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ZreNag den 8. März 1929

Nr. 57

^leiMskekte« aus dem Serkhis faaf

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Die Schuld des Motorradfahrers.

Ausgangs der Stadt auf der Lomdoyirraße, dort wo linker Hand der Waldweg nach Langen­diebach abbiegt und di« Straße eine Kurve bc- ichrerbt, ereignete sich am 2. August v. I. kurz nach 6 Uhr nachmittags ein Zusammenstoß zwischen chnsm 19jährigen Matorradiohrcr aus Groß-Srein- 5eint und einer Radfahrerin aus Langendiebach. Wie cs eigentlich zu dem Zusammenstöße kam. kann heute noch kein Augenzeuge richtig sagen. Kaum hatte sich die ordnungsgemäß die rechte Straßenseite innehaltende Radfahrerin nach dem in ziemlich schneller Fahrt in ihrem Rücken auftau- cbenben M otorradfahrer »ungesehen, als das Un­glück auch schon geschehen war. Der Motorrad­fahrer hatte sie von hinten gefaßt und zu Boden geschleudert, sei es daß er die Kurve geschnitten hatte oder aber Mchlicherweiise wähnte, die Rad» ftchrerin wollte nach links hinüber in den Wald­weg biegen. Die Ängefahrens erlitt beim Sturze Verletzungen am Kme, foöaß sie 14 Tage arbeite unfähig mar. Der schuldige Motorradfahrer wurde gestern zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt.

Klein Ursachen — große Wirkungen.

Zwei venchwägerte Ehepaare von hier hatten em 27. Dezember eine kleine Biereise angetreten, von der sie gegen 1 Uhr nachts nach Hause zurück- Mjren wollten. In recht animierter Stimmung verrichtete der eine Ehemann an der Ecke Mühl­strohe seine Notdurft, als ein Postzeibeamter ou' der Bildstäche erichien und zur Feststellung, der Personalien schreiten wollte. Es tarn Dabei wie so oft in derartigen Fällen zur Didcnrand sleiftung, an der sich dann auch Schwager und Schwester des inzwischen Sistierten aktiv beteiligten. Beson­ders der Schwester war der Alkohol derart in dm Kops gestiegen, daß sie ihren Schirm, als Wape gegen die Polizeibeamten benutzte, dabei laut schn« und einen der Beamten mit unflätigen Schimpf- worten belegte. Gestern kam das Nachspiel und je nach dem Grade ihrer Verfehlungen wurden die Angeklagten in Geldstrafen von 50—65 Mark, ge­nommen. Den beleidigten Beamten, wurde außer- de mdie Publikationsbefugnis zugesprochen.

Ein Margarineprozetz.

Eine Ehefrau von hier hatte einen Vertrieb ,von (Erzeugnissen einer Oldesloer Margarinefabrik über nommen. Die Margarine wurde von ihr nebst Kaffee, Tee, Kakao "auf vorherige Bestellung hin bezogen und dann an die Kunden zur Verteilung gebracht. Eines Tages bekam sie Zwistigkeiten mit der Lieferfirma und legte den Vertrieb nieder. In Zukunft bezog sie die Margarine von einer Firma in SiberfteSt, die sie in Kübeln bezog, aur- fulch, formte und in geliefertes Papier mit der Aufschrift „Feinste Holsteiner Tafelmargarine" ver­packte. Es dauerte aber nicht lange und die frühere Lieferfirma hatte Anzeige gegen die Ehefrau er­stattet, da die regelmäßig geformten Margarine­stücke nicht die für gewerbsmäßigen (offenen La­denverkauf) Verkauf vorgeschriebene Würfelform ' aufmiefen. Bis dahin hatte die Frau aber noch kein offenes Ladengeschäft betrieben, sondern ein solches ige «off

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dabei stellte es sich heraus, daß noch einige der verbotswidrigen Margarinepäckchen vorhanden waren und neben vorschriftsmäßig geformten Pa­keten zum Verkäufe bereitlägen. Ein Strafbefehl von 20 Mark war die Folge, gegen den die Ehe­frau Einspruch erhob, der jedoch angesichts der letzten Tatsache verworfen wurde.

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* Reichsgericht und Wohnungszwangswirtschaft, Das Reichsgericht hat gesterr» ein Urteil des Kammergerichts bestätigt, das die Anwendung der Ausnahmebestimmung des Paragraph 3 Absatz 2 preußische Lockerungsverordnung auf solche Wohn­räume ablehnt, die an eine G- m. b. H. zusammen z mit Geschäftsräumen vermietet worden sind, aber nicht den Inhabern der G. m. b. H., sondern den

Fjliattkntern als Wohnung dienen. Grundsätzlich soll der Mieterschutz nur für den Mieter persönlich wirken, rvährend Wvhnrüunv, die mit Geschäfts- räumen an Angestellte überlassen werden, genau so freigestellt sind, wie Geschäftsräume.

* 17. Stiftungsfest des Artillerievereins. Der Artillerievercin hatte aus Anlaß seines 17jährigen Bestehens seine Mitglieder, Freunde und Gönner

am vergangenen Samstagodend im Saale des Hotel „Riesen" z»i einer Feier ein geladen. Der der­zeitige 1. Äorfitzenüe des Vereins," Herr Zollinipek- tor Franz, gab in seiner Begrüßungsansprache einen markanten Rückblick über den Werdegang bes Arnllerievereins und konnte als Ergebnis der seit Jahren gepflegten rastlosen Tätigkeit den schönen Criolg buchen, daß immer mehr èhcm. Artilleristen sich dem Verein anschließen und die Mitgliederzahl jtänbig im Steigen begriffen ist. Sodann wurden eine Anzahl Mitglieder mit der Knegsgcdenkmünze des Kyi'häuscrbundes ausgezeichnet. Die Auszeich­nung nahm in einer entsprechenden Ansprache Herr Weber als Vertreter des Sreisfriegerverbanbes vor. Nach einem ebenfalls gut gesprochenen Prolog einer jungen Dame und ten Musikstücken einer

Mit zum Vortrag gebrach- fleißig spielende!: Kapelle kam auch der gemütliche Teil zu seinem Recht für dessen wohlgelungen« Durchführung Herm Willy ^chäfer und Frl. Graulich sorgten. Herr Schäfer, der auch die Rolle des Ansagers übernommen hatte, brachte „neue Schlager" mit denen er den restlosen Beifall der Zuhörer fand. Auch seine Partnerin, Frl. Graulich, durfte sich in diesen wohl­verdienten schönen Leifall ehrlich teilen. Zicher-

vorträg« brachten Herr Zeul und Herr Schmidt und mußten ebenfalls den starken Beifall der Er­schienenen mit Zugaben lohnen. Ein Vortrag „Stadt- und Landmüdel", vorgetragen von 2 Damen des Vereins, land ebeiruUs gute" Aufnahme. Der Tanz kam schließlich zu seinem Rech: und so fand diese schön verlaufene Feier einen Abschluß.

* Die Allgem. Deutsche Postgewerkschafk Orts­gruppe Hanau, feierte am 3. März in, sämtlichen Räumen der Eenttalhalle ihr 7. Stiftungsfest. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt als der Hanauer Orchesterverein mit einem flotter Marsch die Abendunterhaltung einleitete. Der 1. Vorsitzende richtete sodann Herzl. Worte an die Anwesenden. Das Progamm selbst, da; einen kunst- und humor­vollen Abend brachte, hat alle Erwartungen über« troffen. Der Gesangverein „Melomania" (Jugend­bund) erntete durch feine heiteren Gesangsvor- träge reichen Beisall und mußte sich für Zugaben bereit erklären. Die Stimmung war inzwischen recht gut und als nunmehr der beliebte Humorist Herr Müller-Mbus sich auf der Bühne zeigte gab es ein Lachen ohne »Ende. Reicher Beifall wurde ihm zuteil. Inzwischen war auch Herr Grimm so­weit, den Anwesenden zu zeigen, was man in der modernen Bauchrednerkunst zu leisten vermag. Die witzige Unterhaltung mit seinem August und Johani lösten oft langanhaftende Lachsalven aus. Herr Grimm mußte sich mit Zugaben abfinden. Die Darbietungen der rhythmischen Abteilung der Turn- und Sportvereinigung 1860 fanden in ihrer Art Anerkennung und man dankte den jungen Küstlerinnen durch reichen Beifall. Den Abschluß der Abendunterhaltung bildete Herr Müller-Albus als Dirigent des Gesangvereins von Wüstwillsn- roth und wer jetzt noch nicht gelacht hatte, dem

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wurde das im letzten Augenblick noch beigebracht. Gegen Sil Uhr war das abwechslungsreiche Pro. gramm zu Ende und nun kamen die Tanzlustigen in beiden Sälen zu ihrem Recht.

LVettevvevtGt

Das bis jetzt im Westen liegende Hochdruck­gebiet hat sich nach dem Kontinent verlagert, wäh­rend Skandinavien von einem Tiefdruckwirbel be­deckt ist. Es kann daher mit der Abschwächung der im noröstlichen Deutschland ausgetretenen zum Teil starken Fröste gerechnet werden. In unserm Gebiet werden dagegen infolge Ausstrahlung wieder leichte bis mäßige "nächtliche Fröste auftreten, doch wer­den die Tagestemperaturen noch etwas mehr anstei­gen als seither. Vorhersage bis Freitag abend: Wol­kig bis aufheitcrnd, trocken, mittags mild, verän­derliche Winde. — Witterungsaussichten für Sams­tag: Wolkig bis aufheiternd, überwiegend trocken, nachts leichter bis mäßiger Frost. Tagestempera- turen weiter ansteigend, meist südliche Winde.

LandwtvtichaftttOes

Die Zeit für die Frühjahrsbestellung ist zur kurz.

Von Dipl.-Landwirt Dr. Sommerkamp.

Der diesjährige strenge Winter schiebt den Be­ginn der Arbeiten für die Frühjahrsbestellung weit hinaus. Die Zeit, die hierfür verbleibt, wird daher sehr kurz fein. Es wird sih alles sehr zusam­mendrängen und oft wird es nicht möglich sein, die Arbeiten in der gewahrten Weise zu erledigen.

Wie bei jeder Arbeitshäufung muß auch hier der Grundsatz gelten: „Das Wichtigste zuerstl" Das ist ohne »srage die richtige Versorgung Der_ Kul­turen mit den notwendigen Nährstoffen. Sobald der Bann des Frostes gebrochen ist und die Fel­der wieder abtrocknen, fird daher zu den zu be­stellenden Sommerfrüchten die Nährftoffe Kali und Phosphorsäure unverzüglich auszustreuen. Eine Ausivaschung dieser beiden Nährstosse ist nickst zu hefürchten. Etwas anderes ist es bei den Stick- ftoffbüngemitteln. Diese werden daher meist kurze Zeit vor der Saat oder auch nach der Aussaat ge­geben. Bei dieser vorsorglichen Anwendungsweise der künstlichen Düngemittel sieben die zarten Wur­zeln der jungen Pflanzen die notwendige Nah­rung zur Zeit des Bedarfes fein verteilt im Boden vor.

Neben diesen Vorbereitungen für die Sommer­früchte dürfen aber auch die Wintersaaten nicht vergessen werden. Diese mar ei den Gefahren des außergewöhnlich strengen Winters ausgesetzt, und sie bedürfen zur schnellen Anregung des Wachs­tums, sobald der Boden offen ist und betreten werden kann, einer Kopfdüngung mit Kali und Stickstoff und unter Umständen auch mit Phos- phorsäure. Die Kalidüngung darf hierbei nicht feh­len, wenn der gewünschte Erfolg eintreten soll. Einseitige Stickstoffdüngung mirbe Lagergetreide zur Folge haben. Dies ist gleichbedeutend mit Er­schwerung nid Verteuerung der Erntearbeit, Wert­verminderung des Korns, also mit Verlust. Aber nicht nur gegen die Lagergefahr, sondern auch gegen den beim Weizen in den letzten Jahren stark beobachteten Rast schützt eine ausreichende

Kalidüngung. Erfahrungen und Beobachtung, 1 vieler Forscher und Praktiker haben das einmal ‘ frei ergeben.

Aus den Wiesen und Weiden werden die Düng mittel vielfach im Laufe des Winter- gegeben. ^ diesem Winter mußte das aber wegen des hohe, Schnees unterbleiben. Sollen auf dem Grünland teile Erntcausfälle eintreten, so ist auch dich Düngung sobald als möglich nach, zuholen.

Mit Eintritl milderer Witterung wird bei der i Reichsbahn ein großer Wagcnmangcl eintreten; es müssen Kohlen, Lebensmittel, Baumaterialien und sonstige Massengüter befördert werden. f)iet; durch kann trotz reichlicher Vorräte an allen Dünge- ‘ mitteln eine "Verzögerung der Lieferung verur- ! sacht werden. Der vorsichtige Landwirt bestellt ; baber sofort, damit er in der kurzer Zeitspanne der Frühjahrsbestellung nicht warten muß.

Bei der sehr gespannten Lage der Landwirt- i schaft kann jedes Versäumnis zum Verhängnis! werden. Welcher Landwirt tonnte- es aber heute • verantworten durch eigene Fehler feine wirtschaft liche Lage verschlechtert zu haben?

LaudVerbS AamaA.

Windecken, 8. März. Schulbeginn. Am Ntittlvochmorgen läutete es zum ersten Male, seit 115 Wochen „Kohlenferien" wieder zur Schule. Auch bot der ^Schulbeginn der Gewerblichen Hand- tvenksschulc mit demselben Lage begonnen. — Am kommenden Samstag, 9, März, abends 8 Uhr fin­det in unserer hiesigen Kirche eine Kinoverstellung statt. Zur Aufführung gelangt, der in ganz Deutsch­land mit Cisog gespielte „Palästina-Filin". Die Eintrittspreise für Erwachsene betragen 0,50 Mk, .für Kinder 0,25 Mk. — Aus den am Samstag, 16. März, abends 8 Uhr im Saale „ZurHochmühle" stottfindenden Schluhball der Landwirtschaftlichen Schüler fei jetzt schon hingewiesen. — Am 24. März findet in unserer hiesigen Kirche die Prüfung der Diesjährigen Konfirmanden und Konfirmandinnen statt. Die Zahl der Prüflinge geht von Jahr zu Jahr mehr zurück; so werden diese Ostern 14 Kna­ben und 10 Mähchen konfirmiert. — Am Samstag­abend veranstaltete die hiesige Freiwillige Feuer­wehr im Saale „Zur Hochmühle" einen wohl-, gelungenen Familienabcnd. Zur Verschönerung des Abends wurde ein Theaterstück sowie einige Cou- pets vorgeführt, die bei den Besuchern reichen An­klang fanden.

Windeckcn, 7. März. Wertungssingen. Das von dem Männergesangverein „Concordia" unter Leitung des Herrn Heinrich Dauth, Win­decken, veranstaltete Wertungssingen findet Sonn­tag, den 28. April im großen Saale des Gast­hauses „Zur Hochmühle" statt. Nach den bis jetzt zahlreich angemeldeten Vereinen verspricht das Wertungssingen einen größeren Umfang anza-

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Die weisterin dev Ballade

Zu Agnes Miegels 50. Geburtstag am 9. März.

Von Hans Sturm.

Sie gehört y den von allen Seiten Anerkann­ten. Und es ist etwas Schönes um solche Aner­kennung, aber sie selbst bleibt tönendes Erz und Mögende Sdyelle, solange sie sich mit oft so wenig- fagenben Worten begnügt, anstatt zum Bekenntnis zu werden. Gerade unsere Besten — verichwin- benbe Ausnahmen sind Bestätigung — werden durch die marmorkühle Berühmtheit'dem Volke ent­rück», und sollten ihm in inniger Vertrautheit ver­bunden sein. Manche der sogenannten „literarisch Gebildeten" führen die Namen dieser Modefernen mir bewunderndem Ahl und Oh! (als Deckmanlel brer Unkenntnis) im Munde und leien, genauer, verschliegen die von raffinierter Betriebsamkeit forcierten, von „gefälligen Kollegen" hinaufgelobten, dem Zeit- und Publikumsgeschmack entgegenkom­menden Macher, well diese „in aller Munde und" M Wunder!) und weil „man" sie gelesen haben muß! Das ist man nun einmal als „literarisch Ge­bildeter" sich schuldig! Die vornehm im Schatten wartende Berühmtheit braucht gar nicht mehr ge­kannt, nein, nur genannt zu werden, einmal, weil sie nie Mode war und nie urirb, dann, und das dürfte der tiefere Grund sein rveil sie dem denk- trägen in der gleichförmigen Banalität des Alltags behäbig plätschernden „Gebildeten" keinerlei Ent­gegenkommen erweist.

Bei der ostpreugilchen Dichterin Agnes Mieg«l kommt noch hinzu, daß ihre Bücher meist Werfe kommt noch hinzu, daß ihre Bücher meist Verse ohne dem Fluchs der Lächerlichkeit zu verfallen! Höchstens zynischen Witzblatlreimereien schenkt man Ausmerksamkeit Nur wenige wissen noch um die

Schönheit deutscher Gedichte und Balladen, wie deren dis Miegel geschrieben hat. Die guten älteren Anthologien bieten meist mehrere köstlich« Stücke, auch in den neueren Leiebüchern findet man die T'chrerin, doch glaube ich, daß manche schulplan- mäßige „Erläuterung" Scheitert an der inneren Ge- idHoiiengeit dreier Dichtungen. Da ist die „Mär vom Witter Manual", der „auf bes fremden Ma- Oers Geheiß ( Sein Haupt in eine Zauberschale bog, / Und als er's wieder aus dem Wasser zog," war sein Geist verwirrt. Leise und dennoch ein«

ichlossenhrit dreier Dichtungen.

drucksstark spürt man aus den Serien die spuk­haften Geheimnisse der Begebenheit. Oder die Ge­schichte von der „schönen Agnete", wohl di« herr­lichste Bearbeitung des uralten Volksliedes von der jungen Lilosee. Ober „Die Nibelungen", in denen die Dichterin nicht nur das Wesen Krimhilds, son­dern auch das von ihr heraufgsichworene Schicksal der Burgunder in viel Zellen mo'' „Sie kniete nieder und 'chürte die Glut, / Von ihren schmalen Händen / Zuckte der Schein wie Gold und Blut / Und sprang hinauf an den Wänden." Die Balla­den und Spiele der Miegel zeigen, wie Sage und Geschichte durch die glasklare Seele des Dichters gehen und an uns weitergegeben werden mit der Luft darüber und dem Atem darin, in den Farben der Landschaft, aus der sie wuchsen. Und wer nicht gleich zu den Balladen greifen will, der lese die „Geschichten aus Altpreußen"; hier wird nicht Ver- lchollenes als Puppentheater auffrisiert, sondern Menschen und Geschehnisse aus dem geschichtlichen Jenseits in ein reales, von mütterlidter Schollen­kraft umwittertes Diesseits gehoben. Auch mit diesem Buche steht die Dichterin einzig da. zwischen den Generationen, und gilt nicht als alt, 'richt als zeitgemäß, sie ist nur anerkannt und vielbewundert, doch wie sagte schon Lessing über jene fatale Selbst­verständlichkeit des Berühmtseins: „Wir wollen weniger erhoben und fleißiger gelesen sein!" Hier sollte jeber Gebildete, und wer wäre das heute nicht, ftin Scherilein beitragen; vermag er das nickt, kann er sich nicht frei machen von der Beauâlichkeit der Banalen, io bleibt er eben nur ein Bildungsheuchler, der mit dem protzt, was ihm fehlt,

Wenn also der Nachbar keines der wenigen Bücher der Agnes Miegel besitzt und es in der Leihbibliothek gerade verliehen ist dann nehme man sich Mut zu dem opfervollen Weo zum Buch­laden, Das ist jeder, der sich von der Bildungslüge freihalten will, der Miegel und überhaupt den wesentlichen Dichtern schuldig und nicht zuletzt — lich selber!

Liedev zuv Laute

von Dr Hans Lbbecke.

Es

gibt viele Sänger in deutschem Land, die die Laute schlagen. Es ist das Instrument der

Wandervögel, der lustigen Gesellen, die durch deutsche Gaue ziehen als freie Burschen, sich abends unter die Dorflinde setzen und durch ihren Gesang die Dorfjugend anlocken. Dieser Zug Der Freiheit, des ungebundenen Lebens, geht deshalb auch durch alle Lieder, die mir für die Laute ken­nen. Immer wieder ist die Rede vom Feinslieb­chen, das in den Wald spazieren geht, dem Mädel, dem Tanz, dem Küssen und mancher derbe Scherz wird mit ti Kauf genommen, weil er ur­wüchsig und echt ist.

Das Heitere in der Lautenkunst wurde wohl noch von niemand so gut erkannt, wie von Dr. Ebbecke, der gestern in der Aula der Hohen Lan­desschule einen Lautenabend veranstaltete. Sein Dortrag ist das Positive seiner Kunst. Jedem Lied weiß er eine besondere Note auszudrücken. Er ist derb wie ein echter Bayer, wenn er das Lied von der bayerischen Artillerie fingt und mädchenhaft zart, wenn er ein Rokoko-Idyll vorträgt. Immer aber weiß er Komik hineinzumischen in seine Lie­der. Ich habe lange keinen so guten Schauspieler gesehen, wie diesen Sänger. Es ist ganz gleich was er vorträgt, immer stehen ganze Figuren vor uns, und so konnte er es auch wagen, ein ausgedehntes Programm ganz allein zu b-streiten. Esin Pro­gramm 'brachte Lieder von Tanz und verliebten Leuten, von Krieg und Frieden, Rittern und Ru­inen. Jedes Lied wurde zum Kabinettstück. Das Publikum spendete reichen Beisatt. Kü.

o Neues Operettentheater Frankfurt — Friederike. Goethe als Operettenfigur — man geht etwas ängstlich in das Haus am Eschenheimer Turm aber man ist doch glimpflich mit Goethe umgegangen. Die Textschreiber Herzer und Löhner haben das Sefenheimer Idyll zum Vorwurf für ein hübsches Singspiel benutzt, bas sich von Plattheiten fern hält. Geadelt aber wurde das Spiel von der Musik Franz Lèhare, der sich diesmal selbst übertroffen hat. Er hat Töne gesunden, die fast zu schade sind für das Einjahrsleben einer Operette. Mit Liedern wie „Sah ein Snob ein Röslein stehn" und „Mädchen mein Mädchen" hat Lèhar die Operetten« literatur um zwei Perlen bereichert, die zu den gelungensten zählen, die er geschaffen. Bon Kurt Harder wurde die Musik mit viel Geschmack vor­

gefetzt. Publikumswirksani ist die Fabel bes Stürbe, Die sih an Alt-Heidelberg ein bewährtes Vorbild nahm. Nur daß die Friederike statt eines Prinze" einen Dichterfürsten freigibt. Sonst siehe Meyer' Förster. Das Ereignis des Tages ist natürlich der Gast Erik Wirk. Der KünsUer läßt seinen Tenor strahlen. Er kann es sich noch leisten und singt mit viel Eleganz. Erfreulich daß er auch der Gestalt etwas Bezwingendes durch sein Spiel gab. Lydia Petri in der Titelrolle ist ein liebes braves Madel. Gänzlich befriedigend. Alls übrige" Mltwirkenden kommen erst in zweiter Linie. Ger" begrüßt man Rothe-Carey und Alberl Badewitz als Weyland und Lenz. Sie ver­stehen es, im Verein mit Käte Itter, den Humor in das Stück hineinzubringen. Ado H Wiesner hat sehr hübsche Bühnenbilder gesteul und sorgt für ausgeglichenes Tempo. R '

o Stadtthealer. Aus dem Dhe-aterbüro wird u^ geschrieben: Als 24. Vorstellung im Frâss Abonnement gelangt heute abend 715 Uhr « ersten Mals „Die luftige Witwe" Operette in Alten von Franz Lèhar zur.Atchfithrung. In den Hauptrollen sind beschäftigt die Damen Kap^ Buob,- Wirth und die Herren Schramm, Surb Otto, Schmidt, Vleitmann. — Morgen BainsM' findet vielseitigen Wünschen entsprechend eine noch' malige Wiederholung von „Der Tanz ums Gcw (Bolpoite) eine lieblose Komödie in 3 Akten von Ben Jonson, frei bearbeitet von Stefan Z'neig statt. Diese Koödie erlebte hier eine AuWhrnng- bie zu den stärksten Erfolgen unserer Bühne gs' hört. Äommenben Sonntag, nachmittags 3 "d' wird zum letzten Male und zwar zu ermäßig Preisen „Der Zlgeunerbaron" Operette in 3 Akte» von Johann Strauß wiederholt. — Abends 73 Uhr gelangt dis Operette „Die luftige Witwe" Zur zluffüfirirng.

O Alfred Hoehn, der am 21. März in der StA baße spielt, befindet sich zur Zeit auf einer neé in Polen. Bel seinem letzten Konzsrt in AB fefjau 1927 schrieb die „Filharmonja": Hoehn b gestern Beethovens G-dur Konzert in vollendett 'Schönheit entstehen und dokumentierte feine rufen« Nachfolgerschaft d'Albèrt'». (Siche Ins-«" im heutigen Anzeigeieil).