Nr. 150
Samstag den 29. Juni 1929
Seite 19
.c*
HANDEL UND
MmfSCHAFT
Geivewe- und VvsdnktsnbSvse
X Mannheim. 27. Juni. Die Haussebewegung an dem Weltmärkte für Getreide hielt auch in dieser Woche fast ununterbrochen an. Besonders waren es Klagen über Ernteschäden, die als Grund für die Preissteigerungen angeführt wurden. Das Geschäft war recht lebhaft und besonders für deutsche Rechnung wurden bedeutende Mengen in disponibler und an den Seehäfen fällige Partieen aus dem Markte genommen, um solche noch vor dem für den 10. Juli d. Js. zu erwartenden Zoller- höhunq über der Zollgrenze zu haben. Wegen der großen Disparität zwischen nord- und sudameri- kanischen Weizen hatten die südamerikanischen Weu zenofferten den Vorzug. Man zahlte für 79 Kg schweren Barusso fällig oder disponibel bis zu 11.05 und für Bahia bis zu 11.10 hfl. cif Rotterdam. Auf Abladung wurde bezahlt für 79 Kg. Bahia per Juli Verschiffung 10.87%, per August 10.95 für 79 Kg. Barusso 10.85 bzw. 10.90 hfl. In Manitobaweizen war lediglich Geschäft in fälliger und disponibler Ware; man handelte größere MenFen Manitoba V fällig zu 10.85-10.95 hfl. cif Rotterdam und zahlte für im Seehafen greifbaren Manitoba 4 12.40 hfl. cif Mannheim. Australweizen disponibel wurde zu 11.90 bordfrei Rotterdam und Antwerpen gehandelt. Für Hardwinter 2 Gulf, neue Ernte, per Juli-August Abladung wurden 11.50, für Redwinter 2 per Juli-August 11.10 und für Mixed Durum 2 per Juni-Juli 10.70 hfl. vif Rotterdam gefordert. Roggen ist nur langsam tm Preise gestiegen. Die heutigen Forderungen sind für I Western Roggen 2 per Juni 9.90, Juli 9.95, August 10.05. Für Plataroggen 73 Kg. Juni 990, 75 Kg. seeschwimmend 10.15 hfl. cif Rotterdam Gerste hatte ruhigen Markt. Angebote lagen vor in Canada ' Western Gerste 3 per Juli zu 10.05, desgl. 4 zu 9.65 I und in La Platagerste 64/65 Kg. per Juni-Juli Verschiffung zu 9.50 hfl. cif Rotterdam. Auch inHafer kamen keine großen Abschlüsse zustande. La Plata- hafer 46/47 Kg. per Juli war zu 8.80 Kanadawestern per Juli zu 10.42% hfl. cif Rotterdam offeriert. Mais hatte fortgesetzt steigenden Markt bei sehr großem Geschäst in Holland, während die Nachfrage von Deutschland sich in engen Grenzen hielt. Man handelte eine größere Partie seeschwimmenden Platamais bis zu 9.75—9.80 und forderte für Juli-Abladung 9.65—9.75, per August g 70—9.80 und per September bis Dezember-Lieferung 10.25 hfl. cif Rotterdam.
An unseren süddeutschen Märkten war das Geschäft in Brotgetreide recht lebhaft, besonders in solchen Partien, die vor der Zollerhöhung herein- gebracht werden können. Das Angebot in Inlands- weizen hat fast vollkommen aufgehört. Für kleine : Partien wurden 24.50 RM per 100 Kg. franko Mannheim gefordert, doch wurden diese Preise nicht bewilligt. Auslandsweizen Hier greifbar stellte sich auf 25—27.75 RM waggonfrèi Mannheim. Roggen lag ebenfalls fest, doch waren die Umsätze in diesem Attikel nicht so bedeutend, wie in Weizen. ■~ie Preisforderungen für Roggen gehen weit aus- nander; für vorderpfälzijchen Roggen werden 675—23 RM upgordert, während bayerischer und ^auL-irtschnNllloggen per Wasserverladung zu 21.50 bis 21.75 RM cif Mannheim angeboten ist. Aus- Llandsroggen in Mannheim greifbar war zu 23 bis (23.25 RM waggonfrei Mannheim am Markte. Das (.Geschäft nahm aber keinen großen Umfang an, da (das Roggenmehlgejchäst fehr zu wünschen übrig Uägt. Hafer hatte stetigen Markt bei ziemlich unver- Wnderten Preisen. Jnlandshafer wurde mit 22.25 . und Auslandshafer mit 21—21.75 RM bewertet. Am Gerstenmarktc blieb es im allgemeinen ruhig. Braugerste blieb ohne Notiz. Futtergerste war, je Mach Qualität, zu 20—21 RM waggonfrei Mannheim offeriert. Mais lag fest, bei weiter anzichen- , den Preisen. Für hier greifbaren Mais notierte Inan heute 20.50 RM per 100 Kg. brutto für netto, - waggonfrei Mannheim.
Futtermittel konnten von der Festigkeit^ am Brotgetreidemärkte profitieren. Die Käufe blieben ' aber auf den notwendigsten Bedarf beschränkt. $ Feine Weizenkleie wurde mit 9.75, Biertreber mit 16.25—18, Sojafchrot mit 19—19.25 RM waggon- frei Mannheim notiert. Sonst nannte man noch Malzkeime mit 14.25—16, Erdnußkuchen mit 19.50
bis 20 und Trockenschnitzel mit 12.25—12.60 die 100 Kg. frei Waggon Mannheim.
Mehl hat in den letzten acht Tagen eine weitere Preisbesserung erfahren,'ohne aber an Lebhaftigkeit zu gewinnen. Für süddeutsches Weizenmehl Spezial Null verlangen unsere Mühlen heute 33.50, für Auszugsmehl 37.60, für Brotmehl 25.50 und für süddeutsches Roggenmehl 60—70prozentige Ausmahlung 29.50—32.50 RM frei waggonfrei Mühle.
Hopfen hatten ruhigen Markt bei kleinen Zufuhren und kleinen Umsätzen. Für Württemberger- Hopfen zahlte man am Nürnberger Hauptmarkte 95—120 RM je Zentner. Das regnerische «nb kühle Wetter ist den Hopfenpflanzern willkommen und die Pflanzen haben sich bis jetzt gut entwickelt.
An den Tabakmärkten besteht gute Nachfrage für gute, helle Schneidetabake, und doch überwiegt hier die Nachfrage das Angebot und von den Interessenten wird infolgedessen auch mehr nach den mittleren Sorten gefragt. Für prima Schneideaut- tabake zahlte man 95—100 und für mittlere Sorten 65—70 RM je Zentner. Für Sandblätter und Grumpen besteht auch mehr Interesse. Der Rippenmarkt liegt ruhig bei kleiner Nachfrage.
SvarMuVterr Wöv§e
X Frankfurt a. M., 28. Juni. Tendenz
abge-
schwächt. Nachdem schon an der gestrigen Abendbörse die Tendenz nach unten neigte, zeichnete sich auch zu Beginn des heutigen offiziellen Marktes die Börse durch eine starke Lustlosigkeit aus. Anregungen lagen nicht vor, auch Orders sollen nur in ganz geringem Umfangs vorgelegen haben. Die Spekulation war daher sehr zurückhaltend und schritt zu Abgaben, so daß die Tendenz erneut etwas zur Schwäche neigte. Verstimmend wirkte vor allem die schwache Verfassung der Kaufhausaktien, und die Tendenz wurde auch in erster Linie hiervon in Mitleidenschaft gezogen. Ferner verstimmte der uneinheitliche Verlauf der gestrigen Newyorker Börse, auch mahnte der heutige Zahltag, obwohl die Lage hier schon jetzt ziemlich geklärt sein dürfte, verschiedentlich zur Zurückhaltung. Gegenüber der gestrigen Abendbörse traten Abschwächungen bis zu 1% Proz. ein. Am Elektromarkt gaben Siemens, Schuckert, Lechwerke und AEG. bis 1% Proz. nach. Gut behauptet eröffneten dagegen Gesfürel und Chadeaktien. Etwas gebessert lagen Felten und Guilleaume. I. G. Farben verloren 1% Prozent. Montanwerte still und zumeist bis 1 Prozent schwächer. Am Bankenmarkt büßten Reichsbank 1 Prozent ein. Svenska minus 2 Mark. Etwas Interesse bestand für Adlerwerke und Wayß u. Freytag, die bis 1 Prozent anzie-
hen konnten. — Renten still. Deutsche Anleihen uneinheitlich. Don Ausländern Türken gut behauptet.
Auch im Verlaufe war keine Geschäftsbelebung festzustellen. Die Stimmung blieb lustlos und die Kurse lagen, da die Kulisse verschiedentlich weitere Abgaben vornahm, erneut unter Druck, doch gingen die Abschwächungen kaum bis zu 1 Prozent.
Am Geldmarkt war Tagesgeld in Anbetracht des heutigen Zahltages mit 8/4 Prozent etwas gesuchter.
Am Devisenmarkt lag das Pfund weiter fest. Mark gegen Dollar wurde lit 4.1950 festgesetzt, wahrend im Freiverkehr die Parietät sogar bis zu 4.1970 lautete. Man nannte Mark gegen Pfund 20.3575. London-Kabel 4.8501, Paris erfuhr mit 123.88 eine weitere Befestigung. Mailand 92.68, Madrid 34.25 und Holland war mit 12.08)4 angeboten und schwach.
Die Abendbörse verharrte in fast völliger Stagnation, doch konnten sich die Kurse im allgemeinen gegen den Berliner Schluß gut behaupten. Bei der herrschenden Geschäftsstille kamen zunächst nur wenig Werte zur amtlichen Notiz. I. G. Farben waren geringfügig gebessert, dagegen gaben Daimler und Nordd. Lloyd leicht nach. Renten still, Neubesitzanleihe etwas gedrückt.
Harpener 145%, AEG. 192%, Daimler 58, J. G. Farben 239%, Schuckert 239%, Siemens 397%. Nordd. Lloyd 113%.
fellschaft die Erweiterungsausgabe ihrer neuen 8 Prozent Central-Goldpfandbriefe o. I. 1928 zum Kurse von 97,50 Prozent zur Kapitalsanlage an. Das betreffende Inserat besindet sich in dieser Zeitung. Die Pfandbriese werden außer in Berlin und Frankfurt a. M. auch an anderen Börsen bereits
amtlich notiert. Eine Kündigung ist frühestens zum Oktober 1934 zulässig. Die Goldpfandbriefe der Centralboden sind bekanntlich bei der Reichsbank in Klasse A beleihbar. Die Stücke lauten über Beträge 100 bis 5000 Goldmark.
X Die TNetallpreise. Die Preisindexziffer der „Mstallwirtschaft" stellte sich am 26. Juni auf 125,6 (Durchschnitt 1909/13 = 100), blieb also gegen die Vorwoche unverändert. Für die einzelnen Metalle wurden folgende Einzelindexziffern errechnet: Kupfer 127,9 (am 19. Juni: 127,7), Blei 148,4 (149,2). Zink 106,8 (106,8), Zinn 108,6 (109.2), Aluminium 132,0 (132,0), Nickel 107,7 (107,7), Antimon 100,9 (108,4).
X Schöfferhof - Binding - Bürgerbräu A.-G., Frankfurt a. M. Nach einem Börsenprospekt ver- fügte die Gesellschaft am 30. Sept. 1928 über 103 698 Quadratmeter Brauereigvundstücke. Die Produktionsfähigkeit des Frankfurter Betriebes ist mit rund 600 000 Hektoliter, die des Mainzer mit 120 000 Hektoliter und die des Kasseler mit 80 000 Hektoliter angegeben. Der Absatz betrug 1925/26: 430 000, 26/27: 436 000 und 27/28 : 440 000 Hektoliter. Das Unternehmen hat einen Braurechtsfuß von 890 000 Hektoliter. Im neuen Jahre fei der Bierabfatz bisher steigend gewesen.
X Preußische Cenkral-Bodenkredik-Akkiengesell- schaft. Anläßlich des Quartaltermins bietet die Ge-
Frankfurter Kursbericht (28. Juni).
Schutzgebiete .... 5—
6 °/o Reichsanleihe v. 1927 87.25
Ablösungsschuld o. A. . 10.05
do. m. 91. . 50.90
Prandbr. 28 . . .
8% Pr. Centr. -Komni
Obl. 28......
Anatolier I . . . . . do. II.....
Bagdad I......
do. II......
Zolltürken . . . . . Schantungbahn. . ; . Adka....... Barmer Bank . . . . Berlinertzandelsgesellsch. Commerz- u. Privatbank Darmiiädt. u. Nationalb. Deutsche Bank . . . . Deutsche Vereinsbank Diskonto-Gesellschaft . . Dresdner Bank. . .
Metallbank..... MitteldeutscheCreditbank Reichsbank..... Oesterr. Creditanstalt , Westbank...... Hapag .....
von
Frankfurter Getreidebörse
vom 28. Juni (Amtlich).
Je 100 kg m Goldmark:
Weizen 1. Qualität
Roggen (inländisch.), fester. . . Sommergerste für Lrauzwecke . Hafer (inländischer) . . . . . Mais (gelb)........
Weizenmehl (südd. Spezial) . . sniederrhein Spezial)
Roggenmehl, fester ......
Weizenkleie . ....
Roggenkleis , ....
Tendenz: ruhig
Berliner Mctallmarkb
24.25 Em
22.25
23.00 ’
22 00
26.50
33.50
33.25
29.50-30 50 ,
10.00
11 25
(Vom 28. Juni)
Kupfer
0
b
Sle:
U
B
Mai . . .
—
Mai . . .
—
—
Juni . . .
141—
144—
Juni.
46-
48.-
Juli . . .
141—
144—
Juli . . .
46 50
47.—
August. .
142.50
143.50
August. .
46.25
47—
Sept.. . .
142.50
143.50
Sept. . . .
46.50
46.75
Oktober .
113.25
143.50
Oktober .
46 50
47—
Novbr.. .
143—
143.50
Novbr.. .
46.50
46 75
Dezbr. . .
143.50
143.25
Dezbr. . .
46.50
46.75
(Mk. für 100 kg)
B
Elektrolyt . . .
Nohzink (Freiverk.) Ungeschm. Zink . Aluminium. . .
do. Barren sticket. .
Antimon Rg.
Silber 900 f. 1 kg
G 170.75
190.—
194.—
350.—
68 - 72 71-73
Amtliche Einheitskurse
Berlin— Fra nkfurt a. M. (Vom 28 Juni,
Geld
Brick
97.50
94.50
20.53
7.80
7.95
127.50
130.25
185.50 276— 170.25 100— 156.25 162.50
330—
30.80
99.50
121.25
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141 -
146—
70—
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127 50
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36,5
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