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Kassel, den 9. MigO 1925
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wochenkalender.
§0Mt«g, 9. August. 10. Sonntag nach Pfingsten. Romanus röm. Soldat, Mart., f 258.
Montag, 10. August. Laurentius, Eczdiakon zu Rom, Mart, f 258 (mit Oktav).
Dienstag, 11. August. Von der Oktav. Tiburtius und Susanna, Mart., f um 290.
Mittwoch, 12. August. Klara, $gfr., Stifterin des II. Ordens des hi. Franziskus, f 1255.
Donnerstag, 13. August. Oktav des Festes der Ver» klärung Christi. HippolytuS (f 258), Kriegsmann, und Kassianus (f 368), Lehrer, Märt. Johannes Berchmans, Bek., f 1621. Wigbert.
Freitaa, 14. An irrst. Fest der Kirchweihe der Kathedral- kirche. Brgtlfasttag.
Samstag, 15. August. Fest Mariä Himmelfahrt- Stanislaus Kostka, Jugendpatron. Tharsizius, Mart-
Zehnter Sonntag nach Pfingsten.
(Evangel. Luk. 18, 9—14.)
In jener Zeit sprach Jesus zu einigen, die sich selbst zutrauten, daß sie gerecht seien, und die übrigen verachteten, dieses Gleichnis: Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin, und betete bei sich selbst also: Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin, wie die übrigen Menschen, wie die Räuber, Ungerechten, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich besitze. Der Zöllner aber stand von ferne, und wollte nicht einmal tie Augen gegen Himmel erheben, sondern schlug an seine Brust, und sprach: Gott sei mir Sünder gnädig. Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, jener nicht, denn ein jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedriget, und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden.
Ein gefährliches Augenleiden.
J) 6 ist ein allzuhäufiges, dabei sehr gefährliches Augenleiden, das der , HErland in seinem Gleichnis vom £ *9«wf«r und Zöllner kurieren mochte.
^o^0^^ besteht dieses Augenlei- brauck der m 3n .Einem doppelten @e= scharf das m$r3 eme Mai sehen wir zu Ur i' da^ andere Mal ungenau. Das eine wm d^Auaen hV211,0611 ^ Adlers, das andere Mal nöwn^ 5 et"e5 neugeborenen Hundes. Gilt es haben wU beu^m'' ^f <ârn zu erkennen, da Fehler an ^« c ^^en; gilt es aber, die eigenen ^kennen, da sind wir blind.
jeden w»m r e Heiland, welcher das Licht ist, das W "leuchtet, der in diese Welt kommt,
j-m Augenubel feine Aufmerksamkeit zuge-
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 33 NUdsfennig 3 49 Aoldpfennlg (freibl.) RsdrttionL- schluz Montag Änzelgrn.Pcrise: Coloneljrile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklamstell 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.- Geb. 0,11 Goldmark. Porto extra- Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetien-ruckerst in Fulda jein.
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einen Hang von Natur oder viel häusliches Mißgeschick oder er ist ein Opfer der Verführung.
Wir begehen vielleicht eine kleine Hehlerei, Nascherei, Ungerechtigkeit, Betrug, Diebstahl. Es kommt aber nichts heraus. Ein „anderer" aber wird beim Stehlen erwischt und hinter die Gitter gesetzt. Sind wir also „besser"? Vielleicht begehst du sittliche Exzesse und hast Verirrungen aufzuweisen auf dem Gebiet der Ehe oder im ledigen Stande. Doch bleibt alles im Geheimen oder man versteht sich darauf, die Folgen vor der Oeffentlichkeit sogar durch neue Verbrechen zu hintertreiben. Ein „anderer" _aber oder „eine andere" begeht einen öffentlichen Fehltritt, der ans Tageslicht kommt und willkommenen Klatsch gibt. Ach, da gibt es viele „Tugendhelden", die da sagen oder denken: „Da sind wir doch bessere Menschen". Und doch ist es vor dem gerechten Gerichte Gottes vielleicht umgekehrt. Oder es trifft dich irgend ein Unglück, eine Prüfung, eine Krankheit. Gern willst du anerkennen, daß es eine gerechte Strafe ist für deine Sünden. Aber „dieser und jener", hat er denn nicht noch größere Sünden auf dem Kerbholz? Weshalb trifft ihn keine Strafe? Weshalb blüht er in Glück und Wohlstand wie eine Platane am Bachesrand? Siehe, das find Gedanken des Hochmutes; das ist vermessenes Urteil über den Mitbruder.
Dürfen wir aber über die Sünden der Menschen überhaupt nicht urteilen? Doch; aber dieses Urteil steht den Eltern und Vorgesetzten als Gottes Stellvertretern zu. Urteil und Strafe über die Sünde muß sein. Das ist eine Pflicht der Gerechtigkeit. Von diesem Urteil spricht der Heiland nicht. Er hat sich ja selbst das letzte Urteil vorbehalten für das Ende der Welt. Was aber der Heiland oerwirft, bas ist das Privaturieil, das aus Hochmut, Vermessenheit und Lieblosigkeit hervorgeht. „Rich- tet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet; mit demselben Maß, mit dein ihr ausmesset, wird euch wieder eingemessen werden".
Wie strenge sind die Heiligen in dieser Hinsicht mit sich selbst gewesen. Sankt Franziskus hatte einmal dem Bruder Bernhard gerufen; dieser aber war in Gebet versunken, hörte nicht und öffnete nicht. Franziskus hielt das Benehmen des Bru-: ders für 'Nachlässigkeit. Bald darauf wurde ihm: aber von Gott geoffenbart, daß Bruder Bernhard, in einer Verzückung war. Da kehrte Franziskus- zu Bernhard zurück und befahl ihm im Gehorsam, ' dreimal über ihn wegzuschreiten mit den Morsten: „Liege da auf der Erde, du elender Sohn des Ber- nardone; ein wie großer Stolz ist in dich gejahre^, der du doch nur verachtet zu werden 0®™^\\
Wohlan, arbeiten wir daran, d-e besagte A 9
IJÄ aber um unsere eigenen Fehler, so. wollen wir ein Vergrößerungsglas aufsetzen. ®<init; mirb ein mildes Urteil über uns ergehen am Tage des großen Gerichtes. Der Bürgpfarrer«
wendet. Aufs klarste hat er dessen Diagnose erkannt und in folgenden Worten geprägt:
Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders: den Balken aber in deinem eigenen Auge siehst du nicht? Oder wie kannst du sagen: laß mich den Splitter aus deinem Auge ziehen, während in deinem eigenen Auge ein Balken ist? Ziehe also zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann magst du zusehen wie du den Spitter aus dem Auge deines Bruders ziehen magst!"
An dieser Krankheit litten ehemals die Phar - säer. Einer aus ihnen sah einen Zöllner, der im Tempel betete. Da fielen dem Parisäer sogleich die vermeintlichen Sünden des Zöllners ein; seine eigenen aber wollten ihm nicht einfallen; im Gegen» teil, er bemerkte einen ganzen Flor von Vorzügen und Tugenden. Die andern Menschen, dachte er, sind lauter Räuber, Diebe und Ehebrecher; und dieser Zöllner wird wie die andern Zöllner auch ein Betrüger und Halsabschneider sein.
Siehst du die Augenkrankheil des Pharisäers? Den Zöllner verurteilt und verachtet er; sich selbst liebt und lobt er. „Ich bin ein ganz ausgezeichneter Mensch; unser Herrgott muß an mir seine helle Freude haben. Ich halte mich ans Gesetz bis auf den letzten Buchstaben; ich gehe sogar darüber hinaus; ich faste zweimal am Sabbat und gebe den Zehnten von allem!"
Welch ein braver, musterhafter, vollkommener Mensch. Und doch, was hat denn unser Heiland, dieser unfehlbare Herzenskenner über die Pharisäer geurteilt? Hat er nicht gesagt, daß sie übertünchten Gräbern gleichen, die von außen schön in die Augen fallen, inwendig aber voll sind von Moder und Totengebeinen? Hat er nicht gesagt, daß sie zwar die Becher und Schüsseln von außen reinigen, daß aber ihre Seele voll ist von Raub und Unersättlichkeit? Das wollte aber der Pharisäer nicht sehen. Dagegen gefiel er sich in seinen Uebungen der Frömmigkeit, in seinem Fasten bis zur Erschöpfung, in seinen Gebeten an den Straßenecken, in seinen Almosen beim Schall der Trompeten. —
Leiden wir vielleicht auch an einem solchen Augenübel? Es ist wie gesagt sehr allgemein, und es ist eine Seltenheit und ein Beweis großer Heiligkeit, wenn jemand davon vollkommen frei ist. Viel- leicht sind wir zwar noch nicht so weit, daß wir uns für „Heilige" ausgeben. Aber immer wollen wir wenigstens besser sein als „die andern". Wir trinken vielleicht täglich unser „Gläslein in Ehren". Ein anderer aber hat gelegentlich „einen Rausch". Sind wir da nicht bessere Menschen? So kommt es uns vor. Und doch kann es vor Gott anders sein. Vielleicht hängst du mit Lust und Hartnäckigkeit an deinem Gläschen oder Schoppen! vielleicht brauchst du manche Mark dazu; vielleicht versäumst du darüber diese oder jene Rücksicht auf deinen Beruf oder deine Familie. Der „andere" aber hat vielleicht