Einzelbild herunterladen
 

Ikr. 190

Donnerstag den 15. August 1929

Seite 3

Lokales.

Hanau, 15. August.

Shtmett-, Tiev- und Vogelschutz- ÄluSfteUuns

Der Verein deutscher Rosenfreunde e. V., Orts­gruppe Hanau, die Gruppe Kinzigau des Reichsver, bandes Deutscher Gartenbaubetriebe und der Hanauer Tier- und Vogelschutzverein veranstalten obige Ausstellung in den Räumen der Turnge­meinde. Im großen Saale werden auf langen Tischen ca. 15 000 Schnittblumen aller Arten und Farben in Vasen gezeigt. Im kleinen Saale zeigt der Tier- und Vogelschutzverein manches Inter­essante aus der Tierwelt usw. Seit Monaten sind die Gärmer aus Hanau und Umgebung eifrig be­müht, trotz anhaltender Hitze und Trockenheit schöne Blumen heranzuzüchten. Die neuesten Rosen wer­den mit Flugzeug und Autos nach Hanau befördert, damit die Knospen frisch bleiben. Die erste Blumen- Ausstellung hatten obige Organisationen 1926 im „Turn- und Fechtklub" veranstaltet. Wir er­innern uns, daß am Sonntag, also am letzten Aus­stellungstage ein Massenbesuch zu verzeichnen war.

Die Ausstellungsleitung bittet uns darauf hinzu­weisen, daß der schönste Sag des Besuche? am Frei­tag und Samstag ist, zumal am Sonntag die Um- gebung stark vertreten fein wird. Diè offizielle Eröffnung findet morgen Freitag, nachmittag 4 Uhr statt. Am Samstag, abends 7 Uhr veranstaltet der Hierein ein Promenadekonzert auf dem Marktplatz; ausgeführt von einer 30 Mann starken Kapelle, die ab 8 Uhr im Garten des Bürgervereins, Franzö­sische Allee ein Begrüßungskonzert gibt, zu dem jedermann Zutritt hat. Dieselbe Kapelle konzertiert am Sonntag, 18. August, von 11—12 und von 3—6 Uhr in der Ausstellung, Turnge­meinde. Am Sonntagabend 6 Uhr ist Schluß der Ausstellung. Ab 8 Uhr Blumenbali mit Unter­haltung durch erste hiesige und auswärtige Künstler. Die Bkumen werden gratis an die Ball-Teilnehmer verteilt. Verschiedene Firmen stellen Geräte usw. aus. Im übrigen verweisen mir auf das heutige Inserat.

LubjSaum bet? Avbettev-Svori- und Svkelvevetnrsuns 64

Die Arb eiter-Sport- und Spiel- vereinigung 04 Hanau, in der sich fast alle Arbeitersportvereine zusammengeschlossen haben, veranstaltet in den Tagen vom 17. bis 19. August ein Jubiläumssportfest. Den Auftakt zu diesem Sportfest bildete gestern abend eine Veranstaltung auf dem Marktplatz. Von 7 bis 8 Uhr wurden von der Kinderabteilung der Vereinigung Frei­übungen gezeigt, die allgemein Beifall fanden. Diese Darbietungen wurden umrahmt von Gesangs- vorträaen der Arbeitergesangvereine „Vorwärts" und „Union", ferner von Konzertstücken, gespielt vom städtischen Orchester.

Am Freitag findet ein Fackelzug statt. Für Samstag und Sonntag sind Wettkämpfe vorgesehen, die auf dem Sportplatz (hinter dem Kleinbahnhof) ausgetragen werden. Am Sonntag (mittags 2 Uhr) findet außerdem ein Festzug statt, der durch fol­gende Straßen marschieren wird: Mühlstr., Rosen-

LinMtM> Römerstr., Heumarkt, Frankfurter Stratzè', Sternstr., Platz der Republik (Südseite),

Schirnstr., Nordstr., Badergasse, Gr. Dechaneistr., Marktstr., Alistädtermarkt, Schloßstr., Steinstr., .Nordstr„ Wilhelmsbrücke, Lmnboystr., Aepfelallee, Scharnhorststr., Gneisenaustr., Festplatz. Ein Feuer­werk wird am Montag abend das Fest beschließen.

Vom Landesavbsttsami

Dem Landesarbeitsamt Hessen, das die Provinz Hessen-Nassau, den Freistaat Hessen und den Kreis Wetzlar mit zusammen 24151 Quadratkilometer Flächeninhalt umfaßt, sind insgesamt 18 Arbeits­amtsbezirke unterstellt. Auf diesem Raum befinden sich 3307 Gemeinden mit 3 715 497 Einwohnern, von denen 1090 200 Personen versichert sind, also

Kevienende

Dom Urlaub zurück — Schulbeginn!

Die schöne Zeit der Ferien ist zu Ende! Die Er­wachsenen kehren wieder mit neuen Kräften an ihre Arbeitsstätte zurück. Für die Kleinen beginnt wiederum der tägliche Gang zur Schule. Noch lange werden sie träumen von ihren Erholungs­stätten, von den seligen Wochen, in denen sie die Natur auf Bergen oder an der See io richtig ge­nossen, und von Klettcrpartien, von Strandprome­naden, von Sonnenbädern, von Wanderungen durch Wälder und Felder, von sorglosem ungebun­denem Leben! Und wenn diese Träume verklungen sind, so bleiben immer Bestandteile der Wirklich­keit, sonnenverbranntes Aussehen, Photographien und andere Erinnerungszeichen als Andenken an die schöne Ferienzeit zurück.

Gewiß, man hat sich erholt, die stark verbrauch­ten Nerven sind gestärkt. Man fühlt in sich wieder Kraft und Energie und geht mit doppeltem Feuer­eifer wieder an die Arbeit. Alles wird nun viel besser, doppelt leicht und einfach gehen. Aber der Wiederbeginn des normalen täglichen Lebens fällt einem doch etwas sauer, viel schwerer jedenfalls, als man es sich vorgestellt hat. Besonders unsere Kleinen brauchen Zeit, um sich wieder an den Schulzwang zu gewöhnen. Es ist nicht so einfach, jetzt -wieder stundenlang im Schulzimmer stillsitzen zu müssen, nachdem man wochenlang an ein freies ungebundenes Umhertollen gewöhnt war. Wer fragte in den Ferien nach rechtzeitigem Aufstehen, um pünktlich zur Schule zu kommen? Wer lebte in ständiger Angst vor dem nächsten Tag, an dem man irgend ein Gedicht auswendig gelernt haben, Mathematikformeln auswendig'kennen oder über die Panischen Kriege Bescheid wissen soll. In den letzten Wochen drohte kein Klassenaufsatz, keine französische Uebersetzung. Man brauchte keine la­teinischen Vokabeln zu lernen, mußte nickst physi­kalische Formeln beherrschen. Sicherlich hat man­cher fleißige Schüler seine Bücher und Hefte auch mit auf die Reise genommen in der Absicht, manche Regenstunde mit Lernen auszufüllen. Aber wohl die Wenigsten haben ihre Schulbücher aufgemacht, sicherlich bringen sie sie ebensogut verpackt wieder mit nach Hause wie sie sie Mitnahmen. Auch die Eltern waren in den Ferien nachsichtig; sie sagten wohl manchmal; „Morgen wirst Du aber eine Stunde lernen". Aber dann war am nächsten Tag schönes Wetter, und man eilte ins Bad oder unter­nahm eine kleine Bergtour. Und mit dem Stu­dieren war es wieder nichts.

Was hilft das alles jetzt? Das Pensum muß gekonnt werden, und wenn auch in den ersten Wochen nach Schulbeginn nicht viel Neues durch­genommen wird; diese Schonfrist wird auch bald vorbei sein. Man muß sich wieder nachmittags hin­setzen und Vokabeln lernen, Aufgaben machen, Uebersetzungen liefern und sich mit mathematischen

rund 50 Prozent der Einwohnerzahl. Die Zahl der Hauptunterstützungsempsänger betrug am 15. No­vember 1928 57 847 und hat sich bis zum 15. Mai

1929 auf 65 661 Personen gesteigert,

reichte sogar am 15.

Höhe von 110 646. Es

er- die

Februar 1929

entfielen auf je

Kitjeite),, 1QQQ,

___-_______... ________ „„ __„-,________________

~ " 17,6 Unterstützungsempfänger. • Die Höchstziffer der als Himmckfahrtstag sich allgemein durchsetzte.

Hauptunterstutzungsempfänger erreichte der Bezirk

Offenbach mit 61,8 Personen auf je 1000 Einwoh­ner, dann folgte in weitem Abstande erst Frankfurt mit 23,3, sodann Hanau mit 22,1, Worms 19,7, Kassel 17,3, Wetzlar 13,7, Dillenburg 13,4, Hersfeld 13,1, Limburg 12,9, Marburg 11,2, Mainz 10,9, Fulda 10, Treysa 5,6, Gießen 4,3 und Cor bad) 1,2.

MaviS Armmelkabvt

Das Fest Mariä Himmelfahrt — Mtum assump- tionis S. Mariä zählt zu den höchsten Festen der römisch-katholischen Kirche. Es wurde in Deutsch­land, noch bevor es um die Mitte des 9. Jahr­hunderts vom Papst Leo IV. in Rom selbst all-

Formeln herumplagen. Da erlöschen bald die frohen Erinnerungen an die schönen Ferientage, die strenge Wirklichkeit fordert ihr Recht, die für „ewig" geschlossenen Feriensreundschaften werden vergessen, und wenn man dann nach langer Zeit wieder einmal die Photographien, die auf der Kur­promenade ober im Familienbade ausgenommen wurden, hervorholt, so weiß man kaum mehr, wer dieser oder jener, mit dem man wochenlang täglich frohe Stunden verlebte, gewesen ist.

Der nun wieder elnsetzende Alltag weiß nicht viel von goldener Freiheit und Unbeschränktheit. Er verlangt angestrengte Arbeit, um das gesteckte Ziel zu erreichen, die geforderte Arbeit zu leisten. Unsere Kinder haben es noch etwas besser. Solange es geht, halten die Eltern von ihnen die Sorgen fern. Sie haben nur ihre Schulsorgen, die sie zwar oft bitter plagen mögen, hinter denen aber doch nicht der wirkliche Ernst des Lebens steht.

So ganz nutzlos ist für uns alle die schöne, freie Zeit doch nicht gewesen. Jeder hat sich sicher etwas von der strahlenden Sonne, die er unter­wegs genoß, die über die Fevientage gebreitet war, mit nach Hause gebracht. Jeder von uns hat sich sicher etwas von den herrlichen Stunden bewahrt für Kontor und Büro, für den Verkehr mit Freun­den und Bekannten. Das, was uns unterwegs so erfrischte und erheiterte, sollen wir als köstlichen Schatz hüten, sorgsam bewahren und verwalten. Das ist es ja gerade, was mir durch unsere Reise gewonnen haben, was uns zur Verfügung stehen soll und in Erinnerung bleiben soll, bis wir in Jahresfrist roieber in bie schöne freie Welt hinaus­fahren können.

Die goldene Zeit der Ferientage ist vorüber! Mancher hatte nicht das Glück, sie fern von seinem Wohnort verbringen zu können, mancher mußte zu Hause bleiben, vielleicht weil ihn irgendwelche Familienverhältnisse, der zu geringe Verdienst dar­an hinderten, oder er die großen Ausgaben für eine Reise scheute, um wegzufahren. Nun, ganz nutzlos werden auch die zu Hause Gebliebenen die Ferienzeit nicht haben verstreichen lassen. Und viele mögen darüber verwundert gewesen sein, als sie bemerkten, daß man es sich auch zu Hause recht nett und gemütlich machen konnte. Und wenn trotzdem vielleicht bei solchen ein kleiner Rest von Unbefriedigtsein zurückblieb, dann deshalb, weil man auch doch gar zu gerne etwas von der schönen Welt gesehen hätte. Ihnen bleibt die Hoffnung auf das nächste Jahr. Vielleicht haben sie sich bis da­hin die pekuniären Verhältnisse schon gebessert, daß man dann in eine schöne Sommerfrische fahren kann und alles in diesem Jahr Versäumte nach­holen kann. Diese Hoffnung wird im beginnenden Arbeitsjahr so manchen ausrecht erhalten.

gemein eingeführt wurde, schon am Anfang des Jahrhunderts durch die Mainzer Synode und das Aachener Konzil als Kirchenfeier festgelegt. Zu- nächst war man sich freilich über das Datum des Festtages nicht einig. Vorerst legte man es in der fränkischen Kirch« und auch in Deutschland auf den 18. Januar, bis IdiüeMtcb der von Rom anaeiekte

kanntlich verbindet die katholische Kirche mit Mariä

Himmelfahrt die Sitte, Kräuterbüschel, die soge­nannten Marienkräuter, Marienwische oder Würz- wische zu weihen, weshalb das Fest auch im Volks­mund den Namen „Unser Frauen Würzweihe" erhalten hat. Büschel von Kräutern und Korn­ähren werden in der Kirche geweiht und dann auf-

bewahrt. Sie dienen als Heilmittel gegen Krank­heiten und als Schutzmittel gegen Gewitternot. Vermutlich geht sogar der Name einer bekannten, alten deutschen Sticht, nämlich Würzburg, auf den _ „ _ „ . „ , . . ,

Brauch der Kräuterweihe zurück. Jedenfalls hießjrenz (15 Vereine) und bei recht guten allgemeinen sie im 12. Jahrhundert schon die „Kräuterstadt", Leistungen behaupteten die Hanauer die Spitze. Für und es ist wahrscheinlich, daß Mariä Himmelfahrt den Chor, sowie seinen Dirigenten, Herrn Gregor in ihren Mauern mit großen Feierlichkeiten be- Reinfurth-Hanau ist dies ein beochtungswerter Er­gangen wurde, wie dies auch heute noch gerade folg.

in Würzburg neben Köln in besonderem Maße der Fall ist. Eine finnige Legende sucht den Brauch folgendermaßen zu erklären: Am dritten Tag nach der Bestattung fanden die Jünger und Apostel die Gruft der Jungfrau Mariä leer, aber die heilige Stätte war voll duftender Blumen und Kräuter. Der Brauch der Kräuterweihe stellt also eine Er­innerung an die Mutter Gottes dar. Die Kräuter, weihe hat Mariä Himmelfahrt auch zum Haupt- sest der Herboristen, der Apotheker und Drogisten gemacht. Ebenso feiern Gärtner, Blumen- und Gewürzhändler Marta als Schutzpatronin und. Mariä Himmelfahrt als besonderes Fest. In merk, würdiger Weise wurde dieser kirchliche Festtag mit einem geschichtlich politischen Namen und Be­griff verknüpft, nämlich mit Napoleon. Im Elsaß führt Mariä Himmelfahrt vielfach die Bezeichnung „Napoleonstag". Der Korse verlegte seinen Ge­burtstag, der, wie behauptet wird, eigentlich der 5. Februar 1768 war, auf den 15. August des­selben Jahres wie man vermutet, um als ge- borener Franzose zu erscheinen, denn Korsika wurde erst im Juli 1768 französisch und außerdem, um seinen Geburtstag mit einem vom ganzen Volk« begangenen, kirchlich-nationalen Festtag zu verbinden.

Daten für Freitag. 16. August. Sonnenauf- 4.45 Uhr, Sonnenuntergang 19.21 Uhr;

gang 4.45 ,, „

Mondaufgang 17.55 Uhr, Monduntergang —• Mond in Erdferne. 1743 Der Chemiker Laurent Laooisier in Paris geb. 1832 Der Philosoph Wil, Helm Wundt in Neckarau geb. 1899 Der Chemiker

Wilhelm Bunsen in Heidelberg gest.

* 82. Geburtstag. Ihren 82. Geburtstag feiert heute in voller geistiger fRüftigfeit Frau Katha­rina Schaadt, Marktplatz 6.

* hospikalkirche. Heute abend 8 Uhr Bibel­stunde, Herr Pfarrer Uloth.

* Konfirmanden-Anmeldung. Die Anmeldung der Ostern 1930 zur Konfirmation kommenden Kin­der, die durch den Vater oder die Mutter zu get schehen hat, wird für die Marien- und Johannes­gemeinde Montag, 19. August, und Dienst t a g, 20. August, von 3—6 Uhr in der Sakristei der Johanneskirche entgegen genommen. Kinder, welche nicht in Hanau geboren sind, haben ihren Taufschein vorzulegen.

* Erhebliche Entlastung der Krisenfürsorge. Die Neuregelung der Krisenfürsorge, wie sie am 29. Juni in Kraft getreten ist, hat nach den letzten Ziffern über die Arbeitslosen eine erhebliche Ent­lastung gebracht. Die Zahl der Krisenunterstützten ist von 206 000 Mitte Juni um über 53 000 gurücf» gegangen. Die Neuregelung besteht hauptsächlich darin/ daß Krisenunterstützte unter 21 Jahren aus­scheiden und weiter diejengen unter vierzig Jahre alten, die bis zu 39 Wochen unterstützt worden sind, sowie schließlich die Unterstützten aller Alters­klassen, die mehr als 52 Wochen Unterstützungszeit hatten. Das Reichsacheitsministerium ist freisich ermächtigt, in Notstandsbezirken und bei besonderen Berufen auch außerhalb dieser Einschränkungen die Unterstützung weiterhin zu zahlen. Es hat ,3. 33. im Aachener Notstandsgebiet und in Stettin hier­von Gebrauch gemacht, während über eine weitere Ausdehnung noch keine Entscheidung vorliegt.

* Schweinezwischenzählung in Preußen. Am 2.

yHbeLJti-^S»JutiKnn$^

Schweinezwischenzählung statt. Die starken Schwan­kungen der Schweinebestände lasten es zur Er­langung eines zutreffenden Bildes über die Lage dringend geboten erscheinen, daß die Angaben mit größter Genauigkeit erfolgen.

* Turn- und Sportvereinigung 1860 e. V. Bei dem am vergangenen Sonntag in Damm stottge- fundenen Wertungssingen des 9. Kreises (Mittel­rhein) der DT. gelang es der Gesangsabteilung der Turn- u. Sportvereinigung 1860 mit 156 Punkten 1. Sieger zu werden. In äußerst scharfer Konkur-

„dM» IW^

Von Erica Grupe-Lârcher.

46. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

Wenn Dörte in diesen Tagen, in diesen Stunden Kfit um sie gewesen wäre, ob sie ihr seelisch nicht doch hätte mehr Stütze im weiblichen Verständnis "leien können, als Dietward es vermochte?

All die weißen Nelken und Rosen hingen müde und schwer in den Kristalloasen aus dem Tisch. Der Tag war heiß und schwül. Man hatte die Hochzeit im Hause Verdura abgehalten, weil das ,ee jetziaen Gepflogenheit der angesehenen Fami- "en entsprach. Obgleich der große Ventilator im Speisezimmer sich unaufhörlich drehte, begann ooch die Atmosphäre ermüdend und heiß zu wer- oen. Bit Fenster konnte man noch nicht weit ge- offnen, um frische Luft einzulassen, da die oonne noch schräg über dem Hause stand.

Maria Luisa seufzte einmal schwer und mühsam W Sie war froh, daß man bei dem geliebten „„ces angelangt war. Nun nahte die Erlösung , .n diesem stundenlangen An-den-Platz-gefesselt- m Der schwere süße Duft, der von den Orangen- "lulenranken ihres Brautkleides aufftieg, machte

"lüde, machte sie förmlich beklommen. Auf Unfd) von Camillo war der Schmuck des Braut- neides mit Orangenblüten ganz besonders reich Mllen worden. Ueber dem Schleier, der ihr "'cycs blondes Haar wie eine Welle überhauchte, Ä c,n Diadem von Orangenblüten, das, sich zu naen Seiten zu Ranken verjüngend, hinten über S Schleier legte. Von der linken Schulter herab L. clnc große Ranke herab, bis fast über die tnftrC;J,<?runtor' 11 nb rings in den Raffungen des «eichen weißen Seidenstoffes saßen sehr

'N geformte Bukcttchen und säumten die beiden irt» . langen Courschleppe, die ihr das An- m ?ncr Fürstin verlieh.

z^âcn ihr Camilla trug gleichfalls sein Sträuß- »ermTl?"ü°nblüten im Knopfloch des Frackes. Sie mocljte den eintönig schweren Duft faum noch ^ ertragen! Unaufhörlich lag ihr die Atmosphäre |j.Z011111- d-e sie damals im Orangcnhof der Mo- b *2'or> Eordaba gefunden. Und der Vergleich,

1 Doktor Wellner mit Spanien und feiner gqn>

zen Atmosphäre gezogen, drängte sich ihr immer wieder auf. Nun war sie völlig in diese ganze Atmosphäre, in dieses abgeschlossene, sonnenver­glaste, blumcnüurchhauchte, schwüle, süße, betäu­bende Milieu hineingeschritten!

Camillo merkte ihr zuletzt ihre Schweigsamkeit an. Er hatte dem Menü und den vorzüglichen spanischen Weinen gut zugesprochen. Seine Laune war die beste. Seine Augen glänzten. Er unter­hielt sich nach allen Seiten und fand genug Scherze und heitere Antworten auf alles, was rings um ihn an ihn heranschwirrte.

Als er im Begriffe stand, Maria Luisa noch ein Glas von dem schweren, seinen dunklen Walaga einzuschenken, der neben den Dulces gereicht wurde, legte sie die Hand leicht abwehrend auf ihr Glas.

„Ich danke dir, nein!" Und dann etwas leiser hinzusetzcnd, so daß die andern es nicht hören konnten: „Wäre es nicht möglich, sich jetzt etwas zurückzuziehen? Wenigstens für eine halbe Stunde?"

Voll Entzücken griff er ihren Vorschlag auf. „Aber selbstverständlich! Ich werde meinen Vater als Hausherrn einen Wink geben, die Tafel auf= zuheben! Und dann gehen wir zwei in einender schönen kühlen Zimmer, die an der andern Seite

ihr im

des Hauses liegen, nicht wahr?"

„Ja", meinte sie, im stillen Zweifel, was lastender auf ihr liegen würde, wenn sic noch länger hier an der abgegebenen Tasel zwischen der Schar ihr im Grund i remitier Menschen blieb oder mit ihm unter vier Augen seine stürmischen Schmeiche­leien und Zärtlichkeiten anhörte.

Aber ein dumpfes Gefühl riet ihr, sich wenigstens aus diesem großen Kreis hier zu stehlen. Vielleicht gab cs nachher doch noch eine Möglichkeit zu einem Alleinsein für eine halbe Stunde, zu einem völligen Alleinsein und Sich- sammeln und Krästeschöpfen.

Sie schlug ihre lange Schleppe um den rechten Arm und nahm seinen dargebatemm Arm, um sich von Camillo nun über die Marmorgalerie des Jnnenhofes im ersten Stockwerk führen zu lassen.

Jenseits, den Gang etwas weiter hinab, lag eines der vielen Zimmer, wie sie in den geräumigen spanischen Häusern genügend anzusinden waren: kühl, geräumig, aber ohne jede persönliche Note, ohne für ein bestimmtes Mitglied des Hauses zu sein, mit flach gepolsterten Möbeln, einem Tisch, der in seinem Holz nicht zu der Holzummhmung

Süden fuhr sie dann mit Camillo. Immer mehr in den heißen Sonnenglast hinein!

Doktor Wellner aber war heute norinnärts ge. fahren, — ein großes, großes Stück der nordischen Heimat zu. Oh. hätte sie doch unter seinem Schutze fahren können!

„Morgen werden mir uns den Strand ansehen, du wirst entzückt sein, meine Liebe! Cadix hat ein schickes Badeleben! Und dann werden mir nach einigen Tagen wieder herkommen. Und wir wer­den ein ganz herrliches Leben führen. Ich werde feige Stunde von dir weichen, mein Geliebtes! Und du wirst hoffentlich nicht den Begriff haben, daß ich jeden Tag, wie Eure Herren in Deutschland und den Vereinigten Staaten, in den Beruf gehe, „ins Geschäft", wie man in Newyork sagt! Zum Teufel! Was schert mich „bas Geschäft", wenn ich zu leben habe!"

„Aber — es ist doch nicht männlich, Camillo, wenn man feine ganze Zeit immer und immer mit der Frau verbringt und sich mit ihr beschäftigt! Man muß sich doch ernsthaft beschäftigen —.

Er sah sie von der Seite an und lachte auf, wie ein Kind: „Aber meine Liebe, das ist doch wahrhaftig eine ernsthafte Befckstiftigung! Was heißt männlich? Ein Caballero sein, heißt doch: ein Ritter sein!"

Ihre freie Hand, die er ihr überließ, um krampfte die lange Ranke von Orongenblüten, die von der Brust über das Kleid hinab bis auf die Knichühe fiel. Immer dasselbe Lied! Immer das- selbe!

Ja, sein Leben hatte nur diese einzige Melodie!

Er zog ihren Kopf an seine Schulter mit einer Bewegung, die fast ein Druck wurde. Dann sprach er noch weiter auf sie ein. Zuerst hörte sie zu. Dann schweiften ihre Gedanken ab. Sie hafteten an den vorhergehenden Sttinden.

Schon am Morgen war sie wie unter einem Schleier dahingegangen. Dieses eigentümliche Ge, ühl, das sie in den letzten Tagen im Gefühl der Resignation überkommen, als fei sie selbst ein wesenloser Schemen geworden, hatte sie am ganzen Morgen begleitet. Ohne jede 'Anteilnahme ließ sie sich von der bestellten Modistin ankleiden, den Schleier stecken, wie es hier die Mode war, und den Kranz von Orongenblüten auflehen. Dann hatte der alte Herr von Serbura im Auto sie und Dietward abgeholt.

(Fortsetzung folgt.)

der andern Möbel paßte, auf dem offnen Kamin eine hübsche Stutzuhr. Ueber dem Kamin ein ziem­lich großer, fast viereckiger Spiegel in verblaßtem Goldrahmen. Am Fenster zwei tiefe weite Rohr­sessel die gar nicht zu den andern Möbel paßten. Die eine ganze Wand einnehmend eine unkllnft- l.crisch ausgesührte Wiedergabe der Murilloschen Madonna.

Maria Luisa atmete auf. Hier war es kühler, stiller, angenehmer. Camillo warf einen Blick in den Spiegel über dem Kamin und lachte beglückt auf. Er stellte sich unmittelbar neben Maria Luisa und hielt seinen Kopf neben den seiner Braut.

„Siehst du uns beide nun. Liebe? Siehst du im Spiegel, wie schwarz mein Haar. und wie blond das deinige ist? Du ganz in Weiß! Ich ganz in Schwarz! Welch ein Kontrast! Und doch — ver­einigt, Liebste, Schönste, vereinigt! Endlich, end­lich!"

Er schloß sic in die Arme und küßte sie lcidcn- schaftlich, dann — sich wieder im Spiegelbild be­merkend, zog cr_ sie an der Hand zum Ecksofa aus gclbgeiMümtcn Stoff. Ihre lange Schleppe rauschte auf den weißen Marmorflisen des Zimmers hinter ihr her. Sie zog sie neben sich, als sic sich setzte. Wie lastend schien ihr dieses Gewand! Gleich einer Kette schleiste sic die Schleppe hinter sich her.

Er nahm ihre Hand in die seine. „Hast du alles bereit? Nachher werden mir uns aus der Gesellschaft stehlen. Du wirst dich umkleiden, — wo sind deine Reisekleider?"

Zwei Zimmer weiter, in einem der Fremden­zimmer, die ein spanisches Haus von Ansehen stets bereit hatte, lag ihr Kostüm zur Reise und alles, was sic zur mehrtägigen Reise nach Cadix nötig hatte.

„Gut, meinte er nun und hielt ihre Hände zwischen den seinen, „nadjibcr werden wir uns alsa von den andern wegstehlen. Ich ziehe mich in meinem Gardcrobenzimmer um, du dich hier neben­an. Und dann bringt uns das Auto zum Bahnhof. Und dann treten wir unsere Hochzeitsreise nach Cadix an! Wir fahren etwa drei Stunden."

Maria Luisa sann. Nochmals gen Süden ging es dann! Just gegenüber der nordasrikanichcn Küste war man dann. Zur Rechten dehnte sich.dann die uncnbiidK Weite des Attandischen Ozeans, über den damals Christoph Columbus als kühner Weltcntdccker gesegelt war. Immer mehr gen