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Nr. 237

rmilwoch den S. Oktober 1929

Sette If

HANDEL UND WODTSCHAfT

Veveinisuns tn dtv vevftcheeuns

X Der Skandal bei der Frankfurter Allgemeine Dersicherungs-A.-G. hat nunmehr endlich das Reichs­aufsichtsamt zu einem Rundschreiben an die grö­ßeren, inländischen Versicherungsunternehmungen veranlaßt. Soweit einige Versicherungsgesellschaften nicht schon von sich aus die Konsequenzen aus dem Frankfurter Fall gezogen und versiche­rungsfremde Geschäfte abgestoßen haben sollten, wird ihnen durch folgenden Fragebogen Gelegenheit gegeben, eindeutig Farbe zu bekennen:

1. Ist Ihre Gesellschaft an Banken, bankähnlichen oder sonstigen nicht zum eigentlichen Versicherungs- betrieb gehörenden Unternehmungen (3. B. Absatz­finanzierungs-Unternehmungen, Grundstücksgesell- schäften, Kreditvermittlungs-Unternehmungen, Aus­kunfteien u. a.) beteiligt,' insbesondere durch Aktien Geschäftsanteile, Einlagen, Darlehen oder auch durch Personalunion in den leitenden Stellen, gegebenen­falls in welchem Umfange?

2. Steht Ihre Gesellschaft in -Geschäftsverbin­dung mit den 1. erwähnten Unternehmungen oder mit Unternehmungen, an denen leitende Personen, Ihrer Gesellschaft in der in Ziffer 1 beschriebenen Weise beteiligt sind?

3. Hat Ihre Gesellschaft' einfache ober selbst­schuldnerische Bürgschaften, Wechselverbindlichkeiten oder- sonstige Garantien in Verbindung mit ver­sicherungseigenen oder versicherungsfremden Ge­schäften übernommen, gegebenenfalls- welche? Ist für Dritte Sicherheit geleistet worden, gegebenen­falls welche? ....

4. Hat Ihre Gesellschaft Kredite aufgenommen (z. B. Pfandbestellung, Sicherheitsübereignung)? Einzelheiten sind anzugeben.

Natürlich kann es mit dieser reichlich verspäteten Umfrage nicht sein Bewenden'haben. ' 3fn Interesse des Ansehens der seriösen Versicherungen und der Sicherheit der Versicherten muß . an den geforderten Abänderungen und Ergänzungen des Reichsauf­sichtsgesetzes (Zusammensetzung des Beirates, größere finanzielle Mittöl, häüfigere Materielle Prü­fungen, Heranziehung eines Treuhänders ufm.) mit allem Nachdruck festgehalten werden.

einzuführen, umber deutschen Wirtschaft die Möglichkeit zu geben, sich vor Störungen, Ab­lenkungen und zersplitternder Tätigkeit auf ver­schiedenen Gebieten nach Möglichkeit zu bewahren". Die angeschlossenen Kreise waren u. a. aufge- fordert worden, die Zahl der Tagungennach Möglichkeit" herabzusetzen, Tagungen verwandter Organisationennach Möglichkeit" zum Zweck« der Zeit- und Kostenersparnis zusammenzulegen und Tagungspläne größerer Organisationen verwand­ter Art auf längere Sicht gemeinsam festzusetzen, wie es bei den wirtschaftlichen Spitzenverbänden

bereits geschieh:. Zu seinem Bedauern aber mußte der Reichsverband gelegentlich feiner Düsseldorfer Tagung sestftellen, daß seinen Anregungenbis- 'her nur in durchaus unzureichendem Umfange Rechnung getragen worden ist". Der Vorstand wiederholt sie daher nicht nur aus das dringendste,

wiederholt sie daher nicht nur auf das bringen! sondern ermahnt nunmehr auch zu möglichst ^ein­facher Ausgestaltung der Tagungen (siehe Düssel­dorf!) Und Einschränkung derin der letzten Zeit immer stärker in Erscheinung tretenden" Festver­anstaltungen, insbesondere 5-, 10-, 20-, 40- und 60- jährigen Jubiläen,die man bisher nicht zu feiern pflegte". Diese Forderungen waren schon vor einem Jahre so selbstverständlich, daß man sich über das schwache Echo, das sie bisher gefunden haben, nur wundem kann. Hoffentlich ist die Selbst­disziplin in der von Steuern und Reparationen so arg bedrängten Wirtschaft inzwischen, etwas mehr gewachsen, damit sie am Ende des bis zum 1. Oktober 1930 verlängerten Sperrjahres von den Herren iy und um Leverkusen eine bessere Note bekommt. , .

Wie im ab gelaufenen, so soll übrigens auch im laufenden Sperrjahr in der Förderung außen­stehender Organisation und Unternehmungen grö­ßere Zurückhaltung geübt werden,weil auf'sämt­lichen Gebieten bereits zuverlässig arbeitendeOr­ganisationen vorhanden sind, die in vielen Fällen noch eine starke Vereinheitlichung und Zusammen­legung unbedingt vertragen können". Was endlich die seinerzeit verlangte stärkere Kritik bei der Wahl der Propagandamittel" angcht, so stellt der Reichsverband gerade bei dieser Forderung zwar den stärksten- zustimmenden und ablehnenden Widerhall fest, sicht sich aber gleichzeitig zu der Einschränkung gezwungen, -daß selbstverständlich niemals beabsichtigt gewesen sei,die Propaganda innerhalb der deutschen Industrie als solche" einzu­

Sie SfievvekchrsO-rmsavLichen SovkviegS-Anlerbe«

si Eine Konferenz in Varis.

X In diesen Tagen findet in Paris eine Ver­sammlung des Verwaltungsrates der Caisse Commune statt. Diese Versammlung, an der die Vertreter der Inhaber österreichischer und unga­rischer Vorkriegsanleihen, von deutscher Seite nach Informationen des DHD. die Herren Urbig, Dr. Weigelt und Dr. Sippel teilnehmen werden, wird voraussichtlich für alle, bisher noch ungeregelten Wber nur provisorisch geregelten Vorkriegsanleihen wer alten Monarchie Vorschläge ausarbeiten, welche

schränken.

Oie Stiüon dev ^vedttattstatte« in Seftevveich

X Öfen, 8. Oft Die Amtliche Nachrichtenstelle keilt mit: In einer heute abend beim Bundeskanzler Schober abgehaltenen Besprechung gaben die Der- treter der Oesterrechhischen Kreditanstalt die Erklä­rung ab, daß die Boraussehungen für die Ueber­nahme der Boden-Kreditanstalt im Fusionswege nunmehr erfüllt sind. Der Vorsitzende der Oester­reichischen Kreditanstalt wird daher in der für Donnerstag einberufenen Verwaltunasralssihung

anstalt. Hier verstimmte auch, daß die Fusions­verhandlungen noch nicht zu einem endgültigen Er­gebnis gekommen sind, wenn man auch an einem Zustandekommen nicht zweifeln kann. Eine recht ungünstige Auswirkung, namentlich für den Far- benmarkt, hatte ferner die Nachricht von einer starken Ueberfüllung cher Lagerbestände bei dem Oppauer Werk der I. G. Farbenindustrie. Außer­dem verstärkten umlaufende, vollkommen unkon­trollierbare Gerüchte bie herrschende Unsicherheit. Die Aufnahmefähigkeit des Marktes war gering, da von Bankseite kaum Material ausgenommen wurde. Einen außerordentlichen Kursrückgang er­litten Dt. Linoleum, die trotz der in dem neuen Prospekt gemachten Mittellung über guten Ge­schäftsgang und mindestens Vorjahrsdividende 15 Prozent einbüßten. Große Abgaben wurden ferner in I. G. Farben vorgenommen, die 5% Prozent verloren. Am Kunstseidemarkt lagen Glanzstoff 5 Prozent niedriger, Bemberg, die zum erstenmal in Frankfurt a. M. amtlich notiert wurden, gaben 6 Prozent gegen den letzten Berliner Kurs nach. Starke Kursrückgänge verzeichneten noch Elektro­werte, an dem Schuckert 5% Prozent, Siemens 6% Prozent, AEG. 2% Prozent und Licht u. Kraft 3% Prozent nachgaben, Chadeaktien konnten sich be­haupten. Von lokalen Werten verloren Metallge­sellschaft 1 Prozent und Scheideanstall 3 Prozent. Montanaktien eröffneten 23 Prozent, Schiffahrts­werte 2 Prozent niedriger. Bankaktien waren bis 1 Prozent gedrückt. Am Markte der Autoaktien gaben Daimler auf bie Meldungen von' einer angeb­lichen Stillegung des Mannheimer Werkes weiter leicht nach, Kleyer dagegen gut behauptet. Entgegen der Allgemeintenenz konnten Svenska 5 RM höher eröffnen.

Deutsche Anlekhen waren behauptet, am Aus­landsrentenmarkt gaben Anatolier etwas nach.

Nach den ersten'Notierungen traten meist weitere Abschwächungen ein. I. G. Farben waren weiter angeboten und 1% Prozent schwächer. Auch Elektro­werte blieben angeboten. Im weiteren Verlaufe konnten sich geringfügige Erholungen durchsetzen.

Am Geldmarkt war Tagesgeld unverändert 7 Prozent.

Am Devisenmarkt zog das Pfund weiter an, Mark gegen Pfunde 20.40, gegen Dollar 4.1966. London-Kabel 4.8616, Paris 123.87%, Mailand 92.80%, Madrid 32.77, Holland 12.10.

An der Abendbörse erfuhren die Kurse überwiegend neue Einbußen, da sich die Abgaben, namentlich am Farben- und Elektromarkte ver­stärkten, trotzdem inzwischen die beruhigende Er­klärung der 3. G. Farbenindustrie erschienen ist. I. G. Farben gaben gegen den Berliner Sckssuß 1% Prozent nach. AEG. verloren 2% Prozent. Danatbank und Rheinstahl lagen je 1 Prozent nie­driger. Gut behauptet blieben Commerzbank, Dresdner Bank und Glanzstoff. Auch im Verlaufe konnte sich die Stimmung trotz festerer Auslands­meldungen nicht bessern. Renten waren vernach­lässigt. 3. G. Farben 196194; Rheinstahl 108%; AEG. 179; Siemens 338; Danatbank 261%,

Oppau zur Folge hatte, von denen nunmehr ein Teil in den letzten und kommenden Monaten zur Entlassung kommen mutz. Außerdem wurde ausge- führt, daß in einzelnen der hier hergestellten Pro­dukte Produktionseinschränkungen zu Gunsten von Fabrikationen gleicher 2trt bei anderen 3- G.-Wer» ken vorgenommen würden, wodurch auch Arbeits­kräfte freiwerden, namentlich im Hinblick darauf, daß es unser Ziel sei, allenthalben zu einer mög­lichst kleinen Lagerhaltung zu kommen. Die in die übrige deutsche Presse übergegangene Notiz, daß sämtliche Lager der I. G. Farbenindustrie über­füllt und in einzelnen Produktionen kein Absatz sei, und daß ferner eine Absatzkrise in Stickstoffdünger vorhanden sei, ist hiernach unzutreffend. Die Der- Hältnisse auf dem Stickstoffgebiet sind durchaus normal.

X Adlerwerke norm. Heinr. Kleyer A.-G Frankfurt a, M. Infolge der Sanierung der Ge­sellschaft wird die amtliche Notiz der Aktten an der Frankfurter Börse vom 22. d. M. ab eingestellt. Sobald es die Verhältnisse zulassen, soll Anttag auf Wiederzulassung gestellt werden. Ueber die Beschäf­tigung berichtet die Verwaltung, daß selbst ange­sichts der abgelaufenen Saison und der bekannten allgemeinen Depression in der Automobikndustrie die Beschäftigung noch leidlich gut sei. Wenn auch der Absatz durch Zurückhalten des reinen Privat­kunden etwas gehemmt wird, so ist die Rachstage für den Gebrauchswagen durchaus gut.

X Wandererwerke vorm. Winkelhofer u. Jänicke A.-G. Die Umsätze waren in -dem am 30. Sep­tember beendeten Geschäftsjahr höher als i. V. Ueber bie voraussichtliche Dividende (i. D. 6 Proz.) könne noch nichts gesagt werden. Das gegen­wärtige Geschäft in Automobilen und Fahrrädern sei nicht zufriedenstellend, dagegen arbeiten die Abteilungen für Schreib- und Rechenmaschinen und insbesondere Werkzeugmaschinen relattv gut. Ueber bie Auswirkungen der neuen Motorradge- meinfchaft mit NSU. enthält diese Erflärung nichts. Der Aktienkurs steht auf 56%, die Börse scheint al­so auf weitere Dividendenreduktion gefaßt zu sein.

X Uebergang der Aktienmehrheit der Rheinischen Gummi- und Zelluloidfabrik A.-G., Mannheim. Die schon vor einigen Tagen gemeldeten Verhand­lungen mit der. Rheinischen Gummi- und Zelluloid­fabrik A.-G. in Mannheim-Neckarau, sind nunmehr zu einem Abschluß gelangt. Ein Konsortium unter Beteiligung der Rheinisch-Westfälischen Sprengstoff- A.-G. und der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoff A.-G. hat die Majorität der Rheinischen Gummi- und Zelluloidfabrik A.-G. erworben.

Berliner Metallmarkt. Eom 8. Oktober,

Kupfer

taten (Oesterreich, Ungarn, Tschechoslowakei, Dien, Rumänien und Südslawien) bilden sollen. i die Vertreter der genannten Staaten diesmal it sehr weitgehenden Vollmachten ausgestattet

Mld, wird damit gerechnet, daß die Verhandlungen zu einem abschließenden Ergebnis und zu der lange Erwarteten endgültigen Regelung aller Gold-, kPapierkronen-, Silbergulden- und Markanleihen des ehemaligen österreichisch-ungarischen Staates führen werden. An diesen Verhandlungen ist das deutsche Anlagekapital außerordentlich in­teressiert, da die in Frage kommenden Anleihen sich zu mindestens 50 Prozent in deutschem Besitz befinden. So wird der deutsche Besitz an den wich­tigsten Emissionen wie folgt angegeben:

Oesterr. und Ungar. Golürenten GFl. 153 000 000 Oesterr. Schatzscheine Goldkronen 119 000 000, Ungarische Pfund - Sterl. - Renten Goldkronen 234 000 000, Silberrenten Fl. 69 000 000, Papier­kronenrenten Kr. 725 000 000.

Goldkronen

Hierzu kommen noch die auf Mark lautenden Anleihen im Nennwerte von mehr als 100 Millio-

nen, von denen sich der allergrößte Teil in deut­schem Besitz befindet, sowie die sichergestellten (Eisenbahn-)Anleihen. Es handelt sich hier somit um sehr nennenswerte Beträge und man erwartet, daß nie deutschen Vertreter bei der Reichsregierung entsprechende Unterstützung finden werden. Deutsch­land, das die schwere Last der im Poung-Plan vorgesehenen Reparationszahlungen auf sich ge­nommen hat, hat andererseits allen Anspruch dar- nessene Rehelung der Anleihen zu seinerzeit an das Ausland gewährt

auf, eine angeme' fordern, die es f '

hat. Es ist anzunebmen, daß dieser Gedanke in der Person des Reichsministers Dr. Curtius einen Förderer findet, da dieser schon vor einiger Zeit gelegentlich der vollkommen unzulänglichen Rege­lung der tschechoslowakischen Mark-Vorkriegsan­leihen für die deutschen Anleihebesitzer eingetreten ist.

Oie SnduNvIo vevMngert ibv Gvevviav-

X Der Reichsverband der Deutschen Industrie hatte, wie erinnerlich, im September 0. I. den löbl. Beschluß gefaßt, für die Zeit vom 1. Okt. 1928 bis 1. Okt. 1929 einOrganisatorisches Sperrjahr"

St?<m$ftt«#e® Karris

Frankfurt a. M., 8. Okt. Tendenz: schwach. Die heutige Börse sah sich bereits vor Beginn des offiziellen Verkehrs auf fast allen Märkten wieder verstärktem Angebot gegenüber. Die Hoffnungen, die sich an die Verflüssigung des Newyorker Geld­marktes knüpften und an die Festigkeit der dortigen Börse, wurden stark getäuscht, und die Haltung er­fuhr allgemein eine beträchtliche Abschwächung. Man brachte die namentlich am Elektromarkt her­vortretenden Abgaben in Zusammenhang mit den Vorgängen bei der Oesterreichischen Boden-Credit-

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X Ein? Erkläruna der 3. G. Farbenindustrie A.-G. Von der I. G. Farben-Jndustrie erhalten wir folgende Zuschrift:Die alarmierenden Presse­meldungen über die Gründe der Entlassungen bei der 3. G Farbenindustrie sind auf einen Artikel in derNeuen Pfälzischen Landeszeitung" zurück­zuführen. Demgegenüber ist festzustellen, daß in unseren Unterredungen mit derNeuen Pfälzischen Landeszeitung" lediglich über bie Verhältnisse in Ludwigshafen und Oppau gesprochen wurde. Die Entlassungen wurden begründet mit der Beendi­gung des Versuchs- und Bauprogramms, das seit dem 1. Januar 1925 eine Belegschaftsmehrung von 5000 Personen für die Werte Ludwigshafen und

lVrankfurker Kursbericht s8. Oktober)

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