äxiaes Verlangen. Da halfen viele edle Herzen mit kleinen Gaben, um ihm das Studium zu ermöglichen, das dem Knaben namenlos viele Ent- iaaunaen und dornenvolle Wege bereitete. Doch ein Verlangen, dem Heilande zu dienen, war so tief und sein Wille so stark, daß er dennoch endlich zum Ziele zu gelangen hoffte. Sein Gottvertrauen und seine heldenhafte Ausdauer tauschten ihn nicht. Der arme Knabe war Joseph Sarto, der spätere große Papst Pius X. dessen Ponti- Mat zu den segensreichsten Abschnttten im Werde- gmige der katholischen Kirche gehört, und dessen Name unauslöslich glorreich den Herzen aller katholischen Christen eingeprägt ist. Wie mögen in der Ewigkeit ihn in seliger Freude alle jene umgeben, deren Almosen ihm halfen, die Stufen des Altares hinaufzusteigen!
Und endlich, geliebte Diözesanen, das wichtigste aller Hilfsmittel: das Gebet des ganzen katholischen Volkes um gute Priester. Der Priesterberuf ist ja eine der größten Gnadengaben Gottes. Niemand kann diese Gnade erringen aus eigner Kraft, aus eignem Verdienste. Solche Gnade will erdetet sein, — erdetet vom ganzen katholischen Volke; denn das Heil des ganzen Volkes hängk ab vom Fortwirken des Priestertums Jesu Christi auf Erden.
Darum kann nicht innig genug aufgefordert werden mit den Worten (Matth. 9, 38) des Heilandes: „Betet zum Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende!"
Darum flehen die Priester in ihrem Breviergebete und im Memento am Altare. Darum beten gute Eltern, die im Herzen eines Sohnes die ersten Anfänge des Priesterberufes zu erkennen glauben. Darum soll das ganze Volk immer wieder herzlichst beten im hl. Meßopfer, bei der hl. Kommunion und an jenen großen hl. Vierzeiten des Jahres, die wir Ouatembertage nennen.
Auf denn zu treuem und innigem Gebete uni viele gute Priester! Ein solches Gebet, beharrlich und aus tiefster Seele geübt, im Verein mit dem Bischöfe und den Priestern der ganzen weiten Diözese, wird zum Herzen des ewigen Hohenpriesters dringen. Der gute Hirt wird es nicht unerhört lassen. Der Segen dieses Gebetes wird über Euch alle kommen, die ihr nach des Apostels Worte seid „ein königliches Priestertum!"
(Aus dem Hirtenbrief des Kardinals Bertram).
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Der kleine Märtyrer.
Bon Henriette Brey.
Er war wirklich ein kleiner Märtyrer, einer
von
denen, die nur auf die Erde gekommen zu sein scheinen, um zu leiden Sechs Jahre war der kleine Georg alt — und mehr als die Hälfte dieser kurzen Lebenszeit hatte er in Krankenhäusern und Kliniken zugebracht. Viele Nähte und Narben zeigte sein abgezehrter Körper und das linke Beinchen war eine einzige Wunde; es war zusammengekrümmt und verschwollen, der Knochen lag an einigen Stellen bloß. Und wer den kleinen Kranken ansah, wie er so still und geduldig in seinem weißen Bettchen lag, wer in das blasse, schmerzverzogene Gesichtchen blickte, und in die großen, fragenden Kinder- augen, die so oft im Fieber glänzten, dem mußte das Herz weh tun.
Georg Walden war das älteste von vier Geschwistern und in Wahrheit das Schmerzenskind feiner hartgeprüf- ten Eltern. Sie hatten schwere Opfer für ihn gebracht und sie konnten sich nicht darüber trösten, daß ihr Lieb-
/^uugslas dahinsiechen sollte. Darum hatten sie s "och in die Klinik eines berühmten Professors setzten N^n^â^ gebracht, auf den sie ihre letzte Hoffnung
So lag er nun in dem großen Krankenhause.
der Zeit, wo er mit anderen kleinen
Ehlich herumspringen und ihre Spiele feiten kann e'â ^tte er bisher ja nie gekonnt! Er -ich würde Ä^ Rollstuhl. Wie herr- lieben Eltern unh Cnl .1 10 *mmer durfte er bei den in die Schule miirh” £ emen Geschwistern bleiben! Und Ato ^fS «»«•I«" und |d, wiedererkennen würde $ef °r ^" "°ch wohl fein Beinchen s W kam? Ob
kicher, der eine ^ ^^ ^ V"g°r Geist- "e schwere Operation überstanden hatte,
und bis zur völligen Genesung noch einige Zeit in der Klinik bleiben mußte. So oft es seine noch schwachen Kräfte erlaubten, besuchte der junge, bleiche Priester seinen kleinen Nachbarn und hatte bald das Zutrauen und die Liebe des armen Kranken gewonnen. Er erzählte ihm Geschichten, las ihm vor und plauderte mit ihm. Wenn das Fieber durch seinen Körper raste und er vor Schmerz wimmerte und stöhnte oder auch todesmatt da lag — dann wollte er außer der Schwester niemand bei sich sehen, wie nur den „Onkel Kaplan". Der saß dann an seinem Vette und sprach ihm Trost und Mut zu, und erzählte ihm vom lieben Heilande, der so viel für uns gelitten und der die kranken Kinder besonders liebte. Von dem schönen Himmel erzählte er, und daß die geduldigen, frommen Kinder einst lichte Engel im Himmel würden. Oder er saß nur still am Schmerzenslager des Kleinen, hielt die fieberheißen Händchen, trocknete die großen Tropfen aus dem abgemagerten Gesicht und legte seine Hand auf die glühende Stirne, nur hin und wieder ein Trostwart ihm zuflüsternd. — In solchen Stunden war es, wo der kleine Georg die eiigelhafte Geduld gelernt hatte, dieses tapfere, standhafte Ertragen der Schmerzen beim täglichen Verbinden des kranken Gliedes. Er wollte für den lieben Heiland leiden, der ja noch viel Schwereres erduldet hatte, und der ihm das Leiden nur schickte, weil er zu seinen Lieblingen gehörte und ihn sich ähnlich machen wollte! So hatte ihm Onkel Kaplan versichert.
„Das Kind rührt mich oft zu Tränen," sagte einmal der junge Doktor zu Hartwig, als er mit dem Vikar zusammen Georgs Zimmer verließ, „dies stille, klaglose Ertragen so furchtbarer Schmerzen — denn das Uebel hat bereits den Knochen ergriffen — ist wirklich heldenhaft. Bei Erwachsenen, die eben Vernunftgrllndcn zugängig sind, wäre es ja einigermaßen erklärlich, aber bei einem Kinde ist es ergreifend und erstaunlich."
„Glauben Sie wirklich, Herr Doktor, daß auch bei Erwachsenen Vernunftgründe allein, ohne den Trost der Religion stark genug sind, wirklich schwere Leiden geduldig und starkmütlg zu ertragen?" fragte der Geistliche.
Doktor Hartwig zuckte die Achseln. Er war, obgleich ein edler Charakter und voll Gewissenhaftigkeit und Herzensgüte, doch in religiöser Hinsicht von einer abweisenden Gleichgültigkeit. Der Aufenthalt auf der glaubenslosen Universität hatte sein religiöses Gefühl abgestumpft, und wenn er auch nicht ben Glauben verloren hatte, den seine frommen Eltern ihm eingepflanzt, so waren doch die freigeistigen Lehren nicht ohne Einfluß auf ihn geblieben.
„Es scheint manchmal schwer, Hochwürden, an eine gerechte Vorsehung zu glauben," sagte der Doktor, „wenn man die Leiden dieses schuldlosen Kindes sieht, dessen ganzes Dasein eine einzige Kette von Schmerzen ist!"
„Gewiß, Herr Doktor, wenn nicht der Ausgleich in der Ewigkeit wäre, wo Gottes weise Absichten offenbar und alle Leiden in unendliche Freuden verwandelt werden."
Nachdenklich verabschiedete sich Doktor Hartwig.
Die Kräfte des kleinen Kranken nahmen inzwischen von Tag zu Tag ab. Heute war sein kleines, zärtliches Herz besonders betrübt und niedergeschlagen. Bisher hatten feine lieben Eltern ihn allwöchentlich besucht — sein Vater war Gymnasiallehrer in einer wenige Stunden entfernten Stadt — nun war Mania schon längere Zeit nicht mehr mitgekommen, sie war erkältet, wie Papa sagte. Und er hatte doch so großes Verlangen nach ihr! Und jetzt war auch sein Vater bald zwei Wochen ausgeblieben, vielleicht war die Mutter sehr krank!
Und der arme Knabe weinte vor Bangigkeit und Heimweh und Sehnsucht.
„Papa ist gewiß abgehalten, lieber Georg," tröstete liebevoll der Dusel Vikar, dem er sein Leid klagte, „gräme dich nicht, mein lieber Junge, er wird wohl bald kommen und gute Nachricht mitbringen! Komm, wir wollen zu- fammen ein Vaterunser beten, daß der liebe Gott deine guten Eltern beschützen möge. Und dann nehmen wir den schönen neuen Baukasten, den Papa dir neulich mitgebracht hat, und bauen eine große Festung oder eine Kirche." — Am folgenden Tage endlich kam Georgs Vater. Er hatte feinem kranken Sohne eine freudige Botschaft zu verkünden. Der liebe Gott hatte ihm ein Schwesterchen geschenkt zu seinen drei Brüdern, ein liebes, kleines Schwesterchen!
Georgs Jubel war unbeschreiblich. Er vergaß seine Schmerzen und bestürmte seinen Vater mit tausend Fragen. Und warum er Mama und das Schwesterchen nicht gleich mitgebracht hätte?
„Nein, das geht jetzt noch nicht, mein lieber Junge," sagte Herr Walden lächelnd, „das Schwesterchen ist so zart und schwach, Mama muß bei ihnr bleiben und es pflegen. Später bringt sie es dir. Bis dahin sei recht brav und geduldig, nicht wahr, Liebling?"
Georg nickte unter Tranen. Immer hieß es, mar/ ten, warten! Und er sehnte sich doch, ach, er sehnte sich so sehr nach Mama, nach Haufe, nach allen . . . Aber nein, er wollte jetzt nicht weinen, nicht den guten Baters betrüben. Und tapfer bezwang er sich.
Zärtlich verabschiedete der Vater sich von seinem Kinde und versprach baldiges Wiederkommen.__
Vor seiner Abreise hatte Herr Walden noch eine Unterredung mit dem alten Geheimrat, der ihm schonend eröffnete, daß der Zustand des Beines sich bedenklich verschlimmert habe und vielleicht schon in den nächsten Tagen eine Amputation des kranken Gliedes notwendig sei, um das drohende Eintreten von Wundbrand zuj verhüten und bem armen Kinde das qualvollste Ende jU ersparen.
Schweren Herzens gab Herr Walden feine Einwilli» gung. Der junge Doktor Hartwig begleitete ihn an deck Ausgang des Hospitals. Er sprach ihm seine innige Teil/ nähme aus und sagte, wie lieb alle den kleinen Knaben^ gewonnen hätten.
„Gottes Wille geschehe," sagte Herr Walden gepreßt, „er weiß am besten, wozu es gut ist. Meiner armen Frau darf ich nichts davon sagen."
Es war zehn Tage später. Die Aerzte hatten vor einer Woche dem armen Knaben in der Narkose das Bein abnehmen müssen. Aber sie konnten sein Leben nicht dadurch retten, nur ihn vor größeren Qualen bewahren., Das Fieber zehrte seine Kräfte rasch auf und es ging mit schnellen Schritten dem Ende zu.
Tagelang hatte er nach der Amputation in heftiger Fieberglut gelegen und niemand gekannt, nicht einmal seinen Vater, der mit blutendem Herzen sein Kind so leiden sah. Er rief nur manchmal flehend: „Mutter — liebe Mama!" klagte über Schmerzen im Beinchens und griff immer krampfhaft nach der Stelle, wo doch kein Bein mehr war.
Nun hatte das Fieber ausgetobt unb die Schatten be* Todes fingen an, sich über ihn auszubreiten. Bewe/ gungslos, mit geschlossenen Augen lag der Kranke ba^ Schmach und mühsam ging der Atem, die Stimme klang gebrochen. Und wenn er ausblickte, so hatten sein« Augen einen fast überirdischen Ausdruck.
Heute hatte man Herrn Walden telegraphisch an da^ Sterbebett gerufen. Schmerzgebrochen saß der schwer^ geprüfte Mann da, das Gesicht in den Händen bergend. Es war zu viel des Leides, das über ihn hereinbrach. Daheim war seine Frau schwer krank ■— sein Töchterchen lag im Sarg, in der letzten Nacht hatte die kleine Seele die zarte Hülle verlassen und war in den Himmel hinaus- geflogen — und hier in der fremden Stadt, fern von der Mutter, lag sein ältester Sohn sterbend . . .!
„Papa," flüsterte Georg klagend, „warum ... sammt Mama — nicht?"
Die Klage des sterbenden Kindes, das vergebens nach der Mutter rief, schnitt dem armen Vater ins Herz.
„Mama ist krank, Liebling," sagte er mit mühsame» Fassung, „sie läßt dich grüßen und . . ."
Er vermochte nicht weiter zu sprechen.
„Dein Mütterchen kann jetzt nicht kommen, lieber Georg," sagte liebevoll der Kaplan, der an der andern) Seite des Bettes kniete, „opfere dein Verlangen dem lieben Heiland auf, leide es ihm zuliebe . . ."
„Dir . . . zulieb . . . o Jesus," flüsterte das Kind' in rührender Folgsamkeit.
„Und wenn du ein Engel bist und beim lieben Gott weilst, dann bete, daß er deine Mutter bald wieder gesund mache."
Der Sterbende öffnete die Archen und blickte hilfc, suchend den Priester an. „Nein . . ." hauchte er, „jetzt noch . . . fein Engel, erst . . . nad) Hause . . . Mama und . . . das . . . Schwesterchen . . . sehen."
Doktor Hartwig, der mit feuchten Augen am Fußende
des Beltes stand, blickte auf den schinerzbewegten Vater.
„Sagen Sie es ihm lieber," flüsterte er mitleidig.
„Liebes Kind," sagte der Vater mit erstickter Stimme, „dein Schwesterchen ist schon ein Engel, heute nacht hat der liebe Gott es zu sich geholt — es wartet im Himmel auf dich."
Ein Lächeln huschte über das bleiche Gesichtchen.
„O, dann . . . will ich . . . gehen ... — lieber . . . Jesus — . .
Ein letzter Blick glitt über alle hin: seinen Bater, den Priester, die Schwester — und blieb auf dem Arzt Hasten.
„. . . Onkel Doktor . . . auch . . . beten — —
hauchte er.
Und der junge Doktor beugte seine Knie und faltete tief ergriffen die Hände — am Sterbebette dieses sie ne« Märtyrers lernte er wieder beten. ~
Da lächelte der Sterbende und schlag müde W Augen. Und das verklärte Lächeln lag noch auf feine« Zügen, als der Todesengel sie küßte und die reine SceK in die Heimat der Engel führte.