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Samstag den 25. Mal 1929

Wahlkampfes, der im Grunde nichts weiter ist als ein Kampf deutscher Landsleute gegen die ihnen aufgezwungene Eingliederung in ein fremdes Staatswesen. Dieser Kampf wird seit Jahren unentwegt geführt, ohne daß an der Gesinnung der Bevölkerung irgendetwas ge­ändert wird. Das Wahlergebnis des kommen­den Sonntags kann und wird nichts anderes fein als ein neues Treugelöbnis zum Deutschtum. Gerade diese Stimmung hat dazu geführt, daß die Verfechter der belgischen Macht über dieses Gebiet ihren Kampf immer mehr auf ein Niveau getragen haben, das nicht gerade für die Träger jener Parolen spricht, die von derkatholischen Partei" Bel­giens ausgegeben wurde. Diese Taktik hat sehr rasch dazu geführt, daß zwei deutsche Persön­lichkeiten, die man für sich gewonnen hatte, eiligst diese Verbindung wieder gelöst haben, so daß heute die Kandidaten und Wortführer der katholischen Partei nicht über irgendwelche Unterstützung von den Heimatkreisen Eupen- Malmedy verfügen. Diese Isolierung muß natürlich den übrigen Parteien zugutekom­men. Denn die Zahl derer wird gering sein, die nach den dauernden Bloßstellungen der katholischen Partei die Stimmen geben werden, die ihr im Grunde nur von dem ansässig ge­wordenen Belgier sicher ist. Den stärksten Anhang hat die christliche Volkspartei gefun­den. Aber auch die Liberale Partei und die Sozialdemokraten finden ihre Unterstützung. Sie alle haben die Parole Volksabstimmung auf ihre Fahnen geschrieben. Schon das allein sichert ihnen den Erfolg, denn daran ist kein Zweifel, daß die Bewohner von Cupen- Malmedy darauf brennen ihr Votum abzu­geben, mit welchem Staat, mit welcher Nation sie sich schicksalsverbunden fühlen. Es muß obgewartet werden, ob man in Brüsiel endlich geneigt ist, aus dieser Bekundung der Bevöl­kerung, die den Willen zu Deutschland bezeugt, endlich die Konsequenzen ziehen will.

Die DeuiWrsaikotralerr verlause« Schluß der Sev- Haudluuseu

Berlin, 24. Mai. Die deutschnationale Reichs- tagsfraktion teilt mit: Der Rücktritt Dr. Loggers hat die Lage blitzartig beleuchet. War das deutsche Memorandum vom 17. April, durch welches die Zahlung von 1650 Millionen Reichsmark auf 37 Jahre unter ganz bestimmten Voraussetzungen als möglich erklärt wurde, wenn sie auch die Lei­stungsfähigkeit Deutschlands weit überschreitet, so doch noch ein Sachverständigengutachten, so hat man mit dem Plan des Vorsitzenden Owen Poung, mit der deutschen Zustimmung, mit allen weiteren Verhandlungen den Rahmen eines Sachver­ständigengutachtens verlassen und sich unter star­kem-Druck politischer Stellen auf das Gebiet pösi- tischen Aushandelns, für Deutschland aber auf die schiefe Ebene begeben. Das kann auch die verant­wortungslose demagogische Hetze nicht verschleiern, die von der Linkspresse wegen der Rücktritts Vog­lers gegen ihn und die Schwerindustrie entfacht worden ist. Die Fraktion fordert SWuß dieser Ver­handlungen. Wie sie sich jetzt gestaltet haben, muß das Ergebnis für Deutschland ein falsches Ja sein, anstatt des ehrlichen deutschen Nein, das allein die Möglichkeit bietet, der hereinbrechenden Katastrophe Herr zu werden. Die Fraktion wird der ver­hängnisvollen Entwicklung mit allen ihr zu Ge­bote stehenden Mitteln Widerstand leisten.

Äu? der »Sitte des Aviess- vevbvechev*

General der Infanterie a. D. Max Graf M o n t g e l a s schreibt derKöln. Ztg." unter dem 23. dieses Monats:

Auf dem zurzeit in Madrid tagenden Inter­nationalen Kongreß der Völker­bundligen sollte ich die deutschen Anträge auf Räumung des Rheinlandes und auf endlichen Be­ginn der allgemeinen Abrüstung vertreten. Das französische Konsulat in Berlin hat mir jedoch das Paßmsum für die Durchreise durch Frankreich ver­weigert mit der Begründung, daß mein Name auf derListe der Kriegsverbrecher" stehe. Bei diesem Vorgehen handelt es sich nicht darum, daß die gegen Mich erhobene.Beschuldigung auf Unwahrheit be­ruht, da weder ich noch Truppen meines Befehls­bereichs jemals an dem Ort gewesen sind, wo der angebliche Vorfall gespielt haben soll, sondern es handelt sich darum, daß heute noch französische Be­hörden überhaupt von der berüchtigten Liste Ge­brauch machen. Ich habe daher darauf verzichtet, den französischen Boden auf dem Seeweg zu um­gehen, und ich bin dem Kongreß ferngeblieben, da­mit das französische Verhalten vor dem internatio­nalen Forum in Madrid entsprechend gewürdigt werden kann.

Hierzu bemerkt dieKöln. Ztg":

Die Tatsache der Paßverweigerung war uns be­reits bekannt, als die Mitteilung des Grafen Montgelas einlief; wir hatten darauf verzichtet, sie wiederzugeben, weil eine so kleinliche Nadelstich­politik die Entwicklung nicht aufzuhalten vermag. Wenn wir der Bitte des Generals jetzt willfahren und das französische Vorgehen niedriger hängen, so tun wir das mit dem Hinweis auf die französische Hilfeleistung für den deutschen Zeppelin. Das an« 'erkennenswerte Verhalten der französischen amtlichen Stellen in der Not des deutschen Luftschiffs steht in grellem Gegenlatz zu der Engstirnigkeit im Fall Montgelas. Eine Politik der Verständigung ist so lange zwecklos, als der Geist von Cuers nicht All­gemeingut geworden ist und jener andre vorherrscht. Der Franzose, der das Visum verweigerte, hat seinem Vaterland einen schlechten Dienst getan als Laurent-Eynac, der dem Gebot der praktischen Ver­nunft folgte und deshalb mit Recht deutschen Beifall erntete.

SnttfaWmlnittee Lauvant- Svnae cm Dv. SSeuev

Paris, 24. Mai. Luftfahrtminister Laurent-Eynac hat an Dr. Eckener folgendes Telegramm gerichtet:

Habe mit großer Befriedigung Ihr Eintreffen in Friedrichshafen erfahren und dank« Ihnen für die Aufnahme, die Sie meinen Vertretern an Bord des LuftzschiffsGraf Zeppelin" bereitet haben.

Paris, 24. Mm.Havas" berichtet aus Toulon, daß die Nachricht von der glücklichen Landung des LuftschiffsGraf Zeppelin" in Friedrichshafen auf dem Marineflugplatz Cuers mit lebhafter Freude ausgenommen worden ist und daß beim Bokarmt- werdcn der Nachricht Hochrufe auf Korvettenkapitän Roman ausgebracht wurden.

DZe Eindrücke der feam. Teilnehmer am Rückflug des »Ovaf Ievvelèn^

Paris, 24. Mai. Havas meldet aus Friedrichs­hafen, daß der stellvertretende Kabinettschef des französischen Luftfahrtministers Laurent Eynac, Kahn, der auf Einladung Dr. Eckeners an dem Rückflug desGraf Zeppelin" teilgenommcn hat, bei seiner Ankunft in Friedrichshafen erklärt habe, die Eindrücke dieser Reise im Luftschiff würden für alle Franzosen, die daran teilgenommcn haben, unvergeßlich sein. Die Havasagentur berichtet weiter aus Perlin, daß die Anwesenheit französischer Of­fiziere in Deutschland, die als Gäste Dr. Eckeners nach Friedrichshafen gekommen sind, natürlich die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung in An- spruch nehme, die vor allem die Eindrücke der aus­ländischen Gäste kennenlernen wolle. Die Gäste hätten erklärt, daß sie von der nächtlichen Fahrt begeistert seien. Sie hätten auch günstige Urteile hinsichtlich der technischen Fähigkeiten und der Sicherheit des Luftschiffes, das sie in Muße besich­tigen konnten, abgegeben. Auf Einladung einer Flugzeugfabrik wird ein bereits in Friedrichhafen eingetroffenes Sonderflugzeug den stellvertretenden Kabinettschef des französischen Luftfahrtsministers, Kahn, und Kapitän Pecquer nach Dessau bringen. Major Gelke, der bei der Landung die französischen Offiziere begrüßt hatte, wird während ihres 2luf« enthaltes auf ausdrückliche Weisung der Reichs­wehrbehörden ihnen als Verbindungsoffizier bei- gegeben.

LVevVuus M8 den kolonialen Gedanke«

Beginn der Tagung der kolonialen verbände.

Hannover, 24. Mai. Als Auftakt der großen Tagung der kolonialen Verbände war gestern ein Begrühungsabend, zu dem sich die Tagungsteilneh- mer in großer Zahl eingefunden hatten. Der Vor­sitzende der Abteilung Hannover der Deutschen Kolonialgesellschaft, Landrat Dr. Graf Wedel (Hannover), begrüßte die Erschienenen und kenn-' zeichnete kurz die Bedeutung der Deutschen Kolo- nialgesellschaft. Er betonte, daß es heute, wie schon zur Zeit ihrer Gründung, ihre Aufgabe sein müsse, den kolonialen Gedanken auf jede Art und Weise zu pflegen. Es käme darauf an, die deutsche Industrie für den Kolonialgedanken zu interessieren, aber vor allen Dingen auch, ihn in die breiten Schichten des Volks hineinzutragen.

Am Freitag war die Vorstandssitzung des Frauenbundes der Deüifchen Kolonialgesellschaft, wobei zum Ausdruck gebracht wurde, daß das Ziel die Fürsorge für die kommende Generation sei. Es sei Arbeit am eignen Hause, wenn man draußen bauen helfe. Auch in Deutschland stammten manche unsrer besten Kräfte aus Uebersee, und es wirkten auch heute noch unter den Deutschen draußen Kräfte für unser Volk, die wir mit allen Mitteln erhalten müßten. Darum wolle der Frauenbund der Deutschen Kolomalgesellschaft eifrig für die Erhal­tung der deutschen Schulen und Schulerheime in den ehemals deutschen Kolonialgebieten arbeiten. Seine Hilfe gelte in diesem Jahr vor allem der Realschule in Windhuk und der ersten deutschen Schule in Ostafrika.

Der Entwurf eines Vollzer- kofteugefetzes

Der preußisch« Staatsrat gegen die Regierungsvor­lage.

Berlin, 24. Mai. Dem Preußischen Landtag ist jetzt der Entwurf eines Polizeigesetzes zuge­gangen. Der Entwurf will die Umständlichkeit und ungerechten Auswirkungen des jetzigen Verfahrens dadurch beseitigen, daß sämtliche Gemeinden mit verstaatlicher Polizei zu den Kosten der gesamten staatlichen Polizei zu einein dem bisherigen Auf­kommen an Gemeindebeiträgen entsprechenden Ge­samtbeitrag herangezogen werden, der auf die ein­zelnen Gemeinden nach einem einheitlichen Schlüssel unterverteilt wird.

Der Staatsrat hat in seiner gutachtlichen Aeuße­rung den Gesetzentwurf für unannehmbar erklärt. Er begründete leine ablehnende Haltung u. a. da­mit, daß eine Polizeikostenvcrleilung unter den Ge­meinden mit staatlicher Polizeiverwaltung vor der Regelung des allgemeinen kommunalen Lastcnaus- gleichs den größten Bedenken unterliege. Die Polizeikostenlasi der Gemeinden mit kommunaler Polizeiverwaltung sei vielfach überaus drückend und gegenüber den Gemeinden mit staatlicher Polizei­verwaltung unverhältnismäßig hoch geworden. Eine Neuregelung der staatlichen Polizeikosten könne nicht ohne gleichzeitige Erleichterung der Polizei­kosten der Gemeinden mit kommunaler Polizeiver­waltung erfolgen. Nachdem die Gemeindehaus- Haltpläne für 1929 festgclegt seien, sei ohnehin für 1929 die beabsichtigte Reglung praktisch undurch­führbar. Die Gründe des Entwurfs seien gegen­über diesen Erwägungen nicht zwingend.

Das Staatsministerium ist diesem Gutachten nicht beigetreten und hält nach wie vor an der Vorlage fest.

Mit der anderweitigen Veranlagung des Poli­zeikostenbeitrages der Gemeinden mit staatlicher Polizei habe der vielfach verlangte Polizeilasten­ausgleich zugunsten der Gemeinden mit kommunaler Polizei an sich grundsätzlich nicht das gerinnst« zu tun. Dieser innerfommunale Ausgleich werde zwar vom Staatsministerium ebenfalls al« not­wendig anerkannt. Man habe ihn jedoch in das vorliegende Gesetz nicht hineinarbeiten wollen, zumal infolge des Rückgangs der Wirtschafts­lage jede Neubelastung sich für die betroffenen Ge­meinden besonders schwer auswirkt«.

Der nenc Dovftaud des Deutschen Vhtlâgen- vevbandes

Wien, 24. Mai. Auf dem hier abgehaltenen 11. Verbandstag des Deutschen Philologenverban­des wurden Geh. Studienrat Direktor Dr. Mell- mann-Berlin als 1. Vorsitzender, Oberstudiendirek­tor Dr. Behrend-Berlin als 2. und Studienrat Dr. Bohlen-Berlin als 3. Vorsitzender gewählt.

Die in der heutigen Festsitzung des Philologen­tages gehaltenen drei Vorträge gipfelten in folgen­den Leitgedanken: Zurückweisung aller Angriffe gegen die höhere Schule und gegen den Wert höhe­rer Schulbildung überhaupt, Erhaltung eines wis­senschaftlich gebildeten Philologenstandes, Schaffung und Unterhaltung einer hochstehenden, möglichst einheitlichen deutschen höheren Schule. Den Aus­klang aller Vorträge bildete ein Gruß an die außer­halb der deutschen Grenzen stehenden Deutschen und der Wunsch nach endlicher Vereinigung aller Deutschen.

Die Ädeinlcm&eäwmwns im englische« dahlkamNf

London, 24. Mai. Die Beaverbrok-Presse richtet einen klaren und eindeutigen Apell an alle eng­lischen Wähler, von ihren Kandidaten die Räumung des Rheinlandes zu fordern. Diese Bewegung ist umso erfreulicher, als bisher alle drei politischen Parteien ein Anschneiden dieser Frage fast gänzlich vermieden haben.

DerEvening Standard" fordert die Wähler auf, von ihren Kandidaten eine eindeutige Erklä­rung für die Räumung des Rheinlandes «zu ver­langen. Man möge sich endlich einmal klar wer­den, daß ein jeder Bürger Englands daran schuld sei, daß eine englische 2(rmee von mehr als 6000 Mann noch 10 Jahre nach Beendigung des Krieges auf deutschem Boden stünde. Die Besatzungsarmee werde vergessen und bis zum Jüngsten Gericht im Rheinland bleiben, wenn die englischen Wähler nicht auf eine Aenderung hinarbeiten.

VevufuugsNvoreü gegen Kekchsdahnodevvat Schulze

Berlin, 24. Mai. Vor der Strafkammer des Landgerichts 1 begann heute die Berusungsverhand- bung im Bestechungsprozeß gegen den Reichsbahn­oberrat Erich Schulze. Schulze war vom Einzel- richter des Amtsgericht Mitte von der Anklage der einsamen Bestechung freigesprochen worden, und zwar lediglich aus rechtlichen Gründen, obwohl das Gericht in der Urteilsbegründung das Verhalten Schulzes, von einer Privatfirma fortdauernd Ge­schenke und Zuwendungen anzunehmen, als eines Beamten unwürdig bezeichnete. Gegen den Frei­spruch hatte die Staatsanwaltschaft Berufung ein­gelegt. Als die Verhandlung Hsute früh um 9 Uhr im Großen Schwurgerichtssaal beginnen sollte, stellte sich heraus, daß dieser große Prozeß in Ver­gessenheit geraten war. Pünktlich waren Vorsitzen­der, Staatsanwalt, der Angeklagte Schulze und sein Verteidiger sowie die vier geladenen Sachverstän­digen zur Stelle, fanden aber verschlossene Türen. Weder war ein Justizwachtmeister anwesend noch hing der übliche Termmzettel an der Gerichtstafel aus. Der Saal war nicht bereit gestellt. Auch die Akten waren nicht herbeigeschafft worden. Erst mit einstündiger Verspätung konnte darauf die Ver­handlung beginnen.

IMen will die deutschen <$tânien ausrotten

Verfahren gegen 300 deutsche Minderheiksschullehrer

6 altowih, 24. Mai. Auf Grund von Beschuldi­gungen der Polska Sachodnia, nach denen angeblich sämtliche Minderheitsschullehrer Zuschüsse von Deutschland beziehen, sollen gegen 300 deutsche Minderheitsschullehrer Disziplinarverfahren einge­leitel worden sein. Gestern wurde nun der Rektor der deutschen Minderheilsschule in Kaklowitz, Ur­banek, gegen den ein gleiches Verfahren schwebte, durch Beschluß des Disziplinarausschusses ohne jeden Pensionsanspruch seines Amtes enthoben.

Sie Tagung dee NSlkev- bundsUgeu

Madrid, 25. Mai. Die Konferenz der inter­nationalen Union der Völkerbundligen trat gestern zu ihren beiden letzten Vollsitzungen zusammen. Im Anschluß an die von Bove t-Schweiz oorgelegten Berichte des Zuständigen Ausschusses entspann sich eine längere Diskussion, an der Pertreter Deutsch- lands, Englands, Polens, Frankreichs, Ungarns und Palästinas teilnehmen. Zum Schluffe wurde ber Vorschlag des französischen Delegierten Dumas angenommen, die Minderheitenfrage dem Institut für internationales Recht zu unterbreiten, damit dieses internationale Konventionen vorbereite. Der Völkerbund solle einen Ausschuß von Sachver­ständigen ernennen, dessen Aufgabe es sei, unver­züglich nach der besten und schnellsten Lösung der Minderheitenfrage zu suchen. Damit erklärte die Konferenz ihre Ausgabe als beendet.

Ein nenet amevlSauischev StaatswSretüv

Washington, 24. Mai. Präsident Hoover hat Jo-

KC o t t o n zum Unterstaatssekrelär im Staats- ertement ernannt. Cotton, ein Newyorker Rechtsanwalt, war 1918 Vertreter des amerikani­schen Ernährungsamtes in Europa und Mitglied des interalliierten Fmanzbeirates. Der bisherige Unterstaatssekretär Clark, ein genauer Kenner Mexikos, tritt ins Privatleben zurück, da mit dem heutigen Uèbertritt der beiden letzten mexikanischen Rebellengenerale auf das Gebiet der Vereinigten Staaten die Revolution in Mexiko als endgültig beendet gelten kann.

Der Fall Iakubowski-Nogens

Neustrelitz, 24.JDI<h. Am Dienstag, 28. Mai, be­ginnt vor dem Schwurgericht Neustrelitz der mit dem viel erörterten Fall Jakubowski im Zusammen­hang stehende Prozeß gegen die Brüder Fritz und August Nogens, deren Mutter, Frau Kähler, Der«

Nr. lA

witwete Nogens, den Landarbeiter Blöcker Frau Lübke, geb. Kreutzfeld. Es wird ihnen Last gelegt, gemeinsam mit dem später gum verurteilten und Hingerichteten russischen Krieag? fangenen und Landarbeiter Jakubowski den klein ' Alfred Rogens umgebracht bzw. die Tat begünstig zu haben. 1

Die Verhandlung wird den Fall Iakubowir wahrscheinlich neu anfrollen, und es wird sich J zeigen, ob die von vielen Kreisen, insbesend von der damaligen Verteidigung, nachdruckliM verteidigte Auffassung, Jakubowski sei zu Unre? zum Tode verurteilt worden, stichhaltig ist. « Rücksicht auf das große Interesse, das der' Jakubowski in der Oeffentlichkeit gesunden sowie auch in Anbetracht der bereits jetzt vorlie«-/ den zahlreiche Anmeldungen von Prèssevertretkn wird die Verhandlung einer Anregung der Stach, anwaltschaft entsprechend, im gelben Saal des Äch strelitzer Schlosses vor sich gehen. Sie wird geleitet von Landgerichtsdirektor Peters-Rostock. Die Seiten umfassende Anklage wird OberstaatsanwO Dr. Weber-Neustrelitz vertreten; allein von fein» Seite sind 120 Zeugen geladen worden. Die Bev teidigung der Angeklagten haben mehrere Neustra litzer Rechtsanwälte übernommen.

Felssturz im Schwarzwald

Triberg, 24. Mai. Infolge eines Felsstürze; wurden heute vormittag am Riffhaldenweg bei Triberg mehrere Tannen auf die Hochpanmng;, leitung geworfen, so daß Kurzschluß entstand uni das trockene Gestrüpp Feuer fing. Sämtliche F«u;v wehren wurden alarmiert, und nach anstrengend«: Tätigkeit konnte die größte Gefahr beseitigt werden Durch den Felssturz wurden Steine bis zu 15 uni 20 Zentnern talwärts geschleudert, wobei grössere Baumstämme wie Streichhölzer geknickt wurden. Spielende Kinder, die sich in der Nähe der B sturzstelle befanden, blieben wie durch «in Wundtt unverletzt.

Zum Brande der Feudenheimer Dampfmühl«.

Mannheim, 25. Mai. Der durch das Grohstun in der letzten Nacht und das Löfchwaffer verurjachie Schaden bei dem Brande der Feudenheimer Dampf mühte von Sprengel u. Sohn beträgt nach Angele des Besitzers 100150 000 Reichsmark.

Eine Mutter mit drei Kindern in den Tod gegangen

Berlin, 24. Mai. Bewohner eines Hauses in Wilmersdorf nahmen heute mittag aus einer Woh­nung starken Gasgeruch wahr. Beim EinürmM in die Wohnung fand man die 44 Jahre alte & frau eines Kaufmanns, der sich zurzeit auf Ule «fett befindet, mit ihren drei Kindern im Alter von 9, 10 und 15 Jahren durch Gas vergiftet tot Ais. Aus verfchièdeusn Abschiedsbriofen ân VerwaM - und Freunde geht hervor, daß wirtschaftliche M- tage den Anlaß zu der Tat bildeten.

Hartung zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt.

Köln, 24. Mai. Das Schöffengericht Köln ver­urteilte den Kaufmann Hartung, der sich als illegi­timer Sohn der Gemahlin des früheren Kaisers ausgegeben hatte, wegen fortgesetzten Betruges, Unterschlagung und unerlaubten Waffenbesitzes zu insgesamt 13 Monaten Gefängnis. Wegen feiner ehrlosen Gesinung wurden ihm die Ehrenrechte auf drei Jahre aberkannt. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr sieben Mopate Gefängnis und drei Jahre Ehrenverlust beantragt. Im Verlaufe der Verhand- , hing erklärte Hartring auf ein Stage, wèlcheH Mission er für das Haus Dorn zu erfüllen hatte,D er fei als Kurier zwischen der Generalverwaltung x des vormals königlichen Hauses und rechtsstehenden 1 Politikern tätig gewesen. Der Vorsitzende bestätigte e diese Aussage. Der Angeklagte habe geschlossene I Briefe bekommen, die er gegen Quittung zu über-.W geben hatte.

wolkenbruchkakaskrophe

Moskau, 24. Mai. Die Stabs Dujepropelrowsl wurde Heuke von einem dreistündigen Wolkenbruch | heimgesucht. Von den Wassermassen, die eine Höhe von VA Meter erreichten, wurden Menschen und 1 Bauten mitgerissen und die Häuser überschwemmt | Bisher wurden zwölf Todesopfer feftgefkellt.

Letzte Leleseammr.

Die BeuvseZStttts Des Tage in Vavis dwM die feam»

SNette

Paris, 25. Mai. Die Morgenpresse beurteilt die Lag« weniger pessimistisch als sie gestern von der deutschen Delegation beurteilt wurde. Sie be­spricht die einzelnen Punkte, die noch Gegenstän­der Diskussion bilden und stellt für gewisse Fragen die Möglichkeit einer Verständigung in Aussicht llm Hotel Georg V habe man gestern, so erklärt der Petit» Puristen" den Erfolg mit 6:4 bemessen, wäh­rend am Mittwoch die Ersolgsaussichken nur 2:8 ge­standen hätten. Was die Uebergangsmodalität vom Dawesplan zum Poungplan anlange, so könne zwei­fellos eine Verständigung gefunden werden, weil letzten Endes die Regierungen und nicht die $a4 verständigen den Zeitpunkt für das Inkrafttreten, sowie den geeigneten Augenblick für die Aushebung der finanziellen Kontrollorgane und die Räumung des Rheinlandes festsehen würden. Die Frage der Heranziehung der Nachfolgestaaten Oesterreich und Ungarn für die Aufbringung der letzten 21 Annuitä­ten werde von Dr. Schacht aufs neue gestellt, aber hier müßten die Alliier­ten bei ihrer ursprünglichen Ablehnung blei­ben, da dieses Problem einzig und allein die tecessierten Staaten anginge und vor allem poli' tischer Natur sei. Das schwerste Problem sei das der belgischen Forderung aus die Zahlung der Biartbeträge. DasPelit Parisien" will eine Deckung dieser belgischen Forderung durch die übrigen Alliierten sestskcllen können, während der Avenir" von einem Abrücken der Eng­länder von dieser Forderung spricht.

Im übrigen erwarten die Blätter heute eine Ent­scheidung. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daße5 sich wieder um ein Manöver handelt. Einige Blät­ter heben nämlich hervor, daß bie Entscheidung von der Antwort abhängen soll, die Dr. Schacht <ni Laufe des heutigen Tages geben wolle. Bielh' handelt es sich wieder nur um ein Manöver, uni, wenn die deutsche Delegation, was sehr wahrschein­lich ist, auf ihrer Forderung hinsichlich der Bar- behalte und der Zahlung des Poungschen P/nN^ besteht, ihr die Verantwortung zuzulchieben für bte Unmöglichkeit, zur Abfassung eines einheitlichen Be­richts zu gelangen.