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Nr. 3M

Dienstag ben 24. Dezember KL.

Seite 5

Sachdienliche Mitteilungen erbittet Landjäger- posten 1 Dörnigheim.

Dörnigheim, 23. Dez. Unglück-fall. Der 6d)toffer Winhold, zur Zeit wohnhaft in Dornig- heim, kam am verflossenen Sonntag nachmittag beim Fußballspiel auf dem Sportplatz in Hochstadt zu Fall. Er brach dabei ein Bein, was die Ueber- führung in das Landeskrankenhaus in Hanau not­wendig machte.

Kilianstädten, 23. Dez. Gemeindevertre- tersitzung. Am vergangenen Samstag fand im Rathaussaal eine Gemeindeoertretersitzung statt, bei der folgende Punkte auf der Tagesordnung stan­den: 1. Wahl des Bürgermeisters, 2. Wahl des Beigeordneten, 3. Wahl der Schöffen. 1. Mit gro­ßer Stimmenmehrheit, 10 gegen 2, wurde der seit­herige Bürgermeister Schenk wiedergewählt. 2. Mit 7 Stimmen wurde der seitherige Beigeordnete Michael Lenz, Lagerhalter wiedergewählt. Die Wiederwahl der Bürgermeisters sowohl als auch des Beigeordneten beweist, welch großes Ver­trauen die Gemeinde zu den beiden Herren hat. Al, Schöffen wurden folgende Herren gewähtt: Michael Kuhn, Schlosser; Heinrich Sauer, Dreher; Friedrich Rauch, Landwirt.

Eichen, 23. Dez. Am Freitag wurde hier der Gemeindevorstand gewählt. Wiedergewählt wurde der bisherige Bürgermeister Adam, der bereits 23 Jahre dieses Amt bekleidet, sowie der Beigeordnete Stein. Zu Schöffen wurden gewählt: Landwirt Wilhelm Daumann, Werkzeugschlosser Heinrich Krnrad Leichner und Landwirt Heinrich Johann Wörner.

Erbstadt, 4. Dez. Bei der am 20. d. M. stattge- fundenen Gemeindevorstandswahl wurde der Alt­bürgermeister Rupp mit 7 gegen 5 Stimmen und der Beigeordnete Baumann mit 8 gegen 4 Stim­men wiedergewählt. Als Schöffen wurden gewählt der Landwirt W. 3. Meis, der Arbetter Fr. Roeder und der Maurer Fr. Bellinger.

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= Klein-Auheim, 23. Dez. DieFreie Sänger- vereinigung 1860 Klein-Auheim" begeht am 19. und 20. Juli 1930 ihr 70jähriges Jubiläum. In Anbe­tracht der heutigen schweren Wirtschaftslage soll das Fest in einfacher Form gefeiert werden. Die Vorarbeiten sind dem Vorstand übertragen. Das Iubiläumskonzert findet am 9. Februar 1930 nach­mittags 3% Uhr im Union-Theater, hier, statt. Die Weihnachtsfeier der Freien Sängervereinigung fin­det am Sonntag, 29. Dezember, statt.

Keels GernSauSs«.

Bereinigte weihnachksbeihilseu

M Gelnhausen, 23. Dez. Nach einer längeren Debatte bewilligte die Gelnhäuser Stadtverord­netenversammlung 2455 Mark für Weihnachtsbei­hilfe an Unterstützungsbedürftige. Verheiratete Er- m-dürftls« er­halten je 20 Mark, verheirate Sozialrentner, le­dige Sozialrentner, ledige Erwerbslose und sonstige ledige Bedürftige je 10 Mark, die Kinder je 5 Mark. Die Stadtverordnetenversammlung Wächtersbach bewilligte ebenfalls eine Weihnachtsbeihilfe. Hier erhalten Verheiratete 15 Mark, Ledige 10 Mark und für jedes Kind einen Zuschlag von 5 Mark.

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t Langenbergheim, 24. Dez. Ihren 80. Geburts­tag begeht heute Frau Katharine Faust Ww. in voller körperlicher und geistiger Frische.

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Gemachs VsaEatts

t Es bestand einmal eine Firma, die huldigte dem Prinzip: Die Mass« muß es bringen. Um dies Zu erreichen, schickte sie 50 bis 70 Untervertreter in» Volk, damit es sich zum Verkauf von Sprech- opparaten breitschlagen lasse, die auf Abzahlung gegeben wurden. Die Firma saß auswärts, der Herr Generalvertreter und sein Adlatus hier in Frankfurt. Täglich liefen 8 bis 10 Aufträge ein, Firma ging aber an den Provisionsjpesen des Vertreterheeres zugrunde. Der Generalvertreter, das war Herr Wilhelm Leinzinger, ein Mann von stattlichem kräftigen Körperwuchs in kavalier­mäßiger Kleidung. Zwei Wünsche brannten in Kiner Brust: er wollte den Adlatus los sein und das Geschäft allein betreiben und zu Haufe wollte «in liebendes Weib haben, das ihm feine Kragen bügelte und feine Hosen in Falten legte. Die Sehn- nach einem stillen Familienglück war um so begreiflicher, als er ein etwas unstetes Vorleben geführt hatte. Nur 4% Jahre war er einmal for« ftewfrei geblieben, da saß er unter Staatsaufsicht »egen Scheckbetruges im Zuchthaus.

. Minna, ein zartgewachsenes Persönchen ihr Äußeres kontrastierte stark im Vergleich zu Herrn ^lnzinger trug sich mit Heiratsabsichten und wollt« endlich aus dem Angestelltenjoch heraus. Sie hatte sich im Verlaufe der Jahre eine kleine Summe Mpart und nun inserierte sie nach einem Ehelieb- &s meldete sich Leinzinger, und man flirtete Wochen hintereinander, ohne daß sich Minna Mvar vergab. Dann trat eine Ruhepause in den Beziehungen ein, und Ostern 1929 kam in Sicht. ^ffen poussierte Heinrich mit Anna, einer °"en Hausangestellten, die auch auf eine Ehe t erte. Man verlobte sich vor den Feiertagen, reiste die Braut zu ihren Eltern nach Ober« Da kam von ihm ein Eilbrief, er habe ja f, dicht daran gedacht, daß die Banken Oster- geschlossen seien, er müsse seine Angestell- bezahlen, der Schneider liefere seinen neuen «ngug ah, es bleibe ihm kein anderer Ausweg, ... nur sie habe, sie zu bitten ihm rasch 500 Ml. S ffwn, er müsse das Geld haben, denn auch der hab« sein Kommen in Aussicht gestellt. Anna a°,°°rher schon einmal 90 Mk. gegeben hatte, weil eine Wohnung mieten wollte, sandte Sputens die 500 Mk. Später wurde ihr ausge- aim ' $err Leinzinger sei fort, sie solle sich nicht mstregen und ihn vorerst einmal in Ruhe lassen.

MkrLsv in WaldäfamLert

Tief verschneit

liegen nun Haus und Hof in den deutschen Geb irgsflecken, lauklous und unwirtlich, ein traum­haftes Bild, das di« Hand des großen Malers zauberte.

An Ostern aber fuhr Heinrich mit seiner fetzigen Braut Nummero Drei per Auto nach Heidek berg und machte sich vergnügte Stunden. Die Braut Nummero Drei hat den guten Glauben an ihn noch nicht verloren; sie steht vor der Gerichtstür und blickt durch das Fenster hm und wieder in den Gerichtssaal, wo der inzwischen verhaftete Bräu­tigam mit ftoifijem Gleichmut seiner Aburteilung wegen Heiratsschwindels entgegen sieht. Nachdem er Anna um 500 Mk. geprellt hatte, war er wie­der bei Minna erschienen und schmeichelt« ihr so­lange, bis sie 1000 Mk^ die er angeblich für Ge- schäftszwecke dringend benötigte, um den sakrischen Adlatus los zu werden, hergab. Von diesem Augen­blick hatte Minna ruhige Tage, denn sie sah und hörte nichts mehr von ihm, und wenn sie das Ge­schäft anklingelt«, dann ließ sich Leinzinger ver­leugnen. Die Minna ist seelisch heute eine Ruine, denn sie hat nie geglaubt, daß dieser Mann Jo schurkenhaft an ihr Handeln würde. L. hat sich ihr gegenüber zwar laut notariellen Vertrag verpflich­tet, die 1000 Mk. so bald als möglich zurückzu­zahlen, aber damit wird es noch gute Weile haben, denn vorerst muß L. 2 Jahr« Zuchthaus absitzen, weil er für einen der raffiniertesten Heiratsschwind­ler angesehen wird.

15 000 Mark abhanden gekommen.

KäsienbVoten einer hiesigen Brauerei zuteil. Er sollte von einer Bank 15 0O0 Mark abheben und auf der Hauptpost einzahlen. Er nahm das Geld bei der Bank auch richtig in Empfang und verstaute es in feiner Aktentasche. Als er aber auf der Post feine Tasche öffnete, war das Geld verschwunden. Bisher konnte noch nicht festgestellt werden, auf welche Weis« das Geld abhanden gekommen ist.

Voruntersuchung wegen Landfriedensbruche».

: Gegen Ine im Anschluß an die Evwerbslosen- demonstrationen vom 16. Dezember verhafteten sie­ben Personen sowie gegen 15 weitere Personen, die sich nicht in Haft b'efmben, ist heute auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen der Beschuldigung des Landfrisdensbruches die Voruntersuchung er­öffnet worden, die sich auf die gesamten Vorgänge während der jüngsten Erwerbslosenkrawalle be­ziehen wird. Mit der Voruntersuchung wurde Land­richter Wagner beauftragt.

Kleine Frankfurter Rundschau

; In der Bergerstrahe fand in der Sonntagnacht eine Schlägerei zwischen zwei Zigeunern statt. Ein dritter, der angeblich den Streit schlichten wollte, erhielt hierbei einen Stich in den Rücken und mußte dem Krankenhaus zugesührt werden. Der Täter wurde fest genommen. Am Sonntag abend löste sich in der «saalburgstraße ein Anhänger vom Stra- ßenbahnzuq und rollte die abschüssige Straße herab. Der rollende Wagen stieß dem Motorwagen eines entgegenkommenden Straßenbahnzuges in die Flanke und beide Wagen wurden erheblich beschä­digt. Der Schaffner des Anhängers erlitt bei dem Zusammenstoß Verletzungen, welche seine lleberfüh- rung ins Krankenhaus erforderlich machten. Die Passagiere kamen zum Glück mit dem Schrecken davon. Die verschiedenen Aktionen des diesjäh­rigen Frankfurter Weihnachtsliebeswerks, die Straßensammlung, die Haussammlungen und die Sachspenden, haben ein Ergebnis gebrmbt, daß kei­nes der 20 000 armen Frankfurter Kinder am Weihnachtsabend ohne eine bescheidene Gabe ist. Die Straßensammlungen, die an zwei Tagen durch- geführt wurden, haben allein 11000 Mark ge­bracht.

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Tragischer Unglückefall

__ Mainz, 23. Dez. Die beiden 18 und 19 Jahre alten Schwestern Herta und Erika Bundschuh von hier fuhren gestern nachmittag mit der Straßen­bahn nach Kostheim, wo sie bei einer Freundin znm Kaffee ringelnden waren. In dem Augenblick, als der Wagenführer an der Haltestelle bremste, gab es einen Ruck und die beiden auf dem Hinter­perron des Motorwagens zum Aussteigen bereiten Schwestern stürzten von dem Wagen ab. Während die Erika Bundschuh auf die Straße fiel, geriet ihre Schwester unter die Räder des Anhängerwagens und wurde überfahren, Das überfahrene Mädchen wurde ins Krankenhaus überführt. Dort wurde festgestellt, daß der linke Arm und das rechte Bein oberhalb des Knies amputiert werden mußten. Herta Bundschuh, die Vollrvaise ist, mußte an ihrem Geburtstag so tragisch verunglücken.

Degen Beleidigung Stresemanns ins Gefängnis

Limburg, 5. Dez. Der Nationalsozialist Harry Schneer aus Bad Ems war vom Schöffen­gericht Limburg im Sommer wegen Vergehens gegen das Republikschustgesetz verurteilt worden. In der Berufungsverhandlung wurde nochmals be­kannt, daß Schneer in einer Wirtschaft Strese­mann verleumdet hatte. Mit lauter Stimme rief er, Stresemann habe einen Meineid geleistet, und in der heutigen Republik könne jeder Schuft Mini­ster werden. Wegen Verletzung des § 8 des Repu­blikschutzgesetzes erkannte das Gericht auf eine Ge­fängnisstrafe von einem Monat ohne Bewährungs. frist.

Auf der Mensur tödlich verunglückt

Dillenburg, 23. Dez. Der 20 Jahre alte in Heidelberg Volkswirtschaft studierende Student Neuhoff, der einzige Sohn des Kohlenhändlers Gustav Neuhoff in Dillenburg, wurde auf der Mensur durch einen Säbelhieb am Kopf tödlich ver­letzt.

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Hockey

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I Auch das zweite Spiel der Deutschen auf dem Europâ-Länderturnier in Barcelona brachte ihnen einen glänzenden Erfolg. Nach Frankreich mußte sich diesmal Oesterreich glatt mit 5:1 Toren ge­schlagen bekennen, ohne daß freilich die deutsche Elf ganz die überragende Form ihres 8:2 Sieges über Frankreich erreichte. Das Resultat wäre sicherlich noch höher ausgefallen, hätten sich die Deutschen nach endgültiger Sicherstellung des Sie­ges keine Rejerve aufgelegt, die im Hinblick auf den kommenden schweren Kampf mit Spanien durchaus am Platze war. Der deutsche Zehnkamps- meister Kurt Weiß sorgte vor Seitenwechsel für 2 Treffer, nachdem Oesterreich zunächst der Aus­gleich geglückt war. Nach Wiederbeginn stellte Scherbarlh durch zwei wettere Torerfolge den Sieg für die deutschen Farben sicher. Bei verhaltenem Spiele der Sieger fiel dann noch unmittelbar vor Abpfiff durch Weiß der fünfte und letzte Treffer. Weitere Resultate: Holland Schweiz 8:0, Spanien Frankreich 3:0.

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Ein 15-jähriges Jubiläum.

Weihnachten 1914! Weihnachten im ersten Kriegsjahr! Deutschland noch ungebrochen, unver­zagt, nach einer Serie von beispiello>«n Siegen und Eroberungen. Kein Defaitismus, Lobensmit­tel noch in genügender Meng«.

So zog der 24 Dezember 1914 heran. Unter Millionen Weihnachtsbäumen flatterte noch einmal die Stimmung der Augusttage auf. Millionen Gläser aus den Sieg, auf das glückhafte Kriegs­ende, an dem noch niemand Zweifel erhob.

Unter vielen anderen Weihnachtsbäumen, unter vielen Taufenden, Zohntausenden flossen Tränen. Tränen von Visitiern, Frauen und Bräuten. Zehn­tausend« waren schon gefallen, unsagbar viele al­lein in den ersten Wochen, wo man mit dem Tod

noch in keinem so vertrauten Verhältnis stand wie später in den unendlichen Gräben.

Die Berichte der obersten Heeresleitung vom

........ und lako-

24. Dezember des Jahres 1914 sind kurz nisch. Fast alle melden von Ruhe und der Front. Gefechtshandlungen gab es an der russischen Front.

Still« an lediglich

veralteten

Der Krieg wird noch sozusagen mit

Mitteln geführt. Noch gab es kein Gas, seinen Tank, keine Flammenwerfer. Die Schützengräben entlang der flandrischen Front hielt man für eine vorübergehende Angelegenheit. Man überwinterte eben. Es gab noch Kaffee, es gab noch anständige Seife, es gab noch Kohlen und leidliches Brot. Von den Männern freilich, die die Ernte einge­bracht hatten, lagen schon ein Teil in der feind­lichen Erde, eine unendliche Garbe, die der Tod

niedergemäht hatt«.

Man kann es heute rüMsickend sagen: Wir all« hatten Weihnachten 1914 den Krieg noch nicht rich­tig begriffen. Kaum, daß die erste Begeisterung verraucht war und einer gleichmäßigeren, hoff­nungsvollen Stimmung Plast gemacht hatte.

Weihnachten 1914 aber kam auch der erste größere Schub Urlauber nach Hause. Und diese Urlauber erzählten jutn erstenmal. wie es wirklich an der Front war und korrigierten aufs heftigst« die alten Veteranenmärchen von 1870/71. Tau-

sende von ihnen hatten schon wochenlang in den nassen flandrischen Gräben gelegen, in den bom» bensicher«!, Uiuerständen ,di« man damals zum ersten Male etwas dauerhafter anlegte.

Trotzdem war Weihnacht 1914 gewissermaßen ein Wendepunkt. Ein Teil des Krieges war zu Ende. Es war derjenige, der das deutsche Volk in eine Einigkeit ohnegleichen gesehen Hail«. Weih­nachten 1914 schien es noch so, als ob es keinen Kri«gsalltag gäbe; das graue Einerlei der täglichen Fron^berichte, die tödliche Monotonie der Schützen­gräben.

Ja, das war es wohl, bas war der Wende- punkt. Nach Weihnachten 1914 hörte die Feststim- mung des Krieges endgültig auf. Der Alltag be­gann, der Kriegsalltag.

Draußen an der Front gab es freilieb große Abschnitte, wo biefer Kriegsalllag schon längst sei­nen Einzug gehalten hatte. In Tausenden von Gräben hockten Üi« Divisionen, die Belgien über­rannt hatten, bis dieses große entsetzliche Halt kam, an das niemand gedacht hatte, an das viele noch immer nicht glaubten. Trotzdem fehlte der Schüt­zengrabenweihnacht des Jahres 1914 noch ganz jene Bitterkeit, die es ein, zwei Jahre später annehmen sollte. Hunderttausenden war es so, als ob sie eben von zuhause fortgegangen wären, die Distanz war noch kurz und tröstlich, die Feldpost schleppte wahre Berge von Paketen und Liebesgaben an, noch brauchte man kein Buchenlaub zu rauchen, und jedermann glaubte spätestens im Sommer des nächsten Jahres wieder zuhause zu fein.

Um das Weihnachtsfest in den deutschen Schüt­zengräben war es etwas ganz eigenartiges. Es liegen so viele Briefe und Berichte aus dieser Zeit vor, daß man sich ein getreues Bild davon machen kann. Kilometerbreit wurde es hell in den Grä­ben und in die unendliche Stille der flandrischen Ebene erklangen die troswollen Wechnachtslleder der Heimat.

Aber das Wunderbarste war, daß niemand in dieser Nacht schoß oder überhaupt ans Schießen dachte. Noch mehr als in den französischen war man in den englischen Gräben von der Weihnachts­stimmung mitergriffen. Vielleicht verständigte man sich durch Zeichen und Signale und stieg dann auS den Gräben. Deutsche Soldaten drückten zum ersten Male chren englischen F«inden die Hand. Lebensmittel und Zigaretten wurden ausgetauscht und die paar Leut«, die die fremde Sprache be­herrschten, machten den Dolmetscher und übersetzten Grüße, Wünsche und Fragen. Und es muß ein seltsamer Augenblick gewesen sein, wo man sich zum ersten Mole ohne Schußbereitschaft, freiwillig und selbständig gegenüberstand und genau wußte, daß das bestenfalls ein paar Stunden dauern konnte, daß man ein paar Stunden später auf den Mann, dem man eben die Hand gedrückt hatte, schießen würde, wenn er nur die Nasenspitze über den Gra­benrand erhob. Ein paar Stunden war alles zu Ende, als wäre es nie gewesen. Und es ist heute sehr unheimlich daran zu denken, daß sich diese Männer die Hand drückten, obwohl sie alles genau und sicher wußten. Es wird vielleicht eine Zeit kommen, wo man das nicht begreifen und fassen wird, aber es waren immerhin Männer, die sich damals di« Hand gaben, Männer aus den besten Jahrgängen, die im August und später ausgezo­gen waren, um ein paar Wochen frisch-fröhlichen Krieg zu führen und den Schützengraben für ein V ox xxL>^"c<^c^ytvvs> t a w<y\o<i-l. V^xatto«

\ , ^ ...

Das waren Front und Heimat 1914. Dery- nachten 1914. Der Krieg hatte erst kaum begonnen. Und zuhause bürstete man die zurückgelassenen Zivilkleider und hing sie so in den Schrank, daß man sie jeden Tag wieder herausnehmen konnte. Ein paar Monate noch . . .

Das war heute vor elf Jahren und viele haben es erfahren und erkannt, wie leichtsinnig, wie über­mütig sie waren. Und ttotzdem waren dieser Leichtsinn und dieser Uebermut das Schäntt- und Beste am Weihnachtsfest 1914. Von den Bäumen hing noch ein bißchen Frieden herunter, Flitter, Tand und Gold aus der Zeit vorher, aus den glücklichen Jahren vor 1914, und sie, diese Zeit war noch sehr gegenwärtig. Sie ist dann schließ­lich erloschen wie die Christbaumkeyzen.

Der Krieg ging weiter. Weiter und weiter. Die Weihnachtsbäume begannen spärlicher und sel­tener zu werden Immer mehr Lichter erloschen. Bis es dann vollends Nacht über Deutschland wurde.

dsV GâeteLwMe

Maullier, die Derdurstendle retten.

Obwohl feit Jahr und Tag allmonallich Mil­lionen von Zentnern Dhllefalpeter gewonnen wer­den, hat di« große regelose Wüst« Stortxbiles noch genug jungfräulich« Lager von Salpetererbe. Während im Umkreis der bewohnten Stätten und längs der Schienenwege jedes Fleckchen Erde um« gegraben ist, breitet sich im Innern der Wüste Hun­derte und Aberhunderte von Kilometern wett eine Einöde, in der alles Leben erloschen ist. In diese verlassene und verlorene Zone wagen sich nur die Salpetersucher, die mit primitiven Mitteln neue Lager aufspüren. Nach der Entdeckung eines sol­chen folgt die Probeentnahme der Erbe, die Ver­messung des Terrains und der AbRiu durch die konzessionierte Gesellschaft oder den Fiskus. Die Ansprüche, die an die törperiidje und moralische Widerstandskraft dieser Salpetersucher und Ver- inessungsbeamten gestellt werden, sind ungewöhn­lich. Glühend heißen Tagen folgen bitterkalte ^Rächte. Die Wüstenpioniere müssen überdies für mehrere Tage ausreichende Vorräte von Lebens- mitteln und Wasser mit sich führen, für sich und ihren unentbehrlichen Begleiter, das treue Maul­tier, das als Reittier und Lastenträger bient

Pferd und Esel sind in der Wüste unbrauchbar. Hier kommt allein das Maultier in Betracht, nicht nur wegen seiner Trittfestigkeit, Ausdauer und Be­dürfnislosigkeit, sondern vor allem wegen feines hochentwickelten Orientierungssinnes, der sich für den in der Sandwüste verirrten Salpetergräber als unschätzbarer Gehilfe erweist. Für die Üntnialich- feit dieses Orientierungssinns erbringt Mario Appelius ein überzeugendes Beispiel:Das Maul­tier von Benjamin» Poblete", schreibt der bekannte Journalist demPopolo d'Jtalia" aus einer chile­nischen Salpeterfieberei,heißtFrancisca" und ist im ganzen Lager gut bekannt. Mit ihm hone Beniamino am Margen den Marsch angetreten, von dem er am Abend des nächsten Tages zurück­zukehren gedachte. Aber feit sieben Tagen hatte man nichts mehr von ihm gehört, und jede Stund«