Einzelbild herunterladen
 

Seite 2

Dienstag den 26. Februar 1929

Nr. 48

enthielt, vor sich geht. So unwahrscheinlich ein belgisch-holländischer Krieg heute auch sein mag, dieses theoretische Beispiel ist am besten geeignet, zu zeigen, daß das belgisch­französische Geheimabkommen zu der Kate­gorie derjenigen Abmachungen gehört, die zum Weltkrieg geführt haben. Von dem Frie­densgeist, dessen Träger zu sein Frankreich sich so rühmt, ist hier keine Spur zu finden.

Nun könnte man auf den ersten Blick mei­nen, dieses Abkommen, das im Jahrs 1920 abgeschlossen wurde, also zu Zeiten, wo die Kriegspsychose noch ihre Triumphe feierte, sei veraltet, durch die weitere Entwicklung der Dinge wenigstens überholt. Dem ist jedoch nicht so. Denn erstens ist dieses Abkommen auf 25 Jahre abgeschlossen, wobei eine auto­matische Verlängerung auf 25 Jahre voraus­gesehen ist, zweitens aber und das ist viel­leicht das Pikanteste an der ganzen Ange- isgenheit wurde dieses Abkommen im Jahre 1927 durch ein Zusatzabkommen ergänzt und dadurch neu bekräftigt. Im Jahre 1927 also zwei Jahre nach dem Locarnovertrag und nach dem Eintritt Deutschlands in den Völker­bund! Eine größere Verhöhnung derneuen Aera" in den Beziehungen zwischen Deusch- land und seinen ehemaligen Kriegsgegnern läßt sich kaum ausdenken. Hier helfen keine Beschwichtigungsversuche, die sicherlich seitens Paris und Brüssel unternommen werden. In wenigen Tagen wird Dr. Stresemann sich in Genf mit Briand treffen. Man darf auf diese Begegnung nunmehr ganz besonders gespannt sein! Vielleicht wird" die diesmalige Genfer Ratstagung, die am 4. März beginnt, und die außer der Minderheitenfrage nichts Inter­essantes aufzuweisen hatte, doch zu einer Sen­sation werden , - .

Das belsifch-strauröMthe

(Fortsetzung von Seite 1) gar nur ein Bruchstück in dem System französischer MWärbündnitze mit seinen Gefolgstaaten Polen, Rumänien, Südslawien und Tschechoslowakei? Wir wissen es nicht: aber wir ersehen aus den ständigen Reisen französischer Generale, wie Lerond nach östlichen Ländern, aus der Umorganifation ihrer Armeen, daß der Pariser Generalstab eine gefähr- liche Rührigkeit entfaltet um den Frieden Eu­ropas zu wahren. Einmal hat ein französischer Außenminister in Genf die Nationen aufgefordert, ihre Rüstungen zu zerbrechen . . Wann wird dieses Wort eingelöst werden?

DieVoss. 3 ei tun 8* bezeichnet als beson­ders bedeutungsvoll für die Tendenz des Abkom­mens dieAusführungsbestimmungen" der Gene­ralstäbler, die sieben Jahre später einen genauen Offensivplan gegen Deutschland ausarbeiferen, bei dem anscheinend die Verletzung der holländischen .SietttkaLlLt durch den vorgesehenen Marlck brmb die Provinz Limbung eine große Rolle spielt.

Wie die übrigen Blätter unterstreicht auch das Berliner Tageblatt" die überall be­stehende Auftastung von der Wahrscheinlichkeit der Echtheit, die noch dadurch bestärkt werde, daß von einer Aeußerung desPetit Puristen" abgesehen, weder aus Paris, noch aus Brüssel ein amtliches Dementi vorliegt. Das Blatt erklärt dann weiter, daß die Auslegungsbestimmungen vom Jahre 1927 nicht mit dem Vertrag von Locarno vereinbar leien, weder mit besten Wortlaut, noch mit dellen Geists. Der Form nach stehen wir hier, so fährt das Blatt fort, wieder vor der Tatsache, daß es sich um Abmachungen der Generalstäbe, nicht der Regie­rungen handelt. Die Well hat schon einmal erlebt, an dem Beispiel der Abmachungen zwischen dem französischen und dem englischen Generalstab von 1912, welche Bedeutung solche Handlungen der Mi­litärs gewinnen können.

ImVorwärts" wird erklärt: Es kann unmög­lich so weitergehen, daß Frankreich und Belgien mit der einen Hand Deutschland freundschaftlich zu­winken, mit der andern Hand aber sich gegenseitig die Revolver eines Kriegsbündnies zureichen. Der Friedenswille der Mehrheit des deutschen Volkes rechtfertigt es, daß dies Bündnis der belgischen -.3 französischen Militärs endlich dahin getan wird, wohin es seit Jahren gehört: in die Rumpel­kammer einer Geschichtsperiode, die den Völker- rrieben auf die Spitze von Bajonetten stellte.

ReKhsbahn «ad rrevavatrottsko«feve«r

Berlin, 25. Febr. Tie Reichsbahnverwaltung meist mit aller Schärfe die Behauptung der Beam- renbunds-Korrelponbenz zurück, daß sie ohne Rück­licht auf die Nation versucht habe, über die aus« !ä idischen Mitglieder des Berwaltungsrats auf die Reparationskonferenz Einfluß zu nehmen. Irgend­welche Konferenzen nach dieser Richtung hin hätten überhaupt nicht stattgesunden. Die Reichsbahn habe von jeher den Standpunkt vertreten, daß die Be­handlung der Rèparotionssroge ausschließlich Sache der Reich-regierung sei. Unter Wahrung dieses Standpunktes hätte sie niemals über außerhalb der Reichsregierung stehende Persönlichkeiten den Ver­such gemacht, sich in die Verhandlung einzumischen.

Von den zuständigen Stellen der Reichsregie­rung wird diese Darstellung bestätigt mit dem aus« ürücklichen Hinzufügen, daß die Reichsbahngesell- schaft sich stets durchaus loyal gezeigt habe. Die Di, reftion erklärt weiter, daß die Rationalisierungs- mußnahmen, mit denen sie zurzeit beschäftigt ist, sich durchaus im Rahmen des Reitzsbahngesetzes bewegten und keinerlei Tendenz bestehe, vom

brüt

Reichsbahngesetz loszukommen.

Veviveiev d. Landtvwtichaft beim RelchsprSstdentett

Berlin, 25. Febr. Der Reichspräsident empfing heute die Herren Reichstagsabgeordneten Behrens und Geschäftsführer Blum als Vertreter des Zen­tralverbandes der Landarbeiter sowie Geschäfts­führer Molbaum und Inspektor a. D. Zöllner als Vertreter des Reichsverbaâs Deutscher Guts, und Forstbeamten. Die Erschienenen legten unter beson­derer Betonung der wirtschaftlichen Lage der Guts-

Der allgemeine Gesundheits­zustand in 4-veusten

GvschveSende Zunahme der Todesfalls nach Fehl­geburten - Maßnahmen gegen Kurpfuschertum - Die drohende Gefahr des Gebuvtennnievschusses

Berlin, 25. Febr. Der Preußische Land­tag begann heute die zweite Lesung des Haus­haltes des Ministeriums für Volkswohlfahrt beim AbschnittVolksgesundheit". Der Hauptausschuß hat hierzu eine große Anzahl von Anträgen vorgelegt, darunter u. a. einen Antrag gegen das Ueberhand- nehmen der Kurpfuscherei, zur Erwirkung eines Reichsgesetzes zur Bekämpfung der Tuberkulose und auf Bereintellung besonderer Mittel zur Bekämp­fung der Geschlechtskrankheiten.

Berichterstatter Abg. Stemmler (Ztr.): Das Wohlfahrtsministerium erfordere zwar einen Zu­schuß von 43 Millionen, garantiere dafür aber die Gesundheit des Volkes, 200 000 Mark feien im Aus­schuß als Beihilfe für das Rettungswesen verlangt worden. Im allgemeinen aber seien die Mittel als absolut unzureichend empfunden worden. Deshalb habe man schon den Gedanken erwogen, eine Art Gesnndheitssteuer einzuführen.

Dohlfahrtsminisier Hirksiefer

führte zum Etat u. a. aus: Der allgemeine Gesund­heitszustand der preußischen Bevölkerung hat sich 1928 weiter gebessert. Bedauerlicherweise sind die Erkrankungen an Kindbettfieber und auch die Todes­fälle dabei in Anbetracht des Geburtenrückganges noch recht hoch.

Die Todesfälle nach Fehlgeburten haben er­schreckend zugenommen.

Das sollte eine Warnung für alle sein, die die Ab­treibung der Leibesfrucht befürworten. (Sehr wahr im Zentrum, Gegenrufe links.) Die Zahl der Fehl­geburten geht jedenfalls heute schon in die Hundert­rausende. Die Grippe hat sich in ganz Preußen stär­ker verbreitet, doch hat sie bisher keinen bösartigen Charakter angenommen.

Es scheint, daß mir von einer Einschleppung der in Amerika herrschenden bösartigen Grippe verschont würden.

Ich habe sofort nach Auftreten der Grippe gemein­verständliche Maßregeln gegen diese Krankheit ver­öffentlichen lassen. Die Ziffern der Tuberkulose­erkrankungen sind gleichfalls gesunken. Bedenklich sind noch die Beobachtungen über die Kropferkran­kungen an Schulkindern, die bei 1030 Prozent der Schulkinder leider bestehen, und zwar hauptsäch­lich in den Bezirken Breslau, Oppeln, Kassel, Trier und Aachen. Notwendig für die Volksgesundheit ist ein enges Zusammenarbeiten mit Wissenschaft und Praxis. Nach Möglichkeit sollen neue Medizinal­beamte eingestellt werden.

Die wirtschaftlichen Verhältnis!«: der rung. Ungünstig liegen die Verhältnisse der älteren Aerzte und die der jungen, noch nicht zur Kassen­praxis zugelassenen. Ich begrüße, daß die Aerzte- kammern von dem ihnen gegebenen Recht Gebrauch machen, Fürsorgeeinrichtungen zu schaffen. Bedauer­licherweise hat auch die Kurpfuscherei wieder zuge­nommen.

Inkerefiank wird eine Statistik sein, derzusolge die Zahl der Kurpfuscher von 670 im Jahre 1876, was damals 4,9 auf 100 Aerzte darstellte, für

beamten und der Landarbeiter dem Reichspräfiden- Vertretung in Kabul nicht gelungen, sämtliche in ' ' ' Kabul befindlichen Deutschen abzutransportieren.

ten die Notlage der Landwirtschaft dar und beton­ten, daß sie mit den Arbeitgebern die von den ver­einigten Spitzenoerbänden der deutschen Landwirt­schaft vorgeschlagenen Hilfsmaßnahmen für drin­gend notwendig erachten. Sie baten den Reichs­präsidenten um Förderung der vorgeschlagenen

Maßnahmen unter Berücksichtigung der besonderen Notlage der landwirtschaftlichen Angestellten und Arbeller. Der Reichspräsident dankte für die Dar­legungen und erklärte, daß sein Interesse und seine Fürsorge in gleicher Weise dem landwirtschaftlichen Besitz, wie den landwirtschaftlichen Arbeitern und Angestellten gelte. Er hoffe, daß es mit Hilfe des Staates und der Selbsthilfe der Landwirtschaft lingen werde, mit der Zeit dem Notstand in Landwirtschaft abzuhelfen.

ge- der

GMedsivvuch Mv die TeseiMuduftv^e

der

Berlin, 25. Febr. In den Tarifstrcitigkeiten Textilindustrie ist gestern abend ein Schiedsspruch gefällt worden. Die Verhandlungen wurden geleitet von dem Schlichter des Schlichtungsbezirks West­falen, Dr. Brahn, Bergwerksdirektor Dr. Wolff und Polizeitpräsident Schöbel. Gegenstand der Verhand­lung waren Tarifverträge für etwa 200 000 Textil-

arbeiter in etwa 21 Bezirken, von denen etwa 70 000 teils im Streik standxn, teils ausgesperrt waren. Beide Parteien hattc-w sich im voraus damit einverstanden erklärt, die Schiedssprüche der drei Schiedsrichter als bindend und sofort rechtskräftig onzuerkennsn, sofern sie einstimmig gefaßt würden. Sämtliche Schiedssprüche wurden einstimmig ge« fällt und treten sofort in Kraft. Die Arbeit ist in« folgedessen heute wieder ausgenommen worden. Es wurden Lohnzulagen gegeben in Höhe von drei bis fünf Prozent, und zwar handelt es sich dabei meist um zeitlich gestaffelte Lohnzulagen. Die Laufzeit der neuen Verträge bewegt sich zwischen anderthalb und zwei Jahren. Die Parteien kamen weiter dahin überein, daß dieselben drei unparteiischen Schieds­richter bei öfter sich ergebenden Unklarheiten enb« gültig zu entscheiden haben. Ob eine Unklarheit vor­liege, entscheidet der Vorsitzende des Schiedsgerichtes. Damit ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Die Ver- Handlungen dauerten fünf volle Tage und wurden auch noch am Sonntag bis in den späten Abend ge­führt.

Dettiitve in Aabtt! in Gefahr?

Der Gesandte Feigel hat Kabul verlassen.

Berlin, 25. Febr. Wie von zuständiger Stelle mstgeteilt wird, ist es der Deutschen diplomatischen

das Jahr 1927, soweit überhaupt die Laien­behandler gemeldet sind, auf 11761 oder 27 Prozent der Aerzte gestiegen ist. (Lebhaftes hört, hört!)

Wir werden ernstlich zu prüfen haben, ob es nicht im Interesse der Volksgesundheit dringend ge­boten ist. baldmöglichst neue gesetzliche Maßnahmen gegen das Ueberhandnehmen des Kurpfuschertums durchzuführen. Der Minister erklärte dann, daß auch die Säuglingssterblichkeit zuriickgcgangen fei. Die starke Zunahme von Berkehrsunfällen hat mich veranlaßt, in allen Provinzen

Arbeitsgemeinschaften für das Rettungswesen anzuregen. Es wurden Verhandlungen mit den zu­ständigen Reichsbehörden sowohl wie mit der In­dustrie gepflogen. Von allen Seiten ist die Mitarbeit uni) Bereitstellung finanzieller Mittel zugesagt.

Die Sterblichkeit der Bevölkerung sei 1927 etwas gestiegen, was auf die im ersten halben Jahre

herrschende Grippeepidemie zurück

m sei.

Bedenklich sei der weitere Rückgang der Ce- burlenzahl von 20,3 Geburten aus 1000 Per­sonen im Jahre 1926 aus 19,04 im Jahre 1927.

Der Geburtenüberschuß über die Tooesfülle nehme von Jahr zu Jahr ab. Die Stadt Berlin habe im Jahre 1927 zum ersten Male sogar einen Geburten­unterschuß gehabt. Auch Städte wie Frankfurt a. N., Aachen und andere zeigten einen Geburten- unterschuß. Der einmal begonnene Abstieg der Ge­burtenziffer sei nur schwer wieder aufzuhalten. Der Minister betont, daß alle erforderlichen Schritte getan werden müßten, um die drohende Gefahr auf diesem Gebiet abzuwehren.

Die Ausführungen der übrigen Redner drehten sich vor allem um die Sozialprobleme des Ge­burtenrückgangs, der Unterbrechung der Schwangerschaft, die Ausdehnung der Ver­sicherung und um einige Beamtenfragen.

Sowohl Freifrau von Matter (Dnatl.) wie der Zentrumssprecher Dr. Wester wiesen auf die nationalen Gefahren des Geburtenrückgangs hin. Aber während Frau von Matter in erster Linie die wirtschaftliche Not dafür verantwortlich machte, waren für Dr. Wester in der Hauptsache sittliche Verfallserscheinungen der Grund hierfür. Denn es seien gerade die gutgestellten Kreise, auf die eine sehr geringe Zahl von Geburten entfalle. Bezüglich der Sozialisierung betonte Frau von Matter unter lebhaftem Beifall der Rechten, man wolle den Hilfsbedürftigen die soziale Hilfe der, Krankenkassen gewähren, aber nicht die Kreise, die noch wirtschaftliche Selbständigkeit und Selbstver­

bringen.

Im weitern Verlauf der Beratungen begründete Dr. Boehm (Deutsche Vp.) einige Anträge seiner Fraktion zum Wohlfahrtshaushalt. Leonhardt unterzog die Ueberspitzung und parteipolitische Ein­engung der Sozialversicherung einer eingehenden Kritik. Nach einigen persönlichen Erörterungen ver­tagte das Haus die Weiterberatung auf Dienstag, 12 Uhr.

Acht Deutschen ist die Ausreisegenehmigung nicht erteilt worden, während 18 Deutschen, dener die Genehmigung zur Ausreise erteilt mar, von den Engländern erklärt wurde, sie könnten nicht trans« sortiert werden, da keine Flugzeuge mehr zur Ver- ügung ständen. Der deutsche Gesandte in Kabul hat inzwis Hen Afghanistan verlassen. An seine Stelle ist Generalkonsul von Plessen getreten.

Daily Telegraph" meldet aus Peschawar: Nach einer Information, die von einem kürzlich aus Kabul eingetroffenen Deutschen stammt, sind Schwierigkeiten zwischen Bacha I Sakao und ge­wissen Deutschen entstanden, die unter dem alten Regime der afghanischen Regierung besänftigt waren. Es scheint Mißverständnisse gegeben zu haben, und bis diese geregelt sind, Ist Bacha I Sakao nicht geneigt, der betreffenden Deutschen die Abreiseerlaubnis zu erteilen. Deshalb hat sich Baron von Plessen nach der afghanischen Haupt­stadt begeben, um die Sache in Ordnung zu bringen.

Des zweite Kememosd- prozeß seines

Gestern vormittag um 10 Uhr begann vor dem Landgericht Stettin unter außergewöhnlichem Andrang des Publikums und strengen Absper­rungsmaßnahmen durch die Polizei die neue Ver­handlung gegen Leutnant a. D. Heines und G e n., sechs weitere ehemalige Angehörige der Roßbachorganisation und den früheren Amtsvor­steher Administrator Bergfeld, wgen des im Juli 1920 beim Gute Liebenow in Mittelpommern be­gangenen Fememordes. Das erste Urteil sprach für Heines wegen Totschlags eine Strafe von 15 Jah­ren Zuchthaus, für Otto vier Jahre Zuchthaus und für Fröbel drei Jahre Zuchthaus aus. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Wegen eines Formfehlers ist die Sache vom Reichsgericht zu er­neuter Verhandlung nach Stettin überwiesen.

Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses wurde mit der Vernehmung des Hauptangeklagten Heines begonnen. Heines, der den Weltkrieg als Freiwilli­ger mit gemacht hat und 1918 zum Offizier beför­dert worden roar. schildert, wie er schließlich der Or­ganisation Roßbach beitrat, an den Kämpfen im Ruhrgebiet teilnahm und später mit der Batterie Schulz in den Kreis Greifenhagen geschickt wurde. Dort seien die Angehörigen der Organisation auf einzelne Güter verteilt worden.

Eines Tages habe er erfahren, daß Schmidt die Arbeit verweigere und in Greifenhagen Verbindun­gen mit Kommunisten angeknüpst habe. Heines

schildert dann die Festnahme des Schmidt, wobei er auf die verschiedenen Fragen des Vorsitzenden hin immer wieder betont, daß er sich der Einzel­heiten nicht mehr entsinnen könne. Der Vorsitzende sucht die Frage zu klären, warum Heines den fest­genommenen Schmidt erst nach verschiedenen Gü­tern gebracht und warum er auf dein Transport nach dem Forsthaus Marienthal so viel Personen und Spaten mitgenommen habe. Heines erklärte, daß er befürchtete, den Kommunisten seien die Waffenlager im Walde bekannt geworden, und daß er deshalb die Gelegenheit benutzen wollte, die Waffen umbetten zu lassen.

Heines kommt dann schließlich auf die Ermor­dung Schmidts zu sprechen und erklärt, daß er Schmidt bei einem Fluchtversuch erschossen habe. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß Fraebel in der Voruntersuchung ausgesagt habe, Schmidt sei auf eine viel grauenhaftere Weise ums Leben ge­kommen. Heines erklärt, daß dies Phantasien des

Die Weiterverhandlung

Mitangeklagten sein.

wurde sodann auf morgen vertagt.

KwVdpvoZeß Ksvv

Verden a. d. Aller, 25. Febr. Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute der Prozeß gegen den Raubmörder Emil Hopp, der bekanntlich in der Nacht zum 11. September v. I. im Eilzuge auf der Strecke HamburgBremen den Direktor der Del­menhorster Margarinenwerke Nord mann e r= mordete, beraubte und ihn dann aus dem Zuge warf. Der Andrang des Publikums zu dem Prozeß war sehr stark. Im Schwurgcrichtssaal sind Zeichnungen van dem Eisenbahnabteil und der in Frage kommenden Eisenbahnstrecke aufgestellt. Auf dem einen Tische liegen die Beweisstücke, wie An- zug, Reisetasche, Schuhe usw. des Ermordeten, sowie ein Stück von dem Trittbrett des Eisenbahnabteils. Es find etwa dreißig Zeugen und sechs Sachverstän­dige geladen, darunter Prof. Dr. Lochte (Göttingen), Prof. Dr. Brüning (Berlin) und Landesobermedi­zinalrat Dr. Mönkemöller (Hildesheim) von der Pro- vinzial-Heil- und Pflegeanstalt.

Die Vernehmung des Angeklagten, der gefesselt von zwei Kriminalbeamten in den Saal geführt wird, ergibt folgendes Bild: Er ist am 19. Januar 1899 in Aschenberg (Kr. Plön) geboren, schon mehr­fach wegen Sachbeschädigung, Diebstahl im. Rück- falle, Betrug usw. mit Gefängnis und Zuchthaus bestraft. Sein Vater trank und hat seine Frau, die es mit der ehelichen Treue nicht ganz genau nahm, oft verprügelt. Auch der Angeklagte ist oft von den Eltern verprügelt und von ihnen zum Stehlen an- gehalten worden. Er ist dann später zu Pflege- eltern gekommen, die nach Aussagen des Angeklag­ten die Neigung zum Schlechten in ihm verstärkten. 1912 ist er von Hause fortgelaufen und deshalb im Juli 1912. in einer Fürsorgeanstalt untergebracht worden. Dort glaübt er zu Unrecht behandelt wor­den zu sein und hat sich die Pulsadern geöffnet. Er ist dann aus der Fllrsorgeanstalt entwichen und kam bald wegen mehrerer Diebstähle ins Gefängnis. Zum Militär eingezogen, beging er Fahnenflucht: und wurde zu Zuchthausstrafe verurteilt. NackS deren Verbüßung ging er nach Süddeutschland, w

er sich u. a. als albanischer Fürst ausgab und pucK wegen Betrugs bestraft wurde. Auf UrMWDwM^P

er dann nach Lübeck gekommen und hat sich späta-4j in Hamburg, Kiel und Harburg aufgehalten, wo er b auch wieder mehrere Diebstähle beging. )

Auf die Frage des Vorsitzenden, was er de mt am 10. September, dem Tag der Tat, überhcuupt vorgehabt habe, sagt Hopp, èr sei in den Zug ge« tiegen und wisse sich gar nicht mehr recht zu erihr- iern, warum er dies getan habe. Das könne über­haupt kein Mensch verstehen. Er wisse nichts mehr über die Vorgänge an jenem Mordabeud. Er leide an Bewußtseinsstörungen und könne keine Erklärung abgeben, weil er nicht die Gewißheit habe, daß das, was er sage, auch wahr sei. Es sei möglich, daß er den Direktor erschossen habe. Die Tat sei für ihn einfach nicht wahr, weil er sie nicht glaube. Er habe dem Untersuchungsrichter eine Darstellung gegeben, obwohl er genau wußte, daß sie nicht wahr war.Ich glaube es, aber ich weiß es nicht."

Vovchender:Wissen Sie, daß Sie die Leiche aus dem Zug geworfen haben?"

Angeklagter:Ich habe die Erinnerung, daß ich einen Körper aus der Tür fallen ließ."

Vorsitzender:War Nordmann tot?" Angeklagter:Das weiß ich nicht."

üeb££M auf Demssistz

Miami (Florida), 25. Febr. Ein unbekannter Mann, bei dem es sich offenbar um einen Einbre­cher handelte, drang heule morgen um 5 Uhr in die hiesige Wohnung des früheren Wcltboxmeislers Dempsey ein und geriet in Dempseys Schlafzimmer. Als dieser erwachte und sich von seinem Bett er­heben wollte, gab der Eindringling einen Revolver­schuß auf ihn ab, der jedoch fehlging.

R e w y o r k, 25. Febr. Zu dem bereits gemelde­ten nächtlichen Ueberfall auf den Boxer Dempsey, der sich zurzeit in Miami aushält, wird noch geniel- del, daß Dempsey der Ansicht ist, man habe ihn eul- sühren und erst nach der Beendigung des Boxkamp­fes zwischen Sharkey und Stribling gegen Löscgeld freigeben wollen. Allem Anschein nach war der Mann, der den Schuß auf Dempsey abgegeben hat, nicht allein. Die Urheber des Ueberfalles sind auch nach einer halben Stunde noch einmal im Auto zu­rückgekommen und haben sich vor dem Hause aujge- halten, in dem Dempsey wohnt, ohne aber Weiteres zu unternehmen.

Letzte Zâsvamme. pâearv WM eine ftavke Metzvhett Haven

Paris, 26. Febr. DasOueore schreibt, es ist wahrscheinlich, daß im Laufe der nächsten Woche ipoincaté der Kammer mitteilen wird, daß er um die Verhandlungen über die Reparalionssrage und die interalliierten Schulden zu leiten, eine solide Mehrheit nötig habe. Er wird hinzusügen, daß un­ter den gegenwärtigen Umständen eine Regierung nationaler Einigkeit und republikanischer Eintracht, so wie er sie aufsasse, nicht die einmütige Opposi­tion der Radikalen gegen sich haben würde. Das Blatt glaubt deshalb daß PolncarS. nachdem et mindestens von der Mehrheit, wenn nicht von allen Radikalen gebilligt worden Ist, eine Umbil­dung des Kabinetts vornehmen wird.