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Nr. 27g

Dsnnerstcrg den 28. November 1929

Sette 5

strafe von 6 Monaten und einer Woche. Das Ge­richt rechnete die Untersuchungshaft an und hob den Haftbefehl auf. Der Rest der Strafe wird be­dingt ausgesetzt.

Aufstellung des neuen Frankfurter Etats

Die städtischen Amtsstellen sind zur Zeit damit beschäftigt, ihre Etats für das Jahr 1930/31 auf­zustellen. Für die Etatisierung ist ihnen vom Aechneiamt größte Sparsamkeit âufgegeben worden. Ausgaben, die nicht zwangsläufig sind, sollen unter keinen Umständen im Etat Eingang finden. Trotz­dem ist aber kaum damit zu rechnen, daß der neue Etatvoranschlag in seiner Höhe hinter den bis­herigen zurückbleiben wird. So wird sich vor allem an den wichtigsten Positionen, Verwaltungs­ausgaben und Wohlfahrtsetat, kein Abstrich vor- nchmen lassen. Wie man hört, soll der Wohlfahrts­etat, für den in diesem Jahre 12 Millionen RM an- gesetzt sind, die aber voraussichtlich um 3 bis 4 Millionen RM überschritten werden, im kommen­den Jahr eine Erhöhung erfahren.

Ablehnung des Schiedsspruchs für die Schuhindustrie

: Die Hauptausschußsitzung des Reichsverbandes der deutschen Schuhindustrie hat gestern unter Teil- nahme der Vertreter der andern am Reichstarif­vertrag für die Schuhindustrie beteiligten Arbeit­geberverbände in Frankfurt a. M. getagt und den Schiedsspruch der Schlichterkammer des Reichs- arbeitsministeriums vom 20. November abgelehnt.

Fast 34 000 Ausländer besuchten in diesem Jahr Frankfurt

': Nach der amtlichen Fremdenverkehrskontrolle wurde Frankfurt in den ersten zehn Monaten dieses Jahres von insgesamt 33 714 Ausländern besucht" gegenüber 30 673 in der entsprechenden Vorjahrs­zeit. Welcher Beliebtheit sich Frankfurt in Amerika erfreut, geht daraus hervor, daß während der Haupt­reisemonate Juni, Juli und August die Amerikaner den weitaus größten Anteil an der diesjährigen Ausländerbesuchsziffer stellten mit insgesamt 5441 Personen. An zweiter ©teile folgt Holland mit der im Verhältnis zu feiner Größe sehr respektablen Ziffer von 2507 Besuchern. Wie beliebt Frankfurt in der Schweiz list, ersteht man an ihrer Beteiligung mit 2195 Personen. An vierter Stelle folgt Eng­land mit der gegen sonst ziemlich gestiegenen Zahl von 2043 Besuchern, dann Oesterreich, das ja auch gute Beziehungen zu Frankfurt unterhält, mit 1247 Besuchern, Dänemark mit 760 Personen, Frankreich mit 725, Ungarn mit 478, Polen 457, Belgien 427, Italien 378, die Tschechoslowakei mit 354 Be­suchern usw.

Die Tragödie

der drei âdSemer IahNärzie

Skizze zur Fundstelle des Autos.

Mas waNev des Ruhv §M vürswävis fl eße«

Essen, 27. Nov. Ein von mehreren Ruhrge- meinden geforderter, phantastisch anmutender Plan wird demnächst vielleicht schon zur Verwirklichung kommen. Es handelt sich dabei darum, das Wasser der Ruhr in trockenen Jahreszeiten zurückfliehen zu lassen. Die großen Jndustriegemeinden im Ruhrgebiet waren besonders in den trockenen Sommern der letzten Jahre mehrfach durch den Wassermangel, die Ruhr war im letzten Sommer vollkommen ausgetrocknet, an den Rand des Ruins Mracht worden. Man behalf sich teilweise schon ö^nit .das Wasser aus dem^Rhein in die Ruhr %X"jm® Kèrg^ Aber aüch andere Städte, wie Barmen und Elberfeld, die eigentlich das Ruhrwafser nicht brauchen, müssen in Zeiten der Trockenheit auf das Ruhrwasser zurückgreifen und sind deshalb an der Ruhrrcgu- lierüng interessiert. Um sich von dieser zufälligen Entwicklung unabhängig zu machen, reicht das bis­her größte Staubecken im Ruhrtal, die Möhnetal­sperre nicht aus. Es ist deshalb eine große Tal­sperre bei Sorpe geplant. Aber auch damck würde die Wasserversorgung des Ruhrgebietes nicht unbe­dingt gesichert sein.

Das Projekt dessen Ausführung man jetzt plant, würde alle Schwierigkeiten beheben. Es sieht die Einrichtung von Talsperren vor, die unter bestimm­ten Umständen das Wasser talsächlich zurückfließen lassen würden. Die ausgetrocknete Ruhr könnte auch vom Rhein her durch große Pumpanlagen mit Wasser versorgt werden. Daß eine _ solche Um­kehrung der Flußrichtung der Ruhr tatsächlich mög­lich ist, haben die bei Duisburg errichteten Ver­suchsanlagen gezeigt.

Phot Giegerich Nieder-Ingelheim.

Die aus dem Rhein herausgezogene Limousine auf dem Friedhof in Frei-Weinheim.

PhoLGiegerich, Nieder-Ingelheim.

Freiwcinheim, 27. Nov. Die Auffindung der Leichen der vermißten Zahnärzte ist im wesentlichen den Bemühungen des Bruders des verunglückten

Dr. Salomon, des Hausarztes Dr. Oskar Salomon, zu verdanken, der die Polizei und die Rheinstrom- bauverwaltung immer wieder darauf hingewiesen

Hat, daß die Vermißten nur in den Rhein gerate», sein könnten. Besonders tragisch ist das Schicksal von Dr. Salomon und Fräulein Dr. Heinzmann. Sie waren am Buß- und Bettag mit einer Sonn­tagskarte zu der zahnärztlichen Tagung nach Mainz gefahren und wollten von dort wieder mit der Bahn zuruckfahren. In Mainz ließen sie sich aber von Dr. Meyer bereden, in seinem neuen Opelwagen mit nach Koblenz zurückzufahren. Dr. Salomon hinter­läßt Frau und zwei Kinder, Dr. Meyer ist ledig. Besonders schwer getroffen ist die Mutter von Fräu­lein Dr. Heinzmann, die durch den Tod ihrer Toch­ter ihre einzige Stütze verloren hat.

2X15 Unglück ist durch die irreführende Anlage der Straße entstanden. Die Straße überquert hinter Ingelheim die Bahn. Wenige Meter weiter ziveigt die Straße nach Freiweinheim rechts ab, während die Straße nach Bingen gerade- aus führt. An der Abzweigung befindet sich aber eine sogenannte Verkehrsinsel, auf der also im Straßenzuge ein Haus steht, so daß dem frem­den Befahrer die rechts abzweigende Straße mehr ins Auge fällt. Außerdem dürfte Dr. Meyer, der am Steuer faß, im Nebel noch die Lichter von Freilveinhsim gesehen haben und darauf zugefahren sein. Er durchquerte den Ort, ohne zu erkennen, daß die Straße etwa 300 Meter weiter im Rhein endet. (Siehe unser Bild.) Das Unglück muß kurz nach 8 Uhr abends geschehen sein, da die Autouhr auf 8.05 Uhr stehen geblieben war.

Frei-Weinheim, 28. Nov. Heute nachmittag fan­den sich auf dem Friedhof von Freiweinheim die Staatsanwaltchaft von Mainz, das Amtsgericht von Ober-Ingelheim sowie Kreisarzt Med.-Rat Dr. Engan von Bingen und zahlreiche Angehörige der auf so tragische Weise ums Leben gekommenen brei Koblenzer Zahnärzte ein, um an der gesetzlich vorgeschriebenen Leichenschau teilzunehmen. Die kreisärztliche Untersuchung der Leichen führte zu dem Ergebnis, daß sämtliche drei Perso­nen den Tod durch Ertrinken gefun­den hatten. Die Leichen wurden hierauf zur Beerdigung freigegeben. Die Behörden nahmen hierauf eine Besichtigung des Unglücksautos und der Unfallstelle vor.

Aus KsS «Kd Satt.

hainstadk (Kreis Offenbach), 27. Nov. Am Sonntag veranstaltete der Gesangverein Germania, anläßlich seines 70jährigen Jubiläums einen be­sonderen Liedertag. Befreundete Vereine der Nach­barschaft nahmen daran aktiv teil. Germania er­öffnete die Feier mit dem ChorHeilige Kunst" von Sonnet. Eine dynamisch und rhythmisch vor. zügliche Darbietung, die durch gute Bokalisation noch erhöht wurde. Der Liederkranz Groß-Krotzen- burg brachteSteuermann" von Wengert und Wiegenlied" von Haas mit vorzüglichem Ausdruck zum Gehör. Es folgte das Sängerquartett 1912 Seligenstadt mit zwei Chören. Im Kunstchor (Maiennacht) wie im Volkslied brachte diese Sän­gerschar meisterhafte Leistungen hervor. Harmonie Hainstadt schloß sich mit schönen, gut erfaßten Chören würdig an. Seligenstadt und Großkrotzen­burg erweiterten das Programm noch durch Ein­lagen. Zur Hebung des Liedertages waren Herr Opernsänger Künkel (Bariton und Herr Kapellmei­ster Willig («SägeO. Heide aus Frankfurt a. M., gewonnen. Herr Künkel wird mit seinen guten Darbietungen allen stets in Erinnerung bleiben.

Aus dem fahrenden Zug gestürzt.

Aschaffenburg, 27. Nov. Ein junger Kauf­mann aus Frankfurt a. M., der hier beschäftigt ist, fiel gestern morgen aus dein fahrenden Zug. Er wollte sich orientieren, welcher Station sich der Zug nähere. Dabei schaute er zum Fenster hinaus. Offenbar war jedoch die Tür, die sich plötzlich öff­nete, zuvor nur angelehnt gewesen. Der junge Mann blieb bewustlos liegen. Er hatte leichtere Verletzungen am Kopf und am Knie davon­getragen. Streckenarbeiter fanden ihn später auf und brachten ihn in das Werk der Philipps AG., wo er beschäftigt ist.

Diamantene Hochzeit

Alsfeld, 27. Nov. Der frühere Besitzer des hiesigen HotelsZur Krone", Karl Gundrum, konnte mit feiner Gattin das seltene Fest der Dia-

Eine Zigarette für Nichtraucher

... Keine Angst, meine Herren! Es sind weder nikotinfreie noch Schokolade-Zigaretten, sondern richtige Zigaretten. »Kolibri« Zigaretten.--Also Zigaretten wie jede andere auch? Nein »Kolibri«-Zigaretten. ? ? ?

Warum rauchen Sie nicht? Die Zigaretten, die Sie bisher versucht haben, schmeckten zu scharf für Ihre empfindliche Zunge? »Kolibri« ist zart und mild und duftig. Sie scheuen die Kosten? »Kolibri« kostet ganze fünf Reichspfennige!

»Kolibri« braucht man nicht in der Kette zu rauchen, um auf ihren Geschmack zu kommen von Zeit zu Zeit eine »Kolibri«, das ist wahrer Genuß!

Probieren Sies ruhig einmal »Kolibri« wird Ihnen schmecken..