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Freitag den 14. Ium 1929
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Hanau, 14. Ium
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I «« mit den Hanauern gründlich verderben braucht nur auf das Lamboyfest zu denn ein echter Hanauer läßt sich eher am Beuge flicken als seinem 13. Juni, die überall als Unglückszahl verpönt »nimmt einmal im Jahre einen Ehrenplatz ein, am 13. Juni, dem Tag des „Lambewaldes". Men die Hanauer nicht Recht, stolz zu sein? •Cif Recht haben sie, denn welche Stadt ein solches Fest 3u feiern, ein Fest, bas Getrost neben die Münchener Oktoberrruese kann und das noch den Vorzug hat, in land- idealer Umgebung abgehalten zu werden. Wunder, daß ganz Hanau und noch ein mehr gestern ausgewandert war. Die Lenstraße sah aus als ob ganz Hanau aus- L wollte und ein Schließkorb nach dem anderen Ä hinaustransportiert. Kein Wunder, daß dann sich biegen unter der Last des Kuchens, Mees der Bowle und der Schinken- und Ackbrote. Man liebt es an diesem Tag, beson- »rs aut zu essen und so war auch diesmal für alle ân Genüsse gesorgt. Die Vereinstische waren voll besetzt, aber erst zwischen den Budenreihen Hochbetrieb, da konnte kein Apfel mehr zur Lide ober besser gesagt kein Tannenzapfen, von Ln höchstens einer auf die Köpfe der Umher- Mndernden fiel. Los war ja genug, auf Einzelnes »ollen wir morgen noch zurückkommen. Vor- Mg sei nur der glänzende Verlauf des Festes bnftatiert. In erster Linie war daran das herrliche geifer schuld. Um 2 Uhr begann es zwar zu Mn aber die Sonne siegte schließlich. Schöner ta sie am Lido in Venedig auch nicht geschienen üben, von wo aus unser „Ober" den Hanauern hohes Telegramm geschickt hatte:
frohes Lamboyfest wünscht vom Lido lerbürgermeifter Blaum und Frau."
Die Lichter von Venedig find schön, aber dem m trauer sind die Lampions, die im Winde über 6 L iter Erdbeerbowle schaukeln, ebenso lieb wie die tz M Sternen der italienischen Gondoliere, ja ich glaube wM ch viel lieber. Hanau und Lamboyfest sind eins, ' ier zeigt sich die Großzügigkeit, das Besondere und
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imaligs dieser Stadt am Main, der man so oft
ierdM ^ nachsagt. Ein Lamboyfest wird alle Verleum- ^>^ ^überzeugen, daß Hanau und die Hanauer besser ^ ,â I ihr Ruf, denn am Lomboyfest gibt sich der Wauer frei wie er ist und hier lernt ihn auch der
sskWWâ am ersten verstehen und die Stadt lieben. ! aller Herren Länder sind gestern die Karten ^^Wt den Bildern vom Festplatz hinausgeflattert, und .rWI Mbit auch die Hanauer in der Fremde mit teil- e Ütnen lassen an dem größten Ereignis von Hanau, « W Lamboyfest.
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.>: .? ALeider hat es auch eine ganze Reihe Unfälle die aber glücklicherweise alle ohne ernste |rj!Mi(t Jähen abgelaufen sind. Am 12. Juni wurde ein gtftsi! Mn aus Bergen-Enkheim durch ein Bierglas Metzt, das von unbekannter Seite geschleudert ... Ku gorben war, er wurde ins Krankenhaus überführt.
1 Zwei Damen wurden verletzt, jedoch nur , . rn-stür zte ^ifji a n n vom ö und kugelte sich einen Arm aus. Nachdem rm im Krankenhaus wieder in die richtige e gebracht war, konnte er entlassen werden, einer Schlägerei kam es abseits des Wal- zwischen einigen Leuten von der Wander- itsftätfe. Der Geschlagene erlitt Verletzungen Gesicht, die jedoch nicht ernstlicher Natur sind, ersonen wurden festgenommen. Bei einer ande- Schlägerei wurden 2 Personen festgenom- . Zu einem Autozusammenstoß kam es rn abend gegen 11 Uhr in der Lamboystraße jschen einem Lieferwagen und einer Autodroschke. Droschke wollte den Wagen ü b er- en. Beide Fahrzeuge wurden stark âgt. Verletzt wurde din Mann, der das luifetbein gebrochen hatte, mb er wieder aus > Krankenhaus entlassen werden konnte. — Fer- sturzte ein Kind vom Karussell. Am 12. Juni am Eisenbahnüb ergang hinter der Wander-
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Fortsetzung.
Aoman von Wolfgang Marken berrechtaaebuti d, Verlag Oskar Meister, Werden 8a.
(Nachdruck verboten.)
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?^r Corts wieherte höhnisch auf, als er auf- roert wurde, nach der Hexenburg zu kommen, tagte, daß er die Behandlung ablehne, man ArÄ aus der Stadt holen.
er alte Gärtner war fassungslos.
Doktor", sagte er mit zitternder Stimme, "orr is nid) da! Der Jung stirbt, wenn Sie tomtn ! Um Himmelswillen, komm' Sie, wo " «e örau krank ist!"
--Bin selber krank!" widersetzte sich Corts. „Hol den Tod bei dem Wetter."
a wrOörte entsetzt von des Arztes Weige- stürzte zum Telephon, wollte das nächste » IcE^”’ “° öer andere Arzt wohnte, aber
«h. 8 Tlr™?1' ™u oer anoere Arzt woyme, av Lw 3D^İ"Ekehr ruhte des Gewitters wegen.
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SqemanL' m b"! Feodora den Riesen, „geh zu 's;, M " Sage ihm, er soll ein Pferd nehmen, !L eilen und den Arzt holen. Bei der ’ £ ef' cs geht um Rostoffs Sohn!"
Ä «en "^hte zu Hagemann. Der besann sich kei- Er riß den leichten Iagdwagen y ttlenh^ '^!"ste und schirrte den Braunen an. In d! H Eile ging es nach Tannendorf.
■ fuhr auf dem Rad durch den schwar- I'könm^n^icht angebrannt, um den Weg sehen r v kam in das Gewitter. Dumpf rollte L 7^urch die Fähren.
Übermut*1" ^" immer noch war das Wetter wie ein Rasender, um dem Geren kommen, aber es schob sich näher ! Donn^- Mfujer zuckten die Blitze, krachten ho fanben a®C' ^ *m 'âalde ein vielstimmiges nIs ^icn alle Geister der Tiefe los, hartw^ vernichten.
W "klaute nicht Furcht, aber ein Bangen N Setlina« 4a"^° >hm die Brust zu. Er mutzte Mnio 95 "vorte denken, der ihn vor Feodora
arbeitsstätte ein Motorradfahrer ein Pferd ange- fahren und verletzt. Der Motorradfahrer, der ohne Nummer fuhr, konnte entkommen. Schließlich wurde noch am Mittwoch ein Mann in der Aepfel- alles angefahren, er erlitt schwere Körperverletzungen.
*
Die Hanauer Straßenbahn hat an beiden Lamboysesttagen mit Straßenbahn und Autobussen rund 31 000 Personen b «fördert.
Staubübevsall
80 Mark geraubt. — Der 18jährige Täter entkommen.
Gestern abend wurde in der Lamboystraße 25 ein Raubüberfall auf den Metzgermeister M e i - n ing er verübt. Gegen 8% Uhr erschien der 18 Jahre alte Schlosserlehrling Walter Brill von Hanau bei dem Metzger und verlangte ein Viertelpfund Wurst. Als der Metzger sich herumdrehte, um das elektrische Licht einzuschalten, schlug ihm B. von hinten mit einem schweren Holzhammer auf den Hinterkopf. Meininger, dem die Sinne zu schwinden drohten, flüchtete noch schnell in sein Zimmer, weil er befürchtete, daß B. noch eine Schußwaffe bei sich tragen würde. In der Zwischenzeit raubte B. aus der Ladenkasse ca. 80 Mk. in Silbergeld.
Der Verletzte hat eine starke Beule und blutende Wunde am Hinterkopf davongetragen, jedoch scheinen die Verletzungen nicht schwerer Natur zu sein. B. ist nach dem Ueberfall flüchtig. Er hatte bereits im März vorigen Jahres auf dem Gelände der ehemaligen Eisenbahnerkaserne einen Raubüberfall auf einen Lehrling unternommen, den er mit einem Kartoffelstampfer geschlagen und 12 000 RM Lohngelder abgenomhatte. Er ging damals ebenfalls flüchtig und wurde anfangs April d. I. in Kiel festgenommen. Vom Jugendgericht erhielt er eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr. Nach Verbüßung von 5 Monaten wurde ihm wegen guter Führung Strafaussetzung gewährt B. trug einen braunkarierten Sportanzug und keine Kopfbedeckung. Die polizeilichen Maßnahmen haben bisher noch nicht zur Festnahme geführt.
Ium 50. äommunaUaudtas Annahme eines Vergleichsvorschlages oder Zwangsetatisierung oder — Auflösung!
Heute nachmittag wird in Kassel der Kommunallandtag zu seiner 59. Sitzung zusammentreten, um sich erneut mit dem Voranschlag für 1929 zu beschäftigen. Es liegen ihm hierfür der Hauptvoranschlag und der außerordentliche Voranschlag des Bezirksverbandes und der Voranschlag der Landstraßen- und Landwegebauverwaltung vor. Ferner wird er über die Uebernahme der Bürgschaft für ein durch das Landeskrankenhaus Fulda bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte aufgenommenes Darlehen von 53 800 Gramm Feingold beraten und
munallandtag einen Vergleichsoorschlag unterbreiten. Das Schriftstück beginnt mit solgender allgemein interessierender Stellungnahme:
Der 58. Kommunallandtag lehnte am 16. April 1929 den ordentlichen und außerordentlichen Hauptvoranschlag des Bezirksverbandes für den Regierungsbezirk Kassel für das Etatsjahr 1929 ab und gab dem Landeshauptmann nur die Ermächtigung, die Verwaltung des Bezirksverbandes nach dem Voranschlag für 1928 einstweilen fortzuführen.
Der Beschluß stellt mich vor die Alternative, entweder die Zwangsetatisierung nach § 94 der Provinzialordnung zu verfügen ober_ die Auflösung des Kommunallandtages nach § 95 das. zu erwirken. Beides will ich nach Möglichkeit vermeiden, die erstere Maßnahme schon deshalb, weil ihre Durchführung ganz außerordentliche Schwierigkei-
Immer schlechter wurde der Waldweg, stockdunkel war es um Jost. Er hörte nicht auf das Krachen und Bersten der Stämme.
Vorwärts! Vorwärts!
Jetzt sperte ihm ein gefällter Baumriese, der quer über den Weg lag, die Weiterfahrt.
Im letzten Augenblick brachte er das Rad Stehen. Seme Knie zitterten, als er mit dem über den Stamm kletterte.
zum Rad
Er glaubte, in der Hölle sich zu befinden.
Das Gewitter lag vor ihm.
Cs mußte über Hoßlitz fein.
Und Marthe war allein . . . ohne ihn.
Jost eilte, und bald war der Wald zu Ende.
Er atmete tief auf, als er den Wald, den unheimlichen, hinter sich hatte. Alle Aufmerksamkeit mußte er auf den Weg richten.
Plötzlich krachte ein Schutz.
Hartmann fuhr zusammen, und im gleichen Augenblick war es ihm, als habe er einen Schlag gegen die Schulter erhalten. Er wußte, daß die Kugel seine Schulter getroffen hatte.
Eine entsetzliche Angst packte ihn in diesem Augenblick. Es war ihm mit einem Male, als warte Marthe auf ihn, als müsse er kommen, um eine große Gefahr zu bannen . .....
Er wußte nicht, welche Gefahr, aber er fühlte sie.
Mit übermenschlicher Energie riß er sich zusammen und raste, während ihm das Blut über den Körper lief, den Berg hinunter.
Jeden Augenblick dachte er, daß er stürze. Aber wie durch ein Wunder kam er gut voran. Und bald sah er die Hexenburg. .....
Er drohte vom Rade zu stürzen. Schwache übermannte ihn.
Doch er hörte eine Stimm« schreien: „In der Hexenburg hat es eingeschlagen!"
Das riß ihn zusammen.
Unter Aufbietung feiner letzten Kraft trat er in
die Pedalen.
*
Das Haar hing ihm wirr in die Stirn, und die Augen waren voll Glut.
Er konnte sich kaum noch halten, preßte die Hand an die Schulter.
„Jost!" schreit die Frau auf. „Unser Junge!"
Dieser Aufschrei kam so urgewaltig, so tiefschmerzlich aus dem Innern der Seele, daß der Mann zu dem Kinde stürzte.
Mit einem Blick hatte er alles erkannt.
ten bereitet hätte. Erfordert schon bei Einzelforderungen, die im Wege der Zwangsetatisierung durchgesetzt werden müssen, die Feststellung, ob die Leistung dem Bezirksverbande gesetzlich obliegt, für die Behörde, die die Leistung festzusetzen befugt ist, meist sehr peinliche Untersuchungen, so steigern sich diese Schwierigkeiten bei einem Gesamtetat, welcher neben einigen wenigen gesetzlich oder vertraglich im vollen Umfange feststehenden Zwangsleistungen eine große Menge von Posten von rein freiwilligen Leistungen ober von Zwangs- und freiwilligen Leistungen zugleich enthält. Der im Wege der Zwangsetatisierung zustande gekommene Gesamtetat müßte Leistungen, die ganz ober überwiegend freiwillige sind (wie z. B. große Teile des Wo-hlfahrtsetats, oder der Förderung von Kunst, Wissenschaft, Gewerbe, Verkehr, Landwirtschaft usw.), unberücksichtigt lassen. Alle diese Umstände veranlassen mich, dem Kommunallandtag einen Vergleichsvorschlag zu unterbreiten, um zu erreichen, daß der Haushaltsvoranschlag für 1929 im Wege der ordnungsgemäßen Verabschiedung durch den Landtag zu Stande kommt.
Der Oberpräsident geht bei seinem Vorschlag von den Beschlüssen des Hauptausschusses aus. Den Anträgen der Hessischen Arbeitsgemeinschaft kann er nur zum Teil folgen. Sollte der Vergleichsvorschlag angenommen werden, so bedingte das die Erhöhung der Bezirkssteuern um 2,07 auf 17,96 Prozent.
Gin vaav winke, snSdige Kran — Sie reifen allein ...?
Die alleinreisende Frau ist heute keine Seltenheit mehr aus den Bahnhöfen, in den Zügen und den Hotels. Man hat sich längst an sie gewöhnt und läßt sie gelten, d. h. man behandelt sie wie den männlichen Reisenden.
Und dennoch ist da ein Unterschied. Fragen wir die Frau selbst: Reisen Sie gern allein? Ebenso viele Ja wie Nein erhalten wir zur Antwort, ja, wenn diese Gefragten wirklich ehrlich wären, wäre der Prozentsatz jener Damen größer, die „noch lieber" in Begleitung eines männlichen Kameraden reiften. Das ist erstaunlich, nicht wahr? Aber durchaus begreiflich!
Im Kriege, bzw. nach dem Kriege, begann die Selbständigmachung der Frau, die seit Jahrtausenden in allen Ländern der Erde — allerdings in einigen Variationen — die dem Manne körperlich und geistig Unterstellte gewesen ist. Eine Zeitspanne von wenigen Jahren (einem Jahrzehnt) kann da also wohl erhebliche äußere, aber keine restlose innere Umstellung erwirken. Diese Unterstellung unter die körperliche und geistige Herrschaft des Mannes schuf einen Zustand der Weichheit bis zur Haltlosigkeit des Anlehnungsbedürfnisses, bis zur Selbstaufgabe in der Frau, die heute noch in vielen kleinen und kleinsten weiblichen Zügen für den scharfen Beobachter zutage treten, — auch bei der berufstätigen, auch bei der sporttreibenden Frau. Und wenn wirs nur zugeben wollten: gerade diese Züge der bereitwilligen Unterordnung, der Weichheit und der Schutzbedürstigkeit, machen ja für den Mann die weiblichen Reize aus, die ihn um so mehr einfangen, je überraschender sie sich ihm hinter dem Gegenteil .verborgen gehalten haben.
Aber wir schweifen ab: Die alleinreisende Frau fühtt^sich also in ihrer Haut durchaus nicht so wohl, wie sie dies mehr oder weniger geschickt zum Ausdruck zu bringen sich bemüht. Sie fühlt sich unsicher, ist, wenigstens innerlich — aufgeregt und nervös. Warum nur?
Da ist zunächst der ungewohnte Umgang mit dem Gelde. Ist viel da, bangt sie um den Verlust, ist wenig vorhanden, überrechnet sie in Gedanken wiederholt die Kosten, für die das Geld wohl eben langt, und wenn dann womöglich noch Unvorhergesehenes dazukäme... o, es ist nicht auszudenken! Sie mag zu Hause die rechnerisch begabteste Hausfrau sein — auf der Reise — draußen — macht sie der Besitz des Geldes und die Verantwortung dafür nervös. Aber da gibt es Hilfe, gnädige Frau! Bitte bedienen Sie sich des nächsten Reisebüros. Sie erhalten dort nach Ähren Wünschen ein Gutscheinheftchen für den Aufenthalt in einem Ihnen zusagenden Hotel mit
Diphtheritis,, die heimtückische Krankheit.
Jost stand schweratmend. Es war fast zu spät zur Hilfe. Jetzt half nur noch eins: im letzten Augenblick mußte er den Luftröhrenschnitt tun.
„Auf den Tisch!" befahl er heiser und eilte in sein Arbeitszimmer. Er fühlte sich elend, schwach.
In rasender Eile griff er nach Instrumenten.
„Werde ich, da ich mich kaum noch auf den Beinen halten kann, in der Lage sein, die Operation auszuführen?"
Mit den letzten Kräften stand er am Tisch vor dem röchelnden Kind, vor seinem Jungen.
Marthe lag im Fieber und schrie auf.
Aber Jost führte den Luströhvenschnitt mit sicherer Hand aus. Ordnungsgemäß setzte er dem Kinde das kleine Röhrchen ein, und mit einem Male, da es wieder Lust bekam, war es ruhig und erlöst.
Jost stand eine Weile wie geistesabwesend. Feodora Tomary sah, wie er mit sich kämpfte.
Er wankte zu Marthes Bett.
Die fiebernde Kranke stöhnt: „Unser Junge!"
21 bar ein Lächeln ging über die starren Züge Josts, ein Lächeln, das das junge Weib beruhigte, beglückte.
Dann brach Jost Hartmann zusammen. Er hörte nicht wie der Arzt aus Tannenberg, gefolgt von Hagemann, die Treppe heraufpolterte.
Der Arzt, ein nach junger Mann, trat ins Zimmer. Mit einem Blick sah er, um was es sich handelte.
Iwan und Hagemann trugen Hartmann in das
Nebenzimmer und betteten ihn auf sein Lager. Der Arzt ging zu dem Kinde.
~ ;en, die er an Feodora richtete,
In kurzen Fragen, die er an _ , . klang Staunen und Hochtachtung.
Er sah, daß das Kind ruhig atmete, und wandte darum Hartmann seine Fürsorge zu.
Der Arzt sah die Wund« an bar Schulter.
„Man hat auf Herrn Hartmann geschossen!" sagte er erregt. „Die Kugel ist durch die «chulter gegangen. Äic Wunde ist nicht gesährlich, aber der Blutverlust hat ihn geschwächt. Mit dem Schuß in der Schulter hat er die Rettung des Kindes vollbracht. Es gibt noch Männer! Bei Gott, man soll nicht verzagen."
Ganz erschüttert, begeistert war der junge Arzt.
„Wer wacht die Nacht bei Herrn Hartmann?" fragte der Arzt.
Zimmerpreis oder Pension, Trinkgeldern, Gspäckbe- orgung und -Versicherung: außerdem besorgt Ihnen )as Reisebüro die Fahrkarte, die Gepäckausgabe und -Versicherung, berät Sie zudem über besonders günstige Reiseverbindungen, Anschlüsse an Schiffslinien und Seilbahnen, Sehenswürdigkeiten auf Ihrer Reise und — last not least: Sie sind Ihre Geldjor- gen los.
Nehmen Sie nun noch eine größere Summe als Taschengeld mit, so stecken Sie sie in großen Scheinen in den Brustbeutel oder — bei Dekolletèzu empfehlen — überweisen Sie sie an eine Bank oder das Zielhotel zu Ihrer Disposition. In Ihrer Handtasche — liebe, gnädige Frau — ist das Gld am wenigsten sicher und natürlich auch der große Schmuck, dec im Wertpaket seiner Trägerin vorauseilt. Die Handtasche bleibt einmal in der Eile liegen, sie kippt Ihnen einmal vom Schoß und gibt bereitwillig auch unberufenen Augen Einblick in Ihren Inhalt, oder sie wird Ihnen im Gedränge entrissen und gestohlen. Schlimm genug, wenn dann das Gutscheinhest und die Fahrkarte in Verlust geraten. Aber Sie haben sich ja die Nummer des Heftchens gemerkt und lassen es telegraphisch sperren. Erfragen Sie vor Antritt der Reife das Nötige für diesen Fall vom Reisebüro. Aber nicht nur aus der Reise — auch im Hotel find Geld und Schmuck im Safe der Direktion sicherer, als im verschlossenen Zimmer. Es gibt da keine Sicherheitsschlösser, die mit einem Nachschlüssel nicht schnell geöffnet oder erbrochen wären.
So viel vom Geld. Es wäre da noch einiges mehr zu sagen, besonders für Damen, die ins Ausland reifen oder häufig den Aufenthalt wechseln, aber jene gehören meist zur Gruppe der Vielgereisten, denen die Reisegepflogenheiten geläufig sind. _
Apropos Ausland! Vergessen Sie auch für die Reise im Inlands nicht Ihren Reisepaß, gnädige Frau! Sie müssen sich in den verschiedensten Fällen ausweisen können: bei Abheben von Geld auf der Bank, bei der Post, auch bei Postlagersendungen und Zustellungen im Hotel. Der Paß ist also sehr wichtig — bei Verlust sofort sperren lassen —, aber bei der Beschaffung bedenke man den Weg des Amtsschimmels und melde ihn rechtzeitig an.
Jetzt bleibt Ihnen also nur noch die Sorge für Ihr Gepäck. Warum belasten Sie sich damit? Geben Sie es doch auf und vergessen Sie nicht, es bahnamtlich zu versichern. Es kostet Sie nur ein paar Mark und gibt Ihnen die Beruhigung, daß Ähre Kofser schonend behandelt werden.
Es genügt als Reisegepäck ein Köfferchen, das den Reiseproviant und die Lektüre aufnimmt, in dem auch Reisemantel und Regenschirm Platz finden und das im übrigen nur die Toilettenartikel und den Pyjama enthält, wenn Sie unterwegs einmal nächtigen, bevor Sie Ihr Reiseziel erreicht haben.
* Daten für den 15. Ium. Sonnenaufgang 3.43, Sonnenuntergang 20.17, Mondaufgang 1310, Monduntergang 0.56 Uhr. 1843: Der Komponist Edward Grieg in Bergen geb.; 1905: Der Afrikaforscher Herrmann von Wißmann in Weissenbach gestorben.
* Die neue Generaloberin. Im Mutterhaus der Barmh. Schwestern in Fulda ist gestern Schwester Josesine Kramer, bisher Oberin des Kasseler ^PincenLkrankenhaujes, zur Generalobsrin erwählt worden.
* Der Hanauer Gefchichtsverein nimmt morgen nachmittag 4% Uhr gemeinsam mit dem Verein für Geschichte und Altertumskunde Frankfurt a. M. eine Besichtigung des Schlosses Philip p s r u h e vor.
* Ein schwerer Mokorradunsall ereignete sich in der letzten Nacht gegen 3 Uhr kurz vor Rotöenbsr- gen. Ein Herr und eine Dame, beide in Gelnhausen beschäftigt, erlitten mit ihrem Motorrad einen Sturz. Beide trugen schwere Verletzungen davon und wurden durch die hiesige Arbeiter-Samariter- Kolonne in das St. Vincenzkrankerrhaus gebracht. Wie wir hören handelt es sich bei den Verletzungen des Herrn um einen Beckenbruch und Kopf- und Beinoerletzungen, während die Dame einen Schädel- bruch erlitten hat.
„Iwan wird wachen!" sagte der Russe, über dessen Wangen Tränen strömten.
Der Arzt wandte sich wieder dem Kinde zu.
Er fand Hartmanns Arbeit mustergültig, pinselte den Hals und Kehlkopf mit Serum aus. Dann wurde das Kind wieder in bar Wiege untergebracht.
Dann ließ sich der junge Arzt an Marthes Bett nieder. Er prüfte ihren Puls.
„Hm!" sagte er. „Sie sind noch sehr aufgeregt, gnädige Frau. Sie müssen ganz ruhig sein. Sorgen Sie sich nicht um Ihren Jungen. Wir werden ihn bald wieder gesund haben. Und Ihren Gatten geht es gut. Ja, >a, Sie brauchen sich nicht zu sorgen."
Dankbar sah ihn Marthe an.
Ganz bewegt sah er in die reinen, beglückten Augensterne des Madonnengesichtes.
Er mußte unwillkürlich an seine Mutter denken.
„Meine liebe gnädige Frau", sagte er herzlich, „Ihr Gatte hat unterwegs einen Schuß in die Schulter erhalten. Hat Ihr Mann Feinde im Dorf?"
Marthe und Feodora waren tief entsetzt.
„Einen Schuß!" stammelte die junge Frau. „Er hat Feinde . . . das ganze Dorf haßt ihn, und er ist so gut! Und . . ."
Feodora nahm für sie das Wort:
„Ja, und andere sind ihm feind, denn er soll nicht zu Karner gehen. Herr Hartmann ist Wladimir Rostoff."
Der junge Arzt glaubte, nicht recht gehört zu haben.
„Wladimir Rostoff!" sagte er voll Ehrerbietung. Jetzt verstehe ich, daß ihr Gatte es vermochte, mit dem Schuß in der Schulter, der ihn äußerst geschwächt hat, die Operation auszuführen. Aber sagen Sie mir gnädige Frau, warum haben Sie, da das Leben des Kindes an einem Haar hing, nicht zu Doktor Corts geschickt?"
„Wir taten es. Aber er ist mit meinem Mamie in Feindschaft und weigerte sich." -
Der junge Arzt saß wie versteinert.
„Gnädige Frau," sagte er tief erregt, „ich werde der obersten Medinaibehörde davon Kenntnis geben. Das hätte ich Doktor Corts nicht zugetraut."
(Fortsetzung folgt).