Nr. 273 Donnerstag den 21. November 1929 Seite 11
HANDEL UND WIRTSCHAFT
Nev Aukeuhandel bleibt aktiv
weitere Ausfuhrstelgerung
X Ein- und Ausfuhr sind im Okto- b<r gegen den Vormonat gestiegen, 1inh zwar hat im reinen Warenverkehr die Ein- (1106,7 Millionen Mark) um 68,3 Millionen 'Kart die Ausfuhr einschkießlich der Reparat-ions- lathieferungen (1253,9 Millionen Mark) um 49,5 Mionen Mark zugenommen. Der Anteil der Riparationssachlieferungen an der Ausfuhr beträgt im Oktober 89 Millionen Mark gegen 68 Millionen Mark im September. Der Ausfuhrüberschuß im Oktober beläuft sich auf 147 Millionen Mark (September 166 Millionen Mark).
Auf der Seite der Einfuhr weisen alle Warengruppen gegen den Vormonat eine Zunahme auf. Die bedeutendste Steigerung zeigt die Gruppe Rohstoff« und halbfertige Waren mit 53,5 Millionen Mark: an dieser Steigerung sind in erster Linie Textilrohstoffe (außer Wolle) beteiligä, insbesondere Baumwolle mit einer Zunahme von 38,7 Millionen Mark. Die Erhöhung der Einfuhr von Fertig- warm gegen den Vormonat um 9,5 Millionen Mark entfällt vorwiegend auf Kraftfahrzeuge sowie Wollgarne und andre Textilfertigwaren. Geringer ist die Zunahme der Einfuhr von Lebensmitteln (+ 3,8 Millionen Mark). Hier steht einer grkeren Abnahme der Einfuhr von Gerste (— 15 illionen Mark) eine vermehrte Einfuhr, ins« besondere von Südfrüchten, Schmalz und Fischen (insgesamt + 17,3 Millionen Mark), gegenüber.
Die Zunahme der Ausfuhr ist in erster Linie eine Folge des um 43,8 Millionen Mark höheren Auslandsabsatzes von Fertigwaren. Namentlich die Ausfuhr von elektrotechnischen Erzeugnissen, Eismwaren, Maschinen, Leder, Röhren und Walzen sowie Kinderspielzeug hat gegenüber dem Vormonat zugenommen. Die Ausfuhr von Textilfertigwaren (z. B. Kleidung, Wäsche, Baumwoll- und Teidengewebe, Filzhüte) zeigt gegen den September einen Rückgang. Die Zunahme der Ausfuhr von Lebensmitteln um 16,7 Millionen Mark beruht vorwiegend auf einer vermehrten Ausfuhr von »flanzlichen Oelen und Fetten sowie Hafer und Roggen.
Die Ausfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren hat dagegen im Oktober abgenommen. Der ■BBjWtAWMMWtMW'CTfflHMH'f^^
Rückgang um 10,4 Millionen Mark ist insbefon-1 schreibungen von RM 180 000 (115 000) ermäßigt dere auf die verminderte Ausfuhr von Steinkohlen sich der Verlustvortrag auf RM 640 121 (768 930). (— 7,9 Millionen Mark) sowie chemischen Roh-1 In der Bllanz stehen Forderungen an Konzernstoffen und Halbfabrikaten (— 4,5 Millionen Mark) werke mit 0,72 (0,44) Mill., andererseits Schulden zuruckzufuhren. bei Konzernwerken mit 1,36 (1,22) Mill.
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X Hannover, 19. Roo. Die jetzt vorliegenden Bilanzen der Gewerkschaften des Einigkeit-Kalikonzerns, deren Kuxe vor einiger Zeit an der Essener und Düsseldorfer Börse im Vordergrund des Interesses standen und erhebliche Kurssteigerungen (letzte Kurse ca. RM 12 000 pro Kux) er- zielen konnten, schließen auch 1928 mit erheblichen, allerdings verminderten Verlusten ab. Durch den er 'elten Mehrabsatz seien nach dem Bericht des Vorstandes auch die Einnahmen aus den verkauften Lieferungsanteilen entsprechend gestiegen, jedoch ständen diesen Mehreinnahmen außerordentliche Ausgaben gegenüber, die für Ablösung langfristiger Verträge aufgewendet werden mußten, die von der früheren Verwaltung abgeschlossen wurden. Die Verhandlungen mit den Grundbesitzern wegen Leistungen aus den Kalioerträgen für die Zeit der Stillegung der Werke waren teilweise sehr schwierig, und die Verwaltung mußte, um langwierige und kostspielige Prozesse zu vermeiden, erhebliche Zugeständnisse machen. Diese Beträge erscheinen aber erst in der Bilanz für das lausende Jahr 1929. Die schwebenden Prozesse mit der früheren Verwaltung sind im Berichtsjahr durch Vergleiche aus der Welt geschafft worden. Ueber die Höhe der zur Verteilung kommenden Ausbeute, die bekanntlich aus eingezahlten Zubußen geleistet werden soll, sind im Geschäftsbericht keine Angaben gemacht. Die Bilanz der Bergwerksgesellschaft Einigkeit G. m. b. H. weist Mehreinnahmen gegenüber den Ausgaben in Höhe von RM 314 494 (166 568) aus. Nach Abschreibungen von RM 246 000 (160 000) ermäßigt sich der Verlustvortrag auf 2146 243 (2 214 737). In der Bilanz stehen Beteiligungen uno. mit 1,65 Mill.: Forderungen an Konzernwerke stiegen auf 2,07 (1,16) Mill., andererseits die Schulden bei Konzernwerken auf 4,97 (4,13) Mfll. Die Bergwerksgesellschaft Siegfried Vogelbeck erzielte Mehreinnahmen gegenüber den Ausgaben von RM 308 809 (115 071). Nach Ab-
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Vorbericht
X Frankfurt a. 2IL, 21. Nov. Auftrieb: Kälber: 839, Schafe: 754, Schweine: 307. — Preise: Kälber: b) 82—85, c) 77—81, d) 68—76. Schafe: a) 45—47, b) 39—44, c) 30—88. Schweine: b, c und b) 84—87, e) 81—83 — Marktverlauf: Kälber, Schafe und Schweine ruhig, ausoerkauft.
X Ermäßigung des Diskonts einer Federal Reserve Bank in Amerika. Die Federal Reserve Bank of Boston ermäßigte ihre Rediskontrate von 5 auf 4% Prozent.
X Gläubigerversammlung Mehlgroßhandlung Jakob Dreyfuß, Frankfurt a. M. Der Versammlung lag ein Vorschlag der Banken vor, nach dem die 14 an der Insolvenz Jakob Dreyfuß mit einer Forderung von ca. 3,6 Mill. RM ausschließlich der gedeckten Kreditoren von 2,60 Mill. RM beteiligten Banken und Bankfirmen 10 Prozent von der anderen Großgläubigergrupppe, den Mühlen, garantiert erhalten sollen unter Verzicht auf weitere Ansprüche an die Masse. Eine bindende Annahme dieses Vorschlags durch die Mühlengruppe soll nach den gestrigen Beschlüssen bis 3. Dezember erfolgen, sofern es bis dahin gelungen ist, mit den anderen kleineren Gläubigergruppen zu einer Einigung zu gelangen. Eine auf den 6. Dezember einzubefru- fende neue Gläubigerversammlung wird endgültig zu entscheiden haben. Den Beschlüssen ging eine erregte Debatte voraus. Von Bankenseite wurde darauf hingewiesen, daß eine Einigung zwischen der Mühlengruppe und den Kleingläubigern deshalb leicht fallen sollte, weil zwischen beiden Gruppen eine starke Branchenverwandtschaft bestände; die Mühlengruppe erwiderte, daß die Art der Geschäfte von Jakob Dreyfuß der Banktätigkeit näher gestanden habe. Die Vertagung sei vor allem des
halb notwendig, um nicht von den Kleingläubigem unter Druck gesetzt zu werden, wenn man den Banken ihre Forderungen abkause.
X 300 Mill. Absatz bei Karstadt. In dem neuen amerikanischen Prospekt her Rudolph Karstadt A.-G., der aus Anlaß .er dieser Tage erfolgten Einführung der „American Shares" und der Dollarbonds der Gesellschaft an der Newyorker Stock Exchange veröffentlicht worden ist, wird mit« geteilt, daß der Nettoabsatz der Gesellschaft ohne Berücksichtigung der ihr gehörenden Einheitspreisgeschäfte in dem am 31. Januar 1929 beendeten Geschäftsjahr 70^ Mill. Doll. 296,1 Mill. RM) betrug. Davon entfielen 60,6 Mill. Dollar (254,5 Mill. RM) auf den Detailverkauf und die restlichen 9,9 Mill. Dollar (41,6 Mill. RM) auf Großhandels- und Exportgeschäfte. Ueber 95 Prozent der Detarlverkäufe sind gegen Kasse getätigt worden. Der Prospekt erwähnt ferner, daß die Karstadt A.-G. in Deutschland gemeinsam mit ihren Tochtergesellschaften die bedeutendste Kette von Warenhäusern und Einheitspreisgeschäften unterhält. Die Gesellschaft besitzt gegenwärtig 77 Warenhäuser, 26 Einheitspreisgeschäft«, 15 Fabriken und eine Großhandels- und ©Sportorganisation. In Hamburg befinden sich sechs Warenhäuser, in Bremen vier, in Lübeck drei und in Dreaunschweig und Recklinghausen je zwei. In dem Prospekt wird noch mitgeteilt, daß Karstadt unlängst mit einer französischen Gesellschaft Vereinbarungen zwecks Gründung eines Unternehmens getroffen hat, das in Frankreich nach deutschem Muster Einheitspreisgeschäfte eröffnen soll. Die Newyorker Börsenzulassung erstreckt sich auf 150 000 amerikanische Aktien Zertifikate und auf 14 843 000 Dollar Bonds. Jedes Aktienzerrifi'at repräsentiert eine Originalakti« im Nominalwerte von 40 RM, so daß sich der zugelassene Aktienbetrag auf insgesamt 6 Mill. RM beläuft. Die zugelassenen Bonds stellen den noch in Umlauf befindlichen Betrag der am 1. November 1943 fälligen sechsprozentigen amerikanischen Anleihe dar Die Anleihe ist ursprünglich in Höhe von 15 Mill Dollar begeben worden. Davon sind jedoch 157 000 Dollar bereits zurückgezahlt worden.
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