Donnerstag den TT. 3nh Ö2£
3tr. 160
Seife 4
♦ I ........... .... ■....
Dev alte Sünfzigev und Süuf» LNavkscheln verschwinden!
Zurückdrängung der Banknoten durch Scheidemünzen.
Schon seit längerer Zeit konnte man die Beobachtung machen, daß eine Reihe von Geldsorten allmählich aus dem Verkehr verschwinden. Bis zum Herbst dieses Jahres sollen die alten Bronze-Fünfziger eingezogen werden. Damit verschwindet eine der Scheidemünzen, die als erste mit der Stabilisierung der Mark in den Verkehr gebracht worben ist. Wenn man sich zu dieser Maßnahme entschlossen hat, so dürften dafür zwei Gründe ausschlaggebend gewefen fein, erstens das leichte Verwechseln der Fünfziger mit den 10-Pfennigstücken, zweitens aber auch die Tatsache, daß Fälschungen dieser Geldforte vielfach und nicht immer ohne Erfolg versucht worden sind. Eine andere Frage dagegen ist es, ob der kleine Nickel-Fünfziger für" den Verkehr sehr praktisch sei. Er läßt sich 3 war leicht von den anderen Geldsorten unterscheiden, aber infolge seines geringen Gewichtes und feiner Kleinheit ist die Gefahr des Verlierens verhältnismäßig groß.
Immer seltener werden auch die Rentenbankscheine zu fünf Mark. Schon seit langem sind die noch kleineren Scheine zu 1 und 2 Mark aus dem Verkehr gezogen. Albnählich geht man auch dazu über, den 5 Markschein verschwinden zu lassen. Ende des VoHahres betrug der Umlauf von 5 Mark Rentenjchkinen nur noch 75 Millionen Mark gegenüber 220 Millionen Mark im Jahre 1927. Im Verlauf dieses Jahres wurden weiterhin die 5 Mark- jcheine systematisch aus dem Verkehr gezogen, so daß deren Umlauf im Augenblick nur noch auf etwa 30 Millionen Mark geschätzt wird. Als Ersatz für diese Geldscheine treten die Scheidemünzen. Im ganzen wurden nach der Inflation über eine Milliarde Mark Scheidemünzen neu geprägt, genau 1150 Millionen, wovon 910 Millionen in Silber sind. Dieser Betrag erscheint an und für sich zu hoch, wenn man damit den Umlauf der Schside- münzen der Vorkriegszeit vergleicht. Denn damals waren rund eine Milliarde Scheidemünzen im Verkehr. Die hohen Bestände der Reichsbank hingegen beweisen, baß die neuen Prägungen nicht voll ausgenommen weisen können. Zweifellos ist das Tempo der Münzprägung allzusehr forciert worden, was an sich verständlich ist, da dem Reich hieraus nicht unerhebliche Gewinne zufließen.
Eine andere Frage ist es dagegen, ob dem Publikum mit der Einbeziehung der kleinen Geldscheine und deren Ersatz durch Scheidemünzen gedient ist. Vielfach sind Klagen über das Verschwinden der 5 Mark-Scheine und der dadurch heroor- gerufenen Behinderung des Verkehres geführt worden. Auch kommt hinzu, daß die 5 Markstücke infolge ihres hohen Gewichtes und ihrer Größe beim Publikum nicht sehr beliebt sind. Für viele Personen, die infolge ihres Berufes viel kleines Geld zum Wechseln mit sich führen müssen, bedeutet der Ersatz der 5 Markscheine durch 5 Markstücke eine unangenehme und störende Belastung. Es ist nicht einzusehen, warum die Prägung von Scheidemünzen gegenüber dem Papiergeld in so starker Weise bevorzugt wird, da der Verkehr mit Banknoten zweifellos sich erheblich leichter und bequemer abwickelt.
Eine ähnlich« Entwicklung ist in Frankreich vor sich gegangen und hat dort ebenfalls mehrfach zu Protesten geführt. Nach der Stabilisierung des Fröne wurden Scheidemünzen in" qta^n Wengen in den Verkehr geworfen. Die Leftentlichkeit hat sie nicht allein aus künstlerischem Bedenken ab= gelehnt, sondern weil die Handhabung der großen Münzen sehr unpraktisch ist. Daß die Münzen aller Länder in immer steigendem Maße mit dem Münz- fammeln rechnen, beweist die Tatsache, daß zu allen möglichen Gedenktagen und Feiern besondere Geldstücke herausgebracht werden. Man hofft, daß ein großer Teil von ihnen den Verkehr nicht belastet, sondern in Sammlerhänden verbleibt. Aber wenn man mit dieser Methode weiter fortfährt, wird bald ein drückendes Ueberangebot an Scheidemünzen entstehen.
In dem Augenblick, wo die 5 Mark-Rentestscheine allmählich aus dem Verkehr verschwinden, wird man die Forderung im Interesse der leichteren Abwicklung des kleinen Zahlungsverkehres erheben müssen, daß neue 5 Markscheine htrausg «bracht werden. Daß danach ein Bedürfnis besteht, geht
Goethes Beziehungen zu Sauau
Von Studienrat Dr. Gottschalk
o Daß Goethe überhaupt Beziehungen zu Hanau gehabt hat, darf uns nicht wunder nehmen, wenn wir die geringe Entfernung bedenken, die selbst in der automobil, und eisenbahnlosen Zeit zwischen seiner Heimatstadt und Hanau bestand. Ferner fällt hier ins Gewicht, daß der Unterschied zwischen der „Metropole des Untermains" mit ihren nahezu eine halbe Million Einwohnern und der Mittelstadt Hanau noch nicht so schroff und groß war, wie er heute ist. Hanau zählte zu Goethes Jugendzeit etwa elfeinhalb Tausend, Frankfurt etwa 20—25 000 Einwohner. Auch war Die- Wesensart der beiden Städte noch nicht so grundverschieden, wie heute, wo der ausgesprochenen Großstadt mit hochentwickeltem Handel, blühender Industrie und äußerster geistiger Regsamkeit die Mittelstadt mit ihrem , wesentlich gemächlicherem Lebensrhythmus gegenübersteht. Andererseits mochte für den durch die beiderseitigen Ahnen fest mit dem Bürgertum verwachsenen Frankfurter Goethe die Stadt mit ihrem Hofleben und ihren Schlössern einen gewissen Anreiz bieten. Wir dürfen daher annehmen, daß sowohl der junge Goethe, der von Jugend aus ein eifriger Wanderer war, als auch der Rechtsgelehrte zwischen der Wetzlarer und der Weimarer Zeit (1772—1775) häufig Hanau als Ausflugsziel gewählt haben mag, sei es, daß er unmittelbar zu Fuß gewandert oder geritten ist, fei es, daß er seine Wanderung über das schon damals beliebte Bergen durch die schönen Wälder bis nach Hanau oder wenigstens bis nach Wilhelmsbad ausgedehnt hat, oder jei es endlich, daß er, der so häufig von künstlerischen Beziehungen und solchen des Herzens nach Offenbach gelockt wurde, den Weg weiter hierher nach Hanau gefunden hat. Freilich haben diese Spaziergänge ohne besondere Veranlassung keinen Riederschlag in feinem Werke „Dichtung und Wahrheit" gesunden.
Zwei Dinge sind es, die Goethen besonders hier verlocken mußten: Die in hoher Blüte stehende Goldjchmiedekunst und die Naturwissenschaft, die B gonz hervorragender Pflege durch eine Menge eutender Gelehrter erfreute.
Den frühesten Hinweis auf Hanau finden wir
Der Deang nach den ^Aoch-chnlen
112 000 Studenten, darunter 13 000 weibliche! — Starke Zunahme bei den ersten Semestern! —
7,3 Prozent Werkstudenten. — 45 Prozent der Studenten sind Beamtensöhne
Die Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" bringt eingehendes Material über den Besuch der wissenschaftlichen Hochschulen des Reiches (ohneGKunst- hochschulen, das man nicht ohne ernste Sorgen angesichts der Ueberfüllung fast aller akademischen Berufe studieren sann. Danach hat die Gesamtzahl der immatrikulierten Studenten sich gegenüber den beiden vorausgegangenen Semestern wieder um über 10 Prozent, gegenüber 1911 um über 55 Prozent erhöht und den Stand von 112 315 erreicht. Die Zahl der weiblichen Studenten hat sich gegenüber dem Sommer 1927 sogar um 25,5 Proz. auf 13 087 erhöht. Die stärkste Zunahme (15,3 Prozent entfällt auf die Universitäten. Der Anteil der Studierenden im 1. Semester nimmt bezeichnenderweise dauernd zu (bei den Universitäten 1925 noch 15,8 Prozent, 1928 bereits 21.3 Prozent, bei den Technischen Hochschulen 6,7 bzw. 8,6 Prozent). Die Universitäten zählten 83 322 Studierende, die Technischen Hochschulen 20 045, die Handelshochschulen 3728, die Landwirtschaftlichen und die Philosophisch-theologischen Hochschulen je 1483, die übrigen je etwa 1000. — Was die
Haupkstudienfächer
betrifft, so entfällt die größte Zahl von Studierenden noch immer, bei einer gegenüber dem Sommersemester 1927 müßigen Zunahme, auf die Gruppe der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften; ihr Anteil an der Gesamtzahl ist jedoch weiterhin (auf 29,3 v. H.) zurllckgeganen. Die medizinischen Fächer haben, wieder mit Ausnahme der Pharmazie, weiter zugenommen, insgesamt stieg ihr Anteil an der Gesamtzahl auf 15,2 v. H. Ferner weisen im allgemeinen wieder diejenigen Fächer Zunahmen auf, die auf den Lehrberuf vorbereiten, ebenso die Theologie. Von den an Zahl stärker vertretenen und wichtigeren technischen Fächern haben u. a. wieder zugenommen Physik, Bauingenieurwesen, Architektur, Vermessungskunde und Luftfahrzeugbau, eine Abnahme erfuhren wieder besonders, das Maschineningenieurwefen, die Chemie, Elektrotechnik, Eisen- und Metallhuttenkunde, Landwirtschaft und der Bergbau. In der Zahl der Studierenden im 1. Semester zeigte sich eine be- onders starke Zunahme der Studierenden der medizinischen Fächer und derjenign, die auf den Lehrberuf vorbereiten, während vor allem technische Fächer Abnahmen aufwiesen. Von den weiblichen Studierenden ■ wurden folgende Studien- ächer bevorzugt: Neue Sprachen, Allgemeine Medizin, Germanistik, Mathematik und die Rechtsund Wirtschaftswissenschaften. Ihr Anteil mit je etwa einem Drittel der Gesamtzahl der Studieren- )en des betreffenden Studienfaches war am stärkten bei den Fächern Evangelische. Religionslehre (43,4 v. H.), Neue Sprachen, Germanistik, Kunst und Kunstgeschichte, Biologie und Geographie.
Im einzelnen verzeichneten
folgende Fächer mehr als 3000 Studierende: Rechts- und Staatswissenschaft 22 982, Allgemeine Medizin 11935, Maschineeningenieurwefen, Luft-
Chemie einschließlich Papierfach 4364, Germanistik 4143, Elektrotechnik 3802, Volkswirtschaftslehre 3561, Evangelische Theologie 3467, Katholische Theologie 3368, Betriebswirtschastslehre 3337, Zahnheilkunde 3274.
Bei den Unioerjitäfen marschieren Berlin mit 10 691 und München mit 8158 Studenten an der Spike.
aus den vielen Protesten aus Wirtschaftskreisen hervor. Mit Scheidemünzen sind wir genügend gesättigt! D. O.
* Berfaffungsfeier der Hanauer Schulen. Der Unterrichtsminister hat durch Erlaß vom 23. Mai 1929 die feierliche Begehung des Verfassungs
im vierten Buch des ersten Teiles von „Dichtung und Wahrheit". Es wird dort berichtet, wie der Vater zu seiner Seidenraupenzucht sich die Eier von Bekannten aus Hanau schicken ließ, „wo man die Zucht der Würmer sehr sorgfältig betrieb". Mit der hier in hoher Blüte stehenden Goldjchmiedekunst hängt es zusammen, wenn Goethe im gleichen Buche davon erzählt, daß der Vater eine goldene mit Diamanten besetzte Dose in Hanau verfertigen ließ und sie seiner Gattin für den Tag des Friedensschlusses (im Siebenjährigen Kriege) versprochen hatte. „Denn", so heißt es weiter, „mit den dortigen Goldarbeitern stand der Vater in gutem Vernehmen. Mehrere Zeichnungen wurden zu jener Dose versertigt; den Deckel zierte ein Blumenkorb, über welchem eine Taube mit dem Oelzweig schwebte. Der Raum für die Juwelen war gelassen, die teils an der Taube, teils an den Blumen, teils auch an der Stelle, wo man die Dose zu öffnen pflegte, angebracht werden sollten. Der Juwelier, dem die völlige Ausführung nebst den dazu nötigen Steinen übergeben ryard, hieß Lautensack und war ein geschickter, munterer Mann". Goethe berichtet dann, daß, als der Frieden immer näher rückte, der Vater immer drängender und ungeduldiger wurde, so daß er, der junge Goethe, selbst wöchentlich ein paar mal, zuletzt fast täglich, den saumseligen Künstler in Hanau besuchen mußte. Bei dieser Gelegenheit, so heißt es weiter, habe er auch bei dem geschickten und kunstfertigen Manne ein wundervolles Kunstwerk im Entstehen kennen lernen dürfen, einen Blumenstrauß aus Edelsteinen, den Lautensack dem Kaiser (Franz I.) überreichen wollte, wenn er zur Krönung ' seines Sohnes (Joseph II,) nach Frankfurt kommen würde. Auch eine hübsche Kupjersammlung und viele andere Kunstwerke durste der junge Goethe bei dieser Gelegenheit in der Werkstatt bewundern. Obwohl Meister Lautensack es zunächst vorzüglich verstand, durch diese Dinge den jungen Goethe von seiner eigentlichen Aufgabe als „Mahnbote" abzulenken, tat er feinem jungen Freunde dennoch schließlich den Gefallen, auch die von ihm bestellte Arbeit ihrem Ende zuzuführen, und wirklich gelangte die schöne Dose mit der Taube am Tag des Friedensschlusses in Frau Ajas Hände.
Als der Student Goethe im Herbst des Jahres 1765 die Universität zu Leipzig bezog, führte ihn sein Weg, genau wie heute die Eisenbahn, über Hanau, wo er sich jedoch diesmal begreiflicherweise
Es folgen dann: mit rund 5100 bis 5500 Studenten. 3. Köln, 4. Leipzig 5. Bonn; mit rund 3250 bis 3800 Studenten, 6. Freiburg i. B., 7. Frankfurt a. M., 8. Göttingen, 9. Breslau, 10. Marburg, 11. Tübingen, 12. Münster, 13. Heidelberg; mit rund 2400 bis 2750 Studenten. 14. Jena, 15. Hamburg, 16. Königsberg, 17. Würzburg (2447), 18. Kiel; mit rund 1400 bis 1950 Studenten. 19. Halle, 20. Erlangen (1550), 21. Greifswald, 22. Gießen, 23. Rostock.
Bei den Technischen Hochschulen stehen Berlin mit. 4559 und München mit 3979 Studenten an der Spitze; ihnen schließen sich an (über 2000) 3. Dresden, 4. Darmstadt (über 1000), 5. Hannover, 6. Stuttgart, 7. Karlsruhe (unter 1000) 8. Aachen, 9. Braunschweig, 10. Breslau.
In der Vorbildung war für die Gesamtheit der Studierenden das Gymnasium mit 38,8 Prozent (bei den Universitäten 41 Prozent) ausschlaggebend; ihm folgten das Realgymnasium mit 26,5 Prozent (bei den Technischen Hochschulen 30,1 Prozent) und die Oberrealschule mit .22.4 Prozent (an den Technischen Hochschulen führend mit 34,2 Prozent). Ohne Reifezeugnis studierten 6,1 Prozent. Eine Beschäftigung gegen Entgelt übten im Wintersemester 1972/28 nur 7,3 v. H. aller Studierenden aus, davon der größte Teil, besonders auf den Universitäten, eine Lehrtätigkeit. In den Ferien zwischen dem Wintersemester 1927/28 und dem Som- mersemester 1928 trat bei den Technischen Hochschulen besonders stark der Anteil der Beschäftigung als Arbeiter und im Gewerbe hervor, der hier vor allem auf den erforderlichen Nachweis praktischer Werkstattbetätigung zurückzuführen sein dürfte Die Beschäftigung erfolgte zum großen Teil in den erstrebten Berufen. Von den Studierenden waren 16,5 v. H. bereits vor dem Besuch der Hochschule beruflich tätig.
Von den Vätern der Studierenden waren 45 v. H. Beamte (einschl. Reichswehr), davon allein 27,7 mittlere Beamte; fast ein Viertel waren Handel- und Gewerbetreibende. Eine abgeschlossene Hochschulbildung besaßen 22,5 v. H. der Väter. Nur
2 Prozent waren Arbeiter. Im allgemeinen ist
der Mittelstand als der Hauptträger der Hochschulbildung anzusehen; dabei stammten die weiblichen Studierenden, was bei ihrem noch weit geringeren Anteil ohne weiteres verständlich ist, anteilmäßig stärker ^aus höheren sozialen Schichten als die männlichen Studierenden.
Die ausländischen Studierenden. Von ben 6541 Ausländern auf den deutschen Hochschulen waren im Sommerfemester 1928 746 oder 11,4 D. H. weibliche Studierende und 3198 oder 48,9 v. H. Ausländer mit deutscher Muttersprache. Der Anteil der ausländischen weiblichen Studierenden an der Gesamtzahl der weiblichen Studierenden betrug im Sommersemester 1928 5,7 d. H. Die Ausländer bevorzugten von den wichtigeren und stärker besuchten Studienfächern wie bisher — meine Medizin, Fechts- und Wirtschaftswissem
, Allgemgine Medizin, Rechts- und Wirdjchajtsr ? WM «e, MafMèsiingMettrwèsen
Elektrotechnik; ihr Anteil an der GesamHäW der Studierenden war mit je über 10 d. H. am größten bei Zahnheilkunde, Luftfahrzeugbau, Bergbau, Schiffbau, Chemie, Elektrotechnik, kaufmännischem Studium und Bauingenieurwesen. Die größte Zahl der Ausländer kam im Sommersemester 1928 aus Rumänien, Polen, Bulgarien, Oesterreich und
Danzig.
tages angeordnet. Da die zehnjährige Wiederkehr des Derfasiungstages in die Ferien fällt, haben die Staatliche Hohe Landesschule und die Städtischen Schulen (die 2 höheren, die 2 Mittel-, die 5 Bezirksschulen und die Hilfsschule) beschlossen, morgen, Freitag, 1 2. Juli, vormittags 9 U h r, auf de m Platz der Republik eine gemeinsame Berfaffungsfeier zu ver
nicht aufhielt. Zwischen Hanau und Gelnhausen hatte er jenes seltsame Schauspiel der tanzenden Irrlichter in einem trichterförmigen Graben, ein Schauspiel, dessen Erklärung er selbst nicht gefunden hat. — Dann klafft eine breite Lücke in Goethes Beziehungen zu Hanau bis 1813. Im Anhang zu „Dichtung und Wahrheit", „Biographische Einzelheiten" erwähnt Goethe noch des Malers Ferdinand Jagemann (1780—1820), eines Bruders der berühmten Weimarischen Schauspielerin Karoline Jagemann, „der das unaussprechliche Glück hatte, einer der ersten Verkünder der frohen Botschaft in Deutschland zu sein", nämlich des endgültigen Sieges der verbündeten Heere über Napoleon. Von Jagemann berichtet Goethe, daß ihm „in Hanau sogar die Pferde seines Wagens abgespannt und er im Triumphzug durch die Stadt geführt wurde."
Weitere Belege für des Dichters Beziehungen zu Hanau finden sich in feiner Reifebefchreibung „Am Rhein, Main und Neckar 1814 und 1815". In diesem Werke widmet Goethe der Stadt Hanau sogar ein ganzes Kapitel und rühmt darin namentlich das so ausnehmend reiche geistige Leben der stadt. Besondere Erwähnung finden dort, entsprechend Goethes wissenschaftlichem Lieblingsgebiet, die Naturwisfenfchaftler, so der Botaniker Dr. Gärtner (1754—1825), der Zoologe Leisler (1768—1839), der in Hanau geborene und gestorbene Physiker und Chemiker Hofrat Dr. Kopp (1772—1858), der „naturhistorifche Künstler" Schaumburg, die Mineralogen Geheimrat Leonhard (geboren 1779 in Rumpenheim, gestorben 1862) und Merz (1729—1818) endlich der jüngere Gärtner (1777—1850) „ein sehr verständiger Chemiker und Physiker".
Als besonders rühmenswert schildert nun Goethe die Bestrebungen dieser und anderer gleichgesinnter Männer, die „vielfeitigs» wissenschaftlichen Bemühungen auf einen Punkt zu leiten, um mit gemeinsamen Kräften weilerzustreben. Mitten in den Stürmen der Zeit, im ungeschlichteten Zwiste der Völker, 1808, wurde der Plan zur Begründung eines wissenschaftlichen naturhistorischen Vereines gefaßt". Es ist dies nichts anders, als die noch heute bestehende „Wetterauifche Gesellschaft für die gesamte Naturkunde". Liebevoll wird nun vom Werden und Wachsen dieses Bundes „weit über die Grenzen der heimatlichen Provinz nach allen Teilen des gelehrten Europas hinaus", jo
anstalten. Die Festrede wird Rektor Beckers hab ten. Das Orchester wird mit musikalischen Dar- > bietungen das Ganze umrahmen. Die sämtlichen Hanauer Mädchenschulen werden die Feier durch Vorführung von Reigen (Volkstänzen) verschönern. Nach der. Feier wird das Orchester noch einige I Konzertstücke vortragen. Dafür fällt das Schloß- [ gartenkonzert am kommenden Sonntag aus. j
* 49. Verbandstag des Hess. Pass. Kurzschrift. ; Verbandes. Auf dem am 7. Juli ds. Js. in Wies- ‘ haben stattgefundenen Verbandswettschreiben des ; Hess. Nassauischen Kurzschriftverbandes, über das ; wir in der Montagsnummer bereits berichtet ha- [ ben, wurden von der hiesigen Kurzschriftversini- i gung „(Babelsberger" mit Preisen ausgezeichnet:
a) Ehrenpreis Wilhelm Schneider bei 160 Silben;
b) 1. Preise: Gustav Geibel bei 200 Silben; Else Hummel bei 160 Silben; Trude Zimmermann bei | 140 Silben; Liesel Dietzel bei 140 Silben; Felina : Ziegler bei 120 Silben; Auguste Hummel bei 120 Silben; Minni Lamm bei 120 Silben; Karl Heeb bei 120 Silben; Frieda Lückhardt bei 120 Silben; f Kurt Herbener bei 120 Silben; Christian Breiden- j bad) bei 120 Silben; Gretel Wirsing bei 100 Sil- ! ben; Otto Roddeck bei 100 Silben; Friedrich Roth bei 80 Silben. — 2. Preis: Frau Greta Linge bei 220 Silben; Anni Lotz bei 140 Silben; Erna Seeger bei 140 Silben; Käthe Müller bei 120 Silben; E Gretel Vogelhubcr bei 120 Silben; Anni Stahl bei 100 Silben; Elly Hubert bei 100 Silben; Wilhelm Stumpf bei 80 Silben. — 3. Preis: Käthe Kohlen- i btifd) bei 200 Silben; Anni Marie Grammig bei 80 Silben; Anni Wies bei 80 Silben. — 4. Preis: Anna Wagner bei 140 Silben; Ernst Schäser bei 100 Silben; Emilie Stein bei 100 Silben. Ein „Stift-Heil" den Preisträgern.
* ^wachsest der T.- und Sp.-Vg. 1860 e. V- Die Turn- und Sportvereinigung 1860 e. V. hält am Sonntag, 14. Juli im Lamboywald ein großes Waldfest ab, bei dem u. a. die Vorführung der Turnerinnen-Wusterriege vom Gaufest erfolgt. Für weitere Unterhaltung ist Sorge getragen. (Siehe Inserat).
* Umbau der Friedhofskapelle. Der Magistrat weist durch Bekanntmachung in der vorliegenden Nummer darauf hin, daß während des Umbaues der Friedhofskapelle die Trauerseiern vorübergehend in einem besonders aufgestellten Zelt erfolgen.
* Berufsaussichten für Chemiker. Der Verein Deutscher Chemiker beschäftigte sich kürzlich auf seiner Hauptversammlung in Breslau mit der Frage der Berufsaussichten für Chemiker. Eine aus Hochschullehrern, Leitern Chemischer Werke und angestellten Chemikern zusammengesetzte Kommission kam nach eingehender Beratung zu der Feststellung, daß zwar zurzeit noch eine starke Berufsüberfüllung bestehe, daß aber die Chemie besonders tüchtige und für die Chemie interessierten jungen Leuten voraussichtlich befriedigendere Aussichten biete, als es in den letzten Jahren der Fall war. Eine Abwanderung ier Chemie Studierenden von den großen Ueberfüllten Hochschulen nach den kleineren wird im Interests der Studierenden begrüßt, da der kleinere Kreis von Schülern eine mehr persönliche Ausbildung erleichteret
-------. . .,... ... . . ■ ■ ■■ . —----*
Das Hochdruckgebiet über dem Kontinent hatt, ich befestigt und wird in den nächsten Tagen da- Wetter Mitteleuropas beher rfMAT" RandyvriUge J der bei Island liegenden Zyklone bringen höchsten ; im Küstengebiet zeitweise starke Bewölkung. Bors Hersage bis Donnerstag abend: heiter, um bi® Mittagszeit vorübergehende zunehmende Bewölkung, wärmer, schwache Winde. Vorhersage bis Freitag abend: weitere Erwärmung.
Misler's 6MM und 8e|l«ura!iiii
Mittagstisch zu Mk. 1.- ».12-2 Uhr. Tei. Hanau 3591
meldet: Wasserwärme 20 Grad Celsius
Luftwärme 21 Grad Celsius
wie von der Ansiiedlung in einem passenden Gebäude und von der Bereicherung der Sammlung durch Gaben von allen Seiten her berichtet. Auch der Anteilnahme und der Gewährung einer nicht unbedeutenden Rente durch den Großherzog von Frankfurt, den Freiherrn von Dalberg (1811) wird besonders gdacht. Nachdem er die Schädigung und Verringerung des Bundes durch „die Epidemie eine Folge des französischen Rückzuges" (1813) erwähnt hat, geht Goethe zur Schilderung des Museums der Wetterauischen Gesellschaft über. Er stellt es aber hinter die einem jeden der Hanauer Gelehrten gehörenden Privatsammlungen zurück. In diesen mußte natürlich das Eigentümliche und Persönliche jedes Sammlers in der Pflege eines besonderen Liebllngsgebietes weit wirkungsvoller zum Ausdruck gelangen.
Von den zoologischen Sammlungen rühmt Goethe besonders die von Schaumburg und Leisler. Namentlich dieser, Leisler, wird als hervorragender Kenner der vaterländischen Vögel und ihres durch die Mauserung im Frühjahr und Herbst so verschiedenen Farbenkleides geschildert/ Seine Sammlung bezeichnet Goethe als eine der aller- bedeutendsten in ganz Deutschland. (Wo befindet sie sich jetzt?) Ausnehmend schöne Stücke von Fledermäusen, Fischen und Insekten (über 1600 Nummern!) sind gleichfalls vertreten.
Auch Dr. Gärtners Sammlungen werden. als eine reiche Fundgrube" erwähnt, besonders die von Pflanzen, Säugetieren, Vögeln, Muscheln und Schnecken. Gerade mit den beiden letzten habe er, so führt Goethe fort, „ein Studium angeregt, das in Deutschland fast ganz vernachlässigt schien". Von dem Mineralienkabinett des Geheimen Rats Leisler wird besonder die Reichhaltigkeit und' VoU- ftänbigbeit hervorgehoben, sowie die ausgeaeidjneM Anordnung und Ausstellung.
Eine sehr ehrenvolle Erwähnung wird der Zeichenschule, der heutigen Zeichenakademie, sow>« ihrem damaligem Leider, Hofrat Westerwayr, zuteil. Besonders wird feiner gedacht als eines Anregers zur Gründung von Privat-Bilderfammlun- gen. Von ausübenden Künstlern werden erwähnt die Gattin Weftermayrs^ fernèr Tischbein, Garteteb Berneaud, Franz Nickel und Dèiker, daneben die von Hanau stammenden, aber in der Ferne wirkenden Krafft (1780—1856) und Bury (1763—1823) der eine Zeit lang zusammen mit Tischbein Goethes hochangesehener Hausgenosse im Rom