SeRc 4
Donnerstag den 31. Oktober 1929
r Nr. 256
<Kxvevrme«taI vovtvLge
Erik Jan Hanussen.
„Wir wandeln alle in Geheimnissen". Dieses Goethewort gibt Hanussen seinen Experimental- vorträgen als Leitmotiv mit. Geheimnisse sind es, die er uns bietet. Er entschleiert und enthüllt sie nicht, aber er bringt sie uns nahe, daß wir an sie glauben müssen wie er selbst an alles glaubt, dessen Unmöglichkeit man ihm nicht beweisen kann. In seinem Vortragsabend, den der Hellseher Hanussen gestern vor einem stark interessierten Publikum in der Centralhalle abhielt, erörterte er die Stellung des Okkultismus im heutigen Leben und bejahte übernatürliche Kräfte. Die Skepsis, die die meisten Zuhörer mitbrachten, verstand er dann in seinen Experimenten zu zerstreuen, sodaß am Schluß nur nach einmütige Bewunderung und Staunen beim Publikum zu verzeichnen war.
Als erstes Experiment brachte er Telepathie, Gedankenübertragung. Telepathen gibt es ja genug in Deutschland und meist sind ihre Vorführungen bekannt. Hanussen gelang es aber, ohne Kontakt, mit verstopften Ohren und verbundenen Augen mit Hilfe der Gedankenübertragung zwei Stecknadeln, die vom PublAum versteckt waren, zu finden. Interessant war auch die Rekonstruktion eines berühmten Spionagefccklcs. Im griechisch-türkischen Krieg sollte eine Telephonistin eine Geheimnummer an den Feind verraten haben. Sie bestritt jede Schuld, und Hanussen griäng es durch «n Experiment, das die Gedankenübertragung nachwies, den Fall zu klären. Er fand Telephonnummer und Namen aus dem amtlichen Telephonbuch richtig heraus.
Den zweiten Teil bildete die Graphologie. Hanusfen zeigte an Hand von Namenszügen berühmter Männer, die er mit erstaunlicher Sicherheit wiedergab, wie sehr sich der Charakter eines Menschen in der Schrift ausdrückt. Mit einer erstaunlichen Sicherheit verstand es Hanussen aus den Briefen, die ihm gereicht wurden, Charakteranlage und Persönlichkeit des Schreibers zu entwickeln. So schilderte er selbst Ereigniffe, die im Leben der Person, von der der Brief stammte, eine große Rolle gespielt haben, mit erstaunlicher Sicherheit.
Den Clou des Abends bildete unzweifelhaft das Hellsehen. Auf ein Stück Papier hatten die Zuhörer Namen, Datum undOrtsbezeichmmg eines bestimmten Ereignisses geschrieben. Hanussen verband sich die Augen,versetzte sieb mithilfe einer Perlenkette in Trance- ünd lieg sich dann von seiner Assistentin die Zettel vorlesen. Nach wenigen Sekunden erzählte er dann den Vorgang so genau und plastisch, als ob er selbst dabei gewesen sei. So das Eisenbahnunglück bei Kreiensen, einen Brand, der in Hanau sich abgespielt hat, die Auffindung eines Toten und die Geburt eines Kindes in einem hiesigen Krankenhaus, dabei gab er sogar beiläufig an, daß in dem Krankenhaus umgebaut worden sei, eine Tatsache, die jeder selbst nur bestätigen konnte. Das Publikum war verblüfft über die Präzision dieser Angaben und applaudierte erst nach einer kurzen Pause, aber dann umso herzlicher. Hanusien, der nur einen Teil seines Vortrages gestern bringen konnte, wird am Montag, 4. November, einen zweiten Vortrag halten.
durch zahlreiche Fangfarten in die Becken der (ehemaligen deutschen) zoologischen Station eingebrachte und cingewöhnte außerordentlich große Kollektion von Adria-Seetieren aller Arten gelangte im Laufe der letzten Woche durch 3 Transporte, von denen der größte am Dienstag, den 29. Oktober, abends, in Begleitung des Aquariumvorstehers eintraf, nach Frankfurt a, M. Sämtliche Tiere find bereits in den Schaubecken zur Ausstellung gelangt, so daß das Aquarium eine Besetzung zeigt, wie bisher noch nie seit seiner Gründung im Jahre 1877. Ganz hervorragend ist vor allem eine riesige Kollektion an größten und kleinsten Seefischen, darunter der eigenartige, in der Adria seltene Drückersisch (Ba- liftes), der bizarr gestaltete „Sampierro" der Italiener, riesige See-Skorpione, ein elektrischer Rochen, größere und kleine Haifische, darunter der in Frankfurt a. M. erstmalig gezeigte Glatthai, farbenprächtige Lipp- und Pfauenfische verschiedener Arten, Muränen und große Mengen kleinster bunter Grundein- und Schleimfische usw. Besonders bemerkenswert in dem Transport ist eine riesige, unlängst bei Parenzo ins Netz gegangene Mittelmeer- Seeschildkröte, die mit ihren zwei Zentnern eines der größten Exemplare dieser in der Adria selten gewordenen Art darstellt, das seit vielen Jahren gefangen wurde. Hervorzuheben sind ferner ein außerordentlich großer Adria-Hummer, Langusten, große Arten Meerorangen, rote Seesterne, Schlangensterne und lebende rote Korallenstöcke. Mit das Hübscheste aber sind 5 „Krakenbabys", also junge Tintenfische (Octopus), darunter 3 erst vor einigen Tagen dem Ei entschlüpfte Exemplare. Die Besichtigung des Aquariums findet am Nachmittag, vorläufig bis 6 Uhr, bei künstlichem Licht statt.
wettevbxvtHt
An der Rückseite des über der Ostsee liegenden und nordwärts wandernden Tiefdruckwirbels bringt kühlere Luft südwärts vor und verursacht beim Zusammentreffen mit den von Süden kommenden wärmeren Luftmassen noch Regenschauer. Da jedoch der Luftdruck über Mitteleuropa stark ansteigt, werden die Schauer allmählich nachlassen und es wird sogar wieder zeitweise Aufheiterung eintreten. Die Besserung der Wetterlage wird aber wahrscheinlich nicht von längerer Dauer sein, da stärkerer Druckfall bei Island wieder Verschlechterung des Wetters erkennen läßt. — Vorhersage bis Donnerstag abend: Bewölkt, zeitweise auch aufheiternd, nur noch ganz geringe Niederschläge, kühler, nach Norden drehende Winde. — Witterungsaussichten für Freitag: Wolkig bis heiter, meist trocken, kühl, nördliche Winde.
Verhältnis zu den Ueberweisung aus der Kraft fahrzeugsteuer stehen. Von Jahr zu Jahr müssen daher höhere Beträge aus allgemeinen Etatsmitteln ausgewandt werden.
Infolge des ungewöhnUch starken Winters haben sich auf einer Anzahl Landwege Frostschäden gezeigt, für deren Beseitigung der Kreistag im Frühjahr 20 000 RM zur Verfügung stellen mußte.
Im Wege der produktiven Erwerbslosenfür- sorge wurde im Frühjahr 1929 mit dem Ausbau des Landweges Bergen—Bischofsheini begonnen. Die Gesamtkosten betragen rund 105 000 RM. Die Arbeiten sind zur Zeit der Berichterstattung noch im Gange.
Die Hochwasserfreilegung des Landweges Rückingen—Niedrrodenbach, die von den Kreis- körperfchaften 'in Aussicht genommen wurde, ist einstweilen noch zurückgestellt worden, bis eine angemessene Beteiligung der interessierten Gemeinden sichergestellt ist.
Für die Ausführung von Klelnpflaster wurden bis Ende des Rechnungsjahres verausgabt 278 966.24 RM. Die Gemeinden haben sich an den Kosten mit 57 369.07 RM beteiligt.
Nachdem die Landwege innerhalb der geschlossenen Ortslage fast durchweg mit Kleinpflaster versehen sind, sollen die Landwege mit besonders starkem Durchgangsverkehr nach und nach Ksein- pflaster erhalten.
Jni Berichtsjahre wurde die Kleinplasterung des Landweges Hanau—Großauheim durch^e- führt. Als ebenso dringend muß die Pflasterung des Landweges vom Ortsausgang Langenselbold bis Bahnhof Langenselbold bezeichnet werden. Sie ist für die nächsten Jahre in Aussicht genommen.
Im nächsten Baujahre sollen folgende Pflasterungen ausgeführt werden:
100 lfd. Mtr. am Landweg in Enkheim,
122
285
141
125
26 in Kilianstädten, 26 u. 28 in Mittelbuchen 3u. 4 in Langendiebach 10 in Ostheim.
Landkreis Saturn
GekchMsbev!-bt des ^vetSausstbtrsseS
Im Geschäftsbericht des Kreisausschusses Landkreises Hanau für das Rechnungsjahr befinden sich über den
Der Landweg Leipziger Straße—Langendiebach soll versuchsweise eine Teertränkdecke erhalten.
Die Entwicklung des üastkrastwagenverkehrs wird zwangsläufig eine Verbreiterung der Landwege zur Folge haben müssen. Vorgesehen ist zunächst die Verbreiterung der Landwege Großauheim—Großkrotzenburg und Hochstadt—Bischofsheim.
In der Unterhaltung des Kreises befinden sich die Kinzigbrllcken bei Langenselbold und Rückingen, die Nidderbrücken bei Gronau und Eichen.
Die Brücken sind verhältnismäßig neu, so daß die Unterhaltung keine nennenswerten Aufwendungen verursacht. Nur die Holzbrücke bei Gronau über die Nidder ist baufällig und dringend erneue- rungsbedürftig. Ein Neubauprosekt liegt bereits
vor. Die Verhandlungen über eine Beteiligung der Gemeinden und des Freistaates Hessen
Kosten sind noch nicht abgeschlossen. Ueber das
an den
des 1928
wird gesagt:
Wohnungswesen
von 98 500.— RM im Landkreise Hanau zur Für derung von 25 Neubauwohnungen verteilt. Au eine Wohnung entfällt hierbei ein Betrag vw 3940.— RM. Zur Instandsetzung von 18 Altwoh. mmgen wurde ein Betrag von 17 450.— RM verwendet. Die hierfür zur Verfügung stehenden Mittel — nach den ministeriellen Richtlinien dürfen hierfür 5 Prozent des Auskommens Verwendung finden — reichten bei weitem nicht aus, um bie zahlreichen, dringenden Anträge zu berücksichtigen.
An Zwischentrediten standen zur Verfügung:
a)
b)
Kredit zur Förderung des Wohnungsbaues (durch die Landeskreditkasse in Kassel) 20 000 — RN
Reichskreditmittel zum Zweck der Förderung der Wohnbautätigkeit . ........ 93 000.— •
c) Darlehen der Preuß. Staatsbank 85 000.— ,
zusammen: 228 000.— RM
Als ergänzende Maßnahme zur Hauszinssteug hat der Kreis ein Darlehen von 250 000.— RM bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin zum Zinssatz von zirka 7 Prozent aufge. nommen. Der Kreis trägt die über 3 Prozent hinausgehende Verzinsung in Form eines Zinr- zuschufses aus den eingehenden Hauszinssteuerhypo, thekenzinsen. Von den hiermit geförderten Wohnungen soll mindestens die Hälfte Angestellten zn- gute kommen, die bei der R. s. A. versichert sind. Mit dem Darlehen, das mit 226 700.— RM zm Auszahlung gelangte, werden 83 neue Wohnung!« mit zusammen 216 000 RM erstellt, in weiteren 9 Fällen wurden mit den restlichen 10 000 -RM bereits mit Hauszinssteuerhypotheken unterstützte Bauvorhaben sertiggestellt. Auf eine Neubauwohnung entfällt hierbei ein Betrag von 2600.— Ä Zur Förderung der Neubautätigkeit hat der Kretz- ausschutz auch für das Jahr 1929 die Aufnahme einer Wohnungsbauanleihe beschlossen. Trotz aller Bemühungen führten die Verhandlungen toegen der ungünstigen Lage des Geldmarktes bisher zu keinem Ergebnis.
Die Kreissparkasse hat sich in hervorragende: Weise an der Unterstützung des Wohnungsbaues durch Hergabe von Hypotheken beteiligt. Insgesamt wurden an 81 Darlehnsnehmer 368 500 RM gegeben.
Auch die Landesleihbank und die Landeskreditkasse hat zur Förderung der Neubautätigkeit in 47 Fällen insgesamt 280 100 RM erste Hypothek!«: ausgeliehen.
Das Mieteinigungsamt verhandelte in den 5 Kammerbezirken in 14 Sitzungen. Es wurden 60 Anträge eingebracht.
Mit dem 31. März 1929 endete die Wohnungszwangswirtschaft in den Gemeinden Bischofsheim und Ravolzhausen; sie besteht jetzt noch in folgw den Gemeinden: Bergen-Enkheim, Großauheim, Langenselbold und Dörnigheim, bei letzterer mit Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs bis 1. April 1930.
* Milchpreissenkung. Die Arbeitsgemeinschaft des Milchhandels Frankfurt-Offenbach-Hanau hat gestern mit Rücksicht auf die große Milchanfuhr beschloßen, den Kleinverkaufspreis ab 2. November um 2 Pfennig zu senken. Der Rampenpreis wird bereits ab morgen um 2 Pfg. gesenkt.
* Der 1. h. J. 6. 1893 wird am nächsten Samstag in der Stadthalle sein diesjähriges Winterfest abhalten. Ein reichhaltiges, sowie mit ersten Kräften besetztes Programm und ein entsprechendes Orchester werden für die Unterhaltung sorgen. Näheres siehe Inserat.
* Hochbetrieb im Aquarium des Frankfurter Zoo. Die in der ersten Oktoberhälfte von Direktor Dr. Priemel in Rovigno an der istrianischen Küste
Wegebau
folgende Ausjührungen:
An Landwegen sind im Landkreiie Hanau vorhanden 186,241 Kilometer. In der Unterbaltungs- Pflicht des Landkreises stehen 179,179 Kilometer Die Stadt Hanau unterhält 3,959 Kilometer, der Forstfiskus 2,603 Kilometer und die Gemeinde Oberissigheim 0,500 Kilometer.
Von den vom Kreise zu unterhaltenden Landwegen sind
158,178 Kilometer chauffiert,
9,688 Kilometer Grohpflaster, 11,313 Kilometer Kleinpflaster.
Der Landwegeetat für 1928 schließt ab mit einem Betrage von 240 000 RM. Die tatsächlichen Ausgaben betrugen 240 551.91 RM, oder für 1 Kilometer Landweg 1342 RM gegenüber 534 Mk. im Jahre 1914.
Die Unterhaltungsarbeiten der Landwege können mit dem wachsenden Verkehr kaum Schritt halten. Der Durchgangskraftwagenverkehr verursacht dem Kreise Wegebaulasten, die in keinem
Die Bautätigkeit war wiederum recht rege. Obwohl Fechenheim am 1. 4. 28 ausschied, wurden nur 15 Bauabnahmen weniger als im Jahre vor-
heim) im Jahre 1927 durchgeführl.
Die im Jahre 1927 festgestellte Steigerung der Wohnhauebautätigkeit gegenüber den Vorjahren hat also weiterhin angehalten. Auch bei der Errichtung von gewerblichen Betrieben, Waschküchen und Schornsteinen liegt eine Steigerung vor.
Zur Verteilung an H a u s zin s st e u e r Hypotheken kamen im Rechnungsjahre 1928: a) aus dem Kreisaufkommen . . 257 350.— RM
b) aus dem ftaatl. Wohnungsfür- sorgefonds ......
Mit diesem Betrag gen gefördert, mithin
91500.—
zusammen: 348 850.— RM wurden 143 neue Wohnun- eine Wohnung mit einem
Langendiebach, 31. Okt. All erheili gt«.i Am Freitag, 1 Nov. (Fest Allerheiligen) findÄ um 10 Uhr ovrm. katholischer Gottesdienst st Langendiebach statt.
Hüttengefäß, 31. Okt. 'Silberne H 0 chze
tag, 2. November Herr Metzgermeister Wilhei Köhler und Frau Lina geb. Behrens.
Großkrotzenburg, 30. Okt. Bezirkstagung kath. Arbeitervereine. Zum zweiten Male rief Bezirksvorstand der katholischen Arbeiterverei die im Hanauer Wirtschaftsgebiet wohnenden 8 beiter zu einer Bezirkstagung zusammen und in dichtgedrängten Scharen lauschten die Arbeiter mit ihren Angehörigen der Predigt des Bezirksprases Pfarrer Dunkel. Das soziale Königsprogramm des Zimmermannssohnes Jesus Christus war des Thema. Mit der Aufforderung, Christis Königs-
Durchschnittsbetrag von 2440.— RM. Außerdem wurde burch die Hessische Heimstätte aus dem Staatlichen Wohnungssürsorgefonds ein Betrag
?W , , „ye gegen
^Sodener „^
«Die Hugenotten"
Die Tagung des Hugenottenvereins in Hanau ist verklungen und vielleicht schon weithin vergessen. Die innere Verbundenheit mit dem geistigen Erbe der Hugenotten kann in einer Stadt wie Hanau nicht vergessen werden. Sie soll noch einmal belebt und vertieft werden durch ein Spiel der Eoangeli- ichen Landesbühne in Dortmund, am 2. November hier zur Feier des Reformationstages veranstaltet.
Wie fremd ist den Menschen von heute jene Zeit der Glaubens-Verfolgungen in Frankreich! Finsteres Mittelalter nur konnte derart grausam und unvernünftig die besten Bürger verfolgen. Freilich, wer weiß, ob heute noch ein leichtes Achselzucken über rückständige Intoleranz erlaubt ist, wenn der Blick auf Rußland fällt. Und dann, wie fremd ist den Menschen von heute die Gradheit und Energie jener Menschen, die alle Vorteile ausschlugen und auswanderten oder starben, nicht um der politischen oder wirtschaftlichen Freiheit, sondern um der Religion willen. Wer würde wohl heute für feine Religion sterben? Die Hugenotten jener Berfolgungs- zeit wußten jedenfalls genau um ihre Religion, auch um die scharfen Grenzen gegen andere Religionen. Und jedenfalls hatten sie vor anderen Zeiten nicht nur solche Klarheit, sondern eine geschlossene Kraft und Freudigkeit in ihrer Ueberzeugung voraus. Den Weg zur Kirche, wo sie ungestört bekennen und hören dursten, nannten sie „im Paradies", hier in Hanau. Nach solchem Geist sucht und fragt die evangelische Kirche am Reformationstag. Der Verfasser des Schauspiels „Die Hugenotten". Walter Nit- hack-Stohn ist der Mann, darauf zu antworten, auch durch ein lebendig bewegtes Spiel.
Das Interesse der hiesigen Bürgerschaft an die- fem Spiel kann um so größer sein, als die Vorsteller nicht Amateur-Schauspieler sind, sondern von ersten Großstadtbühnen in Köln, Berlin, Dortmund kommen und ihre reife Kunst in den Dienst des evangelischen Schauspiels stellen. Leider ist diese Verbindung heute noch selten. Wer aber die Bedeutung einer evangelischen Bewegung und Ueberzeugung kennt, mutz wünschen, daß die Kunst noch viel mehr diesen Stoff sich erwähle, wie es die Evangelische Landesbühne demnächst hier tut.
__ Psr. R.
0 Sladlkhealer. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Noch einmal verweisen wir auf das heute Donnerstag, abends 8 Uhr, stattfindende einmalige Ensemble-Gastpsiel Agnes Straub vom staatstheater Berlin in „Die Flucht nach Vene-
Schauspiel in 4 Akten von Georg Kaiser. Bereits vor mehreren Jahren spielte die Künstlerin in diesem Stuck bei der Erstausführung an den Berliner Kammerspielen die Rolle der George sand, die sie auch hier darstellen wird. Agnes -straub ist in dieser Rolle eine Königin des Lebens, sie gibt hier eine wundervolle Leistung voll Warme und Flamme, voll weibsicher Ueberlegen- heit und Sprunghaftigkeit. — Morgen Freitag, oberes 8 Uhr kommt als 6. Vorstellung im Freitag-Abonnement zum ersten Male der große Erfolg „Leinen aus Irland" ein Lustspiel aus dem alten Oesterreich in 4 Akten von Stefan Kamare zur Wiederholung. — Samstag, abends 8 Uhr, 9e9t als weitere Neuheit in dieser Spielzeit zum rsten Male „Der Prozeß Mary Dugan" ein Stück in 3 Akten von Deiller, deutsch von Rudolph Lothar in Szene. Dieses Werk rollt sich in drei Akten oor den atemlos lauschenden Zuhörern ab. Es ist etn erbitterter Kampf zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Erregende Momente zucken durch die Handlung. Sensation ist bie Parole der äußerst spannenden Gerichtsverhandlung. Die überaus spannende Handlung ist wert, daß man ihr folgt bis zu den letzten Szenen, die einen überraschenden Abschluß bringen.
o Schumann-Theater. Am Freitag 1. November, abenbs 8 Uhr, beginnt das mit großer Spannung erwartete Gastspiel des Neuen Operstten-Theaters Frankfurt a. M., mit der in Berlin und Hamburg bereits viele hundert Mal aufgeführten Revue- Operette „Casanova" von Schanzer und Welisch, Musik von Johann Strauß. Das Werk wird hier von dem bekannten Oberregisseur Adolf Wiesner in Scene gesetzt. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des Kapellmeisters Otto Erich Steeger v. . Großen Schauspielhaus Berlin und derselben Buhne gehört auch der Ballettmeister Kurt v. Paquet-Leon an, welcher hier ebenfalls die Tanz- und Ballettarrangements getroffen hat. Die Titelpartie wird Kammersänger Arthur Fleischer von der Berliner Staatsoper verkörpern; in den weiteren Hauptrollen sind neben beliebten Mitgliedern des Neuen Operetten Theaters erste Kräfte bedeu-
tender Berliner Bühnen tätig. Als besondere Attraktion darf man das Auftreten der berühmten deutschen Jazzsänger „Die Abels" bezeichnen, denen ein bedeutender künstlerischer Ruf vorausgeht. „Casse- nova" wird auch den Sonntagen nachm. als Fremdenvorstellung aufgeführt. Mit Rücksicht auf bie auswärtigen Theaterbesucher ist der Berginn bereits um 3% Uhr nachm. Für die Nachmittagsvorstellungen besonders ermäßigt« Preise.
0 Politische Demonstrationen im Frankfurter Schauspielhaus. Die heutige Erstaufführung von Friedrich Wolfs „Cyankali" im Frankfurter Schauspielhaus gab Anlaß zu lebhaften politischen Demonstrationen des dicht besetzten Hauses, namentlich der oberen Ränge. In den bereits nach den ersten Bildern und auch auf offener Szene einsetzenden starken Beifall mischten sich politische Zwischenrufe, die aber von der Gegenseite nicht beantwortet wurden. Das Stück, das in Berlin bereits feine 50. Aufführung erlebt hat, dreht sich bekanntlich um den § 218 des Strafgesetzbuches, der auch in den Reichstagsausschußverhandlungen in diesem Jahre eine große Rolle gespielt hat. Wolf Beiseit in seinem Stück, daß nach statistischen Erhebungen allein Deutschand jährlich etwa 10000 unerfahrene und unvermögende Mädchen an den Folgen dieses Paragraphen zugrundegingen, und stellt demgegenüber, daß in der Sowjetunion jede Frau das Recht auf ihren Körper hat und die Beseitigung der unerwünschten Frucht verlangen kann. Die Ausführung war ausgezenchnet, geradezu er- schütternd die Darstellung der „Hete" durch Constanze Menz, des „Paul" durch Lothar Rewalt, Impekovens „Kuckuck" und Luise Glaus „Arbeiterfrau". So gab es natürlich zum Schluß unzählige Hervorrufe, die auch den jungen Autor und den Regisseur wiederholt vor die Rampe brachten.
o Tonfilm fördert das Sprechtheater. London ist nie eine Theaterstadt wie andere europäischen Großstädte, Berlin und Paris, gewesen. Vor allem schreckten die hohen Theatermieten jeden Theater- direktor in London ab. Ein mittelgroßes Theater verschlang bis zu 10 000 RM Unkosten in der Woche. Die ungeheure Verbreitung des Tonfilms in England ist auch dem Sprechtheater zugute gekommen. Der Tonfilm hat vor allem das Interesse des Londoner Publikums am Sprechtheater erhöht. Neue Tonfilmpalüjte werden so gebaut, daß sie auch
die Aufführung von Schauspielen und Operetten ermöglichen. Zurzeit befinden sich in London sechs große Theater im Bau mit einer Gesamtzahl von 12 000 Sitzplätzen. Der Tm- film wirkt als Reklame für manche" Schauspieler, den man bisher noch nicht kannte Erst vor kurzem ist in London in der Oxfortstre« das Dominiumthenter eröffnet worden) dessen neun Millionen Mark gekostet hat. Das ne« Theater ist das größte Londons und hat Platz I« 2860 Personen. An der Stelle eines alten Wirt-' Hauses, das eine uralte Sehenswürdigkeit der englischen Hauptstadt war, Olde Shippe Inn, ist IG gleichfalls ein großer Theaterbau, das White W House, entstanden. Der Magistrat beschäftigt I™ noch mit dem Plan, eine große Volksbühne Leben zu rufen, ein Theater, das TonfilmvorfM rangen und dramatische Vorstellungen zu Einheit" preisen bieten soll.
Oumoe
â^
^MMU
der ^™
«
Ml
PWSäjBWZ/flè
„Otto, wirf deine Zigarette weg, kommt mir in die älugenr