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Montag den
27. Mai 1929
Dev Stahlhelm geht «ach München
Vom Stahlhelm wird uns geschrieben: Mit gewaltigen Massen wird der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, am 1. und 2. Juni dieses Jahres in Bayerns schöner Landeshauptstadt zum 10. Reichsfrontsoldatentag aufmarschieren, der zugleich Abschluß und Krönung seiner kampfdurchtobten, an Ehren und Siegen reichen zehnjährigen Geschichte darstellt. Hart und schwer war der Weg dieser zehn Jahre. Alles in allem — mit Einschluß des indifferenten Bürgertums, dessen tatenlos abwartende Haltung das Berbrechen des November 1918 überhaupt erst möglich machte, — waren es gegen die Dutzend Männer aller Stände und militärischen Dienstgrade, die in jenen Schicksalstagen Deutschlands auf dem ehernen Fundament der Kameradschaft und der freiwilligen Disziplin zum Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, sich zusammengeschlossen und unter schwarz-weiß-roter Flagge den Kampf des Frontgeistes aufnahmen gegen den Geist der Revolution. „Abwehr" und „Selbstschutz" lautete damals unsere Parole. Wir wurden, dem Zwang der Verhältnisse folgend, zum „Wehrverband", und als dieser der Regierung aus außenpolitischen Gründen nicht mehr tragbar erschien, zu dem, was von Anfang an unseres Wollens und Wesens innerster Kern und Sinn gewesen: zur bewußten politischen Kampfgemeinschaft, zur großen deutschen Freiheitsbewegung, die alles um sich sammeln und in ihre graue Front einstellen will, was hart, stark, männlich, soldatisch, frei und deutsch denkt in Deutschland.
In Verbindung mit der Feier des 18. Januar fanden die großen Reichsfrontsoldatentage, an denen wir Heerschau hielten über unsere Kraft und Rückblick auf die Erfolge eines Arbeitsjahres, bis 1925 in der Gründungsstadt Magdeburg statt. 1926 gingen wir zum ersten Male „ins Reich" und überschritten mit 100 000 Mann und tausend Stahlhelmfahnen bei Düsteldorf den wieder erlösten Rhein. 130 000 Mann „eroberten" im darauffolgenden Jahre in straffer Haltung und Disziplin die Herzen der Reichshauptstadt. Noch gewaltiger war in seinen Ausmaßen der Aufmarsch des Jahres 1928 in Hamburg — noch gewaltiger soll „München" werden.
Der Stahlhelm geht nach München! Am Vorabend des 2. Juni wird im Dantestadion eine nationale Kundgebung veranstaltet und nach der Heldenehrung vor dem Kriegerdenkmal eine Fahnenkolonne des Stahchelm mit den nationalen Verbänden Bayerns durch die Straßen Münchens ziehen und nach alter Tradition zum großen Zapfenstreich, gespielt von über 600 Spielleuten und Musikern, sich vereinigen. Am nächsten Mittag aber wollen wir München und den Münchnern, mit denen wir eines Geistes uns wissen, das einzigartige überwältigende Bild der grauen Masse des nationalen Frontsoldatentums aller deutschen Länder und Stämme zeigen, das in endlosen Fronten zum großen Frontsoldatenappell aufmarschiert und in stundenlanger machtvoller Heersäule an dem schwarzweißroten Symbol des Bundes vorbeidefiliert.
Dom Kurischen Haff bis zu den wogenum- brauften Deichen Ostfrieslands und von Straßburg, der wunderschönen Stadt im verlorenen Elsaß, bis zu den frischgrünen Tälern und Matten, über denen der kühne Watzmann ragt, werden Deutschlands Frontsoldaten, werden Pommern und Ostpreußen, Badenser und Sachsen, Altmärker und Holsteiner
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und Thüringer und Mecklenburger und Schlesier und Rheinländer und Franken und Altbayern mit den Farben ihres Stammes am rechten Oberarm, aber in der gleichen grauen Windjacke in München zusammenströmen. Denn so bestimmt und entschieden wir im Stahchelm jeden reichsschädigenden Partiku- larismus ablehnen, so scharf und bestimmt wenden wir uns gegen den kulturvernichtenden Ungeist des Zentralismus, so freudig und rückhaltlos kämpfen wir für die Erhaltung der föderalistischen Form, die das weitsichtige Genie des Reichsgründers als deutschem Volk und Wesen angemessen erkannt hat.
Auch die Ortsgruppe Hanau wird in stattlicher Zahl an diesem gewaltigen Aufmarsch teilnehmen. Freunde der Bewegung können an der Fahrt nach München teilnehmen. Anmeldungen bis zum Mittwoch an den Ortsgruppenführer Georg Kempf, Beethovenplatz 4, part.
«chusMsSeUAEuttse« des Wetterdienstes
Ueber den internationalen Wetterdienst für den Luftverkehr sprach auf einer Tagung in Travemünde Dr. Seilkopf von der Deutschen Seemarte. Um Zeit und Betriebskosten zu sparen, müssen die Flugzeuge sich nach den Luftströmungsverhältnissen richten können. Angaben hierüber vermittelt der beinahe in allen Ländern eingerichtete Wetterdienst, dessen einzelne Beobachtungsstellen in. ständiger Funkverbindung untereinander stehen. Die Organisation ist bereits so vorzüglich ausgebaut, daß in knapp 1% Stunden nach den Beobachtungszeiten fast die gesamten europäischen Beobachtungsergebnisse, einschließlich der arktischen Meldungen von Grönland und Spitzbergen, verbreitet und die Wetterkarten ausgearbeitet werden können. Dabei werden die meteorologischen Beobachtungen durch die deutschen wissenschaftlichen Flugstellen des aeronautischen Obfervatiums in Lindenberg, Tempelhof sowie der Deutschen Seewarte in Hamburg und der Technischen Hochschule in Darmstadt noch wirksam unterstützt. Außerdem ist in den letzten Jahren an den Flugstrecken ein Netz von Gefahrenmeldestellen geschaffen worden, um dem Flugwetterdienst zuverlässige Angaben über die allgemeine Wetterlage und voraussichtliche Aenderung längs der Flugstrecke zu übermitteln und dem Flugzeugführer den Wetterzettel aushändigen zu können. Für Landflüge ist soweit alles in guter Ordnung, für den Seeflugverkehr aber steckt noch alles in den ersten Anfängen. Es gilt daher vor allem die Höhenluftströme über dem Ozean zu erforschen, um das Stromfeld überwachen zu können. Zu diesem Zweck haben bereits der Norddeutsche Lloyd, die Hamburg- Amerika-Linie und die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrtsgefellschaft auf dreien ihrer Dampfer sogenannte Höhenwindmeßstellen eingerichtet. Deutschland hat noch den Vorsprung; es bleibt aber dringend zu wünschen, daß in internationaler Zusammenarbeit alle beteiligten Länder durch geeignete Ausrüstung der Schiffe und genaue Beobachtung und Nachrichtenübermittlung an der für den Ozeanluftverkehr so überaus wichtigen Frage tatkräftige Mitarbeit leisten.
llnweiterschäden im. oberschlesischen Industriegebiet
Gleiwih, 26. Mai. Das Dorf Rokittnitzc wurde am Samstagabend nach einem Gewitter überrascht von einer Hochwasserwelle, die die Keller eines Teiles des Dorfes unter Wasser setzte. Ein Gasthaus stand bis zum ersten Stockwerk unter Wasser.
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In der Dunkelheit irrte der auf dem Nachhausewege befindliche Markenkontrolleur der Castellengo- Grübe vom Wege ab und ertrank in dem hochgeschwollenen Bach. In dem Gleiwitzer Stadtteil Soßnitza mußten fünf Häuser wegen Ueberschwem- munq geräumt werden. Das Mobiliar ist zum größten Teil verloren.
Der Affe in der Wahlversammlung.
In Camberwell, Südengland, drang ein Affe, der seinem dort ansässigen Eigentümer entlaufen war, plötzlich in eine Wahlversammlung, die im Gemeindehaus stattfand. Der Gemsindediener, der sich dem Affen entgegenstellte, wurde niedergöboxt. Der Vorsitzende der Versammlung mußte von seinem Präsidententisch flüchten, nachdem der Affe ihn in den Arm gebissen hatte. Schließlich begann eine große Jagd nach dem Flüchtling, ohne daß es gelang, seiner habhaft zu werden. Erst am nächsten Morgen fand man den Affen in der Dovfkirche versteckt.
Aufdeckung einer polnischen Wädchenhändlerbande
Kakkowih. 26. Mai. Der Woiwodschaftspolizei gelang es dieser Tage, einer gut organisierten Mädchenhändlerbande auf die Spur zu kommen, die von einem Warschauer Händler namens Feldfaum geleitet wurde. Bisher wurden zehn Mitglieder der Bande verhaftet.
Ein sechsjähriges Kind wegen Totschlags verurteilt.
Das Schwurgericht Painsville in Kentucky verurteilte den sechsjährigen Charles Marhan wegen Totschlages zu fünfzehn Jahren Jugendgefängnis. Das Kind hatte feinen gleichaltrigen Gespielen im Streit um den Besitz eines gefundenen Stückes Eisen mit dem Revolver des Vaters erschossen. Trotzdem nach den Gesetzen Kentuckys Kinder unter zehn Jahren nicht gerichtsfähig sind, führte der Richter das Verfahren durch und verhängte das Urteil, nachdem die zwölf Geschworenen einstimmig für „schuldig" sprachen. Das Kind war für die Vorgänge völlig ohne Verständnis und spielte unbekümmert mit Altersgenossen während der Verhandlung. Obwohl in zahlreichen Staaten Amerikas es noch keine Jugendgesetzgebung gibt, sind doch Fälle ähnlicher Art selten. Der Marhan-Prozeß ist der erste, der gegen ein sechsjähriges Kind durchgeführt wurde.
Schweres Verkehrsunglück bei Sleele.
Essen, 26. Mai. In der Nacht zum Sonntag gegen 2 Uhr wurde in Steele ein Motorradfahrer von einem Kraftlieferwagen, der in der Richtung Bochum—Essen fuhr, überfahren. Dabei wurde der Führer des Motorrades so schwer verletzt, daß er dem Krankenhaus in Steele zugeführt werden mußte. Sein Mitfahrer wurde sofort getötet. Der Führer des Lieferwagens fuhr, ohne sich um den Vorfall zu kümmern, davon und entkam unerkannt.
Vom Blitz erschlagen.
— Hünfeld, 26. Mai. Während eines schweren Gewitters, das am Freitag über das Fulda- und Werratal niederging, wurde bei Großenmoor ein aus Langenschwarz stammendes ttzjähviges Mädchen auf dem Felds vom Blitz erschlagen. — Auch in Malkomes wurde ein Mann vom Blitz gs- trosfen; er wurde in lebensgefährlichem Zustand ins Krankenhaus gebracht.
Erpressung per Brieftaube.
Von kurzem erhielt ein reicher Arzt in Newyork ein Postpaket, in dem sich zwei Brieftauben befanden. Eine derselben trug einen kleinen Sack aus schwarzer Seide, in dem sich ein Briefchen befand,
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Nr. 121
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Eine Gralissparmünze für die Aachener BM Um die Spartätigkeit der Aachener Bürger and regen, hat die Kreissparkasse Aachen auf üen M ßen Aluminium-Münzen, in die ein Pfennigs eingesetzt ist, verteilen lassen. Dieser Pfennig solid Grundstock eines künftigen recht großen Sparkochj bilden.
in dem der Arzt aufgefordert wurde, Banknoten M Höhe von 50 000 Dollar in den Sack zu stecken dann das Federvieh wieder fliegen zu lassen; tue er das nicht, so würde es ihn das Leben kosten. » Arzt wandte sich an die Polizei, die ihm den M gab, der Taube einen Brief mitzugeben. Die TmM flog davon und trotz aller Vorsichtsmaßregeln «M lor man jede Spur von ihr. Nach drei Tagen taw ein Brief, dessen Verfasser von einer persönlich» Begegnung nichts wissen wollte, weil er einen „Stil rat" fürchtete. Er bestand darauf, daß ihm das Stil auf dem angegebenen Wege zugestellt werde. ÄnW die Tauben kamen wieder zurück, auch diesmal M Expreßpaket und mit ihnen ein dritter Brief, » ein regelrechtes Ultimatum war. Der Arzt mut® aufgefordert, sich innerhalb 24 Stunden zu «■ scheiden. Er tat es auch, trotz der Versuche ber lizei, ihn daran zu hindern. Seit her Zeit hâM mehrere Dutzend reicher Leute aus Newyork anderen amerikanischen Städten derartige PMM erhalten. Auf die Entdeckung des Erpressers jitw 50 000 Dollar Belohnung ausgesetzt. Bis jetzt M er aber schon mehrere Millionen Dollar erpreßte
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