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6t. ElWeth-Mtt

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatNch Auegaös A 35 Äoldvfennig 3 49 Go!d?seansg(freibl.) Redaktions- schlnz Montag Anzeigrn-Preise: Colonelzrile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonsizeile im Rrklamrteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-GrS. 0,10 Goldmark. Porto extra- Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda sein.

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Nr. 36

Uaffel, den 6. September 1925.

35. Iatzrg.

GschenKalender.

§0Mtsg, 6. September. 14. Sonntag nach Pfingsten.

Montag, 7. September. Bom Tage.

Dinstag, 8. September. Mariä Geburt. Hadrian, Mart., f 306.

Mittwoch, 9. September. Gorgonius, Mart., f 303.

Donnerstag, 10. September. Nikolaus von Tolentino, Bek., + 1308.

greife«, 11. September. Protus u. Hyazinthus, Mart., t 257. .

Samstag, 12. September. Mariä Namensfest.

vierzehnter Sonntag nach Pfingsten.

(Evangel. Matth. 6, 2433.)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Niemandkann zweien Herren dienen; denn entweder wrrd er den einen baffen und den andern lieben; oder er wird sich dem einen unterwerfen und den anderen verachten. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht ängstlich für euer Leben, was ihr essen werdet, noch für euern Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung ? Betrachtet die Vögel des Himmels; sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: und euer himmlischer Vater ernähret sie. Seid ihr nicht viel mehr als sie? Wer unter euch kann mit seinen Sorgen seiner Leibeslänze eine Elle zusetzen? Und warum sorget ihr ängstlich für die Kleidung? Betrachtet £te Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht und spmnen nicht: und doch sage ich euch, daß selbst Salomon in all' seiner Herrlichkeit nicht bekleidet Ä ist, wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das uf dem Felde, welches heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, also kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen! Sorget also nicht ängstlich und saget nicht: Was werden wir essen, was werden wir trinken, oder womit werden wir uns bekleiden? -^enn nach allem diesem trachten die Heiden. Denn euer Vater weiß, daß ihr alles dessen bedürfet. Suchet also zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, so wird euch dieses alles zugegeben werden.

Blumen aus Stein.

er Herr preist im heutigen Evange- Itum die Blumen und aus ihnen vornehmlich die Lilien des Feldes. W Selbst Salomon in all seiner Pracht u . Herrlichkeit war nicht gekleidet u»e eine aus ihnen.

diese^Äumen ^ ^^ gepflegt: und

Ul von Ort zu Ort solche liebliche Blân sich ^ Lu würden? Ist der Winter vmü^ ^ ^ Zergangen, steigt die Sonne höher Blumen"?'sr da sprossen allerwärts die So?n^ Aehn.iliist es gegangen mit den Kirchen, der ALs es noch Winter war, so lange die Stürme

Verfolgung brausten, so lange noch die rö­

mischen Gesetze und Cäsaren wüteten gegen Christi Lehre und Bekenner, gab es noch keine eigentlichen christlichen Gotteshäuser. Nur Betsäle in den Häu­sern der Reichen und Gewölbekammern im Schoß der Katakomben bildeten die Versammlungslokale der Christen. Kaum aber schwieg der Sturm der Verfolgung, da schaffen prachtvolle Gotteshäuser aus dem Boden hervor.

Wir wollen die Entwicklung und die Formen der Gotteshäuser an unserem Auge vorüberziehen lassen.

Wie schon bemerkt, gab es in den Zeiten der Apostel und in den ersten drei Jahrhunderten kerne eigentlichen Kirchen im heutigen Sinn. Die Apostel gingen sogar noch in die jüdischen Synagogen.' Aon Petrus und Johannes berichtet es ausdrücklich die Apostelgeschichte. Auch der hl. Paulus hatte bei feinen vielen Missionsreisen die Gewohnheit, über­all zunächst in den Synagogen zu predigen. Erst dann, als die Nachkommen Abrahams jede Gemein­schaft mit den Christen schroff ablehnten, die Apo­stel mißhandelten und verjagten, erst dann schüttel­ten diese den Staub von ihren Füßen und lenkten ihre Schritte zu den Heiden. Indessen scheint es, daß schon in den Apostolischen Zeiten die Christen ihre eigenen Versammlungsorte besassen. So heißt es von Petrus, daß er nach seiner Befreiung aus dem Kerker indas Haus der Maria, der Mutter des Johannes mit dem Zunamen Markus" sich be­geben habe.

Für die ersten zwei bis drei Jahrhunderte ha- ben wir uns die Sache so zu denken, daß Christen aus dem Patrizierstand selbst im Kaiserhaus und im Kaiserpalast gab es Christen, wie z. D Do- initilla, Nereus und Achilleus, Sebastian einen Saal ihres Palastes für die gottesdienstlichen Ver­sammlungen zur Verfügung stellten und entsprechend mit Altar und Kultgeräten ausstatteten. In sol- chen Sälen fanden auch die berühmtenAgapen" statt, religiöse Mahlzeiten mit persönlicher, liebe- voller Pflege der Armen. Daß in den Katakomben regelmäßiger Gottesdienst stattfand, wird von Auk- toritäten in Abrede gestellt; dazu waren die dor­tigen Räume zu klein. Daß aber ausnahmsweise beim Begräbnis oder Jahresgedächtnis eines Mär­tyrers oder zu Zeiten der Verfolgung die hl. Cucha- riftte dort gefeiert wurde, wird allgemein zugegeben.

Als nun durch die Vorsehung der Kaiser Ksn- stantin den römischen Thron bestieg, da brach für den Kirchenbau eine neue Epoche an: Frühlings­lüfte wehten und aus dem mit Martyrerblut ge­düngten Boden schossen unzählige Kirchen hervor. Eine Rührigkeit und Opferwilligkeit bemächtigte sich der Christen wie vielleicht nie mehr im Lauf der Kirchengeschichte. Konstantin selbst ging mit gutem Beispiel voran. Aus seinem eigenen Ver->

Es folgte disRenaissance" oderWiederge< burt" mit Anlehnung an die klassischen Formen bet< Griechen und Römer. Weiterbildungen derRe­naissance" sind der prächtigeBarock" (Dom in Fulda) und der überladeneRokoko" mit ihren majestätischen, lichtdurchfluteten Jnnenräumen. Die Neuzeit hat einen eigenen Stil nicht hervorgebracht,.' sondern zehrt vom Erbgut der Vorfahren und greift bei Neubauten bald zu diesem, bald zu jenem Stil.) Die Hauptsache ist ja auch nicht der Stil, fonbern. der Besitz und die Wertung eines Gotteshauses. Ist das Gotteshaus eine Blume, so sollst bu we., 7"" eigenen «er. i Biene sein, die mit emsigen Fleiße die Schatze oer

niogen und auf Staatskosten errichiete er eine Kirche Lehre und Gnade sammelt. Das -st der Ort -vo. zu Jerusalem über dem Grabe Christi, eine Kircke wir das Wort des Herrn m dis Praxis umsttzen< zu Heliopolis in Phrygien, eine Kirche zu Nikome-!Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gere^, eien, eine Kirche in Konstantinopel, eine Kirche in! figteit^ DerBurgpfar.p ö

Tyrus, zwei Kirchen zu Rom, eine am Vatikan zu Ehren des hl. Petrus und eine am Lateran zu Ehren des allerheiligsten Erlösers. Offenbar wur- den auch manche heidnische Tempel in christlich? Gotteshäuser verwandelt. So berichtet Eusebiusz In den Städten und Flecken, auf den Ackern und' öden Landstrichen der Barbaren weihte Konstantin Tempel zu Ehren des Herrn".

Wie die Blumen die verschiedensten Formen haben, wie die Rose eine andere Gestalt hat als die Lilie, und die Tulpe eine andere als die Nelke, und doch jede schön ist in ihrer Art, so gibt es auch ver- sÄedene Arten undStile des Kirchenbaus. Jede Art hat ihr besonderes Gepräge und ihre eigen* tümliche Schönheit.

Die ältesten Kirchen sindBasiliken", der Gestatt nach Rechtecke mit zwei bis vier Säulenreihen und drei bis fünf Schiffen. Daran schließt sich die Apsis mit Altar und Ambo. An mir selbst habe ich er- fahren, wie ehrwürdig und betfam solche alte Ba­siliken wie in Rom sind; aber auch neuere wie die Bonifatiusbasilika in München besitzen eine außer­ordentliche Anziehungskraft.

Aus der Basilika entwickelte sich derroma* msche" Stil mit den gewaltigen Mauern, mit den Rundbögen, mit dem Kreuzgewölbe, mit dem mas­siven Turm, mit der unterirdischen Krypta. Ernst und feierlich wirkt eine solche romanische Kirche wie z. B. die Abteikirche von Maria Laach.

Die zweite, Hälfte des 12. Jahrhunderts schenkte uns dengotischen" Stil, der besonders in Nord- frankreich und Deutschland zu hoher Blüte ge- langte^ und bis zur Reformation die Herrschaft an sich riß. Die Spitzbögen, die dünnen Mauern, die Strebepfeiler, die Fialen mit den wasserspeienden Drachen, das steile, hohe Dach, die hohen, bunt- gemalten Fenster mit dem vielgestaltigen Maßwerk, der Durchbrochene Turm, das Zierliche, Durch­geistigte, Hochgestreckte bilden die Wesensmale des gotischen Stiles", dis uns die Worte des Pfal- misten entlocken:Zu dir, o Gott, erhebe ich meine Seele, der du wohnst in dem Himmel". ,