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Ur- 205

Montag den 2. September 1929

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Verlängerung des Reichsmiekengefetzes und des Mielerfchutzgefetzes?

Eisenach, 25. Aug. Im Verlauf der Reichs- giietertagung berichtete Bundesvorsitzender Dzieyk- Berlin über die aktuellen Fragen der Mieter­politik und betonte, daß die allgemeine mieter­politische Lage sich feit den letzten Reichstagswah­len zugunsten der Mieterschaft insofern verändert hat, als das Tempo des Abbaues des Mieterschutzes und eine Verftärkuyg der Förderung des Woh­nungsneubaues eingetreten ist. Am 31. März 1930 laufen aber wiederum das Reichsmietengesetz und das Mieterschutzgesetz ab, die ja immer nur kurz befristet werden, um ihren Abbau zu erleichtern. Größte Wachsamkeit der organisierten Mieterschaft ist deshalb am Platze. Obwohl eine allgemeine MietevhShung fest dem 1. Oktober 1927 nicht mehr eingetreten ist, ist doch der Mietzins seit die­sem Zeitpunkte in den meisten Orten schon mehr­mals erhöht worden, zum Teil in ganz erheblichem Umfange. Es werden heute schon Mieten von 140 bis 150 Prozent der Friedensmiete gezahlt. Das System der Umlegung der Betriebskosten wurde seinerzeit fast in allen Ländern verlassen Wgunsten oer Festsetzung einer festen Miete. Gerade die Ber- treter des Hausbesitzes waren entschiedene Gegner des Umlagesystems, weil sie sich einmal nicht in die Karten sehen lassen wollten und weil sie mit Recht von der Festsetzung einer festen Miete erheb­

i liche Gewinne an den Betriebskosten erwarteten.

Nachdem die feste Miete in Gestalt einer reichs-

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gesetzlichen Mindestmiete eingeiführt worden war, begann der Kampf des Hausbesitzes um die Um­legung bestimmter Betriebskosten von neuem, z. T.

schon mit Erfolg. Leider hat die jetzige Reichsre- 8 giern ng den von der früheren Reichsregierung aus= . gearbeiteten Entwurf eines Gebäudeabfchuldungs- W steuergefetzes fast unverändert dem Reichstage zur v Beschlußfassung vorgelegt. Hiergegen setzte in fast I allen Städten des Reiches eine allgemeine Protest­

allein am Neubedarf berechnet 400 000 Woh­nungen mehr als im Herbst 1918 ungerechnet die vielen tausenden von Wohnungen, die längst abbruchreif sind. Die Frage des sozialen Miet- und Wohnrechts ist seit dem vorjährigen Mietertag in Wilhelmshaven dadurch in ein akutes Stadium ein­getreten, daß der Reichsverband deutscher Eini­gungsämter mit finanzieller Unterstützung des Reichsarbeitsministeriums eine Kommission . für die künftige Gestaltung des Mietrechts eingesetzt hat, der auch Bundesvorsitzender Dzicyk-Berlin an­gehört.

Sodann referierte Bundesschatzmeister Grot­haus-Berlin über die Organisation und die Finan­zen des Reichsbundes. Die Mitgliederzahl des Reichsbundes ist im letzten Jahr um rund 30 000 gestiegen. In kurzer Zeit werden weitere namhafte Vereine von insgesamt über 30 000 Mitgliedern innerhalb des Landesverbandes Sachsen sich dem Reichsbund deutscher Mieter anschließen. Großen Beifall fand die Mitteilung des Bundesschatz­meisters, daß ine Sanierung des Bundes in fi­nanzieller Hinsicht so gut wie durchgeführt ist.

In einer weiteren Entschließung wurde zur Frage der Beseitigung der Hauszinssteuer Stel­lung genommen. Nach eingehender Durchberatung wurde folgende Forderung aufgestellt:Die Haus­zinssteuer ist zu beseitigen. Die gesetzliche Miete ist gleichzeitig um diesen Betrag zu ermäßigen. An der Stelle der Hauszinssteuer ist eine für das Reich einheitlich« Wohnungsbausteuer zu schassen. Diese ist nach dem Maßstabe der Einkommensteuer zu erheben und nur für den Bau von Wohnun­gen und zur Senkung der Neubaumieten zu ver­wenden.

Das gesamte Bundespräsidium wurde durch Zu­ruf wiedergewählt. Dem geschäftsführenden Vor­stand gehören an: Bundesvorsitzender Dzieyk-Ber- lin, Schatzmeister Grothaus-Berlin und Herr Assel- Magdeburg. Der nächstjährige Reichsmietertag soll in Braunschweig stattfinden.

Franzose küßte einem Sta Hand, als er aus seiner entj

Helmer dankbar die etzlichen Einklemmung

befreit war Ein Engländer, der unter zwei Leichen festgeklemmt war und über dessen Kopf der Schweiß- apparat angesetzt werden mußte, um ihn frei zu bekommen, hielt mit bewundernswerter Ruhe still, bis er, durch die Stahlhelmer befreit, fortgetragen werden konnte. Er war blutüberströmt, aber nicht durch die eigenen Wunden, sondern durch die Ver­blutung der über ihm liegenden Toten. Der Be- sreite brachte dankbar ein Hoch auf seine Befreier aus. Ein Rheinländer sagte: Das werde ich Stahlhelm nicht vergessen, daß er mich befreit Auch zahlreiche Tote konnten die Stahlhelmer be­reits bergen, bevor die Mannschaften des Reichs- bahnrettungÄiienstes einsetzten. Sowohl mit der

dem hat!

Buirer Feuerwehr wie auch mit dem Hilfsdienst der Reichsbahn hat der Stahlhelm insgesamt dreieinhalb Stunden gearbeitet.

Les;o«Kva«wevbev in Vevlttt!

Die Auslandsagenten der französischen Fremden­legion haben, demLok.-Anz." zufolge, in Berlin eine regelmäßige Werbetätigkeit ausgebildet. Eine Kolonne von Werbern ist augenblicklich hier am Werk, um unter allerhand Vorspiegelungen junge Leute zu fangen. Die Agenten gehen dabei so gerissen vor, daß man sie obwohl sie schon mehr­fach auf frischer Tat ertappt worden sind nicht dingfest machen konnte. Das Arbeitsgebiet dieser Legionäranwerber liegt vor allem in der Nähe der Bahnhöfe. In den Wartesälen und an den Aus­gängen machen sich die Agenten an junge Leute heran, die dort durch Kosfertragen oder sonstige Dienste.Geld zu verdienen suchen. Meist sind es Arbeitslose, auf die es die Werber abgesehen haben. Kürzlich ist ein Werber in der Nähe des Stettiner Bahnhofs von einem jungen Arbeiter verprügelt worden. Leider konnte der Werber in der Men­schenmenge untertauchen und entkommen.

wie er angibt, infolge eines Irrtums erschossen. Schwert, der herzleidend ist, will in der Nacht durch einen plötzlichen Schrei, den Frau Groß ausstieß, aufgeschreckt worden sein. Er habe in dem Glauben, es seien Einbrecher im Haus, und ohne erst Licht zu

machen, in der ersten Bestürzung mit dem auf dem Nachttisch liegenden Revolver auf einen Schatten, der sich im Zimmer bewegte, geschossen. Erst bei Licht habe er festgestellt, daß er Frau Groß ge­troffen habe. Schwert, der selbst sofort die Nach­barn und die Polizei alarmierte, ist vorläufig in Haft genommen worden. Man ist jedoch geneigt,

Nachttisch liegt der sich im Qi

seiner Darstellung Glauben zu schenken, bei nach den Bekundungen der Nachbarn zwischen ihm und Frau Groß volle Harmonie geherrscht haben soll.

Schmelzofenexplosion

In einer Gießerei in Brackwede explodierte nach einer Blättermeldung aus Bochum ein großer Eisenschmelzofen. Ein Test des Werkes wurde in einen Trümmerhaufen verwandelt. Ein Arbeiter wurde getötet, drei Arbeiter wurden schwer ver­letzt. Das Unglück soll durch Explosion von im Schrott befindlichen Sprengstoffen entstanden sein.

Ehekragödie.

Mannheim, 30. Aug. Die 50 Jahre alte Ehe­frau des 55jährigen Polizeiwachtmeisters Feldkamp aus Mannheim-Feudenheim entfernte sich heute mittag zwischen 11 und 12 Uhr aus ihrer Wohnung und erhängt« sich zwischen Feudenheim und Ilbes­heim an einem Baume. Feldkamp, welcher seiner Frau nachging und sie an einem Baume hängend fand, lief etwa 200 Meter weiter und erhängte sich ebenfalls. Die Ehefrau wurde von Passanten ab­geschnitten und noch lebend ins Krankenhaus ge­bracht, wo sie jedoch in den Abendstunden verstarb. Der Mann war sofort tot. Der Grund zu der Tat ist in einem verlorenen Mietprozeß zu suchen.

K bewegung der Mieterschaft ein. Es kann schon jetzt t gesagt werden, daß eine Zweidrittelmehrheit für ps M dieses verfafsungsändernde Gesetz im Reichstage I bei keiner, wie auch immer gearteten Fassung des Gesetzes zu erzielen fein wird. Aber auch die

1 Freunde des baldigen Abbaues der Hauszins-

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steuer können die dafür erforderliche Mehrheit 8 nicht aufbringen. Und so wird denn voraussichtlich | in der bisherigen Weisefortgewurstelt" werden. ; Sehr bedauerlich ist es, daß Preußen im Hinblick f auf die Einbringung des Gebäudeentschuldungs- f f steuergefetzes im Reichstag ferne Reform der Haus- I zinssteuer und damit die Beseitigung derZwischen- I gewinne für den Hausbesitz, die auf über 200 Mill. I RM jährlich geschätzt werden, wiederum hinaus- geschoben hat.

Das größte Uebel im Deutschen Reiche ist eben I das ungeheure Wohnungselend. Obwohl bereits ff elf Jahre feit dem Kriegsende verflossen sind, ist die Wohnungsnot in Deutschland heute noch grö- M ßer als im Herbst 1918. Der Reinzugang an Woh- s nungen betrug in den zehn Jahren von 1919 bis ? 1928 insgesamt rund 1650 000, also auf das Jahr

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Düren, 27. Aug. Bei dem schweren Eisenbahn­unglück in Buir hat sich der Stahlhelm tat­kräftig an dem Rettungswerk beteiligt und wenige Minuten nach dem Zusammenstoß Hilfe gebracht, als die Rettungszüge der Reichsbahn noch nicht zur Stelle waren. Die Ortsgruppe Buir des Stahlhelm Bund der Frontsoldaten war gerade zu einem Aus­marsch angetreten, als die Nachricht von der Eisen­bahnkatastrophe dicht vor dem Bahnhof des Ortes sie erreichte. Im Laufschritt wurde die Un­glücksstelle erreicht. Die Stahchelmer begannen so­fort zusammen mit den wenigen Beamten der

Ein grausiger Fund

Holzfäller fanden in der Nähe von Rehberg im Böhmerwald unter einem Gewirr von Bäumen, die der Sturm bei den verheerenden Unwettern zu Anfang des Monats Juni niedergeworfen hatte, die Reste eines Zeltes und daneben die Leichen von vier Menschen, zwei Männern und zwei Frauen, alle vier im Badetlikot, schon stark verwest und von tausend Fliegen bedeckt. Die vier Leute sind offenbar von einem Unwetter im Walde überrascht und von den umstürzenden Bäumen erschlagen

worden. Man nimmt an, daß es sich um ri deutsche Touristen handelt, die auf einer W< rung durch den Böhmerwald begriffen waren.

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Station das Rettungswerk.

Der Stahlhelmführer sandte Kraftwagen aus, um Aerzte und Hilfsmaterial heran zu holen, die Stahlhelmer beschafften selbst einen Motor- trecker und einen Schweitzapparat und befreiten, nachdem sie zehn Minuten nach dem Unglücks fall auf der Unfallstelle er­schienen waren, in der nächsten Viertelstunde bereits eine Anzahl in den Wagen eingeklemmter Reisender.

Währenddem hörte man auf der Unfallstelle die Alarmsignale der Feuerwehr . .

, darauf ebenfalls die Rettungsarbeiten aufnehmen ' bis 1935 250 000; in den Jahren 1936 bis 1940 konnte und in kameradschaftlicher Zu- I jammen ar bett mit dem Stahlhelm den un= ' sgiücklichen Paffagieren des Zuges zu Hilfe kam.

Srjdfütternbe Einzelheiten spielten sich ab. Ein

5 berechnet 165 000. Der laufende Zuwachs des Be- aber nach Be-

darfs an neuen Wohnungen beträgt al rechnungen des Reichsarbeitsministerü

Jahren 1927 bis 1930 225 000; in den Jahren 1931

eriums in den

bald.

Ein drittes Todesopfer des Brandes am Surfürsiendamm

BerNn, 30. Aug. Der bei der Brandkatastrophe am Kurfürstendamm verunglückte Feuerwehrmann Christel ist heute nacht im Krankenhaus seinen Ver­letzungen erlegen. Christel war, wie die beiden ande­ren Todesopfer des Unglückes, beim Zusammen­bruch einer Decke in dem brennenden Gebäude ver­schüttet worden.

Ein Schuß in der Nacht.

H90 000 jährlich. Erst von 1941 an tritt infolge des 1 '8rk?kk"^kekmrWtttkwMmf?sw8hrend des Krieges

ein starker Rückgang ein. Es fehlen uns heute

Berlin, 30. Au! Willi Schwert in '

g. Der 32jährige Poftangestellke Nowawes hat vergangene Nacht die 40jährige Witwe Lina Groß, in deren Haus

Fliegende Arbeikslosenbataillone

Ein französischer Oberst hatte den glücklichen Gedanken gehabt, Arbeitslose zu versammeln, ihnen Spaten und Schaufel in die Hand zu geben und sie im Dienst der Allgemeinhest zu verwenden. Der Gedanke ist im. vergangenen Jahr erfolgreich in die Praxis umgesetzt worden. Der Schauplatz des ersten Versuches war das Fürstentum Liechten­stein. Es handelt sich darum, ein großes Terrain, baS durch die große Rheinüberschwemmung im Ok­tober 1927 verwüstet worden war, der Kultur wiederzugewinnen. Zu diesem Zweck warb der Oberst 210 Freiwillige, darunter 78 Frauen, ein eigenartiges intern. Arbeiterbataillon, in dem man an die 20 verschied. Sprachen sprach, u. in dem alle sozialen Schichten vertreten waren. Diese Arbeiter waren vom April bis Oktober 1928 tätig, bei einem Durchschnittsarbeitstag von 9 Stunden. Das Er­gebnis entsprach allen Erwartungen. Die Rücker­oberung dieses Landes und seine Urbarmachung kostete nicht weniger als 30 000 Schweizer Fran­ken, obgleich die Arbeitsleistung jedes Arbeiters nur 60 Prozent des gelernten Arbeiters ausmachte. Der Versuch wurde im laufenden Jahre wiederholt, wobei aber nur Studenten verwandt wurden: man wollte ein einheitliches Milieu schaffen. Diese Stu­denten arbeiteten auf den Weideplätzen im Kanton Wallis, die durch Ueberschwemmungen ruiniert worden waren. Die Gelegenhestsarbeiter erhielten Beköstigung, Wohnung und, nachbem sie drei Wochen gearbeitet hatten, freie Rückfahrt h der Heimat.

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