesteuerten Erwerbslosen verhandelt. Es wurde beschlossen, an jeden Ausgesteuerten den Betrag von 15 Mark auszuzahlen. Der Antrag des Herrn Wilhelm Reber um Ueberlastung eines Bauplatzes amKreuzgarten" wurde genehmigt. Der Preis wurde auf 1 Mark pro qm festgesetzt. Ein Antrag des Herrn Grünewald auf Herabsetzung des Kauf­preises seines Bauplatzes von 1 Mark auf 50 Pfg. pro qm wurde abgelehnt, ebenso ein Antrag des Herrn Altbürgermeisters Betz auf Zahlung einer Pension. Punkt 6:Stellungnahme zum neuen Friedhof" wurde nach längerer Debatte bis zur nächsten Sitzung vertagt. Am 30. Dezember feiert die hiesige Hebamme, Frau Lottig, chr 40jähriges Dienstjubiläum.

A«S Seavikuet a. M

: Auf Grund der Mitteilungen in der Presse

über die Vorgänge im Hochbauamt, Disziplinaruntersuchung gegen sieben führt hat, hat die Staatsanwaltschaft den Fall auch aufgegriffen und eine eingeleitet.

di« zu einer Beamte ge= von sich aus Untersuchung

23 an

weitere 23 Personen unter Anklage des Landfriedensbruchs

: Der Untersuchungsrichter hat gegen weitere Personen, die sich am Dienstag, 17. Dezember,

den Erwerbslos en-Demonstrationen beteiligt haben und die zu den bekannten Zusammenstößen

führten, die Voruntersuchung wegen Landfriedens- bruchs eröffnet

Raubüberfall auf ein 23jähriges Mädchen.

: Am Abend des 19. Dezember wurde die 23jährige Tochter eines Gärtners aus Rieder-

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eschbach auf dem Heimwege von der Markthalle in Frankfurt in der Rahe der Haltestelle Rieder- eschbach von unbekannten Tälern überfallen, zu Boden geschlagen und beraubt. Dein Täter fiel die Tageseinnahme von 85 Mk. in die Hände. Den (Er­mittlungen der Frankfurter Kriminalpolizei ist es gelungen, den Täler und den geistigen Urheber des Uebersalls zu ermitteln. Beide Personen, der 27jäh- rige Mechaniker B. und der 17jährige Mechaniker- lehrling Sch., sind geständig. Auf Anraten und Drängen des B. hatte Sch bereits am vergangenen Mittwoch versucht, die Beraubte an der Haltestelle Riedereschbach abzufangen, hat sie aber verfehlt. Am Donnerstag ging er dann aus Anraten des B. nach Frankfurt, wartete aus sie an der Markthalle und verfolgte sie big nach Riedereschbach. Dort schlug er das Mädchen nieder und raubte der Be­wußtlosen das Handtäschchen mit der Tagesein­nahme. Mit der Beute flüchtete Sch. über Ganzen- heim nach Bad Homburg, wo er seinen Berater traf und die Beute mit ihm teilte. Der Ueberfalle- nen, die sich inzwischen wieder erholt hat, konnten Handtasche und Geldbetrag von der Polizei wieder zurückgegeben werden.

Aus AM «M See«.

Ein Kurhaus im Spessart abgebrannt.

Lohr a. M., 26. Dez. In Partenstein ist das Kurhaus Rietz fast vollständig ausgebrannt. Den vereinten Bemühungen der benachbarten Feuerweh­

ren gelang Brandstätte Wüstung.

es nur, den Saalbau zu retten. Die bietet ein trauriges Bild der Ver­

Feuer in einer Kirche

Gensingen (Kreis Bingen), 26. Dez. Als der Kirchendiener in der Frühe die hiesige Kirchentüre öffnete, drang ihm dichter Quakn entgegen und so­fort schlugen innerhalb des Gotteshauses Flammen in die Höhe. Durch Funkenflug waren die neben dem Ofen aufgestapelten Briketts in Brand gera­ten und das Feuer hatte bereits den Altar er­griffen. Durch sofortiges Eingreifen von Ortsbe­wohnern konnte das Feuer abgedämpft werden, ehe es größeren Schaden angerichtet hatte. Der Altar allerdings ist größtenteils verbrannt.

Ein gefährlicher FaffadenNekler feffgenommen

Wiesbaden, 26. Dez. Hier wurde der Einsteig­dieb und Fassadenkletterer Johann Jordan, gebürtig aus Polen beim Verkauf gestohlener Sachen festge­nommen. Es stellte sich heraus, daß Jordan im Juni d. Is. aus der Strafanstalt Wartenburg bei Allenstein entwichen war. Er hgtte noch sieben Jahre Zuchthaus zu verbüßen. Gleich nach feiner Flucht verfiel er wieder in seine verbrecherische Tätigkeit und verübte in mehreren Ostseebädern, wo er als Badegast" weilte, eine Reihe von Einsteigdiebstäh­len. Er hatte es vorwiegend auf Bargeld und Schmucksachen abgesehen. Im August ereilte ihn in Herrenalb, wohin er von Baden-Baden aus einen Ausflug" unternommen hatte, sein Schicksal. Er wurde dort auf frischer Tat ertappt und festgenom­men. Am 22. November sollte er sich nun über seine zwischenzeitig verübten Straftaten vor dem Richter veraNiwörtM Es aekanch ibm ober; tags zuvor aus dem Gefängnis zu entfliehen. Nachdem er jetzt in

Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Darmstadt, Elt­ville und Wiesbaden weitere Gastrollen gegeben hatte, gelang es nunmehr, ihn hier festzunehmen. Jordan hatte schon im Jahre 1926 hier und in- monnshausen Proben seiner Geschicklichkeit im Fassadenklettern gegeben. Der in Darmstadt verübte Einbruch wurde in einer Villa im Roquetteweg ausgeführt. Dabei wurden Geld sowie Schmuck- und Wertgegenstände gestohlen.

Todesfoltze eines Boxschlages.

Wiesbaden, 24. Dez. Im Städtischen Kran­kenhaus ist der englische Besatzungskorporal Hutt nach sechswöchigem Krankenlager und zweimaliger Operation gestorben. Hutt, der in seiner freien Zeit den Boxsport ausübte, hatte durch einen Schlag einen Hirnabzeß bekommen, der zum Tode führte.

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Koblenz, 24. Dez. Morgens zwischen 4 und S Uhr durchschnitten Diebe das Drahtgitter vor dem Schaufenster des Juweliers Röber und schnitten dann ein Loch in die Spiegelscheibe. Mit einem mit Draht umwickelten Tannenzweig holten sie aus den Auslagen des Geschäfts eine goldene Uhr, Arm­banduhren, Armbänder und andere Gegenstände heraus. Da die wertvollsten Schmucksachen am Abend aus der Auslage entfernt worden waren, konnten die Diebe nur Gegenstände im Werte von 1200 Mark erbeuten. Von Den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur.

Dats achte Todesopfer des Mülheimer Eisenbahn­unglücks

Mülheim (Ruhr), Am ersten Weihnachtstags verschied im Katholischen Krankenhaus der beim Heißener Eisenbahnunglück verletzte Johann Flores aus Oberickhoven bei Rees. Somit hat das Eisen­bahnunglück vom 19. Dezember bei Mülheim sein achtes Todesopfer gefordert.

Zwei Opfer einer Kohlenoxydgasverforgung

Nürnberg, 26. Dez. In ihrer Wohnung wurde am 1. Weihnachtsfeiertag die Familie eines Koh­lenhändlers bewußtlos aufgefunden. Vermutlich sind dem im Zimmer ausgestellten Ofen Kohlen­oxydgase entströmt. Während bei dem zweijährigen Kinde der Tod bereits eingetreten war, wurden die Eheleute durch die Sanitcitswache ins Kranken. Haus eingelefert, wo die Frau inzwschen gestorben, ist.

Aufklärung zweier Lustmorde.

Leipzig, 24. Dez Zwei Lustmorde, die vor län­gerer Zeit großes Aufsehen erregten, haben nun­mehr mit der Festnahme des Mörders ihre Auf­klärung gefunden. Vor etwa zwei Wochen ging bei der Leipziger Kriminalpolizei eine anonyme Post­karte ein, in der der Schreiber angab, daß er so­wohl am 22. Mai 1928 im Vorort Abtnaundorf den Schüler Herbert Hnidek als auch im November 1926 die 10jährige Schülerin Kirchhof ermordet habe. Als Absender 'Der Karte ist nun ein gewisser Lutz aus Leipzig-Mockau ermittelt worden, der schon vor Jahr und Tag als des Mordes an Hnidek ver­dächtig von der Polizei beobachtet worden war, sich Meisen Beobachtungen aber dadurch entzog, daß er sich auf die Wanderschaft begab. Lutz hat ge­standen, zusammen mit einem Komplizen den Hnidek ermordet zu haben, weil der Knabe, an dem sie sich sittlich vergangen hatten, mit einer Anzeige drohte. Der ebenfalls verhaftete Komplize, der etwas schwachsinnig ist, leugnet, an der Tat betei­ligt gewesen zu sein. Zum Mord an der Kirchhof gab Lutz an, das Mädchen sei, nachdem er sich an ihm sittlich vergangen batte, wahrscheinlich infolge eines epileptischen Anfalles in die Warthe gestützt und ertrunken.

Die Papageienkrankheit.

Berlin, 24. Dez Wie der Polizeipräsident mit= teilt, sind in letzter Zeit in Berlin mehrere (12) eigenartig verlaufene Erkrankungen zur Beobach­tung gekommen, von denen drei tödlich verliefen. Wahrscheinlich handelt es sich um die sogenannte Paxageienkrankheit. Man vermutet, daß die Krank­heit durch Papaaeien emr^Wwnt mr November von Südamerika nach Hamburg uw | von dort nach Berlin gelangt sind.

âsrèâAsZMLs«.

Fußball.

1. Feiertag.

FSV. Frankfurt gegen Wormatia Worms 2:3 Kickers Offenbach gegen BV. 04 Düsseldorf 1:0 Alem. Worms gegen ASS. Straßburg 1:1 SV. 98 Darmstadt gegen VfR. Mannheim 1:9 Borussia Neunkirchen gegen Vienna Wien 4:2 SV. Wiesbaden gegen SV. 92 Berlin 2:4 Germania Fulda gegen Germania Bieber 3:3 Mainz 05 gegen VfL. Neckarau 1:1 Langen gegen Fechenheim 4:1

LVaÄvheßt sHss Lssends?

In der amerikanischen Stadt Nashua machte man vor kurzem bei dem Abbruch eines alten Häuserblocks einen etwas unheimlichen Fund. In einem Wandschrank steckte ein Skelett. Zunächst fehlte jede Erklärung für diese Entdeckung, bis dann die Erinnerung an eine tragische Geschichte wieder auftauchte, die sich vor etwa 25 Jahren ab- gespielt hatte.

Damals lebte in Nashua ein junges Mädchen namens Blanche Blackmann, das wegen feiner Schönheit bekannt war und nach feinem Herkunfts­ort dieBoston Bolle" oder dieSchöne aus Bo­ston" genannt wurde. Eines Tages teilte Blanche Vlackmann ihren Bekannten mit, sie werde dem­nächst die Stadt verlassen, um zu heiraten. Dann verschwand sie, ohne daß sie Abschied genommen hätte. Niemand hörte oder sah wieder etwas von ihr. Ein Geheimnis umschwebte diese Angelegen- heit, das zunächst zu allerlei Gerede Anlaß gab. Aber niemand dachte an etwas Tragisches. Ihre Freunde und Bekannten waren der Ansicht, sie habe sich absichtlich in aller Heimlichkeit entfernt, um in Ruhe in Boston Hochzeit zu feiern. Nach einiger Zeit verstummte das Gerede und die Schöne aus Boston" geriet in Vergessenheit.

Nunmehr ist die Geschichte von damals in der Stadt wieder in aller Mund. Die Wand, in der das Skelett gefunden wurde, enthielt einen Ge­heimschrank, dessen Oeffnung bei dem Abbrechen des Hauses Schwierigkeiten machte. Zwei Arbeiter mußten erst ihre Stemmeisen ansetzen, ehe die Wand nachgab und der unheimliche Inhalt zum Vorschein kam. Die Tür des Geheimschrankes saß also fest im Schloß. Die Aerzte erklärten, daß das Skelett von einem etwa 23jährigen Mädchen stamme. Als man dann in dichtem Staub auf dem Boden des Schrankes die Photographie eines jun­gen und schönen, in der damaligen Mode gekleide­ten Mädchens fand, glaubte man vor der Lösung jenes Geheimnisses zu stehen, das oor 25 Jahren Anlaß zu allerlei Gerede gegeben hatte.

Welches war die Lösung? Hatte Blanche Black­mann einen Geliebten in Nashua, der sie kurz vor ihrer Abreise zur Hochzeit aus Eifersucht tötete und den Körper in dem geheimen Wandschrank

verbarg? Das Skelett zeigte keinerlei Spuren von Verletzungen und was hatte, wenn diese Annahme richtig war, die Photographie zu bedeuten? Man suchte deshalb nach einer anderen Erklärung. Viel­leicht war Blanche Blackman gerade mit Einpacken beschäftigt gewesen, als sie mit der Photographie in der Hand die Türe zu dem geheimen Wand­schrank entdeckte. Sie betrat aus Neugierde den Schrank, die Türe schanppte hinter ihr zu und sie war und blieb verschwunden, da sie den Mechanis­mus zum Deffnen nicht zu entdecken vermochte.

Aber niemand kann heute noch missen, ob alle diese Annahmen das Richtige treffen, oder ob nicht vielmehr bei diesen Erklärungsversuchen ein alter Aberglaube mitspielt. Die Braut, die kurz vor der Hocbzeit spurlos verschwindet und später als Skelett wiedergefunden wird, spukt nämlich sehr stark in der Legende. In England gibt es eine alte prächtige Ballade von derMistletoe Bride", derMistelzweig- oder Weihnachtsbraut", die dieses 'v verarbeitet. Die Hand' g spielt auf dem Schlosse des Lords Lovel, dessen junge, liebreizende Tochter an ihrem Hochzeitstag durch Versteckspielen mit ihrem Bräutiggam die Stunden kürzt. Als die Reihe an ihr ist, sich zu verstecken, benutzt sie in einem abgelegenen Teil des Schlosses eine alte Truhe, die ihr bequem Platz bot. Sie weiß nicht, daß die schwere Truhe aus Eichenholz ein Schnappschloß besitzt, daß sich von innen nicht wieder öffnen läßt. Die Wände der Truhe wieder­stehen allen Schlägen mit der Faust und die Weih­nachtsbraut ist und bleibt verschwunden, obgleich der Bräutigam, die Eltern und die ganze Hochzeits­gesellschaft das Schloß bis in die kleinsten Winkel durchsuchen. Erst nach vielen Jahren gibt die Truhe bei einer zufälligen Oeffnung ihr Geheimnis preis.

In ähnlicher Form ist der Stoff in der Legende vielfach verarbeitet worden. In England führt man die Ballade auf eine wirkliche Begebenheit Zurück, deren Schauplatz aber in verschiedene historische Schlösser verlegt wird, ein Beweis dafür, daß man seiner Sache nicht sicher ist. Eine englische Zeitung aus dem Jahre 1860 bezeichnete ein Schloß in der Nähe von Winchester als den Schauplatz der Ballade und fügt hinzu, die in der Ballade erwähnte Eichentruhe sei in den Besitz eines Geistlichen namens Haygarth übergegangen. In London wur­

den im Jahre 1926 ein altes Möbelstück, das angeb­lich mit dieser Truhe indentisch sein soll, für einen Betrag von 280 Mark verkauft. Aber alle diese Zu­sammenhänge mit der alten Legende sind sehr zwei­felhafter Natur.

Ein Beweis für die Beliebtheit dieses Legenden­stoffes ist die Tatsache, daß eine ähnliche Geschichte in Italien in dichterischer Form behandelt worden ist. Hier handelt es sich um einen tragischen Vor­fall, der sich im Jahre 1400 in der Nähe der Stadt Modena auf einem Schlosse der Familie Orsini ereignet haben soll. Ginevra, die Tochter des Grafen Orsini, war von bezaubernder Schönheit. Schon im 15. Jahr wurde sie Braut. Ihr Jugend­gespiele Francesco Doria, den sie von Herzen liebte, wurde ihr zum Gemahl bestimmt. Bei der Ver­lobungsfeier erhob sich der stolze Vater, um einen Trinkspruch aus das Wohlergehen des Brautpaares auszubringen. Aber er stockte mitten in feinem Spruch, denn es stellte sich heraus, daß die Braut am Tische fehlte.

Tage verzweifelten Suchens folgten, nachdem man zuerst an einen Scherz der jugendlichen Braut geglaubt hatte. Aber alles Nachforschen war ver­geblich. Ginevra blieb spurlos perschwunden. Der Bräutigam stürzte sich aus Verzweiflung in den Krieg gegen die Türken und der Vater irrte zeit­lebens von Kummer gebeugt in dem Schlosse um­her und suchte die verschwundene Tochter. Fünfzig Jahre später, als das Schloß in andere Hände über­gegangen war, wurde bei dem Aufräumen auf dem Boden ein schwerer, alter Schrank geöffnet. Der Verlobungsschmuck, den man neben den sonstigen Resten in dem Schranke vorfand, ließen keinen Zweifel daran, daß das geheimnisvolle Verschwin­den der leiblichen Tochter des Grafen Orsini feine Lösung gefunden hatte. Der harmlose Streich, den sie hatte spielen wollen, war zu ihrem Verhängnis ausgeschlagen.

o Sfabttfseafer. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend 7% Uhr wird als 14. Vor­stellung im Freitag-Abonnement zum letzten Male Figaros Hochzeit", komische Oper in 4 Auszügen von W. A. Mozart wiederholt. Morgen Samstag, abends 8 Uhr, gelangt f. d. 14. Vorstellung im Mttt»

woch-Abonnement zum ersten Male die Neuhnt Trojaner", eine Sekundanerrevolte in sechs Bilden» von Curt Corrinth zur Aufführung. Dieses Stm, als Ankündigung eines neuen Denkens neuer Ju­gend hat nicht nur die Inbrunst einer Ueberzeu­gung. Es strotzt von dramatischem Talent, hat Zeu- gefühl und so viel künstlerischen Gehalt, daß es auch gedichtet ist. Corrinth trifft die menschliche TW' fierung ganz außerordentlich. Das Stück nur» durchdringend. Es wirkt sowohl in seiner erbitterten Heiterkeit als in seiner tragischen Auswirkung.

ist der bedeutsame Ruf einer neuen Jugend, dem das Echo unmittelbar folgt. Sonntag, nachmittag 3 Uhr geht unter Miwirkung des gesamen Orchesters zu kleinen Preisen von 30 Pfg. bis 1.50 zum letzten MaleFrau Holle" oderGoldmarie und Pea>' marie", Weihnachtsmärchen in sechs Bildern, van Görner in Szene. Abends 7% Uhr wird das em< zückende LustspielDas Geld auf der Straße' von Bernauer und Oesterreicher, (Verfasser von Garten Eden") wiederholt.

o 28 000 Analphabelen in einer europäisier Stabs. Es bedarf keines langen Nachdenkens, u zu erraten, daß Weife Stadt am Balkan liegt mergln dürfte die Tatsache bemerkenswert sein, o°° es sich um die Hauptstadt Jugoslawiens hand»' Nach der letzten Zählung vom April 1929 hat grab 226 289 Einwohner, wenn man die Kmoe bis zu sechseinhalb Jahren abrechnst, die bei o Schätzung des Analphabetentums ausscheèden m I sen, 204 186 Einwohner. Unter diesen wurden nu 25 737 Analphabeten gezählt, d. h. 12 Progcnt Bevölkerung. Bei etwa 2000 Personen konnte M festgestellt, ob sie Analphabeten waren ober nw' doch spricht die Wahrscheinlichkeit für die erste lichtest. Die Zahl der weiblichen Analphabeten größer als die der männlichen. Das Berhaun beträgt 1,5:1. Zu den Nichtanalphabeten tour® auch 772 Personen gerechnet, Die nur lesen, nu aber schreiben können. So unerhört eine solche W Zahl von Analphabeten in einer mittel- ober europäischen Stadt wäre, so braucht sie am Bau nicht zu verwundern. Gibt es doch sogar in aUg slawien, z. B in Mazedonien, Gebiete, in den bis zu 95 Prozent aller Einwohner Analphavel sind.