Selke 2
Dienstag den 9. April 1929
M 8?
Forderung drückt die Wagschale sehr zu Un- gunften Deutschlands herab.
_ Schon die Grundlage dieser Berechnung läßt jedes wirtschaftliche Verhältnis vermissen. Denn was Deutschland wirklich leisten kann, läßt sich nicht aus der Aufstellung schematischer Forderungen, sondern nur aus dem wirklichen Stande der deutschen Volkswirtschaft folgern. Es ist deshalb auch kein Wunder, daß die Ziffern, zu denen die Delegierten der Gläubigerstaaten gelangen, wert über das hiiiaus- gehen, was für Deutschland überhaupt diskutabel ist. Ebenso wie der Inhalt der Denkschriften. werden auch die Ziffern, die unsere Verhandlungsgegner genannt haben, vertraulich behandelt. Es ist also nicht möglich, sie in der öffentlichen Kritik mit einem ganz bestimmten Betrage einzusetzen. Es ist aber unbestreitbar, daß die deutsche Delegation die ihr genannten Ziffern als unannehmbar abgelehnt hat und daß die Konferenz unmöglich zu einer Einigung kommen kann, wenn die Gegenseite nicht ihr leichtfertiges Spiel mit un- müglichen Zahlen aufgibt. Ferner steht wohl fest, daß die gegnerischen Zahlenforderungen entsprechend der Berechnungsgrundlage in zwei verschiedenen Reihen verlausen. Die eine Reihe der Jahresleistungen setzt sich aus den eigentlichen Entschädigungszahlungen zusam- inen, die die Gläubigerstaaten für Wiederaufbau, Besatzungskosten, Ersatz für deutsches Papiergeld usw. verlangen. Die andere Reihe umfaßt die Rückzahlung der interalliierten Kriegsschulden an die Vereinigten Staaten. Es wird behauptet, Schacht habe sich mit dieser Zweiteilung bereits einverstanden erklärt und er habe auch die eigentliche Entschädigungs- forderung in ihrer Gesamthöhe und in der Höhe der einzelnen Jahresleistungen angenommen. Dis Gesamthöhe wird in den englischen und französischen Blättern auf rund 16 Milliarden Mark beziffert, die zur Verzinsung und Abzahlung notwendige Höhe der 37 einzelnen Jahresleistungen auf je eine Milliarde Mark. Die Ziffernangaben werden wohl im großen und ganzen stimmen, dagegen ist es selbstverständlich vollkommen aus der Luft gegriffen, daß der deutsche Delegationsführer sich mit dieser Rechnung einverstanden erklärt habe. Die Unwahrheit einer solchen Behauptung ist schon deshalb mit Händen zu greifen, weil die deutschen Entschädigungsleistungen in Höhe von einer Milliarde jährlich ohne Transferschutz unter allen Umständen zahlbar sein soll. Die Abtragung der interalliierten Schulden soll Deutschland 59 Jahre lang belasten und sie soll in Jahresraten erfolgen, die von 900 Millionen rasch auf 1,7 Milliarden ansteigen. Ob diese Ziffern stimmen, ist schwer zu sagen, auf reiner Phantasie beruhen sie kaum.Es bedarf keiner besonderen Versicherung, daß eine Verständigungsmöglichkeit überhaupt ausgeschlossen ist, solange man mit derartigen oder selbst etwas gemilderten Forderungen eine Schranke zwischen der deutschen Delegation und den Vertretern der Gläubigerstaaten aufrichtet.
Gshöhrmsen im vvenAMest Giat
Berlin, 8. April. Im Preußischen Landtag beriet am Montag der Unterausschuß des Hauptausschusses, der die Anträge auf Erhöhung einer großen Reihe von Etatspositionen vorzubereiten hatte, der sogen. „Köpfungsausschuß", über die eingegangenen Vorschläge, die insgesamt eine Mehrausgabe von über 30 Millionen erfordern. Angenommen wurden lediglich Mehraufwendungen in Höhe von 348 000 Mark. Zwischen der zweiten und dritten Lesung des Haushalts wird der interfraktionelle Ausschuß zusammentreten, um über die Frage zu beraten, wie unter Berücksichtigung dieser Mehraufwendungen der Etat zum Ausgleich zu bringen ist. Die nicht im internationalen Ausschuß vertretenen Parteien wurden aufgefordert, an diesen Beratungen teilzunehmen. Die Deutschnationalen, die Deutsche Voikspartei und die Wirtschaftspartei erklärten sich dazu bereit. Der Hauptausschuß wird am Dienstag voraussichtlich diesen Vorschlägen des Unterausschusses zustimmen. Im übrigen wird er den Haushalt der allgemeinen Finanzverwaltung, der als letzter Haushalt zur Erledigung steht, vorberaten.
Löhne und Kepavairone«
Ueber die Lohnsrage der Reichsarbeiter haben am Montag im Reichsfinanzministerium in Gegenwart des Reichsfinanzministers Besprechungen mit Vertretern der am Tarifvertrag beteiligten Organisationen stattgefunden. Das Reichsfinanzministc- rium hat dabei laut „Vorwärts" den Standpunkt vertreten, daß es aus staatspolitischen Gründen angebracht erscheine, die Lohnverhandlungen bis nach Abschluß der Reparationsverhandlungen zu vertagen. Trotz dieses grundsätzlichen Standpunktes hat sich das Reichsfinanzministerium jedoch bereit erklärt, die Lohnverhandlungen am Freitag, 12. April, erneut aufzunehmen.
Die in Frage kommenden Organisationen haben im Anschluß an die Besprechung mit dem Minister zu der Lage Stellung genommen. Sie teilen den vom Reichsfinanzministerium eingenommenen Standpunkt nicht, behalten sick aber vor, ihre weitere Stellungnahme von dem Ergebnis der für Freitag angefetzten Verhandlungen abhängig zu machen,
tvüvttembeva «ndd.^amvk um den reiweNnbau
Stuttgart 8. April. In einer heute abgehaltenen Pressebesprechung beim württembergischen Staatsministerium über den württembergischen Haushalt 1929 teilte Ministerialrat Bäuerle vom Finanzmini- sterium bei der Besprechung des Kapitels „Wirt- jchaftsminifterium", das u. a. die Beiträge des
Das Urteil gegen Langkosp
Muk Monaie Gefangn^ mit Sivafausschub
Berlin, 8. April. Der ehemalige Farmer Langkopp wurde wegen des Anschlags auf den Vizepräsidenten des Reichsentfchädigungsamts, Geheimrat Bach, zu fünf Monaten und 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Langkopp wurden drei Jahre Bewährungsfrist zugebilligt. Der Mitangeklagte Kaufmann Lo of wurde freigesprochen.
In der
Urteilsbegründung
Vorsitzende aus: „Es war zunächst zu der Angeklagte Langkopp sich des Ver-
führte der prüfen, ob brechens gegen das S p r e n g st o f f g e s e tz schuldig gemacht hat. Im vorliegenden Falle kam es auf die Frage an, ob Langkopp die Absicht hatte, das Pulver als Sprengstoff zu benutzen. Das hat das Gericht nicht als erwiesen angesehen. Es ist der Angabe des Angeklagten insoweit gefolgt, als er erklärt hat, er habe den Koffer nur als Schreck- und Druckmittel, um nicht aus dem Zimmer hinausgewiesen zu werden, benutzt. In dieser Beziehung hat
sich das Gericht insbesondere auf die Gutachten der beiden Sachverständigen gestützt, die gesagt haben, daß der Koffer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in der Lage gewesen sei, eine Sprengstoff- wirkung hervorzurufen, und däß bei der Anordnung, die Langkopp dem Pulver und der Pistole gegeben hatte, eine Wirkung nahezu ausgeschlossen gewesen sei. Aus diesen Gründen fällt die Anwendung des Sprengstosfgesetzes weg.
Es war bannn zu prüfen die Frage, ob C r- Pressung vorlag als Vorfrage dafür, ob räuberische Erpressung oder räuberische Erpressung mit Waffenbesitz zu bejahen sei. In diesem Falle hat das Gericht angenommen, indem es ebenfalls den Angaben des Angeklagten Langkopp gefolgt ist, daß er nur etwa bis zu dem Zeitpunkt Geld hat erlangen wollen, zu dem der Oberregierungsrat Ehrhard das Zimmer betreten hat. Das Gericht ist also Longkopps Angaben gefolgt, daß er von diesem äeitpunkt ab gesehen habe, daß er so zu seinem ielb nicht kommen würde, und daß er von diesem Zeitpunkt ab es nur darauf abgesehen hatte, noch einmal das Geld auf dem Tisch zu sehen, von dem er sein Gut hätte wieder kaufen können, um dann einem Leben ein Ende zu machen. Wenn Langkopp )er Auffassung war, daß ihm ein Anspruch zusteht, o konnte er wegen Erpressung nicht bestraft werden.
Bai einer!
igegen hat das Gericht bejaht das Vorliegen Nötigung von dem Augenblick an, in dem
Die Tragödie des unglücklichen Farmers Langkopp, der in feinem Verzweiflungskampf um die Begründung einer Existenz sich mit der Pistole in der Hand beim Reichsentschädigungsamt sein vermeintliches Recht verschaffen wollte, hat ihren Abschluß gefunden. Entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft, der auf 15 Monate Gefängnis ging, hat das Gericht den Angeklagten zu 5 Monaten verurteilt, von denen 2 Monate und zwei Wochen durch die Untersuchungshaft verbüßt find, während uumui uu, „„ ——- ----- der Rest unter bedingte Bewährungsfrist fällt. Wir
lich InreWn oter schießen wollen, sondern ledigN» können das Urteil nicht schelten. Langkopp hat sich auf die Auffassung desjenigen, der bedroht ist, ob gegen die bürgerliche Ordnung vergangen. Sie
Langkopp das Zimmer des Geheimrats Bach betrat bis zu dem Augenblick, indem" andere Beamten Hin
zueilten und er sich nun mit der Waffe gegen diese Beamten wehrte, bevor er gefesselt wurde. Das Gericht bejahte also die Frage einer einheitlichen Nötigung auch insoweit, als der Angeklagte Langkopp den Geheimrat Bach unter Vorhaltung des Revolvers zwingen wollte und zum Teil gezwungen hat, ich wieder in sein Zimmer zu begeben. Ls kommt nach der Rechtsprechung nicht darauf an, ob Langkopp hat wirk-
auf die Auffassung desjenigen, der bedroht ist, ob er nach Lage der Sache ernstlich mit einer Begehung des Verbrechens rechnen konnte. Geheimrat Bach hat sich unzweifelhaft bedroht gefühlt. Das Gericht hat weiter angenommen, soweit der Angeklagte seine Waffe gegen vier Beamte des Reichs- entfchädigungsamtes gewandt hat, daß in dieser Hinsicht Bedrohung im Sinne des § 241 ganz unzweifelhast vorlieas. Ebenso liegt unerlaubter Waffenbesitz vor. “ Hiernach war der Angeklagte Langkapp wegen Nötigung und wegen Bedrohung zu bestrafen. Es ist angenommen worden, daß die Bedrohung des Geheimrats Vach der erheblichere Delikt gewesen ist. Die Findung des richtigen Strafmaßes war für das Gericht eine außerordentlich schwere Aufgabe. Sah es nur die Tat an und den Geschädigten, so handelte es sich um eine außerordentlich schwere Straftat, denn einen Menschen über vier Stunden lang in einer solchen Todesangst zu halten, ist eine schwer zu bewertende Tat. Das Gericht hat aber auch geglaubt, der Persönlichkeit und dem Charakter des Angeklagten Langkopp sowie seiner Gemütsverfassung weit-
württembergischen Staates für den Luftschiffbau Friedrichshafen in Höhe von zwei Millionen Mark vorsieht, mit, daß in den letzten Tagen in Berlin im Reichsetat 1929 ein Betrag von 24 Millionen Mark für die Luftschiffahrt gestrichen wurde, darunter auch die 4% Millionen Mark für Friedrichshafen. Ein Vertreter des württembergischen Wirt- schastsministeriums ist inzwischen nach Berlin gereist, um bei den dortigen maßgebenden Stellen zu versuchen, wenigstens noch einen Teilbetrag für Friedrichshafen zu retten. Sollten aber tatsächlich die i% Millionen Reichsmittel den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen, dann wäre es auch für Württemberg zwecklos, Landesmittel für die Erbauung der Luftschiffhalle in Friedrichshafen bereit« zustellcn, da der Bau dann sowicfo ins Stocken geraten würde.
Die AttVunkt des Khew- Maln-Gebkets
Wiesbaden, 8. April. Nach der Eröffnung bps Kommunallandtages für den Regierungsbezirk Wiesbaden kam Landeshauptmann Dr. Lutsch in seiner Etatrede auch auf die Frage des Zusammenschlusses im Rhein-Maingebiet zu sprechen, wobei er u. a. ausführt«:
Dis interkommunale Tätigkeit der Provinzen wird sich in Zukunft mehr entwickeln und wird für die Provinzen Lebensaufgabe Es liegt auf der Hand, daß der Umstand, daß die nahe beieinander liegenden Städte Frankfurt und Wiesbaden über drei Viertel der Bezirksabgabe zahlen, sich auswirken muß. Die Städte werden sich als Geldgeber des Verbandes fühlen, und dies Ucbergewicht könnte in Zukunft Schwierigkeiten bringen Cs wird sich empfehlen, sich darauf einzustellen, daß die Grenzen in unserer Gegend im rhein-mainischen Gebiet nicht so scharf eingehalten werden dürfen, sondern daß Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit vielfach ein gemeinsames Arbeiten ermöglichen, ja bedingen. Der Landeshauptmann wies dann auf den Artikel dès preußischen Innenministers
gehend Rechnung tragen zu müssen. Daß dieser Gemütszustand so verbittert und verzweifelt war, daß der Angeklagte mit seinem Leben schon abgeschlossen hatte, ist bereits festgestellt. Das Gericht hat auch sein untadelhastes Vorleben, sein Verhalten seinem Vaterlande gegenüber berücksichtigt. Deshalb ist das Gericht nach reiflicher Ueberlegung zu einer Strafe von vier Monaten Gefängnis für die Nötigung gekommen. Was die Bedrohung anbelangt, so war eine geringere Strafe anzunehmen, besonders auch deshalb, weil der Angeklagte in eine Lage gekommen war, aus der er sich begreiflicherweise befreien wollte. Wegen dieser Straftat ist eine Strafe von sechs Wochen Gefängnis für angemessen angesehen worden.
Das Gericht hat dem Angeklagten bezüglich des noch unerledigten Strafteils Bewährungsfrist zugebilligt. Es hat angenommen, daß der bereits verbüßte Teil genügt, um den Angeklagten davon abzuhalten, etwa ähnliche Straftaten noch weiter zu begehen.
Von der Bewährungsfrist hak das Gericht deshalb Gebrauch gemacht, weil der Angeklagte offenkundig aus Not gehandelt hat
und weil er — von einer kleinen Geldstrafe abgesehen — völlig unbestraft war.
Der Angeklagte L o o f ist aus Mangel an Beweis freigesprochen worden. Eine ganze Anzahl von Gründen spricht gegen den Angeklagten. Es besteht nach Ansicht des Gerichtes ein erheblicher Verdacht dafür, daß er von dem Inhalt des Koffers bei dem engen Zusammenwohnen beider in Berlin Kenntnis genommen hat . Diese Tatsache allein genügt aber nicht, um die Ueberzeugung des Gerichtes von der Beihilfe zu begründen."
Der Angeklagte Langkopp nahm das Urteil und seine Begründung äußerlich ruljig, offenbar aber in starker innerer Erregung entgegen. Darauf wurde die Verhandlung geschlossen. Als der Angeklagte den Saal verließ, wurde ihm von einer Dame aus der Menschenmenge heraus ein Blumenstrauß über« geben. , Vor dem Gerichtsgebäude hatte sich gleichfalls eine große Menschenmenge angesammelt, die jedoch von der Polizei zurückgehalten wurde und auf den Angeklagten verschiedentlich lebhafte Hochrufe ausbrachte. Der Angeklagte fuhr dann im Auto seines Verteidigers fort.
Selbsthilfe, auch wenn sie aus Verzweiflung geboren ist, darf nicht unbestraft bleiben; schließlich hat der betroffene Beamte, dem er gegenübersaß, vier Stunden lang in Todesgefahr geschwebt. Das verlangte Sühne. Aber das Gericht hat doch die psychologischen Begleitumstände, die den Konflikt schufen halfen, weitgehend berücksichtigt und anerkannt, daß Langkopp ein Opfer seines Rechtsbewußtseins, aber auch des allgemeinen Volksunglücks geworden ist. Was ihn traf, war das Schicksal von Tausenden, die begreiflicherweise in Langkopp zum Teil einen Helden verehrt haben. Die Verantwortung dafür darf man nicht der deutschen Regierung und nicht den Beamten aufbürden, die ihr schweres Werk verrichten. Sie trifft, um das einmal deutlich auszusprechen, die Feinde, die unter Bruch alles geschriebenen und ungeschriebenen Völkerrechtes das Privateigentum der Deutschen beschlagnahmten und dadurch Menschen, die sich mühsam in schwerem Kampfe Geld verdient hatten, nicht nur arm, sondern auch wurzellos gemacht haben.
hin, der sich mit der vom hessischen Innenminister aufgeworsenen Frage der Grenzregulierung im Rhein-Main-Gebiet befaßt. Die Dinge seien seiner
Meinuna noch nicht so geklärt, daß man eit Urteil über die Vorschläge abgeben könnte.
heres ichtig
erscheint ihm aber, bei der Bevölkerung darauf hinzuweifen, daß zu kleine Gebiets bei Der heutigen Technik und Verkehrslage aus ihrem geringen Umfang heraus eine stärkere Belastung als großflächige Selboerwaltungslörper bedingen, daß bei letzteren viel zweckmäßiger und wirtschaftlicher gearbeitet werden kann, ohne daß die Erfüllung der eigentlichen Aufgaben sich verschlechtern müsse. Wenn" daneben bei den leitenden Persönlichkeiten die Erkenntnis, daß eine Aenderung kommen muß, stärker wird und aus dieser Erkenninis heraus eine gewisse Planwirbschaft entsteht, auch über bestehende Grenzen hinweg, so wird zunächst wohl praktisch das erreich! fein, was heute möglich erscheint. Das Echo, das der im vorigen Jahre im Kommunalland- tag angenommene Antrag der Sozialdemokratischen Partei, auf eine Zusammenlegung der beiden Be- zirksverbänds Wiesbaden und Kassel hinwirken, im Verband Kassel gefunden hat, ergibt klar, daß man die angeregte Lösung dort nicht für die richtige hält.
Das wichtigste ist, daß die Frage besprochen werde unter Entgiftung der Atmosphäre, daß sie nicht dazu benutzt werde, Entwicklungen, die abge- schlossen oder bereits vorgeschritten sind, zu er« drosseln. Man ■ kann nicht sagen, daß die seitherige» Erörterungen diese Forderungen stets berücksichtigt hätten, und daher kommt wohl auch gerade bei den in unserem Gebiet so nahe zusammenliegenden Städten ein gewisses Mißtrauen gegeneinander. Auch hier scheint ein vermehrtes gemeinsames Arbeiten am besten zu fein, denn die in engem Umtreis beieinander liegenden Städte sind wohl in der Lage, für Südwestdeutschland ein zentrales Stäbtegebiet zu schaffen, bas bei Vollausnutzung feiner Möglichkeiten infolge seiner starken Steuerkraft wohl in der Lage wäre, ein allzu starkes Zentralisieren auch der Wirtschaft in der Reichshauptstadt hintan zu halten.
Llebevfatt auf eèueu Deutschen ist Ost - Ober fehleren
Katlowitz, 8. April. Wie die „Kattowitzer tung" meldet, wurde am Samstag ein Angestet der Kattowitzer Buchdruckerei und Verlags A. während der Fahrt von Kattowitz nach Beut! beim Lesen einer deutschen Zeitung hinterrücks i zwei Rowdies überfallen und mit einem Stock Kopfe derartig verletzt, daß er blutüberströmt sammenbrach. Ein in demselben Abteil mitreifen Polizeibeamter zog die Notbremse, kannte aber n verhindern, daß einer der Täter aus dem nunm
langsam fahrenden Zug sprang und heit entkam, während der andere v
in der
vechaftet web konnte. Der U eberfalle ne mußte sich sofort in â liche Behandlung b og eben.
LoSattevmku in Lannow!
Hirschberg, 8. April. In der Iannowitzer Me affäre wird morgen ein Lokaltermin auf Sch Jannowltz abgehalten werden. An diesem nehn teil: die drei Berliner Kriminalbeamten Krim» rat Hoppe, Kriminalkommissar Braschwitz und S minalkommissar Meyer, Oberstaatsanwalt Dr. < gel, der Untersuchungsrichter Landesgericht- Spähte, die beiden Schießsachverständigen Jr nieur Schmuderer und Prof. Dr. Brüning, bi aus Berlin. Auch der Beschuldigte Graf Christ Friedrich, wird zu diesem Termin vorgeführt n den. Man sieht dem Ergebnis des Termins sehr großer Spannung entgegen. Der Lokalterr war als Abschluß der Ermittlungen der Berli Kriminalbeamten gedacht.
rKehWovkovevatkon mit de< Taschenmsssev
Budapest. S. April. Der 3nfernjff und Dirck der ersten internen Universitätsklinik, Professor Valink, erlitt am Sonnabend nachmittag in fei Wohnung infolge Kehlkopfödem einen Erstickun anfall. Der bei ihm weilende Privatdozent i Halsfpczialist Dr. Pollalschek operierte den stickenden in überaus großer Geistesgegenwart seinem Taschenmesser. Dr. Pollakschek führte dem Taschenmesser einen Kehlkopfschnitt in Quere durch und legte dann eine Notkanüle i Nachdem derart die Möglichkeit des Atmens sichert war, wurde der Kranke in ein Sanatori übergeführt, wo die Operation in fachgemâ Weise vollendet wurde. Der Kranke erlangte Bewußtsein bald wieder. Heute Hot sich das Bei den des Operierten so weit gebessert, daß er bet im Lehnstuhl sitzen kann.
Große Skeuerunlerschlagungen bei einer städtisk Verwaltung.
Dortmund, 8. April. In der heutigen St: Verordnetensitzung kamen große Steuerung Mäßigkeiten im ehemaligen Amt Marten, das f nach Dortmund eingemeindet ist, zur Sprach«.! Steuerbehörde hatte an die Amtseingesefsenen 6 sorderungen zu Steuernachzahlungen aus den $ ren 1927, 1926, 1925 und J&24 goMM. währ geleistet zu haben. Oberbürgermeister Eichhoff" zu, daß große Verfehlungen vorgekommen sind) erklärte, daß der Hauptfchuldige, der Stabtfeb^ Möller, dem Steuerunterschlagung in 234 M im Gesamtbeträge von 12 000 Mk. nachgewiii wurde? bereits mit sieben Monaten Gefängnis! straft und aus dem Dienst der Stadt Dortmund 6 lassen worden ist. Im übrigen bestehe noch ein ti ständiger Betrag von 750 000 Mk. ungetlärl Steuerbeträge. Der Oberbürgermeister betonte, i eine strenge Untersuchung eingeleitet und die Schi digen der Bestrafung zugeführt werden sollen."
Die Ufa geht zum Klangfilm über.
Berlin, 8. April. Die seit Monaten zwischen i Ufa und der Klangfilm G. m. b. H. im Flusse I findlichen Vrehandlungen haben heute zur Uni Zeichnung eines Vertrages geführt. — Die Ufa n auf ihrem Gelände in Neubabelsberg vier gw moderne Tonfilm-Ateliers errichten, deren 2 nahmeapparaturen die Klangfilm G. m. b. H. I fert. Die Ufa-Theater werden unverzüglich i Klangfilm-Wiedergabeapparaturen ausgerüstet. 2 Vertrag sieht ein enges Zusammenarbeiten un tatkräftiger Mitarbeit der Firmen A. E. G. u Siemens vor. Die Ufa wird mit ihrer Tonfilm-P duktion bereits in acht Tagen beginnen. Mit d Bau der vier Tonfilm-Ateliers, die zu den gröhi europäischen Anlagen dieser Art zählen werd wird dieser Tage begonnen.
Sommerhitze in den Vereinigten Staaten
Newyork, 8. April. Newyork und andere StA der Vereinigten Staaten verzeichneten gestern » 30 bis 34 Grad Celsius eine Rekovdhitze, wie seit mehr als einem halben "Jahrhundert um d» Jahreszeit nicht vorgekommen ist. Nahezu halbe Million Menschen besuchte Coney Is>« und andere Seebäder, Tausende badeten, und entwickelte sich ein riesiger Verkehr. Ueber " der Brücken Philadelphias fuhren mehr als 500 Autor.
Die Wiederherstellung an der „Europa-
Hamburg, 8. April. An der WiederhersteB des Lloyd-Dampfers „Europa" wird auf der M von Blohm u. Boß jetzt wieder umfassend gearbcA Blättermeldungen zufolge rechnet man damit, » die erste Probefahrt erst Februar ober März nA sten Jahres stattfinden kann. Wahrscheinlich mW drei Decks in einer Ausdehnung von etwa Dritteln der Schiffslänge ganz herausgenomB werden. Man hofft, die „Europa" in den nach!» Tagen eindockcn zu können.
Galicnmord und Selbstmordversuch ig EharloD bürg.
Berlin, 8. April. Der 43 Jahre alte Kausn'^! Bernhard Hoffmann» erschlug mit einer Axt der vergangenen Nacht seine 39 Jahre alte EHE die wegen Hysterie eine Zeitlang in einer war, aber kurz vor Ostern wieder entlassen wE war. Hassmann selbst hatte nach der Tat verft, sich die Pulsader zu öffnen, doch war ihm dar n» gelungen. Er hatte dann den Gashahn aufged»» um sich zu vergiften Der Feuerwehr gelang» ihn ins Leben zurückzurufen. Er wurde dem StB" krankonhause zugeführt, wo er In gefährlichem " stände darniederliegt.