Einzelbild herunterladen
 

Seite •

Samstag den 5. Januar 1929

Ar. 4

Die Saktuns segettübevLttsa^en von Kraftwagen

Sei Unfällen von Kraftwagen müssen Führer und Besitzer von Fahrzeugen oft auch für solche Schäden haften, die die Insassen der Fahrzeuge er« leiden. Diese Schadenersatzpflicht ist nach dem Bür­gerlichen Gesetzbuch besonders dann gegeben, wenn den Führer des Kraftfahrzeuges ein Verschulden trifft. Bei dem strengen Maßstabe den Gesetz und Rechtsprechung an die Sorgfaltspfttcht des Straft* fahrers legen, besteht für diesen die ständige Gefahr, daß ihm die kleinste Unaufmerksamkeit oder der ge­ringste Fehler als Schuld angerechnet wird. Diese Haftpflicht ist um so peinlicher, als es sich in den meisten Fällen um die Mitnahme von Personen als Gefälligkeit handelt und sowohl Führer wie Halter des Fahrzeuges bei der Einladung zur Mitfahrt sicher nicht daran denken, daß sie ihre Gefälligkeit sich möglicherweise eine schwere geldliche Belastung auserlegen, ja oft den Verlust eines Vermögens zu beklagen haben. Es besteht indessen die Möglichkeit, die Gefahr abzuwenden, und zwar durch einen ver­traglichen Ausschluß der Haftung. Diese muß dann in der Weise geschehen, daß der Führer oder Halter des Krafttohrzeuges vor Beginn der Fahrt mit dem Teilnehmer vereinbart, daß eine Haftpflicht des Führers oder Halters ausgeschlossen sein soll. In letzter Zeit sind in den Kraftfahrzeugen Schilder an­gebracht, daß für etwaige Unfälle kein« Haftung übernommen wird. Auf diesem Schild heißt es: „Sie fahren in diesem Wagen auf eigene Gefahr." Diese Lchilder können ihren Zweck erfüllen, jedoch ist zum Abschluß des notwendigen Vertrages erforderlich, daß der Insasse das Schild gelesen und sich mit feinem Inhalt, sei es ausdrücklich, sei es stillschwei­gend, einverstanden erklärt hat. Außer der An­bringung des Schildes ist es also stets notwendig, die Insassen vor Beginn der Fahrt noch besonders auf den Inhalt des Schildes aufmerksam zu machen. Weder bei einer mündlichen Vereinbarung, noch bei der Benutzung des Schildes ist jedoch die Gefahr einer haftpflichtigen Inanspruchnahme keineswegs ausgeschlossen. Es ist eine bekannte Erfahrungs­tatsache, daß später häufig die Vereinbarung über die, Haftpflicht abgestritten wird. Dann hat der Fichrer oder Holler des Wagens den von chm behaupteten Ausschluß der Haftung zu beweisen. Dieser Beweis wird, zumal häufig Zeugen fehlen, nicht immer leicht zu führen sein. Deshalb ist ein schriftlicher Vertragsabschluß etwa in folgender Form zu empfehlen: „Ich verzichte hiermit aus­drücklich auf die Ansprüche, die sich aus meiner Teilnahme an der Fahrt gegen den Führer und Halter des Wagens ergeben können." Es mag un­angenehm fein, vor der Fahrt von einem Teil- nchmer diese Erklärung zu verlangen, weil dadurch bie Teilnehmer glauben, daß ihnen auf der Fahrt allerlei Ueberraschungen bevorstehen. Der gesunde Selbsterhaltungstrieb des Führers und Halters des Kraftfahrzeuges, zumal bei Gefälligkeiisfahrten, läßt jsdoch bie geratene Vorsichtsmaßnahme unbe­dingt als, berechtigt erscheinen, auch in Anbetracht der Schwierigkeiten, die oft die Haftpflichtversiche- rungsgsiellf chaften bereiten, wenn sie für einen Schadensfall eintreten sollen.

* MnsHftmn g von Betrieb sh elsetn in der Ersten Hilfe. Wir machen an dieser Stelle darauf auf­merksam, daß die nächste Kursusstunds zur Aus­bildung von Betriebshelfern durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Hanau, am Dienstag, den 8. Januar, abends 8 Uhr in der Gewerblichen Berufsschule, am Iohanneskirchplatz stattfindet.

• Der Deutsche und Oesterreichisch« Alpenverein Sektion Hanau hätt sein Winterfest Hochzeit in Gramais" heute abend in der Stadthalle ab. Das Fest verspricht ein gesellschaftliches Ereignis zu werden.

• Gegen den Medaillen schwindel. Der Reichs- finmizminister hat eine Verordnung üher die Her­stellung von Medaillen und Marken erlassen, die sich gegen den Medaillenschwsndel richtet und da­

gegen, daß Medaillen und Marken den Münzen und Briefmarken ähnlich hergestelll werden. In der Verordnung heißt es u. a.: „Medaillen und Marken dürfen nicht das Re ichs Wappen, den Reichsadler oder ein Münzbild tragen, das mit einem auf Reichsmünzen befindlichen Münzbild übereinftimmt. Es ist verboten, zu geschäftlichen Zwecken Medaillen in einer Weise als Münzen zu bezeichnen, die geeignet ist, den Anschein zu erwecken, als handle es sich um Reichsmünzen, oder für Medaillen eine Bezeichnung anzuwenden, die diesen Anschein erwecken kann."

* Der Kleingärtner im Januar. Mit dem Be­ginn des Jahres denkt der fleißige Kleingärtner an die Besorgung der Frühjahrssärnereien. Die ersten Aussaaten können bei schwerkeimigem Ge­müse bereits im Januar in frostfreien Räumen vor­genommen werden. Die Erde bringt man recht­zeitig in einem geschützten Raum unter. Tomaten, Sellerie und Blumenkohl vertragen eine frühe Aussaat, man sollte jedoch nicht zu dick säen und den Samen nicht stärker bedecken, als das Samen­korn dick ist. Die ausgelaufenen Samen werden an Hellen und nicht zu warmen Orten aufgestellt. An ganz geschützten Stellen bei günstigem Klima kann man schon Ende Januar mit der Anlage von Mist­beeten beginnen. Dabei ist darauf zu achten, daß die frische Mistpackung ausreichend ab gedunstet ist. Die Mistbeete müssen auf Mäuse- und Maulwurf­schutz geprüft werden. Das Auslegen eines eng­maschigen Drahtgeflechtes ist der beste Schutz. Gegen Ende des Monats kann man schon einige Aussaaten ins Freie wagen. Es eignen sich Spinat, Puffbohnen, Gewürzkräuter, frühe Erbsen, Ka­rotten und auch schon Möhren zur Frühsaat. Das Säen erfolgt in Reihen, wobei genügender Abstand zur Entwicklung der Pflanzen zu lassen ist. Früh­kartoffeln setzt man zum Dorkeimen in flache Kästen; bei alten Sämereien muß die Keimprobe gemacht werden, um schlecht keimende Saaten aus« zuscheiden. Die größer werdenden Sämlinge müssen rechtzeitig verstopft werden, wenn sie kräftige Pflanzen bringen sollen.

* Obstbäume beschneiden! Den ganzen Winter hindurch bis zum Beginn des Frühjahres ist es Zeit, im Obstgarten die Bäume zu beschneiden und auszulichten. Die Arbeit soll an einem nicht zu kal­ten Tage vorgenommen werden, außerdem muß sie vor dem Safttrieb der Bäume erledigt sein. Jeder Baum muß darauf geprüft werden, ob nicht Zweige vorhanden sind, die sich reiben oder zu­sammenwachsen. Einer von den störenden Zweigen nuß dann herausgenommen werden. Selbstver­ständlich sind alle dürren und trockenen Aeste, eben­so wie die Wasserschosse zu entfernen. Das Aus­lichten der Bäume muß sorgfältig geschehen; dabei ist vor allem die kommende Belaubung zu berück- sichtigen. In der Gartenkultur pflegt man jetzt ein gründliches Durchlichten der Bäume, da nur bei ge­nügendem Herantritt der Sonne gute Früchte er« Ziest werden können. Zweige, die eine Lücke in der Baumkrone ausfüllen, läßt man stehen. Moose und Flechten an den Bäumen werden mit einer Stahl­drahtbürste entfernt. Das Brechen größerer Aeste erfordert ein Ansägen des Astes, sonst wird beim Abbrechen des Astes oft die Baumrinde beschädigt. Wenn mit einem Messer Zweige glatt abgeschnitten sind, jo soll man die Schnittwunden mit tattflüffi« gern Baumwâchs bestreichen. Die Stammzweige müssen ohne zurückbleibende AeWÜmpfe entfernt werden. Die Entfernung der Wurzelschösse sollte man ebenfalls nicht versäumen. Kranke Stellen wer­den nach einer Reinigung mit Wasser und Aus­kratzen mit Lehm oder Holzteer ausgefüllt.

* Evangel. Kasino. Wie aus der gestrigen An­zeige hervorging, feiert das Evangel. Kasino am morgigen Sonntag sein Winterfest in den Räumen der Turngemejnde, Jcchnstraße. Mitglieder und Freunde nebst Angehörigen sind zu diesem Abend freundlichst eingeladen. Es werden ihnen einige angenehme Stunden geboten werden, an die sie gerne Mrückdenken werden.

* Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung des Evangel. Abeitervereins. Am 30. Dezember 1928 feierte, wie alljährlich, der Evangel. Arbeiterverein im Sälchen zum Löwengärtchen feine Weihnachts­

feier 3um ersten Mal seit der Vorkriegszeit, ver­bunden mit einer Kinderbescherung. Nach einem flott gespielten Musikstück begrüßte der 1. Vor­sitzende mit herzlichen Worten die zahlreich erschie­nenen Gäste und Mitglieder. Während der Vorbe­reitung des Programms und der Kinderbescherung wurden 54 Kinder der Mitglieder und Gäste bewir­tet, als plötzlich die Botenfrau erschien und den Weihnachtsmann anmeldte, der ihr auf dem Fuß folgte und sämtliche Kinder zur Bescherung abholte, worauf jed p, Kind sein schönes Weihnachtspaket be­kam. Nach Absingen einiger Weihnachtslieder wurde das Programm eröffnet, nachdem von einigen Kin­dern schon vorgetragene Liedchen, Gedichte und Zwiegespräche gebracht wurden, kam die Ueber» raschung des Abends in Gestalt eines melodramati­schen Vortrages „Jünglings Weihnachtstraum", vorgetragen von Fräulein Seitz. Der Erfolg des Vortrags war groß; sie wurde von Fräulein Sanni Löffler am Klavier begleitet Die Festrede hatte in liebenswürdiger Weise Herr Kreispfarrer Bär übernommen. Zur weiteren Verschönerung des Festes trug das Quartett 1924 bei, das unermüdlich mit gut vorgetragenen Liedern die Pausen aus- füllte. Reicher Beifall bewies allen Darstellern und Mitwirkenden wie dankbar ihre Leistungen aner» sannt wurden

♦ Die Weihnachtsfeier des Gesangvereins „Germania". Zu einer Weihnachtsfeier in recht familiärem Kreise hatte der Gesangverein „Ger­mania" alle Freunde und Gönner am Sonntag, 30. Dezembe?, in der Turnhalle eingeladen. Zahl' reich hatte man der Einladung Folge geleistet und so war bei Beginn der Festlichkeit der geräumige Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Verbunden mit der Weihnachtsfeier, war die Ehrung ver­dienter Jubilare. Nach einem Eröffnungsmarsch wickelte sich das schön zusammengestellte Pro­gramm flott ab. Die Begrüßung und auch später die Ehrung der Jubilare, wurde von dem 2. Vor­sitzenden, Herrn Hch. Reiß, vollzogen Herr Reiß begrüßte die Anwesenden, ganz besonders die Herren von den eingeladenen Gesangvereinen, so» wie den Vorsitzenden, Herrn I. Paul, von der Bereinigung der Hanauer Gesangvereine. Im zweiten Teil des Programms wurde die Ehrung der Jubilare vollzogen. Geehrt wurden für 25- jährige Mitgliedschaft die Herren Ernst Hoffmann, Wilhelm König und Theodor Strohschnitter. In den Ausführungen des Herrn Reiß. wurden die Verdienste die sich die 3 vorgenannten Herren um den Verein erworben haben, ganz besonders gewürdigt. Als Zeichen äußerer Anerkennung, wurden den Jubilaren Diplome, sowie die goldene Sängernadel überreicht. Im Namen der vereinig­ten Gesangvereine richtete Herr Jean Paul vor­trefflich« Worte an die Jubilare, iowie an die An­wesenden und forderte sie auf, den Jubilaren nachzueifern. Gleichzeitig überreichte Herr Paul den Jubilaren ebenfalls ein Diplom und bat sie, dem Verein auch weiterhin die Treue zu bewah­ren. Aus dem weiteren Programm feien noch her­vorgehoben, die beiden Theaterstücke, sowie die Vorträge des Zitherquartetts und nicht äufc^t die Sänger unter Leitung des Herrn Dirigenten Gg. Wagner, sowie die Feuerwehrkapelle. Alle vor­genannten haben Vorzügliches geleistet und ihnen gebührt ganz besonderer Dank und Anerkennung für den ichönen Verlauf bet Veranstaltung.

* Maskenball des Gesangvereins „Germania". Wir möchten heute schon auf den am Samstag, 19. Januar, in sämtlichen Räumen der Turnhalle, Jahnstvaße, stattfindenden Maskenball Hin­weisen. Alles Nähere wird noch bekannt gegeben.

Landkreis Kana«.

Großkrotzenburg, 5. Jan. Entschließung in der Wasserversorgungsangele­genheit. In der Wasserversorgungssache der Ge­meinde Großkrotzenburg haben die bürgerlichen Vertreter des ©emeinbeoorftanbes u. der Gemeinde­vertretung folgende Entschließung einstim­mig angenommen: Die in einem Flugblatt der kom­munistischen Partei, in einer Versammlung und in

der Arbeiter-Zeitung verbreiteten Verdächtigungen der Gemeindeverwaltung und des Herrn Bürger­meisters Noll werden auf das schärfste zurückge­wiesen. Bürgermeister Noll hat in steter Fühlung­nahme mit der Gemeindevertretung in der Trink- wasserangelegenheit gegen die SemeriX :ft Gustav in jeder Beziehung die Interessen dec Einwohner­schaft vertreten. Aus eigener Initiative heraus hat er den Sachverständigen wertvolle Vorarbeiten ge­leistet und Unterlagen verschafft, so daß die Sach­verständigengutachten schon in allernächster Zeit fertiggcstellt werden können. Nachdem ein kom­munistisches Gemeindevorstandsmitglied, das neben­bei erst acht Tage der Gemeindekörperschaft ange­hörte, ohne Mitwissen seiner Fraktion in einem Flugblatte nicht nur die Einwohnerschaft, sondern auch die Gemeindevertretung zu einer Versamm­lung einlud und in einem Flugblatte erwähnte: „Der ©emeinberat hat noch keinen Finger gerührt, um die Wassernot zu beseitigen". Hat der Bürger­meister nur feine Pflicht getan, wenn er die Ein­wohnerschaft nach vorheriger Beratung mit der Ge­meindevertretung dahin aufklärte, daß die Ge­meindevertretung es ablehne, in einer' Parteiver­sammlung zu erscheinen, weil die Wassernngelegen- Heit keine Parteisache, sondern eine Gemeindeange­legenheit sei, die die Gemeindevertretung für die gesamte Einwohnerschaft ohne Unterschied der Par­tei erledige and auch der Einwohnerschaft Aufklä­rung gebe, fob alb. bie Sachverständigengutachten vorliegen würden. Wenn die kommunistische „Arbei­terzeitung" schreibt: „Der Bürgermeister Noll soll sogar einen Vorschlag der Gewerkschaft Gustav, auf Scmeinbegelänbe einen Brunnen mit gesundem Wasser zu erbohren, abgelehnt haben, wissen wir nicht, ob der Grad der Verantwortungslosigkeit eines Bürgermeisters seiner Gemeinde gegenüber noch überboten werden kann", und die Gemeinde­vertretung, einschließlich bet kommunistischen Frak­tion, tritt in der folgenden Sitzung einstimmig der Ansicht des Bürgermeisters bei und lehnt die Er- bohrung eines jolcfjen Brunnens ab. weil dieser nur zu Versuchszwecken und nicht zur Lieferung von Trinkwasser erbohrt werden soll, so zeigt dieser Fall zur Genüge, wie solche verhetzende Artikel zu bewerten sind.

Langendiebach, 4. Jan. Schulsparkasse. Auch im Jahre 1928 hat die hiesige Schulsparkasse einen günstigen Abschluß erzielt. Die Spareinlagen im vergangenen Jahre betragen 6510 RM 60 Pfg., die auf der Langendiebacher Darlehnskasse angelegt sind. Dm Sparern wurden 8 Prozent Zinsen ge­zahlt. Der Bestand am 31. Dezember 1928 betrug 14101 RM 72 Pfg. Den Konfirmanden des Jahres 1929 wurden zu Schulbeginn 3218 RM 80 Pfg. Einlagen zurückgezahlt, damit sie in den Januar­ausverkäufen sich die Ausstattung zur Konfirmation erstehen können. Diese nützliche Einrichtung sollte in jedem Orte eingeführt werden.

wett«v»r^â

Im hohen Norden hat die Zyklonentätigkeit wieder sehr zugenommen, wodurch das starke Hoch­druckgebiet, dessen Achse von England bis Nord­polen reicht, nach und nach abgebaut werden wird. Auf unser Gebiet wird sich jedoch kein Einfluß «r- geben, so daß das Frostwetter weiter anbauert. — Vorhersage bis Samstag abend: Meist bewölbt. zeitweise leichte Schnèèfauè, Ändauern des Frostes östliche Winde. — Witterungsaussichten für Sonn­tag: Keine wesentliche Aenderung.

---Was isi Togal? ---

Togal-Tabletten sind ein hervorragend bewöhries Mittel bet Rheuma. Gicht. Ischias, Grippe, Nerven- und Kopfschmerz, Erkältungs­krankheiten.

Schädigen Sie sich nicht durch mtnbermerttge Mittel! Lau» notarieller Bestätigung anerlennen über 5000 Aerzie, barunter vie.e bedeutet de Pro­fessoren, die gute Wtriung des Togal. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apoiheten. Preis Mk. 1.40 Q.46Chin. 12,6 Lith. 74,3 Acid. acet. sal. ad ICOAmyj

Drittes Siâdti «es Abonnements - -komert

Das dritte Städtische Aboniementskonzert in der Stadthalle brachte für Hanau eine hervor- rogenbe Erstaufführung, Gustav Mahlers Vierte Symphonie in G-dur. Das m den Jahren 1899 und 1900 entstandene herrliche Werk ist in den Vorbesprechungen bereits eingehend behandelt worden.

Die Ausführung ließ b.c Symphonie zum Gr» lebte werden. Musikdirektor W. Naue entwickelte mit dem großen Orchester ein klar gezeichnetes Bild der Symphonie; pactenbe Steigerungen, brei­ter fließender Melos der in Wiener Färbung ge­tauchten Melodielinien, Architektonik und Ein­gehen auf die Solistin im Schlußsätze waren die Vorzüge der eindrucksvollen Wiedergabe. Der erste, dritte und letzte Satz waren Meisterleistüngen. Beim Begleiten der Sängerin war das piano zu dick im Ton (Schlußsatz der Symphonie, Takt 101 bis 103, und Mozararie „Dir weih' ich in der Eadenz); die Solovioline hätte noch feiner und sin­gender im Tone ihre Partien geben sollen. Die Solistin des Konzertes, Ria Ginster aus Frank­furt, begeistert« die Zuhörer mit ihrem perlenden und glockenreinen Koloratursopran. Die Künstlerin lang chre Partie in her Symphonie mit größtem Erjplge. Ihre technische wie musikalische Wieder­gabe der herrlichen Komposition ist höchsten Lobes würdig. Die Stimme ist blühend im Tone, in allen Lagen von hervorragender Ausgeglichenheit und einem Volumen, das der großen Stadtholle ge­nügte. Von den zu Anfang gefunge ien Mozart- arien war bas .Hallelujoh" wohl am besten Die junge Künstlerin ersang sich einen Riesenerfolg in diesem Konzert.

Die zu Beginn gespielte Leo wren-Ouvertüre Nr. 3 von Beethoven war des Frankfurter Symphonie-Orchesters voll würdig; das schöne Werk^ wurde packend und klar herausaearbeitet.

Für Orchester, Dirigent und Solistin bedeutet v.efes Konzert einen ausgesprochenen Erfolg.

Dr. E. H.

€0<5C Mwss. künstlet?

Wovon sie leben. — Rettendes Kunstgewerbe. — Eine aufschlußreiche Rundfrage.

o In einer Zeit, die nach der herrschenden An­sicht wenig für Kunst und Kultur übrig haben soll, ist es lehrrreich zu erfahren, wie die Künstler in dem kultivierten Schweden ihren Unterhalt ver­dienen. Ein« große Stockholmer Zeitung hat nun bie verschiedensten Künstler über ihren Existenz­kampf befragt. Unter den 450 000 Einwohnern Stockholms leben 2000 Künstler, unb diese Zahl vermehrt sich jedes Jahr um 100. Man hat der schwedischen Kunstakademie den Vorwurf gemacht, daß in biet er Anstalt zu viel Künstler ausgebildet werden; wie einer der leitenden Professoren er» klärt, stammt der Nachwuchs jedoch vorwiegend nichr von der Kunstakademie, da dort höchstens 20 Schüler jährlich ausgebildet werden. Nach seiner Ansicht verdienen von den Malern, die Staff.lei» bilber ausstellen, nur 30 bis 40 den Namen „Künst­ler". Aus den Antworten geht hervor, daß die dekorative Kunst den jüngeren Künstlern sozusagen das Leben gerettet hat Die Maler, Bildhauer, Akademieschüler und Schüler der Kunstschulen haben jetzt Gelegenheit, sich neben ihrer eigentlichen Ar­beit anderen künstlerischen Aufgaben zu widmen. Auf dem ©ebiet der dekorativen Ku- st — worunter in Schweden auch das Kunstgewerbe zu verstehen ist — erlebt man in Schweden eine Art Renaissance; das kann man unter anderem an der Ausschmückung des weltberühmten Rathauses erkennen. Trotz der ständigen Zunahme der Künstler ist durch die wach­senden kunstgewerblichen Aufträge ihre Lage kaum verschlechtert word:n. Das Kunstq^werbe erweitert das Verständnis für die Kunst überhaupt unb ist der normale Ausdruck einer starken geistigen Vitali­tät. Mäzene gibt es im Grunde genommen nicht mehr, aber bei der bürgerlichen Klasse zeigt sich wie­der ein wachsendes Interesse für die Kunst, obwohl man auch, in Schweden lieber ein Auto als ein teures Bild kauft.

Künstler ohne Gelegenheit, sich mit der deko­rativen Kunst zu beschäftigen, haben es aber sehr schwierig, überhaupt ihr Dasein zu fristen. Man sucht nach allen möglichen Auswegen: einige ver­fertigen Massenporträts nach Photagranhlen, andere malen täglich ein Bild und versuchen, es in den kleinen Städten abzusetzen. Agenten bedenklicher

Art umschwärmen die armen Künstler, um sie aus» zunutzen — und zuweilen zu Fälschungen anzu­regen. Radierungen, die nur einen Wert von 50 Pfennig haben, werden zu Phantasiepreisen ver­kauft. Am schwierigsten gestaltet sich die Wohnungs­frage, da bie meisten Künstler in kleinen, schlecht möblierten Zimmern arbeiten müssen; die Ateliers, die 1500 bis 2000 Kronen kosten, mieten wohl­habende Kunstdilettanten, meist Damen und Groß­kaufleute. Ein Atelier im modernen Stockholm gleicht oft einem Vergnügungsloka!, in dem man Tee serviert und zu Grammophonmusik tanzt. Viele Schüler der Akademie verdienen eher die Bezeich­nung „Lebenskünstler" als Künstler schlechthin; sie leben von Kaffee und einigen Brötchen für eine Summe von 25 Pfennig am Tag. Daneben gibt es aber noch immer viele Künstler, deren Eltern reich sind, unb Maler, die reich geheiratet haben ober deren Frauen zur Erhaltung der Familien bei« tragen. — Uebrigens beschäftigt die schwedische In­dustrie eine beträchtliche Zahl kürstlerischer Mit­arbeiter, die ursprünglich nicht die Absicht hatten, sich auf diese Weise ihr Brot zu verdienen. Man findet Porträtmaler unb frühere Bildhauer damit beschäftigt, Entwürfe für die Porzellanindustrie für die Herstellung von Kunstgläsern oder von Zinn­erzeugnissen anzufertigen. Es ist zur Unterstützung der Künstler auch vorgeschlagm worden, endlich ein Museum für die Kunst der Lebenden zu errichten, da das staatliche Museum in Stockholm nur über ein einziges Zimmer für bie Werke der lebenden Künstler verfügt. Endlich wäre es kein Unglück, wenn man die Menge der Schüler bei der Auf­nahme in bie Kunstschulen „sieben" würde; wurde doch kürzlich festgestellt, daß in ganz Schweden 6900 Künstler leben.

o Sfabttfjeater. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Heute Samstag, abends 8 Uhr findet als Schüler- unb Bolksvorstellung zu kleinen Prei­sen von 50 Pfg. 1 Mork uid 1.50 Mark die letzte Wiederholung von „Die Braut von Messina" Schauspiel in 4 Akten von Friedrich von Schiller statt. — Sonntag nachmittags 3 Uhr wird eben« falls zum letzten Male unb zwar zu ermäßigten Preisen bet erfolgreiche Operettenschlager „Liebe und Trompetenblosen", Operette in 3 Akten von Marc Roland wiederholt. - Sonntag, abends 7^ Uhr gelangt „Die toten Augen", Oper von Eugei

d'Albert zur Aufführung. Für die Partie der „Ma­ria von Magdalena" konnte Fräulein Betty Merg­ler vom Opernhaus Frankfurt a. M. verpflichtet werden. Durch diesen Gast dürfte die Aufführung dieser Oper, die an sich schon ein unbestrittener Er­folg für bas hiesige Theater gewesen ist, noch be« deutend gewinne»

o Was deutsche Städte 1929 feiern werden. Schon längst haben die Kämmerer der deutschen Städte ihren Oberbürgermeistern klar gemacht, daß Mtnpiele unb Festwochen ein wirkungsvolles Mittel für die Förderung des Fremdenverkehrs sind. So ist es denn kein Wunder, daß auch das Jahr 1929 wieder eine große Zahl solcher Veran­staltungen bringt Zum ersten Male tritt die Reichs­hauptstadt Berlin als Festspielstadt auf, Bon Ende Mai bis Ende Juni wird sie auf allen Gebieten der Musik, der Oper, des Schauspiels usw. Spitzen­leistungen bringen. In Augsburg gehen an den Sonntagen des Juli und August nächtliche My- sterien-Spiele vor dem Ulrich-Münster in Szene. Baden-Baden sieht Mitte Mai bie Mozart-Fest- jpiele und Mitte Juli bas Deutsche Kammermusik­fest, sowie vom 23. August bis 1. September feine übliche „Große Woche". In Bruchsal werden im Juni die historischen Schloßkonzerte veranstaltet. Brounschweia und Wolsenbüttel haben am 19. Ja­nuar Goethe-Lessing-Gedenkjahr mit Festspiel­wochen. In Duisburg findet im Juni das große deutsche Tonkünstlersest statt. Düsseldorf kündigt für bie Pfingstwoche das 99. Niederrheimschs Musttsest an. Eisenach bietet u. a. im Juli und August die mittelalterlichen Mysterienspiele von den zehn Jungfrauen. Anfang Mai werden auf der Burg die „Wartburg-Moientage" abgehalten. In Freiburg werden am 22., 25. und 29. Juli Volksspiele am Münster durchgeführt. Heidelberg veranstaltet vom 21. bis 23. Mai sein viertes Musikfest unter Lei­tung von Furtwängler sowie im Juli und August die Heidelberger Festspiele mit Ausführungen von Shakespeare und Gerhart Hauptmann. Weitere Festspiele ober Feiern kündigen an Hildesheim (Vierhundert Jahre Knochenhauer-Amtshaus), Mainz, Marburg und München vom 23. Juli bis 31. August Festspielwache, Rörd"ngen fim August) Freilichtspiel anno 1634. Nürnberg, Reutlinoen, Rothenburg o b. T, Tübingen, Wiesbaden, Würz.

1 burg (Mozartfest Ende Juni) usw.