Nr. 276 , Montag den 25. November 1929 ____________________________________________ Selke ?
HÄNDEL UND WIRTSCHAFT
Gieisendev Umsatz bsi dev ÄavventndUttvie
J>( Die diesjährige Herbsttagung des Auffichts- xtes der I. G. Farbenindustrie fand am Samstag i, Leverkusen statt. In der Sitzung wurde nach iem Kommunique mitgeteilt, daß die abgelaufenen MN Monate wiederum eine Steigerung des Ge- Smtumfatzes gegenüber dem Vorjahre ergeben iben. Die Folgen der durchweg gegenüber 1928 abgeflauten Weltkonjunktur hätten somit durch die Mahnung neuer Geschäfte mehr als ausgeglichen Wtden können. Ueber die einzelnen Absatzgebiete soll die Öffentlichkeit' neuerdings vierteljährlich Mierrichtet werden. Der Bericht über das dritte Vierteljahr wurde Ende Oktober herausgegeben. Lie Belegschaft der Gesellschaft habe seit Beginn der großen Ausbauperiode, die nach dem Zusammenschluß der einzelnen Werke zur I. ®. Farbenindustrie einsetzte, eine erhebliche Vermehrung erfahren. Es habe von vornherein fest- gestanden, daß es sich hierbei zum Teil um ein »orübergehendes Anwachsen handeln konnte, so daß nach Beendigung des vorgesehenen Programms eine Verringerung habe Platz greifen müssen. Dies M während der Vevichtsperiooe geschehen, wobei soziale Gesichtspunkte weitestgehend Berücksichtigung gefunden hätte. Auch heute sei jedoch die Zahl der Werkangehörigen immer noch um rund 15000 Arbeiter und Angestellte höher als zur Zeit der Fusion.
Nach jahrelangen Verhandlungen habe man sich Aer die Hauptpunkte in den Weltbeziehungen zwischen der St a n d a r d Oil Company o f RewAersey und I. G. Farbenindu strie auf den folgenden Grundlinien geeinigt:
Die Patente der 3. G. Farbenindustrie und der Standard Oil Co. für die Hydrierung von Kohle und Oel werden für die gesamte Welt mit Aus- mhme von Deutschland durch eine Gesellschaft übernommen, die sich im gemeinsamen Besitz beider Parteien befindet. Die Standard Oil Company in Ney Jersey wird die Geschäftsführung dieser Gesellschaft übernehmen.
Eine Sondervereinbarunq für das von der J. G. Farbenindustrie hergestellte Benzin ist für den deut
schen Markt vorgesehen unter Bedingungen, die die Interessen der I. ®. Farbenindustrie wahren.
Durch die bestehende enge Zusammenarbeit beider Parteien wird die Untersuchung und Entwicklung neuer Produkte und Verfahren erweitert und sichergestellt.
Die Bedeutung der vorstehend erwähnten Vereinbarungen liege darin, daß der J. G Farbenindustrie A.-G. für Deutschland eine Vorzugsstellung nebst finanziellen Vorteilen eingeräumt werde, während für den Rest der Welt die Verfahren der I. G. Farbenindustrie auf dem Hydrierungsgebiet in Zusammenarbeit mit den Oel- interessenten wirtschaftlich weiter entwickelt werden könnten.
Die Finanzlage der Gesellschaft sei befriedigend. Die Bankverpftichtungen, welche Ende 1928 82 Mill. RM betrugen, hätten sich auf 38 Mill. RM ermäßigt, denen rund 120 Mill. RM Bankguthaben gegenüberständeni Soweit die Gewinne des laufenden Jahres vorliegen, dürfe unter dem üblichen Vorbehalt mit derselben Dividende wie im Vorjahre gerechnet werden.
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X Aus Antwerpen wird uns gekabelt: Die Diamantindustriellen in Nylen, wo ca. 5000 Diamantarbeiter beschäftigt werden, haben sich einstimmig entschlossen, ihre Schleifereien zu schließen. Der Entschluß wird aber erst durchgeführt werden, nachdem in den anderen Zentren eine ähnliche Maßnahme angeordnet werden wird. Nächste Woche findet eine Konferenz zwischen den belgischen und Amsterdamer Industriellen bezüglich dieser Angelegenheit statt. Ein Diamanthändler in Antwerpen hat seine Zahlungen eingestellt. Das Defizit wird auf 50 000 hfl. geschätzt. Die Geschädigten sind ausschließlich kleinere Händler. Der Vorstand des Weltbundes der Diamantarbeiter hat erneut beschlossen, seinen Mitgliedern zu untersagen, in Südafrika Arbeit aufzunehmen. Der Grund zu diesem Entschluß ist darin zu suchen, daß man die Arbeiter dazu zwingt, heimische
Kräfte auszubilden. Außerdem sei der gebotene Lohn nicht asreichend. So wurden in der Pfalz deutsche Arbeitskräfte zu einem Wochenlohn von 100 RM geworben, was für Afrika entschieden zu niedrig sei.
SchlachtviehmavVt
Vorbericht
X Frankfurt a. M., 25. Nov. Auftrieb: 1653 Rinder, darunter 347 Ochsen, 97 Bullen, 706 Kühe, 455 Färsen; ferner 438 Kälber 83 Schafe, 4722 Schweine. Preise: Ochsen: al( 57—61, a2) 53—56, b) 48—52. Bullen a) 56—59, b) 50—55. Kühe a) 47—51, b) 43—46, c) 36—42, d) 28—35. Färsen a) 57—61, b) 53—56, c) 48—52. Kälber b) 80—83, c) 75—79, d) 66—74. Schweine: b) 82—85, c) 82 bis 86, d) 82—85, e) 78—81. Marktverlauf: Alles ruhig, Ueberstand.
X Amkicher Großhandelsindex. Der auf den 19. November berechnete Großhandelsindex des Statistischen Reichsamtes ist mit 135,3 gegen die Vorwoche unverändert. Ein Rückgang des Index für Agrarstoffe und Kolonialwaren wurde durch e.ine Erhöhung des Index für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ausgeglichen.
X Die Reichseinnahmen an Steuern und Zöllen im Oktober 1929. Die Einnahmen des Reiches (in Millionen RM) an Besitz- und Der kshrssteuern betragen im Oktober 1929 805,8, an Zöllen und Verbrauchsabgaben 229,6 und im ganzen 1035,4. Für die 3« vom 1. April 1929 bis 31. Oktober 1929 stellen sich die entsprechenden Summen auf 3907,2 bzw. 1673,5, insgesamt also auf 5580,7. Wegen der im Oktober fälligen Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftssteuer ist ein Vergleich mit dem Septemberaufkommen, bei welchem keine Vorauszahlungen erfolgten, nicht möglich.
X Zahlungseinstellung der Bankfirma Fiorino & Sichel, Kassel. Wie aus Kassel gemeldet wird, hat die im Jahre 1885 gegründete Bankfirma Fiorino & Sichel ihre Zahlungen eingestellt und die Er
öffnung des Vergleichsverfahrens beantragt. Mit- teilungen über den Status liegen z. Zt. noch nicht vor. Die Firma zählt zu den größten Kasseler Pri- oatbankgeschästen. Die Schwierigkeiten haben chren inneren Grund in der Vertrauenskrise, welche durch die Begleitumstände des Zusammenbruchs der Firma Andrè & Herzog in Kassel hervorgerufen worden ist. In den letzten Tagen' haben die Nachrichten über Zusammenbrüche von Bankgeschäften und anderen deutschen Plätzen dazu beigetragen, daß bei der jetzt zahlungsunfähig gewordenen Kasseler Firma ein Run stattgefunden hat, dem sie nicht gewachsen war. Die geschäftlichen Beziehungen sind weit verzweigt. Ob die Kasseler Bankvereinigung sich zu einer Stützungsaktion bereitfinden wttd, läßt sich noch nicht beurteilen. — Am Sonntag hatte die Kasseler Bankenvereinigung eine Besprechung wegen der Zahlungseinstellung des Bankhauses Fiorino & Sichel. Die von ihr eingesetzte Revisionskommission hatte am Samstag und Sonntag bis in die späten Abendstunden hinein gearbeitet, um den Status fertigzustellen, der nun einen genauen Ueberblick über die finanziellen Verhältnisse des Bankhauses Fiorâno & Sichel gestattet Wie man hört, ist eine Stützungsaktion mit dem Ziele der Aufrechterhaltung der Selbständigkeit des Bankhauses Fiorino & Sichel nicht möglich. Es wird jedoch ein Zahlungsaufschub mit dem Ziel eines gerichtlichen Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurses in die Wege geleitet werden, um auf diese Weise eine stille Liquidation durchführen zu können, und zwar unter Finanzhilfe der Kasseler Bankenvereinigung und besonders der in Kassel vertretenen Berliner D-Banken Außerdem soll durch die Kasseler Bankenvereinigung Vorsorge getroffen werden, um Störungen des Raffe« ler Wirtschaftslebens durch diesen zweiten Bankenzusammenbruch innerftalb eines Monats nach Möglichkeit zu verhüten.
NeranNvonN» nii Verlag an» Dauter«: Paul *o4; iw Den rebatnonetlCT Gesamimhali: Richard Hultsch Kr «nxtigtit und Reklamen: zr. SirdenhLhner alle in Hanan. Rotationsdruck der Watiendauckbuchdrackere: Hanau. zemspreSanIchlu» in. -TO56. 5057 3958. — Postscheck Trantfuri a. M. Hr 76659. Bankkonto «Stckndiiche s -ibban- Sono«
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im 73. Lebensjahre, Sonntag abend sanit entschlief.
Hanau (Spessartstr. 15) Basel, Mailand den 24. November 1929
Die tieftrauernden Hinterbliebenen: M. Straus und Frau H. Heim und Frau $rieh Straus Marcel Heim.
Die Beerdigung findet Dienstag den 26. November, nachmittags 3 Uhr, vom Fraueihause, Spessartsti. 15, aus statt. £348: