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Mittwoch den 2. Januar 1929

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Itr. 1

LoLaleS.

Grotzauheim, 2. Januar.

LV e das neue Lavv begann

Prosit Neujahr! Haben Sie es gut angefan­gen?" das war die Frage von gestern und heute. Immer wieder wurde man gefragt, aber gerne gab man Auskunft und wünschte sich Glück für das neue Jahr. Wie hat man es nun gefeiert? Nun, wie alle Jahre.

In den Familien und in den Vergnügungs- lokalen

wurde dem entschwundenen Jahr ein guter Abgang und dem neuen ein überschäumender Empfang be­reitet. Vergessen waren Sorgen und Leid, die Freude triumphierte und jeder haschte nach dem Glück, um ein wenig für sich zu erobern. Allüber­all, wo man sich in traulicher Runde vereinte, war echte Fröhlichkeit eingekehrt. Im Kreise der Familie kam der Punsch zu Ehren, der Weihnachtsbaum erstrahlte noch ein letztes- mal in seinem Glanze und eine a«lück- liche Hand führte mit dem Bleiguß zukünftiges Glück ins Haus. In den Restaurants und Kaffees ging es hoch her, der goldene Wein, Musik, Lieder und Tanz erzeugten Stimmung, die Schranken fie­len und alle Menschen wünschten sich neidlos und herzlichviel Glück im neuen Jahr."

Spaßmacher - trieben Unsinn und man cher Wirt hatte auch ein originelle Ueberraschung für seine Gäste. Jeder fühlte sich als Mied einer großen Gesellschaft, als die beiden Uhrzeiger auf der 12 übereinanderslanden.

3m Theater war ebenfalls Hochbetrieb. Vis auf den letzten Platz war das Haus ausverkauft, denn jeder wollte sich an der Raketenfahrt in s neue Jahr beteiligen. : Daß auch jede Rakete zündete, dafür hatten die Künstler Sorge getragen, zwar leuchtete die eine mehr als die andere, aber es knatterte alles so flott herunter, daß man mit diesem Feuerwerk wohl zu­frieden sein konnte. Unter der flotten Confèrence von Edy Kurt wickelte sich das Programm ab. | Gesangsnummern wechselten ab mit Tänzen und j komischen Vorträgen und am Schluffe gab es den ff reizender EinakterLottchens Geburtstag" von I Thoma. Man amüsierte sich köstlich.

Auf der Straße.

Das nach den langen Regentagen plötzlich ein­getretene trockene klare Wetter begünstigte das ; mitternächtliche Silvestertreiben auf den Straßen außerordentlich. Besonders die Jugend ließ ihrem I tollen Uebermut durch das Explodierenlassen un= I zähliger Knallkörper ungezügelten Lauf. Das krachte, pfiff und knallte bis spät in die Nacht I hinein, aber niemand nahm Anstoß. Es wurde ja " Neujahr gefeiert.

Die Sportler.

Als die Silvesterbummler am Neujahrsmorgen l einzelnen Skisportlern mit ihren schweren Hölzern | auf dem Rücken begegneten, da glaubten sie in ihrer Ulkstimmung wohl nicht, daß diese geradezu ideale Schneeverhaltnisse vorfinden würden. Aber diesmal wurden sie wirklich entschädigt die Skier, es gab Neuschnee und Frost, also ideales Sport­wetter.

Jeder hat das Seine bekommen zum neuen Jahr, das ist ein gutes Omen. Aber nun ist nach Weihnachten, Silvester und Neujahr der graue All­tag wieder in seine Rechte getreten. Das neue Jahr hat schon eine kleine Strecke seines Laufs zurückgelegt. Möge es die Erfüllung der Wünsche bringen!

Samrav

Inden meisten deutschen Gebieten ist derJanuarder eigentliche und vielfach auch der einzige echte Win­termonat. Der Dezember bringt wohl auch ab und zu klingenden Frost, der aber meist nur selten von langer Dauer ist Durch den Februar aber weht schon ein ganz leiser Hauch des nahenden Früh­lings. Der Januar dagegen, der Hartung der Alten, ist ein gar trotziger Gesell, der nicht mit sich spaßen läßt, ein rauher unerbittlicher Herrscher. Um seine

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Roman von Urlut Brausewetter

Copyright 1916 bj Georg Weelerineno Breuoeohwelg

I 73. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Gleich ben nächsten Tag nach jener Unterredung I mit ihr hatte er Alt-Stürckau verlassen. Nun stand I er jeben Morgen auf mit dem Entschluß, wieder I zu ihr zu fahren. Er schob es aus mit einer Ener- I 8>e, die ihn bis aufs Blut peinigte nur um es j doch vor sich zu haben. Doch die Tage, da er sie I sticht sah, waren ihm Qual, und die Nacht brachte $ ihm keinen Schlaf. Aber sie war ihm lieber als f der Tag, de;n nie fühlte er sich ihr so nahe, als I wenn er regungslos dalag, Stunde für Stunde das I Glockenspiel der alten Kirchturmuhr hörte und $ wachend von ihr träumte.

I Sie hatte noch den halben Blick, der ihn in i ihren Mädchenjahren an ihr entzückt hatte, nur I daß er jetzt nicht mehr schelmisch aus den langen I seidenen Wimpe-n hervorlugte, sondern traurig I und müde wie ein verirrter Sonnenstrahl, der sich I zwischen dichten, dunklen Wolken hervarzwängt. I war ihm Mehr als tausende jauchze rde, bren- I dende Küsse, die sich früher auf feine Lippen ge- I stürzt hatten

»Sie ist keiner Liebe fähig", hatte einmal Wer- I der von ihr gesagt Aber er irrte. In dieser Frau, j ihm so abgeklärt, so fertig mit sich und der I -w°it vorkam, war Fleisch und Blut wie in jeder I anderen Nur der, dem sie ihre große herrliche I juebe geben konnte, war nach nicht getommcn. I -wum schien sie empfindungslos und unberührt. I walirend er sich verzehrte

I . Oft konnte er gar nicht begreifen, daß es ihm I utzt so gehen mußte, ihm dem an Siege Gewöhn- I teil Alle Mittel, die großen und kleinen Künste, die I !r, anderen gegenüber so erfolgreich gebraucht I i.hr versanken sie.

I , Gr hielt sich non ihr fern, wachen-, monate« I wng, und sie begrüßte ihn wie einen, der eben ne- I binnen war; er floh sie. und sie merkte es nicht; I hubst wenn er in A>k-Stürcknu mar mied er sie. $ aber begleitete Werner in die Wi^kl-dnst und I ?G die Jagd und sie tat. afs waren sie stündli-b »u- I wmmen. Er sprach kaum mit ihr, und sie meinte, I « wäre unterhaltender geworden: er wachte an­

Schultern weht der weiße Schneema atel, und sein Haupt trägt ein Diadem von blinkenden Eiskristal- len. Das bißchen Winterfreude, das den Talmen- schen bèschieden ward, bleibt auf diesen einen Mo­nat beschränkt, und deshalb freuen sie sich trotz aller Unbill di? er bringen mag, und heißen ihn willkommen wenn in der Silvester rächt die zwölfte Stunde schlägt.

Wenn die Tage langen, kommt der Winter ge­gangen". so heißt es im Sprichwort. Erst wenn der Höhepunkt des Winterdunkels überschritten ist, wirds wirklich Winter Das ist eine feststehende Regel, an der auch gelegentliche Ausnahmen nicht; ändern können Und deshalb können unsere Buben und Mädels getrost wieder die Schlittschuhe, Rodel­schlitten und Skier hervorholen und sich zum fröh­licher frischen Wintersport rüsten. Aber die Alten, die Frühlingssehnsüchtigen, mögen sich trösten bei dem Gedanken, daß die Sonne wieder im Ausstieg begriffen ist. mags draußen noch so wild stürmen und wettern Das Reich der Finsternis weicht all­mählich, das Licht tritt aufs neue die Herrschaft an. Zunächst freilich merken wir noch wenig davon. Aber ganz langsam spüren wir doch, wie die Tage zunehmen, und am Schlüsse des Monats brauchen wir erst eine ganze Diertelstunde später die Lampe anzuzürden.

Je älter man wird, desto mehr freut man sich auf den Glanz und die Wärme des Muttergestirns. Und gar mancher träumt schon dem Frühling ent­gegen, wenn gerade das neue Jahr seinen Lauf be­gann. Sobald der Christbaum geplündert und das letzte Weihnachtskonfskt verzehrt ist, sieht man schon wieder vorwärts und aufwärts und hofft und war­tet und läßt sich auch durch alle Enttäuschungen nicht beirren Dern der Glaube an das Licht, der Glaube an den Frühling, ist doch das Beste, was uns Erdenpilgern mit auf den Weg gegeben wurde. Die glückliche Jugend beqreift's noch nicht und soll's auch nicht begreifen. Aber die Aelteren haben es längst erkannt und empfinden auch die Januar­sonne als ein göttliches Gnadengeschenk.

EheMliseSunsen, Gebuvien und GèssbekMs kn Sessen-Kass u

Die Zahl der Eheschließungen im zweiten Vier­teljahr 1928 betrug in Hessen-Nassau 6240, die der Lebendgeborenen 10 870, der Totgeborenen 379. Gestorben sind insgesamt 7060 Personen. Der Geburtenüberschuß betrug 3797. Auf 1000 Ein­wohner entfielen bei den Eheschließungen 1926 10,2 gegen 9,0 1927 und 8,6 1913, bei den Geburten (ohne Totgeborene) 1928 17,8 1927 18,1 und 1913 23,9, bei den Sterbefällen 1928 11,6, 1927 11,1 und 1913 13,2. Der Geburtenüberschuß betrug auf lOOO Einwohner 1928 6,2, 1927 7,0 und 1913 10,7. Auf 100 Lebendgeborene kamen im ersten Lebens­jahr Gestorbene 1928 5,8 1927 6.5 und 1913 9,2.

Im Volksstaat Hessen betrug die Zahl der Eheschließungen im zweiten Vierteljahr 1928 3728, die der Lsbendgeborenen 6548 und die dec Totgeborenen 169. Gestorben sind insgesamt 4095. Der Geburtenüberschuß betrug 2453. Auf 1000 Einwohner entfielen bei den Eheschließungen 1928 10,8 gegen 9,3 , 1927 und 8,0 1913, bei den Ge­burten 1928 19,0. 1927 19,0 und 1913 24,8, bei den Sterbefällen 1928 11,9, 1927 10,8 und 1913 13,7. Der Geburtenüberschuß betrug 1928 auf 1000 Ein­wohner 7,1, 1928 8,2 und 1913 11,2. Auf 100 Lebendgeborene kamen im ersten Lebensjahr Ge­storbene 1928 6,1. 1927 6,4 und 1913 9,0.

' Trotz der Zunahme der Eheschließungen ist also auch in Hessen-Nassau und Hessen ein nicht un­erheblicher Rückgang der Geburten festzustellen, dem allerdings eine Abnahme der Sterblichkeit, be­sonders der Säuglingssterblichkeit, gegenübersteht.

Das GekamievsebnkS dev RekchS - LVobnungszSAung

Die endgültigen Ergebnisse der Reichs-Woh- nungszählung im Jahre 1927, die jetzt vom Stati­stischen Reichsamt veröffentlicht werden, ermög­lichen einen autzchlußreichen Ueberblick über unsere

deren Frauen den Hof, und sie beglückwünschte ihn zu seinen Triumphen: er konnte machen, was er wollte es war alles vergeblich.

Er begab sich aus Reisen, und sie halfen ihm nicht; er rettete sich an seine Arbeit, er schrieb an seiner neuen Tragödie, er schuf Gestalten und Szenen, wie sie ihm nie gelungen waren, aber sie blieben Entwurf, und seine Liebe brannte nur um so heißer.

Manchmal war er eifersüchtig auf Werner; er konnte sich von dem Glauben nicht freimachen, daß dieser doch derm stillen Geliebte wäre, sie hatte ja an ihm gehangen mit der unbeirrten Kraft ihrer Seele Da;n bemerkte er denselben ruhig-küblen Blick mit bem sie auch ihm begegnete. Doch das schützte ihn nicht vor einer Qual der Eifersucht, die ihn bis aufs Blut peinigte und dadurch nicht ge­ringer wurde, daß sie grundlos war

Aber er erniedrigte sich nie. weder dem Freunde nach ihr selber gegenüber. Ein einziger großer Schmer; erschien ihm sein? Liebe, unwürdig des freien des schönferischen Mannes: Schuld und Scham zugleich machten ihm das Leben zur Qual.

Eines Margens nach dem Frühstück erhielt Sig­rid einen Brief von Hans von Berkow. Auch nach ihrer Rückkehr hatte sie sek; Schicksal oft beschäf­tigt: einige Male hatte er geschrieben seht hatte sie schon lange auf eine Nachricht von ihm ge­wartet

Ihr Mann ber die Bast in Emvfgng nahm, -sichte ihr den Brief. Als sie ib« las, flog ein leiser Freudenschimmer über ihre Wannen Hans von ^erfnm schrieb ihr daß er unmittelbar nor feiner Desürdernng stände und daß es richt ausgeschlossen märe daß er garn in ihre Rabe versetzt würde.

Werner mar ihre Bewegung nicht entgangen.

Wort

..Wie ist dieser Hgunkmann non Berkaw eigentlich mit euch verwandt" fragte sie, nachdem sie den Bri-s beltsifenofent hatte

Er miste die Achsel: ..Wi-h haben weitläufige Familie"Versetzungen nie interessiert: mästest du es neuem wissen b^nn fraae bei meiner Mutter an. sie in in diesen Zinnen nmerläffiq"

Nun begann sie non Hans non B»rkaw zu er- lèihfpn non dem Panieren, mas er tznrchaemgcht. non ihrem Zusammensein in Fichtentzötze und den Gesprächen, die sie dort geführt; denn es war ein

Wohnverhältnisse. In sämtlichen Groß-, Mittel- unu Kleinstädten Les Reiches wurden 2,4 M Humen Woyugebäudo mit 8,6 Millionen Wohnungen ge­zählt; dazu kommen noch 143 000 Wohnungen tn Anstalten, Geschäftshäusern, Anusgebäuden usw. und 50 000 Wohnungen in Baracken oder Wohn­lauben. Rund % der Wohngebäude sind Klein- Häuser mit ein bis vier Wohnungen, sie enthalten aber nur 42 v. H. aller Wohnungen. Die Mehr­zahl der Wohnungen liegt somit in Mittel- und Großhäusern. Von den feit Kriegsende errichteten Wohngebäuden ist jedes zweite ein Familienhaus. Im Gesamtbilde des Gebäudestandes hat sich da­durch aber bisher wenig geändert. Die große Masse der Wohnungen besteht aus Klein- und Mittelwoh­nungen Beide Wohnungsgrötzen halten sich unge­fähr die Wage: Sowohl in den Kleinstädten wie in den Mittel- und Großstädten (ohne Berlin) ent­falte; durchschnittlich 45 bis 47 v. H. der Wohnun­gen auf Kleinwohnungen (mit 1 bis 3 Räumen) und etwa ebensoviel aus Mittelwohungen (mit 4 bis 6 Räumen). Im allgemeinen sind die Kleinwoh­nungen im Osten des Reiches stärker vertreten als im Westen. In der Bier-Millionen-Stadt Berlin bestehen über zwei Drittel der Wohnungen aus Kleinwohnungen. Die Belegung der Wohnungen mit Untermietern nimmt mit der Größe der Ge­meinden zu. In den Kleinstädten enthält jede achte, in den Großstädten schor jebe fünfte Wohnung einen oder mehrere Untermieter, teils Zimmer­herren, Schlafgänger usw., teils Familien. Die Zahl der in Untermiete lebenden städtischen Fami­lien beläuft sich auf 791 000, von denen 481000 oder rund/s allein auf die Großstädte entfallen. Ueber die Hälfte aller Untermieter-Familien wohnt bei Verwandten, und zwar meistens bei den Eltern oder Schwiegereltern. Besonders häufig kommt das Zusammenwohnen von Verwandten in kleinen und mittleren Wohnung »r vor, während die Un­termieter der größeren Wohnungen überwiegend bei Fremden leben.

Semtkvvechsv vevbWst

Wegfall der Mindestgespräche. Apparatbeikräge herabgesetzt, Einrichtung gemeindlicher öffent­licher Sprechskellen jetzt ohne Zuschuß. Wieder- einrichtung gekündigter Anschlüsse.

Die Klagen der Wenigsprecher, daß sie nach der neuen Fernsprechordnung vom 15. 2. 1927 mehr als früher zu zahlen hatten, sind seit dem 1. Januar 1929 durch die zu diesem Zeitpunkt in Kraft ge­tretene Ermäßigung der Gebühren behoben. Von nun ab wird die Bezahlung einer Mindestzahl von Ortsgesprächen nicht mehr beansprucht Jeder Tell- nehmer hat also in Zukunft nur noch so viele Ge­spräche zu bezahlen, wie tatsächlich von ihm ge­führt werden. Die Bezahlung der Pflichtgebühr traf ausschließlich die Wenigsprecher. 560 000 Tell­mer oder 32,1 v. H. aller Teilnehmer erreichten die Mindestzahl nicht. Durch den Verzicht auf Be­zahlung einer Mindestgebühr haben alle diese We­nigsprecher einen Vorteil, der sich im Höchstfall auf 4 RM monatlich beläuft.

Ferner sind die einmaligen Apparatbeiträge, die bei Herstellung neuer Haupt- und Nebenanschlüsse zu entrichten sind, erheblich herabgesetzt. So ist künf­tig für einer Hauptanschluß statt 80 RM nur noch ein, Beitrag non 5.0 RM, für einen Nebenanschluß statt 30 RM nur 20 RM zu entrichten. Die Appa­ratbeiträge für die Zusatzeinrichtungen wie beson­derer Wecker usw. sind gleichfalls entsprechend er­mäßigt. Gerade die Aufbringung der Apparat­beiträge fällt erfahrungsgemäß den Anschlußsuchen­den meist recht schwer. Sie erklärten immer wie­der, daß sie wohl die laufenden Gebühren zahlen könnten, daß aber die hohen Apparatbeiträge sie daran hinderten, den erwünschten Fernsprechan­schluß zu bcantraaen. Bei solchen Personen bandelt es sich zum überwiegenden Teil um solche, die vom Fernsprecher geringen Gebrauch machen. Die Herab­setzung der Äpparatbeiträge kommt also auch hier im wesenltichen den Wenigsprechenden zugute. Diese Ermäßigung ist daher auch verkehrspolitisch sehr zu begrüßen da sie die Einrichtung neuer Anschlüße erleichtert und zu einer weiteren Ausbreitung des Fernsprechers beitragen wird

Sonntagmargen, da liebte Werner am Frühstücks- tisch feine Zigarre zu rauchen. Sie ging diesmal über die gemessene Art hinaus die in ihren Unter­haltungen zu herrschen pflegte, und sprach mit einer gewissen Lebhaftigkeit und Wärme.

Was ha» dir eigentlich an diesem Berkow gefallen?" fragte er scheinbar gleichgültig.

Das Männliche" gab sie kurz zurück.

Und worin erblickst du denn bas Männliche?" Er sprach jetzt mit einem Anflug jener überlegenen Ironie, die er ihr gegenüber früher stets arwandte.

Darin, daß man nicht in sich selbst versinkt, sondern bandelt" sagte sie kurz.

Ihr Wort verdroß ihn, denn er fühlte, daß es auf ihn zielte.

Die Menschen sind verschieden veranlagt", warf er abweisend hin

Aber wenn die Master über einem zusammen- schlagcn. dann rettet einen nichts, als die Arme ausstrecken und schwimmen".

Das Gespräch nagte den ganzen Tag an ihm. Was diese Frau sich alles herausnahm! Mehrere Male dachte er daran, ihr zu erwidern, aber er fand nicht das -ichtiqe Wort. Er wurde schweigsam, ging allein feine Wege und versank immer mehr in sich selberNun gerade!" lagte er.

Oft empfand sie herzliches Mitleid mit ihm. Er konnte aus seiner Haut nicht heraus, er war ein Aristokrat, noch mehr seinem Geiste als seinem Blute nach. Indem er nur sich (ebte und der Idee, die er sich von der Welt und bei Menschen machte, stellte er an beide unerfüllbare Ansprüche, vor allem on die Ehe. Es wäre sonst alles nicht so trau­rig gekommen.

Auch seine Erziehung war schuld an dem über­spannten Feingefühl feiner Seele und feiner Ner­ven. Solange sie die Macht in den Händen hielt, hatte ihn seine Mutter ge-demütigt; als sich die Ver- häftniffe änderte; beugte sie sich ihm willenlos: nun hatte er niemand mehr der einmal den Mut besaß, ihm zu widersprechen. Ein V'belwort fiel ihr ein: Wetze euch wenn euch jedermann wotzlredet!"

Jetzt sah sie wie er immer mehr vereinsamte unb keinen Menschen hoffe, der ihm naheskand "kpch in seinem Dertzältni« zu Rolf war eine Trü­bung einaekreken: sie wußte nicht moh^r sie kam. aber sie erschien ihr immer offenbarer Do« tat ihr leid, denn Rolf liebte er wirklich aufrichtig; seine

Für die Landgemeinden ist es von Interesse, daß seit dem 1. Januar bei Einrichtung gemeind­licher öffentlicher Fernsprechstellen für die erforder­lichen Stangen kein Zuschuß mehr zu zahlen ist. Zahlreichen Gemeinden fiel es schwer, diesen Stan­genzuschuß aufzubringen, sie mutzten deshalb viel­fach auf eine öffentliche Fernsprechstelle verzichten, obgleich diese wegen der abgeschiedenen Lage der Gemeinde gerade dringend nötig wäre. Durch den Wegfall des Stangenzuschusse; soll den Gemeinden nun entgegengekommen werden.

Diete Fernsprechteilnehmer hatten wegen der Gebührenerhöhung vom 1. 5. 1927 ihren Anschluß aufgegeben Diesen Teilnehmern wird nunmehr die Wiedereinrichtung der gekündigten Anschlüsse er­leichtert Vom 1. Januar ab sind bei Anschlüssen, deren Wiedereinrichtung bis zum 31. März 1929 beantragt wird, weder Apparatbeiträge noch lau­fende Gebühren usw. für die Zwischenzeit zu er­heben. Diese Vergünstigung soll nicht auf Teilneh­mer beschränkt bleiben die ihre Anschlüsse vor dem 1. 5. 1927, dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Fernfprechordnu rg, gekündigt haben, sondern soll auch bei später gekündigten Anschlüssen gewährt werden, wenn die Gebührenerhöhung Veranlassung zur Kündigung gegeben Hai In Zweifelsfällen soll zu Gunsten der Teilnehmer entschieden werden.

Da durch die neuen Bestimmungen ein starker Zugang von Neu-Arschlüssen zu erwarten ist, emp­fiehlt es sich, Anträge auf Neu- oder Wiederein­richtung zur Vermeidung größerer Stockungen um­gehend zu stellen.

* In der Silvesternacht kam es gegen 1 Uhr auf dem Sandeldamm zu einer Schlägerei zwischen betruifenen Straßenpassanten. Der Hauptkrakehler mürbe auf die Polizeiwache verbracht, von wo er nach einigen Stunden in einigermaßen; nüchternen Zustang wieder entlassen wurde.

* Milchpreisjenkung Entsprechend den Frank­furter Vereinbarungen haben Milchhändlerverein für Hanau und Umgeb., Molkereigenossenschaft und Milchzentrale beschlossen für Hanau und Umgebung vom 1. Januar ab den Milchpreis um 3 Pfg. pro Liter, also von 35 auf 32 Pfg. zu senken.

Dattksasung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teil­nahme bei dem Hinicheioen unserer lieben treusorgenden Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante

in WWW W

geb. Lenz

sagen wir auf diesem Wege Allen unseren herzlichsten Dank. Insbesondere danken wir Herrn Santtätsrai Dr. Freisfetd uno Sohn, den barmherzigen Schwestern, dem Jahrgang 1865, iowie für die vielen Kräng« und Blumenspenden. Auch allen denen, die uns mit Rat und Tat in unseren schweren Siunven zur Seite ge­standen haben, sei herzlich gedankt. Ix

In tiefer Trauer:

Familie Wilhelm Funk

Familie Karl Funk

Josef König u. Frau Emmageb.Funk

Freundschaft war alles, mas er besaß, in sie trug er die ganze Welt seiner Ideen hinein.

Sie hatie recht gesehen: Werner litt unter die­ser Abwendung; er war zur Freundschaft mit einem Manne geschaffen wie kein anderer, er wußte Treue gu halten.

Nun trat diese Frau auch zwischen ihn und den Freund; denn Rolf- Veränderung war ihm nicht entgangen Ei;en Ersatz gab es für ihn nicht, feine Nachbarn und die Ver'kehrskreise, auf die er ange­wiesen war, stießen ihn immer mehr ab; die Män­ner fand er ledern, jeden Gedankens bar, und mit den Frauen hatte er nie etwa? anzufangen gewußt.

Es ist eigentlich nicht mehr auszuhalten, sagte er sich, ich muß verkaufen und mich irgendwo im Auslande anliebeln!

Ma rchmal stieg es in ihm wie Hatz gegen feine Frau empor; dann mußte er wieder zugeben, daß sie in jeder Weise zu leben sich bemühte, wie er er früher von ihr gewünscht, daß er ihr nichts vor« zuwersen hatte ja, daß ihm vieles an ihr gefiel.

Eines Abends, als er sie auf einem Balle in der Nachbarschaft mit wundervoller Anmut und bolb« geschlossenen Augen im Arme eines jungen Offi­ziers tanzen sah, entdeckte er, daß sein Blut zu er­wachen begann

Er erschrak und zog sich nun um so scheuer von ihr zurück. Lieber wäre er gestorben, ehe er ihr das leiseste Zugeständnis gemacht, ehe er sie hätte merken lasten, daß er ihrer zum Leben bedurfte.

Zum Oktober wurde Hans von Berkow zum Major befördert unb in die Residenz versetzt. Min war er oft in Alt-Stürckau; er war ein leidenschaft­licher Jäger wie Werner, er ging mit ihm auf Hüh­ner und Halen, ober er fuhr mit ihm auf die m ursche in Wald und Feld. Sonst knüpften sich keine Beziehungen imischen den beiden, auch Roll stand dem neuen Gast fühl unb fremd gegenüber. Don sen gemeinsamen Gesprächen, die sie noch alter Art dann unb mann noch bis in die tiefen Nachtstunden buffen schlossen sie ihn aus. hier gehörte er nicht zu ihnen.

(Fortsetzung folgte