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Donnerstag den 2S. November 1929

Nr. 279

einbüßen und den Charakter von Provinzen »nnehmen. Der Staatspräsident betonte, daß er auf der Länderkonferenz der differenzierenden Ge­samtlösung zugestimmt habe, weil aus einem ande­ren Wege der Prozeß der fortschreitenden Zentra­lisierung nicht aufzuhalten sei.

SveuMch-ihüvrttMche Beivseehttttse«

Berlin, 27. Nov. Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Zwischen der preußischen und der thüringischen Staatsregierung fanden heute vormittag im preußischen Staatsministerium in Berlin unter dem Vorsitz des preußischen Minister­präsidenten und in Anwesenheit der beteiligten preußischen und thüringischen Minister Verhand­lungen statt. Gegenstand der Verhandlungen bil­dete ein Meinungsaustausch über die Frage, w i e durch Bildung von Verwaltungsge- meinschaften eine Vereinfachung d er Staatsverwaltung unter besonderer Be­rücksichtigung von Ersparnismöglichkeiten herbei­geführt werden könne? Es wurde festge- stellt, daß es eine Reihe von Sachgebieten gibt, auf denen die Bildung solcher Verrvaltungsgemein- ichaften möglich ist, und daß es wünschenswert sei, in gemeinsamer Arbeit geeignete Pläne aufzu­stellen.

Die Verhandlungen sollen nunmehr in weite­ren Beratungen durch Beauftragte mit dem Ziel fortgeführt werden, den Regierungen gemeinsame nähere Vorschläge zur Beschlußfassung zu unter­breiten.

Gevev^ttg Mes öZe deMch- fssuzSMchZK Vez'ehttrrserr

Parrs, 28. Nov. Der Gjcelfior", der in Deutsch­land eine Enquete über die deutsch-französischen Beziehungen anstellen läßt, gibt heute eine Erklä­rung des Reichsministers Severing wieder, in der es heißt: Deutschland und Frankreich hätten unge­heuer viel gemeinsame Interessen. Wenn man eine Formel finde, die es ermögliche, zu einer Vsrstän- digung zu gelangen, ohne die Interessen und Rechte der beiden Länder zu schädigen, dann würde ein großer Schritt zur Erreichung des Weltfrie- dens getan sein. Eine deutsch-französische Annähe­rung würde nicht nur eine allgemeine Entspan­nung zur Folge haben, sondern indirekt auch zu Abschlüssen ähnlichen Ententen zwischen anderen Ländern beitragen. Die Verwirklichung des Bri- andschen Gedankens der Vereinigten Staaten von Europa werde an dem Tage nahe bevorstehen, an dem Deutschland und Frankreich die wirtschaftlich gute nachbarliche Entente verwirklichen, die er, Severing, aufrichtig wünsche. Auf alle Fälle glaube er, daß die Schaffung der Vereinig­ten Staaten von Europa nur möglich sei, nach Ab­schluß einer deutsch-französchen Verständigung.

Im übrigen erklärte Severing, daß die Mehrheit des deutschen Volkes der Ansicht sei, daß die Poli­tik Stresemanns nicht nur für die Wiederherstellung Deutschlands, sondern für die Sicherung des Friè? dens der Welt notwendig sei.

Zu den von Essen ausgehenden Belebungen auf Erlaß einer neuen Amnestie meldet 6er Demo­kratische Zeitungsdienst, in demokratischen Kreisen bestehe, ebenso wie bei anderen Parteien, keine Neigung, einer solchen Forderung stattzugebsn, da eine neue Amnestie nur ein Anreiz für politische Abenteurer sein könnte, in unruhigen Zeiten Straf­taten zu begehen, die in Zeiten der Beruhigung dann keine Ahndung finden würden.

Geliere Zuvahms des ÄVhMAoMkE

Berlin, 27. Nov. In der ersten Hälfte des pember ist die Zahl der Hauptunterstützungsemp- fânger in der Arbeitslosenversicherung wieder um 126 000 ode 14,2 vom Hundert gestiegen. Die Ge­samtzahl betrug am 15. November rund 1016 000, davon 808 000 Männer und 208 000 Frauen. Die

No-

Zunahme belieb sich bei den Männern auf 16,2 v. H., bei den Frauen auf 7 o. H. Auch die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenfür- forge ist in der gleichen Weise gestiegen und zwar um 6900 Personen oder 4 v. H. Auch hier war die Zunahme bei den Frauen geringer als bei den Männern. Dl« Gelamtzalst der Hauptunter­stützungsempfänger in der Krisenfürsorge betrug am 15. November rund 178 500.

Som Ssvwalizmssvai dev dsttLMstt KeWs^osi Erleichterungen im telephonischen Fernverkehr.

Bervn, 27. Nov. Der Reichspostminister führte in der heutigen Sitzung des Arbeitsausschusses des Verwaltungsrates der Deutschen Reichspost zur Fi­nanzlage u. a. aus, daß die Einnahmen in den ersten sieben Monaten des Rechnungsjahres 1929 hinter den Erwartungen zurückgeblieben feien; es fei aber möglich, daß in den verkehrsstarken Winter­monaten der Rückstand aufgeholt werden könne

Der Arbeitsausschuß nahm einige vorgeschlagene Aenderungen der Femsprechordnung an. Sie be­treffen hauptsächlich Verbesserungen im Fernverkehr. Bei dringenden Ferngesprächen kann der Anmelder künftig eine bestimmte, feste Zeit für die Herstellung der Verbindung vorschreiben. Die Höchstdauer der Ferngespräche wird von sechs auf 12 Minuten er­weitert. Für Tagungen, für die Uebertragungen von Reden usw. können Fernverbindungen auf eine Stunde und länger bereitgestellt werden. Eine Reihe von Erleichterungen ist für das Zustandekommen von Gesprächen vorgesehen, für die eine Person zu einer Sprechstelle herbeigerufen wird. Schließlich soll es ebenso wie im alten Reichspostgebiet künftig auch in Bayern und Württemberg zulässig sein, daß die Teilnehmer ihre Nebenstellenanlage durch die Privatindustrie herstellen lassen. Die Aenderungen treten am 1. Februar nächsten Jahres in Kraft.

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und d'e GewevAEaftetr

Plilarbett bei Internationalen wirkschoslssragen

Berlin, 27. Nov. Der neue Reichswirtschasts- Mnister Dr. Moldenhauer empfing heute die

Miederbesitm des Reichstags

Soserft «uv Aewe Soâss« - SoWMeKehVeu-Däaiie am Ssâas

Berlin, 27. Nov. Die erste Vollsitzung, mit Der der Reichstag heute seine Winterarbeit aufnahm, war gut besucht. In den Reihen der Kommunisten entdeckte man auch die älteste weibliche Abgeord­nete, Frau Klara Zetkin, die jahrelang durch ihren Aufenthalt in Moskau dem deutschen Parlament ferngehalten war.

Ohne Aussprache wurden zunächst der deutsch- persische Freundschafts- und Handelsvertrag, ein Zioilrechtsabkommen mit der Türkei und ein Freundschaftsvertrag mit dem Königreich Hedjas den zuständigen Ausschüssen überwiesen.

Das Opiumgesetz wurde in erster Beratung erledigt, die zweite soll später folgen. Die Aende­rung des bestehenden Gesetzes von 1912 ist erfor­derlich geworden, um die innere deutsche Gesetz­gebung mit den durch das Genfer Opiumabkom­men vom 19. Februar 1925 übernommenen inter­nationalen Verpflichtungen in Einklang zu brin­gen. Der neue Entwurf will die Möglichkeit schaf­fen, die ärztliche Verschreibungsweise der Betäu­bungsmittel zu regeln.

Ein Gesetzentwurf, der die Kontrollbestimmun­

eine

gen über die Ausfuhr deutscher Kunstwerke auf ein Jahr verlängert und kleine organisatorische Aende­rungen bringt, ging an den Rechtsausschuß. In der Aussprache wurde auch auf die Notlage der deutschen Künstler eingegangen. Allgemeine Zustimmung fand eine Entschließung des Zentrums, die eine Zu­sammenarbeit mit Oesterreich fordert, um den ge­samtdeutschen Kunstbesitz zu schützen.

Dem Wohnungs- und Siedlungsausschuß wur­den ein Gesetzentwurf über die Reichszuschüsse für Landarbeitersiedlungen und eine Vorlage über die Bergmannssiedlungen überwiesen. Zu beiden Vor­lagen nahm auch Reichsarbeitsminister Wissell das Wort. Er rotes darauf hin, daß feit 1921 über 55 000 Landarbeiterwohnungen mit einem Kostenaufwand von 160 Millio­nen Reichsmark errichtet worden sind. Das Gesetz über die Bergmannssiedlungsn wolle die be­stehende Rechtsunsicherheit beseitigen und feststellen, daß die aus den Mitteln der Kohlenabgabe unter Reichs,zuschuß errichteten Bergmannswohnungen ein Eigentum der Volksgesamtheit sind. Ein Gesetz­entwurf über Aufwertung der Entschädigungen, die auf Grund der Einrichtung des Branntwein­monopols zu zahlen sind, ging an den Steuer­ausschuß.

Zur Beratung kam schließlich noch ein t om = mustischer Antrag, der Weihnachts- beihilfen von 30 Mark fürr die Er -

r die E r -

werbslosen, Sozial- und Kleinrent­ner sowie alle Fürsorge berechtigten verlangt. Unter dem Lärm der Kommunisten wandte sich Reichsarbeitsminister Wissell gegen diesen Antrag, der für die einzelnen Beteiligten einen verhältnismäßig kleinen Betrag ergeben, aber dis Reichskasse mit 170180 Millionen Kosten be­lasten würden. Viel zweckmäßiger als solche ein-

vsr tot!® uns Kleinrentner. diesem Sinne wolle die Reichsregierung weiter arbeiten. Der kommunistische Antrag wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt.

Für Donnerstag ist nur eine kurze Satzung ge­plant, die um 2 Uhr beginnen soll.

Vertreter der drei gewerkschaftlichen Spitzenver­bände, der freien Gewerkschaften, der christlichen Gewerkschaften und des Eewerkschaftsringes.

Der Ministerchetonte, daß er auf die vertrauens­volle Zusamme.iarbeit mit den Gewerkschaften gro­ßen Wert lege, da sein Ministerium nicht etwa ein Ministerium für die Arbeitgeber sei, sondern ein Ministerium für die gesamte Wirtschast, und zur Wirtschaft gehörten ebenso wie andere Gruppen auch die Arbeitnehmer.

Die Wortführer der freien Gewerkschaften, Eggert und Graßmann, wiesen den Minister insbesondere auf die neuerliche Verschärfung der Arbeitsmarktlags hin und stellten die Aufgabe, durch wirtschaftspolitische Maßnahmen den Arbeitsmarkt zu entlasten, in den Mittelpunkt ihrer Ausführun­gen. Für die christlichen Gewerkschaften beklagte Baltrusch, daß in letzter Zeit die Gewerkschaften bei der Vertretung auf internationalen Wirtschafts- und Reparationskonferenzen zurückgesetzt worden seien. Alle diese Fragen, die dort verhandelt wurden seien für die deutschen Gewerkschaften und die deut­sche Arbeitnehmerschaft von allergrößter Bedeutung. Lemmer vom Gewerkschaftsring bat den Minister um stärkere Mitwirkung der gewerkschaftlichen Spitzenverbände bei der Vorbereitung und Durch­führung der Handelsvertragsverhandlungen. Das gelte besonders auch für die beabsichtigte Verlänge­rung des Zolltarifgesetzes.

Der Minister nahm zu all den angeregten Fra­gen eingehend Stellung und stellte in Aussicht, sich im übrigen laufend. und rechtzeitig mit den Ge­werkschaften über die Erledigung auszusprechen.

Dov Zukammontvitt

dos EtssessseWisboks

Berlin, 27. Nov. Wie wir erfahren, ist damit zu rechnen, daß der Staatsgerichtshof zu der Verhand­lung über die Klage der deutschnationalen Landtags- frakrion gegen den preußischen Staat wegen der Stellung der Beamten zum Volksbegehren am 6. oder 9. Dezember zusammentreten wird.

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Koblenz, 27. Nov. Mit Ermächtigung des preu­ßischen Staatsminifteriums hat Der Minister des Innern dem Vizepräsidenten beim Oberpräsidium, von Sybel, die zunächst kommisjarische Verwaltung der Regierungsprästden- tenfteUe in Koblenz übertragen und ist mit dem Pro­vinzialausschuß der Rheinprovinz wegen des Ein­vernehmens über die endgültige Ernennung in Ver­bindung getreten.

Vizepräsident von Sybel wurde 1883 In Gum­mersbach als Sohn des damaligen dortigen Land­rats geboren. Nach einer Rejerendarzest »ei rheini-

Aerchsias rmdFveWMsssisÄ*

Berlin, 27. Nov. Wie im Reichstag verlautet, soll die parlamentarische Behandlung des Entwur­fes für das Freiheitsgesetz am Freitag beginnen, so daß also auch die morgigen Beratungen des Reichstages noch ebenso wie heute durch kleine Vorlagen ausgefüllt werden. Es ist anzunehmen, daß der Reichskanzler oder was wahrschein­licher ist der Reichsinnenminister die Haltung der Regierung zu dem Gesetzentwurf kurz präzi- siert. Die Regierungsparteien tragen sich mit der Absicht, ihre ablehnende Stellungnahme gegen den Gesetzentwurf in einer gemeinsamen Erklärung zum Ausdruck zu bringen. Darüber hinaus werden aber voraussichtlich die Redner der Fraktionen ihre Ansichten zu den Einzelfragen vortragsn. In par­lamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß die zweite Lesung, die über den Gesetzentwurf bereits entscheiden dürfte, unter Umständen noch am Frei­tag stattfinden kann, zumal die rheinischen Abge­ordneten das Bedürfnis haben, rechtzeitig zu den Befreiungsfeiern in der zweiten Zone abzureisen.

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Protesterflärung des Reichsausschusses das Volksbegehren gegen den 22. Dezember als Absiimmungskermin

B erlin, 27. Nov. Das Präsidium des Reichs­ausschusses für das deutsche Volksbegehren erlaßt eine Erklärung, in der gegen die Absicht der Reichs­regierung. den Volksentscheid über das Freiheits- gefeö auf den 22. Dezember zu legen, schärfster Ein­spruch erhoben wird.

Es sei bisher Brauch gewesen, die Llüvents- und Weihnachtszeit von Wahl- und polittfchen Kämpfen freizuhalten. Durch die Festsetzung des Volks­entscheides auf den Goldenen Sonntag werde auch die deutsche Geschäftswelt empfindlich geschädigt. Eine Freigabe des zweiten Adventssonntages für den Verkauf würde diese Schädigung nicht beseitigen und nur für die gesamte Angestelltenschaft die unnötige Einbuße eines wohloerdienten Ruhetages bedeuten.

Außenpolitische Gründe seien umso weniger an­gängig, als die Verschleppung der Verhandlungen durch unsere außenpolitischen Gegner die Beratung des Poung-Planes im Reichstag Ende Januar unmöglich mache. Die Festlegung des Volksentschei­des auf den Goldenen oder den Silbernen Aoents- fonntag würde dem Sinn der Verfassung wider­

oder Ruhetag vorschreibe. In der Erklärung wird verlangt, daß der Volksentscheid auf einen Sonntag nach dem 15. Januar festgesetzt wird.

chen Justiz, und Verwaltungsbehörden bestand er 1908 das Regierungsassessorexamen, war später mehrere Jahre staatlicher Polizeiverwalter in Wil­helmshaven und Landrat in Dillenburg (Hessen- Nassau), kurze Zeit Verwaltungsgerichtsdirektor in Aurich, um seit 1921 in seiner" Heimätprovinz am Koblenzer Oberpräsidium tätig zu sein, zunächst als Ober iegierungsrat und seit fünf Jahren als Vize­präsident. Herr von Sybel stammt aus einer rhei­nischen Familie. Sein Urgroßvater war Geheimer Regierungsrat bei der Regierung in Düsseldorf, sein Großvater der Geschichtsschreiber und Politiker Heinrich von Sybel. Der neue Regierungspräsident gehört der Deutschen Volkspartei an und ist Mitglied des Wahlkreisvorstands Koblenz-Trier. Mit ihm tritt an die Spitze der Verwaltung des Be­zirks ein Mann von vornehmster Gesinnung, großer Kenntnis der Verhältnisse und liebenswürdigem Wesen.

in

Nachfolger des Herrn von Sybel als Vizepräsident ist der sozialdemokratische Landrat Dr. Guske Merseburg.

SMita'ii läßt M in Wiesbaden niedre

Der stellvertretende Außenkommissar Karachan hatte lautGermania" in Wiesbaden eine längere Unterredung mit dem Außenkommissar Tschitsche­rin. Der Auslandsurlaub Tschitscherins wird vor­läufig auf unbestimmte Zeit verlängert werden. Tschitscherin wird noch mindestens ein Jahr im Ausland bleiben. Er hat Wiesbaden zu seinem ständigen Wohnsitz im Ausland gewählt.

Die «Hchfts OSWsVbtMM- tSSAttS in London?

Paris, 28. Nov. Der Matin " glaubt, wissen, daß neuerdings der Vorschlag gemacht die drei im Januar stattfinden Konferenzen,

zu «ft, die

zweit« Haager Konferenz, die Seeabrllstungs- konserenz und die Völkerbunvstagung dadurch zu er­möglichen, daß man in London selbst die Bölker- bundsrattagung abhält u. zwar nahe an dem Termin der Abrüstungskonferenz. Wenn es notwendig wird, könnten dann die beiden Konferenzen parallel neben­einander laufen und zwar so, daß die eine vor­mittags, die andere nachmittags ihre Beratung ab­hält.

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Ein Lokaltermin in der Stinkermühle

Düsseldorf, 27. Nov. Der Ausflug, den die 20jährige Hausangestellte Maria Hahn von Düssel­dorf aus gm Vrrjajsungstag nach dem Ausflugs­

total Stinkermühle zwischen Gerresheim und Erd rach gemacht hat, bildet nach wie vor einen we­sentlichen Ausgangspunkt der polizeilichen Ermitt- lungsn. Jetzt hat sich auch der Kellner, der die Maria Hahn und ihren Mörder bediente, als Zeuge gemeldet. Nach feinen Bekundungen hat bas Paar keine sehr lebhafte Unterhaltung geführt. Sie ging in erster Linie von der Maria Hahn aus. Ihr Begleiter dagegen fei sehr wortkarg gewesen imb habe ein scheues Wesen an den Tag gelegt. Sie Beschreibung, die der Kellner von ihm gibt, stellt diesen als einen Mann hin mit einem Alter von 28 bis 35 Jahren, etwa 1.70 Meter groß, unter­setzte Figur, frisches Gesicht, hellblondes Haar nach rückwärts gescheitelt. Getragen habe er eine ge­sprenkelte Schildpatthornbrille und einen groben, anscheinend billigen Anzug. Ausgefallen sei ihm, daß nicht der Herr, sondern die Maria Hahn die Zeche bezahlt habe. Auch habe sich diese, bevor sie gegangen, eine Tafel Schokolade gekauft. Gegen 7.30 Uhr abends habe sich das Paar entfernt.

Um das gesamte Bild, wie es sich am 11. August dargestellt, zu rekonstruieren, hielten die leitenden Beamten der Mordkommission heute nachmittag einen Lokaltermin in der Stintermühle ab. Auf den einzelnen Terrassen wurden die Tische und die Stühle und die Gedeck« wieder so hergerichtet, wie sie am 11. August gestanden haben. Hinzugezagen wurden die seinerzeit in der Stintermühle beschäf­tigten Kellner sowie der Besitzer des Lokals und die Bekannten der Maria Hahn, ihre Freundin und deren Mutier Diese Hinzuziehung geschah auch, um die Glaubwürdigkeit der bisher gemach­ten Zeugenaussagen nachkontrollieren zu können. Die Kriminalbeamten nahmen an den einzelnen Tischen Platz und photographierten schließlich die ganze Anlage.

Zum Schluß des Lokaltermins kam es zu einem kleinen Zwischenfall Als die Kriminalpoli­zei nach Düsseldorf zurückkehren wollte, wurde sie von einem Landjäger aufgehalten, der aufgeregt berichtete, daß im Neandertal in der Nähe dèr Kalkwerke an einem Baum mit Kreide ein neuer Mord angezeigt sei. Die Beamten begaben sich so­fort dahin, ließen den Platz absperren und sahen dann, wie an einem Baum mit Kreide zwei Kreuze roh und schnell hingoworfen waren mit der Be­merkung: 21. 11. 29. Neuer Mord im Aper Wald. Die Kriminalpolizei nahm die Sache nicht so ganz ernst wie der Landjäger, sondern ist der Ansicht, daß es sich bei dem Ganzen um einen groben Un­fug handle, hervorgerufen durch die Psychose, die dürcht die sensationelle Behandlung in einem Teil der in- und ausländischen Presse allmählich das ganze In- und Ausland erfasse.

Die Keuche der Mörderbrlefe

Saarbrücken, 27. Nov. Bei verschiedenen Zei­tungen des Saargebiets sind Briefe eingegangen, deren anonymer Verfasser sich als Düsseldorfer Mörder bezeichnet und erklärt, er habe seine Tä­tigkeit nach dem Saargebiet verlegt. Er warne da­vor, ihn zu verfolgen, da sonst einige Beamte das Schicksal seiner früheren Opser teilen könnten. Auch bei der Saarbrücker Polizei ist heute ein d<r<' artiger Brief eingegangen. \

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27. Nov. Die wegen des Semem

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sind gestern den Pächtereheleuten Hirsch und threL. Tochter, die früher in Kohlhöhe wohnten, gegenüber-« gestellt worden. Die Zeugen erkannten Lampel und» Schweninger als die Offiziere wieder, die danw^ den Köhler von Kohlhöhe mitgenommen hm» e«. Lampel und Schweninger gaben zu, den Köhlerr von Kohlhöhe nach Dittersdorf gebracht zu haben./ Wie Köhler nach Wackenau gekommen ist, bleibt >noch aufzuklären. Lampel und Schweninger bestrèlte« aber nach wie vor, daß die Abbeförderung des Köhler von Kohlhöhe den Zweck gehabt habe, ihn beiseite zu schaffen. Daß Köhler Spion war, konnte bisher nicht festgestellt werden, wohl aber steht fest, daß er wegen mehrerer Eigentumsdelikte mit Zuchthaus vorbestraft war und daß er zur zweiten Klasse des Soldatenstandes gehörte. Die Ermittelun­gen nehmen ihren Fortgang.

Zahnarzt Gutmann des Galtenmordes überführt.

Zu der Schwedler Gallenmordaffäre erfahren wir, daß am Mittwoch nachmittag die Setion der Leiche der Frau Gutmann ftaktgefunden hat. Es wurde einwandfrei feffgeffeUf, daß der Tod durch Erwürgen, das Bruch des Kehlkopfes zur Folge Halle, eingetreten ist. Dr. Gulmann wird zurzeit von dem zuständigen Amtsrichter vernommen, hat aber noch kein Geständnis abgelegt. Wie schon kurz mil­geleilt," ist inzwischen der Haftbefehl gegen ihn er­lassen worden. Durch den Sektionsbefund ist die Be­hauptung Gutmanns, seine Frau sei von der Leiter gestürzt und so zu Tode gekommen, zweifelsfrei widerlegt.

Infolge des unnatürlichen Todes seiner zweiten Frau find Gerüchte laut geworden, daß er auch an dem Tode feiner ersten Frau schuld gewesen fein soll Diese starb am 22. Dezember 1922. Neben der Leiche fand man damals eine Morphiumspritze. Die Frau soll Morphinistin gewesen sein, was aber erst im Anschluß an diesen Fund bekannt wurde. Der Verdacht gegen den Mann tauchte damals nicht auf, die Leiche wurde ohne weitere Untersuchung be­erdigt. Oberstaatsanwalt Hardt, der zur Unter­suchung aus Prenzlau nach Schwedt gekommen ist, hat die Exhumierung der Leiche für den kommen­den Montag angeordnet.

Inzwischen hat sich noch weiteres Material gegen Gutmann ergeben. Er ist nicht nur stark verschuldet, sondern auch in Strafverfahren verwickelt, die auf Grund dieser Schulden entstanden sind. Die in Höhe von 50 000 Mark abgeschlossene Versicherung galt nicht nur für seine Frau allein, sondern auch für ihn und erstreckte sich auch auf Invalidität. Nach dem bisher vorliegenden Material scheint die erste Annahme sich zu bestätigen, daß die Frau umge- bracht worden, um unter Vortäuschung eines Un­glücksfalles die hohe Versicherungssumme zu er­langen.

Dr. Richler begnadigt.

Die Begnadigung des vom Bonner Schwur­gericht wogen Ermordung der Frau Mertens zum Tode verurteilten Binger Arztes Dr. Richter zu lebenslänglichem Zuchthaus ist, derVossischen Zeitung" zufolge nunmehr ausgesprochen worden. Dr. Richter wird in den nächsten Tagen in das Zuchthaus Rheinbach übergeführt werden, wo mich der zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigte Kölner Arzt Dr. Vröcher seine Strafe verbüßt.