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Ar. 1

Mittwoch den 2. Januar 1929

Seile 5

* Der Reichsbund Deutsche Referendare veran­staltet vom 2.5. Januar in Berlin im Festsaale des ehemaligen Herrenhauses, Leipzigerstraße 34 eite Reichsschulungswoche. Es sprechen: Reichs- justizminister a. D. Schiffer (Gründe, Wege und Ziele der deutschen Justizreform), Wirklicher Mini­strialrat Universitätsprofessor Dr. Wittmayer, Wien (Reformen im Statsrecht), Ministerialdirek­tor Dr. von Leyden (Verwaltungsreform), Mini­sterialdirektor Dr. Grieser (Reformen im Arbeits- recht), Universitätsprofessor Dr. Haymann, Köln (Reformen im Bürgerlichen Recht), Ministerialrat Dr. Jonas (Zivilprozeßordnung), Universitätspro­fessor D. Dr. Kahl, M. d. R. (Reformen im Straf­recht), Oberreichsanwalt Dr. Werner, Leipzig (Strafprozeßrecht), Präsident des Reichswirtschafts­gericht Dr. Lucas (Handels- und Wirtschaftsrecht), Präsident des Landesprüfungsamtes Schwister (Reformen der Ausbildungswesens in Justiz und Verwaltung.

MettevbevWt

Auf der Rückseite des heute schon bis Polen verlagerten Tiefs ist kalle und recht trockene Polar­luft über Mitteleuropa vorgedrungen, in deren Bereich bei kräftigem Luftanstieg Abkühlung und Aufheiterung, in den Gebieten mit Schneedecke auch stärkerer Frost, eingetreter ist. Auch über den Nordländern ist starker Druckanstieg im Gange, so daß zunächst die Zufuhr kalter Nordostluft noch an­hält. Die im Nordwesten sich ausbikdenden Druck störungen gewinnen erst später Einfluß. Vor­hersage bis Mittwoch abend: Wolkig, zeitweise auf­heiternd, geringe Neigung zu leichten Schneeschau­ern, Temperaturen tagsüber in Nähe des Gebrier- punktes, nachts stärkerer Frost, nördliche Winde. Witterungsaussichten für Donnerstag: Wieder 'stmas milder, überwiegend bedeckt, abflauende auf West drehende Winde.

MS Gewbauke«.

)( Gelnhausen, 31. Dez. Vom 27. bis 29. Juli findet der 24. Kurhessische Feuerwehrtag in der alten Barbarossastadt Gelnhausen statt. In Verbindung mit dieser Tagung feiert die freiwillige Feuerwehr Gelnhausen ihr övjühriges Jubiläum. Außerdem befindet sich dort eine größere, sehr interessante Ausstellung der modernsten Feuerlöschgeräte. Gelnhausen, als Badestadt bekannt, wird bei dieser Gelegenheit den Besuch der Wehren des Re­gierungsbezirks, sowie aus den benachbarten Teilen Bayerns und Hessens erhalten; das Fest dürfte einen beachtenswerten Umfang annehmen.

)( Gelnhausen, 1. Jan. Gelegentlich der am vergangenen Sonntag in Gelnhausen stattgefunde­nen Sitzung der Mittelmaingaubehörde des Süd­deutschen Fußballverbandes traten sämtliche anwe­senden Vereinsvertreter dafür ein, daß die Ver- bardsbehörde dringend ersucht wird, im kommen­den Spieljahr einen zweiten Kreis zu bilden, um dèn durchaus berechtigten Wünschen der um Hanau Mnd Gelnhausen gelegenen Vereine gerecht zu wer- Ken. Herr Gottfried Müller-Somborn begründete an-.£ur3£n und sachlichen Ausführungen, daß die ineue Kreisbildung dringend Und unumgänglich ^notwendig ist. Er wurde mit der Ausarbeitung des entsprechenden Antrags beauftragt. Diesbezügliche Anfragen sind an ihn zu richten.

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)( Neuenhaßlau, 31. Dez. Am letzten Samstag hielt der hiesige GesangvereinSängerlust" im Saale3um deutschen Haus" seinen diesjährigen Familienabend mit einer Weihnachtsfeier ab. Nach einer Begrüßungsansprache des Vereinsvor­sitzenden und einigen gemeinsam gesungenen Weih­nachtsliedern folgte eine Weihnachtsbescherung der Kinder. Anschließend wickelte sich ein recht abwechs­lungsreiches Programm ab. Viel Heiterkeit lösten die beiden, gut gespielten EinakterDer tapsere Soldat" von Jean Blatzheim undMeister Heister" von Adolf Stolze sowie die durch Vereins­mitglieder zum Vortrag gebrachten Couplets aus. Ein gemütliches Tänzchen hielt die Zahlreich er­schienenen Gäste noch lange zusammen.'

A«S MM a. M

Eine Frankfurter Automobilfinanzierungsbank um 400 000 Mark geschädigt.

: Die Kölner Automobilverkaufsfirma Mertlich u. Grün hat sich umfangreiche Wechselfälschungen zu schulden kommen lassen. Hauptleidtragende bei dem Schwindel ist eine Frankfurter Automobil­finanzierungsbank, die angeblich um etwa 400 000 Mark geschädigt ist. Die Betrügereien begannen vor etwa vier Monaten und wurden in etwa 70 bis 80 Fällen durch gefälschte Kaufverträge und gefälschte Anzahlungs- und Ratenzahlungswechsel auf diese Verträge durchgeführt. Der alleinige In­haber der Firma Grün war Vertreter der Auto­fabrik Citroen und galt als einer der ersten und befähigsten Autoverkäufer Deutlchlands. Er lebte auf sehr größern Fuß und soll jätuclich etwa 80 000 Mark verbraucht haben, wobei allerdings eine Frau eine große Molle gespielt haben soll, trotzdem Grün verheiratet ist. Auch eine Kölner Gemäldeverkaufsstelle soll durch Grün durch Hin­gabe gefälschter Wechsel um eine größere Summe betrogen worden sein. Grün hat seinen Buchhalter Schreiner zu den Fälschungen veranlaßt, so daß Grün zwar kein Wechselfälscher, aber der Urheber ist. Es wird vermutet, daß Grün und Schreiner den größten Teil des ergaunerten Geldes beiseite geschafft haben, um es nach verbüßter Strafe in ihren Besitz zu bringen.

Tödlicher Unfall in der Silvesternacht.

: Bei der Silvesterfeier in der Familie des Invaliden Franz Hohn in der Rohrbachstraße wollte der aus Würzburg gebürtige 25jährige Feinmechaniker Ldw. Kohl einen Revolver auf seine Schußfähigkeit untersuchen. Dabei entlud sich die Waffe und die Kugel traf die 21 Jahre alte Frieda Kaufmann aus der Mainzer Landstraße, die sofort tot zusammenbrach.

Aus KaS und See«.

Zu der Marburger Bluttat.

Kassel, 1. Jan. Die Justizpressestelle teilt mit: Die in der Presse verbreitete Mitteilung, der Stu­dent Erich Schwerdtfeger in Marburg sei einem politischen Attentat zum Opfer gefallen, trifft nicht zu. Zwar ist richtig, daß der Verletzte Michlied des Jungdeutschen Ordens ist, és sprechen aber keinerlei Anzeichen dafür, daß der Täter aus poli­tischen Gründen gehandelt hat. Nach dem bisheri­gen Ergebnis der Untersuchung handelt es sich

vielmehr lediglich um einen Rohheitsakt eines- 1 walttätigen Menschen, der in Beziehungen zu dem | Schwerdtfegerschen Dienstmädchen gestanden haben soll, und der sich von Erich Schwerdtfeger nicht zur Polizei bringen lassen wollte, weil er ein Interesse daran hatte, seine Persönlichkeit zu verbergen. Die Ermittlungen nach dem Täter sind in vollem Gange.

Zu den Unterschlagungen in der Chemischen Fabrik Albert.

Mainz, 1. Jan. Zu den großen Unterschla­gungen in der Chemischen Fabrik Albert in Mainz- Amöneburg wird noch berichtet: Anfangs 1928 schied ein in den 70er Jahren stehender Prokurist aus der Chemischen Fabrik aus. Sein Nachfolger entdeckte nun ein Manko von 146 000 Mk. Die Firma nahm zuerst den Prokuristen ins Gebet, der eingestand, im Laufe der vorhergehenden zwei Jahre einem aus der Firma Ende 1926 ausgefchie- denen Buchhalter, der sich in der Zwischenzeit selb­ständig gemacht hat, auf dessen Drängen nach und nach ein Darlehen im Gesamtbeträge von 146 000 Mk. gegeben zu haben. Der Buchhalter soll den Prokuristen dadurch zur Herausgabe des Geldes bestimmt haben, daß er ihm erklärte, er habe eine bedeutende Erfindung gemacht, die er patentieren lasse, und die ein Vermögen einbringe. Der ehe­malige Buchhalter wurde ebenfalls vernommen und bestritt nicht, die Darlehen bekommen zu haben. Er schwieg sich aber bei seiner Vernehmung über die Erfindung vollständig aus und stellte der Firma sein Geschäft und sein Lager in Wiesbaden zur Verfügung. Das Lager soll einen weit höheren Wert besitzen als das Darlehen. Die Sache beschäf­tigt zur Zeit die Staatsanwaltschaft. Die Firma soll keine Anzeige erstattet haben.

Jagdhülleneinbrüche im Kreise Friedberg.

Friedberg, 31. Dez. Nachdem erst kürzlich noch im Kreise Büdingen mehrere Jagdhütten heimgesucht worden waren, sind jetzt auch im Ge­meindewald von Stammheim (Kreis Friedberg) die Hütten der Jagdpächter erbrochen und daraus Schuhe, Anzüge und sonstige Sachen gestohlen worden. Von den Räubern fehlt jede Spur.

Zwei Todesopfer einer Vergiftung.

Wiesbaden, 1. Jan. Am vergangenen Freitag war die zehnjährige Tochter einer Biebricher Fa­milie zu einer verwandten Familie in der See- robenstraße zu Besuch gekommen. Als sich die Eltern des Kindes am Sonntag mittag ebenfalls dorthin begaben, war die Wohnungstür von innen verschlossen. Nach Oeffnung mittels Dietrichs fan­den sie ihr Kind sowie den Mann, einen in einem hiesigen Jndustriewerk angestellten Monteur, tot vor, während seine Frau in besorgniserregendem Zustand ins Städtische Krankenhaus eingeliefert wurde. Man nimmt an, daß es sich um Nahrungs­mittelvergiftung handelt. Die vorhandenen Speise­reste, u. a. eingemachte Stachelbeeren, wurden von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Die Unter­suchung ist noch nicht abgeschlossen.

26 000 Mark verloren.

Flörsheim a. M., 31. Dez. Bei der Rückkehr von Frankfurt a. M., wo er bei seinen Kunden dM Betrag von 26000 Mark für gelieferte Gänse einfaffterf hatte, entdeckte der Eigentümer der hiesigen Gänfemästerei Jakob Kohl zu seinem Schrecken beim Verlassen des Zuges, daß seine Mappe samt den darin aufbewahrten 26 000 Mark

verschwunden war. Bis jetzt sind alle Nachforschun­gen nach dem Verbleib des Geldes ohne Erfolg geblieben.

Zu dem Brandunglück in Reichenbach,

Reichenbach t. 0., 1. Jan. Die bei dem Brand in Reichenbach gefundene verkohlte Leiche wurde als die des Knechts des Hofes identifiziert. Dieser hatte einer Magd mehrfach seine Liebe ge­standen, aber keine Erhörung gesunden. Nachdem er schon tagelang mit dem Gedanken umgegangen war, das Mädchen zu töten und sich dann der Polizei zu stellen niemand hatte diese Drohung ernst genommen, versuchte er einen Einbruch in die Kammer, wo er die Magd schlafend glaubte. Diese war aber am gleichen Abend zu ihren Eltern gegangen und entging so dem Tode. In der glei­chen Nacht noch steckte der Knecht, dem zum 1. Jan. gekündigt war, das Anwesen an drei Stellen gleichzeitig in Brand. Er hat sich dann wahrschein­lich selbst nicht mehr retten können und ist in den Flammen umgekommen. Wie man hört, war er ein zuverlässiger und guter Arbeiter, dem die ver­schmähte Liebe anscheinend den Verstand genom­men hatte.

Svoet-Aacheichten.

Neueste Sporlereignisse.

Der frühere Nürnberger Internationale Hoch­gesang wird zusammen mit seinem neuen Klub- kameraden und Internationalen Mbrecht von For­tuna Düsseldorf die westdeutschen Farben am 13. Januar im Bundespokal gegen Berlin in Elberfeld vertreten.

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Das Nizzaer Sechstagerennen wurde von dein franzöfifchen Favoritenpaar Wambft-Lacquehai mit einer Runde Vorsprung und insgesamt nur 125 P. vor dem französischen Paare Pagnoult-Duvirier mit 1009 Punkten und dem deutsch-italienischen Paare Damero-Bestetti mit 944 Punkten gewonnen.

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Um die deutsche Leichtgewichtsmeisterschaft wer­den am 6. Januar in der Dortmunder Westfalen­halle der Herausforderer Czirsons FritzReppel und der Münchener Nefzger kämpfen, da Czirson in­folge feiner im CuropaMeisterschaftskompfe gegen den Franzosen Raphael erlittenen Hondoerletzung den Titel nicht verteidigen kann.

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Der Berliner Schlittschuhklub schlug in den Eis­hockey-Kämpfen um den Spengler-Pokal in Davos den Mailänder Hockeyklub mit 2:0 und trifft nun­mehr im Entscheidung stampfe mit Cambridge zu­sammen.

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Bei den Wintermonnschaften der ausländischen Flieger auf der Pariser Winterbahn wurde Oszmella nur Letzter. Sieger blieb im Geisamt­klassement der Italiener Martinetti vor Degraeve- Belgien, Leene-Holland und Olzmella.

Fußball an Neujahr.

Drei weitere Lehrspiele.

VsR. Mannheim Vienna Wien 2:3 (1:3)

Städteelf SaarbrückenNemzetti Budapest 2:2 (0:0) BsB. /Fortuna Leipzig Sparta Prag 0:5 (0:1)

Internationale Gesellschaftsspiele:

Pfalz/03 Ludwigshafen komb. Sport Egyesülel Budapest 1:6 (0:3)

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