Ausgabe B.
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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jede» Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35 Solbpfennlj B 40 Äsldpsrnnig (scelbl.) Redaktionsschluß Montag Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Cownelzeile im Reklametetl 9,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Osf-Äsb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerel in Fulda sein.
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Kassel, den 3. Mai 1925.
Wochenkalender.
Sonntag, 3. Mai. 3. Sonntag nach Ostern. Auffindung der hl. Kreuzes 326. Alexander, Papst u. Mart., f 119. Montag, 4. Mai. Monika, Mutter des hl. Augustinus, t 378. Godehard, Bischof von Hildesheim.
Dienstag, 5. Mai. PiuS V., Papst, f 1572.
Mittwoch, 6. Mai. Oktav des Festes des hl. Joseph.
Johannes (Apostel) vor dem lateinischen Tore.
Donnerstag, 7. Mai. Stanislaus, Bischof, Mart., f 1079 Freitag, 8. Mai. Erscheinung des Erzengels Michael- Samstag. 9. Mai. Gregor von Nazianz, Kirchenlehrer,
Dritter Sonntag nach Ostern.
(Evangel. Joh. 16, 16-22.)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen: und wieder eine kleine Weile. so werdet ihr mrch wieder sehen; denn ich gehe zum Vater. Da sprachen einige von seinen Jüngern unter einander: Was ist das, daß er zu uns sagt: Noch eine kleine Weite, so werdet ihr mich nicht mehr sehen: und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen, und: Denn ich gehe zum Vater? Sie sprachen also: Was ist das, daß er spricht: Noch eine kleine Weile? Wir wissen nicht, was er redet. Jesus aber wußte, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Ihr fraget unter euch darüber, daß ich gesagt habe: Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen: und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder seyen. Wahrlich, wahrlich, sag' ich euch, ihr werdet weinen und wetzeklagen: aber die Welt wird sich freue«. Ihr werdet traurig sein: aber eure Traurigkeit wird m Freude verwandelt werden. DaS Weib, wenn eS gebärt, ist traurig, weil ihre Stunde gekommen ist: wenn sie aber das Kind geboren hat, so denkt sie nicht mel,t °n d'e Angst wegen der Freude, daß ein Mensch zur Welt geboren worden ist. Auch ihr habet jetzt ^eauer, aber ich werde euch wieder sehen und e yreube wird niemand von euch nehmen.
Des Christen Steude.
inst wurde der hl. Aloysius von seinem ^"ier, Markgraf Ferdinand von Ea tiglione, auf eine Rene gesandt und mußte in einer Herberge über» nackten. Als er in seine Schlaf» kammer gekommen war, sah er sich der etwas "ilen Seilen um wie ein Mensch, huschle rin ^"ü als er das Gejuchte nicht fand, sangen. j1 ?" Wehmut über seine bleichen ein qro6pa f ^'er entnahm er seinem Reisegepäck zog auf das nahm vom Ofen eure Kohle und i oas Papier einen kräftigen Längs» und
Querstrich und das Kreuz war fertig. Ehrerbietig heftete er das Zeichen des HeilS an die Wand, kniete davor nieder und verrichtete sein Abendgebet.
Seht, wohl konnte AloysiuS ohne Begleitung, ohne Bücher, ohne Speise sein; aber ohne Krenz konnte er nicht sein: denn das Kreuz war seine Freude.
Das Kreuz soll auch unsere Freude sein. Das Weiß des heutigen Sonntages wird überdeckt vom Rot des Kreuzesblutes. Begeht ja die Kirche heute in dankbarer Gesinnung das Fest Kreuzcrfindung. Das wahre Kreuz Christi war auf dem Kalvarienberge verschüttet worden und in Vergessenheit geraten. Helena, des Kaisers Konstantin fromme Mutter, ließ nach diesem Schatze graben und hat ihn gefunden. Zu Jerusalem wurde dem Kreuz zu Ehren eine Kirche gebaut und ebenso in Rom.
Venantius Fortunatuâ verfaßte zu Ehren des Kreuzes eine Hymne, die als kostbarer Edelstein der Römischen Liturgie eingeführt wurde und die an allen Festen des Kreuzes, und so auch heute, im Breviergebet der Priester ihren poetischen Glanz erstrahlen läßt. In deutscher llebeisetzuug hat dir Kreuzcshymne folgenden Wortlaut:
1. Des Königs Banner wallt hervor, Hell funkelnd ragt dar Krtuj empor; An dem den Tod da» Leben starb Und Leben uns im Tod erwarb.
2. Dort, als des Heilands Auge brach, Die Lanze seine Brust durchstach. Dort floß sein Herzblut purpurrot, Zu tilgen alle Schmach und Not.
3. Ec füllt ist, was durch Davids Mund, Der Geist den Vätern machte kund, ' Den Völkern rufend nah und fern: Vom Holz regieren seht den Herrn!
4. Wie bist du, Wunderbaum, beglückt,
- Mit Kölligspurpur hochgeschmückt!
Du trägst, ein blutgefärbter Thron, In Sieg und Tod den Gottessohn.
ö. Heil dir, des Arm umschlungen hält DaS Lösegeld der sünd'gen Welt, An dem der reinste Leib sich wiegt, Des, der den Höllenfeind besiegt,
6. Kreuz, unsere Hoffnung allezeit!
In dieser Heilgen Osterzeit D'en Frommen mehre Gnad und Huld, Zu nichte mach der Sünde Schuld.
7. Dir, Heilesguell, Dreifaltigkeit, Sei aller Wesen Lob geweiht!
Du bautest uns des Kreuzes Thron; Verleih uns auch des Kreuzes Lohn!
des
Du siehst die Begeisterung und Freude Dichters und der Kirche am heiligen Kreuz. Warum sollte es nicht auch deine Freude sein? So schimpflich, io peinlich, so entsetzlich auch das Kreuz dem Erlöser gewesen ist, hat es ihm doch sein ganzes Herz, seine ganze Freude und Liebe zugewendet. In der geheimen Offenbarung nennt Sankt Johannes den Heiland »das Lamm, das getötet ist seit An
beginn der Welt" (Geh. Offb. 13, 8). Zwar ist Jesus erst in der Fülle der Zeit, unter dem Landpfleger Pontius Pilatus, gekreuzigt worden; aber fein Kreuzestod wurde schon bestimmt „seit Anbeginn der Welt." Ja, noch vor der Weltschöpfung, schon von Ewigkeit, her, hat die heiligste Dreifaltigkeit den Ratschluß der Erlösung gefaßt, und der Sohn Gottes hat diesem Ratschluß mit ganzem Herzen beigestimmt und seit der grauen Ewigkeit seine Freude gehabt am Kreuz, dem Zeichen der Erlösung. In diese Weit eingetreten, hat der Heiland sogleich sich für das Kreuz entschieden und demselben seine ganze Liebe zugewendet. Obwohl er vermöge seiner Freiheit die Wahl hatte zwischen Schande und Ehre, zwischen Reichtum und Armut, zwischen Freude und Leid, hat er mit voller Hingabe sich für das Kreuz entschieden. Wie in seinen Kindertagen das Kreuz ihn beschäftigte, diesen Gedanken bringen unsere Künstler auf manigfache Weise zum Ausdruck. Hast du noch nie eine Darstellung des Jesukindes gesehen, wie er auf dem Kreuze schläft? Oder wie er das Kreuz in die Arme nimmt? Oder wie er in der Werkstatt seines Vaters mit Klötzchen oder Brettern spielt und unwillkürlich daraus ein Kreuz formt? Und sagt nicht der Heiland, daß der Mund von dem überlaufe, wovon das Herz voll ist? Run hat ec auf dem Tabor mitten im Triumph der Verklärung von feinem Leiden und vom Höhepunkt des Leidens, von seinem Kreuz, gesprochen. Bedenke also, mit welch zärtlicher Liebe der Herr die Kreuzesgedanken unterhaltet» und gepflegt hat. Und aus Liebe zum Kreuz hat er dasselbe trotzsaller Herausforderung nicht eine Sekunde früher verlassen, - als es der Wille des Vaters war. Daß aber unser' Herr und Heiland sogar nach der Auferstehung noch die Spuren der Kreuzigung, die hl. Wund- male, an sich trug, das würde uns unglaublich" vorkommen, hätte nicht der Herr eben diese Wundmale den Aposteln und insonderheit dem Zweifler- Thomas gezeigt. Diese Spuren seines Kreuzestodes wollte er mitnehmen in das Reich der Selig-, keit, macht sie dort zur Verehrung des ganzen Himmels, kommt in denselben zum Gericht. Sein Lieblingsgespräch nach seiner Auferstehung bildete das Kreuz. An den Psalmen und Propheten wies er den Aposteln und Jüngern nach, daß Christus so leiden mußte, um in seine Herrlichkeit einzugehen.
Von Christus haben es die Heiligen übernont* men. Welche Begeisterung für das Kreuz -beim Dölkerapostell Nichts anderes will ich wissen, schreibt er, als einzig und allein Christum, und zwar den Gekreuzigten. Wiederum ruft er wie m Ekstase aus: „In keiner anderen Sache mU W mich rühmen außer im Kreuze Christo >n ) Heil ist und Leben und Auferstehung, durch das mir Gerettet unb befreit sinh, „
Zeige deine Freude am Kreuz. In deiner Stube, in deinem Salon, in deiner Kammer, bildet es den Hauptschmuck, und ohne Kreuz soll es btt