Einzelbild herunterladen
 

Sette 6

Dienstag den 1 Dezember 1929

Nr. 288

maligen Girtsverwalter und jetzigen Reffenden Bernhard 2. fest. Er wird beschuldigt, daß er die Leiche des Kindes in Zeitungspapier verpackt in die Weser geworfen hat. 2. bestreitet jede Mit- l)5i«. Auf die Spur des Verbrechens fft die Potb Sei infolge von Ermittlungen über ein anderes, ebenfalls im Kreise HersfeD spielendes Verbrechen gekommen. Die Ermittlungen in diesem Falle schweben noch.

Ein Ehepaar mit Leuchtgas vergiftet.

Offenbach a. M 2. Dez. In der Dcmfftrahe baden sich ein 43 Jahre alter Zigarrenhändler und «ine 33jährige Ehefrau durch Leuchtgas vergiftet. Man wurde darauf aufmerksam, als am Montag das Geschäft geschlossen blieb und drang in die Räume ein, wo man das Ehepaar urch einen Hund vergiftet vorfand. Die Leichen wurden irach dem Friedhof transportiert. Was das Ehe­paar in den Tod getrieben hat, ist nicht bekannt.

Selbstmord eines Arztes.

Darmstadt, 2. Dez. Einer der bekanntesten Darmstädter Aerzte, der Frauenarzt San.-Rat Dr. Heil, hat gestern seinem Leben durch Erschießen ein Ende gemacht. San.-Rat Heil, der im 61. Lebensjahre' stand, hatte sich vor kurzem in seinem Beruf eine Blutvergiftung an der rechten Hand zugezogen, die eine Operation erforderlich machte. Trotzdem diese günstig verlaufen ist, hat anschei­nend die zurückgeblieben« Behinderung den ange­sehenen Arzt zu diesem Schritt veranlaßt.

Der vermißte Darmstädter Schüler aufgefunden.

Darmstadt, 2. Dez. Der seit vorigen Sonn- tag vermißte 17jährige Schüler Theoberich Herdt von hier ist jetzt in Koblenz gänzlich erschöpft auf- gefintben worden. Er hatte in einem unwider­stehlichen Wanderdrong den Weg nach dort zu Fuß zurückgelegt und im Freien genächtigt.

Tod im kochenden Wasser

Limburg, 2. Dez. Ein gräßliches Unglück er­eignete sich heute nachmittag nach 3 Uhr im hiesigen Reichsbahnausbesserungswerk. Der in den 40er Jahren stehende Schweißer Klamp aus Fochingen geriet auf bisher noch unaufgeklärte Weise in ein Bassin mit kochendem Wasser, in dem die Maschi­nenteile vom Fett gereinigt werden. Als der Wär­ter des Dassins, der vorübergehend abwesend war, nach einigen Minuten an seine Arbeitsstätte zurück- kehrte, sah er den Kopf des Verunglückten aus dem brodelnden Wasser herausragen. Der Bedauerns­werte wurde von den her beelenden Arbeitern mit Stangen sofort aus dem Baffin herausgezogen, der Tod war aber bereits eingetreten. Klamp fft Va­ter mm drei Kindern.

Eine 60jährige Witwe wegen Brandstiftung ins Zuchthaus

Limburg, 2. Dez. Am heutigen ersten Tage der diesjährigen letzten Schwurgerichtsperiode am hiesigen Landgericht wurde gegen die Witwe Luise Kunkel aus Bleisenbach ( Oderlahnkreis) wegen Brandstiftung verhandelt. Der Angeklagten wurde rorgsworjen. im Mai dieses Jahres chr Haus in Brand gesteckt zu haben. Das Feuer brach im Keller aus, konnte jedoch bald gelöscht werden. Die Angeklagte bestritt, den Brand angelegt zu haben. Das Gericht sah sie jedoch nach zehnstün­diger Beweisaufnahme, in der «rwa 20 Zeugen vernommen mürben, als SRMSfrt "int""' WTshp 'lassung der Angeklagten ging dahin, daß sie aus dem Seiler Aepiet habe holen wollen. Da das elektrische Licht nicht mnttiomerte, habe sie eine Serge genommen, die sie nachher aber ausgetreten habe. Durch die Zeugenaussagen fft aber erröte« en, daß in dem Keller Benzinspuren, Strohboh­nen und benzingetränkte Kleidungsstücke gefunden worden sind. Das Haus sollte zur Zwangsverstei­gerung kommen und war erst ein halbes Jahr vorher hoch versichert worden. Ms der Brand entdeckt wurde, waren auch viele Dorfbewohner der Ansicht, daß Brandstiftung vorliege, und ein Zeuge hafte sich iagar geweigert, an den Lösch- aroetten teilzunbhrnen mit der Begründung, er wolle der Frau das Feuer nicht verderben. Nach 1Kstündiger Beratung verurteilte das Gericht die Angerlagie,. die 60 Jahre alt und Mutter von 12 Kindern ist, über den Anttag des Staatsanwalts hinausgehend, $u einem Jahr drei Monaten Zucht­haus. Damit hat einer der zahlreichen Brandstif- funggräHe auf dem Westerwald seine Sühne ge­funden.

Das Diamatri-Meeur des Javi«

(Ein neuer VandUenftreich in Chicago

Chicago und San Frairzisco sind die berüch- tigsten Verbrecherstädte der Vereinigten Staaten. Morde und Raubübersäll« sind dort an der Tages­ordnung. In Chicago indes mar es seit einiger Zeit ein wenig ruhiger geworden. Man hatte dort einen neuen Polizeigewaltigen angestellt, der mit seinem großartig geschulten Polizeipersonal die Ver- brecherbanden einigermaßen in Schach hielt. Um so bestürzter ist man in ganz Amerika über das neue Kapitalverbrechen, das jetzt aus Chicago ge­meldet wird, und das in seiner Verwegenheit an ine sensationellsten Verbrechen von ehedem erinnert

Es handell sich um den Ueberfall auf die beiden Frauen der reichen Chicagoer Börsenmakler Cut-

ter und Marty. Mister Cutter hatte seiner Frau vor ein paar Tagen ein herrliches Schmuckstück ge­schenkt, ein großes Diamanten besetzt

ches Kreuz, das über und über mit _______ . , r war. Der Börsenmakler hatte für das Geschmeide 70 000 Dollar bezahlt, was ihm nicht zuviel erschien, nachdem er erfahren hatte, daß das Kreuz aus dem 17. Jahrhundert, und aus dem Juwelenschatz, der ermordeten Zarin stammte. Die

Zarm soll, so hatte der Juwelier berichtet, das Kreuz besonders gern und oft getragen haben. Der Chicagoer Juwelier gab an, das Schmuckstück erst kürzlich in Soribon bei der Versteigerung der rus­sische Schätze erworben zu haben. Mister Cutter war also glücklich, seiner verwöhnten Frau ein so seltenes Geschenk machen zu können; bis junge und reizende Frau konnte das prachtvolle Juwel nicht ost genug ansehen.

Schon am nächsten Abend Mistreß Cutter hatte'mit ihrer Freundin Mistreß Marty einen Theaterbesuch verabredet legte die junge Frau das Diamantkreuz an. Die beiden Frauen saßen m ihrer Loge, die sie auch während der Pause nicht verließen. Plötzlich merkte Mrs. Marty, daß drei in einer Nachbarloge sitzende Gentlemen immerzu auf Mrs. Cutter starrten. Sie machte ihre Freundin daraus aufmerksam; die hübsche Frau war gewohnt, beachtet zu werden, und machte sich über die Aus- merffamfeit der drei Herren meiter keine Gedanken. Mrs. Martys Auto holte die beiden Damen ab, um sie nach Hause zu bringen. Zuerst wollte man noch der Villa von Mrs. Cutter fahren, die etwas ab« je iss in einer einsamen Dillenstraße lag. Der Chauffeur hatte wohl bemerkt, daß ein geschlossenes

stand anfangen sollten. Kein Mensch wußte, ob es jetzt nach Hause geijen würde, ober ob es schließ­lich noch einmal los ginge. Irgend etwas mußte aber vorgekommen fein; es lag was in der Luft. Kein Mensch konnte sagen, wo ihn der Schuh drückte. Der Kaiser sei nach Holland geflohen wurde erzählt. In Berlin fei Revolution. Es war zuviel, was alles auf das Soldatenhirn einftürmte. Es war an Trommelfeuer, Gasangriffe, Fliegerbom­ben gewöhnt. Solche Eindrücke konnte es aber nicht von heut auf morgen verdauen. Wir hatten sehr gefreite Leute bei uns, die wußten aber auch nicht was werden würde.

Die Regimenter waren zuiammengezogen wor-

raubten, in Stellung der Etappe. Leider ist

zu gehen. Nette Zustände in

âavte des besetzten Gebietes

Auto dem feinen durch bie Straßen der Stadt folgte, ohne daß er dieser Tatsache besondere Be­deutung beigelegt hätte. Dann, als das Martysche Auto aus den belebten Straßen hinausgelangt war und sich in einer ziemlich schmalen, nicht sehr hell erleuchteten Straße befand, sah der Chauffeur, daß das andere Auto dem seinen unbedingt vorfahren wollte. Er schaltete ein große Geschwindigkeit ein; aber er konnte nicht verhin­dern, daß er von dem zweiten Wagen überholt wurde. Dann mußte er auf einmal halten; der vor ihm fahrende Wagen hatte sich in der ziemlich chmalen Straße so quer gestellt, daß das nach- algenbe Auto nicht weitersahren konnte. In bie« em Moment stürzten drei Männer aus dem vor­deren Wagen. Einer von ihnen schlug dem Chauf­feur mit einem harten Gegenstand so furchtbar über den Kopf, daß er betäubt zu Boden stürzte, wäh­rend die anderen die Tür des Autos aufriffen und die entsetzten Frauen herauszerrten. Mit erhobenen Revolvern forderten sie die Handtaschen, den Schmuck und die Pelzmäntel der Uebersallenen, und sie rissen einer der beiden Frauen ein Ohrgehänge aus den Ohren, das die zitternden Hände nicht schnell genug lösen konnten. Dann ließen sie ihre Opfer liegen u. suhren in unheimlicher Geschwindig­keit mit ihrem Wagen davon. Eine halbe Stunde später erst wurden die beiden Damen von den In­sassen eines bie Straße passierenden Autos ge« funden.

Mrs. Cutter liegt noch immer schwer krank in einem Sanatorium; sie wird sich von dem erhal­tenen Nervenschock nicht so schnell erholen können, während Mrs Marty schon am anderen Morgen imstande war, den polizeilichen Vernehmungen zu folgen. Sie konnte aussagen, daß die Verbrecher identisch waren mit den drei Männern aus der Theaterloge, und sie konnte eine ziemlich genaue Personalbeschreibung der Räuber geben. Trotz­dem hat man bisher keine Spur der Verbrecher finden können. Man hat nur herausgebracht, daß der Juwelier, bei dem Mister Cutter das Diamant­kreuz gekauft hatte, seit dem Ueberfall verschwunden ist. Man nimmt daher an, daß er den phantastischen Ueberfall inszeniert hat.

SBotho»

Wien.

coBi.ua

'âihh

lAINZ

iernka.

Ziznach

nerv,

Landau-

Krefeld» badio

sarbfz aäntin?

!" Dortmund

UW?/

A KARIS- ® RUHE

-Elberfeld isseldf. ^

^5"£^$71mahn-

soMf3& ^T Kalmj

g^"è^evtf^

eMzfni

fb.

1. Zone: Geräumt.

2. Zone: Räumung am 1. Dezember beendet.

3. Zone: Laut Haager Konferenz bis zum 30. Juni 1930 zu räumen.

Saargebiet: Verhandlungen werden in Paris ge­führt.

aber wert, festgehalten zu werden, denn in ihr hat sich eine erschütternde Tragödie abgespielt, nämlich der Zusammenbruch eines Volkes.

Am 1. Dezember ist Koblenz frei geworden. Daz ganze deutsche Volk hat Anteil genommen an dem Freudentag. Wir Solbaten, die mir damals als letzte über bie schwankende Schiffbrücke gingen, wollen daran denken, daß 11 Jahre nötig waren, bis sich die Vernunft durchsetzen konnte. Das hät­ten mir damals nicht gedacht.

aennsuraag

hatten, daß die Stuben verlaust würden. Im Krieg gabs Läuse, daran war nichts zu ändern. Die Gene­räle hatten auch welche.

Dann kamen wir nach Koblenz. Man hatte alle möglichen Dinge gehört. Die neuen Männer hatten uns keine Karten nach Belgien geschickt. Es waren für den Rückmarsch keine Karten vorhanden ge­wesen. Von den Wandtafeln in den Schulen wur­den Karten abgezeichnet, damit man wenigstens die Marschstraßen hatte, die vorgeschrieben waren.

Koblenz! Es war ein nebliger Novembermor­gen. Klingendes Spiel empfing uns. Auf den Stra- Ben standen die Menschen und winkten uns, be- roarseN-Uns mit Blumen. Die Fahnen waren H«r-

Sm ââB des Ovakett von Morris ShvMo

Von Egon Erwin Kisch

Wie sich der Leser wohl erinnert, wird der Graf von Monte Christo von einem ehrgeizigen Berufs­kollegen verleumdet, von einem eifersüchtigen Nebenbuhler angezeigt unb von einem um feine' Karriere besorgten Staatsanwalt eingetertert in den Kasematten des Schlosses Jf bei Marseille. Durch einen Gang, den ein Zellennachbar, der Abbè Faria, in jahrelanger Mühsal gräbt, erlangt der Graf von Monte Christo das Geheimnis eines Schatze ' ........ '

Wr

MM

Utvt

«s und schließlich die Freiheit, indem er sich W r. ^ . verstorbenen Pr ieftrrsimdmT^ensaä M

eile des

11

lëKën Die "Artillerie, die 'Kolonnen.'

Bald stand die ganze Division versammelt in

der Etappe. Leider ist es nicht dazu gekommen. Ein! mitten der Stadt. Generäle hielten Ansprachen. Jägerdataillon hatte schon aufgeräumt. Die Leute standen in Reih und Glied genau wie

Schneller als man gedacht hatte, begann der Rückmarsch. Hinter den Rhein sollten wir zurück. Anfangs waren die Märsche anstrengend. Dann ge­wöhnte man sich daran. Die Belgier grinsten.. Sie hatten die Fahnen herausgehängt. Alles war blau- weiß-rot und schwarz-rot-gold. Sogar Bettücher hatten sie zusammege-näht und daraus Fah-

sonst, Revolution hatten sie nicht begeistern kön­nen. Es waren doch alles junge Leute, die den Soladten die Achselklappen abrissen ober ihnen die Waffen abnahmen. Die sich die Waffen abnehmen ließen waren sicher aus der Etappe. Ein richtiger Soldat ließ sich nicht von diesen Leuten ausplün- bern.

Zur BekveZrms dsv rwerie« Lous

Erinnerungen eines Soldaten

Rovembernebel zogen den Schleier zwischen uns und den Amerikanern immer dichter. Der Ne­bel war auch schuld, daß sie bei uns über die Maas herüberkommen konnten. Die Leute waren alle so ausgebrannt, daß die Angriffe zur Säuberung des Brückenkopfes erfolglos blieben. Da kam nachts ein Befehl, morgen um 1 Uhr würden die Feind­seligkeiten eingestellt. Das wollte im ersten Augen­blick keiner glauben, weil es wahr war. Sonst war nämlich das Gmentell immer wahr gewesen. Es wurde 11 Uhr. Drüben die Amerikaner störten sich noch gar nicht darum. Sie schossen bis zur letzten Minute. Bei unsern Nachbarn lieferten sie noch eine Schlacht. Noch am Nachmittag wollte das Ar- tilleriefeuer bei den Nachbarn nicht verstummen. Die mußten sich nun totschießen lassen, weil die Amerikaner noch nicht genug vom Krieg hotten. Erst gegen Abend verstummte der Kampflärm und es wurde allen ganz unheimlich. So ruhig! Das hatte immer was zu bedeuten. Heute hatte es zu bedeuten, daß der Krieg aus war. Mr wußten eigentlich gar nicht, was wir mit dem Waffenstill-

neu gemacht. Gegen uns Soldaten verhielten sich die Belgier sehr anständig. Sie waren jeden­falls besser m uns, als die Bauern in der Eifel und an der Mosel, die uns in die kalten Scheunen legten, weil sie sich die Stuben nicht verlausen lassen wollten.

An der Grenze zwischen Luxemburg unb Deutschland stand ein Triumphbogen.Willkommen in der Heimat" stand darauf. Dieses Willkommen hat uns sehr wohlgetan. Man dachte daheim doch an uns. Wenns auch nur bunte Fetzen waren, vom Regen verwaschen. Der erste Gruß der Heimat tat gut. Nun war man wieder auf deutschem Boden. Es war auch ganz anders hier. Die Felder so sau­ber. Die Dörfer ganz anders wie in Belgien oder Frankreich.

Hinter uns waren die Amerikaner. Wehe wenn die Marschzeiten nicht eingehalten wurden. Dann kam man in Gefangenschaft. Es war verschiedent­lich vorgekommen, daß Kameraden interniert wur­den. Nachts kam man in die Dörfer. Alles schlief Anders Truppen waren schon da. Man mußte sich buchstäblich verkrümeln. Einmal sind mir in aer Eifel in einem Nonnenkloster untergekommen. Wir waren so wenig in den letzten Jahren mit der Kul­tur zusammengekommen, daß man sich nicht ge­traute, den verlausten Körper in di« weißen Bet­ten zu legen. Einer von uns ließ bas Bett stehen und schlief auf dem Fußboden. Das war unser bestes Quartier. Wir wollten ja nichts haben. Sie sollten uns doch nur eine warme Bude machen. Die armen Leitte waren darin immer besser, wie die reichen Bauern. Die sagten immer, wir haben genug Soldaten, geht zu dem, der hat nur 6, der müßte 18 haben. An der Mosel kamen wir zu einer Frau, die wollte nur Offiziere haben. Wir haben uns dann irgendwo anders einquartiert. Wir wa­ren etwas bedrückt. So sah es also aus. Kein Wunder! Dafür waren wir also vier Jahre drau­ßen, dafür hatte man den Schlamassel mitgemacht, daß sie uns in die Scheunen legten, weil sie Angst

Es war uns alles so ungewohnt. Man durfte in ein Restaurant gehen. Man war auf einmal wieder im Begriff Mensch zu werden. Die Koblen­zer stauben sich gut mit uns. Unsere Division wurde Wachdivision. Alle anderen Truppen waren längst abgerückt. Die Tage werden uns nicht in Verges­senheit geraten.Was wird kommen, wenn Ihr fort seid? Wie wird es mit uns Rheinländern werden?" Das waren die bangen Fragen, bie wir auch- nicht beantworten konnten. Koblenz war ja an Truppen und Soldaten gewohnt. Hier stand es aber unter dem Eindruck von Fronttruppen. Die Disziplin, die noch bei uns herrschte, imponierte ihnen, im Gegensatz zu denEtappenposten", die sich überall schlimm aufgeführt hatten.

Dann kam der Tag des Abmarsches. Vorher nahm der Divisionskommandeur noch eine Parade ab. Preußische Märsche erklangen. Die Straßen hallten wieder vom Tritt der Soldaten. Da standen Die Koblenzer und winkten uns zum Abschied zu. Die Augen blieben nicht trocken. Es war ein schwe­rer Abschied.

Ueber die Rheinbrücke gingz die Höhen hinauf nach Ehrenbreitstein zu. Drunten lag die gast­freundliche Stadt. Da lag das Deutsche Eck, der Rhein unb Mosel. Und während wir die Höhen weiter hinanstiegen, zogen ie Amerikaner mit Sie« gesfansaren in die Stadt.

Dann fiel alles auseinander. Keiner hatte mehr Zeit. Jeder mußte nach Hause. Mancher verschwand heimlich wie der Dieb in der Nacht. Es war zu Ende mit dem Krieg. Nur hatten mir uns das Ende alle ander« vorgsstellt.

Bor 11 Jahren zogen mir bie Höhen hinan. 11 Jahre hat das Rheinland bie Besatzung gehabt. Nun ist Koblenz, bas mir damals als letzte verlie­hen, wieder frei. Die Zeiten ändern sich. Manches geht in Vergessenheit. Ueber den Krieg ist viel ge­schrieben worden. Die letzte Phase aber ist ver- liessen worden. Viele haben sie wie im Traum er« lebt. Es war alles so unwirklich geworden. Sie ist

Unwahr ist, daß es je einen Monte Christ gegeben hat. Wahr aber, fürchterlichwahr (A Kerkerhölle im Schlosse Jf. Alexander Dumas hist schaudernd die Verließe gesehen und st sch, ein Sohn der Bastillenstürmer, die Tra-gädien iltwrer Bewohner auszumalen vermocht; ein enges Mach, das zwei Zellen verbindet, mar der Anlaß zuâ feinem Roman, dem gel-efenften der Weltliteratur.

Um dieses Phantoms willen w"allfahrten Men­schen in Barkassen zu dem Eiland i^hres Lieblings aus dem Roman und dem Kino. - Frxöstelnd stehen j sie in feiner Zelle.

Dreieinhalb Jahrhunderte lang wurds^hier ein« I gesperrt, wer gegen König und Staat oder Andere. j Machthaber aufzumucken 'wogte; nur die Heft fand aus dem Felsengrab den Weg ins Liebel zurück. Den ersten Häftling, den Wundertier Alberto bei Campo holte das Ketzergericht selbst heraus, um dem Volk das Schauspiel eines Auto- I dafè zu bieten: am Weihnachtstage 1588 wurde in Aix der falsche Abbe verbrannt unb seine Ge- I liebte, Margarita Sachetti, nackt vom Henker aus« gepeitscht. Einer seiner Nachfolger der wegen I oppositioneller Haltung gegen Richelieu eingekerkerte | Marseiller Kaufmann Bernard,ot ist in der Krimi- nalgeschicht« als Urheber der verzweifeltsten unb am meisten Energie erfordernden Methoden zur Ab­kürzung der Haft bekannt: des Hungerstreiks; in den zehn Tagen seines Fastens schrieb er mit einem Stück Kohle und mit Blut die Schilderung seiner Torturen an die Wand, und am elften Tage sank er tot zusammen.

Illustre Herren hatten im Laufe der Zeiten in denCochot-i" Wohnung zu beziehen, so Prinz Kasimir von Polen, der auf spanischer Seite Kriegs­dienste nehmen wollte, trotzdem sein Bruder König I Ladislaus VII. mit Ludwig XIII. ein Waffenb-ündnis abgeschlossen; durch Schisfskatastrophe zum Landen gezwungen, durch Verrat verhaftet, endete seine Absicht in der Kasematte im Mittelländischen Meer.

2

KünstlicneAugen 15 fertigen n. d. Natur u, passen éin | ° F. Ad. Müller Söhne Wiesbaden

Filiale Frankfurt am Main. g_4 Uhr | 5 Weserstraße 41, Ecke Taunusstraße.

Sprechstunde jeden Donnerstag | J

Gefichtsavsschlag, Pickel, Ekzeme.

Wie man sie beseitigt.

Von Spezialarzt Dr med. Woltz«.

Gesicht sausschlag, Pickel, Pusteln, Wimmerln, Acne vulgaris, Milesier und Ekzeme, die besonders bei jüngeren Leuten beiderlei Geschlechts jo überaus lsig auf tretenden Hautübel, werden von den oft fast verzweifelnden Opfern mit allen nur erreich­baren Mitteln bekämpft. Vortrefflich bewährt hat sich nach meinen Erfahrungen folgendes Verfahren:

Man nehme ein StückZucker's Patent- M e d i z i n a l - S e i f e", reibe mit der Hand ober noch besser mit einer nassen Bürste, einem nassen Pinsel und dergleichen möglichst viel dicken Schaum, läßt ihn evtl, noch einige Zeit stehen, bis er so dick ist wie Brei, Salbe ober Sirup, und trägt ihn dann leicht, ohne zu reiben, auf die zu behandelnden Hautstellen auf. Am besten geschieht bas Aus­tragen des Abends, damit der Schaum genügend Zeit hat, auf der Haut âzutrocknen und die Nacht über liegen bleiben kann. Morgens erweicht man ihn mit etwas Wasser, spült -hn dann leicht ab und trocknet hieraus die Haut, ohne zu reiben ober zu frottieren, sanft mit einem weichen Tuch. Nachher stets die Haut mitZuckvoh- Kreme",bis ebenso wieZucker's Patent-

Mediztnal - Seife" in jeder Apotheke, Droge- rie und Parfümerie zu 'haben ist, nachbchandeln. Diese Prozedur, richtig durchgesührt, schafft in Kürze reine und gesunde Haut und verjüngt um Jahre.

Man schreibt uns aus Paris:Die neuen Eaux de Cologne von d'Amalon, Pa­ris, sind die letzte Vollendung des persönlichen Stils der verwöhnten Frau unserer Zeit. Den gleichen verwirrenden, geheimnisvoll-verführerischen Zauder, der den Parsüms von d'Amalon Innewohnt, atmen auch diese neugeschaffenen Eaux de Cologne, die mit ihrem köstliichen Dust eine so wunderbar be­lebende Kraft verbinden. Einige Tropfen nur und bas Gefühl der Abspannung ist sofort über­wunden."

Für die berufstätige Fra«

bedeutet die Pflege mitZuck 0 0 h ° Creme" eine köstliche Erfrischung. Die heilsamen Vestandteile der Zuckooh-Creme dringen sogleich in die Poren ein, führen der ermatteten Haut neue Nährstoffe zu, machen sie wieder straff und geschureidlg und verleihen ihr Schönheit und Gcsunüi)eit bis ins späteste Alter. Weil Zuckooh-Creme sofort resttos in die Haut eindringt, ohne $eftf puren zu hilft er. lassen, eignet sie sich für die Schönheitspflege besser als,fettige Cremes. Fettige Haut wirkt unästhetisch, fettige Hände werden überall unangenehm emp­funden. Es gibt kein Fachgeschäft, dasZuckooh- Creme" nickst führt.wg.