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Ausgabe B

Kassel, den P. Zebruar 1925

6t WMH.M

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag und kostet msnatllch Ausgabe A 35 Zrldsfennlg 3 41 Vildpsennlg stcelbl.) Sebastians« schsilh Montag Anjeigen-Preise: Calonklzelle im Anzeigenteil 0,15 Oolb.nirt, Eelenrtgeile im Rekkam-tels 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabrtt. Auskuist und 0jf.«3eb. 0,1) Gold nick. Porto extra. Anzeigen müssen sp.'itsstea» bis Montag morgens im Zesig der Fuldaer Actiendruckecet In Fulda jein.

Sm« unb Bering der Fulda» ArNendruck-rrt

Wochenkalender.

Sonntag, 15. Febr. Sonntag Sexagesima. Faustin und

;>outta, Mart., | 122. AuS Anlak oeS JayrestageS der Wavl und Krönung PiuS XL Papstfeter tu der Diözese Fulda

Montag, 16. Febr. Vom Tage.

Dienstag, 17. Febr. Vom Tage.

Mittwoch, 18. riebt. Simeon, Bischof von Jerusalem, Mart, f 105.

Donnerstag, 19. Febr. Vom Tage,

Freitag 20 Febr. Vom Tage.

Samstag, 21. Febr. Marien -Samstag.

Sonntag Sexagesima.

(Ev. Luk. 8, 416.)

In jener Zeit, als sehr viel Volk zusammen- gekommen, und aus den Stävien zu esu bervergecilt war, sprach er gleiebniSweise: Ein Säemann gin, aus, ' seinen Samen zu läen, und da er säete, stet Eini ic3 k aR och Wei, uns wurde zertceicn, und die Vögel des Himmels fraßen es. Ein Anderes fiel auf steinigten chrnnd, und da es aufging, verdorrte eS, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Ein Anderes fiel unter Die Dörner I uns die Dörner, die mit aufwuchsen, eritirften es. Ein i Anderes fiel auf gute Erde, uns ging auf, uns gab hundertfä lige Frucht. Als er dies gefa t hatte, rief H er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! ES fragten ihn ' aber seine Jünger, was dieses öileictjnia bedeute. Und er sprach zu ihnen: Euch iu gegeben, die Geheim­nisse des Rcivrs Gottes zu verstehen; den übn e i aber Iverden Gleichnisse gegeben, damit sie »ehen und doch nicht seyen, hören und nLut verstehen. DaS i Gleichnis aber bedeutet dieses: Der Same ist das Wort O'.ott 8. Die am Wege, das sind diese, welche cS I hören: b tuen kommt der Teufel, und nimmt das Wort aus ih.em Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die auf dem steinigten Grunde, das sind die, welche das Wort mit Freuden ausnehmen, wenn sie es hören; aber sie haben keine Wurzeln: sie glauben D eine Zeit lang und zur Zeit der Versuchung fallen sie * ab. Das, was unter die Dörner fiel, das sind die, welche gehört haben, aber dann hingehen, und in den Sorgen, Reichtümern und Wollüsten des Lebens etftirten, uns keine Frucht bringen. Was aber auf nute Erde das sind die, welche das Wort hören, unb in dem guten, und sehr guten Herzen behalten, unb Fruat »ringen in der Geduld.

er heutige Sonntag Sexagesima M von der Heldengestalt des Paulvs beherrscht. Im Evange­lium spricht der Heiland bekannt­lich vom Schicksal der göttlichen "'- Samenkörner. Einige derselben, sagt der Heiland, fielen auf steinigen Grund; sie sind schnell unb kräftig aufgegangen: als aber die Sonne darauf brannte, sind die schönen Ansätze abgestanden und verdorrt, so daß die Arbeit uw . sonst war. Diesem steinigen Boden gleichen unbe- gtändige Seelen, die anfangs mit wahrer Begei- Mung eine gute Sache anpacken; doch zur Jett der

Nr. 7

Versuchung fallen sie ab. Ein solches Rohr war unser Paulus keineswegs.

Da hatte der Same gut aufgehen, wirft Du vielleicht sagen. Denn bei einem Paulus war doch keine Spur einer Versuchung! War er denn nicht bis in den dritten Himmel entrückt? Hat er nicht zahllose Wunder gewirkt? War nicht seine Liebe zu Christus wie eine brennende Kohle? Hat er nicht oft genug dem Teufel das Handwerk gelegt? Die Seele eines solchen Mannes war doch sicher ein windstiller Hafen, zu bem kein Wind und kein Lüftchen Zutritt hatte! Fehlgeschofsen, meine Freunde, wenn solche Anstichen über unsern Pau­lus sich in eurem Gehirn festgesetzt hätten. Laßt uns der Wahrheit die Ehre geben , Faustschläge prasselte»: auf ben hl. Paulus. Lies nur sein Be­kenntnis in der heutigen Epistel. Nachdem er feine Reisen, seine Strapazen, seine Stümpfe, seine Leiden im Dienste Christi aufgezählt, fommt er zu guter Letzt auf die Auszeichnungen, Ekstasen und Offen­barungen, deren er gewürdigt worden:Ich kenne einen Menschen, der bis in den dritten H'unmel ist entrückt worden und Geheimnisse erlauschte, die kein Sterblicher aussprechen tann. Damit aber die Größe meiner Offenbarungen mich nicht überhebe, ward mir ein Stachel des Fleisches gegeben, ein Engel Satans, daß ermir Faustschlage versetze."

Was ist mit diesem Stachel? Mit diesem Engel Satans? Mit diese»: Faustschlägen? Alle diese Ausdrücke laufen auf eins hinaus. Der Apostel meint die Quälereien vonseiten der bösen Luft, die ihre Quelle in der Leiblichkeit hatte, aber vom Feinde des nienschlichen Heiles, vom Satan, noch genährt und geschürt wurde. Möglich, daß der Teufel auch zu wirklichen Streichen aushalte und den Apostel bisweilen schrecklich traktierte. Wissen wir ja aus bem Leben eines Abtes An­tonius, einer Schwester Creszentia, eines Pfarrers Vianuey und aus dein Leben vieler anderer Hei­ligen, daß der Teufel die Lieblinge Gottes sogar mit Prügeln und Schlägen bearbeitet. Obwohl ein Meister des geistlichen Lebens, Meister der Be­redsamkeit, Meister der Tugend, wurde Paulus wie ein Schuljunge vom Teufel geohrfeigt, schreibt St. Augustin, fyiiibet diese Ansicht Deinen Beifall nicht, so stebt es Dir frei, an moralische Ohrfeigen, moralische Faustschläge zu denken. In solche«»: Grad wurde der hl. Paulus von den Eingebungen Satans gequält, in solchem Grad oon der bösen Lust üngestachelt, als spürte er beschürnende Ohr- felgen und schmerzliche Faustschläge.

Was tat nun Paulus, um sich diese Belästi­gungen vom Halle zu schaffen? Höre ihrr selbst, wie er alles so treuherzig erzählt:Dreimal habe ich ben Herrn gebeten, daß der Stachel von mir weich«; doch der Herr gab zur Antwort: es genügt dir meine Gnade",' Merke wohl, wer gebetet" hat! Paulus ist es gewesen, Gottes Liebling, ein Mann von erprobter Tunend und seltenen Verdierstten. Und mit welchem Eifer, mit welcher Inbrunst wird er sein Anliegen vorgetragen haben. Dabei hat er

sich keineswegs mit einer einsigen Bitte begnügt. Dreimal habe ich den Herrn gebeten", das hecht wiederholt und ohne Unterlaß. Und Paulus wurde doch erhört? Im Gegenteil: Paulus blieb unerhört: der Stachel ist geblieben, die Faustschläge dauerten weiter. War also sein Gebet umsonst? Keines­wegs. Einen Regen von Gnaden hat er damit veranlaßt, die ihm den Sieg verschafften.Es genügt dir meine Gnade". Mit dieser Gnade hat Paulus gearbeitet. So hat er den Stachel abge­stumpft, die Faustschläge pariert. Und das alles zu großer Beschämung des Teufels, zu großer Ehre der Gnade, zu großem Gewinn des Apostels. Der Teufel merkt ja nicht, bemerkt der hl. Augustin, wie viel Gutes auf seine Veranlassung geschieht, wenn er wütet. Durch seine Wut hat er den Judas angestiftet, den Meister zu verraten. Infolge dieses Verrates wurde Christus gekreuzigt. Was war das für den Teufel für ein Vorteil? Die Welt wurde vom Teufel befreit, die Welt wurde erlöst. das Reich Satans wurde zerstört. So nützte der Teufel gegen seinen Willen auch dem Paulus. Durch die beständigen Versuchungen bewahrte Paulus trotz seiner Offenbarungen unb Wunder, stets die Demut, übte Wachsamkeit, Gottoertrauen, Gebetseiser. Auch zu Abtötung und Selbstpeinigung ist er geschritten: Ich züchtige meinen Leib", schreibt er,und bringe ihn in Knechtschaft, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt habe, selber verworfen werde".

So steht Sankt Paulus heute vor uns als eine Säule von Marmor, behauen und geglättet von Gottes Meisterhand unter Mitwirkung des Paulus, wozu Satan Hammer u. Meißel leihen mußte. Der böse Feind mußte gleichsain den Steigbügel halten, mit dessen Hilfe Paulus sich zum Gipfel der Voll- kominenheit ausgeschwungen hat.

Run wird es Dir leichter werden, christliche Seele. Nun wirst Du wohl kein Jammerlied mehr anftimmen über Deine Versuchungen zum Zorn, zur Sinnlichkeit, zur Fleischeslust. Nun wird et Dich nicht mehr wundern, wenn bisweilen die ab­scheulichsten Gedanken, Vorstellungen, Wünsche und Begierden wie Mistkäfer durch Deine Seele schwir­ren und wenn in Deinem Fleische die böse Lust wie ein Pfahl sich herumdreht. Wenn das einem Apo­stel begegnet ist, und wenn dieser Apostel vor aller Welt es hmbmacbt, dann ist ein solcher Zustands auch für Dich nicht zum Verzweifeln, dann kannst auch Du wenigstens Deinem Beichtvater davon 9Jlit«' teilung machen und selbst über vorgekommene Fehler ein offenes Geständnis ablegen, wenn Du, bisweilen in Gedanken oder Werken eiugewMgt, hast. Eines aber kann ich nicht verstehen: wenn, Du nämlich den Stachel noch schärfen un Feuer gießen würdest. Das tun aber n ^^ Aufsuchen der Gelegenheit, durch Ve v - ,

und Lustbarkeit, dl-3gut ^t L^»*^ S D-ch fem von bett Tropfen unb SS der Fastnacht, A^ noch niemand tugendhafter geworden ist/