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Thema:Gerechtigkeit und Liebe, die Vorbedingun­gen des sozialen Friedens":

Die Gefahr sozialer Sümpfe ist um so größer, wenn die gesamte Wirtschaft eines Volkes darniederliegt, und wenn deshalb ihre Erträgnisse nur bei sorgfältigster Ve- rücksichiigung aller Interessen zur Befriedigung der Le­bensbedürfnisse des ganzen Volkes ausreichen. In einer solch ungünstigen Wirtschaftslage befindet sich gegen­wärtig das deutsche Volk. Wer zeigt uns den rechten Weg? Liberalismus und Sozialismus sind nicht die rechten Führer, weil sie von einem verhängnisvollen Irrweg Herkommen, nämlich aus der Absage von Gott. Friede und wahre Wohlfahrt kann nur gedeihen, wo die gottgewollte Lebensordnung besteht, wo die Einheit her­gestellt ist Zwischen Gott und den Menschen in allen sei­nen Lebensbetätigungen. Zu dieser Einheit, zu der Er­kennung der gottgewollten Ordnung, auch im Wirtschafts­leben, müssen wir zurückkehren, dann haben wir den Weg zur Wohlfahrt. Und an die Aenderung, Verbesserung, Heilung müssen wir mit den Mitteln herangehen, die Gott uns weist, für das menschliche Zusammenleben: Ge­rechtigkeit und Licbe. Die christliche Gerechtigkeit fordert die Anerkennung der Rechte aller Menschen. Zurück zu den Grundsätzen der christlichen Gerechtigkeit und wir werden den Frieden finden! Die Befriedigung der Ge­meinschaft durch Ueberwindung der sozialen Nöte wird um su besser verwirklicht, wenn zu der schlichtenden, ord­nenden. ausaltichenven Macht der Gerechtigkeit hinzutritt die erwärmende, belebende Kraft der Liebe. Aus dem Geist der Liebe entspringt Ehrfurcht vor der Persönlich­keit des Menschen, möge er einer Klasse, einem Stande, einem Berufe angehören, welchem er wolle. Bei solcher Einstellung auch im wirtschaftlichen Verkehr kommt wie­der Seele in die Gemeinschaftsbeziehungen. Die im Ge­wände der Caritas wirkende Menschenliebe ist eine unge­mein wichtige Ergänzung der sozialen Menschen­freundlichkeit, wie wir sie im Verkehr der Wirtschafts­gruppen und Berufsverbände brauchen. Deshalb hat sich mit Recht die Kirchs der Lösung ber sozialen Frage angenommen. Der Ruf der Kirche ist im katholischen Deutschland, das können wir Gott sei Dank sagen, nicht ungehört verhallt. Die 64. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands tagt in einer Zeit, wo die Wirt- jchaftskrisis die Gefahr nahebringt, daß aus den fchws- ren sozialen Nöten Harts soziale Kämpfe entstehen könn­ten. Da erwächst ihr in ganz besonderem Maße die Auf­gabe, die Kräfte des deutschen Katholizismus mobil zu machen, um die sozialen Kämpfe zu verhindern oder zu überwinden. Bilden wir eine große Einheit von Brüdern und Schwestern, die im Blick auf Christus als Führer bekennt und betätigt in allen Lagen des Lebens: Gerechtigkeit und Liebe.

Dem Redner dankte langanhaltender, geradezu stürmischer Beifall. Unter lautloser Spannung der gewaltigen Versammlung betrat als letzter Red­ner Prälat Dr. Selpel-Wien das Podium zu durch- seelten und geistreichen Ausführungen. Er wies zunächst auf die fast vergessene Tatsache hin, daß die früheren deutschen Katholikentagungen häufig aus österreichischeln Boden abgehalten worden seien; selbst im Jahre 1867, ein Jahr nach dem Kriege, sei in Oesterreich eine deutsche Katholikentagung ge­wesen. Der Krieg sei eben damals kein Krieg der Völker, sondern nur der Staaten gewesen. Die Grenzen, die im Jahre 1866 gezogen wurden, seien niemals in das Bewußtsein der deutschen Nation übergegangen. (Beifall.) Zu den Fragen der Ge­genwart übergehend, erklärte Dr. Seipel, daß man die mit den ehemaligen kriegführenden Mächten un­terzeichneten Verträge nicht als Friedensverträge bezeichnen könne, sie hießen amtlich auch nicht Frie­denverträge, sondern Staatsvertrag von Versailles und Staatsvertrag von St. Germain. Seipel warf dann die Frage auf, ob der katholischen Kirche der Vorwurf gemacht werden könne, die früheren pa­zifistischen Bewegungen nicht genügend unterstützt und den Krieg nicht verhindert zu haben. Er be­tonte, daß die katholische Kirche das ganze Gewicht ihrer Macht in den Dienst der Sicherung des Welt­friedens stellen müsse. In diesem Vorhaben dürf­ten sich die Katholiken nicht, auch nicht durch die Be­fürchtung beirren lassen, was wohl andere Parteien dazu sagten, und ob sie die Katholiken deshalb noch für national hielten. So schwach sei die katholische Kirche nicht, daß die Mißgunst einer Partei oder einer Gruppe von Parteien sie um ihren Einfluß bringen könne. Die große Aufgabe der Sicherung des Weltfriedens könne aber nur erreicht werden, wenn man sich auf der anderen Seite auch der Her­stellung des sozialen und wirtschaftlichen Friedens innerhalb der Nation widme. Dazu sei notwendig ein Ausgleich der Klassen und im politischen Kampf die Einhaltung einer mittleren Linie. Stürmischer Beifall begleitete auch diese Ausführungen.

gen.

Mit einer Schlußansprache des Präsidenten Va­ron Eramerklekk, in der er nochmals die Ergeb­nisse der Tagung kurz streifte und der Zuversicht

Ausdruck verlieh', daß aus ihr tausendfältiger Segen für das deutsche Vaterland, das katholische Volk und die katholische Kirche sprießen möchte, und mit der Erteilung des bischöflichen Segens durch den Herrn Weihbischof Dr. Sproll fand die Versamm­lung ihr Ende.

Abends um 8 Uhr vereinte im großen Hause des Landestheaters ein Beethovenabend, bei dem die 9. Symphonie eine prachtvolle Wiedergabe fand, noch einmal die Teilnehmer der diesjährigen Ka­tholikenversammlung. Auf ein frohes Wiedersehen im nächsten Jahre lautete der herzliche Scheèdegrutz.

Der nächste Katholikentag.

Die nächste Generalversammlung der Katholiken in Deutschland findet, wie nunmehr bestimmt feststeht, in Breslau statt, und zwar vom 22. bis 24. August 1926, Als Festhalte wird der neu errichtete Messehof auf dem Gelände der Jahrhunderthalle dienen.

Kus der Hauptstadt der Christenheit.

2 deutsche Pilgerzüge

weilen jetzt wieder in Rom, einer aus Berlin unter Pfarrer Scheidtweiler, mit 300 Teilnehmern, einer aus Limbueg-Arankfurt, geführt von Pfarrer Kneipp, mit etwa 350 Personen. Sofort haben die Pilger mit dem für den Jubiläumsablaß vorge­schriebenen Besuch der Basiliken begonnen. Unter wissenschaftlicher Leitung wurden ihnen die Grab­stätten der ersten christlichen Blutzeugen und die Gruft der Päpste in den Katakomben erklärt. Den Gipfelpunkt der Romreise bildete der Tag, an dem die Pilger der Messe des Heiligen Vaters in der Seligsprechungsaula beiwohnten und ebendaselbst tun Abend in Audienz empfangen wurden. Die Pil­ger selbst begleiteten die heilige Handlung mit dem Gesang von Kirchenliedern. Begeisterte Hochrufe empfingen den Heiligen Vater bei seinem Erschei­nen und begleiteten ihn, als er segnend, mit seinem Hofstaat die Aula verließ.

Unvergeßlich wird jedem Pilger der Augenblick bleiben, als der Hl. Vater die Reihen entlang schritt, jedem die Hand reichte, jedem freundlich ins Auge schaute, manche mit einer Anrede auszeichnete. Vom Throne aus hielt Seine Heiligkeit sodann eine feiner die Herzen gewinnenden deutschen Ansprachen. Nach Erteilung des Apostolischen Segens hörte der Hl. Vater noch stehend dasGroßer Gott wir loben Dich" an, das mächtig in der Aula widerhallte und bis weithin auf' dem Petersplatze vernommen wurde.

Bauernpilgerzug.

Unter persönlicher Führung des Kardinals Reig, Erzbischofs von Toledo und Primas' von Spanien, werden sich die katholischen Bauern Spaniens mit sämtlichen Bannern ihrer Bezirks- und Orts- Verbände des katholischen Bauernbundes Spaniens in einem gewaltigen Pilgerzuge nach Rom begeben. Wie in den Aufrufen gesagt wird, will die katholische Bauernschaft Spaniens damit vor der ganzen Welt Zeugnis ablegen ihrer unwandelbaren Treue zur katholischen Kirche. Dem Hl. Vater wird bei dieser Gelegenheit ein graphisches und synthetisches Werk über den heutigen Bestand des katholischen Bauern­bundes Spaniens überreicht werden. Mit Enthusias­mus ist man mit den Vorbereitungen der Landes­wallfahrt beschäftigt.

DiePfadfinder" in Rom.

So zieht denn hin nach Rom, dem Haupte Eurer Kirche, Eure Ehrfurcht zu bezeugen, beneidet von Euren Kameraden, zum größten Erlebnis Eures Lebens! Seid des Ernstes Eurer Fahrt eingedenk, eingedenk dessen, daß es nicht mehrere, sondern nur einen Herrn gibt, und daß die Seele mehr gilt als der Leibi Zeigt den vielen Kameraden aus anderen Ländern, die mit Euch zusammentreffen, wie die britischen Scouts ihre Pflichten als gute Katholiken erfüllen!" Mit diesen Worten verabschiedete der Schöpfer der Pfad­finderbewegung, der protestantische General Baden- Powell, 900 Voy-Scouts aus allen Teilen Eng­lands, die dieser Tage zu der großen Internationalen Tagung des katholischen Pfadfinderbundes in Rom eintrafen. Ihnen waren schon jugendliche Kamera­den in ihrer flotten Feldtracht aus den vier Ecken der Welt vorausgeeilt, ganz Italien hat feine Or­ganisationen entsandt, Zug um Zug trifft noch ein, so daß Rom heute wahrhaft unter dem Zeichen der Taufende von wettergebräunten wehrhaften Jungens im Schlapphut und mit dem Wanderstab steht. Im Gleichschritt, geführt von ihren Scout­

meistern und geistlichen Lehrern, marschieren üe von Basilika zu Basilika, erst den Pflichten her Pilgerfahrt zum Heiligen Jahr zu genügen, bevor die Tagung die Vertreter der Heranwachsenden ka­tholischen Generation aller Weltteile vereint. C n frisch, fromm, froher Auftakt zu dem demnächst < ginnenden Internationalen Kongreß der Um lischen Jugend, zu dem der um diese Bewegung hochverdiente Prälat Mosterts auch Vertretungen der drei deutschen Vereinigungen führen wird! Ganz Rom folgt mit freundlichen Blicken den Ni­schen Gestalten, deren Feldtracht heute das Leben der Stadt beherrscht, deren eisenbeschlagener Pfad- finderstab erobernd auf dem Pflaster der Straßen erklingt. Die katholische Jugend aller Länder ver­einigt sich zu den Füßen des gemeinsamen Vaters'.

Zur Politik,

Die Londoner Iuristenkonferenz, an der auch Deutschland beteiligt war, hat ihre Besprechungen beendet. Sie sollte vor allem die rechtlichen Vor­aussetzungen eines Sicherheiksverkrages zwischen Deutschland und Frankreich prüfen.

Eine Zusammenkunft der beteiligten Außen­minister wird im September folgen. Auch Strese­mann, der deutsche Außenminister, wird teilnehmen« Die Zusammenkunft wurde dieser Tage in Genf, wo eben der Völkerbundsrat tagt, durch die dort anwesenden Vertreter von Frankreich, England, Belgien und Italien beschlossen. Es ist wahrschein­lich, daß die verabredete Außenministerkonferenz auch in der Schweiz, und zwar in Lausanne statt­finden wird, etwa Mitte Oktober. Die Haupi- schwierrgkeit der Verhandlungen liegt darin, daß Frankreich die Sicherheit der Rheingrenze mit der Sicherheit der Ostgrenze verquicken will und für sich ein Durchmarschrecht durch deutsches Gebiet zur eventuellen Unterstützung Polens und der Tschecho­slowakei verlangt.

Zur Frage Wirth ist von großer Bedeutung die Landestagung des Zentrums für Baden, die dieser Tage in Offenburg stattfand. Wirch hatte Gelegenheit, sich zu seinem Austritt aus der Zentrumsfraktion zu äußern, und beteuerte felterlich, daß er nie daran gedacht habe, eine neue Partei zu gründen. Nur verlangt er, daß das Zentrum christlich-sozial bleibt. Alt- Reichskanzler Marx fand die rechten Worte: Das Zentrum muß bleiben: Wir brauchen das Zentrum und wir brauchen Dr. Wirth. Die Offenburger Tagung war ein mächtiges Bekenntnis zur republi­kanischen Verfassung und zur gesunden badischen Demokratie.

Der Reichsparkeikag der Deutschen Zentrums- partei findet voraussichtlich im November statt, und zwar wird der 16., 17. und 18. November in Aus­sicht genommen.

Iburg (Rsg.-Bez. Osnabrücks Ein Sohn des be­kannten westfälischen Zsurrumsführers Herold, Neair- rungsassessor Herold, wurde definitiv zum Landrat des hiesigen Kreises ernannt. Der Kreis ist überwiegend katholisch.

vom Landbund. Nach einer Meldung desBerliner Tageblatt" ist die Niederlausitz-r Landbundgenossenschaft mit einer Unterbilanz von 840 000 Mark zusammeu- acbrochen. Eine Untersuchungskommission hat festgestsllt, daß Vorstand und A. R. fahrlässig und die Geschäfts­führer leichtsinnig gehandelt hätten. Die Unterbilanz sei'verursacht durch eine leichtsinnige Kreditwirtschast und einen kostspieligen Beamtenapparat. 840 000 Mr. ist allerdings keine Kleinigkeit. Das gibt einen fetten Konkurs.

Malta.

Die Insel Malta im Mittelländischen Meer-, südlich von Italien, hat die katholische Relrgi n feierlich und offiziell als Staatsreligion anermnnt. Malta gehört zum englischen Wellrelch, hat - eigenes Parlament. Die Einwohnerschaft ständig katholisch.

Amerika.

Die Vereinigten Staaten haben einen schmerz­lichen Verlust erlitten. Das große amerikanisch LuftschiffShenandoah" ist in einem Sturm ^ schmettert worden. 15 Lustschiffer ^n^ -^

Wer denkt nicht an die große ÄPpAmlustscym katastrophe, die seiner Zeit dazu führte, bog ganze deutsche Volk dem Grafen Zeppelin half, st großes Werk sortzuführen!