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Ausgabe B

Kassel, den V März 1925.

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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35®otbpfennig B 40 Galdpfenulg (fceibl.) Redaktions- schluß Montag Anzeigen-Preise: Colonelzelle im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,19 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.

Druck und Bering der Fulda- Actlsndruckere!. Berlagsort Fulda.

Wochenkalender.

Sonntag, 1. März. 1. Fastensonntag, Beginn des St. Josephsmonats.

Montag, 2. Mürz. Vom Tage.

Dienstag, 3. März. Kunigunde, Gemahlin Kaiser Hein­richs II., f 1040.

Mittwoch, 4. März. Quatembermittwoch. Kasimir Bek., I 1484. Lucius I., Papst und M., f 254.

Donnerstag, 5. März. Vom Tage.

Freitag, 6. März. Pergetua u. Felicitas, Mart., f 203 zu Karthago. Quatember-Freitag. Herz- Jesu-Freitag.

Samstag, 7. März. Quatember-Samstag. Tho- mas von Aquin, Kirchenlehrer, f 1274.

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Erster Saften - Sonntag.

(Ev. Matty. 4, 112.)

In jener Zeit ward Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versuchet würde. Und als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, darnach hungerte ihn. Und es trat der Versucher zu ihm, und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: Nicht vom Brote allein lebt der Mensch, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt. Da nahm ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so stürze dich hinab; denn es steht geschrieben: Er hat seinen Engeln deinettvegen befohlen, und sie sollen dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stoßest. Jesus aber sprach zu ihm: Es steht wieder geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn nicht versuchen! Abermal nahm iyn der Teufel auf einen sehr hohen Berg, und zeigte ihm alle Königreiche der Welt und ihre Herrlichkeit und spreng zu ihm: Dies Alles will ich dir geben, wenn

* mederfällst und mich anbete st. Da sprach Jesus zu ihm: Weiche Satan! denn es steht geschrieben: Du sollst o ' einem Herrn, anbeten, und ihm allein dienen

7 tiLCmn. ettiiefj ihn der Teufel, unb siehe, Die Engel- traten hinzu, und dienten ihm.

Die Neinigungskur.

e mehr die Flut des Unglaubens und Materialismus anschwült, desto mehr sind die Menschen darauf bedacht, das bischen Dies- Ms möglichst angenehm zu gestal­tn r ten, den Leib und dessen Begierden Halst P^kheiten und frühen Tod sich vom o getrieben vom Verlangen nach slâ Ä und Lebensverlängerung unterziehen all älmü Menschen bessnders.der besseren Kreise Reungungskur, die sie von ihrem 3 sich vorschreiben lassen. Kräutertee und

Mineralwasser, Obst und Trauben spielen dabei eine große Rolle. Ist eine solche Kur mit Erfolg gekrönt, so geht der Mensch verjüngt und neu- gekräftigt daraus hervor wie Sankt Johannes aus dem Kessel siedendes Oels.

Mein Christ, ich möchte Dich mit einer anderen Reinigungskur bekannt machen, welche unsere heil, kath. Kirche nach den Weisungen des himmlischen Arztes ihren Kindern vorschreibt, eine Kur, die nicht so sehr die Organe als vielmehr die Seele reinigt und dabei den Vorzug hat, daß sie auch zu Hause und ganz umsonst gehalten werden kann: ich meine die hl. Fastenzeit, die mit dem Ascher- mittwoch ihren Anfang genommen hat und bis Ostern fortdauert.

Siehe, die Kirche selber will diese Zeit als eine Reinigungskur aufgefaßt wissen. Lies nur die Kollekte vorn heutigen ersten Fastensonntag, wo cs heißt:O Gott! der Du durch die jährliche Uebung der vierzigtägigen Fastenzeit die Kirche reinigst ge­währe Deiner Seele die Gnade, durch gute Werke zu erreichen, was sie durch Enthaltsamkeit erstrebt."

Machen wir einen Rundgang durch die Hallen der Kirchengeschichte, um festzustellen, wie das Fa­sten im Lauf der christlichen Jahrhunderte geübt und gehalten wurde.

Wärest Du nun darüber im unklaren, ob Chri­stus, der Stifter unserer hl. Religion, ein Freund oder Gegner des Fastens war, dann vertiefe Dich in den Abschnitt des Mathäusevangeliums, der heute gelesen wird. Was steht gleich an der Spitze? Als Jesus vierzig Tage und vierzig Nächte ge­fastet hatte, darnach hungerte ihn." Bist Du dar­über im unklaren, ob Jesus auch seinen Jüngern das Fasten empfohlen hat, dann erinnere Dich an die Erklärung des Heilandes:Es werden Tage tommen, wo die Apostel fasten." Und was hat der Heiland angeordnet, um einem gewissen Teufel bei­zukommen?Diese Art wird nur ausgetrieben mit Gebet und Aasten."

Wundere Dich also nicht, daß die Praxis des Fastens den Aposteln und ersten Christen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wahrscheinlich haben schon die Apostel bestiminte Normen und Regeln aufgesetzt für die Beobachtung des Fastens. So begegnen wir der vierzigtägigen Fastenzeit schon an der Wiege der Kirche. Viele Jahrhunderte lang galt als unverrückbare Fastenregel die Einnahme einer einzigen Mahlzeit während des ganzen Tages mit Ausschluß jeder andern Erquickung. Die Zeit dieser einen Mahlzeit war der Abend nach Sonnen­untergang. Acht Jahrhunderte lang war diese Praxis unerbittlich durchgeführt. Im neunten Jahr­hundert wurde die Stunde der Mahlzeit auf brci Uhr und im 15. Jahrhundert auf 12 Uhr vorge-- rückt. Auch in den Klöstern hat sich diese Praxis eingebürgert. Und da es in den Klöstern Sitte _______ war, die Mahlzeit an Fasttagen erst nach der Vesper i früheren vergleichen einzunehmen. so wurde s" °" ...... J

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nach derselben wurde zum Essen geschritten Da-'Kann nicht jeder aus uns, auch der «tonte ecgrouw

her kommt die heute noch geltende Vorschrift, daß auch die Weltgeistlichen während der Fastenzeit die Vesper schon am Vormittag beten sollen, wäh­rend sie in der übrigen Zeit erst am Nachmittag zu beten ist. Auf der einen Seite war das Herauf­rücken der Essenszeit vom Abend auf den Mittag eine Erleichterung, weil man nicht so lange nüchtern zu sein brauchte; auf der anderen Seite aber eine Erschwerung, da ein strenges Fasten nur eine ein­malige Mahlzeit erlaubte. Wie sollten es aber dis Mönche mit ihren langen Gottesdiensten, mit ihren beschwerlichen Handarbeiten, wie sollten es die Bauern, Taglöhner und Soldaten von einem Mit­tag bis zum anbern volle 24 Stunden lang aus- - halten? Die Natur selbst drängte zu einer Er­leichterung. Diese bestand darin, daß man am. Abend einekleine Stärkung" sich gestattete, Kol­lation genannt, weil dabei in den Klöstern die Kollationen oder Unterredungen des Abtes Saffian vorgelesen wurden.

Dabei bitte ich zu beachten, daß bis hinein in die neuere Zeit der Genuß von Fleisch, Eiern und Milch strengstens verboten war. Man mußte sich mit Gemüse, Früchten und Brot behelfen. Im Jahre 1297 wandte sich der König Wenzeslaus von Böhmen an den Papst Bonifaz VIII., um die Er­laubnis zu erhalten, während der Fastenzeit Fleisch essen zu dürfen. Der Papst sandte zwei Cisterzienser- Mönche, um sich über den Gesundheitszustand des Herrschers genau-^wwerlassigen. Erst auf deren Bericht hin bewilligte der hl. Vater die erbetene Dispens,'jedoch unter der Bedingung, daß der König wenigstens an den Freitagen und Samstagen sich der Fleischspeisen enthalte.

Je weiter wir uns von der Wiege unseres hl. Glaubens entfernten, eine desto größere Bresche schlugen menschliche Lauheit im Bunde mit den wirtschaftlichen Verhältnissen und Ernährungs­schwierigkeiten dem Fastengebot. Allgemein wird jetzt zur Mittagssättigung nicht bloß eine Stärkung am Abend, sondern auch am Morgen gestattet. Ein Zwischenbrot soll nur im Notfall bei körperlicher Schwäche oder angestrengter Arbeit genommen werden, und dann nur in bescheidenem Maße. Bei Krankheit und schwerer Arbeit sind übrigens alle Fastenvorschriften aufgehoben. Siehe da die Rück­sicht unserer gütigen Mutter, der Kirche, welcher nur der Unverstand und die Bosheit Intoleranz

und Herrschsucht vorwerfen können. Auch der Ge­nuß von Fleisch ist während der Fastenzeit für Deutschland und die nördlichen Länder gestattet, (mit Ausnahme der Freitage), während im wär­meren Orient vielfach noch die ursprüngliche Streng« geübt wird.

Christen! Muß uns -ücht Heilsam^

ergreifen, wenn-mr d-ss heMig P f ^rn