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Donnerstag den 2S. November 1929
Nr. 279
einbüßen und den Charakter von Provinzen »nnehmen. Der Staatspräsident betonte, daß er auf der Länderkonferenz der differenzierenden Gesamtlösung zugestimmt habe, weil aus einem anderen Wege der Prozeß der fortschreitenden Zentralisierung nicht aufzuhalten sei.
SveuMch-ihüvrttMche Beivseehttttse«
Berlin, 27. Nov. Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Zwischen der preußischen und der thüringischen Staatsregierung fanden heute vormittag im preußischen Staatsministerium in Berlin unter dem Vorsitz des preußischen Ministerpräsidenten und in Anwesenheit der beteiligten preußischen und thüringischen Minister Verhandlungen statt. Gegenstand der Verhandlungen bildete ein Meinungsaustausch über die Frage, w i e durch Bildung von Verwaltungsge- meinschaften eine Vereinfachung d er Staatsverwaltung unter besonderer Berücksichtigung von Ersparnismöglichkeiten herbeigeführt werden könne? Es wurde festge- stellt, daß es eine Reihe von Sachgebieten gibt, auf denen die Bildung solcher Verrvaltungsgemein- ichaften möglich ist, und daß es wünschenswert sei, in gemeinsamer Arbeit geeignete Pläne aufzustellen.
Die Verhandlungen sollen nunmehr in weiteren Beratungen durch Beauftragte mit dem Ziel fortgeführt werden, den Regierungen gemeinsame nähere Vorschläge zur Beschlußfassung zu unterbreiten.
Gevev^ttg Mes öZe deMch- fssuzSMchZK Vez'ehttrrserr
Parrs, 28. Nov. Der Gjcelfior", der in Deutschland eine Enquete über die deutsch-französischen Beziehungen anstellen läßt, gibt heute eine Erklärung des Reichsministers Severing wieder, in der es heißt: Deutschland und Frankreich hätten ungeheuer viel gemeinsame Interessen. Wenn man eine Formel finde, die es ermögliche, zu einer Vsrstän- digung zu gelangen, ohne die Interessen und Rechte der beiden Länder zu schädigen, dann würde ein großer Schritt zur Erreichung des Weltfrie- dens getan sein. Eine deutsch-französische Annäherung würde nicht nur eine allgemeine Entspannung zur Folge haben, sondern indirekt auch zu Abschlüssen ähnlichen Ententen zwischen anderen Ländern beitragen. Die Verwirklichung des Bri- andschen Gedankens der Vereinigten Staaten von Europa werde an dem Tage nahe bevorstehen, an dem Deutschland und Frankreich die wirtschaftlich gute nachbarliche Entente verwirklichen, die er, Severing, aufrichtig wünsche. Auf alle Fälle glaube er, daß die Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa nur möglich sei, nach Abschluß einer deutsch-französchen Verständigung.
Im übrigen erklärte Severing, daß die Mehrheit des deutschen Volkes der Ansicht sei, daß die Politik Stresemanns nicht nur für die Wiederherstellung Deutschlands, sondern für die Sicherung des Friè? dens der Welt notwendig sei.
Zu den von Essen ausgehenden Belebungen auf Erlaß einer neuen Amnestie meldet 6er Demokratische Zeitungsdienst, in demokratischen Kreisen bestehe, ebenso wie bei anderen Parteien, keine Neigung, einer solchen Forderung stattzugebsn, da eine neue Amnestie nur ein Anreiz für politische Abenteurer sein könnte, in unruhigen Zeiten Straftaten zu begehen, die in Zeiten der Beruhigung dann keine Ahndung finden würden.
Geliere Zuvahms des ÄVhMAoMkE
Berlin, 27. Nov. In der ersten Hälfte des pember ist die Zahl der Hauptunterstützungsemp- fânger in der Arbeitslosenversicherung wieder um 126 000 ode 14,2 vom Hundert gestiegen. Die Gesamtzahl betrug am 15. November rund 1016 000, davon 808 000 Männer und 208 000 Frauen. Die
No-
Zunahme belieb sich bei den Männern auf 16,2 v. H., bei den Frauen auf 7 o. H. Auch die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenfür- forge ist in der gleichen Weise gestiegen und zwar um 6900 Personen oder 4 v. H. Auch hier war die Zunahme bei den Frauen geringer als bei den Männern. Dl« Gelamtzalst der Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenfürsorge betrug am 15. November rund 178 500.
Som Ssvwalizmssvai dev dsttLMstt KeWs^osi Erleichterungen im telephonischen Fernverkehr.
Bervn, 27. Nov. Der Reichspostminister führte in der heutigen Sitzung des Arbeitsausschusses des Verwaltungsrates der Deutschen Reichspost zur Finanzlage u. a. aus, daß die Einnahmen in den ersten sieben Monaten des Rechnungsjahres 1929 hinter den Erwartungen zurückgeblieben feien; es fei aber möglich, daß in den verkehrsstarken Wintermonaten der Rückstand aufgeholt werden könne
Der Arbeitsausschuß nahm einige vorgeschlagene Aenderungen der Femsprechordnung an. Sie betreffen hauptsächlich Verbesserungen im Fernverkehr. Bei dringenden Ferngesprächen kann der Anmelder künftig eine bestimmte, feste Zeit für die Herstellung der Verbindung vorschreiben. Die Höchstdauer der Ferngespräche wird von sechs auf 12 Minuten erweitert. Für Tagungen, für die Uebertragungen von Reden usw. können Fernverbindungen auf eine Stunde und länger bereitgestellt werden. Eine Reihe von Erleichterungen ist für das Zustandekommen von Gesprächen vorgesehen, für die eine Person zu einer Sprechstelle herbeigerufen wird. Schließlich soll es ebenso wie im alten Reichspostgebiet künftig auch in Bayern und Württemberg zulässig sein, daß die Teilnehmer ihre Nebenstellenanlage durch die Privatindustrie herstellen lassen. Die Aenderungen treten am 1. Februar nächsten Jahres in Kraft.
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Plilarbett bei Internationalen wirkschoslssragen
Berlin, 27. Nov. Der neue Reichswirtschasts- Mnister Dr. Moldenhauer empfing heute die
Miederbesitm des Reichstags
Soserft «uv Aewe Soâss« - SoWMeKehVeu-Däaiie am Ssâas
Berlin, 27. Nov. Die erste Vollsitzung, mit Der der Reichstag heute seine Winterarbeit aufnahm, war gut besucht. In den Reihen der Kommunisten entdeckte man auch die älteste weibliche Abgeordnete, Frau Klara Zetkin, die jahrelang durch ihren Aufenthalt in Moskau dem deutschen Parlament ferngehalten war.
Ohne Aussprache wurden zunächst der deutsch- persische Freundschafts- und Handelsvertrag, ein Zioilrechtsabkommen mit der Türkei und ein Freundschaftsvertrag mit dem Königreich Hedjas den zuständigen Ausschüssen überwiesen.
Das Opiumgesetz wurde in erster Beratung erledigt, die zweite soll später folgen. Die Aenderung des bestehenden Gesetzes von 1912 ist erforderlich geworden, um die innere deutsche Gesetzgebung mit den durch das Genfer Opiumabkommen vom 19. Februar 1925 übernommenen internationalen Verpflichtungen in Einklang zu bringen. Der neue Entwurf will die Möglichkeit schaffen, die ärztliche Verschreibungsweise der Betäubungsmittel zu regeln.
Ein Gesetzentwurf, der die Kontrollbestimmun
eine
gen über die Ausfuhr deutscher Kunstwerke auf ein Jahr verlängert und kleine organisatorische Aenderungen bringt, ging an den Rechtsausschuß. In der Aussprache wurde auch auf die Notlage der deutschen Künstler eingegangen. Allgemeine Zustimmung fand eine Entschließung des Zentrums, die eine Zusammenarbeit mit Oesterreich fordert, um den gesamtdeutschen Kunstbesitz zu schützen.
Dem Wohnungs- und Siedlungsausschuß wurden ein Gesetzentwurf über die Reichszuschüsse für Landarbeitersiedlungen und eine Vorlage über die Bergmannssiedlungen überwiesen. Zu beiden Vorlagen nahm auch Reichsarbeitsminister Wissell das Wort. Er rotes darauf hin, daß feit 1921 über 55 000 Landarbeiterwohnungen mit einem Kostenaufwand von 160 Millionen Reichsmark errichtet worden sind. Das Gesetz über die Bergmannssiedlungsn wolle die bestehende Rechtsunsicherheit beseitigen und feststellen, daß die aus den Mitteln der Kohlenabgabe unter Reichs,zuschuß errichteten Bergmannswohnungen ein Eigentum der Volksgesamtheit sind. Ein Gesetzentwurf über Aufwertung der Entschädigungen, die auf Grund der Einrichtung des Branntweinmonopols zu zahlen sind, ging an den Steuerausschuß.
Zur Beratung kam schließlich noch ein t om = mustischer Antrag, der Weihnachts- beihilfen von 30 Mark fürr die Er -
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werbslosen, Sozial- und Kleinrentner sowie alle Fürsorge berechtigten verlangt. Unter dem Lärm der Kommunisten wandte sich Reichsarbeitsminister Wissell gegen diesen Antrag, der für die einzelnen Beteiligten einen verhältnismäßig kleinen Betrag ergeben, aber dis Reichskasse mit 170—180 Millionen Kosten belasten würden. Viel zweckmäßiger als solche ein-
vsr tot!® uns Kleinrentner. diesem Sinne wolle die Reichsregierung weiter arbeiten. Der kommunistische Antrag wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt.
Für Donnerstag ist nur eine kurze Satzung geplant, die um 2 Uhr beginnen soll.
Vertreter der drei gewerkschaftlichen Spitzenverbände, der freien Gewerkschaften, der christlichen Gewerkschaften und des Eewerkschaftsringes.
Der Ministerchetonte, daß er auf die vertrauensvolle Zusamme.iarbeit mit den Gewerkschaften großen Wert lege, da sein Ministerium nicht etwa ein Ministerium für die Arbeitgeber sei, sondern ein Ministerium für die gesamte Wirtschast, und zur Wirtschaft gehörten ebenso wie andere Gruppen auch die Arbeitnehmer.
Die Wortführer der freien Gewerkschaften, Eggert und Graßmann, wiesen den Minister insbesondere auf die neuerliche Verschärfung der Arbeitsmarktlags hin und stellten die Aufgabe, durch wirtschaftspolitische Maßnahmen den Arbeitsmarkt zu entlasten, in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Für die christlichen Gewerkschaften beklagte Baltrusch, daß in letzter Zeit die Gewerkschaften bei der Vertretung auf internationalen Wirtschafts- und Reparationskonferenzen zurückgesetzt worden seien. Alle diese Fragen, die dort verhandelt wurden seien für die deutschen Gewerkschaften und die deutsche Arbeitnehmerschaft von allergrößter Bedeutung. Lemmer vom Gewerkschaftsring bat den Minister um stärkere Mitwirkung der gewerkschaftlichen Spitzenverbände bei der Vorbereitung und Durchführung der Handelsvertragsverhandlungen. Das gelte besonders auch für die beabsichtigte Verlängerung des Zolltarifgesetzes.
Der Minister nahm zu all den angeregten Fragen eingehend Stellung und stellte in Aussicht, sich im übrigen laufend. und rechtzeitig mit den Gewerkschaften über die Erledigung auszusprechen.
Dov Zukammontvitt
dos EtssessseWisboks
Berlin, 27. Nov. Wie wir erfahren, ist damit zu rechnen, daß der Staatsgerichtshof zu der Verhandlung über die Klage der deutschnationalen Landtags- frakrion gegen den preußischen Staat wegen der Stellung der Beamten zum Volksbegehren am 6. oder 9. Dezember zusammentreten wird.
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Koblenz, 27. Nov. Mit Ermächtigung des preußischen Staatsminifteriums hat Der Minister des Innern dem Vizepräsidenten • beim Oberpräsidium, von Sybel, die zunächst kommisjarische Verwaltung der Regierungsprästden- tenfteUe in Koblenz übertragen und ist mit dem Provinzialausschuß der Rheinprovinz wegen des Einvernehmens über die endgültige Ernennung in Verbindung getreten.
Vizepräsident von Sybel wurde 1883 In Gummersbach als Sohn des damaligen dortigen Landrats geboren. Nach einer Rejerendarzest »ei rheini-
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Berlin, 27. Nov. Wie im Reichstag verlautet, soll die parlamentarische Behandlung des Entwurfes für das Freiheitsgesetz am Freitag beginnen, so daß also auch die morgigen Beratungen des Reichstages noch ebenso wie heute durch kleine Vorlagen ausgefüllt werden. Es ist anzunehmen, daß der Reichskanzler oder — was wahrscheinlicher ist — der Reichsinnenminister die Haltung der Regierung zu dem Gesetzentwurf kurz präzi- siert. Die Regierungsparteien tragen sich mit der Absicht, ihre ablehnende Stellungnahme gegen den Gesetzentwurf in einer gemeinsamen Erklärung zum Ausdruck zu bringen. Darüber hinaus werden aber voraussichtlich die Redner der Fraktionen ihre Ansichten zu den Einzelfragen vortragsn. In parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß die zweite Lesung, die über den Gesetzentwurf bereits entscheiden dürfte, unter Umständen noch am Freitag stattfinden kann, zumal die rheinischen Abgeordneten das Bedürfnis haben, rechtzeitig zu den Befreiungsfeiern in der zweiten Zone abzureisen.
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Protesterflärung des Reichsausschusses das Volksbegehren gegen den 22. Dezember als Absiimmungskermin
B erlin, 27. Nov. Das Präsidium des Reichsausschusses für das deutsche Volksbegehren erlaßt eine Erklärung, in der gegen die Absicht der Reichsregierung. den Volksentscheid über das Freiheits- gefeö auf den 22. Dezember zu legen, schärfster Einspruch erhoben wird.
Es sei bisher Brauch gewesen, die Llüvents- und Weihnachtszeit von Wahl- und polittfchen Kämpfen freizuhalten. Durch die Festsetzung des Volksentscheides auf den Goldenen Sonntag werde auch die deutsche Geschäftswelt empfindlich geschädigt. Eine Freigabe des zweiten Adventssonntages für den Verkauf würde diese Schädigung nicht beseitigen und nur für die gesamte Angestelltenschaft die unnötige Einbuße eines wohloerdienten Ruhetages bedeuten.
Außenpolitische Gründe seien umso weniger angängig, als die Verschleppung der Verhandlungen durch unsere außenpolitischen Gegner die Beratung des Poung-Planes im Reichstag Ende Januar unmöglich mache. Die Festlegung des Volksentscheides auf den Goldenen oder den Silbernen Aoents- fonntag würde dem Sinn der Verfassung wider
oder Ruhetag vorschreibe. In der Erklärung wird verlangt, daß der Volksentscheid auf einen Sonntag nach dem 15. Januar festgesetzt wird.
chen Justiz, und Verwaltungsbehörden bestand er 1908 das Regierungsassessorexamen, war später mehrere Jahre staatlicher Polizeiverwalter in Wilhelmshaven und Landrat in Dillenburg (Hessen- Nassau), kurze Zeit Verwaltungsgerichtsdirektor in Aurich, um seit 1921 in seiner" Heimätprovinz am Koblenzer Oberpräsidium tätig zu sein, zunächst als Ober iegierungsrat und seit fünf Jahren als Vizepräsident. Herr von Sybel stammt aus einer rheinischen Familie. Sein Urgroßvater war Geheimer Regierungsrat bei der Regierung in Düsseldorf, sein Großvater der Geschichtsschreiber und Politiker Heinrich von Sybel. Der neue Regierungspräsident gehört der Deutschen Volkspartei an und ist Mitglied des Wahlkreisvorstands Koblenz-Trier. Mit ihm tritt an die Spitze der Verwaltung des Bezirks ein Mann von vornehmster Gesinnung, großer Kenntnis der Verhältnisse und liebenswürdigem Wesen.
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Nachfolger des Herrn von Sybel als Vizepräsident ist der sozialdemokratische Landrat Dr. Guske Merseburg.
SMita'ii läßt M in Wiesbaden niedre
Der stellvertretende Außenkommissar Karachan hatte laut „Germania" in Wiesbaden eine längere Unterredung mit dem Außenkommissar Tschitscherin. Der Auslandsurlaub Tschitscherins wird vorläufig auf unbestimmte Zeit verlängert werden. Tschitscherin wird noch mindestens ein Jahr im Ausland bleiben. Er hat Wiesbaden zu seinem ständigen Wohnsitz im Ausland gewählt.
Die «Hchfts OSWsVbtMM- tSSAttS in London?
Paris, 28. Nov. Der „ Matin " glaubt, wissen, daß neuerdings der Vorschlag gemacht die drei im Januar stattfinden Konferenzen,
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zweit« Haager Konferenz, die Seeabrllstungs- konserenz und die Völkerbunvstagung dadurch zu ermöglichen, daß man in London selbst die Bölker- bundsrattagung abhält u. zwar nahe an dem Termin der Abrüstungskonferenz. Wenn es notwendig wird, könnten dann die beiden Konferenzen parallel nebeneinander laufen und zwar so, daß die eine vormittags, die andere nachmittags ihre Beratung abhält.
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Ein Lokaltermin in der Stinkermühle
Düsseldorf, 27. Nov. Der Ausflug, den die 20jährige Hausangestellte Maria Hahn von Düsseldorf aus gm Vrrjajsungstag nach dem Ausflugs
total Stinkermühle zwischen Gerresheim und Erd rach gemacht hat, bildet nach wie vor einen wesentlichen Ausgangspunkt der polizeilichen Ermitt- lungsn. Jetzt hat sich auch der Kellner, der die Maria Hahn und ihren Mörder bediente, als Zeuge gemeldet. Nach feinen Bekundungen hat bas Paar keine sehr lebhafte Unterhaltung geführt. Sie ging in erster Linie von der Maria Hahn aus. Ihr Begleiter dagegen fei sehr wortkarg gewesen imb habe ein scheues Wesen an den Tag gelegt. Sie Beschreibung, die der Kellner von ihm gibt, stellt diesen als einen Mann hin mit einem Alter von 28 bis 35 Jahren, etwa 1.70 Meter groß, untersetzte Figur, frisches Gesicht, hellblondes Haar nach rückwärts gescheitelt. Getragen habe er eine gesprenkelte Schildpatthornbrille und einen groben, anscheinend billigen Anzug. Ausgefallen sei ihm, daß nicht der Herr, sondern die Maria Hahn die Zeche bezahlt habe. Auch habe sich diese, bevor sie gegangen, eine Tafel Schokolade gekauft. Gegen 7.30 Uhr abends habe sich das Paar entfernt.
Um das gesamte Bild, wie es sich am 11. August dargestellt, zu rekonstruieren, hielten die leitenden Beamten der Mordkommission heute nachmittag einen Lokaltermin in der Stintermühle ab. Auf den einzelnen Terrassen wurden die Tische und die Stühle und die Gedeck« wieder so hergerichtet, wie sie am 11. August gestanden haben. Hinzugezagen wurden die seinerzeit in der Stintermühle beschäftigten Kellner sowie der Besitzer des Lokals und die Bekannten der Maria Hahn, ihre Freundin und deren Mutier Diese Hinzuziehung geschah auch, um die Glaubwürdigkeit der bisher gemachten Zeugenaussagen nachkontrollieren zu können. Die Kriminalbeamten nahmen an den einzelnen Tischen Platz und photographierten schließlich die ganze Anlage.
Zum Schluß des Lokaltermins kam es zu einem kleinen Zwischenfall Als die Kriminalpolizei nach Düsseldorf zurückkehren wollte, wurde sie von einem Landjäger aufgehalten, der aufgeregt berichtete, daß im Neandertal in der Nähe dèr Kalkwerke an einem Baum mit Kreide ein neuer Mord angezeigt sei. Die Beamten begaben sich sofort dahin, ließen den Platz absperren und sahen dann, wie an einem Baum mit Kreide zwei Kreuze roh und schnell hingoworfen waren mit der Bemerkung: 21. 11. 29. Neuer Mord im Aper Wald. Die Kriminalpolizei nahm die Sache nicht so ganz ernst wie der Landjäger, sondern ist der Ansicht, daß es sich bei dem Ganzen um einen groben Unfug handle, hervorgerufen durch die Psychose, die dürcht die sensationelle Behandlung in einem Teil der in- und ausländischen Presse allmählich das ganze In- und Ausland erfasse.
Die Keuche der Mörderbrlefe
Saarbrücken, 27. Nov. Bei verschiedenen Zeitungen des Saargebiets sind Briefe eingegangen, deren anonymer Verfasser sich als Düsseldorfer Mörder bezeichnet und erklärt, er habe seine Tätigkeit nach dem Saargebiet verlegt. Er warne davor, ihn zu verfolgen, da sonst einige Beamte das Schicksal seiner früheren Opser teilen könnten. Auch bei der Saarbrücker Polizei ist heute ein d<r<' artiger Brief eingegangen. \
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27. Nov. Die wegen des Semem
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sind gestern den Pächtereheleuten Hirsch und threL. Tochter, die früher in Kohlhöhe wohnten, gegenüber-« gestellt worden. Die Zeugen erkannten Lampel und» Schweninger als die Offiziere wieder, die danw^ den Köhler von Kohlhöhe mitgenommen hm» e«. Lampel und Schweninger gaben zu, den Köhlerr von Kohlhöhe nach Dittersdorf gebracht zu haben./ Wie Köhler nach Wackenau gekommen ist, bleibt >noch aufzuklären. Lampel und Schweninger bestrèlte« aber nach wie vor, daß die Abbeförderung des Köhler von Kohlhöhe den Zweck gehabt habe, ihn beiseite zu schaffen. Daß Köhler Spion war, konnte bisher nicht festgestellt werden, wohl aber steht fest, daß er wegen mehrerer Eigentumsdelikte mit Zuchthaus vorbestraft war und daß er zur zweiten Klasse des Soldatenstandes gehörte. Die Ermittelungen nehmen ihren Fortgang.
Zahnarzt Gutmann des Galtenmordes überführt.
Zu der Schwedler Gallenmordaffäre erfahren wir, daß am Mittwoch nachmittag die Setion der Leiche der Frau Gutmann ftaktgefunden hat. Es wurde einwandfrei feffgeffeUf, daß der Tod durch Erwürgen, das Bruch des Kehlkopfes zur Folge Halle, eingetreten ist. Dr. Gulmann wird zurzeit von dem zuständigen Amtsrichter vernommen, hat aber noch kein Geständnis abgelegt. Wie schon kurz milgeleilt," ist inzwischen der Haftbefehl gegen ihn erlassen worden. Durch den Sektionsbefund ist die Behauptung Gutmanns, seine Frau sei von der Leiter gestürzt und so zu Tode gekommen, zweifelsfrei widerlegt.
Infolge des unnatürlichen Todes seiner zweiten Frau find Gerüchte laut geworden, daß er auch an dem Tode feiner ersten Frau schuld gewesen fein soll Diese starb am 22. Dezember 1922. Neben der Leiche fand man damals eine Morphiumspritze. Die Frau soll Morphinistin gewesen sein, was aber erst im Anschluß an diesen Fund bekannt wurde. Der Verdacht gegen den Mann tauchte damals nicht auf, die Leiche wurde ohne weitere Untersuchung beerdigt. Oberstaatsanwalt Hardt, der zur Untersuchung aus Prenzlau nach Schwedt gekommen ist, hat die Exhumierung der Leiche für den kommenden Montag angeordnet.
Inzwischen hat sich noch weiteres Material gegen Gutmann ergeben. Er ist nicht nur stark verschuldet, sondern auch in Strafverfahren verwickelt, die auf Grund dieser Schulden entstanden sind. Die in Höhe von 50 000 Mark abgeschlossene Versicherung galt nicht nur für seine Frau allein, sondern auch für ihn und erstreckte sich auch auf Invalidität. Nach dem bisher vorliegenden Material scheint die erste Annahme sich zu bestätigen, daß die Frau umge- bracht worden, um unter Vortäuschung eines Unglücksfalles die hohe Versicherungssumme zu erlangen.
Dr. Richler begnadigt.
Die Begnadigung des vom Bonner Schwurgericht wogen Ermordung der Frau Mertens zum Tode verurteilten Binger Arztes Dr. Richter zu lebenslänglichem Zuchthaus ist, der „Vossischen Zeitung" zufolge nunmehr ausgesprochen worden. Dr. Richter wird in den nächsten Tagen in das Zuchthaus Rheinbach übergeführt werden, wo mich der zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigte Kölner Arzt Dr. Vröcher seine Strafe verbüßt.