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Areitag den 6. Dezember 1929

Nr. 286

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Aast verurteilt. Ueber seine Sympathien zum Faschismus weiß man nichts Positives zu berichte-. ebenso Jenig wie über seine Feindseligkeit gegenüber dem Regiine. Musso­lini wurde einfach darum nicht befragt. Der Duce ist stärker als der König.

Man weiß auch nichts darüber, wie sich Viktor Emanuel III. persönlich zu der Aus­söhnung mit dem Papst stellt. Wahrscheinlich hat er nichts dagegen einzuwenden. Ob aber seine Freude darüber besonders groß war, mag dahingestellt bleiben. Er hat auf jeden Fall seine Pflicht bis zu Ende erfüllt, indem er dem Heiligen Vater den Besuch abstattete.

Der königliche Besuch wurde vom Kardi­nal Caspari erwidert, denn der Papst besucht Monarchen nicht. Der feierliche Akt nahm in wenigen Stunden sein Ende. Papst und König haben sich einander die Hand gereicht und haben einige freundliche Worte mitein­ander gesprochen der vor einem Jahr ge- f (bloffene Friede zwischen Papsttum und Königreich hat durch diese Begegnung eine neue Weihe erhalten.

Dev ââsbssmh Selm vadst

Rom, 5. Dez. Ueber den Besuch des italienischen Königspaares beim Papst werden noch folgende Einzelheiten mitgeteilt:

Das italienische Königspaar, begleitet von dem Minister des Aeußern Grandi, dem Botschafter beim Heiligen Stuhl Devechi, und dem Hofkaplan Beccaria fuhr mit einem zahlreichen Gefolge auf sechs Autos nach dem Vatikan. Von der Engels­brücke bis zum Petersplatz waren die Fußsteige durch starke Truppenaufgebote gegen die Straße abge­sperrt. der Petersplatz war ganz vom Publikum geräumt An der Grenze der Vatikanstadt waren päpstliche Truppen, Schweizer und Palastgarden ausgestellt; die Schweizergarde spielte die italienische Königshymne

Der Gouverneur der vatikanischen Stadt be­grüßte in kurzer Ansprache den König und geleitete den königlichen Hofzug nach dem Damasushof, wo ebenfalls päpstliche Truppen dem König die Ehren- beyugungen erwiesen und die Königshymne wieder' holt wurde. Der Papst empfing den König an der Tür des kleinen Thronsaales, auf dessen Thron er dann Platz nahm, während das Königspaar sich vor ihm auf Kesseln niederließ. Das Gespräch dauerte zwanzig Minuten: dann erfolgte der Austausch der Geschenke. Der König bot dem Papst ein kostbares Drusikreuz und ein Kruzeftx dar. Der Papst schenkte dem Söni^ einen Schrein mit vier reich illustrierten Bänden, der Königin eine Mosaiknachbildung der Rafaelschen Madonna della SsgUolo.

SaS AuiwoMcheelde» des »av8«s

auf bie Glückwünsche bes Reichspräsidenten.

Berlin, 5. Dez. Auf das Glückwunschschreiben

Reichspräsidenten gerichtet, in dem Papst Pius XI. seine Freude über das Handschreiben des Reichs­präsidenten und das ein Wunderwerk der Kunst dar­stellende Geschenk, das der Reichspräsident durch den deutschen Botschafter beim Päpstlichen Stuhl hat überreichen lassen, zum Ausruck bringt. Er fügt hinzu, daß er dieses Geschenk als ein Zeichen der Achtung und des Wohlwollens, welches das edle deutsche Volk dem Apostolischen Stuhle entgegen­bringe, mit der größten Genugtuung entgegengenom, men'fjabe. In seinem Handschreiben bekräftigt der Papst erneut den Ausdruck seines tiefgefühlten Dankes, den er bereits durch den deutschen Bot­schafter übermittelt habe. Er erbittet zum Schluß feines Handschreibens den glücklichen Schutz für den Reichspräsidenten und das ihm so teure deutsche Volk.

Gsgstt SevkSlßchtttrs des SsrmMarrs

(Fortsetzung von Sette 1)

her»

bereitei, am allerwenigsten auf Anklagen von artiger Schärfe, die nicht nur gegen die Politik der Gläubigerstaaten, sondern auch gegen die Reichsregierung zugeschnitten sind. Dr. Schacht, der auf das Beste über die zahlreichen Kommissions- Verhandlungen, wie sie auf Grund des Haager Ab­kommens notwendig waren, informiert ist, hat sich

jetzt gezwungen gesehen. Dr. Voglers Spuren zu folgen, der schon am Schlüsse der Pariser Sachver- ständigen-Beratungen ausbrach und weitere Be­lastungen Deutschlands über die Sätze des Bouna- planes hinaus nicht für tragbar hielt. Dr. Schacht scheint unsere finanzielle und wirtschaftliche Si­tuation, in die wir in dem letzten halben Jahr hinernmanöver'.ert worden sind, für äußerst bedroh­lich zu halten, denn sonst hatte er unmöglich wenige Wochen vor der Schlußkonferenz im Haag in dieser Form Alarm geschlagen. Wie wir hören, wird sich die Reichsregierung in der heutigen Ka­binettssitzung mit der Denschrist Schachts besassen.

Bevlirrev PvesseMmmen

Zu dem Memorandum des Reichspräsidenten Dr. Schacht nimmt bisher nur ein Teil der Ber­liner Preße Stellung. DerVorwärts" unter­zieht den Schritt Dr. Schachts einer ausführlichen Kritik. Der Inhalt des Memorandums, so schreibt das Blatt, deckt sich im wesentlichen mit der Pro- paganda. die Dr. Schacht am Schluff der Haager Verhandlungen noch vom Haag aus in der deut­schen Presse getrieben hat. Er hat schon damals verbreitet, daß die Erhöhung des ungeschützten Teils der deutschen Annuitäten unverantwortlich sei, daß dieses Zugeständnis eine ernsthafte Ge­fährdung des teutschen Kredits und der deutschen Währung nach sich ziehen könnte. Schon damals ist diese Anschauung auf das schärfste zurückgewie­sen worden Er hat auch damals schon als Haupt­punkt seiner Propaganda gegen das Haager Ver­handlungsergebais berausgeftettt, daß Deutsch­land laut Haager Protokoll auf den fünfmonatigen Ueberschuß von 400 Millionen Mark verzichtet, der sich daraus ergibt, daß bie Daweszahlungen bis Ende Auzuft 1929 laufen, Re ZahlungsPeriode

One Aede

des peeuS. Finamminiftevs

Dsv Etat Ms 1930 vsv dem GLaaiseat

Berlin, 5. Dez. Der Preußische Staatsrat be­gann am Donnerstag die erste Lesung des neuen Haushalts für 1930. Finanzminister Dr. Höpker- Aschoff hob hervor, daß einem Staatsvermögen von 6,86 Milliarden eine Verschuldung von rund 630 Millionen gleich 10 v. H. gegenüberstehe.

Der Finanzminister beschäftigte sich mit den Fragen des zukünftigen Finanzausgleichs, zu dem man im einzlnen noch nicht Stellung nehmen könne, da die Pläne des Reichsfinanzministers bisher nur bruchstückweise bekanntgeworden sind. Entscheidend ist, nach welchem Schlüssel die Steuern terteilt ist, nach welchem Schlüssel die Steuern verteilt Reichssteuern nicht mehr schlüsselmäßig an Länder und Gemeinden zu überweisen, sondern bestimmte Beträge nach Normalleillungen auf Grund ein­heitlich errechneter Kosten für Polizei-, Schul-, Wohlfahrts- und Wegebauwesen zu verteilen. Die Länder würden allerdings dadurch nichts anders als Verwaltungsstellen sein, die Durchführung des Vorschlages würde aber auch zu einer Stärkung und Erhaltung an sich lebensunfähiger Länder füh­ren und damit den Weg der Reichsreform ver­bauen.

Der innerstaatliche Lastenausgleich Ist durch den Polizeilastenausgleich ausgebaut worden und wird durch den neuen Volksschullastenausgleich ergänzt werden, der sich sowohl zugunsten der Landge­meinden wie der kinderreichen Industriegemeinden auswirken wird.

Zur Frage der Steuersenkung forderte der ZHiniffer unbedingt die Aufhebung der In­dustrie- und Renlenbanklasten, Senkung und Tarifänderung der Einkommesteuer und starken Abbau der Realskeuern.

Die durch die Reparationsregelung frei wer­denden Beträge reichen zur Steuersenkung nicht aus, und deshalb ist die Erschließung neuer

des Domig-Plones aber bereits am 1. April 1929 einsetzl. Daß damals im Haag kein günstigeres Ergebnis erzielt werden konnte, ist nicht zum wenigsten« Schuld des Reichsbankpräsidenten elbst. Er hat sich am Schluß der Pariser Kon­ferenz mit einer Formulierung des Sachverstän- >igen-Gutachlsnz einverstanden erklärt, die es den Gläubigermächten ermöglichte, einen Rechtsanspruch aus diese Summe glatt zu bestreiten. Aehnliches gilt von den übrigen Punkten, die Herr Schacht jetzt in seinem Memorandum herausstellt und als Sachverständiger nicht mehr zu decken wünscht. Zu dem innerdeutschen Teile des Memorandums er­klärt derVorwärts" ,daß Dr. Schacht hier offene Türeneinrennen, daß das Reichskabinett heute mit

e r g e h e n Ge­legenheit zur eingehenden Aussprache haben werde. Das Blatt wirft die Frage auf: Von welchen poli­tischen Absichten ist das Memorandum des Reichs­bankpräsidenten diktiert? Es wäre nicht das erste Mal, daß Dr. Schacht seine Stellung zu einer aus­gesprochen innerpolitischen Aktion gebraucht hätte. In diesem Punkt muß auf das schnellste volle Klarheit geschaffen und der Reichsbankpräsident in die Schranken seiner Befugnisse zurückgewiesen werden. Es ist nicht seine Aufgabe, sich in aus­gesprochene Regierungsfunktionen einzumischen.

DasBerliner Tageblatt" bedauertes, daß Dr. Schacht gerade diesen Weg für seine War­nungen gewählt und eine Aktion unternommen hat, die ihm als ein Versuch ausgelegt werden könnte, der Regierung ihre Arbeit zu erschweren, eine Aktion, die unter Umständen nicht, wie er es wünscht, nutzen, sondern schaden könnte.

DieGermania" erklärt: Die unerwartete Denkschrist des Präsidenten der Reichsbank dürfte in erster Linie aufzufassen sein als ein Versuch des Führers der deutschen Sachverständigendelegation, allen in- und ausländischen Kreisen die Schwierig­keiten der gegenwärtigen Lage, in der sich Deutsch­land befindet, klarzumachen, und gerade das betei­ligte Ausland darauf hinzuweisen, daß über den Houngplan, von deutscher Seite wenigstens, noch keineswegs das letzte Wort gesprochen ist, ins­besondere, daß die Ablehnung des Hugenbergschen Volksbegehrens in keiner Weise gleichbedeutend ist mit einer Zustimmung zu dem Pariser Sachver­ständigenplan.

ImBerliner Börsen-Courier" heißt es: Die. Deduktion Schachts, mit der er die zu­sätzlichen Ansprüche der Gläubigerregierungen ab­wehrt, ist bis ins letzte Detail nüchtern, sachlich, überzeugend. Die Experten der Alliierten müssen sie Wort für Wort unterschreiben. Es läßt sich daran nicht beuteln und rütteln. Ihr ganz beson­deres Gswicht erhält die Aktion des Reichsbank­präsidenren aber noch dadurch, daß er sich mit seiner oft bewiesenen, fast rücksichtslosen Entschiedenheit gleichzeitig nicht scheut, der Reichsregierung und speziell dem Finanzministerium einen schweren Vor­wurf öffentlich ins Gesicht zu schleudern: Eine vom Pariser Poungplan ausdrücklich formulierte Er­klärung besagt: daß dieses Dokument nur dann tragbar ist, wenn neben der Schaffung der son­stigen von ihm geforderten Voraussetzungen die deutsche Wirtschaft von ihren inneren Burden ent­sprechend entlastet und der Etat des Reichs und der Länder ins Gleichgewicht gebracht wird. Bisher ist davon nichts zu verspüren. Die Reichsregierung und der Finanzminister sind damit einer schweren Unterlassungssünde schuldig geworden, die sie so­fort gutmachen müssen.

DieDeutsche Allgem. Ztg." bemerkt, daß sich die Gedankengäng« Dr. Schachts vielfach mit den Auffassungen decken, die das Blatt in den letzten Wochen und Monaten ständig vertreten hat. Alles komme jetzt darauf an, wie die Regierung handelt, damit eine Erschütterung des Wirtschafts­lebens vermieden wird.

DerL o k a l a n z e i g e r" spricht von einem Schlag gegen das Kabinett Müller, Curtius, Hilfer- dina, dessen Wirkungen man noch in keiner Weise absehen könne.

Steuerquellen' unsingeschränkt zu bejahen. Dafür steht die schärfere Heranziehung von Al­kohol und Tabak zur Verfügung. Da eine Wieder­führung der Weinsteuer nicht möglich ist, muß man sich der Biersteuer zuwenden. Den Gemeinden muß die Möglichkeit zur Erhebung einer direkten St-euer gegeben werden, die nicht einseitig ein­zelne Bevölkerungskreise belastet. Zur Verfügung stehen dafür Verwaltungskostenbeiträge oder Wie­dereinführung der Zuschläge zur Einkommensteuer. Reich und Länder müssen die Probleme der zu­künftigen Finanzgestaltung gemeinsam beraten; die Länder sind bereit, sie warten auf den Ruf des Reichsfinanzministers.

Dr. Kaiser (Z.) erstattete dann den Haupt­bericht für den Etcft. Er kritisierte, daß die vom Staatsrat seit Jahren geforderten Einspa­rungsmöglichkeiten wieder nicht

Ausgaben auf Grun des Friedensvertrage

ausgenutzt seien, und daß der Finanzminister ermächtigt werden solle, für Ausgaben auf Grund der Kriegsschäden bzw. des Friedensvertrages staatliche Bürgschaften übernehmen zu können. Der Staatsrat dürfte hierbei nicht ausgeschaltet werden, wolle seinen Einspruch aber vorläufig zurückstellen. Dem Wohnungsbau müsse man mehr Mittel der Versicherungsträger zuführen, weil die Sparkassen auf die Dauer nicht genügend Hypotheken geben könnten. Auch sollte man den ausländischen Ka­

pitalmarkt für diesen Zweck heranziehen. Sehr fraglich sei, ob die erwartete Mehrüberweisung von 88 Millionen vom Reich einkommen werde? An den fachlichen Ausgaben könne nichts mehr ge­strichen werden. Der neue Finanzausgleich sollte von der Ausgabenseite ausgehen, wofür der Red­ner einen Reformplan ausgearbeitet hat, der das Reich verpflichten würde, einen Einheitssatz für jede Saftenurfache mindestens zu gewähren und die einzelnen Steuerarten nicht mehr zu berücksichtigen. Die Maßzahl ergebe sich aus der Anzahl der je­weiligen Einheiten, zum Beispiel der Schulkinder.

Äm Herr FvaSikottssssK^ bei den BeMchnasionaßett

Berlin, 5. Dez. Die deutschnationale Reichs­tagsfraktion hielt heute morgen eine kurze Sitzung ab. Die Neuwahl des Fraktionsvorsitzenden wird erst in der nächsten Woche erfolgen. Die Kandi­datur des Abgeordneten Dr. Oberfohren, die bisher als aussichtsreichste galt, scheint zurückgestellt worden zu sein. Es ist offenbar beabsichtigt, daß im Zusamenhang mit der vorgesehenen strafferen Zusammenfassung der Partei der Gedanke einer Personalunion zwischen Partei- und Fraktions­vorsitz geprüft wird. Die Stellungnahme der Lam b " " u der ~ ' '

sSüd hat sich mit dem Austritt einiger Abgeord­neten aus der Fraktion einverstanden erklärt. Die Deutschnationale Volkspartei wird -' in aller­nächster Zeit durch Rücksprache fast aller Abgeord­neter mit ihren Landesverbänden weitere Entschei­dungen treffen. Es kann schon jetzt als selbstver­ständlich bezeichnet werden, daß diejenigen Abge­ordneten, die sich nur aus der Fraktion zurückge- '»gen haben, auch nicht in der Partei verbleiben werden.

Ausknlk Froweins aus der DRVV.

Köln, 5. Dez. Nach einer Meldung herKöl­nischen Volkszeitung" ist der stellvertretende Vor­sitzende des Reichsverbandes der Deutschen Indu­strie, Abraham Frowein (Elberfeld), aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten.

Die deutschnationale Pressestelle teilt mit: Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Minister a. D. K o ch stellt fest, daß seine Stellung zur Deutsch- nationalen Volkspartei und zur Reichstagsfraktion nach wie vor die gleiche bleioe. Seine Stellung­nahme werde sich lediglich nach der seines Lan­desverbandes richten.

Neuwahl in

des Lsnivums-vakiisn

Berlin, 5. Dez. Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat die bisher vertagte Neuwahl des Fraktionsvorsitzenden gestern vorgenommen. An­stelle des zum Reichsverkehrsminister ernannten seitherigen ersten Fraktionsvorsitzenden Dr. Ste­ge r w a l d s tritt Dr. Brüning, der Finanz­sachverständige der Partei. Die bisherigen stellver­tretenden Fraktionsvorsitzenden Esser und Dr. Ferlitius bleiben im Amt. Aus dem Borstand ist noch Dr. Wirth ausgeschieden, für ihn wurde der badische Abgeordnete Ersing gewählt.

Dr. Brüning ist Geschäftsführer des Deut­schen Gewerkschaftsbundes in Berlin und steht als solcher in engster Verbindung mit dem Minister Stegerwald. Daß er Stegerwald trr Vorsitze der Fraktion gefolgt ist, bedeutet also eine Befestigung des bisherigen Kurses. Brüning steht auch mit dem Parteivorsitzenden Kaas in enger persönlicher Fühlung, so daß unter seinem Vorsitz der enge Zusammenhang zwischen Partei und Reichstags- fraktion gesichert ist. Der neue Froktionsvorsitzende gilt als ein sehr geschickter Verhandlungsjuhrer, der es ausgezeichnet versteht, zwischen verschiedenen Ansichten zu vermitteln. Er wird also auch von die- em Gesichtspunkt aus seinem Posten gewachsen ein. Bisher hat Brünung sich als der Fiucnz- achverständige seiner Fraktion im Reichstag einen Namen gemacht. Er zählt zu den wenigen Gewerk­schaftsführern, die auch auf dem Gebiete der allge­meinen Finanz- und Wirtschaftspolitik Kenntnisse besitzen. Es bedarf nicht erst der Versicherung, daß die Finanzpolitik Brünings in der Hauptsache auf gewerkschaftliche Bedürfnisse zugeschnitten war. Doch kann man von Ihm erwarten, daß er bei der Durchführung der geplanten Finanzreform auch allgemeinen wirtschaftlichen Gesichtspunkten Rechnng tragen wird. An der Spitze der Zentrums­fraktion wird Brüning weiter einen Kurs ver- folgen, der auf den gewerkschaftlicher» Anhang der

....... . Zentrumsplirtsi weitgehende Rücksicht nimmt. Sein- Wahl zum Vorsitzenden entspricht denselben Grün, den, aus denen man seinerzeit Stegerwald aus Entgegenkommen gegen die gewerkschaftliche Ritz tung an die Spitze der Fraktion berufen hat.

DsttLWssr NeWsiag

Der Reichstag trat am Donnerstag schon mit, tags 12 Uhr zusammen. Präsident Löbe stellte zu Beginn der Sitzung fest, daß eine Anzahl deutschnationaler Abgeordneter ihm den Austritt aus der deutschnationalen Fraktion mitgeteilt und ihn gebeten habe, wegen der Plätze im Sitzungssaal die nötigen Anordnungen zu treffen. Auf Vm> schlag des Geschäftsordnungsausschusses wurde bie Strafverfolgung der Abgeordneten Koenen (Komm.) Dengel (Komm.), Strasser (3tai.= Soz.) und Dr. Goebbels (Nat.-Soz.) wegen Be­leidigung genehmigt, ferner die Durchführung eines Vorführungsbefehls gegen den Kommunisten Blenkle. Der Reichstag beriet dann die nor längerer Zeit im Ausschuß für Wohnungswesen eingehend vorbereiteten Richtlinien für das Woh­nungswesen.

Diese Richtlinien enthalten zum Teil sehr schöne Pläne, beispielsweise die Vorschrift, daß die Mieten der mit öffentlicher Beihilfe erstellten Neuwohnun» gen für minderbemittelte, kinderreiche Familien 15 Prozent des Einkommens nicht übersteigen sollen. Sie versprechen auch beschleunigte Deckung bes Wohnungsbedarfs, insbesondere durch Schaffung von Kleinwohnungen mit Hilfe der Hauszinsstsuer- erträge. Im einzelnen bedeuten sie aber keine Lö­sung des Wohnungsproblems. Auch in der De­

batte wurden keine neuen Momente vorgetragen. Die Beratung wurde abgebrochen.

_ Der Reichstag vertagte sich auf Dienstag zur Fortsetzung der Debatte und zur Festsetzung

Fünfuhr-Ladenschlusses am 24. Dezember.

des

Im Hinblick auf die Lärmszenen, die sich in der Mittwochabendsitzung des Reichstages ereigneten, haben die Sozialdemokraten im Geschäftsordnungs­ausschuß umfangreiche Verschärfungen der bisheri­gen Ordnungsbestimmungen beantragt und mit Hilfe der übrigen bürgerlichen Parteien durchgc- setzt; nur die Deutschnationalen enthielten sich der Stimme, und die Kommunisten stimmten dagegen.

In erster Linie ist die Wortentziehung ver­schärft worden, vor allein aber die Möglichkeit des Ausschlusses von den Verhandlungen bis zu 30 Sitzungstagen erweitert. Für diese Zeit soll auch die Berechtigung zum Bezüge der Diäten und zum Be­zug der Fahrkarte ruhen.

Falls ein Abgeordneter sich weigert, der Aus­schlußaufforderung des Präsidenten Folge zu lei­sten, zieht er sich sofort den Ausschluß auf 30 Sibungstage zu.

Die Herbeiführung von Reichsministern soll nur noch bei Unterstützung durch 30 Abgeordnete mög­lich sein.

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London,

LS Mulde

VuMO-MusstWe

Gèügtmg ;

6. Dez. Der Times-Berichterstatttcr

Konflikt mit der Sowjetregierung in' der Fra^M der chinesischen Ostbahn beenden bürst Litwinows Telegramm wirb eine Antwort erhalteâW die die Ergebnisse der Besprechungen in Nikolsk a^m- heißen dürfte. Ferner wird Traiyunschen d zum chinesischen Delegierten bei den Verhandlungen er­nannt, bei denen die Einzelheiten der WiededrhWÄ stellung des status quo und die Freilassung Gefangenen beraten werden sollen. i

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LUS'

Berlin, 5. Dez. Die Sklarek-UntoMchungsaus- schuß-Sitzung stand heute wiederum unter dem Zei­chen starken Andranges von Publikum und Presse.

In der fortgesetzten Befragung des Oberbürger­meisters Böß wünscht Abg. Obuch (Komm.) Aus­kunft darüber, ob die Hauptprüfungs- oder eine an­dere Stelle ausreichende Befugnisse zur Kontrolle der Vorgänge in der Verwaltung hatte. Oberbür­germeister Böß führte dazu u. a. aus: Die Haupt­

Prüfungsstelle des Magistrats sei etwa das, was für den- Staat die Oberrechnungskammer darstellt. Sie hat also das gesamte Rechnungsmaterial zu prüfen und soll auch die Verwaltung beobachten. Die ursprünglich selbständige Hauptprüsungsstelle ist später vom Kämmerer abhängig gemacht worden.

Abg. Obuch richtet dann Fragen bezüglich der Pelzangelcgenheit an den Zeugen. Böß führt dazu u. a. aus: Im Sommer vorigen Jahres sollte meine Frau sich einen Pelz beschaffen. Es handelt sich nur darum, wo sie ihn kaufen sollte. Ich erinnerte mich daran, daß einer der Sklareks, den ich früher im Zusammenhang mit der K. V. G. kennen gelernt hatte, mir einen Pelz angeboten hatte. Ich wies meine Frau nun auf ihn hin. Sie bestellte einen Pelz und erkundigte sich sogleich, was er kosten solle. Ein Preis konnte ihr aber noch nicht genannt werden. Der Pelz wurde geliefert, die Rechnung ließ aber lange auf sich warten. Nach mehrfachen Mahnungen ging schließlich die Rechnung ein. Sie betrug 350 Mark. Dieser Betrag erschien uns natür­lich zu gering. Daraufhin schrieb meine Frau den Sklareks, es wäre ihr peinlich, diesen Pelz so an­zunehmen, weil ihr der Preis zu niedrig erschien. Sie hätte deswegen die Unterstützung mit 1000 Mk. vorgenommen, um diese Sache auszugleichen. Der Künstler befand sich tatsächlich in sehr schwierigen Verhältnissen; ich habe dann selbst bei ihm einen Ankauf vorgenommen.

Abg. Obuch: Eine Unterstützung, losgelöst von diesem Ankauf, eine reine Unterstützung war es also nicht. Böß: Nein! Es ist niemals seitens der Ge­brüder Sklarek auch nur der geringste Versuch ge­macht worden, mich zu beeinflussen. Niemals ist einer der Herren bei mir gewesen. Der Gedanke, daß die Sklareks versuchen könnten, auch andere Beamte und Angestellte zu beeinflussen, ist mir da­mals überhaupt nicht gekommen. Es wäre wir heute sehr viel lieber, ich wäre auf diesen Eedan- len gekommen.

Auf den Hinweis, daß die Feststellung einer Bilanzfälschung an die Hauptprüfungs- stelle mit seiner Unterschrift weitergegeben sei, erklärt Böß,das habe ich offenbar unter­zeichnet, ohne es gelesen zu haben, zumal ja bie Vorgänge von der Hauptprüsungsstelle immer wie­der zum Diagistrat zurückkqmen^