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^etfe I

Mittwoch dm 9. Januar 1429

7 }

Aus dem GevkÄbtLsaal

Das Ende eines Zechgelages.

In der Nacht zum 3. November hatte in einer Eailwirtichafl zu Niederdorfelden eine Geiellschaft junger yurid)en gezechi. Nach dem Verlassen des Lokales kam es wegen Begleichung der Zechjchuld zu Reibereien, die schließlich auch zu Handgreiflich­keiten führten. Die Leidtragenden waren zwei junge Burschen aus Bergen, die am Orlsausgang von einem -Fahrigen Niederdorfelden«! mit einem iwnbfeften Prügel erwartet wurden, dieweil sich der Hauplrv' -l im Streite hübsch im Hintergrund hielt. Der eine ortsfremde Bursche bekam bei die» tiefer Gelegenheit einen heftigen Schlag mit dem Knüppel uoc£ den Hinterkopf, so daß ihn ein ju» aliig beim Streite anwesender Sanitäter in Be­handlung nehmen und verbinden mußte. Der zweite Bergener kam mit einem Hieb über die Schulter davon. Der schlagfertige N' cderdorfeldener, der et» was unter bem Einfluß des reichlich genoßenen Al- fob-is stand wurde ob seinerHeldentat" zu 70

An dec Grenze der Zurechnungsfähigkeit.

Eigsnrttch war es ein nur leider allzu alltäg- :;h: r Fall. Eine nicht fest wurzelnde Existenz u. üe Avonnenienfammler für eine der bekannten Fami.ien ^ iistttnin n mit Lersichervngsleistung, trieb feine Kur den auf, geriet in höchste Not und

in

n

b e schließlich eine Beitrittserklärung, um sich : Hrife der gefälschten Erklärung 4 Mark Pro­sa zu bcidjaffen. Erst die näheren Umstände chteu ben Fall bemerkenswert Es war nicht

das eiftemal, daß süb der gestriege Angeklagte, ein zuttni in Romsryal Kreis Schlüchtern) wohnhafter Vcrrreter nnb Hausierer, wegen kleinerer Betrüge­reien und Unterschlagungen vor dem Strafrichter zu verantworten hatte. Aus guter Familie stammend wurde er durch einer Unfall in der frühesten Jugend aus der normalen Lebensbahn herausgcemcn. Nach einem Sturze auf d. Kopf stellte sich bei ihm eine leichte Idiotie ein. co konnte er n: ms rechtes erlernen und vegetierte auf die Wohl­taten feiner Famile angewiesen dahin. Von seiner Heimatstadt Breslau kam er vor etlichen Jahren nach Romsthal zu Besuch, lernte dort eine gleich ihm geistig minderwertige Frauensperson kennen und schloß gegen den Willen feiner Angehörigen mit ihr die Ehe, der ein gleich alls schwachsinniges Kind entsprang. In der Folgezeit fand er nirgends Rast noch Ruhe und streifte bald hier, bald da im Lande herum, wobei er immer wieder mit dem ctrafgefeg in Konflikt kam. Im April 1926 wurde er wegen Geistesschwäche entmündigt, in eine Heil­anstalt konnte er nicht untergebracht werden, da er nicht eigentlich geisteskrank ist. Angesichts dieser traurigen Feststellungen ließ es das Gericht bei der gesetzlichen Mindestsirase von 1 Woche Gssängnis bewenden, die ihm obendrein noch aus drei Jahre bedingt ausgesetzt wurde. Das Gericht ging dabei von der weisen Erkenntnis aus, daß der Straszweck bei einem solchen hochgradig minderwertigen Menschen notgedrungen verjagen, der in einer An­statt wie oeijp elsweise Bethel am besten ausge- boben wäre. Nach Inkrafttreten des neuen Straf- zeiegbuches dürften Gefängnisstrafen für derartige bedauernswerte Menschen ja ohnedies in Fortfall kommen t>Rb lediglich Schutzverwahrungen ausge-

7 " . Kleine Lrsachea große Dirkunaen

Der Fuhrmann eines hiesigen Spediteurs hatte am 30. 3uni eine Ladung am hiesigen Hauptbahn­hof in Empfang genommen und befand sich mit dem Rollwagen auf dem Wege zur Kundschaft. Als er gegen 10 Uhr vormittags es war gerade --«mtags-Wochenmarkt am Marktplatz entlang fuhr, lockerte sich eine etwa 4 Zentner schwere Kiste und stürzte seitlich vom Sagen herunter. 3m glei­chen Augenblick ging eine hiesige Ehefrau vorbei, die von der herabsallenden Kiste am rechten Ober­arm und Oberschenkel gestreift wurde. Es war noch großes Glück dabei, daß es mit wenn auch nicht unerheblichen Quetschungen am Oberarm der Getroffenen abging. Das schlechte Laden kostete den Fuhrmann, der sich sofort entschuldigte und den schlechten Stroßenverhaltnißen die alleinige Schuld

Das LVeren der Musik

Don Dr. Karl Stork.

e Auf dem Gebiete der Musik liegt manches ganz anders als bei anderen Künsten, und man braucht nid# ausübender Musiker zu sein, um sich näher mit dem Wesen der Musik zu beschäftigen. Viel mehr Menschen zumal vom deutschen Volke gilt das haben ein fruchtbar zu machendes Ver­hältnis zur Musik, als etwa zur Literatur und zur bildenden Kunst. Es gibt ganz wenige Leute, die für Musik unempfänglich sind, die nicht darüber hinaus geradezu Liebe zur Musik empfinden. Man braucht nur zu bedenken, daß es in Literatur und in der bildenden Kunst ein Seitenstück zu ungeheuer großen Zahlen der reproduzierenden Musiker nicht gibt. Musikalisch ist der Mensch, der Musik stark zu empfinden fähig ist. Dagegen kann man bis zu einem ganz beträchtlichen Grade musiktechnisch reproduzieren, ohne musikalisch zu sein. Bei der bildenden Kunst ist es außerordentlich schwierig, sich so tief in die Formgebung, die gestaltenden Kräfte, die inneren Lebensgesetze, zu versenken, daß wir so ganz nachzuleben vermögen. Auch bei der Siteratur gehört große ästhetisch« und geistige Schulung dazu, um nicht bloß am Stoffe und an der äußeren Form einer Dichtung haften zu blei­ben Bei der Musik dagegen sind wir geradezu» gezwungen, wenn wir ein Musikstück spielen, in des Künstlers Lande zu gehen: das Werk entsteht durch uns in diesem Augenblick neu, so wie wir es in die Welt stellen, so ist es für uns jene, die uns zu­hören. Hierin liegt die außerordentlich bereichernde und beglückende Kraft eines teelenvollen Musi­zierens.

Die Musik ist einerseits die konservativste aller Künste, andererseits ist sie mehr als alle anderen auf das jeweilige Gegenwortsempfinden ange­wiesen. Tie ist die konservativste Kunst einmal hinsichtlich ihrer Technik. Nur in langen Kämpfen hat die- Musik ihr Ausdrucksmittel erworben. Von der Einstimmigkeit zur Mehrstimmigkeit, von der Etstwicklung eines der Wesenheit der Menschen- ssimme nod^ebitbeten, jede einzelne Stimme als ein Individuum behandelnden polyphonen (Viel- klang.) Satzes zur harmonischen Auffassung, in der zu einer beherrschenden Melodie aus der Fülle des

am Lockern utb Herabfallen des Frachtgutes bei­maß, gestern 10 Mark Geldstrafe.

Faule Geschäfte.

Wegen Betruges zum Nachteil einer Frank­furter Wäschefinna sollte sich gestern ein Ehepaar aus Soden (Kreis Schlüchtern) verantworten, doch wurde das Verfahren gegen den Ehemann, einen vor 3 Jahren wegen Trunksucht aus dem Schul­dienst entlassenen, bis über die Ohren verschuldeten ehemaligen Lehrer, abgetrennt, da er vor wenigen Tagen von einem auswärtigen Amtsgericht in einer anderer Sache in Haft genommen worden war. Das Ehepaar hatte bei dem Reisenden der betref­fenden Firma Wäsche im Werte von 162 Mark bestellt und monatliche Ratenzahlung von 20 Mark vereinbart. Die Ehefrau, die aus sehr geordneten Verhältnißen stammt und von einer derartig hohen Schuldenlast ihres unmittelbar daraus den Offenba­rungseid leistenden Gatten keine Ahnung hatte, setzte auch im guten Glauben auf eine prompte Regulierung der Schuld ihren Ramen unter den Bestellschein. Da an eine Einhaltung der beim Kaufabschluß eingegange icn Verpflichtungen hin­sichtlich der Zahlung überhaupt nicht zu denken war und nach Lage der Dinge eine betrügerische Ab­sicht seitens des kaufichließenden Teiles vorliegen mußte, wurde nach mehreren erfolglosen Mahn­schreiben und irudjtloier Verklagung seitens der ge­schädigten Firma Strafanzeige erstattet. Da die Ehefrau aber keine Schuld traf, wurde sie gestern freigefprod-e-

5 Ein Kammbrand brach gestern nachmittag ge­gen 1=2 Uhr in einem Anwesen der Friedrichstraße aus. Die ausgerückte Feuerwehr brauchte nicht ein­zu greifen, da bei ihrem Eintreffen der Brand be­reits durch Hausbewohner im Keime erstickt wor­den war.

* Reichsgründvng-feier der Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Sriegervereine. Die Arbeitsge- meinschail^ wird auch in diesem Jahre den 18. Jan. als ben Tag der Reichsgründung in feierlicher Wette begehen. Die Feier findet an diesem Tage (Freitag den 18. Inn.) in der Centralhalle statt, die Festrede hat Herr Landgerichtsrat Wolsf über­nommen. Einmarsch der Fahnen der Vereine und melodramatische Darbietungen geben ihr die ent= fpredienbe Weihe Die Feuerwehrkapelle hat sich sück den musikalischen Teil dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Alle Vereine und Persönlich­keiten, welche in dem 18. Januar 1871 eine deutsche Großtat sehen, werden herzlichst einge­laden.

* Amerikanische Einwanderung. Vom 17. Ja- nuar an werden Visumonträge beim amerikani­schen Konsulat wieder angenommen und J * te= nummer für bas Quotenjahr 1929 erteilt, laut Meldung des Norddeutschen Lloyd, auf dessen An­zeige im heutigen Inseratenteil wir verweisen.

* Neuregelung untragbarer Pachtzinsen. In einer kleinbäuerlichen ©ebirgsgegenb der Provinz Hessen- Natzau haben kleine Landwirte' zur Abrundung der Wirttchast von der DomänenoerwattunH Dmnäncn- streukand gepachtet. Diese Pachtungen sind in der Zeit der größten Larchnot des letzten Jnislations- jckhres getätigt. Hierdurch sind Pachtpreise in Rog- von koscher Höhe entsiMens M renkables Wirtschaften auf diesen Grundstücken ausgeschlossen erscheint. Auch sollen bei der Umwandlung der Naruralpacht in Ssldpacht außerordentlich hohe Markpachtpreise herausgekommen fein. Eine dies­bezügliche kleine Anfrage beantwortet, wie der Amtliche Preußische Pressedienst metbet, der Land- wirtschaftsminiftcr dahingehend, daß die «taats- regierung gewillt sei, zwecks Neuregelung untrag­barer Pachtzinsen die Neuverpachtung der in Be­tracht kommenden Streugrundstücke zuzulaffen. Die Regierungen wuvden von dem Landwirtschafts- minifter mit entsprechender Anweisung versehen.

*Eine Pacht im Reiche des Mikado" Unter diesem Motto veranstalten dieNeuen" am Sams­tag, 12. Januar in sämtlichen herrlich dekorierten Sälen der Centralhalle, Rosenstroße, ihren großen Bürgermaskenball. Wer die Veranstaltungen der

gesamten Tonmoterials die bereichernde Aus­malung gewonnen wird, und von dieser Stufe aus wieder zu einer neuen, mehr geistigen Polyphonie, in der das einzelne thematische Motiv als Aus- brudsmütet für ein Geistiges verwertet wird, ist ein ungeheuer weiter Weg. Es ist ein ganz wun­derbarer, von keiner anderen Kunst gebotener An­blick, wie in der Musik von der einfachen Melodie­linie aus allmählich die Erweiterung auf Mel- stimmigkeit, wie die Verbindung von Instrument und Singstimm« und dann wieder die Entwicklung der Jnstrumentenmufik als solche langsam ge­wonnen und gemehrt wird: wie die Fähigkeiten der Instrumente gesteigert werden, wie mit einem Worte vor dem Komponisten ein immer anwachßen- bes Material gehäuft wird, mit dem er nach Be­lieben schalten kann. Es geht eigentlich nichts ver­loren in der Musik, verhältnismäßig schnell kann der folgende sich alles zu eigen machen, was seine Vorgänger erworben haben, und dann geht er weiter und mehrt den Besitz, nur der Geist, in dem er es tut, entscheidet, die Technik ist hier in einem Maße Schulische, eroberungsfähig, wie in keiner anderen Kunst.

Die Musik ist eine Welt für sich, mit ihren eigenen Mitteln, mit ihren eigenen Gesetzen. Diese musikalische Welt dient zu zwei grundverschiedenen Tätigkeiten, die allerdings niemals so scharf ge- jonbert sind, wie es das Wort nun feststellen wird. Man kann diese beiden Richtungen scheiden durch die WorteMusik als tönende Form" undMusik als Ausdruck". Die sinnliche Welt des Tones und der durch Ton und Rhythmus zu gestaltenden Form als Selbstzweck auf der einen Seite, auf der an­deren die Musik als Seelensprache, als reinstes und ausdrucksvollstes Mitteilungsmittel des menschlichen Innenlebens. Beide Wege führen zu unerschöpf­lichen Schönheiten, auf beiden können wir höchste Beglückung durch Kunst erleben.

Der Musik fehlt das Geistige: sie drückt nur die seelische Empfindungswelt aus mit rein seelisch zu erfassenden Mitteln. Wenn unsere Seelen also nicht in Mitschwingung versetzt werden, jo empfinden wir nichts, und so entsteht Leere.

Die Musik verlangt die feinste Art des Hörens. Es handelt sich dabei einerseits, wenn auch weniger, um die Schärfe des Hörens, d. h. die Fähigkeit, möglichst kleine Tonunterschiede wahrzu-

Neuen" kennt, weiß, daß sie bei zivilen Preisen erstklassiges heranzubringen verstehen und so wurde auch diesmal wieder eine ganz besonders schöne Dekoration gefd)affen. Trotz ganz bedeutender Unkosten wurde der Eintrittspreis auf nur Mk. 1.60 einschl. Steuer festgesetzt, um jedem zu ermöglichen den Ball zu besuchen. 3 Kapellen werden dafür sorgen, daß die tanzlustige Jugend genügend der Kunst Terpsichorens huldigen kann. Der' Anfang ist auf 8.11 Uhr und der Schluß auf 3 Uhr fest­gesetzt. Alles nähere wie Vorverkauf usw. siehe auf den Plakaten und in den Inseraten.

Lssrvwrks Saum».

Großkrotzenburg, 9. Jan. Goldene Hochzeit. Die Eheleute Bäckermeister Siegmund Waller und Auguste geb. Joseph feiern morgen das Fest der goldenen Hochzeit. Ende dieses Monats wird Herr Waller 85, seine Frau 78 Jahre alt.

LVeltesbevtckl

Der Luftdruck über Europa ist noch weiter an= gestiegen, so daß er zur Zeit fast nirgends 755 mm unterschreitet, dagegen in Mittelschwc-den und Süds in land über 790 mm gestiegen ist. Im übrigen ist di« Wetterlage unverändert. Vorhersage bis Mittwoch abend: Vielfach neblig, sonst meist hei­ter, trocken, Anhalten des Frostes, schwack» meist östliche Winde. Witterungsaussichten für Don­nerstag: Zunächst keine wesentliche Aenderung.

Kreis Gelnvauien.

)( Somborn, 3. Jan. Der hiesige Kleintierzucht- ocrein hatte seine Mitgliedes und Freu ide zu einem Familienabend im kleinen öaalczur schönen Aus­sicht" am vergangenen Samstag versammelt. Nach der Begrüßung durch den 1. VorsiNenden sprach ein Zuchtkollege einen Prolog, in welchem dem Sportgeiste im Verein, insbesondere der nutzbrin­genden Geflügelzucht in friedlichem Wettbewerbe für Rasse und Leistung Ausdruck gegeben wurde. Durch die Klänge der Weihnachtslieder wurde die Stimmung gehoben. Ein Gönner des Vereins würdigte in einer Ansprache die Bestrebungen der Mitglieder. ..Musikalische und humoristische Darbie­tungen durchstochten den stimmungsvoll verlaufe­nen Abend. Der einheimische Jünglings- und Jungmänner-Verein hielt am vergangenen Sonn- tag im Jugendheim einen schön verlaufenen Fami­lienabend ab. Der Vereinspräses, Herr Kaplan Abel, sprach herzliche Worte der Begrüßung. Im Anschluß daran hielt Herr Lehrer Paul Hupach eine zu Herzen gehende schöne Ansprache. Einige eifrige Mitglieder wurden mit Geschenken bedacht. Der örtliche Radfahrer-Club hielt am Sonntag im Vereinslokal vo, Otto Gutmann auch einen Fa- milien-Abend ab. Der 1. Vorsitzende Rudolf Kreis begrüßte die Anwesenden in herzlicher Weise. Der nachfolgende humoristische EinakterSie will einen Radler" brachte die Lachmuskeln aller in Bewe­gung. Die Kapelle Lotz bestritt den musikalischen

Teil. Humoristische Vorträge durch die

unsrem rrrmsnraren: aas mir fcyonen Breye Freude hervorrief, bildeten den Abschluß

des

Abends. In der schweren wirtschaftlich danieder­liegenden Zeit einen Gesangswettstreit zu inszenie­ren, ist ein gewagtes Unternehmen. Der sich des besten Mufes erfreuende hiesige Gesangverein Sän­gerlust rüstet dessenungeachtet zu einem großen nationalen Gesangswettstreit, verbunden mit 40- jährigem Vereinsjubiläum im Juli dieses Jahres. Für den Wettstreit hat das Protektorat Herr Land- rat Delius übernommen. Die Veranstaltung zum Segen für Verein und Gemeinde zu gestalten er­fordert wohldurchdachte Borbereitungsarbeiten, mit denen der Verein sich schon jetzt eifrig befaßt. Im Juni d. 3._ begeht der hiesige Sportverein e. V. 09 sein 20jâhr!ges Bestehen. Der Vereins- oorstard beschäftigt sich gegenwärtig mit der Frage, in welcher Weise wohl am besten die Feier begangen wird. Der sympathische und aufstrebende

WS

nehmen, andererseits hauptsächlich um die Frage, was wird vom Ohr als Wohlklang empfunden. Hier haben wir nun die merkwürdige Tatsache, daß alle Bereicherung des musikalischen Materials zunächst als unangenehm, als hastlicher oder doch störender Lärm empfunden wurde. Gegen einen Mozart, ja gegen Rossini sind genau so gut die Vorwürfe der Lärmmusik, der Dissonanzhäufung erhoben worden, wie gegen Wagner und Richard Strauß. Gerade weil die musikalische Tonwelt kein Vorbild in der

Natur draußen ist, weil diese Tonwelt ganz für sich geschlossen ist, wird unser Verhältnis zu ihr nur bestimmt durch das, was in dieser Welt bereits errungen ist. Unser Gehör muß gewöhnt werden, und zwar durch die Musik für Musik, andere Hilfs­mittel gibt es da nicht. Für eine neue Klangver­bindung oder Klangfolge in der Musik können wir nur durch das Anhören dieser Klangverbindung ein Gefühl bekommen. Wenn in der Dichtung ün die Stelle einer idealistischen Schilderung die realstische, später die naturalistische tritt, so bleibt für alle biefe Fälle das Mittel der tatsächlichen Welt draußen zum Vergleich, zur Gewöhnung. Wenn ein Musiker eine ganz neuartige Akkordverbindung ausstellt, so mutet er unseren Ohren etwas zu, was diese vor­her niemals haben empfinden können, wofür sie sich nirgendwo anders entstellen. Aber wir ge­wöhnen uns daran, und zwar so sehr, daß dieses "chkt so widerspenstige Gehör nach einiger schön finbet, was es vorher verurteilt hat, ja noch mehr, es vermißt diese neuartigen Klänge dort, wo sie nicht sind. Die frühere Musik veraltet" für die Hörweise. Aus diesen Gründen gibt es nirgendwo mehr Einseitigkeit und Partei- geist als in der Musik. Je mehr das Reich der musikalischen Technik erweitert worden ist, umso schwieriger ist dessen volle Beherrschung, nicht nur für den schöpferischen und ausübende» Musiker, sondern auch für den genießenden. Die Vernuft gebietet uns, dafür Sorge zu tragen, daß unser Gemißvermögen und unsere Aufnahmefähigkeit möglichst vielseitig und umfassend seien.

Die Musik ist neben der Religion die vielleicht tiefste Aeusserung seelischen Lebens, kann, wie kaum lüne andere Kunst jeweils von den breitesten ^Massen ausgenommen werden, ist wenigstens in Deutschland zu den meisten Zeiten mit dem ge- I (amten Leben des Volkes inniger verwachsen als

selbst zuniv Zeit das

Sportverein wird alles daran setzen, um de nHz, [ ften, Freunden und Gönnern den Aufeitthost I Mittelpunkt des Freigerichts ja angenehm wie 7 r i möglich zu machen. Ein Gegner für das ' läumsspiel ist noch nicht verpflichtet. Seinen b: j. : jährigen Maskenball hält der Sportverein am 57 Januar im großen Saale von Konrad SchefsrZä, ; ab.

Arss Aravöfuet Ä« ;

Simm im Sladlpaclament.

: Gleich die erste Sitzung des Frankfurter Stadl- i Parlamentes im neuen Jcihre nahm einen recht i stürmischen Verlauf. Vor Beginn hatten die Kom- s muniffen zu einer Erwerbslosendemonstration auf I dem Paulsplatz eingeladen, in der Konrad Lang über die. von ihm gestellten Anträge sprach. Nach­dem bann der Vorsitzende Heißwolf mit einem Neu­jahrsglückwunsch die Sitzung eröffnet hatte, nwbei er die Hoffnung aussprach, daß die Arbeit im neien ; Jahre im Geiste gegenseitiger Achtung erledigt i werde, kam es schon zu einem kleinen Zusammen­stoß, indem dem nationalsozialistischen Fraktions- . führcr wegen wiederholter Abweichungen vom ' Thema das Wort entzogn wurde. Die Wahl des Präsidiums ergab die Wiederwahl des bisherigen, wobei bemerkenswert ist, daß der 1. Vorsitzende, der Sozialdemokrat Heißwolf, nur 48 Stimmen er­hielt, während die absolute Mehrheit 43 beträgt. Die Kommunisten protestierten hierauf gegen die Anwesenheit von Polizei im Hause und verlangten, daß ihr Antrag auf Unterstützungsgewährung an sämtliche Hilfsbedürftige vorweggenommen und so­gleich belstindelt wurde. Als dies abgelehnt wurde, erhob sich ein ohrenbetäubender Lärm sowohl im Sitzungssaals als auch auf der Gallerio. Dabei tat sich besonders der^Kommumst Aschenbrenner her­vor, der mit der Faust auf das Rednerpult fd^ug und unverständlich schrie. Da der Vorsitzende des Lärms nicht Herr werden konnte, unterbrach er die Sitzung auf kurze Zeit. Bei Wiedereröffnung ver­kündete er, daß Aschenbrenner aus dieser und den drei iolgenben Sitzungen ausgeschlossen werde und gab Befehl, die Galerie zu räumen. Ein ohren­betäubender Lärm folgte, in dessen Verlauf es bei­nahe zu Handgreiflichkeiten zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten gekommen wäre. Die Räu-

mutig der Galerie gestaltete sich sehr schwierig, da das Publikum, meistens Arbeitslose, nur wider­willig den Anordnungen der Rathauswächtcr folgte. Schließlich wurde auf der Gallerie die Kommunisten

Internationale angestimmt, die hie im Saale ebenfalls mitsingen. "" Gallerie geräumt ist, fordert Kreimer nochmals auf, den Saal

dieser aber nicht befolgst Darum Schupobeamte und Äschenbrennc- nachdem er noch in einer lauten und

schließlich die wolf Aschen- -lassen, was

v-einen zwei folgt diesen, erregten An­sprache erklärt hat, daß er nur der Gewalt weiche, ; mit den Worten:Es lebe die Republik mit dem Leutnant und zehn Mann!" Nun kann endlich in die sachliche Beratung eingetreten werden, die aber nach diesen aufregenden Vorgängen kein großes

Interesse mehr hat, so daß die Tagesordnung..ziem­lich rasch erledigt werden kann. Selbst die dann noch

Mitglieder l-w imu; (»»w »«vuiu,>. ^tlull ^

über die Erwerbslofennot finden sein Publikum mehr. Die Vorlage des Magistrats über die Umgestaltung des Maschinenamtes geht an den Ausschuß. Nach Erledigung einer ganzen ReihcM von Anträgen und Ausschußberichten schließt die erste soverheißungsvoll" begonnene Studtverord- nekensitzung dieses Jahres.

Kleine Frankfurter Rundschau.

In einem Engrosgeschäft auf der Kaiferstroße wurde gestern ein Dokumentendiebstahl verübt. Aus einem Kalsenschrank, der während der Ge- schästsstunden unverschlossen bleibt, wurde eine Dokumentenmappe entwendet, die neben einer An­zahl Gcschäftspapiere auch Wechsel in einem Ge­samtbetrag von mehreren Tausend Mark enthielt. Der Diebstahl der Mappe bedeutet für die Firma einen großen Verlust. Aus einem hiesigen Atelier

es

eine andere Kunst. Unsere Aufgabe muß also sein: Die Menschen durch gute Musik zur guten Musik zu erziehen, ihnen nur gute Musik zuzuführen, dafür zu sorgen, daß sie sich nur mit guter Musik be­schästige», das Volk im weitesten Sinne die Schätze der Musiklitcratur zugänglich zu machen, ihm da­durch die Anregung zu ' eigenem Nachdenken und eigenem Handeln für das Beste der schönen Kunst, der Musik zu geben.

Nicht nur Kunst ins Volk zu geben gilt es, son­dern sie aus diesem Volke heraus zu entwickeln. 'Jlirgenbroo ist das leichter als bei der Musik. Die Anlagen sind da, sie bedürfen nur der Pflege. Die Schule, die Gemeinde, das Haus und die Kirche haben hier eine herrliche Aufgabe zu erfüllen. In langsamer, stetiger Arbeit wird es gelingen, unserem Volke erneut wirkliche musikalische Kultur zu bringen.

0 Stadttheater. Aus dem Thcisterbüro wird uns geschrieben: Infolge Erkrankung des Frl. Opitz und des Herrn Schmidt muß bie'beutige Ausführung der OperDie toten Augen" auf nächsten Mittwoch verlegt werden. Als 15. Vorstellung im Mittwoch- Abo inement gelangt bafür heute abend 8 llhr zur AufführungDie Frau, die jeder sucht" Lustspiel in 3 Akten von Ludwig Hirschfeld. Kommenden Freitag, abends 8 Uhr3. Kammerspielabend". Zur Aufführung gelangt zum ersten MaleDer Wett­lauf mit dem Schatten" Schauspiel in drei Auszügen von Wilhelm v. Scholz. Hier spricht ein Dichter Z" uns, /bet mit Glück dramatisches Neuland juchte- Ohne Nachlassen der Spannung, eher mit deren wachsender Steigerung baut er die Szenen bis zum Schlüsse auf und packt dadurch Hirn und Herze i- 3n diesem Schauspiel steckt alles, was ein wertvol les Stück ausnwd#. Eine gute Handlung, ein schaN- sinniger Dialog, ein warmblütiges Empfinden, durchwoben von frappierend fesselnden Momenten, die die Schürzung des dramatischen Knotens gonz jelbstverständlich nach sich ziehen. Der Abend be­deutet ein literarisches Ereignis für den Theaterbc suchen Am Samstag, abends 8 Uhr, wird zu kleiien Preisen vielfachen Wünschen entsprechend nochmalsDer lebende Leichnam" Gljaufpict 11 Bildern von Leo N. Tolstoi wiederholt.