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Sette 2

Mkkwoch den X April 1929

Nr. 77

öewtftbrif^tt

Wsv LULuderhetieufrasett

Genf, 2. April. Die angekündigte ungarische Denkschrift über Minderheitenfragen ist, wie ver­lautet, nunmehr beim Generalsekretariat der Völ­kerbundes eingegangen. Für die nächsten Tage er­wartet man auch Denkschriften von Polen und der Kleinen Entente sowie auch ein Minderheitenme- morandum der deutschen Regierung, da die Ein­reichung für Mlndcrheitendenkschristen nach dem Märzbeschluß des Völkerbundsrates bis zum 15. April erfolgt sein muß. Dos Dreier-Komitee, Ebamberlain, Adatci, Ouinones de Leon, das diese Denkschriften einer Vorprüfung zu unterziehen hat, wird sich am 19. oder 20. April in London versammeln, doch steht das Datum seines Zusam­mentritts noch nicht endgültig fest. Sein Arbeits­plan wird augenblicklich schon in der Minderheiten­abteilung des Generalfekretariats vorbereitet. Die in Paris unter dem Vorsitz des Ratsberichterstat­ters Adatci stattfindenden deutsch-polnischen Ver­bandlungen über oberschlesische Minderheitenfra­gen werden noch bis Ende der laufenden Woche andauern; an ihnen nimmt auch der stellvertre­tende Leiter der Minderheitenabteilung des Völ- kerbundssekretariais, Ascarade-Spanien, teil, da der Leiter der Abteilung einen längeren Urlaub angetreten hat, von dem' er erst kurz vor Beginn der Junitagung des Völkerbundsrates, auf welcher die Minderheitenfragen behandelt werden sollen, zitrückgekehrt.

Das ÄLSettsvvogvamm des VAkevbrmdes im Steril

Genf, 2. April. Das Arbeitsprogramm des Völ­kerbundes für April weift etwa ein Dutzend Ver­anstaltungen auf. Das meiste Interesse erweckt der Vorbereitungsausschuß für die Abrüstungskonferenz der nach mehr als einjähriger Pause am 15. April zu seiner sechsten Tagung Zusammentritt. Sie Tages orbnung, die nach dem Beschluß des Dorbereitungs- ausichusies vom März vorigen Jahres endlich die zweite Lesung des 'Abkommensentwurfes über die allgemeine Beschränkung und die Herabsetzung der Nullungen bringen soll, steht noch nicht fest. Man weiß nur, daß der Direktor der Abrüstungsabteilung Colban (Norwegen), der in der letzten Zeit mit den Regierungen von Paris, Rom und London wieder- olt in Fühlung stand. Die zweite Lesung war in der Märztagung des vorigen Jahres wegen der ®e= -«-.säge in der Seeabrüstungsfrage gegen den deut- ^en Einspruch abgesetzt worden. Diese bestehen auch heute unverändert fort.

Weitere Punkte der Tagesordnung sind der deut- che Antrag auf Erweiterung der Veröffentlichungen scr den Rüstungsstand der einzelnen Länder und er zweite räterussische Vorschlag über eine Teil- orüsmng, über den sich der Ausschuß nach der au5= eichenden, aber sachlich ablehnenden Haltung im vorigen Jahr nunmehr ebenfalls in zweiter Lesung aussprechen soll.

An der neuen Tagung nehmen 28 Staaten, da­runter drei Nichtmilgliedsr des Völkerbundes, teil, mlich die Räteunion mit dem stellvertretenden Außenkommissar Litwinow als Abordnungsführer, Türkei mit Minister des Aeußeren Tewfik üichdi Bej und die Vereinigten Staaten mit ihrem Brüsseler Botschafter Gibson, der zurzeit zur Be- iprschung der Abrüstungsstage in Washington weilt. Auch die übrigen Länder werden im wesentlichen wieder ihre bisherigen Vertreter und Sachverstän­digen nach Genf enifenben. So sicht die Abordnung wieder unter Grafen Bernstorff und die eng- li-che unter Leitung von Lord Cushendun. Frank- rAch wird sich an Stelle des zurückgetretenen Paul- Boncour wahrscheinlich durch Massigst, den Dölker- bundreferenken am Quai d'Orsay, vertreten lassen, während China erstmals seinen Berliner Gesandten Tiiangtsoping nach Genf entsendet.

ShuvHMs tvablicklagev

London, 2. April. Winston Churchill Halle wieder einen ganz großen Schlager gemacht und mit dem Abschluß des Finanzjahres einen llebet- ichuß von mehr als achtzehn Millionen Pfund präsentiert. Dieser Ueberschuß übersteigt alle Er­wartungen.

Wie bereits gemeldet, waren im abgelaufenen Jahre ungewöhnlich viele Millionäre gestorben und ' s Erbschaftssteuer hat daher den Voranschlag um m ehr als' acht Millionen P^und überschritten. Trotz­dem die Zölle und Verbrauchsabgaben sechs Mil­lionen Pfund weniger erbracht haben, ist es Chur­chill gelungen, dies auszugleichen. Die Staatsver­waltung hat nämlich in den verschiedensten Zwei­gen sechs Millionen Pfurcki gespart. Ein echter ChurchiMreich hat für die Verzinsung der Staats- ichuld sieben Millionen Pfund mehr bezahlen müssen, als er veran'ch'agt hatte, und zwar wegen der Steigerung des Diskontsatzes und der übrigen w'.i-chen Zinssätze. Die Unterbringung der Schatz- wechrel war daher nicht zu dem erhofften Kurs möglich gewesen. Dieies Defizit hat Churchill da­durch ausgeglichen, daß er dieselbe Summe dem Amortisationsfonds entnimmt, alio um denselben Betrag weniger Schulden tilgt, als er versprochen hat. Mit bieten achtzehn Millionen in der Tasche kann Churchill der ausschlaggebende Faktor des Wahlkampfes werden. Er hat es in der Hand, ent« mehrer 1 P-nce von der Bienteuer ab.zustreichen, oder Erleichterungen auf die Einkommensteuer ein- zuführen, oder aber die Steuer für Tee aufzu- heden, oder die Steuer auf Zucker zu ermäßigen. Wahrschünlich wird er sogar den Äutomobolisten ent gegenkommen und die im vorigen Jahre einae« führte Brennstoffsteuer etwas ermäßigen. Die Konservative Partei knüpft an das sprichwörtliche Churchiillche Glück die größten Hoffnungen und fi stst wieder etwas optimistischer in die Zukunft, als es in dem letzten Jahre dec Fall gewesen ist.

Zehn Sahve deuifches Schutzbund

Der Deutsche Schutzbund für das Grenz- und Auslandsdeutschtum wird seine diesjährige Pfingst- tagung in der Woche vor Pfingsten auf Einladung von Stadt und Land Salzburg in Salzburg ab­halten. Die Tagung ist als eine Jubiläumstagung gedacht. Der Schutzbund ist jetzt zehn Jahre alt. Er wurde im Mai 1919 unter dem furchtbaren Eindruck der Frlcdensdiktate zur Vereinheitlichung und Zu- iammenfosiung der grenz- und auslandsdeutschen Schutzarbeit gegründet. Elf Verbände gründeten ihn.

Das ^itir bremst Dev Flammentod dev Hundevtelf (Don unserem Rußland-Mitarbeiter).

Hundertelf Tote, 16 Krüppel, das ganze Dorf in seiner Existenz bedroht das ist das Ergebnis des furchtbaren Kinobrandes, von dem kürzlich Telegramme aus Rußland meldeten. Was aber kurze Telegrammberichte nicht enthalten können, das wird jetzt durch Nachforschungen und Zeugen­meldungen ergänzt; ergänzt zu einem Schreckens­bild, das sich aus dem Zusammenprall der Kultur der Großstadt» mit der dunklen Primitivität des russischen Dorfes ergibt.

Das Dorf Maloje Igolkino, zu deutsch: etwa Kl. Nadeldorf, liegt im Bezirk Murom des Gouverne­ments Wladimir, kaum 300 Kilometer östlich Mos­kaus in einer alten historischen Gegend Rußlands. (Wladimir war vor Moskau die russische Haupt­stadt). Das Dorf besteht aus 153 Höfen mit 702 Einwohnern. Die Dorfeinwohne/ beschäftigen sich verhältnismäßig wenig mit der Bauernwirtschaft. Die Bodenanteile sind klein, die Erde unfruchtbar. So sind die Bauern seit Iahrhmrderten zuni Ge­werbe übergegangeen: sie verfertigten kleine Hänge- schlösser und das Material dazu erhalten sie aus der einzigen Werkstatt des Dorfes. Gerade in dieser Werkstatt hat sich am 15. März die Kinokatastraphe ereignet. Aus der benachbarten Stadt ist der Kino- mechaniker Basarnow eingetroffen und hat einen Sinoop parat und einige Filme mitgebracht. Die Konsumzentral« des Bezirks hat ihn mit der wich­tigen älturaufgabe beauftragt, den Einwohnern von Maloje Igolkino die Errungenschaften der modernen Technik vorzuführen. Die Schlosierwerk- statt war das größte Gebäude im Dorfe. Es war ein zweistöckiges Haus mit einer Bodenfläche 8mal 8 Meter. Früher war dort die Dorffchule. Im obe­ren Stockwerk befanden sich einige Drehbänke. Es war eine AusgangsiLr vorhanden, ferner eine Fall­tür, in das untere Stockwerk, die wenigen Fenster waren vergittert,

der ganze Raum war mit Maschinenöl durch­tränkt.

Am Vortage wurden dort außerdem noch zwei Flaschen Petroleum zerschlagen.

Die Leinwand wurde neben der Tür aufgehängt und der Kinoapparat wurde an der gegenüber­liegenden Wand auf einen hölzernen Tisch gestellt. Da es im Dorfe keine Elektrizität gab, mußte der Vorführungsapparat durch eine kleine Dynamo­maschine in Gang gebracht werden.

Ursprünglich wurden zu der Vorstellung 80 Karten verkauft. Aber kurz vor Beginn der Vor­stellung drang eine ganze Menge von Zuschauern herein, die keine Karten besaßen. Eine Kontrolle am Eingang war unmöglich, weil unter den Zu­schauern viele Betrunkene waren. Der einzige Kon­

Breslau, 2. April. Gegen 8 Uhr früh fetzte hier heftiger Schneefall ein. Auch aus Beuthen wird gemeldet, daß in der vergangenen Nacht Schneerall einsetzte, der in den Vormittagsstunden andauerte.

Auf dem R i e s e n g e b i r g s k a m m , auf dem vier Grad Kälte herrschen, beträgt die Neujchnee- decke 20 bis 25 Zentimeter, in Hirschberg sind bei Null Grad etwa fünf bis sechs Zentimeter Schnee gefallen.

Görlitz, 3. April. Heute früh war ein Neuschnee von etwa 5 Zentimeter vorhanden. Die tiefste Tem­peratur betrug3 Grad. Durch die Schneebela- tung sind auch zahlreiche Telegraphenleitungen ge- riffen, besonders die Leitungen nach der sächsischen Oberlausitz.

Schneefall in Berlin.

Berlin, 3. April. Um 7,45 Uhr morgens setzte bei einer Temparatur von 0 Grad leichter Schnee­fall ein.

Schneefall in Baden.

Freiburg, 3. April. Auch heute früh fällt bei einer Temperatur um den Nullpunkt in ganz Ober­baden Schnee. Der Feldberg meldet zur gleichen Zeit eine Temperatur von8 Grad. Der gestrige Tag hat einen Neuschnee von 15 Zentimeter ge­bracht.

3m St. Gotthard-Gebiet minus 18 Grad Celsius.

Zürich, 2. April. In den Berglagen der Schweiz hat der Winter wieder Einzug gehalten. Die Neu-

Als erste Aufgabe wurde ihm die Durchführung der Volksabstimmungen, welche in Ost- und Westpreu­ßen, in Oberschlesien und Kärnten stattfanden, über­tragen. Heute sind 120 Verbände im Schutzbund­kartell vereinigt. Die alljährlichen Psingsttagungen, auf denen sich die Vertreter aus allen deutschen Grenz- und Auslandsgebieten mit den Vertretern aus dem Reiche treffen, um gemeinsam die Fragen der Schutzarbeit zu besprechen, sind die einzigen Veranstaltungen des Schutzbundes in der Oeffent- lichkeit. Sie dienen der Herstellung einer immer engeren Gemeinschaft des Gesamtdeutschtums. Die Salzburger Tagung soll der verantwortungsvollen Rückschau auf zehn Jahre Dienst am Grenz- und Auslandsdeutschtum gewidmet sein. Sie will zu- gleich aus den praktischen Erfahrungen der Ver­gangenheit die Aufgaben der Zukunft klären und festlegen.

Auivuk rum 1. Mai

Gegen den Krieg, für das Washingtoner Abkommen.

Berlin. 2. April. Das Büro der sozialistischen Arbeiter-Internationale erläßt schon jetzt an die Arbeiter aller Länder einen Aufruf zur Feier des 1. Mai in diesem Jahre. Der Aufruf geht in seinem ersten größten Teil auf die bis jetzt getäuschten Hoffnungen auf endliche Erfüllung der feierlichen Abrüstungsversprechungen ein und ermahnt dazu, die neue Generation, die die Schrecken des Krieges

trolleur wurde zurückgedrängt, er war ohnmächtig gegenüber den Eindringlingen.

Die Menge wuchs und wuchs, bis es so voll war, daß niemand sitzen konnte und alle nebeneinondergodrängt stehen mußten. Der Kinomechaniker Basarnow war auch angetrun­ken. Viele rauchten. Basarnow rauchte auch. Die abgekurbelten Filme packte er nicht zusammen, son­dern warf sie einfach unter den Tisch.

Plötzlich flammte der Filmhausen unter dem Tisch auf.

War eine Zigarette daran schuld? Oder die Dy- namomaschine, die, wie es sich nachträglich heraus­stellte, von Anfang an beschädigt war? Das wird wohl säum je sestgestellt werden können.

Eine Panik entstand. Alles drängte zur einzigen Ausgangstür.

Es bildete sich ein Menschenknäul niemand konnte heraus in wenigen Minnien stand das ganze Haus in Flammen.

Der einzige Löschapparat im Dorfe funktionierte nicht. In drei Stunden brach das Gebäude zusam­men. Die verbrannten Leichen wurden nicht ein- mal herausgeholt. Man begrub sie unter den Trümmern, indem man etwas daraufschüttete.

Jeder sechste Einwohner im Dorfe ist ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. In vielen Familien betrauert man 4 und mehr Opfer. Der Kinomecha­niker Basarnow konnte sich, wie durch ein Wunder, retten.

Wenige Tage nach der Katastrophe traf die Un­tersuchungskommission aus Moskau ein. Sie stellte fest, daß böser Wille beim Zustandekommen der Katastrophe nicht vorhanden war. Die unmittel­bare Schuld trifft den Filmmechaniker Basarnow. Basarnow war bis vor kurzem Soldat der Roten Armee. Dor seiner Entlassung machte er einen zweiwöchigen Kurs für Kinomechaniker durch. Aus Grund dieses Kurses erhielt er ein Zeugnis und wurde bei der Konsumgenossenschaft des Landbs- zirks angestellt. Mangel an Erfahrung und an Kenntnissen darf alsmildernder" Umstand für ihn gelten. Die indirekte Schuld trifft nach den Feststellungen der Untersuchungskommission die Be­völkerung selbst, die desorganisiert und undiszipli­niert war. Die Organisatoren der Kinovorsteller waren außerstande, irgendwie Ordnung zu schaffen. Die Vorstellung ab.msagen war auch nicht gut möglich, weil die Zuschauer es nicht geduldet hätten. So mußten die Direge ihren Lauf nehmen . . ^ .

Zentimeter. Das St. Gotthardt-Gebiet verzeichnet schwere Stürme, das Thermometer sank bis auf minus 18 Grad.

Temperatursturz auch in Frankreich.

Paris, 2. April. Während in den letzten Tagen die Temperatur in der Pariser Gegend einen aus­gesprochen sommerlichen Charakter hatte, und das Thermometer bis auf 22 Grad gestiegen war, er­folgte heute nacht in Paris ein Temperatursturz bis auf 2 Grad über Null. In der nordöstlichen Gegend wurde sogar minus 1 Grad gemessen. Im Laufe des Tages ist die Temperatur wieder gestie­gen, doch wird für die nächste Zeit unbeständiges Wetter erwartet.

Schwere StttvmschSden iss den Devetußsie« Giaaien

Heronorf, 2. April. Mehrere Staaten des mitt­leren Westens sind von tornadoartigen Stürmen heimgesucht worden, die beträchtlichen Schaden am richteten. Betroffen sind namentlich das nördliche Wisconsin, Minnesota, Java und Nord-Dakota, wo ein schwerer Schneesturm tobte. Die aus dem Sturmgebiet nach Chicago verkehrenden Züge tra­fen dort erst mit stundenlangen Verspätungen ein. Der gesamte Telegraphenverkehr mit dem mittle­ren Westen ist unterbrochen. Milwaukee war nahezu einen ganzen Tag von der Umwelt abge­schnitten, ebenso St. Louis und andere Städte Missouris.

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nicht selbst erlebt hat, mit glühendem Abscheu vor dem Blutvergießen zu erfüllen und sie einzuführen in die Kampffront gegen den Krieg und gegen die Rüstungen. Dementsprechend lautet die Parole: Ge­gen die Kriegsrüstungen, gegen Imperialisnius uilb Militarismus! Für die Erfüllung der Abrüstungs­versprechungen und für den Abschluß »ines wirk­samen Abrüstungsvertrags!

Als ein zweitesschmählich gebrochenes Ver­sprechen" bezeichnet der Aufruf die Nichtratifikation der auf der internationalen Arbeitstonserenz 1919 beschlossenen Vereinbarung über den Achtstundentag durch die größten Industriestaaten. Da trotz der würgenden Arbeitslosigkeit, trotz des wachsenden Masienelends die internationale Reaktion stets von neuem die Arbeitszeit zu verlängern" suche, gelte es am 1. Mai zu demonstrieren gegen die reaktiv- nären Pläne des Unternehmertums und für die Ratifikation des Achtstundenabkommsns. Zum Schluß gedenkt der Aufruf der Arbeiter in den Ländern mit faschistischer Diktatur und fordert auf zum Kampfgegen die faschistische Reaktion, für die Demokratie und den Sozialismus!"

Sivefemann sessn TvotzA

Berlin, 2. April. Wie der Sozialdemokratische Pressedienst erfährt, hat sich Reichsminister des Aeußern Dr. Stresemann von San Remo aus gegen die Einreisebewilligung für Trotzki erklärt.

Botschafter Myron T. Herrick f.

Keus MMavkovdevrmsLn ist dev Gowrettmwtt

Trotz der schweren Finanzlage verlangt das Kommissariat für Heerwesen große neue Mittel für die Kavallerie. General Bu'djennij benötigt neue Kavalleriesormationen und reitende Artillerieabtei­lungen, um, wie er erklärt, bei dem bevorstehen­den Arbeitskonflikt in Europa leichter eingreifen zu können. Die Professoren der Militärakademie sind gegen eine Vermehrung der Kavallerie und ver­treten die Ansicht, daß es nötiger wäre, die Aus­rüstung der Infanterie zu verbessern. Dieser mili­tärische Gegensatz zwischen General Budjennij und der Militärakademie wird in Moskau umfomchr beachtet, als Litwinow in kurzer Zeit nach Genf fährt, um dort den russischen Antrag auf Abrüstung zu vertreten.

«Die DoUendttttS des Bvrattdßcherr ZVesSs'*

Paris, 2. April. Briand hatte an den amerika­nischen Staatssekretär Kellogg ein Telegramm ge­schickt, in dem er diesem mitteilte, daß der franzö­sische Senat den Pariser Pakt einstimmig angenom­men habe. In dem Antworttelegramm sprich! Kellogg von der Vollendung des Briandschen Werkes.Die ganze Welt weiß, wie sehr Frankreich jener Idee des Friedens ergeben ist."

treue Givakanrekse Legen

Berlin, 2. April. Gegen Max Hölz ist der Staatsanwaltschaft I Berlin eine Strafanzeige wegen Nötigung und Bedrohung eingegangen. Hölz stand seit geraumer Zeit mit der geschiedenen Ehefrau eines bei' einem Berliner kommunistischen Blatt tätigen Journalisten in freundschaftlichen Beziehun­gen, der Einwendungen dagegen erhoben hatte, daß jein bei der Frau lebendes Kind mit Holz zusam­men politische nb ^-m weiteren Verkehr des Kindes mit Hölz untersagt.,. Hölz soll nun eines Tages in dem Büro des Redak-' teurs gegen diesen tätlich vorgegangen sein, wobei er drohte, daß er ein Verbrechen begehen würde, auch wenn er dafür nochmals ins Zuchthaus müsse.

Bov dem LoIMevmrtt ist Semnoww

Hirschberg, 2. April. Heute vormittag ist die Mordkommission von neuem nach Jannowitz ge­fahren, um die gestrigem Aussagen des verhafteten Grafen Christian Friedrich zu überprüfen. Gras Christian wird wieder vernommen werden. Für heute ist eine wichtige Entscheidung nicht mehr zu erwarten, doch steht es nunmehr fest, daß nach die­sen Vernehmungen ein Lokaltermin in Jannowitz im Beisein des verhafteten Grafen stattfinden wird. Erst nach diesem Lokaltermin wird es sich entschei­den, ob gegen den Grafen Anklage wegen fahrlässi­ger Tötung oder wegen Mordes bzw. Totschlages erhoben wird. Im ersten Falle käme die Angelegen­heit vor das Hirschberger Schöffengericht, im zwei­ten Falle vor das Geschworenengericht.

Familienlragödie.

Berlin, 2. April. In der Wohnung eines Arztes in der Webcrstraße spielte sich in den Abendstun­den eine blutige Familientragödie ab. Die geschie­dene Frau des Arztes, der dos Recht zugesprohen war, an bestimmten Tagen mit ihrem fünfjährigen Kinde zusammen zu sein, brachte dieses in das Schlafziminer, während ihr Mann noch mit seiner Praxis beschäftigt war. Hier versustste sie, W Kind durch mehrere Revolverschüsse zu töten uno verletzte es dabei lebensgefährlich. Sie selbst schon sich zwei Kugeln in den Kopf. Ihre Verletzungen waren so schwer, daß sie im Krankenhaus unter den Händen der Aerzte starb.

Schreckenstaten eines Amokläufers.

Remark (New Jersey), 2. April. Ein mit Repe- tiergewehr und Revolver bewaffneter, an Vers«- gungswahn leidender farbiger Arbeiter stürru'o durch die Straßen Newarks, wobei er auf die Passanten Schüsse abgab. Zwei Männer wurdei von ihm getötet und ein dritter schwer verwunden Ferner wurden zwei Polizeiboamte die ihn fest' zunehmen verstichten. leicht verletzt. Als der Amor­läufer sich schließlich in die Enge getrieben say, brachte er sich einen tödlichen Kopfschuß bei.

Oberst Fitzmaurice technischer Berater des Flug' plahes Long Island.

Rewyork, 2. April. Oberst Fitzmaurice, de^ frühere Oberbefehlshaber der Lifftstreitkräfte irischen Freistaates, der seinerzeit an dem Tran» ozeanfluge derBremen" mit Köhl und v. H"N.' selb teilnahm, ist hier eingetroffen. Er wird kunst n technischer Berater de? neuen Flugplatzes ^owi Island fein und sich der Zivilluftfahrt widmen.

500 Beduinen bei einem Raubüberfall getötet.

Jerusalem, 2. April. 500 transjordanischc Be­duinen wurden bei einem Raubüberfall getötet, wie zuverlässige Meldungen aus Amman Nieto , Wahabitenkrlcgcr auf das Lager der Beduinen Dschebcl Bell verübt haben. Nähere Meldung stehen noch aus.