Nr. 194
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„Briefemänner, Kartenfrauen liegen hundert drin, und sie fragen fers einander: Wo willst du denn hin?"
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Das entzückende Kindergsdicht „Am tosten" von Max Schmerler, das wohl in seiner Mel fehlt, plappern unsere ABC-Kleinen in stol- E ernstem Wissen, und sie stehen mit großen stauenden Augen" am Kästchen der Vorsaaltüre, dessen Klappern immer Neuigkeiten kündet. Ihnen sind noch jeder Brief und jede Karte Zaubergruh der fernen, ach so weiten Welt. Sie wissen nicht, wie wir erfahrenen Alten, daß des Kästchens Klappern auch unheildrohend, Trauer und Leid kündend, tönen kann. Neben heißerschnten Grüßen von zarter, lieber Hand, F reudeniboif ch asten, die das Herz auifjubeln lassen, liegen gar oft schwarzumränderte Briefe drin, Rechnungen, Mahnungen, Wovwürif«, Schmähungen, selbst Blätter, die Vernichter eines Menschenlâns sein können. Im Prieskästen spiegelt sich unser Dasein wieder, das von Leid Wm Glück, vom Jubel zur Wehmut und zur Trauer haftet.
Der blaue Briefkasten an der Sttaßenecke birgt in sich die Fülle aller Geschehnisse, ist Verkünder der Vergangenheit und der Zukunft, ist Schichsal- bèschwörer, Schicksalvernichter. Wir können ihn nicht missen, und seine Geschichte ist alt. Schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts hatt« Paris Briefkästen. In Deutschland wurden die bequemen Nachrichenübermittler erst hundert Jahre später einge- sührt. Offiziell aber traten sie erst im Jahre 1850 in den Dienst der deutschen Post, als die deutsche Briefmarke zur Geltung kam. Und heute fehlt der blaue Briefkasten nicht im entlegensten Dorfe, an feinem noch so hohem Berggasthofe, nicht in ein-
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kamen Tälern.
Die Menschen sind mitteilsam geworden. und die Bedürfnisse unserer Zeit verlangen Fäden von Mensch zu Mensch, vom Einzelnen zur Allgemeinheit. 3m blauen Briefkasten beginnen die Fäden, . iiy Briefkasten enden sie.
. »Briefemänner, Kartenfrauen — liegen hundert drin —, und sie fragen leis einander: — Wo
Der Presfeausschuß eines auswärtigen Lehrer- vereins veröffentlicht folgende Mahnung an die Eltern, die auch der Hanauer Elternschaft an's Herz gelegt fei:
Die Ferien sind zu Ende. Das sollte allen Eltern ein Anlaß sein, die Lebensweise ihrer Kinder wieder auf die Regelmäßigkeit der Schultage einzustellen. In keinem Punkte war diese so außer Ordnung geraten, wie in dem des Zubettgehens am Abend, und zwar leider nicht erst mit Ferienbeginn. Es muß einmal ausgesprochen werden, daß viele Eltern mit dem Schlaf ihrer Kinder ge- radeM unverantwortlich umgehen. Es fehlt ihnen offenbar die Einsicht, daß der Schlaf die Ermüdungsstoffe im Körper beseitigt. Das kann weder durch die kräftige Nahrung noch durch die ausge- Nügeltste Erholung gefchchen. Kein Mensch vermag länger als 5—7 Tage vollständig ohne Schlaf auszukommen. Die Höchstleistung für ununterbrochenes Wachsein, die hoffentlich nur im Dienste der Wissenschaft erzielt wurde, betrug 1908 110 Stunden, also etwa 4% Tage. Sechsdagerennfaihrer und Dauerflieger müssen sich abwechseln im Schlafen. Was schon für Evwachfene gilt, ist erst recht nötig für Kinder, die den Schlaf nicht nur zur Beseitigung der Ermüdungsstoffe brauchen. Das ganze ^Wachstum hängt mit daran. Kinder mit ausreichendem Schlaf hätten also die Aussicht größer zu werden, als wenn sie nicht genug schlafen, und Kinder mit ungenügendem Schlaf« bleiben auch im Körperbau kümmerlich. Daß sie es geistig und seelisch bleiben müssen, ist schon oft dargelegt worden. Die Nervosität so vieler Kinder gerade auch unserer Zeit stammt aus ungedecktem Schlafbedarf. Aus dem Helfen stärkenden Schlaf des Gesunden wird der unruhige, oft unterbrochene Schlaf des typisch Nervöfen. Wenn also schon einmal ein Kind nicht ausschlafen kann, dann ist es nicht so schlimm, ab- gesshen davon, daß es an dem betr. Tage entweder nicht voll leistungsfähig ift oder die herabgesetzte Leistungsfähigkeit überschreitet. Wenn aber ein
Kirch öfter nicht ausschlafen kann, dann müssen die Leistungen leiden, dann entsteht das Anfangsstadium der Nervosität, das Eltern und auch Lehrer sehr oft übersehen, weil sie das Kind täglich und stündlich um sich haben. Noch wäre die Krise rasch zu beseitigen, wenn das Kind etwas Mittagsfchlaf haben könnte. Erholungsheime erzielen damit gute Erfolge. Aber auch der Mittagsschlaf ist nur Ersatz mit all den Mängeln, die jeder Ersatz an sich hat. Nachtschlaf bleibt Nachtschlaf, und der Schlaf vor Mitternacht ist wirklich der beste.
Leider haben viele Kinder nicht ausreichend Nachtschlaf. Es liegen darüber ziemlich viele Unterlagen schon vor. Es soll hier von den vielen Sonn- tagsföstlichkeiten abgesehen werden, die oft ganze Teile unserer Schulklassen in der Montag sabbeit ungünstig beeinflussen. Was das für die gesamte Schularbeit bedeutet, dâs kann nur der Schulmann wirklich ermessen. Die Oeffentlichkeit, die so gern über mangelhafte Leistungen der neuen Schule klagt, sollte mithekfen, daß auf keiner Festlichkeit bis in die wirklichen Nachtstunden hinein Kinder anwesend sind. Viel schlimmer noch wirkt sich die Tatsache aus, daß unsere Kinder im Sommer durchweg zu spät ins Bett kommen. Der Strahenlärm, der mit dem wachsenden Verkehr ein Offenhalten der Schlafstubenfenster während der Schlafenszeit unmöglich macht, und die Wohnungsverhältnisse, welche die Familienmitglieder auch in den Schlafzimmern zusammendrängen, sind gewiß mildernde Umstände dabei. Ernster liegt schon der Fall in den Störungen der Abendruhe durch singende, rufende, pfeifende und schreiende Jugendliche. Noch schwerwiegender ist die Störung durch zu laute Musik. Auch größere Schulkinder bedürfen der Nachtruhe mindestens von 21 Uhr ab. Wie oft aber sind dann Kinder noch auf der Straße oder in Gärten. Die frühere Abenddämmerung muß jetzt ausgenutzt werden, damit unsere Kinder rechtzeitig zur Nachtruhe und damit zu einem ausreichenden Schlaf kommen.
ton- Willst du denn hin?
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Hanau und die Ämsvüuduna des GlektvovovbaudeS Mittel- deutsrblandS
Wie bereits wiederholt berichtet, besteht die Absicht, eine Umgründung des im Januar 1923 gegründeten Elektrozweckverbandes Mitteldeutschlands vorzunehmen und die Schaffung eines Kommunalen Elektroverbandes Mitteldeutschland A.-G. mit dem Sitz in Kassel vorzubereiten. Vor einiger Zeit ist in dieser Beziehung von der Geschäftsführung des Elektrozweckverbandes eine Denkschrift ausgearbeitet und den in Frage kommenden Kommunen zugestellt worden. Ueber den Inhalt der Denkschrift ist nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen, dafür übermittelt jetzt der V orstand des Elektrozweckoer-
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tingen vorgeschlagen wurde, ist die Selbständigkeit der Städte gewährleistet, im übrigen aber der Zweck des Zusammenschlußes, die Sammlung der Kommunalinteressen in einer Hand, erreicht. Die Preußische Elektr. A.-G. wird an dem Aktienkapital der Gesamtgesellschaft beteiligt werden."
Wie Herr Oberbürgermeister Dr. Blaum in der letzten Pressebesprechung mitteilte, ist der Plan, nach dem die einzelnen kommunalen Elektrizitätswirtschaften der Stadt- und Landkreise aufgegeben und eine einheitliche Elektrizitäts-A.-G. mit dem Sitz in Kassel eingerichtet werden soll, von verschiedenen Seiten abgelehnt worden. Auch die Hanauer Betriebswerke-Kommission hat sich bereits vor Monaten im ablehnenden Sinne entschieden, da Hanau ■mit Rücksicht auf die Bedeutung seiner eigenen Elektrizitätswirtschaft diese nicht aufgeben kann. Die BerteUungbe^Gtrome^ von so großer Bedeutung,
wirtschaft abzulehnen ist, daß Hanau vielmehr seine Elektrizitätswirtschaft in der Hand behalten muß.
Da auch noch andere kommunale Körperschaften gegen die geforderte Aufgabe der Selbständigkeit ihrer eigenen Werke Bedenken hegen, so läßt sich noch nicht sagen, ob die von der Verwaltung des Elektrozweckoerbandes Mitteldeutschland geplante Umgründung zur Durchführung gelangen wird.
Die Asbettszekivevhandluttsen in der Metallindustrie
Gestern fand in 'Frankfurt die erste Derhand- lung über die von den Metallarbeitergewerkfchasten gekündigte Arbeitszeit statt. Die Arbeitgeberver- treter stellten als Gegenforderung in der Verhandlung eine Erhöhung den 'bestehenden Arbeitszeit von 51 aui 53 Stunden in der. Worbe ant Be
großen Senat der Universität Marburg zum Ehrens Senator ernannt worden.
* Aulobusunfall. Am Sonntag abend gegen ^8 Uhr fuhr nach dem Passieren einer großen Kurve unb’eines Bahnübergangs bei Zell im Odenwald ein mit Vereinsmitgliedern von Mittelbuchen besetzter Omnibus der Kraftverkehrs-Gesellschaft Hanau Stadt und Land G. m. b. H. in einen L30 bis 1.40 Meter tiefen Chausseegraben. Durch den Unfall des Wagens wurden durch Glassplitter usw. einige Personen verletzt. Erfreulicherweise sind die Verletzungen nicht erheblich. Die Ursache des Un- salls ist von der Landes-Krimmalpolizei Darmstadt an Ort und Stelle und durch Versuche eingehend untersucht worden; einwandfreie Feststellungen haben sich noch nicht ermöglichen lassem Der Wagen wurde durch die unweit davon beschäftigte Dampf-Straßenwalze ohne große Mühe aus dem Graben gezogen, er war vollkommen fahrbereit und konnte mit eigener Kraft von Zell nach Hanau zurückfahren.
* Ausgestellte Masserproben. Die hiesigen Main- Badeanstalten haben in den Schaufenstern verschiedener Geschäfte (Derkehrsverein. Krämerstraße; Sporthaus Schwaab, Hammerstraße; Königs Buchhandlung, Römerstraß«; Friseur Kern Nachf. Steinheimerstraße und Buchhandlung Volksstimme) Wasserproben ausgestellt und zwar Proben vom Main-, .Kinzig- und Quellwasser.
* Die Arbeitsgemeinschaft katholischer vereine Hanaus hat die Durchführung der weltlichen Feier des Kirchweihfestes der Kath. Gemeinde Hanau übernommen und veranstaltet die „Kerb" am Sonntag, 25. August, in der Stadthalle. Die Vorbereitungen zum besten Gelingen des Festes sind in vollem Gange. Ein dem Kirchweihfest angepaßtes Programm unter Mitwirkung der Feuerwehrkapelle Hanau sorgt für gute Unterhaltung. Der Eintrittspreis (0.70 RM) ist so gehalten, daß allen Gemeindemitgliedern die Teilnahme am Feste möglich ist. Der Beginn ist auf 7 Uhr abends festgesetzt. Wegen des zu erwartenden starken Besuches empfiehlt sich der Kartenvorkauf in den bekannten Lokalen und Geschäften. Aus die in dieser Woche noch erscheinenden Anzeigen sowie auf die Plakate sei besonders hingewiesen.
* Sonderzüge zur Leipziger Herbstmesie. Die Sonderzüge verkehren wie alljährlich am 23. und 24. Äugest um 12.16 Uhr ab Hanau Hauptbahnhos. Da die Züge nur eine begrenzte Anzahl Reisende auf- n«hmen, sind Fahrkarten sofort zu lösen. Die Fahrkartenausgabe erfolgt durch die Agentur des Norddeutschen Lloyd Fv Königs Buchhandlung. Siehe auch heutige Anzeige.
* Ferienkurse an der Frankfurter Universität. Mit Genehmigung des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Frankfurt zu ihren Vorlesungen und Uebungen Ergänzungskurse (Konservatorien) eingerichtet, die erstmalig am 10. Septmebr beginnen. Zu diesen Ferienkursen werden zugelassen außer den imma- tritutierten Studierenden der hiesigen Universität auch solche Studierend«, die bisher an einer anderen Universität studiert haben, im folgenden Semester
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icht viel anzufangen ist:
„Von der Verwaltung des Elekttozweckverban- Shes Mitteldeutschland wird mitgeteilt, daß die Vor- jhrbeiten für einen möglichst weitgehenden Zusam- )mensck)luß der Verbandsglieder zu einer Aktienge- Usellschaft soweit vorgeschritten sind, daß den Be- I schlußkörperschaften der Kreise und Untergesellschaf- I fen die Frage ihres Eintrittes in die A.-G. zur Entscheidung vorgelegt werden konnte. Anfang . September werden diese Entscheidungen vorliegen. Den Städten ist dabei nahegelegt worden, daß sie ihre gewerblichen Betriebe ebenfalls in die Form von Aktiengesellschaften bringen und darüber entschei- - den sollen, w ie weit sie sich durch gegen« jeiligen Aktienaustausch mit der großen Gesellschaft verzahnen mol« l è n. Bei diesem Modus, der von der Stadt Göt-
Oberbürgermeisters, nicht möglich ist, das städtische Elektrizitätswerk an eine Aktiengesellschaft in Kassel zu verkaufen, in der die Landkreise die Mehrheit haben und daher richtunggebend sind, vor allem die Landkreise des Fulda-Weser-Gebietes, die den Verhältnissen hier am Main vollkommen fernstehen. Die Stadt Hanau hat ihre Elektrizttätswirtschaft mit großen Opfern, aber auch mit großem Erfolg vorwärts gebracht — dieser Erfolg kann aber bei einem ganzen oder SOprozentigen Uebergang des Werkes an eine Stelle in Kassel gefährdet werden. Es kommt noch hinzu, daß Hanau zu einem Gebiet gehört, innerhalb dessen im Laufe der Zeit noch Aenderungen der kommunalen Elektrizitätsversorgung eintreten können. Aus all diesen Gründen ist der Oberbürgermeister der Ansicht, daß die in der angeführten Denkschrift verlangte Aufgabe der Selbständigkeit auf dem Gebiete der Elektrizitäts-
durchsetzen. ach längerer eingehender Aussprache wurde von den Vertretern des Deutschen und des Christlichen Metallarbeittrverbandes die Forderung der Arbeitgeber angegriffen und eine Reduzierung der S1-Stundenwoche verlangt. Die Arbeitgeber- vertreter beharrten aber auf ihrer Forderung. Die Verhandlungen müssen, nachdem eine Verständigung nicht zustandegekommen ist, als gescheitert betrachtet werden.
* Daten für Mittwoch, 21. Aug. gang 4.54, .Sonnenuntergang 19.11
Sonnenauf- Uhr; Mond- Uhr. 1820:
aufgang 20.3, Monduntergang 5.35
Der Physiker John Tyndall in Leighlin geb. 1838:
Der Dichter Adalbert v. Chamisso in Berlin gest.
* Zum Ehren-Senator ernannt Herr Land- gerichtspräsident a. D. Grimm ist durch den
benützen wollen. Ms Ausweis für den Kurfusteil nehmer dient die Studienkarte bzw. die Exmatrikel. Die Studierenden der Frankfurter Universität können die einzelnen belegten Konversatorien in das Testierbuch eintragen. Die übrigen Studierenden erhalten über ihre Zulassung eine von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät erteilte Bescheinigung. Das Unterrichtsgeld beträgt für ein lOftünbiges Konversatorium 3 Mark, steigend bis zu 18.— Mark für ein 60 stündiges. Das Belegen des diesjährigen Herbstkursus geschieht bei der Uni- versitätquästur in der Zeit vom 10. bis 17. September.
* Preuß. Klassenlotterie. Am 10. Ziehungstage wurden unter anderen folgende Nummern gezogen (ohne Gewähr): 36 193, 90 354, 105 882, 244 330, 244 371, 268 673, 284 367, 307 252, 317 677, 346 330, 346 334.
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Von Erica Grupe-Lörcher.
(Schluß) (Nachdruck verboten)
Ja, sie wollte es sein, die ihn jetzt hier willkommen hieß!
Wellner begrüßte sie. Es war ein Reiz [eines Gesichtes, daß seine klugen Züge immer seine Ge- danken, sein Empfinden so klar unb ausdrucksvoll “'bespiegelten. Immer und jedesmal erschien er Gr deswegen neu und interessant. Man setzte sich, âan sprach zu britt über einiges, was am nächsten lag. Wann Wellner hier angekommen sei. Wann Es wieder weitergehen solle. ' Unb wo er sich von Kmen jungen Freunden, der Gruppe der Studenten, verabschiedet habe.
. Durch hje -weit geöffneten Balkontüren schwebten 'Gwer noch die reizenden Melodien der Holzpfeifen und Instrumente herauf, die das Volk beim Tanze Wetteten. „Ich hatte eben den Wunsch, mit meiner Schwester unten den Tanz aus der Nähe anzu- Men, da von hier oben der Blick behindert ist! "Sollen Sie mich einige Zeit, eine klein« Weile Enychuldigen, Herr Doktor?"
Kellner stimmte zu. Er wurde sehr still. Man luylte, er rang mit Entschlüssen und Gedanken. " gatte sichtlich den Wunsch, über anderes hier lprechen zu können, als über oberflächliche Reise- PGne. „Ich bitte Sie, lassen Sie sich ja nicht durch abhalten I Ich kann Ihnen nur raten, sich den aus der Nähe anzusehen. Es ist sehr reiz- 3 diesen Anmut im Tanz und die lächelnde ^evenswürdigkeit der Gesichter zu beobachten! Sr,Wn Sie gestatten, bleibe ich hier bei ihrem Mullin Schwester, denn ich bin mit dem Wunsche jG möge mir heute eine Unterredung gewahren!"
m^db wenn auch Dietward ihr Bruder war, und in DGtward all ihre letzten Erlebnisse bis M aste Einzelheiten miterlebt hatte, so wurde es An» " ^'fa dach leichter, Wellner jetzt unter vier tn-A Don all dem zu sprechen, durch das sie hin-
Wacgiuigcn war.
r !aß ihr in einer kleinen Entfernung gegen- und hörte mit gesenktem Blick zu. Mein Wort
sprach er. Seine Züge waren sehr ernst. Zum Ernst trat ein Schmerz hinzu, als Maria Luisa ihm die Sekunden schilderte, in denen sie zum Entschluß samt, im letzten Augenblick die Konsequenz aus ihren Gefühlen und ihrer immer mehr aufgepeitschten Abneigung gegen Camillo zu ziehen.
Als sie geendet, gab es ein langes Schweigen, Aber es war nicht lastend, es war nicht qualvoll. Es war, als ob sich gerade in dieser Stille die Herzen nun zusammenfanden.
„Ich hätte das alles nicht für möglich gehalten, Maria Luisa", sagte- Kellner endlich aus seinen Gedanken heraus. „Als ich Ihnen vor wenigen Tagen auf dem Studentenabend die Hand zum Abschied bot, dachte ich, es fei für mich ein Abschied für immer! Nun aber weiß ich — und ich danke es der Schicksalsfügung, daß Sie sich selbst wiedergegeben sind. Und — auch unserer deutschen Heimat!"
Er erhob sich jetzt, da sein Herz übervoll war, und ging elastisch unb in starker Lebendigkeit auf sie zu, um ihr die Hand hinzustrecken.
„In mir ist das alles noch lange nachgegangen, was Sie damals über Spanien sagten, Maria Luisa, besonders seit jenem Tage, als wir zusammen in Granada, auf dem alten Wachtturm standen. Es ist mir ein Stich durchs Herz gegangen, als ich sah, mit welchem Jubel, mit welcher Inbrunst Sie ihre Arme der Sonne entgegenbreiteten, die gerade über dem schönen Andalusien untergingl"
Auch sie hatte sich erhoben, von seiner Hand mit emporgezogen. Sie war sehr ernst geworden. „Und jetzt habe ich mich von ihr abgewandt, Doktor! Ich habe erkannt, daß ich sie nicht mehr mit ihrem Glühen und unaufhörlichen Leuchten ertragen kann, seitdem ich meinem ersten geliebten Leben die Augen schließen mußte. Seither weiß ich, daß sie mir ine die zweite Heimat werden kann. Und deswegen werde ich —"
„Deswegen worden Sie Ihre deutsche Heimat wieder so lieben, wie Sie sie vorher geliebt haben, Maria Luisa! Sollen wir eine Heimat innerlich aufgeben, weil sie unter einer weniger glücklichen Sonne liegt, weil in ihr auch die Natur sich schwerer zu allem hindurchringt? Entspricht es Ihnen, die Sie doch die Kriegszeiten auch in all ihren Nöten durchlebt haben, nicht viel mehr, in einer Natur zu leben, die sich dem ringenden, dem um
Sonnenschein und Luft ringenden Deutschland an» gepaßt?"
Sie sah ihm in die Augen und legte ihre zweite Hand auf die seine. „3a", sagte sie dann fest, „und Sie sind es gewesen, Doktor, der unaufhörlich mich gemahnt hat und mir das begreiflich gemacht und mich wieder zur Heimat zurückgerufen hat! Wie ein getreuer Eckart."
„Siebet!" und er zog ihre Hand nun an seine Lippen, „wie ich dir für dieses Wort, für dieses Lob danke! Laß dir die Worte von Ernst Moritz Arndt in dieser Stunde durch den Sinn gehen, in denen er davon spricht, daß wir unsere Heimat lieben müssen — weil sie eben unsere Heimat ist! Und ob es kahle Felsen seien, und ob es ein dürftiges Land fei, — auf ewig müssen wir das Land lieben, in dem „Gottes Sonne zuerst über uns schien"! Denn das ist unsere wahre Heimat!"
So wurde es klar und leuchtend und still zwischen ihnen beiden. Nichts Fremdes stand mehr zwischen ihnen. Die feinen, zarten und zärtlich- schmiegsamen Töne der Holzbläser klangen wieder zu ihnen herauf. Sie traten auf den Balkon. Schlank und vornehm reckten sich die Palmen im weiten Rund um den Platz. Ein vergißmeinnichtblauer, wolkenloser Himmel spannte sich über die Stadt. Drunten glitten und hoben und senkten sich die Füße der Tanzenden in einer unnachahmlichen Grazie zu den Klängen der Sardana. Ein Lächeln lag aus den verschiedenen Gesichtern, — ein Lächeln des sorglosen, glücklichen Jndentaglebens. ein Lächeln, das nicht auf sorgenverzerrten Gesichtern lag.
Hier tanzte ein sympathisches Volk seinen allsonntäglichen Volkstanz. wie es seit langen Jahren getan, ein Volk, das nicht von einer Welt von Feinden zu Boden gepreßt worden war.
Wellner sprach von all seinen Gedanken hierüber. Er schloß mit der Frage, ob Maria Luisa sich entschließen könne, als seine Lebenskameradin in einem Lande zu bleiben, in dem man für jeden Sonnenstrahl dankbar war, in dem man jede Blume grüßte, die sich zur Entfaltung hindurch- gcriingen.
In dem über all die sorgenvollen Gesichter sich nun wieder der Frieden glättend legen würde.
Sie legte ihre Hand still in die feine. Denn es war ihr als müsse sie ihm nun solgen. Denn — rief nicht in ihm sie ihre deutsche Heimat?
ÜHiet neuer Koma«
von Senta Reckel
beginnt morgen. Der Roman ist spannend, erfährt in jeder Fortsetzung eine Steigerung und interessiert bis zum L-chlußkapitel. Er wird mit Begeisterung gelesen werden.
Dev Klan«, der Gievue analysierte
Zum 30. Todeslag Robert Bunsens.
Don Dr. Ernst Michael.
o Vor einem Jahrhundert hätte man einen Narren gescholten, wer sich vermessen hätte, zu prophezeien, daß es einst möglich sein würde, die chemische Zusammensetzung von Sternen so genau festzustellen, als könnte man sie im Laboratorium analysieren. Robert Bunsen, dessen Todestag sich am 16. August zum 30. Mal jährte hat dieses unlösbar scheinende Problem bewältigt. Dieser bahnbrechenden Entdeckung war ein langes, erfolgreiches Leben im Dienste der Wissenschaft vorausgegangen. Bunsen war 1811 in Göttingen geboren. In jungen Jahren unternahm er weite Studienreisen durch Deutschland, Oesterreich, der Schweiz und Frankreich, wobei er geologische und technische Beobachtungen machte und Hütten, Fabriken und Bergwerke studierte. 1835 wurde er in Göttingen Ordinarius, war später Professor in Kassel, Marburg, Breslau und Heidelberg, wo er von 1852 bis 1889 als Lehrer wirkte und zehn Jahre später starb. Er blieb, wie er sagte, aus Zeitmangel unvermählt.
Das Hauptgebiet seiner Forschung war Inc physikalische Chemie, nur eine einzige Arbeit be- aßte sich mit dem Gebiet der Kohlenstoffverbin- dungen, der organischen Chemie, nämlich mit einer Verbindung von Arsen und Kohlenstoff, die wegen des jetzr durchdringenden, unangenehmen.Geruchs